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Freitag, 5. April 2019

WMDEDGT? am 5. April 2019 - Freitag

Heute ist der 5. des Monats und somit heißt es im Rahmen der bekannten Bloggeraktion wieder einmal: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?". 

Es ist Freitag, normaler Alltag ohne besondere Vorkommnisse. Heute werden die Kinder vom Papa abgeholt und ich habe nachmittags frei. Über meine Freitagabende früher und heute im Vergleich habe ich in diesem Text geschrieben.

6:30 Uhr

Der Wecker klingelt wie üblich, ich stehe auf, mache mich fertig, wecke die Kinder, wir frühstücken und ziehen uns an. Ich habe sehr starke Bauchschmerzen, kann nur gekrümmt laufen und werfe gleich eine Tablette ein. Ich bin ja allein und muss trotzdem funktionieren. Außerdem läuft schon die Waschmaschine.

7:30 Uhr

Der Papa kommt und bringt die Kinder zur Schule und zur Kita. Der Rucksack mit den Sachen für den Papa-Samstag sowie ein Geschenk für einen Kindergeburtstag, zu dem der Große morgen eingeladen ist, sind natürlich fertig und werden mitgenommen. Ich hänge noch schnell die paar Wäschestücke auf und mache mich dann für die Arbeit fertig. Die Bauchschmerzen sind etwas besser.

8:00 Uhr

Abfahrt zur Arbeit. WhatsAppen mit anderen Eltern bezüglich Treffen der Kinder in den Osterferien.

8:30 bis 14:30 Uhr

Auf der Arbeit. Gegen Mittag erreicht mich eine Nachricht aus einer Aktion auf Twitter, über die ich mich sehr freue. Umso mehr, da im Moment an allen Fronten sehr viel Unerfreuliches passiert.

Ausblick vom Büro

14:30 Uhr

Feierabend, die Arbeitswoche ist beendet. Nun noch eine Woche bis zu den Osterferien.

15:00 Uhr

Ich bin zuhause. Eine weitere Maschine Wäsche, die ich programmiert hatte, ist fertig und muss aufgehängt werden. Ich habe Hunger und bestelle Pizza. Bis sie kommt, sauge ich noch die ganze Wohnung durch. Dann habe ich das wenigstens schon geschafft (und mir die Pizza verdient).

16:00 bis 18:00 Uhr

Pizza-Essen und Couch. Dann wird die nächste Maschine Wäsche aufgehängt. Heute mal alles geballt, da wir wegen des schönen Wetters unter der Woche immer lange unterwegs waren. Die Kinder werden derweil vom Papa abgeholt. Ein bisschen Ablage, ein bisschen Aufräumen, ein bisschen Dies und Das. Der Papa schickt mir Bilder des neuen 24' Fahrrads (Affiliate Link) für den Großen, das heute angekommen ist.

18:00 Uhr

Ich drehe noch eine Runde mit dem Fahrrad. Es ist recht kühl, aber die Abendluft ist herrlich und es sind noch viele Leute unterwegs. Überall blühen die Kirschbäume, die Kastanienknospen sind kurz vor'm Platzen und im Park ist noch jede Menge los.


Auf dem Rückweg fahre ich am Supermarkt vorbei und mache noch den Wochenendeinkauf. Zurück zuhause werden mit Musik (Affiliate Link) die Einkäufe verräumt, ich tippe dieses WMDEDGT und genieße meinen Feierabend. Vielleicht lese ich gleich noch ein wenig im Buch "Orchidee oder Löwenzahn?" (Affiliate Link) weiter.

Nachtrag: Letzteres habe ich nicht gemacht, stattdessen die Location für die Kindergeburtstagsfeier der Kleinen gebucht, Einladungskarten ausgedruckt, ausgeschnitten, gefaltet und soweit wie möglich vorbereitet, damit die Kleine nur noch die Namen eintragen muss, einen Kinderkurs ausfindig gemacht und gebucht, in dem die Kleine Inline Skates fahren lernt (sie wünscht sich Inliner zum Geburtstag), ein paar Banksachen erledigt und Bahnrecherchen für unsere kleine Osterferienreise vorgenommen. Was man eben alles noch zusätzlich zu tun hat;-)

Habt ein schönes Wochenende!

Mehr #wmdedgt gibt es wie immer bei Frau Brüllen.

Mein letztes WMDEDGT? findet ihr hier.

Freitag, 15. März 2019

Der 8. Geburtstag des Großen

8 Jahre ist mein Großer nun alt, es ist wirklich unglaublich, ich bin weder wehmütig noch traurig, sondern finde es unglaublich toll! So ein großer Junge, der sich so grandios entwickelt hat. Der Schulstart vor anderthalb Jahren hat ihm nochmal einen unglaublichen Selbstbewusstseinsschub gegeben, er erhält fast ausschließlich positives Feedback und merkt selbst, wie er sein Leben, seine Herausforderungen meistern kann. Ich begleite und unterstütze ihn weiterhin verständnisvoll und zugewandt und sehe gleichzeitig, wie er immer selbstständiger wird und mich immer weniger benötigt. Das finde ich wunderbar!

Die Vorbereitungen für seinen Geburtstag machte ich wie im letzten Jahr allein und war wieder richtig stolz, als der Geburtstagstisch abends fertig war. Am Geburtstagsmorgen (6. März) waren die Kinder natürlich sehr aufgeregt und als der Große zu seinen Geschenken durfte, freute er sich sehr. Nacheinander packte er jedes Geschenk aus und war wirklich sehr glücklich. Da es ein Mittwoch und damit ein normaler Schultag war, blieb allerdings nicht viel Zeit, wir frühstückten und machten unser normales Morgenprogramm. Der Papa brachte die Kinder weg und in der Schule wurde mit den mitgebrachten Muffins und Süßigkeiten gefeiert.

Ich hatte mir frei genommen und die beiden Mittwochstermine des Großen abgesagt. Ich holte ihn nach dem Mittagessen um 13:30 Uhr an der Schule ab und wir gingen vergnügt nach Hause. Zuhause konnte er ausgiebig und vor allem in Ruhe (ohne die Schwester) 2 Stunden mit seinen neuen Dingen spielen. Natürlich baute er zuerst sein Lego-Geschenk auf.


Gegen 16 Uhr holte ich dann allein die Kleine von der Kita ab und um 16:45 Uhr kam der Papa der Kinder von der Arbeit und spielte auch noch zusammen mit dem Großen. Abends machten wir unser traditionelles Pizza-Picknick und dann übernachtete der Große beim Papa, was ich persönlich nicht optimal fand, weil er traurig war, dass er seine Geschenke verlassen musste. Ich sah ihn dann am nächsten Tag wieder, als ich mit ihm zur U10 bei der Kinderärztin ging. Der Geburtstag war schön ruhig und genau richtig für den Großen.

Action gab es dann am Samstag beim Kindergeburtstag. Aus finanziellen Gründen hatte ich lange nach einer preiswerten und trotzdem spannenden Feiermöglichkeit gesucht und mich schließlich für eine Geburtstagsführung im Naturkundemuseum Berlin entschieden.


Diese sollte 1 Stunde dauern und kindgerecht einige Höhepunkte der umfangreichen Ausstellungen vorstellen. Das Museum ist von uns aus gut zu erreichen und bietet spannende Highlights, darunter den T-Rex Tristan, für unsere Geburtstagsgäste im Alter von 5 bis 8 Jahren.


Der Große hatte 6 Kinder eingeladen, wobei ein Freund leider abgesagt hatte, so dass die Gruppe also insgesamt aus 7 Kindern bestand. Als alle da waren (auch meine Kinder kamen erst 14 Uhr vom Papa zurück), fuhren wir in 2 Gruppen mit der S-Bahn und dem Auto zum Museum, wo unsere Führung startete. Der Anfang war, obwohl in der spannenden Dinosaurier-Eingangshalle, etwas zäh und alle Kinder mussten sich erst an das Herumstehen und Zuhören gewöhnen. Nicht alle hatten bereits Museumserfahrung...

Im zweiten Teil der Führung wuchs die Begeisterung sichtlich, als im Schnelldurchlauf noch einige Highlights aufgesucht wurden. Ein paar Kinder mischten kräftig mit, stellten Fragen und zeigten ihr Wissen. Absoluter Höhepunkt war, als der Museumspädagoge die Geschenke brachte: es gab für jedes Kind einen versteinerten Hai-Zahn und für das Geburtstagskind, den Großen, zusätzlich noch einen echten (kleinen) versteinerten Dino-Knochen. Das war richtig toll und einige Mamas berichteten mir später, wie stolz ihr Kind diesen Schatz hütete. Die Führung ging insgesamt länger als 1,5 Stunden, was ich persönlich zu lang fand, wobei aber eben der 2. Teil deutlich kurzweiliger war.

Zurück zuhause blieb gar nicht viel Zeit übrig, schnell wurde der Kuchentisch geplündert, die Geschenke der Kinder ausgepackt, noch ein wenig im Kinderzimmer gespielt und vor allem der neue Kickertisch* ausprobiert. Um 18:30 Uhr waren alle Kinder abgeholt, wir räumten auf, der Papa verabschiedete sich und wir hatten noch ein wenig Zeit, um runterzufahren. Ich bin immer ziemlich kaputt nach solchen Kindergeburtstagen, obwohl ich mich diesmal schnell erholte, weil ich nicht mehr so grundsätzlich erschöpft bin wie früher. Aber das Betreuen so vieler verschiedener Kindercharaktere, wilde und ruhige, vorlaute und vernünftige, interessierte und gelangweilte, erfordert schon einiges an Nerven, und auch das Geschwisterkind, die Kleine, machte diesmal Sperenzien. Der Große, das Geburtstagskind, stand am wenigsten im Mittelpunkt, weil er einfach im Vergleich zu den anderen Kindern so ruhig war. Aber er macht das mittlerweile alles super mit und wirkte nicht überfordert oder genervt. Und ich denke, nach dem etwas holprigen Start gingen dann doch alle Kinder glücklich und zufrieden nach Hause.


Nun ist mein Großer schon in seinem 9. Lebensjahr. Wahnsinn!

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Dienstag, 5. März 2019

WMDEDGT? am 5. März 2019 - Fasching und Geburtstagsvorbereitungen

Heute ist der 5. des Monats und somit heißt es im Rahmen der bekannten Bloggeraktion wieder einmal: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?".

Es ist Faschingsdienstag! In der Schule gab es für den Großen schon vor 3 Wochen eine Faschingsveranstaltung, bei der er sein Gladiator-Kostüm* ausführen konnte, aber in der Kita wird mit einem Frühstück und einer Party gefeiert. Die Kleine ist schon sehr aufgeregt, ja wir sind alle diese Woche sehr aufgeregt, weil der Große morgen Geburtstag hat und noch einige aufregende Dinge anstehen. Leider bin ich schon wieder bzw. immer noch angeschlagen, wie fast durchgehend in den letzten Wochen.

6:30 Uhr

Mein Wecker klingelt wie immer im Alltag, ich mache mich fertig und wecke dann die Kinder. Wir frühstücken, ziehen uns an und die Kleine packt ihr Hexen-Kostüm* und die Lebensmittel für das Faschingsfrühstück ein.

7:30 Uhr
 
Der Papa kommt und bringt die Kinder zur Schule und zur Kita. Ich mache mich für die Arbeit fertig und verlasse um 7:50 Uhr die Wohnung. Leider hat die S-Bahn Verspätungen und Ausfälle zu verzeichnen und ich bin erst 8:30 Uhr auf der Arbeit.

8:30 bis 14 Uhr

Arbeit. Alles wie üblich. Zwischendurch hagelt es draußen, dann scheint die Sonne wieder. Mittags kommt eine Mail, dass das Abschlussfest der Klasse des Großen, bei dem ein Theaterstück aufgeführt wird, an einem Nachmittag stattfindet, an dem voraussichtlich auch das Zuckertütenfest der Kleinen in der Kita gefeiert wird. Das ist so ärgerlich und schwierig für Mehrkind-Eltern!

14:30 Uhr

Ich gehe noch kurz einkaufen und Blümchen holen. Die gehören zu dem morgigen Geburtstagstisch einfach dazu.

15 Uhr

Ich bin zuhause, räume den Geschirrspüler aus, falte die trockene Wäsche, esse etwas Warmes und ruhe mich noch ein bisschen aus. 

16 Uhr

Ich hole den Großen von der Schule ab und wir gehen zusammen zur Kita, um die Kleine aufzugabeln, die begeistert von ihrem Faschingstag erzählt. Es gab sogar noch 3 andere Hexen in der Kita! Wir essen Eis in unserem Stamm-Cafè und gehen dann nach Hause.

17 Uhr

Wir sind zuhause und fangen gleich an, Mini-Muffins für die Schulklasse des Großen zu backen. Das dauert bis zum Abendbrot. Gut, dass ich den Geburtstagskuchen gestern schon fertig gemacht habe.


18 Uhr

Abendbrot und danach Medienzeit.

19 Uhr

Abendritual. Die Kinder schlafen gegen 19:30 Uhr und ich fange an, das Wohnzimmer zu dekorieren, Luftballons aufzublasen, den Geburtstagstisch aufzubauen und alles für den Geburtstag vorzubereiten. Seine Geschenke hatte ich natürlich auch schon gestern eingepackt.

20:30 Uhr

Feierabend. Wahnsinn - morgen wird mein Großer 8 Jahre alt!



Mehr #wmdedgt gibt es wie immer bei Frau Brüllen.

Mein letztes WMDEDGT? findet ihr hier.


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Freitag, 25. Januar 2019

Mein Freitagabend früher und heute

Freitags abends sitze ich manchmal auf meiner Couch und erschrecke plötzlich, weil der Fernseher oder die Musik sehr laut läuft. Mensch, die Kinder schlafen doch! Oder ich horche, wenn es im Flur knackt, weil ich denke, ein Kind kommt aus seinem Zimmer. Dann fällt es mir wieder ein: die Kinder sind ja gar nicht da! Freitag/ Samstag ist im regulären Alltag die einzige Nacht, in der sie nicht bei mir, sondern beim Papa schlafen und ich allein bin. Das ist für mich auch nach fast einem Jahr noch ungewohnt. Herrlich, aber ungewohnt. Immerhin sind sie die restlichen Tage (bis auf Ausnahmen) immer bei mir und ich mache das komplette Abendprogramm allein, bin also jeden Abend "im Dienst". Freitag ist mein (einziger) freier Abend. Freitag ist aber auch das Ende einer anstrengenden Arbeits- und Alleinerziehend-Woche. Und früher war Freitagabend in unserer Familie oft ein Abend der Eskalationen, an dem alle erschöpft und unzufrieden waren und die Anstrengungen der Woche herausließen.

Bildquelle: Pixabay

Meine Freitage früher verliefen immer ähnlich: ich habe bis ca. 14:30 Uhr gearbeitet, manchmal länger und bin dann direkt von der S-Bahn in den Supermarkt gegangen, um noch einige frische Dinge für's Wochenende einzukaufen. Den Großeinkauf ließen wir oft liefern. Oder ich habe noch kurz etwas anderes wie z.B. Drogeriemarkt erledigt. Dabei schaute ich immer ganz genau auf die Uhr, denn ich wusste, dass der Mann gegen 15:30 Uhr die Wohnung verlässt, um die Kinder abzuholen. Um die kurze freie Zeit auszunutzen, bis sie nach Hause kommen würden, versuchte ich immer, genau dann oder kurz nachdem einzutreffen, wenn der Mann ging. Früher nach Hause kommen wollte ich nicht, um ihm nicht die letzte halbe Stunde seines einzigen freien Tages zu zerstören. Das habe ich selbst nämlich gehasst, wenn dies umgekehrt der Fall war.

Zuhause habe ich schnell alles verräumt und einsortiert, kurz Dinge erledigt, die noch zu tun waren und mir dann aufgrund massiven Hungers entweder etwas zu essen gemacht bzw. oft auch etwas bestellt oder mitgebracht. Dann bin ich mit meinem Essen auf der Couch versackt und habe im Handy gelesen. Ich war total kaputt und wusste nie, wann die Familie kommen würde. Ich habe dann noch das Abendbrot für die anderen vorbereitet und war nicht ansatzweise ausreichend erholt, als die Kinder kamen. Ich brauche sehr lange zum Regenerieren und möglichst feste vorhersagbare Zeiten. So war ich eigentlich meistens ziemlich unglücklich, wenn der Rest der Familie nach Hause kam, denn die Me-Time hatte mir nicht annähernd gereicht.

Der Mann dagegen holte freitags die Kinder ab und versuchte, sie möglichst lange draußen noch zu ziehen, damit ich zuhause meine Ruhe habe. Im Sommer ist das kein Problem, da kann man auf Spielplätze gehen, Eis essen oder sich im Park austoben. Im langen Winterhalbjahr jedoch wird es schwierig, jede Woche einen Programmpunkt zu finden. Man hält sich dann besonders lange im Cafè auf, geht ins örtliche Einkaufszentrum oder besucht mal Freunde. Manchmal ist er auch mit den Kindern ins nahegelegene Möbelhaus gefahren, einfach, um die 2 Stunden rumzukriegen und mir meine so dringend benötigte Zeit allein zu ermöglichen. Für die Kinder war das sehr anstrengend, denn sie waren erschöpft von der Kita-/ Schulwoche und wollten sicherlich gern nach Hause. Auch der Mann hätte manchmal lieber mit ihnen zuhause gespielt, obwohl das lange Zeit sehr anstrengend war. Es war aber leider absolut nicht möglich, dass er mit den Kindern in einem Zimmer gespielt und sie mich in Ruhe gelassen hätten. Das funktionierte nie. Irgendein Kind kam immer heulend zu mir, oder ich hörte das Geschrei und die Streitereien, und das Abschalten funktionierte überhaupt nicht. Deshalb so lange wie möglich draußen.

Als sie dann so zwischen 17 und 18:30 Uhr nach Hause kamen, was ich selten vorher wusste, überrollte mich meist ein Sturm von Emotionen. Die Kinder waren kaputt, früher hatte der Große immer beim Nachhausekommen geheult, später dann die Kleine. Ihre Erschöpfung, ihre Anspannung, ihr Vermissen brach sich Bahn und entlud sich sehr oft an mir. Oft gab es Wutstürme, intensive, lang anhaltende. Ich habe einen freitäglichen Wutsturm der Kleinen und seine Gründe mal in diesem Text beschrieben. Neben dem Auffangen der Emotionen der Kinder war ich auch mit meiner eigenen Erschöpfung und meinem Unglücklichsein wegen der für mich nicht ausreichenden Me-Time beschäftigt. Das fand nun der Mann wiederum undankbar (was ich verstehen, aber nicht ändern konnte), immerhin hatte er sich ja bemüht, sie so lange wie möglich von mir fernzuhalten. Eine explosive Mischung also. Auch das Abendbrot und das Abendprogramm war meist super anstrengend. Als die Kinder im Bett waren, machten wir 3 Kreuze und atmeten auf. Der Freitagabend war früher meist ein Horrorabend bei uns!

Meine Freitage heute sehen ganz anders aus, und der Kontrast zu früher ist auch fast ein Jahr nach unserer Trennung noch extrem krass. Der Papa der Kinder holt weiterhin die Kinder freitags von Schule und Kita ab und nimmt sie dann mit zu sich. Dort übernachten sie und bleiben den ganzen Samstag noch bei ihm. Für den Papa ist das sehr viel einfacher als früher, weil er mit ihnen direkt nach Hause gehen kann und keine Rücksicht auf jemanden anderen nehmen muss. Auch fällt die ganze emotionale Schiene weg, da die Kinder erstens älter geworden sind und besser kompensieren können, und zweitens eben keine Mama da ist, an der man sich entladen kann. Das ist ein großer Unterschied! Laut Papa klappt das alles ganz gut und die Kinder können sich so schon am Nachmittag erholen. Außerdem freuen sie sich natürlich auf ihren Papa und verhalten sich vielleicht kooperativer als im früheren Familienkontext. In jedem Fall gibt es dort freitagabends nicht diese anstrengenden Eskalationen wie früher bei uns.

Mein Freitag Nachmittag ist tatsächlich komplett frei. Ich kann machen, was ich möchte, ich kann kommen, wann ich möchte, und ich habe auch nach meinem Heimkommen Ruhe zuhause. Das ist wirklich unglaublich für mich. Meist arbeite ich noch etwas länger als früher. Manchmal gehe ich danach einkaufen und mache Besorgungen, wie früher, nur ohne Zeitlimit. Manchmal streife ich bis abends durch's Einkaufszentrum. Manchmal gehe ich direkt nach der Arbeit oder am späten Nachmittag ins Kino. Das liebe ich besonders, denn so kann ich die Woche hinter mir lassen. Oft gehe ich noch eine Runde im Park spazieren oder bin im Sommer viel Fahrrad gefahren. Ein Mal habe ich mit einer Freundin eine Schifffahrt auf der Spree gemacht oder bin noch durch die Innenstadt gebummelt. Ein anderes Mal bin ich bei schönstem Wetter von der Arbeit aus der Innenstadt bis nach Hause gelaufen, knapp anderthalb Stunden (siehe hier). Ich weiß, dass freitags zuhause niemand ist und auch niemand kommen wird, und das fühlt sich für mich unheimlich befreiend an. Zuhause esse ich in Ruhe und hänge die fertige, da vorprogrammierte Wäsche auf. Manchmal fange ich auch schon mit dem Haushalt an, je nach Kraft und Lust. Ich kann auf dem Sofa abhängen, solange ich will, ich kann auch später nochmal rausgehen und jeglicher zeitlicher Ablauf, dem ich die ganze Woche über unterworfen bin, ist ausgehebelt. Und vor allem muss ich nicht auffangen, trösten, vermitteln, antreiben, beseitigen, helfen. Ich muss keine schlechte Laune aushalten und trotzdem weitermachen. Ich muss nicht die Emotionen der Kinder zusätzlich zu meiner eigenen Erschöpfung und Unzufriedenheit kompensieren. Ich kann ins Bett gehen, wann ich will, denn am nächsten Morgen werde ich auch noch allein sein. Ich muss mich um niemanden außer um mich selbst kümmern. Ich bin einfach frei, von Freitag Nachmittag bis Samstag Abend. Es ist und bleibt ein riesiger Kontrast zu früher.

Bildquelle: Pixabay

Dass ich diesen Unterschied immer wieder so stark empfinde, liegt sicherlich nicht nur daran, dass das nur ein Mal in der Woche vorkommt (was ja total viel ist, verglichen mit der vorherigen Situation). Sondern auch und vor allem daran, dass ich seit der Geburt des Großen (2011) niemals, nicht ein einziges Mal eine leere Wohnung ganz für mich hatte. Nie waren alle Familienmitglieder mal gleichzeitig weg, nie konnte ich wirklich mal länger zuhause abschalten und mich fallen lassen. Der Große war ab und zu weg, die Kleine ganz selten und der Mann ebenfalls. Erst vor einem Jahr, nach Weihnachten, waren beide Kinder zum ersten und bis zur Trennung einzigen Mal gleichzeitig über Nacht weg. Allein war ich aber nicht. Ich bin, als es endlich möglich war, 2017 allein nach Prag und Usedom gefahren. Ich musste immer fliehen, um mal ausreichend lange allein zu sein. Aber eine fremde Umgebung ist eben fremd und damit in gewisser Weise auch anstrengend. Zuhause ist das etwas ganz Anderes. Ich genieße das sehr.

Wenn ich an früher denke, kommt mir das so unwirklich vor, wie es immer war, und ich überlege, ob man etwas hätte anders machen können. Die Umstände waren nicht änderbar, aber bestimmt hätte ich deutlicher sagen müssen, was ich mir wünsche. Ich hätte egoistischer sein müssen und viel früher und konsequenter das Thema Selbstfürsorge in den Mittelpunkt stellen müssen. Aber jeder, der kleine Kinder hat, weiß, wie nahezu unmöglich das ist, erst recht, wenn sie so fordernd sind wie meine Kinder waren und die allgemeine Situation eher schwierig ist. Leider liegt eben nicht alles in den eigenen Händen, wie uns manche Menschen suggerieren wollen, sondern es ist immer ein Zusammenspiel aus vielen verschiedenen Faktoren. Schade, dass solche Freitagabende früher nicht möglich waren, nie. Ich hätte sie dringend gebraucht.

Freitag, 4. Januar 2019

Interessantes auf dem Buchmarkt 2019

Werbung wegen Affiliate Links

Ich möchte euch wieder gern auf interessante Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt aufmerksam machen, die Bücher kurz vorstellen und verlinken. Aktuell werden die Buchvorschauen der Verlage für das Frühjahr 2019 versandt und ich bin schon auf einige spannende Bücher gestoßen. Die Auswahl ist natürlich subjektiv und beruht auf meinen eigenen Interessen. Daneben möchte ich auch sehr gern Bücher von lieben Blogger- und Twitterkolleginnen aufnehmen, die für mich interessant sind. Zur Transparenz: die Links führen meist zu Amazon und sind Affiliate Links, d.h. bei einem Kauf bekomme ich eine Mini-Provision. Für euch bleibt alles gleich.

1.) Sara Michalik-Imfeld, Peter Michalik: Mein wunderbares wütendes Kind: Warum starke Gefühle auch gut sind und wie wir Wutanfälle gemeinsam überstehen

Wenn das eigene Kind einen richtigen Wutanfall hat, kommen Eltern schnell an ihre Grenzen: Jetzt einfach nachgeben? Den Gefühlsausbruch autoritär unterbinden? Dieser Ratgeber holt Mütter und Väter aus ihrer Unsicherheit und zeigt, wie man angemessen Grenzen setzt und wie viel Wut noch normal ist. Mit im Gepäck: Zahlreiche Erfahrungsberichte von Eltern gefühlsstarker Kinder und fundierte Expertentipps, die im Alltag funktionieren. Für alle, die wissen möchten, woher die Wut kommt, wie man am besten auf sie reagiert und seinem Kind hilft, damit umzugehen!

Das Buch erscheint im Januar 2019 im Humboldt Verlag.


2.) W. Thomas Boyce: Orchidee oder Löwenzahn?: Warum Menschen so unterschiedlich sind und wie sich alle gut entwickeln können

Ein psychologisches Sachbuch über das Thema, warum wir Menschen uns unterschiedlich entwickeln. Menschen sind rätselhaft: Während der eine wie eine Orchidee feinfühlig auf alle Widrigkeiten reagiert, ist der andere robust und kommt problemlos wie ein Löwenzahn mit allen Herausforderungen zurecht. Der international renommierte Kinder-Psychologe W. Thomas Boyce hat dieses Phänomen jahrzehntelang untersucht. Seine weltweit anerkannte Forschung zeigt, dass das Zusammenspiel von genetischen Voraussetzungen und Umwelteinflüssen darüber entscheidet, wie Menschen mit den Anforderungen ihrer Umwelt fertig werden und Stress verarbeiten.
Diese Erkenntnisse helfen uns zu erklären, warum wir so geworden sind, wie wir heute sind. Und sie motivieren Eltern, über die Erziehung ihrer Kinder nachzudenken und die passenden Bedingungen zu schaffen, damit sie alle die gleichen Chancen bekommen und zu starken und gesunden Persönlichkeiten heranwachsen – ob sie nun eine verletzliche Orchidee oder ein widerstandsfähiger Löwenzahn sind.

Das Buch erscheint im März 2019 im Droemer Verlag und dieses Thema finde ich persönlich unheimlich spannend!


3.) Jesper Juul, Helle Jensen: Vom Gehorsam zur Verantwortung: Wie Gleichwürdigkeit in der Schule gelingt. Für Lehrer und Eltern

Mit Kindern bedürfnis- und beziehungsorientiert umgehen, das geht nicht nur zu Hause, sondern auch in der Schule. In der neu übersetzten und komplett aktualisierten Neuausgabe ihres Longsellers vermitteln Jesper Juul und Helle Jensen ein Mehr an Beziehungskompetenz. »Konsequente Machtausübung« ist oft das einzige Mittel, das Lehrern und Eltern einfällt, wenn sie in Konflikten mit Kindern nicht weiter wissen. Das Resultat: Kinder gehorchen aus Angst. Aber es geht auch anders. Wer Wege sucht, Kinder als eigenverantwortliche Menschen zu stärken, findet in diesem Buch eine Fülle von Anregungen: Wie können Bindung und Bildung in Freiheit und Gleichwürdigkeit aussehen? Was bedeutet Verantwortung in der Schule? Neueste Erkenntnisse aus Hirnforschung und Psychologie sowie zahlreiche Tipps und Beispiele aus der Praxis ermöglichen ein tieferes Verständnis für herausfordernde Situationen, die jeder Pädagoge, aber auch jedes Elternteil kennt.

Das Buch erscheint im April 2019 als 8. überarbeitete Auflage im Beltz Verlag.


4.) Jeannine Mik, Sandra Teml-Jetter: Mama, nicht schreien!: Liebevoll bleiben bei Stress, Wut und starken Gefühlen

»Jetzt reicht’s mir aber!!« Kaum jemand macht Eltern so wütend wie die eigenen Kinder. Denn häufig bestimmen übermäßige Angst, Kränkbarkeit und andere Stressreaktionen den Familienalltag. Diese Emotionen führen schnell dazu, dass Eltern ganz anders reagieren, als sie es sich eigentlich wünschen.

Dieses Buch mit seinen vielen Reflexionsimpulsen hilft Eltern zu unterscheiden, wann sie erwachsen denken und wann sie mit ihrem Verhalten in automatische Muster fallen. So wird es möglich, den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, mit ihnen in Beziehung zu treten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die für alle Beteiligten in Ordnung sind.

Jeannine Mik ist bekannt vom Blog Mini and Me. Das Buch erscheint im Mai 2019 im Kösel Verlag.


5.) Julia Dibbern, Nicola Schmidt: Wild World: Wie Kinder an der Welt wachsen und Eltern entspannt bleiben

Zur Schule mit dem Bus fahren, samstags alleine zum Bäcker gehen, Klettern im Wald … Während Kinder wachsen und selbstständig die »Welt da draußen« erkunden, stehen viele Eltern Ängste aus und wollen den Nachwuchs lieber vor Stress und Gefahren behüten. Aber ohne losgelassen zu werden, können Kinder nicht stark und autonom sein. Julia Dibbern und Nicola Schmidt ermutigen Eltern, den familiären Ressourcen zu vertrauen. Sie zeigen Wege, um aus der Geborgenheit der »Slow Family« Resilienz zu schöpfen. Mut, Neugier und Persönlichkeit zählen ebenso dazu wie familiäre Bindung und Selbstvertrauen. So können Kinder die Herausforderungen der »Wild World« meistern.

Erscheint im März 2019 im Beltz Verlag.


6.) Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der Familienplaner 2020

Kinderturnen, Besuch bei der Oma, Großeinkauf fürs Wochenende: Auch der Familienalltag mit dem gewünschtesten Wunschkind aller Zeiten treibt Eltern regelmäßig in den Wahnsinn. Ab 2020 hilft ihnen der Wunschkind-Wochenplaner, gut durch das Jahr zu kommen. Übersichtlich und informativ unterstützt der praktische Alltagsbegleiter Mütter und Väter bei der Gestaltung eines bunten und dennoch gut organisierten Familienlebens. Auf 52 klar gegliederten Wochenseiten sorgt er für Überblick. Neben zahlreichen Tipps und Inspirationen von den beliebten Wunschkind-Autorinnen bietet der praktische Buchkalender Rezepte, Spielideen und Wissenswertes rund um eine bedürfnis- und beziehungsorientierte Erziehung. Hohe Funktionalität: aufklappbar vom A5-Taschenkalender zum A4-Wandkalender, 6 Spalten und viel Platz für Notizen. Inklusive Planungstools wie Geburtstagskalender, Stundenpläne, Ferientermine, Jahresübersicht 2020 und 2021.

Erscheint im Mai 2019 im Beltz Verlag


7.) Dr. Stuart Shanker: Das überreizte Kind. Wie Eltern ihr Kind besser verstehen und zu innerer Balance führen

Dieses tolle Buch erscheint nun im Januar 2019 als Taschenbuch und wer es noch nicht kennt und sich für das Thema interessiert, sollte es sich nun zulegen. Meine Rezension dazu findet ihr hier.


8.) Hannah-Marie Heine: Tausendfühler Lars: Kinder mit Hochsensibilität

Mama hat Lars einen neuen Pullover aus der Stadt mitgebracht hat. »Kratzig«, sagt Lars, und schiebt den Pullover weg. Den Pullover kann er nicht anziehen! Lars nimmt vieles intensiver wahr, er hat ganz viele Gefühle und Gedanken. Wenn er zum Beispiel im Kindergarten mit den anderen Kindern mit Fingerfarben malt: Er sieht, hört, riecht und spürt dann ganz viel auf einmal, zu viel. In solchen Momenten fühlt er sich ganz allein. Wieso ist er so anders als die anderen? Zum Glück gibt es Opa, der Lars versteht, und Opas Schutzhütte, den Gartenschuppen. Wenn man den nur mit in den Kindergarten nehmen könnte! Doch da hat Lars eine Idee...
Lars empfindet Sinneseindrücke und Reize intensiver als andere. Das wird zum Problem, wenn seine Filter in Stresssituationen versagen, birgt aber auch viele »starke« Möglichkeiten. Ein Bilderbuch für Vorschulkinder, das es auch Erwachsenen ermöglicht, sich in hochsensitive Kinder und ihre Nöte einzufühlen und Entlastungsstrategien zu entwickeln.
Das Buch plädiert für die Akzeptanz von Hochsensibilität und hilft »dünnhäutigen« Kindern, Resilienz zu entwickeln.

Erscheint im März 2019 im Balance Buch + Medien Verlag.


Ihr seht, 2019 wird wieder ein spannendes Buch-Jahr. Vielleicht wurde euer Interesse für das eine oder andere Buch geweckt und ihr habt Lust bekommen, es schon vorzubestellen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und Stöbern!

Hier habe ich euch im letzten Jahr die Neuerscheinungen 2018 vorgestellt:
Interessantes auf dem Buchmarkt 2018

*Affiliate Links, deshalb Werbung

Sonntag, 30. Dezember 2018

Mein Jahresrückblick 2018

In guter "alter" Tradition schreibe ich wieder unseren Jahresrückblick und verlinke die wichtigsten Beiträge jedes Monats. 2018 war geprägt durch die Trennung unserer Familie im Februar, die zwar viele Veränderungen mit sich brachte, aber im Großen und Ganzen gut gemeistert wurde, und einen megatollen, langen Sommer, der uns viel Zeit im Garten bescherte, was ich im Vorjahr schmerzlich vermisst hatte. Das Jahr empfand ich trotzdem als sehr durchwachsen, einiges war einfacher, einiges schwieriger. Ich hatte viele, teilweise wochenlange gesundheitliche Probleme, obwohl ich selten mal so richtig krank war. Das macht mir schon Sorgen, denn jünger wird man leider nicht und die Kinder brauchen mich ja doch noch recht intensiv. Gegen Ende des Jahres wuchsen mir neben dem Stress auf der Arbeit auch die Dinge, die ich jetzt alle allein zu regeln habe, ziemlich über den Kopf und ich war am Anschlag. Auch die Kinder gingen zuletzt auf dem Zahnfleisch. Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr erstmal etwas ruhiger wird, auf allen Ebenen.

Im Januar hatten wir die Weihnachtsferien gut überstanden, ich veröffentlichte ein Interview mit den Wunschkind-Autorinnen zu ihrem im März erscheinenden neuen Buch und wir verbrachten einen total schönen Exklusivtag mit dem Großen, der ihn glücklich machte.

Im Februar waren wir alle (bis auf die Kleine) krank und fast parallel fand die Trennung unserer Familie statt, über die ich allerdings erst im Juli ausführlich berichtete. Ich schrieb über den rasanten Alltag mit einem Schulkind und einen Rückblick auf meine beiden Elternzeiten.

Im März wurde der Große 7 Jahre alt, ich rezensierte das tolle Buch von Mary Sheedy Kurcinka, was dieses Jahr einer meiner meistgelesenen Texte war, und berichtete über den ersten Kinobesuch der Kleinen, der in einem früheren Alter stattfand als beim Großen, weil sie einfach ein anderer Typ ist. In den Osterferien war ich allein mit den Kindern im Urlaub und das klappte im Großen und Ganzen recht gut.

Im April waren die Großeltern zu ihrem einzigen Besuch hier. Ich schrieb ziemlich spontan eine Rezension des neuen Buches von Susanne Mierau über Schreibabys und erzählte von den kleinen Botschaften, die mein Großer mir zukommen lässt, seitdem er schreiben kann. Nach Ostern begann der Mega-Sommer 2018, den ich sehr genossen habe. Der Balkon und der Garten wurden endlich mal wieder richtig ausgenutzt!

Im Mai feierte die Kleine ihren 5. Geburtstag. Danach war ihre Kita geschlossen und ich unternahm mit ihr einen kleinen Städtetrip nach Potsdam mit Übernachtung. Unmittelbar im Anschluss erlitt die Kita einen Wasserschaden und die Kleine war den ganzen Sommer über in Notbetreuung im Kita-Garten (im Freien), worüber wir sehr dankbar waren, da uns die mehrstündige Fahrerei in Ersatzkitas damit erspart blieb. Ende Mai fuhr die Kleine auf ihre erste Kitafahrt. Ich rezensierte das neue Buch der Wunschkind-Autorinnen "Gelassen durch die Jahre 5 bis 10".

Im Juni gab es viele Termine zum Schuljahresende, u.a. eine tolle Theateraufführung der Klasse des Großen. Die Kleine hatte ihre U9 und ich schaute den Film "Tully" im Kino, der mich aufwühlte. Und das lange erwartete, Ende Mai erschienene Buch von Nora Imlau zu gefühlsstarken Kindern wurde von mir vorgestellt und empfohlen.

Im Juli endete das erste Schuljahr des Großen, ich berichtete endlich über die Trennung und die ersten Monate als alleinerziehende Mama und danach fuhren wir in unseren Sommerurlaub, der teilweise allein mit den Kindern, teilweise als Familie zusammen stattfand. Das Wetter war wirklich megatoll und es war ein richtig entspannter und erholsamer Urlaub. Ich feierte meinen Geburtstag und die Zahl machte mich erneut bange.

Im August begann für meinen Großen das zweite Schuljahr und für meine Kleine das Vorschuljahr. Ich berichtete ausführlich, wie wir die Sommerferien mit Urlaub und Betreuung strukturiert hatten, nachdem ich mich ausgiebig über einige Blogposts von nicht berufstätigen Eltern geärgert hatte, die ihre Kinder die ganzen Ferien über zuhause behalten konnten und dies als Normal- (und Ideal-)zustand propagierten. Desweiteren hatte ich ein Exklusiv-Wochenende mit dem Großen, da die Kleine mit dem Papa verreist war.

Im September schrieb ich darüber, dass das mehr als 7 Jahre dauernde Thema "Einschlafbegleitung" nun überraschend für mich beendet war. Auch die Kleine schlief nämlich seit dem Sommerurlaub  allein mit einem Hörbuch ein, was mich abends sehr entlastete. Außerdem rezensierte ich ein neues Buch über hochsensible Kinder. Gesundheitlich begann leider eine schlechte Phase, die bis Mitte November anhielt.

Im Oktober meldeten wir die Kleine an der Grundschule des Großen an und ich teilte meine Tagebuchaufzeichnungen über die allerersten Tage als Alleinerziehende mit euch. In den Herbstferien fuhr ich mit den Kindern allein weg, was diesmal recht anstrengend war und mich bis heute an einem erneuten Urlaub allein mit ihnen zweifeln lässt.

Im November berichtete ich über eine Situation, die sich aus der Trennung ergab und in der es um gesundheitliche Entscheidungen ging, und bat um eure Meinung. Die Kita der Kleinen wurde 5 Monate nach dem Wasserschaden wieder bezugsfertig und ich feierte meinen 4. Blog-Geburtstag. Außerdem zog Ende des Monats eine liebe Familie aus dem Nachbarhaus weg, die wir zwar erst seit kurzem kannten, die aber nicht nur für die Kinderfreundschaften wichtig, sondern auch für mich eine Entlastung und Sicherheit beim Allein-Wohnen bedeutete.

Im Dezember gingen die Kinder und ich auf dem Zahnfleisch, es gab viele Jahresendtermine, viel Stress auf der Arbeit und zuhause, und für jede bearbeitete Baustelle taten sich zwei neue auf. Ich schrieb über meine Wünsche für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, stellte euch die Weihnachtsgeschenke für meine Kinder vor und protokollierte seit langem wieder einmal ein Wochenende in Bildern aus unserem Weihnachtsurlaub, den wir alle zusammen auswärts verbrachten, was nicht so ganz einfach war. Nun entspannen wir die letzten Tage des Jahres zuhause und starten hoffentlich erholt ins neue Jahr 2019.


Ich hoffe sehr, dass 2019 für uns und besonders für mich ein glücklicheres Jahr wird. Ich fühle mich gerade wie in einer Sackgasse, merke, wie ich immer älter werde und leider nicht soviel beeinflussen und steuern kann, wie ich gern möchte. Das ist ernüchternd und trägt nicht gerade zu einer positiven Grundstimmung bei. Nichtsdestotrotz muss ich stark sein für die Kinder und ihnen Sicherheit und Positivität vermitteln. Eine Gratwanderung.

Meine Tochter wird 2019 eingeschult und das wird nochmal einiges an Veränderungen, aber auch Erleichterung bringen. Unser äußerer Rahmen ist stabil, innen drin sieht es phasenweise schon anders aus. Ich wünsche mir sehr, dass sich manches zum Guten wendet und der Rest so bleibt wie bisher. Und hier meine Twitter-Wünsche für 2019:


Ich wünsche euch einen guten Rutsch und ein gesundes, zufriedenes und erfüllendes Jahr 2019!

Hier findet ihr meinen Jahresrückblick 2017.


Mittwoch, 5. Dezember 2018

WMDEDGT? am 5. Dezember 2018 - Vorweihnachtsalltag

Heute ist der 5. des Monats und somit heißt es im Rahmen der bekannten Bloggeraktion wieder einmal: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" Es ist ein ganz normaler Arbeits-, Schul- und Kitatag mit Nachmittagsterminen. Wir sind bis auf etwas Husten und Schnupfen soweit fit und stecken voll im Vorweihnachtsstress drin.

6:30 Uhr

Der Wecker klingelt, ich stehe auf, ziehe mich an, richte die Brotdose des Großen und gehe dann zu den Kindern. Sie sind heute ungewöhnlicherweise beide schon wach. Wir frühstücken und danach muss ich die Kinder wie jeden Tag antreiben, damit wir pünktlich fertig sind.

7:30 Uhr

Die Kinder freuen sich auf den Papa, der sie zur Schule und in die Kita bringt. Ich räume auf und mache mich selbst für die Arbeit fertig. Um 8 Uhr fahre ich los zur Arbeit.

8:20 Uhr bis 13:30 Uhr

Unspektakulärer Alltag auf der Arbeit. Die Sonne scheint so schön und ich würde gern draußen spazieren gehen. Wenn ich nachmittags mit den Kindern heimkomme, ist es immer schon dunkel. Ich mache heute etwas früher Schluss.

14 Uhr

Ich komme zuhause an, mache mir etwas zum Mittagessen, räume den Geschirrspüler aus und ruhe mich noch ein bisschen aus.

15:30 Uhr

Ich hole den Großen von seiner Fußball-AG ab, die auf dem nahegelegenen Sportplatz stattfindet. Dies ist zwar offiziell eine Schul-AG, aber eigentlich eine Elterninitiative. Die AG-Teilnehmer werden von Eltern von der Schule zum Sportplatz und zurück begleitet und ein Trainer des hiesigen Vereins übernimmt das Training. Nach der AG bringe ich den Großen zu seiner Ergotherapie. Mittwoch ist ein terminreicher Tag für uns, aber zum Glück der einzige so vollgepackte Tag.


16 Uhr

Die Ergotherapie-Sitzung beginnt, der Große bleibt allein mit der Therapeutin dort und ich gehe zur Kita, um die Kleine abzuholen. Wir essen noch kurz ein Eis in unserem Stamm-Cafè.

16:45 Uhr

Die Kleine und ich holen den Großen wieder von der Ergotherapie ab und wir gehen nach Hause. Normalerweise muss er dann noch zuhause die Hausaufgaben machen, da durch die Fußball-AG die Hausaufgabenzeit im Hort wegfällt. Heute gibt es aber keine Hausaufgaben, da der überwiegende Teil der Klasse eine Kindershow besucht.

17 Uhr

Die Kinder putzen ihre Stiefel für den Nikolaus, wir sichten noch kurz die Schulsachen, dann gibt es Abendbrot, der Papa ruft an und die Kinder haben ihre Medienzeit.


19:45 Uhr

Feierabend! Heißt: diesen Text schreiben und nachschauen, ob der Nikolaus schon da war:-)

Mehr #wmdedgt gibt es wie immer bei Frau Brüllen.

Mein letztes WMDEDGT? findet ihr hier. 

Montag, 5. November 2018

WMDEDGT? am 5. November 2018 - Erster Schultag nach den Herbstferien

Heute ist der 5. des Monats und somit heißt es wieder einmal: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?". Die Herbstferien sind zuende und ich glaube, der Große hat sich gut erholt, auch wenn sein Wochenende mit 2 Kindergeburtstagen etwas anstrengend war. Heute geht also der normale Schulalltag wieder los.

6:30 Uhr

Ich habe wiedermal schlecht geschlafen, obwohl ich extra früh ins Bett gegangen bin. Ich stehe auf, mache mich fertig, bereite die Brotdose für den Großen und das Frühstück vor und wecke dann die Kinder. Wir frühstücken und ziehen uns an, alles klappt relativ gut, ich bin wie leider sehr oft in den letzten Wochen ziemlich schlapp und angeschlagen. Keine Ahnung, was mit mir los ist.

7:30 Uhr

Der Papa kommt und nimmt die Kinder mit, um sie in die Schule und Kita zu bringen. Sie gehen problemlos mit und ich werde nie verstehen, wieso es an manchen Tagen zu Mega-Eskalationen kommt und an anderen gar nicht. Dann ist Ruhe. Montag ist mein freier Tag und ich fange an herumzuwirbeln. Räume den Geschirrspüler aus, stelle eine Maschine Wäsche an, sortiere im Kinderzimmer ein paar Dinge, räume auf usw. Was man eben alles so zu tun hat.

9 Uhr

Danach putze ich das Bad und hänge die Wäsche auf. Einkaufen gehe ich auch noch. Zuhause esse ich eine Kleinigkeit und fange an, einen Auflauf für mein Mittagessen zu kochen. Dank einiger überreifer Bananen backe ich gleich noch ein Bananenbrot. Es duftet also sehr interessant in der Küche;-).



12:30 Uhr

Wie die Zeit vergeht! Ich genieße mein Mittagessen in Ruhe und lese Twitter. Danach trinke ich einen Kaffee und probiere ein Stück Bananenbrot. Lecker! Ich repariere noch eine Hose des Großen, schnippele ein bisschen Picknickkram für die Kinder und fange dieses WMDEDGT an.

15:15 Uhr

Ich hole heute zuerst die Kleine von der Kita ab und danach den Großen von der Schule (sonst ist es umgekehrt), denn wir wollen noch zum kostenlosen Puppentheater im hiesigen Einkaufszentrum gehen. Keine 5 Minuten nach dem Abholen der Kleinen ist schlechte Laune angesagt. Zum Glück ist auf dem Schulhof Action und damit Ablenkung. Wir holen den Großen ab, dessen erster Schultag nach den Herbstferien gut war, und fahren ins Einkaufszentrum.

16:30 Uhr

Das Puppentheater beginnt, heute kommt das Stück "Der Regenbogenfisch". Es ist voll, wie immer, und sehr unruhig. Eigentlich wollte noch eine befreundete Familie dazustoßen, aber sie sagte leider kurz vorher ab. Ich denke mal, die Puppentheater-Zeit läuft so langsam ab, meine Kinder werden zu alt dafür.



17:15 Uhr

Das Stück ist zuende und wir gehen noch kurz in den Spielzeugladen. Danach fahren wir im Dunkeln mit Roller, Laufrad und Fahrrad nach Hause und stellen fest, dass wir unbedingt Lampen für den Roller und das Laufrad kaufen müssen. Ich mag das Fahren im Dunkeln überhaupt nicht und muss in einer Situation doll schimpfen, woraufhin der Große zuhause weint und wir uns zusammen wieder beruhigen müssen.

18 Uhr

Ich mache Abendbrot, wir essen und die Kinder haben ihre Medienzeit. Eine Ebay-Kleinanzeigen-Käuferin kommt noch etwas abholen. Danach bringe ich die Kinder ins Bett.

19:30 Uhr

Feierabend. Die Kinder sind dabei einzuschlafen, ich tippe diesen Beitrag zuende und werde dann wieder früh ins Bett gehen. Morgen beginnt meine Arbeitswoche. Für den Großen dagegen steht ein Wandertag an.

Mehr #wmdedgt gibt es wie immer bei Frau Brüllen.

Mein letztes WMDEDGT? findet ihr hier. 

Freitag, 19. Oktober 2018

Die ersten Tage als Alleinerziehende - Ein Rückblick

Vor einiger Zeit hatte ich euch erzählt, dass sich unsere Familie getrennt hat und ich nun alleinerziehend oder, was ich passender finde, getrennt gemeinsam erziehend bin. Ich habe damals nach dem Auszug des Papas der Kinder im Februar dieses Jahres Tagebuch geführt und die ersten Tage und Wochen unseres neuen Lebens aufgeschrieben. Ich bin froh, dies getan zu haben, denn vieles hat sich schnell eingespielt und ist normal geworden, und man vergisst die Anfangszeit. Für mich sind diese Aufzeichnungen eine wertvolle Erinnerungsstütze und für euch vielleicht auch interessant, als Dokument aus einer Zeit, die emotional sehr aufwühlend war und trotzdem "normal" weitergelebt werden musste. Hier lest ihr über meine ersten Tage, meine erste Woche allein mit meinen Kindern im Februar 2018.

Sonntag 11.02.

Wir kommen aus unserem Wochenende an der Mecklenburgischen Seenplatte zurück, das die Winterferien des Großen beendete. Essen gemeinsam Abendbrot und sitzen zu viert auf dem Sofa. Alle wissen, dass der Mann/ Papa ab sofort in seiner neuen Wohnung schläft. Wir haben die Kinder vorbereitet, sie kennen die neue Wohnung des Papas und haben den häppchenweisen Umzug zum Teil miterlebt. Wir Eltern weinen abwechselnd und versuchen unsere Tränen vor den Kindern zu verstecken. Ich sage: "15 Jahre wohnen wir jetzt hier" und der Mann nickt. Und weint. Wir sagen, dass es uns beiden unheimlich leid tut, dass alles so gekommen ist. Der Mann bringt noch Sachen ins Auto. Wir verabschieden uns mit einer ungelenken Umarmung und bringen die Kinder ins Bett: jeder ein Kind, wie immer. Ich liege im Bett mit der Kleinen und höre, wie der Mann die Tür hinter sich zuzieht und geht. Sie schläft ewig nicht ein, hat zu lange im Auto geschlafen. Als ich endlich ins Wohnzimmer gehen kann, schreibe ich ihm noch eine kurze Nachricht. Vermutlich sitzt er wie Falschgeld in seiner neuen Wohnung. Und dann ist sie da: nicht die erste Nacht allein mit den Kindern, aber die erste Nacht als Alleinerziehende.

Bildquelle: Pixabay

Montag 12.02.

Erster Schultag nach den Winterferien und längerer Krankheit des Großen. Am Morgen machen die Kinder gut mit und wir sind pünktlich fertig, als der Papa um 7:25 Uhr klingelt, um die Kinder zur Schule und zur Kita zu bringen. Die beiden sind gut gelaunt und freuen sich, ihren Papa zu sehen. Alles hat super geklappt und ich bin erleichtert. Dann genieße ich meinen ersten freien Tag nach mehr als 2 doofen Krankheitswochen des Großen, des Mannes und nun von mir selber, habe allerdings gleich einen Zahnarzt- und danach einen Hausarzttermin. Ich werde die ganze Woche krankgeschrieben, da ich seit Donnerstag mit starken Hals- und Gliederschmerzen herumlaboriere und total schlapp bin. Ich bin erst mittags wieder zuhause, esse und arbeite dann einiges Liegengebliebenes ab. Die Zeit vergeht zu schnell, aber da ich weiß, dass ich die ganze Woche zuhause sein werde, ist das okay. Ich hole den Großen etwas früher aus der Schule ab und dann die Kleine, wir gehen in unser Stammcafè und kurz auf den Spielplatz. Ich sage ihnen immer wieder, dass sie Papa heute nicht mehr sehen werden, sondern wir unser Abendprogramm allein machen. Zuhause klappt alles gut und wir sind schneller fertig als sonst. Sie fragen auch nicht nach dem Papa. Um 19:45 Uhr schlafen beide Kinder und ich schicke dem Mann erleichterte Nachrichten. Ich fühle mich frei und gleichzeitig bedrückt. Der Mann sitzt allein in seiner Wohnung und schreibt, dass er unheimlich traurig ist. Ich habe seit dem Nachmittag wahnsinnige Kopfschmerzen und gehe früh ins Bett.

Dienstag 13.02.

Fasching. Ich wache um 4:30 Uhr mit grimmiger Migräne auf, quäle mich noch eine Stunde im Bett und stehe dann auf, um eine Tablette zu nehmen. Dabei merke ich, dass mir übel wird, und platziere mich mit einer Schüssel auf dem Sofa. Genau zu unserer normalen Aufstehzeit um 6:30 Uhr fange ich an zu spucken. Die Kinder kommen glücklicherweise von allein aus ihren Zimmern. Ich setze noch schnell eine Notfallnachricht an den Mann ab, damit er früher kommt. Super, am zweiten Tag schon eine Ausnahmesituation. Ich mache gequält Frühstück für die Kinder und sie essen allein. Der Mann kommt und macht sie fertig. Er hat auch kaum geschlafen. Heute ist Fasching in der Schule und in der Kita. Die Kleine freut sich, der Große zickt herum. Dann sind alle außer Haus. Ich liege den ganzen Tag bewegungslos und dösend auf dem Sofa, immer wieder unterbrochen von Brechattacken. Was für ein elender Mist! Kurz nach Mittag muss ich den Mann bitten, die Kinder am Nachmittag abzuholen. Es geht einfach nicht. Eigentlich hatten wir ihn für heute zum gemeinsamen Abendbrot eingeladen. Nun muss er mit den Kindern bei uns zuhause allein essen und sie auch bettfertig machen. Mir geht es mittlerweile etwas besser und ich kann die Kleine ins Bett bringen. Danach fährt er wieder in seine Wohnung und ich dämmere auf dem Sofa vor mich hin. So ein beschissener Tag. Und gleich am zweiten Tag eine solche Ausnahmesituation.

Mittwoch 14.02.

Schon 3 Nächte allein mit den Kindern, so lange wie noch nie zuvor. Mir geht es besser und ich kann die Kinder morgens fertig machen. Der Mann kommt trotzdem sicherheitshalber etwas früher. Der Große zickt wieder herum. Ich hatte eigentlich gehofft, dass die Freude auf den Papa das schwierige morgendliche Loskommen etwas überdeckt. Naja, es muss sich alles erst einspielen. Als alle weg sind, kann ich endlich duschen, Wäsche waschen und aufräumen, Mails lesen, ein Blog-Gewinnspiel auslosen und meinen neuen Fernseher auspacken, der am Montag ankam (den alten nahm der Mann mit). Außerdem installiere ich zwei neugekaufte Schreibtischlampen und sortiere einige Dinge um. Obwohl der Mann nicht viele Gegenstände mitgenommen hat, fühlt sich die Wohnung doch leerer und aufgeräumter an. Es hatte sich so unfassbar viel Krempel angesammelt. Mit dem Aufräumen tauchen viele ambivalente Emotionen auf, Erleichterung, Traurigkeit, Freiheit, Angst, das Gefühl, dass es gut werden wird, das Gefühl, dass es nicht zu schaffen sein wird. Der Große wird von der Mama seines Freundes aus der Schule abgeholt und die Kleine hat wegen ihres Musikkurses in der Kita ihren langen Tag. Erst um 16:15 Uhr muss ich los und hole zuerst den Großen und dann die Kleine ab. Der Heimweg und der Abend verläuft friedlich. Gerade abends bin ich sehr froh, allein zu sein, denn ich kann unser Programm ruhig und früher als sonst ablaufen lassen. Auch die Kinder wirken ausgeglichener ohne den kurz vor'm Abendbrot nach Hause kommenden Papa, auf den sich dann alle stürzen. Beide Kinder müssen auf Läuse abgesucht werden. Puh, nix gefunden! Um 19:30 Uhr schlafen sie, ich kann es kaum glauben. Das ist fast eine Stunde eher als sonst! Ich kann die Tagesschau gucken, das kam seit Ewigkeiten nicht mehr vor. Ich habe einen langen Feierabend und genieße ihn.

Donnerstag 15.02.

Ich habe unheimlich schlecht geschlafen, die Kleine neben mir hat mich ständig gestört und es tauchten wieder Kopfschmerzen auf. Ich freue mich darauf, bald eine eigene Schlafstelle für mich zu haben, sobald der Mann die letzten Sachen abgeholt hat. Es wird sicherlich nicht jede Nacht mit dem Allein-Schlafen klappen, aber wenigstens einen Rückzugsort für mich zu haben, ist so wertvoll (PS. es hat geklappt!). Seit fast 5 Jahren habe ich mit der Kleinen zusammen geschlafen. Der Morgen verläuft gut und die Kinder verlassen fröhlich mit dem Mann das Haus. Ich fange an herumzuräumen. Ich will weiter ausmisten, das tut so gut. Ich suche noch Dinge zusammen, die dem Mann gehören, lege verschenkens- und verkaufenswerte Gegenstände beiseite und sortiere, putze und räume den ganzen Vormittag. Als ich des Mannes Fotoalben durchsehe, kommen Tränen. So viele Jahre, so viele gemeinsame Erinnerungen, so viele Erlebnisse und dennoch hat es nicht gereicht. Ich bin sehr traurig, dass wir es nicht geschafft haben. Da sind kein Hass, kein Frust, keine Wut, keine Aggressionen mehr, sondern nur Traurigkeit und Erleichterung. Beides parallel, das schließt sich nicht aus. Mir geht es besser so. Wie es dem Mann geht, der nun schon den zweiten Nachmittag und Abend in Folge seine Kinder nicht sieht, mag ich mir nicht vorstellen. Das Ausmisten ist sehr reinigend und gleichzeitig aufwühlend. Ich glaube, diese Gefühle werden noch sehr lange anhalten. Es ist eben nicht alles einfach nur schwarz oder weiß. Ich schaue auch im Keller nach dem Rechten und bin halbwegs auf Stand. Um einiges hatte ich mich einfach nicht mehr gekümmert in den letzten Jahren.

Um 15 Uhr hole ich den Großen von der Schule ab und gehe mit ihm zum Kinderarzt. Ohrenkontrolle, er hatte ja in der Woche vorher eine Mittelohrentzündung. Außerdem hat er einen Hautausschlag entwickelt und ich befürchte schon die in der Schule umgehenden Ringelröteln. Entwarnung! Er wirkt auch wieder fitter und wacher als in den letzten Tagen. Danach geht's zur Kita, auch die Kleine ist fröhlich (sie wirkt überhaupt insgesamt sehr fröhlich und leichtfüßig in diesen Tagen) und wir gönnen uns unser Stammcafè. Auf dem Heimweg sehen wir den Mann im Auto auf der Hauptstraße fahren, ich wusste, dass er in unserer Wohnung war, um noch Sachen zu holen. Die Kinder flippen aus, aber er sieht sie nicht. Ich befürchte Tränen und Trübsal auf dem Heimweg, aber zum Glück verkraften sie das gut. Auch diesmal klappt der Abend wieder recht gut und schnell, auch wenn der Große wie erwartet beim Zubettbringen protestiert. Da die Kleine noch nicht ohne mich einschläft (einige Monate später schafft sie das, wie hier beschrieben), muss ich zwangsläufig ihn zuerst ins Bett bringen (er hört dann ein Hörbuch) und danach sie. Das findet er ungerecht. Nun ja. Wird es heute ein wenig abgewandelt und alle finden sich dann doch damit ab. Ich glaube, auch das ist leichter, wenn nur ein Erwachsener da ist, denn die Kinder wissen, es gibt keine Alternative. Auch diesmal ein früher und vor allem ungestörter Feierabend für mich. Die abendliche Nicht-Anspannung tut gut.

Freitag 16.02.

Der Morgen verläuft gut, die Kinder freuen sich wahnsinnig, den Papa zu sehen. Immerhin haben sie ihn nun zwei Nachmittage und Abende nicht gesehen. Sie wissen, dass sie heute Nachmittag von ihm abgeholt werden und mit ihm in die neue Wohnung gehen. Als der Mann sie in die Schule und Kita gebracht hat, kommt er wieder hierher, weil es sein freier Tag ist, wir räumen zusammen noch ein paar Dinge aus und transportieren sie in die neue Wohnung. Ich bin auch neugierig, denn ich habe sie zuletzt kurz nach der Schlüsselübergabe, also im "Rohzustand" gesehen. Es sieht schon ganz gut aus, auch wenn noch einiges zu machen ist. Aber insgesamt wirkt es gemütlich, und der Kiez ist auch angenehm. Wir reden noch kurz, doch der Mann hat noch viel zu tun. Ich spaziere durch den Park nach Hause, genieße die Sonne, bewundere die Schneeglöckchen und gehe noch kurz einkaufen. Zuhause esse ich Mittag, hänge die Wäsche auf, räume den Geschirrspüler aus und die Einkäufe weg. Es ist schön, die Wohnung wieder so vorzufinden, wie ich sie verlassen habe. Ich habe noch einiges zu tun und ruhe mich danach kurz aus, bevor ich mich wieder auf den Weg mache. Ich möchte etwas erledigen, habe aber keinen Erfolg und besorge stattdessen noch ein paar Dinge im Drogeriemarkt. Wenn ich nächste Woche wieder arbeite, habe ich dafür keine Zeit mehr. Ich fühle mich so frei und locker, so ganz ohne Zeitdruck, und beschwingt in dem Wissen, dass ich gerade nicht meine unglaublich rare Zeit allein zuhause opfere, sondern zukünftig viel davon haben werde. Als ich nach Hause komme, ist alles leer und ich kann immer noch "meine" Dinge machen. Es ist herrlich.

Der Mann schreibt, dass sie alle noch in seiner Wohnung Abendbrot essen und die Kleine dann nach Hause bringen. Der Große soll schon die erste Nacht beim Papa schlafen. Ich habe von 7:30 bis 18:30 Uhr kinderfrei, familienfrei, einfach frei gehabt, ohne Arbeit, ohne Verpflichtungen. Und allein, komplett allein! Ich weiß nicht, wann ich das zuletzt an einem Wochentag bzw. überhaupt hatte. Ich bin wirklich total happy. Als der Mann die Kleine bringt, machen wir noch kurz unser Abendprogramm und dann schläft sie. Und die Wohnung gehört wieder mir. Es fühlt sich wie ein Zurückerobern meines Lebensraumes an, und ich freue mich so sehr, dass ich endlich wieder mehr Rückzugsräume und -möglichkeiten haben werde. Ich wusste, wie sehr ich unter deren Mangel gelitten habe, aber ich konnte ja nichts ändern. Ich schreibe noch kurz mit dem Mann, wie es dem Großen geht, der bei ihm übernachtet, und ein ruhiger Abend geht zuende. Ich nutze die Gelegenheit und schlafe im Bett des Großen, denn schon lange hatte ich Sehnsucht danach, endlich wieder allein zu schlafen, aber es gab ja in unserer Wohnung keine Möglichkeit dazu. Und der Große verbringt die erste Nacht in Papas neuer Wohnung.

Samstag 17.02.

Die Kleine schläft ohne mich die komplette Nacht durch und wir stehen gegen 8 Uhr auf. Sie geht allein zum Backshop in unserer Straße und wir frühstücken zu zweit in Ruhe, erzählen viel und genießen. Auch sie sitzt viel länger dabei als sonst bei unseren unruhigen Familienfrühstücken, bei denen immer mindestens ein Kind schmollte oder weinte, keiner zu Wort kam und wir Eltern manchmal heulend die Runde beendeten. Um 9:30 Uhr wird sie vom Papa und vom Großen abgeholt - heute ist Papatag! Sie fahren in einen Indoorspielplatz und erkunden am Nachmittag die Umgebung der neuen Wohnung des Mannes. Ich selbst habe einen ganzen Tag frei - am Wochenende, ohne Verpflichtungen, ohne Termine! Ich bin immer noch nicht ganz fit, aber es ist so herrlich, allein in der Wohnung zu sein. Ich fange an zu putzen und zu räumen, im früheren Arbeitszimmer, wo der Mann zuletzt geschlafen hat, soll einiges anders werden. Ich räume Bücherregale aus, vermesse, verschiebe, sortiere, reinige, räume wieder ein, bringe Dinge in den Keller oder zum Müll. In diesem Zimmer möchte ich zukünftig schlafen. Vorläufig lege ich mir eine Matratze hinein. Nach 4 Stunden bin ich platt, esse Mittag und ruhe mich aus. Ich bin so dankbar, dass nun nicht sogleich die Meute einfällt, sondern ich mich regenerieren kann. Dieses Regenerieren war eines der Dinge, die mir am meisten fehlten im Familienalltag. Vielleicht wird das zukünftig besser klappen.

Am Nachmittag fahre ich noch kurz in einen Möbeldiscounter und kaufe ein neues Bett, das gerade im Sonderangebot ist. Zwar haben wir unser altes Doppelbett noch auseinandergebaut im Keller stehen, allerdings passt es nicht in das kleine Arbeitszimmer (bzw. es passt gerade so, aber dann fehlt der Platz für einige andere Regale). Abholen muss es der Mann, da ich kein Auto habe. Als ich nach Hause komme, treffen alsbald die Kinder mit dem Mann ein, die sich wünschen, dass er noch mit bei uns Abendbrot isst. Wir essen im Wohnzimmer, nicht zuletzt, um die Küchentisch-Situation zu vermeiden. Ich freue mich, die Kinder wiederzuhaben, merke aber, dass es mir schon wieder zu viele Menschen sind. Danach fährt der Mann in seine Wohnung und ich bringe die Kinder ins Bett. Der Große zickt herum und ich bin genervt, obwohl ich den ganzen Tag Ruhe hatte. Dann schlafen sie und ich genieße wie jeden Abend meine Freiheit. Ich schlafe zum ersten Mal auf der Matratze im Arbeitszimmer, meinem neuen Schlafzimmer.

Sonntag 18.02.

Als ich aufwache, höre ich Husten aus dem Zimmer des Großen und denke, die Kleine schläft bestimmt noch, sonst würde sie mich doch suchen. Doch nein, sie sitzt mit bei ihm, ist allerdings laut seiner Aussage noch nicht lange wach. Sie geht wieder allein zum Backshop und wir frühstücken lange und ausgiebig. Es ist unruhiger als gestern mit der Kleinen, aber trotzdem angenehm, da ich mich auf die Kinder konzentrieren kann, anstatt Erwartungen an ein Erwachsenengespräch zu haben. Wir sitzen wieder recht lange, das kenne ich überhaupt nicht von unseren Familienmahlzeiten. Schön! Dann spielen die Kinder ein wenig, während ich aufräume. Die Einladungen für den Kindergeburtstag des Großen werden auch noch fertiggestellt und dann klingelt schon der Mann, da wir gemeinsam in unseren Garten fahren wollen. Heute ist eigentlich Mama-Tag, aber das war ausgemacht und mal wieder nötig. Wir wirbeln anderthalb Stunden im Garten und es sieht gleich wieder viel schöner aus. Der Mann fährt uns wieder nach Hause und weiter zum Möbeldiscounter (es ist verkaufsoffener Sonntag), um mein Bett abzuholen, ich koche schnell Mittag und wir machen Mittagspause. Der Mann fährt dann wieder zu sich, nachdem er die Möbelpakete bei mir abgeliefert hat.

Den Nachmittag verbringe ich mit den Kindern zuhause, wir vespern, puzzeln, lesen, kneten, spielen. Es ist sehr gemütlich und anders als sonst. Man weiß, dass man zuständig, weil allein ist, und erwartet nicht ständig Freizeit und Entlastung. Mir geht es sehr viel besser so und ich bin deutlich weniger unruhig. Auch die Kinder sind verträglich. Beide baden noch (natürlich getrennt, zusammen klappt es nicht in der Badewanne), dann gibt es Abendbrot und ich bringe sie ins Bett. Die erste Woche als "Getrennt Erziehende" wäre damit geschafft! Und es lief besser als gedacht. Natürlich hatte ich viel Ruhezeit am Tag, weil ich krankgeschrieben war. War allerdings auch körperlich nicht fit und am Dienstag völlig ausgeknockt.

Nun werden wir sehen, wie es mit Arbeit und neuem Alltag funktioniert, ob wir unsere vorläufige Aufteilung so lassen oder nochmal ändern und wie sich die Kinder an den neuen Zustand gewöhnen. Bis jetzt haben sie es gut verkraftet. Natürlich sagen sie, dass sie Papa vermissen oder auch mal wütender, dass sie zu Papa ziehen wollen, wenn ihnen etwas nicht passt. Mit solchen Situationen haben wir gerechnet und man muss jedesmal überlegen, wie man reagiert. Im Moment überwiegt bei ihnen, glaube ich, noch das Abenteuer: Papa hat eine neue Wohnung und sie können ihn dort besuchen. Wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass das jetzt so bleibt, kommt möglicherweise noch mehr Traurigkeit. Auch müssen wir überlegen, wie wir den Kindern Exklusivzeiten ermöglichen. Während diese bisher dazu dienten, das konfliktreiche Familienleben zu entzerren, gehen Exklusivzeiten nun direkt von der eigenen Freizeit ab bzw. müssen gerecht verteilt und koordiniert werden. Außerdem ist uns beiden wichtig, dass wir von Zeit zu Zeit auch etwas zu viert unternehmen, denn wir bleiben ja trotzdem eine Familie, auch wenn die Eltern getrennt sind. Nicht einfach. Es gibt noch viele Dinge zu klären, aber einiges wird sich erst aus der Praxis ergeben. Es ist für alle eine neue Situation, mit der wir umgehen lernen müssen. Am wichtigsten ist, dass es den Kindern gut geht. Und wir als Eltern eine normale, sachliche Ebene miteinander finden und bewahren können. Der Grundstein dafür ist gelegt.

Das waren meine Tagebuch-Aufzeichnungen aus den ersten Tagen nach unserer räumlichen Trennung. Ich habe noch weitere Aufzeichnungen, weiß aber noch nicht, ob ich diese auch veröffentlichen werde. Hier könnt ihr meinen Rückblick auf die ersten Monate lesen:

Alleinerziehend mit zwei Kindern. Wie wir die ersten Monate allein geschafft und erlebt haben

Bildquelle: Pixabay

Samstag, 13. Oktober 2018

Die Schulanmeldung einer Zweitgeborenen

Ich kann mich noch genau an die Schulanmeldung des Großen vor 2 Jahren erinnern. Wir haben das damals wie eine feierliche Zeremonie vollzogen. Wir waren sehr aufgeregt und etwas nervös. Zum ersten Mal haben wir an diesem Tag das Schulhaus betreten, das unsere beiden Kinder insgesamt 8 Jahre beherbergen sollte. Ich war sehr skeptisch und noch nicht im Reinen mit unserer Entscheidung, ihn auf der regulären Einzugsgrundschule anzumelden, statt auf einer freien oder privaten Schule. Und überhaupt war ja gar nicht sicher, ob er einen Platz bekommen würde, da die Zahl der Anmeldungen die der Plätze weit überstieg.

Viele gemischte Emotionen charakterisierten also diesen Nachmittag im Oktober vor 2 Jahren. Ich hatte die Kinder von der Kita abgeholt und wir trafen uns mit dem Papa vor der Schule. Natürlich sollte der Papa mit dabei sein! Wir nahmen uns Zeit, schauten uns alles an, füllten andächtig die Formulare aus, ließen das Schulhaus auf uns wirken und die Kinder malten eine Zuckertüte aus. Das Schulhaus war schon total leer. Wir schrieben jede Menge Namen von Wunschkindern auf, die möglichst mit dem Großen in eine Klasse kommen sollten. Wir fragten die Sekretärin nach dem Prozedere aus und waren geschockt, dass wir erst im Mai Bescheid bekommen sollten, ob es klappt mit dem Platz an dieser Grundschule. Ich fotografierte, um Erinnerungen an den Tag zu haben, und wir spielten hinterher noch etwas auf dem Schulhof. Ingesamt war die Schulanmeldung des Großen schon ein einschneidendes und bewegendes Ereignis für uns gewesen.

Nun, 2 Jahre später, sollte auch die Kleine angemeldet werden. Sie kommt nächstes Jahr in die Schule und es war klar, dass sie auf die gleiche Schule gehen soll wie der Große. Erstens sind wir insgesamt zufrieden und zweitens freue ich mich schon auf die logistische Erleichterung, wenn beide Kinder an einem Ort abzuholen sind. Ganz andere Voraussetzungen also im Vergleich zur Situation vor 2 Jahren, keine Skepsis, keine Angst, kein Gefühl, eine falsche Entscheidung zu treffen, einfach nur Normalität, Vertrautheit und Rationalismus. Und so waren nicht nur die Voraussetzungen diesmal andere, sondern auch die Schulanmeldung an sich fühlte sich total anders an.

Von den vier möglichen Nachmittagsterminen kamen schon zwei nicht infrage, wegen anderweitiger Verpflichtungen. Ich dachte nun, es wäre eine gute Idee, einen Termin beim Bürgeramt mit der Schulanmeldung zu verbinden, da ich die Kleine an diesem Tag sowieso zuerst von der Kita abholen musste und danach den Großen von der Schule. Sonst mache ich das ja immer anders herum. So könnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und vor dem Bürgeramt noch "schnell" die Schulanmeldung der Kleinen absolvieren. Ich sollte eigentlich erfahren genug sein, um zu wissen, dass zwei Termine am Nachmittag zuviel sind.

Nun ja, es artete in Stress aus und wurde dem für die Kleine doch wichtigen Tag nicht wirklich gerecht. Und der Papa war auch nicht dabei, anders als beim Großen. Ich hatte extra früh Schluss auf der Arbeit gemacht und die Kleine früher als sonst abgeholt. Wir kamen in der Schule an und fragten den Großen, ob er mitkommen möchte oder noch weiter Fußball spielen wollte. Natürlich wollte er Letzteres. Also meldete ich ihn noch nicht im Hort ab, sondern ging mit der Kleinen zum Sekretariat. 40 Minuten sollten doch eigentlich für die Schulanmeldung ausreichen. Bis 16 Uhr geht der Hortplatz des Großen, dann muss er abgeholt sein.

Zuerst mussten wir 10 Minuten warten, weil noch jemand vor uns war. Dann durften wir reinkommen, mussten aber nochmal warten, weil die Sekretärin mit einem sehr penetranten Elternteil telefonierte. Dann ging sie mit uns lang und breit die Formulare durch, die wir draußen ausfüllen sollten. Also wieder hinaus. Ich füllte total in Eile die Bögen aus, die Kleine malte ihre Zuckertüte ebenso schnell aus. Ich wollte sie eigentlich dabei fotografieren, als Erinnerung, hatte aber keinen Nerv dafür. Der Uhrzeiger tickte, der Große war noch nicht abgeholt und unser Termin beim Bürgeramt saß uns im Nacken. Und wir mussten ja noch einmal hinein zur Sekretärin. Die Familie, die eigentlich vor uns war, sagte, dass sie uns vorlassen würden. Das war total nett. Trotzdem war es schon kurz vor 16 Uhr. 

Ich schickte also die Kleine allein hinunter auf den Schulhof, um der Horterzieherin des Großen Bescheid zu geben, dass wir gleich kommen würden. Sie sollte dann gleich wieder hoch kommen. Ich beobachtete sie durchs Fenster des Schulhauses, wie sie vor ihr stand und mit ihr redete. Dann musste ich hinein zur Sekretärin. Ich bat diese noch zweimal, aus dem Fenster zu schauen, aber die Kleine kam nicht wieder hoch. Zum Glück ging der Rest auch ohne sie und die Sekretärin nahm die Unterlagen entgegen. Ich hatte Angst, dass die Kleine mich suchen würde, wenn sie wieder hochkommt, und verabschiedete mich schnell. Als ich die Treppe hinunterlief, kam sie mir entgegen. Um 15:59 Uhr holten wir den Großen auf dem Schulhof ab. Puh! Dass eine Sache von 10 Minuten nun 40 Minuten in Anspruch nahm, hätte ich doch nicht für möglich gehalten.

Es tat mir total leid, dass die Kleine nicht noch einmal mit hinein zur Sekretärin kommen konnte und somit bei der Abgabe der Unterlagen nicht zugegen war. Es tat mir leid, dass alles so hektisch war und ich sie allein runter auf den Schulhof schicken musste. Es tat mir leid, dass es keine Fotos von ihrer Anmeldung geben würde. Es tat mir leid, dass nur zwei statt vier Familienmitglieder zugegen waren. Es tat mir leid, dass sie wegen ihres Schulkind-Bruders jeden Morgen so früh aufstehen musste, obwohl sie einen längeren Schlaf brauchen würde. Es tat mir leid, dass bei ihr als Zweitgeborener immer alles so nüchtern und unaufregend abläuft. Es tat mir leid, dass wir uns bei ihr nicht monatelang den Kopf über die richtige Schule zerbrochen hatten, sondern sie ganz selbstverständlich in die Schule des Großen steckten. Ach, es tat mir leid, dass ihre Schulanmeldung so "nebenbei" erledigt wurde.

Das war so symbolisch für all das, was bei Zweitgeborenen "nebenbei" abgehandelt wird oder aus logistischen oder sonstigen Notwendigkeiten erwächst. Sie müssen sich quasi dem Rhythmus, den Gegebenheiten, die durch das ältere Geschwisterkind schon da sind, anpassen. Und da man alles schon ein Mal durch hat, ist man einfach abgeklärter; der Zauber des Neuen oder die Angst vor dem Unbekannten fehlt. Das tut mir leid für die Kleine, denn sie soll natürlich auch die Erfahrung machen, dass ihre ersten Male aufregend und toll sind!


Wenigstens schoss ich auf dem Schulhof noch zwei Fotos, als Erinnerung an diesen Tag. Dann gingen wir kurz Eis essen und eilten weiter zum Bürgeramt, wo wir trotz Termins weitere 40 Minuten warten durften. Die Kinder waren unruhig und es war sehr stressig für mich. Als wir endlich zuhause ankamen, fühlte ich mich wie nach einem Marathonlauf. Die Schulanmeldung war schon völlig in den Hintergrund getreten. Die Kleine war natürlich trotzdem stolz. Aber ich hätte mir deutlich mehr Aufmerksamkeit für diesen großen Schritt gewünscht. Zumindest werde ich keine zweier solcher Termine hintereinander mehr anvisieren. Man braucht ja auch eine gewisse Zeit zum Runterkommen und Verarbeiten. Und die Zweitgeborenen haben es genauso verdient, dass man so ein Ereignis würdigt. Die Kleine freut sich jedenfalls schon sehr auf die Schule. Und ich hoffe einfach mal inständig, dass wir aufgrund des Geschwisterbonusses einen Platz bekommen. Trotz 150 Anmeldungen auf ca. 80 Plätze. Wahnsinn! Und krass, dass meine Kleine nächstes Jahr ein Schulkind wird!