Montag, 8. Dezember 2014

Autonome Kinder

Ich bin letztens im Netz auf den Begriff "autonome Kinder" gestoßen, der von Jesper Juul geprägt wurde, und wurde sofort hellhörig. Schon immer erlebte ich meinen Großen als "extrem unabhängig, kompromisslos selbstbestimmt, nahezu allergisch gegen Erziehungsversuche", nicht manipulierbar, sehr auf seine Würde und Integrität bedacht. In dem Artikel wurde auf Juuls Buch Elterncoaching: Gelassen erziehen verwiesen, in dem er auf das Thema "autonome Kinder" eingeht. Obwohl der Titel und die Aufmachung mich überhaupt nicht ansprachen, besorgte ich es mir und begann zu lesen.

Anhand von konkreten Fallgeschichten coacht Juul Eltern mit schwierigen Kindern/ Babys. Schon im ersten Kapitel über ein Baby mit starkem Willen, immerzu wach, neugierig und aktiv, nicht kuschlig, aber sehr anhänglich, sehr weit entwickelt und "überhaupt nicht so, wie wir uns ein Baby so vorgestellt hatten" (S. 15), ein Baby, das die Eltern an den Rand eines Nervenzusammenbruchs und schlimmer Beziehungsprobleme brachte, habe ich die Parallelen zu der Babyzeit des Großen gesehen.

Im zweiten Kapitel ging es dann um die 3,5-jährige Ella, ein sehr schwieriges Mädchen, das Juul als "autonomes Kind" einordnet. Beim Lesen der Juulschen Aussagen über solche Kinder bin ich dann mehrfach in Weinen ausgebrochen, weil einfach soviel auf meinen Großen passte. Ich fasse mal einige der Charakteristika zusammen (ab S. 30):

"Ich nenne sie autonome Kinder. Wenn sie zur Welt kommen, haben sie oft schon so einen reifen Gesichtsausdruck." - Ich weiß noch, wie wir Freunde besuchten, als der Große gerade 3 Wochen alt war, und die Freundin als erstes sagte, dass er wie ein weiser alter Mann aussehen würde.

"Dieses Kind lässt sich einfach nicht lieben." - Ich habe oft das Gefühl, dass der Große meine Liebe nicht will. Meinen Trost, mein Auffangnetz schon, aber Liebe mit lieben Worten, Körperkontakt etc. nicht. Auch haben wir schon, als er noch ein Baby war, immer gedacht, wir stecken soviel in ihn hinein und es kommt so wenig zurück.

"Kinder brauchen Nahrung: in Form von Fürsorge, Erziehung, Liebe. Den meisten Kindern kann man das einfach vorsetzen. Autonome Kinder dagegen benötigen diese Nahrung vom Buffet, damit sie sich davon nehmen können, wann immer sie wollen." - Man kann den Großen kaum zu etwas animieren, was er nicht will. Er muss es selbst wollen.

"Sie lassen sich nicht korrumpieren. Man kann ihnen auch nicht drohen oder sie bestechen. Sie besitzen eine außerordentlich stark ausgeprägte Integrität." - Von jeher deutlich zu erkennen beim Großen. Grundsätzlich ein sehr positiver Charakterzug. Aber im Zusammenleben mit einem solchen Kind ein ganz schwieriges Problem.

"Diese Kinder wollen selbst bestimmen. Sie lassen sich nicht manipulieren. Sie sind vollkommen bei sich, aber dadurch natürlich auch ab und zu sehr einsam." - Ich glaube, er fühlt sich dann einsam, wenn wir ihn nicht verstehen. Deshalb versuche ich immer, wenn ich die Kraft habe, zu ergründen, warum er etwas nicht möchte und wie ich ihn vielleicht zur Kooperation bewegen kann.

"Mit diesen Kindern muss man anders sprechen, nicht wie mit einer 3,5-jährigen, sondern wie mit einer 35-jährigen. Diese Kinder haben eine schreckliche Allergie gegen Pädagogik." - Unvergessen der Nachmittag bei Freunden, als der befreundete Papa etwas im Sinne von "Das macht man aber nicht!" zum Großen sagte und dieser in untröstliches Weinen ausbrach, so dass wir ihn aus der Situation nehmen mussten. Diesem Freund ist er auch lange danach noch mit Zurückhaltung begegnet. Er hasst es einfach, wenn er zurechtgewiesen wird.

"Die meisten autonomen Kinder kommen sehr gut im Kindergarten zurecht oder wenn sie mit anderen Kindern spielen. Aber sie reagieren allergisch auf pädagogisches Süßholzraspeln." - Paradebeispiel: Der Große ist in der Kita ein Vorzeigekind. Seine Erzieherin war von Anfang an begeistert von ihm. Auch das Spielen bei Freunden funktioniert hervorragend.

"Kinder wie Ella benötigen keine Strafen. Es geht vielmehr darum, dass man ihr sagt: "Ich bin dabei, zu lernen, wie ich mich verhalten muss, damit es dir gut geht." Dann muss sie nicht soviel Energie darauf verwenden, ihren Willen durchzusetzen." - Ich versuche immer wieder, seine Bedürfnisse zu verstehen und ihm entgegenzukommen bzw. die Konfliktpunkte schon im Ansatz zu vermeiden. Das klappt natürlich nur bedingt.

"Worauf man vorbereitet sein muss,..., ist, dass Kritik von außen kommt. Auf die kann man antworten: "Ja, so ist sie, so ist sie schon immer gewesen, seit ihrer Geburt. Unser Fehler war, dass wir versucht haben, sie zu ändern, wir haben alles versucht, damit sie so wird wie alle anderen." - Kritik bzw. implizite Schuldzuweisungen kamen bei uns auch. Niemand wollte verstehen, dass der Große schon so, wie er ist, zur Welt gekommen ist, und dass alles, was wir tun können, ist, ihn darin zu begleiten und zu akzeptieren.

Ich erlebe in meinem privaten Umfeld keine anderen "autonomen Kinder". In meiner virtuellen Blase dagegen schon, aus Erzählungen von Dritten, wo ich aber die Kinder nicht kenne, und aus solchen Büchern wie Elterncoaching: Gelassen erziehen. Ist es so schwer, darüber zu sprechen? Aber wir sprechen doch auch darüber. Wenn jemand ähnliches erleben würde, müsste man sich doch darüber austauschen können! Es macht wirklich traurig, dass man nicht nur kein Verständnis erlebt und keine Hilfe bekommt, sondern nicht einmal ein Austausch möglich ist. Dabei wäre gerade das so therapeutisch für alle Beteiligten.

Ich bin gespannt, was mich in dem Buch noch erwartet, und werde sicherlich weiter berichten. Lest in Teil 2 weiter!

Fortsetzung hier:
Autonome Kinder Teil 2
Autonome Kinder Teil 3 - Interview mit Jesper Juul
Autonome Kinder Teil 4 - Pubertät

Hier noch einige Links zum Erfahrungsaustausch in Foren:
https://www.rund-ums-baby.de/erziehung_elternforum/Autonome-Kinder-suche-Erfahrungsaustausch_81648.htm

http://forum.klugekinder.at/viewtopic.php?f=9&t=4044&p=30763

Facebook-Gruppe für Austausch und Information:
https://www.facebook.com/groups/735026373305539/?fref=ts


Wenn euch meine Artikel über "Autonome Kinder" weitergeholfen haben, würde ich mich sehr über ein kleines Dankeschön freuen. Über diesen Button könnt ihr mir einen Kaffee "spendieren":

Kommentare:

  1. Oh!!! Das ist ja wirklich interessant zu lesen, was du schreibst. Ich hatte schon von Anfang an die Vermutung, dass mein Kind (wie auch ich) hochsensibel ist aber wollte ihr diesen Stempel noch nicht aufdrücken, bevor etwas Zeit verstrichen ist und ich sie besser kennen lernte. Ich kann in den Beispielen, die du aufführst meine Kleine so gut wiederfinden. Das ist wirklich unfassbar! Meine hatte auch schon als sie noch Baby war (sie ist jetzt fast zwei) diesen "Erwachsenenausdruck" und einen unfassbaren eigenen Willen, man kann ihr nichts vorschreiben und verbieten oder schimpfen bringt rein gar nichts! Das Schlafproblem kenne ich auch, v.a. bis man sie endlich dazu gebracht hat einzuschlafen... ein Kraftakt, der mich v.a. im ersten Jahr auslaugte und dabei habe ich wirklich alle Register gezogen mit stundenlangem hin und herwiegen, singen, ruhig auf sie einreden. Mittlerweile habe ich einen Weg gefunden, aber sie lässt sich nur von mir ins Bett bringen. Selbst vom Papa bis heute nicht. Gestreichelt werden mag sie nur bedingt und Nähe längst nicht von jedem. Da ist sie sehr wählerisch. Gleichzeitig ist sie so aufmerksam, kess, neugierig und anhänglich, dass wir einfach immer wieder staunen und auch jede Menge Spaß mit ihr haben!

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  2. Nachtrag: Meinst du das dein Großer autonom und hochsensibel ist? Ich frage mich gerade ob meine beides ist.

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    1. Hallo,

      vielen lieben Dank für Deinen berührenden Kommentar. All das, was Du beschreibst, kenne ich von meinem Großen auch, vor allem den "unfassbaren eigenen Willen". Und das hat man schon als Baby gemerkt, als alle anderen Babys so wirkten, als wären sie noch gar nicht richtig da... Übrigens wusste ich da noch gar nichts über Hochsensibilität. Ich bin erst darauf gestoßen, als er 2 Jahre alt war, hatte aber von Beginn an gemerkt, dass er "anders" ist.

      Ja, ich denke, dass mein Großer beides ist, autonom und hochsensibel. Aber ich bin mir nicht sicher, ob hochsensible Kinder immer auch autonome Kinder sind oder umgekehrt. Ich vermute, es gibt große Schnittmengen, aber es ist nicht automatisch dasselbe. Eine der größten Parallelen ist sicherlich das überdurchschnittlich ausgeprägte Gerechtigkeits- und Integritätsempfinden. Aber ich denke, dass für viele hochsensible Kinder ihr Wille nicht so stark im Vordergrund steht, weil sie sich entweder schon früh an ihre Umgebung anpassen (müssen) oder weil sie oft auch sehr "vernünftig" oder einsichtig sind. So war ich zum Beispiel als Kind. Das fehlt mir bei meinem Großen sehr oft. Auch den für hochsensible Kinder eigentlich charakteristischen Empathie-Aspekt vermisse ich bei ihm generell, wenn es um die Frage der Kooperation mit uns Eltern geht. Es ist äußerst selten, dass er aus Einsicht oder Empathie nachgibt oder kooperiert. Beides ist in ihm vorhanden, das merkt man in anderen, unbelasteten Situationen, aber nicht dann, wenn es um Konflikte geht.

      Ich glaube, die Kombination aus "hochsensibles und autonomes Kind" ist schon eine harte Nuss. Schön für mich ist eben der Austausch darüber, jetzt auch durch Deinen Kommentar. Dann merkt man, dass man nicht allein ist, und das gibt Kraft. Danke dafür!

      Liebe Grüße!

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  3. Hallo nochmal!
    Dein Artikel und unsere anschließende Diskussion hat mich dazu bewegt auch einen zum Thema zu schreiben. Wenn du Lust hast, schau mal vorbei! "Ich bin anders und das ist gut so!" http://hochempfindsam.blogspot.de/2014/12/ich-bin-anders-und-das-ist-gut-so.html

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  4. Jetzt habe ich das hier gefunden in meiner Verzweiflung. Ich habe eine 4jährige Tochter. Also ich wäre jemand, die sich gerne austauschen möchte. Aber nicht öffentlich. Ich hinterlasse jetzt einfach mal meine Mailadresse: Hirschsina80@gmail.com

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    1. Hallo Sina,
      vielen Dank! Hast Du die anderen beiden Texte mit den Verlinkungen auch gelesen? Dort findest Du viele Erfahrungsberichte und Diskussionen. Vielleicht hilft Dir das schon etwas weiter. Ansonsten kannst Du mir auch gern direkt mailen (Mailadresse im Impressum).
      Liebe Grüße und viel Kraft!

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  5. Ich bin grade auf deinen Blog gestoßen und grade unendlich dankbar. Wir haben auch eine autonome 2 jährige bzw. bald 2,5 jährige hier zu Hause und ich komme in letzter Zeit so so oft an meine Grenzen. Bei ihr ist komplett die Generation der Großeltern durchgeschlagen. Mein Mann und ich wurden sehr autoritär erzogen und sind auch heute noch gewohnt Respekt vor unseren Eltern zu haben. Da fällt es mir besonders schwer mit einem Kind umzugehen, dass seit Geburt einen so ausgeprägten Willen und Charakter hat. Meine Tochter ist vom Wesen her das komplette Gegenteil von mir. Grade heute mittag habe ich wieder verzweifelt am Tisch gesessen, nachdem sie den alltäglichen "Nach-Kita-Wutausbruch" hatte und bin dann irgendwann aus der Situation rausgegangen. Mein Mann hat sie dann ins Bett gebracht. Ich sitze nun hier und bin auf deinen Blog gestoßen und freue mich, dass es jemanden gibt, der sich auch zu dem Thema äußert. Ich bin auch grade mit dem 2ten Kind schwanger und habe ziemliche Angst vor der Zeit nach der Geburt. Wie wird die Große auf die Enttrohnung reagieren? Hast du dazu Erfahrungen gemacht?

    LG, Eva

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    1. Hallo Eva,
      entschuldige, die Antwort auf Deinen Kommentar ist mir irgendwie durchgerutscht! Ich freue mich, dass die Texte Dir geholfen haben. Mein Sohn ist mir in einigen Bereichen sehr ähnlich, in anderen eher weniger, aber ich hatte auch große Probleme damit, mich darauf einzulassen. Lustigerweise entdecke ich auch jetzt noch, fast anderthalb Jahre, nachdem ich auf das Thema gestoßen bin, Dinge an mir, die mich stutzig machen. Ich scheine auch ein autonomes Kind gewesen zu sein, allerdings unterdrückt und nicht anerkannt. Leider wusste ich das alles in der wirklich schlimmen Autonomiephase meines Sohnes noch nicht, es hätte mir vieles erleichtert. Nach-Kita-Wutausbrüche hatte er übrigens auch fast täglich, es war wirklich grauenhaft.
      Zu Deiner Frage: Mein Großer hat sich kurz vor der Geburt seiner Schwester den Papa als erste Bezugsperson ausgewählt, was optimal für ihn war, weil dieser sich gut um ihn kümmern konnte und ich für das Baby da war. Solange diese Aufteilung beibehalten wurde, war für ihn alles in Ordnung. Wenn nicht, wütete er und boykottierte alles. Das Baby interessierte ihn eigentlich überhaupt nicht, er war schon immer sehr auf uns bezogen. Er war, so weit ich mich erinnere, nie aggressiv der Kleinen als Baby gegenüber. Er ließ alles an uns aus. Aber wenn sein System stimmte, war alles gut. Das war echt ein Glücksfall, dass er sich selbst mehr an den Papa hängte in dieser Zeit. Für mich sehr schmerzhaft und kränkend ("Mama weg!" etc.), aber für alle das Beste. Erst, als die Kleine mobil wurde und diese Strukturen sich auflösten, nahm er sie als Konkurrenz wahr. Aus jetzt 3-jähriger Erfahrung mit 2 Kindern würde ich sagen, dass er sie eigentlich nicht als Geschwisterkind braucht (umgekehrt schon). Habe vor kurzem darüber geschrieben, vielleicht interessant?:
      http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2016/05/sind-geschwister-wirklich-immer-ein.html

      Ich wünsche euch alles Gute, vor allem starke Nerven als Zweifachmama und bitte entschuldige nochmal die verspätete Antwort!
      Liebe Grüße!

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  6. Ich bin grade auf deinen Blog gestoßen und grade unendlich dankbar. Wir haben auch eine autonome 2 jährige bzw. bald 2,5 jährige hier zu Hause und ich komme in letzter Zeit so so oft an meine Grenzen. Bei ihr ist komplett die Generation der Großeltern durchgeschlagen. Mein Mann und ich wurden sehr autoritär erzogen und sind auch heute noch gewohnt Respekt vor unseren Eltern zu haben. Da fällt es mir besonders schwer mit einem Kind umzugehen, dass seit Geburt einen so ausgeprägten Willen und Charakter hat. Meine Tochter ist vom Wesen her das komplette Gegenteil von mir. Grade heute mittag habe ich wieder verzweifelt am Tisch gesessen, nachdem sie den alltäglichen "Nach-Kita-Wutausbruch" hatte und bin dann irgendwann aus der Situation rausgegangen. Mein Mann hat sie dann ins Bett gebracht. Ich sitze nun hier und bin auf deinen Blog gestoßen und freue mich, dass es jemanden gibt, der sich auch zu dem Thema äußert. Ich bin auch grade mit dem 2ten Kind schwanger und habe ziemliche Angst vor der Zeit nach der Geburt. Wie wird die Große auf die Enttrohnung reagieren? Hast du dazu Erfahrungen gemacht?

    LG, Eva

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  7. Hallo Eva!
    Dazu habe ich Erfahrung.
    Mein Sohn (autonomes Kind) ist 2,5 Jahre alt und meine Tochter 5 Monate.
    Ich habe im Vorfeld viel mit ihm über die bevorstehende Situation gesprochen, Bücher angesehen etc.
    Als das Baby da war ging es insofern gut, weil er seine Schwester sofort ins Herz schloss und sie akzeptierte.
    Manchmal hat er in seiner Verzweiflung am Socken gezogen oder ausprobiert was ich mache, wenn er sie mit dem Fuß anstubst.
    Ich hab selten was gesagt und die Kleine einfach aus der Situation genommen.
    Also...positiv... Er ist nicht auf sie losgegangen.
    Aber... Seine autonome Art hat sich in den letzten Monaten doch sehr verfestigt.
    Wir reiben sehr aneinander- das tägliche Anziehen- Schlafen gehen- Waschen etc... Er will einfach gar nichts was man ihn bittet. Seine Anhänglichkeit- 24/7 macht mir auch sehr zu schaffen. Dass die Nerven mal blank liegen mit zusätzlichem Säugling ist mehr als klar, aber ich war sehr überfordert bis die kleine Maus ca. 3 Monate alt war. Ich hatte Ängste nie beiden Kindern gerecht werden zu können und habe mir viel zu spät Eingestanden, dass ich Hilfe brauche.

    Euer Baby ist wahrscheinlich schon auf der Welt- ich habe gerade gesehen, dass deinPost schon älter ist.
    Wie ist es euch ergangen?
    LG M.

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  8. Hallo
    Ich habe eine 15 jährige Tochter und weiss erst seit einer Woche das sie ein Autonomes Kind ist.Dieses Verhalten wird sich nie verändern,es gestaltet sich altersgerecht nur anders.

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    1. Hallo,
      das klingt sehr spannend, kannst Du etwas mehr berichten? Wie war sie als Kleinkind, wie ist es jetzt, woran merkt man jetzt noch, dass sie ein autonomes Kind ist? Hast Du meinen Teil 4 zur Pubertät gelesen? Was sagst Du dazu, kannst Du das bestätigen?
      Interessiert mich wirklich sehr!
      Liebe Grüße!

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  9. Ich bin gerade erst auf den Begriff des "autonomen Kindes" gestossen, das hätte ich seit 14 Jahren gut brauchen können, das hätte vielleicht nicht die Praxis einfacher gemacht, hätte aber innerlich schon auch stützen können. Man wird ja ständig von aussen darauf gestoßen, dass man als Eltern doch etwas falsch macht, wenn ein Kind dermaßen "unerzogen" ist. Abgesehen davon, dass die eigenen Kräfte oft schier nicht mehr reichen wollen. Mein Sohn, von dem ich hier schreibe, ist unser Jüngster, jetzt 14 Jahre alt, und völlig anders als die beiden Älteren, 18 und 16 J. . Die Zeit mit ihm als Kleinstkind habe ich persönlich am erschöpfendsten erlebt, in Kindergarten- und Schulzeit, besonders ab der Schulzeit eigentlich, begannen dann, andere Personen "dran zu knabbern" zu haben. Obwohl wir uns da schon als familiäres Team aufeinander eingespielt hatten und ich selbst das Gefühl hatte, es wird einfacher, bekam ich nun verstärkt Rückmeldungen von aussen, dass es so nicht gehen kann. Eine Odyssee durch Ärztepraxen bzw. SPZs, Ergotherapie, Kinderpsychiater begann, Ergebnis eigentlich immer nur mit dem Tenor, er müsse halt lernen, sich anzupassen. Für uns bzw. die Schulproblematik brachte dies rein gar nichts. Das "autonome Kind" hat mir gegenüber niemand erwähnt.

    Teil 2 des Kommentars folgt..

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  10. Teil 2 zu obigem Kommentar:

    Ein paar Auffälligkeiten in unserem Verlauf:
    - Als Baby extrem empfindlich auf Berührungen (z.B. beim Wickeln), viel mehr als ich das jemals bei den beiden anderen beobachtet habe, es war kaum möglich, ihn zu bändigen, mitunter brauchte es Mama und Papa, um eine Windel zu wechseln und den Knirps anzuziehen
    - als Kleinstkind extrem autark und angstfrei, was ein "Verlieren der Bezugspersonen in der Aussenwelt" und auch die eigenen körperlichen Fähigkeiten betrifft (häufig Verletzungen, ddenn er war eigentlich immer zu schnell für sich selbst unterwegs). Wie oft ist er uns im Supermarkt, auf Mittelalterfesten, im Museum etc. "entwischt" und wir mussten ihn suchen. Bei Spaziergängen tat man gut daran, ihm zu folgen, denn dass "Tschüß, ich gehe jetzt hier lang", was z.B. bei meinem Großen im gleichen Alter ein eiliges Umdrehen und Aufschließen zur Folge hatte (da musste man aufpassen, dass es sich nicht in ein verzweifeltes Weinen steigerte), verfehlte bei meinem Jüngsten komplett jede Wirkung, umgedreht und SEINE Richtung eingeschlagen, so dass wir ihn dann flugs einfangen mussten, möglichst bevor er die nächste Straße queren konnte.
    An der Hand führen war fast unmöglich, weil er häufig andere Ideen hatte, was häufiger zu brenzligen Situationen führte, so dass er wirklich jahrelang auch die komplette Familie ausbremste in Aktionen - wir trauten uns z.T. einfach nicht zu, z.B. Busfahrten, Stadtspaziergänge, Besuch irgendwelcher öffentlicher Events mit diesem unberechenbaren kleinen Zwerg hinzukriegen. Wer schon mal ein zweieinhalbjähriges Kind vom Rand einer innerstädtischen vierspurigen Straße gerissen hat (welches sich zuvor heftigst brüllend geweigert hat, an der Hand zu gehen, unbedingt auf dem Bordstein laufen wollte und nach meiner Ansage, es dürfe frei laufen, wenn er an der Häuserseite gehen würde, zustimmend nickte und - schwuuuups, den Bürgersteig querte, um - auf dem Bordstein zu laufen.... *grrrr*), der weiß, was ich meine.
    - den ersten Besuch im SPZ werde ich nie vergessen, der Kleine war etwa 4,5 J. - ein etwas fülliger, bäriger Arzt, der die körperlichen Fähigkeiten untersuchen sollte und meinen Sohn spielerisch dazu bringen wollte, sich auf bestimmte Arten zu bewegen, geriet dabei heftig ins Schwitzen. "So, und jetzt gehen wir mal auf Zehenspitzen wie eine Ballerina" - Söhnchen, der meinte, dass das für eine Ballerina ja reichlich müde aussähe, gab eine Auswahl an Pirouetten und Sprüngen von sich, meinte, SO würde eine Ballerina sich bewegen und ob der Arzt das auch könne :) Das Gleiche beim Bärengang etc. pp Nachdem der Zwerg den Arzt eine halbe Stunde lang kooperativ aber bestimmt durch ein heftiges Workout gescheucht hatte, keuchte der und meinte grinsend, wenn ich das täglich 24 Stunden auszuhalten hätte, das wäre ja Schwerstarbeit. Aber grandios. Irgendwie.
    - Einschlafprobleme. Schon immer und noch immer, er ist 'ne Nachteule. Er hat lange Zeit regelmäßig bei mir im Bett geschlafen (so ca. bis 8/9 Jahre), natürlich wurden da wieder die Stimmen von aussen soooooo laut.

    Teil 3 des Kommentars folgt..

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  11. Teil 3 zu obigen 2 Kommentaren:

    - in der Grundschule, 2. Klasse, baute er eine Art "Gerechtigkeitspolizei" auf, eine Gruppe von Jungs, die sofort bestraften, wenn einem Kind eine Mütze weggenommen wurde, eins geschubst wurde etc. Dass es dabei nicht immer zimperlich zuging, musste ich dann in einem Elterngespräch hören und bin heute noch der wunderbaren Klassenlehrerin dankbar, die hinter dem oberflächlich rüpelhaften Verhalten tatsächlich den Gerechtigkeitssinn entdeckte und meinem Sohn die Möglichkeit gab, vorzeitig bei den "Friedensstiftern" mitzumachen, eine Gruppe (mit einer Art Ausbildung ab dem 2. Halbjahr 3. Klasse eigentlich), die eben offiziell und nach festen Regeln die Aufgaben übernahmen, die mein Jüngster sich zu eigen gemacht hatte.
    - im Fußballverein verweigerte er sich zur Verblüffung des Trainers so manchem kämpferischen Duell mit besonders berüchtigten Gegnern mit den Worten "Meine Gesundheit ist mir wichtiger!" :D
    - auf der weiterführenden Schule konnte er die entwürdigende Art und Weise mancher Lehrer, mit den Schülern umzugehen, nicht einstecken und zahlte es mit gleicher Münze verbal heim, was mir unzählige Schulbesuche bescherte. "Pädagogischen Druck" beantwortete er unmittelbar mit "Zumachen", niemand kam mehr an ihn ran, in der 7. Klasse entwickelte er psychosomatische Symptome, die Klagen der Lehrer nahmen zu, der Junge wurde immer unglücklicher - inzwischen sind wir seit einem Jahr Freilerner.
    - Diskussionen führt er grundsätzlich extrem gerne :D , beharrt aber stets auf seiner Meinung und ist diesbezüglich wenig einsichtig (bzw. ziemlich klar: "WENN mir was logisch erscheint, bin ich bereit, meine Meinung zu ändern" - wir haben das eher selten erlebt bisher ;) ) und meine anderen Kids blocken mittlerweile solche Diskussionen rigoros ab.
    - er ist durchweg extrem empathisch mit Schwächeren: Tiere, kleine Kinder, Senioren etc. und kann genauso extrem liebevoll sein wie eben andererseits auch kompromißlos (und dadurch oft altklug, ungezogen, rüpelhaft erscheinend).

    So, das war schon so viel und doch nur wenige Beispiele einer Mutter, die eigentlich mal fünf Kinder wollte, mit dem 3. aber dermaßen ausreichend zu tun hatte, dass einfach nicht mehr drin waren ;)

    Liebe Grüsse, Anja

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  12. Obwohl ich schon seit bald einem Jahr den Begriff 'autonomes Kind' auf meinen Sohn (11) anwende, ist er doch ein wenig anders, als die bisher beschriebenen Kinder. Er ist nicht aggressiv nach außen hin - ist eher introvertiert, was seine Wut auf gewisse Umstände nicht unbedingt geringer sein lässt :)

    Als er kleiner war (ca. 3-4), hat er oft dagesessen und leise und voller Wut Dinge zerstört, die in seiner Nähe waren.
    Da hab ich manches mal gedacht, er explodiert gleich.

    In dieser Zeit war es für mich am Schlimmsten - ich hab ihn sogar mal geschlagen, weil ich einfach nicht weiterkam - er tat einfach nicht, was ich wollte :( Und er sagte nicht warum ...
    Es war wirklich schlimm ...

    Dabei mochte die ich eigentlich von Anfang an seine besondere Art - er wirkte so schlau und schaute manchmal so nachsichtig, wenn wir ihm was erklärten - weil er das alles schon wusste.
    Er ist übrigens auch hochsensitiv - zwar völlig anders, als sein ein Jahr älterer Bruder - aber eindeutig - und hochbegabt.
    Sozial tut er sich manchmal was schwer - ist ein wenig eigenartig, deshalb vielleicht nicht der Beliebteste, außerdem ist er eh am liebsten allein.
    Er hätte zwar gern noch ein oder zwei Freunde, die aber bitte wie er sein sollen, sonst funktioniere es ja eh nicht.

    Diese Kombi, die es bei autonomen Kindern wohl häufig gibt, macht es mitunter echt schwer.
    Ich persönlich hab die schwierige Zeit beendet, indem ich angefangen hab, das positive an der Besonderheit zu sehen und um die Beziehung zu kämpfen.
    Ich hatte nämlich bei jeder Auseinandersetzung das Gefühl,es ist ein Machtkampf - und jedes Mal,ob ich gewinne oder nicht, entfernte er sich immer weiter von mir.
    Jedenfalls hab ich mit dem 'Kämpfen' aufgehört und damit sehr sehr viel gewonnen :)
    Ich gebe ihm nun immer das volle Buffet, und ganz viel Verständnis.
    Unsere Beziehung ist sehr tief geworden, und er macht mittlerweile vergleichsweise Vieles mir zu Liebe.


    Eins der größten Probleme für ihn war die Schule - er äußerte das in der Schule selbst, so gut wie nie, auch nicht nonverbal. Er galt nur als Träumer, leicht ablenkbar, und sozial als Außenseiter - ansonsten unauffällig. Daher konnte keiner verstehen bzw. glauben, dass er furchtbar litt und sogar Stoffwechselprobleme bekam. Er traute sich nicht aufs Klo, weil dort immer welche waren, die Blödsinn gemacht haben. Zudem war dieser ewige Druck ausgehend von jedem Lehrer furchtbar für ihn - er hatte das Gefühl, erdrückt zu werden. Er wollte nicht ewig die gleichen Dinge machen, und überhaupt hatte er eine völlig andere Vorstellung vom Lernen allgemein. Er hasste Hausaufgaben - brauchte manchmal bis zu 5 Stunden - einfach nur, weil er sie nicht machen wollte.

    Dabei war er wesentlich weiter als seine Gleichaltrigen - schon bevor er zur Schule ging. Zu Beginn sagte man ihm zu, individuell zu lernen - was aber überhaupt nicht ermöglicht wurde.
    Ein ständiges Mit-den-Lehrern-Reden brachte so gut wie nichts.

    Er verweigerte immer wieder komplett den Schulbesuch und ließ sich nicht drohen, nicht überreden, nicht 'kaufen'.

    Auch da versuchte ich es ein paar Mal mit Gewalt, weil man mir keine Wahl ließ, wie ich glaubte. Aber es war wie Verrat und furchtbar - auch für mich, und ich schäme mich dafür, dass ich mir da reinreden lassen hab.

    Vor einigen Monaten hab ich auch dieses Kapitel beendet und ihn aus der Schule genommen - die beste Entscheidung meines Lebens.

    Er ist ein völlig anderer Mensch - jetzt wo er endlich wirklich frei ist! In allem!

    Er entscheidet, wann er schlafen geht, wann er aufsteht, wann er isst, wann er fernsieht, wann er in den Pool geht, wann er im Garten wühlt, wann er was aus Holz baut, was er überhaupt macht, wann er am Handy ist, wann er am Computer sitzt, dass er Programmieren lernt, dass er demnächst ein technisches Praktikum macht, wann er mit uns mitfährt und wann nicht, etc.

    Und ob ihr es glaubt oder nicht, wr passt sich ganz oft uns an :)

    Es ist ein wenig wie in einer Liebesbeziehung - man muss ihn so sein lassen, wie er ist, mit ganz vielen Freiräumen, und ihn dafür lieben :)

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    1. Liebe Evia,
      dein Beitrag ist zwar schon zwei Monate alt, aber ich bin erst heute auf diesen Wunderbaren Blog gestossen und muss dir unbedingt schreiben. Denn in der Beschreibung deines Sohnen finde ich meinen (jetzt 9 Jahre alt) wieder. Haargenau so verhält sich mein Großer.
      Was ich zu gern wissen würde ist: auf welche Schule hast du ihn den jezt angemeldet? Du schreibst nur, dass du ihn von der Schule genommen hast.
      Für uns steht jetzt der Wechsel zur weiterführenden Schule an und wir haben uns für eine Waldorfschule entschieden, da er auf einer "normalen" Schule kreuzunglücklich ist.
      Vieleicht siehst du meinen Beitrag noch....LG

      Löschen
  13. Obwohl ich schon seit bald einem Jahr den Begriff 'autonomes Kind' auf meinen Sohn (11) anwende, ist er doch ein wenig anders, als die bisher beschriebenen Kinder. Er ist nicht aggressiv nach außen hin - ist eher introvertiert, was seine Wut auf gewisse Umstände nicht unbedingt geringer sein lässt :)

    Als er kleiner war (ca. 3-4), hat er oft dagesessen und leise und voller Wut Dinge zerstört, die in seiner Nähe waren.
    Da hab ich manches mal gedacht, er explodiert gleich.

    In dieser Zeit war es für mich am Schlimmsten - ich hab ihn sogar mal geschlagen, weil ich einfach nicht weiterkam - er tat einfach nicht, was ich wollte :( Und er sagte nicht warum ...
    Es war wirklich schlimm ...

    Dabei mochte die ich eigentlich von Anfang an seine besondere Art - er wirkte so schlau und schaute manchmal so nachsichtig, wenn wir ihm was erklärten - weil er das alles schon wusste.
    Er ist übrigens auch hochsensitiv - zwar völlig anders, als sein ein Jahr älterer Bruder - aber eindeutig - und hochbegabt.
    Sozial tut er sich manchmal was schwer - ist ein wenig eigenartig, deshalb vielleicht nicht der Beliebteste, außerdem ist er eh am liebsten allein.
    Er hätte zwar gern noch ein oder zwei Freunde, die aber bitte wie er sein sollen, sonst funktioniere es ja eh nicht.

    Diese Kombi, die es bei autonomen Kindern wohl häufig gibt, macht es mitunter echt schwer.
    Ich persönlich hab die schwierige Zeit beendet, indem ich angefangen hab, das positive an der Besonderheit zu sehen und um die Beziehung zu kämpfen.
    Ich hatte nämlich bei jeder Auseinandersetzung das Gefühl,es ist ein Machtkampf - und jedes Mal,ob ich gewinne oder nicht, entfernte er sich immer weiter von mir.
    Jedenfalls hab ich mit dem 'Kämpfen' aufgehört und damit sehr sehr viel gewonnen :)
    Ich gebe ihm nun immer das volle Buffet, und ganz viel Verständnis.
    Unsere Beziehung ist sehr tief geworden, und er macht mittlerweile vergleichsweise Vieles mir zu Liebe.


    Eins der größten Probleme für ihn war die Schule - er äußerte das in der Schule selbst, so gut wie nie, auch nicht nonverbal. Er galt nur als Träumer, leicht ablenkbar, und sozial als Außenseiter - ansonsten unauffällig. Daher konnte keiner verstehen bzw. glauben, dass er furchtbar litt und sogar Stoffwechselprobleme bekam. Er traute sich nicht aufs Klo, weil dort immer welche waren, die Blödsinn gemacht haben. Zudem war dieser ewige Druck ausgehend von jedem Lehrer furchtbar für ihn - er hatte das Gefühl, erdrückt zu werden. Er wollte nicht ewig die gleichen Dinge machen, und überhaupt hatte er eine völlig andere Vorstellung vom Lernen allgemein. Er hasste Hausaufgaben - brauchte manchmal bis zu 5 Stunden - einfach nur, weil er sie nicht machen wollte.

    Dabei war er wesentlich weiter als seine Gleichaltrigen - schon bevor er zur Schule ging. Zu Beginn sagte man ihm zu, individuell zu lernen - was aber überhaupt nicht ermöglicht wurde.
    Ein ständiges Mit-den-Lehrern-Reden brachte so gut wie nichts.

    Er verweigerte immer wieder komplett den Schulbesuch und ließ sich nicht drohen, nicht überreden, nicht 'kaufen'.

    Auch da versuchte ich es ein paar Mal mit Gewalt, weil man mir keine Wahl ließ, wie ich glaubte. Aber es war wie Verrat und furchtbar - auch für mich, und ich schäme mich dafür, dass ich mir da reinreden lassen hab.

    Vor einigen Monaten hab ich auch dieses Kapitel beendet und ihn aus der Schule genommen - die beste Entscheidung meines Lebens.

    Er ist ein völlig anderer Mensch - jetzt wo er endlich wirklich frei ist! In allem!

    Er entscheidet, wann er schlafen geht, wann er aufsteht, wann er isst, wann er fernsieht, wann er in den Pool geht, wann er im Garten wühlt, wann er was aus Holz baut, was er überhaupt macht, wann er am Handy ist, wann er am Computer sitzt, dass er Programmieren lernt, dass er demnächst ein technisches Praktikum macht, wann er mit uns mitfährt und wann nicht, etc.

    Und ob ihr es glaubt oder nicht, wr passt sich ganz oft uns an :)

    Es ist ein wenig wie in einer Liebesbeziehung - man muss ihn so sein lassen, wie er ist, mit ganz vielen Freiräumen, und ihn dafür lieben :)

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  14. Mein Sohn ist 8 Jahre und in der dritten Klasse.. er hat seid dem erste Schultag die Hausaufgaben komplett verweigert... er musste nachsitzen, nacharbeiten und glaubt mir, wir haben ihm alles verboten was möglich ist.
    Sogar Hausarrest haben wir ihm erteilt... er macht die Aufgaben trotzdem nicht und weigert sich in der Schule mitzuarbeiten... also das stimmt nicht ganz, er arbeitet mit, wenn er möchte.
    Ich bin echt am Ende, sogar einen IQ test hat die Schule schon mit ihm gemacht..
    wenn er so weiter macht, wird er die Grundschule nicht schaffen...
    Habt ihr einen Rat?

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  15. Ich schließe mich obigem Eintrag an - autonome Kinder leiden total unter den gesellschaftlichen Grenzen. Hat jemand Tipps, wenn das autonome Kind nicht in den Kindergarten will? Dort gibt es sicher, die Dinge, die es merkwürdig findet, wir aber nicht ändern können ...

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  16. Hallo an alle,

    Ich bin heute, nachdem ich mal wieder verzweifelt nach Informationen über das "außergewöhnliche Verhalten" meiner Tochter gesucht habe, auf dieser Seite gelandet. Seit einer guten halben Stunde lese ich die Beiträge und mir laufen einfach nur die Tränen ... vor Erleichterung, endlich etwas gefunden zu haben, was meine bisherige Einstellung bestätigt und nicht meine Qualifikation als Mama in Frage stellt.
    Danke

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    1. Liebe Claudia,
      oh, das rührt mich sehr und mir ging es ähnlich, als ich damals auf das Thema gestoßen bin. Vielleicht helfen Dir die Informationen, um besser mit der Situation klarzukommen. Auf Facebook gibt es auch eine Gruppe zum Austausch:
      https://www.facebook.com/groups/735026373305539/?fref=ts
      Und nein, Du machst nichts falsch als Mama! Diese Kinder sind eine ungeheure Herausforderung.
      Liebe Grüße!

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  17. Liebe Frühlingskindermama,

    Danke für deine Antwort.
    Kinder sind allgemein eine Herausforderung, darüber war ich mir bereits klar, bevor ich meine beiden bekommen hab. Für mich ist die Gesellschaft allerdings die größere Belastung, weil man sich immer wieder rechtfertigen soll, jeder erwartet irgendwie, dass ich mein Kind ändere, aber das wollte ich vom 1. Tag nicht. Natürlich verstehe ich, dass es manchmal überfordernd und sehr stressig ist, aber ich bin nicht bereit den Willen meines Kindes zu brechen. Mein Sohn (fast 9) ist ein "umgängliches" Kind, wie ich es von außen oft zu hören bekomme, bei ihm hab ich sehr viel Energie gebraucht um sein Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu stärken, ihm beizubringen, dass er sich auch mal durchsetzen darf und auch muss, war eine genauso große Herausforderung, wie meiner Tochter (immernoch) beizubringen, dass es Dinge gibt, die man nicht ändern kann und nicht alles so läuft, wie man selbst will.
    Ich selbst würde (nachdem ich diese Beiträge gelesen habe) behaupten, dass ich ebenfalls ein autonomes Kind war. Leider hatte ich dadurch eine sehr schwere Kindheit, da selbst meine Mama damit ein rießen Problem hatte und mich so nicht annehmen konnte. Ich hab sehr lange und mehrere Therapien gebraucht um zu lernen mich selbst zu mögen, dass ich nicht falsch bin.
    Und meine Tochter soll so nicht aufwachsen. Ich liebe dieses kleine Wunder so abgöttisch und zwar wie sie ist und das sage ich ihr jeden Tag. Sie hat so wundervolle Eigenschaften, nur übersehen dass viele Leute und das macht mich sehr traurig. Ja sie muss noch viel lernen und ich bin sehr zuversichtlich, dass sie das schafft und ich werde ihr helfen und an ihrer Seite kämpfen.
    Nachdem ich deine Seite gefunden habe, fühle ich mich wie kurz nach der Geburt, ich hab wieder das Gefühl, ich könnte Berge versetzen.
    Ich wünsche allen hier ganz viel Kraft

    Liebe Grüße

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  18. Ich frage mich, seit ich gestern diesen Blog gefunden habe, ob ein Kind autonom ist oder eben nicht oder ob es auch verschiedene Ausprägungen gibt. Seit meine Tochter auf der Welt ist, sie ist jetzt 5 Monate alt, wird sie von vielen als 'besonders' beschrieben. Sie sie habe keine Baby Ausstrahlung und sei schon so 'fertig'. Sie hat nach ihrer Geburt die Augen geöffnet und sie erstmal den ganzen Tag nicht wieder geschlossen. Sie war sofort da und hat in die Welt geschaut. Eine hohe Körperspannung hatte sie von Anfang an. Wollte nur von mir liegend getragen werden. Alle anderen duften sie nur in sitzposition halten. Sehr schnell hatte und hat sie immer noch, einen starken Vorwärtsdrang. Sie krabbelt schon fast und zieht sich an Gegenständen hoch. Sie hat einen starken Willen den sie schnell laut zum Ausdruck bringt wenn sie etwas nicht schafft oder nicht will. Sie lässt sich zum Beispiel nicht gern am Kopf anfassen und Baby Massage im Kurs mag sie gar nicht. Allerdings wird sie seit einiger Zeit schmusiger und lässt auch Körperkontakt zu, der von mir ausgeht. Ich bin sehr stolz auf Sie, weil sie viel weiter ist als ihre Altersgenossen aber wenn ich hier so lese bekomme ich auch ein wenig Angst, tatsächlich ein autonomes Kind zu haben. Ich habe Hochachtung vor euren Leistungen, wie ihr auf eure Kinder ein geht, auch wenn es so viel Kraft kostet. Grüße, Jenni.

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    1. Es gibt auf jeden Fall viele verschiedene Ausprägungen! Wenn Du hier und in meinen anderen Texten zum Thema die Kommentare liest, wird deutlich, wie unterschiedlich diese Kinder trotzdem sind. Es gibt sogar richtige Kuschelkinder. Im Prinzip muss jeder - trotz einiger übereinstimmender Kriterien - selbst kennenlernen. Es hängt auch von der Disposition der Eltern ab, ob sie manches als Problem empfinden oder nicht. Mir als Mutter machen vielleicht ganz andere Dinge zu schaffen als anderen Müttern/Vätern. Beobachte Dein Kind weiter und Du wirst merken, ob sie ein autonomes Kind ist. Bisher scheinst Du ja insgesamt ganz gut mit ihr klarzukommen, es gibt also tendenziell keinen Leidensdruck. Das war bei mir anders. Ich wünsche euch alles Gute!
      Liebe Grüße!

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  19. LiebeMama.
    Ich habe auch so einen autonomen Frühlingssohn- der am 10.März im Sternzeichen Fische geboren ist.
    Mich würde interessieren, wann genau dein Großer geboren wurde?
    Jonathan hatte schon im Mutterleib seinen eigenen Willen und lag von Anfang an in Beckenendlage. Als er in einem Notkaiserschnitt zur Welt kam hatte er die Augen weit offen- diesen klugen Blick wie der eines weisen Mannes. Ich hatte sofort den Gedanken das ich mir ein neugeborenes Baby so nicht vorgestellt habe.
    Liebe Grüße und viel Kraft und Liebe für deine beiden Wunder wünscht Claudia

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    1. Hallo Claudia,
      mein Sohn ist am 6. März geboren. Er war sehr unruhig im Bauch und ich hatte da schon das Gefühl, er rebellierte gegen jegliche Begrenzung. Mittlerweile ist er mit seinen 6 Jahren deutlich ruhiger und umgänglicher geworden, als zu der Zeit, als diese Texte entstanden sind und der Leidensdruck hoch war. Man merkt aber immer noch deutlich die Züge eines autonomen Kindes, wie Unbestechlichkeit etc. Insgesamt kommen wir mittlerweile ganz gut mit ihm klar, allerdings wird der baldige Schulstart wohl nochmal einiges durcheinanderschütteln.
      Liebe Grüße und alles Gute für Dich!

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  20. Jetzt muss ich mich hier doch auch zu Wort melden. Und zwar als Mutter eines ... wie ich nun vermute... autonomen 15 jährigen- und eines 12 jährigen hochsensiblen Sohnes. Alter Schwede �� ich habe schon immer gedacht: diese Kinder sind die Herausforderung meines Lebens!!! Und wie schon vor drei Jahren, als ich auf das Thema Hochsensibiliät gestoßen bin, bin ich auch heute wieder dankbar den Begriff des autonomen Kindes gefunden zu haben.
    Der Große war schon immer... eigen. Wusste genau, was er wollte und was nicht. Er kam schon gezwungen durch Hebamme und Wehentropf auf die Welt, denn eigentlich wollte er noch nicht. Er hatte auch sofort diesen wachen Blick. Schaute sich aufmerksam in der Welt um. Ganz anders, als sein hochsensitiver Bruder, der als Sternengucker auf sie Welt kam, sein Däumchen in den Mund steckte und gleich wieder selig schlummerte.
    Das Einschlafen als Baby war eine Qual. Wir haben ihn geschuggelt und geschunkelt, bis uns die Arme fast abgefallen sind.
    Als kleines Kind wollte er nicht in den Kindergarten - ich habe ihn weinend und um sich schlagend hin geschleppt. Er wollte nicht auf Kindergeburtstage gehen, was für alle anderen Kinder immer ein Highlight war. Verabredungen waren nur bedingt möglich. Aus heiterem Himmel wollte er auch nicht mehr von Opa aus dem Kindergarten abgeholt werden. Es gab regelrecht einen Aufstand...auch von Opa. Zum Schwimmunterricht habe ich ihn ebenfalls heulend geschleppt. Ich bin heute noch dankbar für unsere tolle Schwimmlehrerin.
    Der Schulanfang war auch schwierig, denn eigentlich wollte er dort auch nicht hin. Das hat sich dann allerdings irgendwann eingespielt. Er wurde ein sehr guter Schüler, was sicher nicht zuletzt an seiner Lehrerin lag, die für ihn genau die Lehrerin war,die er brauchte.
    Nach dem Schulwechsel auf das Gymnasium ging es zunächst auch so weiter, aber in der sechsten Klasse fingen dann die Lehrergespräche an. Er malte blutige Strichmännchen, um sich, wie er mir später erklärte, vor den anderen Schülern zu schützen. Im Grunde sollten Sie Angst vor ihm haben, damit sie ihn in Ruhe lassen. Die Noten wurden zusehends schlechter. Wenn er sich für irgendwas wirklich interessiert, kann er sich stundenlang mit dem Thema befassen und weiss hinterher alles darüber. Interessiert es ihn nicht, geht nichts in den Kopf.
    Sicherlich gibt es da Parallelen zu anderen Pubertierenden, hier ist es aber doch noch anders. Er sagt selber, dass er nicht weiss, wie man ihn motivieren könnte. Schon früher haben andere Mütter ihren Kindern damit gedroht, dass sie nachmittags nicht zum Fussball gehen dürften, wenn sie morgens nicht zur Schule gingen, und die Kinder gingen zur Schule. Meinem Sohn war das immer vollkommen egal. Weder in Aussicht gestellte Belohnungen, noch angedrohte und auch durchgesetzte Verbote konnten ihn zu irgendetwas bewegen, was er nicht wollte.Beim Zahnarzt machte er über Monate.. oder waren es gar Jahre? - den Mund nicht auf. Wir ersuchten mit den Zahnärzten alles Mögliche, bis wir an einen Kinderzahnarzt in 40 km Entfernung gerieten, der so klar war, dass es auch für unseren Sohn keine andere Möglichkeit mehr gab, als den Mund einfach auf zu machen. Für mich war das eine wirklich kräftezehrende Zeit. Heute lässt er seine Löcher ohne BeutäubungsSpritze bohren. Ich versteh die Welt nicht mehr....
    Auch innerhalb der Familie, Besuche bei Oma und Opa, die ihre ganz eigenen Vorstellungen hatten, waren schwierig.
    Nun ja. Ich bin ebenfalls hochsensibel und könnte mich darum schon immer mehr mit meinem jüngeren Sohn identifizieren. Dennoch war mir immer klar, dass man die Kinder ihren Weg gehen lassen muß, wenn es oft auch schwer fällt. Was ich sagen will ist, dass ich wohl oft instinktiv den richtigen Weg gegangen bin, oft aber sicher auch den falschen.

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  21. Nun denn..
    Ich empfinde die Beziehung zu meinem autonomen Sohn dennoch als eng. Und dieses Gefühl hat sich- immer auch durchzogen von einigen Tiefpunkten- in den letzten Jahren gesteigert. Bis auf die Schulproblematik, empfinde ich seine Pubertät bisher als nicht besonders schwierig. Vielleicht auch, weil die letzten Jahre schon immer schwierig waren ? Könnte das eine Art Belohnung sein ? ��
    Er weiss, dass wir immer für ihn da sind, und er bestätigt mir das auch immer wieder. Er weiss, wir ihn lieben, so wie er ist, und dass er immer zu uns kommen kann. Ob er das dann auch tut, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier...
    Um kurz noch auf die Beziehung zu seinem Bruder einzugehen... Es gab gute uns schlechte Zeiten... ich würde sagen, jetzt schon fast seit Jahren, eine gute Zeit. Natürlich gibt es Streitigkeiten und auch körperliche Auseinandersetzungen, es sind halt auch Jungs, aber bei allem was ist, kann ich spüren, dass sie sich doch lieb haben. Und das wünsche ich Ihnen auch, als immerwährende Stütze in ihrem Leben.
    Ich bin sehr gespannt, was uns noch erwartet, aber eines weiss ich ganz sicher: dass das Wissen um Menschen, denen es ähnlich geht wie uns, ungemein beruhigend ist.
    Also: vielen Dank für alles, was hier geschrieben wurde.

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