Samstag, 13. Oktober 2018

Die Schulanmeldung einer Zweitgeborenen

Ich kann mich noch genau an die Schulanmeldung des Großen vor 2 Jahren erinnern. Wir haben das damals wie eine feierliche Zeremonie vollzogen. Wir waren sehr aufgeregt und etwas nervös. Zum ersten Mal haben wir an diesem Tag das Schulhaus betreten, das unsere beiden Kinder insgesamt 8 Jahre beherbergen sollte. Ich war sehr skeptisch und noch nicht im Reinen mit unserer Entscheidung, ihn auf der regulären Einzugsgrundschule anzumelden, statt auf einer freien oder privaten Schule. Und überhaupt war ja gar nicht sicher, ob er einen Platz bekommen würde, da die Zahl der Anmeldungen die der Plätze weit überstieg.

Viele gemischte Emotionen charakterisierten also diesen Nachmittag im Oktober vor 2 Jahren. Ich hatte die Kinder von der Kita abgeholt und wir trafen uns mit dem Papa vor der Schule. Natürlich sollte der Papa mit dabei sein! Wir nahmen uns Zeit, schauten uns alles an, füllten andächtig die Formulare aus, ließen das Schulhaus auf uns wirken und die Kinder malten eine Zuckertüte aus. Das Schulhaus war schon total leer. Wir schrieben jede Menge Namen von Wunschkindern auf, die möglichst mit dem Großen in eine Klasse kommen sollten. Wir fragten die Sekretärin nach dem Prozedere aus und waren geschockt, dass wir erst im Mai Bescheid bekommen sollten, ob es klappt mit dem Platz an dieser Grundschule. Ich fotografierte, um Erinnerungen an den Tag zu haben, und wir spielten hinterher noch etwas auf dem Schulhof. Ingesamt war die Schulanmeldung des Großen schon ein einschneidendes und bewegendes Ereignis für uns gewesen.

Nun, 2 Jahre später, sollte auch die Kleine angemeldet werden. Sie kommt nächstes Jahr in die Schule und es war klar, dass sie auf die gleiche Schule gehen soll wie der Große. Erstens sind wir insgesamt zufrieden und zweitens freue ich mich schon auf die logistische Erleichterung, wenn beide Kinder an einem Ort abzuholen sind. Ganz andere Voraussetzungen also im Vergleich zur Situation vor 2 Jahren, keine Skepsis, keine Angst, kein Gefühl, eine falsche Entscheidung zu treffen, einfach nur Normalität, Vertrautheit und Rationalismus. Und so waren nicht nur die Voraussetzungen diesmal andere, sondern auch die Schulanmeldung an sich fühlte sich total anders an.

Von den vier möglichen Nachmittagsterminen kamen schon zwei nicht infrage, wegen anderweitiger Verpflichtungen. Ich dachte nun, es wäre eine gute Idee, einen Termin beim Bürgeramt mit der Schulanmeldung zu verbinden, da ich die Kleine an diesem Tag sowieso zuerst von der Kita abholen musste und danach den Großen von der Schule. Sonst mache ich das ja immer anders herum. So könnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und vor dem Bürgeramt noch "schnell" die Schulanmeldung der Kleinen absolvieren. Ich sollte eigentlich erfahren genug sein, um zu wissen, dass zwei Termine am Nachmittag zuviel sind.

Nun ja, es artete in Stress aus und wurde dem für die Kleine doch wichtigen Tag nicht wirklich gerecht. Und der Papa war auch nicht dabei, anders als beim Großen. Ich hatte extra früh Schluss auf der Arbeit gemacht und die Kleine früher als sonst abgeholt. Wir kamen in der Schule an und fragten den Großen, ob er mitkommen möchte oder noch weiter Fußball spielen wollte. Natürlich wollte er Letzteres. Also meldete ich ihn noch nicht im Hort ab, sondern ging mit der Kleinen zum Sekretariat. 40 Minuten sollten doch eigentlich für die Schulanmeldung ausreichen. Bis 16 Uhr geht der Hortplatz des Großen, dann muss er abgeholt sein.

Zuerst mussten wir 10 Minuten warten, weil noch jemand vor uns war. Dann durften wir reinkommen, mussten aber nochmal warten, weil die Sekretärin mit einem sehr penetranten Elternteil telefonierte. Dann ging sie mit uns lang und breit die Formulare durch, die wir draußen ausfüllen sollten. Also wieder hinaus. Ich füllte total in Eile die Bögen aus, die Kleine malte ihre Zuckertüte ebenso schnell aus. Ich wollte sie eigentlich dabei fotografieren, als Erinnerung, hatte aber keinen Nerv dafür. Der Uhrzeiger tickte, der Große war noch nicht abgeholt und unser Termin beim Bürgeramt saß uns im Nacken. Und wir mussten ja noch einmal hinein zur Sekretärin. Die Familie, die eigentlich vor uns war, sagte, dass sie uns vorlassen würden. Das war total nett. Trotzdem war es schon kurz vor 16 Uhr. 

Ich schickte also die Kleine allein hinunter auf den Schulhof, um der Horterzieherin des Großen Bescheid zu geben, dass wir gleich kommen würden. Sie sollte dann gleich wieder hoch kommen. Ich beobachtete sie durchs Fenster des Schulhauses, wie sie vor ihr stand und mit ihr redete. Dann musste ich hinein zur Sekretärin. Ich bat diese noch zweimal, aus dem Fenster zu schauen, aber die Kleine kam nicht wieder hoch. Zum Glück ging der Rest auch ohne sie und die Sekretärin nahm die Unterlagen entgegen. Ich hatte Angst, dass die Kleine mich suchen würde, wenn sie wieder hochkommt, und verabschiedete mich schnell. Als ich die Treppe hinunterlief, kam sie mir entgegen. Um 15:59 Uhr holten wir den Großen auf dem Schulhof ab. Puh! Dass eine Sache von 10 Minuten nun 40 Minuten in Anspruch nahm, hätte ich doch nicht für möglich gehalten.

Es tat mir total leid, dass die Kleine nicht noch einmal mit hinein zur Sekretärin kommen konnte und somit bei der Abgabe der Unterlagen nicht zugegen war. Es tat mir leid, dass alles so hektisch war und ich sie allein runter auf den Schulhof schicken musste. Es tat mir leid, dass es keine Fotos von ihrer Anmeldung geben würde. Es tat mir leid, dass nur zwei statt vier Familienmitglieder zugegen waren. Es tat mir leid, dass sie wegen ihres Schulkind-Bruders jeden Morgen so früh aufstehen musste, obwohl sie einen längeren Schlaf brauchen würde. Es tat mir leid, dass bei ihr als Zweitgeborener immer alles so nüchtern und unaufregend abläuft. Es tat mir leid, dass wir uns bei ihr nicht monatelang den Kopf über die richtige Schule zerbrochen hatten, sondern sie ganz selbstverständlich in die Schule des Großen steckten. Ach, es tat mir leid, dass ihre Schulanmeldung so "nebenbei" erledigt wurde.

Das war so symbolisch für all das, was bei Zweitgeborenen "nebenbei" abgehandelt wird oder aus logistischen oder sonstigen Notwendigkeiten erwächst. Sie müssen sich quasi dem Rhythmus, den Gegebenheiten, die durch das ältere Geschwisterkind schon da sind, anpassen. Und da man alles schon ein Mal durch hat, ist man einfach abgeklärter; der Zauber des Neuen oder die Angst vor dem Unbekannten fehlt. Das tut mir leid für die Kleine, denn sie soll natürlich auch die Erfahrung machen, dass ihre ersten Male aufregend und toll sind!


Wenigstens schoss ich auf dem Schulhof noch zwei Fotos, als Erinnerung an diesen Tag. Dann gingen wir kurz Eis essen und eilten weiter zum Bürgeramt, wo wir trotz Termins weitere 40 Minuten warten durften. Die Kinder waren unruhig und es war sehr stressig für mich. Als wir endlich zuhause ankamen, fühlte ich mich wie nach einem Marathonlauf. Die Schulanmeldung war schon völlig in den Hintergrund getreten. Die Kleine war natürlich trotzdem stolz. Aber ich hätte mir deutlich mehr Aufmerksamkeit für diesen großen Schritt gewünscht. Zumindest werde ich keine zweier solcher Termine hintereinander mehr anvisieren. Man braucht ja auch eine gewisse Zeit zum Runterkommen und Verarbeiten. Und die Zweitgeborenen haben es genauso verdient, dass man so ein Ereignis würdigt. Die Kleine freut sich jedenfalls schon sehr auf die Schule. Und ich hoffe einfach mal inständig, dass wir aufgrund des Geschwisterbonusses einen Platz bekommen. Trotz 150 Anmeldungen auf ca. 80 Plätze. Wahnsinn! Und krass, dass meine Kleine nächstes Jahr ein Schulkind wird!

Freitag, 5. Oktober 2018

WMDEDGT? am 5. Oktober 2018 - Arbeit und Me-Time

Heute ist der 5. des Monats und somit heißt es wieder einmal: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" Es ist Freitag, ein normaler Arbeits-, Schul- und Kitatag für alle und tatsächlich ein ziemlich unspektakulärer Tag. Die Woche war wegen zweier Kitaschließtage am Montag und Dienstag und des Feiertages am Mittwoch anders als sonst strukturiert und die Kinder sind etwas durcheinander, da sie bzw. der Große allein mehrfach außer der Reihe beim Papa waren. Das fanden sie einerseits schön, andererseits merkte man aber auch, dass ihnen ihr gewohnter Wochenrhythmus fehlte.

6:30 Uhr

Mein Wecker klingelt und ich bin nach einer Nacht, in der ich wegen Übelkeit, Bauchschmerzen und Kreislauf fast nicht geschlafen habe, wie gerädert. Mir geht es nicht gut und ich wäre normalerweise zuhause geblieben, da ich aber wegen der Kitaschließtage einiges nachzuarbeiten habe, raffe ich mich auf. Ich mache Frühstück, fülle die Brotdose des Großen und wecke die Kinder. Wir frühstücken, der Große ist unleidlich, meckert und weint, wie mehrfach diese Woche. Ich bin echt sauer, dass sie nicht mal Rücksicht nehmen, wenn es mir schlecht geht, obwohl ich ihnen das gesagt habe. Wir ziehen uns an und machen uns fertig.

7:30 Uhr

Der Papa kommt und bringt die Kinder in die Schule und Kita. Durchatmen, aufräumen, selbst fertig machen. Zwischendurch schreibe ich noch mit einer Ebay Kleinanzeigen-Käuferin.

8:00 Uhr

Ich fahre zur Arbeit, schlapp und angeschlagen. Was gäbe ich darum, Home Office machen zu können. Das wäre heute ideal gewesen. Auf der Arbeit komme ich gut voran. Körperlich geht es mir langsam besser, dafür ist die Nase komplett zu. Dummerweise habe ich mein Nasenspray zuhause vergessen und kriege kaum Luft. Eigentlich wollte ich am Nachmittag/ frühen Abend ins Kino gehen, das klappt ja nur freitags, wenn die Kinder nicht bei mir sind. Aber es läuft nichts und ich habe auch keine Lust.

Das Wetter draußen ist herrlich und macht Lust auf einen Spaziergang. Ich weiß, dass ich mich nicht mehr aufraffen werde, wenn ich zuhause angekommen bin und überlege, ob ich von der Arbeit nach Hause laufe. Das sind knapp 1,5 Stunden Weg, aber recht lange geht es eine schöne Strecke am Panke-Flüsschen entlang. Ich könnte jederzeit auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen, falls ich es nicht schaffe.

Ausblick vom Büro

14:30 Uhr

Der Arbeitstag bzw. die kurze Arbeitswoche endet, ich habe alles geschafft. Ich entscheide nach den ersten Metern draußen, dass ich tatsächlich nach Hause laufen möchte. Von Freitag Nachmittag bis Samstag Abend habe ich kinderfrei, weil die Kinder dann beim Papa sind. Somit existiert kein Zeitdruck und ich könnte mich danach zuhause ausruhen. Also los!

Ich laufe zuerst durch laute Innenstadtstraßen und staune über unendlich viele Baustellen, neue Gebäude und hippe Läden. Dann biege ich in den Pankeweg ein, der sogar ein offizieller Fernwanderweg und streckenweise sehr idyllisch ist. Im Flüsschen Panke schwimmen Enten und sogar ein Schwan, die Bäume leuchten grün und in Herbstfarben und der Himmel ist blau. Auf dem Weg komme ich an einer Schleuse, einem verfallenen Künstlerareal und einem Überlaufbecken vorbei, überquere mehrere Straßen und tauche immer wieder in den grünen Weg ein. Eine andere Welt mitten in der Großstadt.

Ich laufe nicht besonders schnell, aber gleichmäßig und vor allem in meinem Tempo. Das genieße ich sehr, denn so viele Jahre schon muss ich mich immer an das Tempo der Kinder anpassen, mit denen man manchmal keine 100 Meter ohne Nervenzusammenbruch vorankommt. Ich staune, dass ich immer noch so gern spaziere wie früher und mir die Strecke überhaupt nicht lang vorkommt. Ich nehme die Farben und Gerüche so intensiv wahr, wie es zusammen mit den Kindern nie möglich ist, und sauge die Eindrücke auf. In den kinderfreien Zeiten, die ich ja jetzt regelmäßig habe, hole ich mir Stück für Stück Teile meines früheren Lebens zurück. Das ist unglaublich schön für mich.





16:30 Uhr

Ich bin nach 1,5 Stunden nun zuhause angekommen und setze mich auf den Balkon, um etwas zu essen. Ich bin schlapp, habe aber mental aufgetankt. Bald darauf verschwindet auch schon die Sonne hinter den Bäumen. Ansonsten passiert heute nicht mehr viel. Zwei Maschinen Wäsche werden gewaschen und aufgehangen. Ansonsten schreibe ich diesen Text, lese ein bisschen und ruhe mich aus. Die Kinder sind vom Papa abgeholt worden und schlafen bei ihm. Ich werde früh ins Bett gehen, um den Schlaf der letzten Nacht nachzuholen. Hofentlich bin ich bald wieder richtig fit.

Mehr #wmdedgt gibt es wie immer bei Frau Brüllen.

Mein letztes WMDEDGT? findet ihr hier.

Freitag, 28. September 2018

Ratgeber für Eltern hochsensibler Kinder: "Alle Antennen auf Empfang" (Rezension)

Ich freue mich, euch ein brandneues Buch über hochsensible Kinder vorzustellen, das gerade im Humboldt Verlag erschienen ist. Es handelt sich um das Buch "Alle Antennen auf Empfang"* von der Bloggerin Mira Mondstein und dem Familien- und Paartherapeuten Deva Wallow. Da ich die meisten Bücher über hochsensible Kinder kenne und auch schon einige rezensiert habe, war ich sehr gespannt, ob das Buch neue Informationen für mich beinhalten würde. Es wird explizit als "der praktische Ratgeber" vorgestellt, und das ist es auch. Es ist also kein wissenschaftliches Grundlagenwerk über Hochsensibilität, sondern tatsächlich ein ausführlicher Ratgeber, mit vielen praktischen Tipps, Anregungen, Hilfestellungen und Strategien für den Alltag.

Nach dem Einführungskapitel über Hochsensibilität im Allgemeinen folgen drei umfangreiche Kapitel, die die Lebensphasen von kleinen Kindern behandeln und auf spezielle Herausforderungen in diesen Phasen eingehen. Es wird das Baby- und Kleinkindalter, das Kindergartenalter und das Grundschulalter beschrieben. Danach folgen "Überlebensstrategien im Alltag" sowie Kopiervorlagen für Pädagogen und Bezugspersonen hochsensibler Kinder und ein Test. Im ganzen Buch finden sich Fallgeschichten und Berichte von Eltern zu bestimmten Situationen, die im Leben mit einem hochsensiblen Kind auftreten und herausfordernd sein können, z.B. Urlaub, Kälte, Hunger etc. Die Autoren haben auch eine spezielle Webseite zum Informieren und Weiterlesen eingerichtet: https://www.hochsensibleskind.org/.

Wer ein Schreibaby hat, bei dem sich keinerlei körperliche Ursachen finden lassen, der findet in diesem Buch einige hilfreiche Anregungen, wie der aufreibende Alltag mit solch einem Kind entstresst und erleichtert wird. Wer ein Kleinkind hat, das sich mit der Kita-Eingewöhnung extrem schwer tut, der erhält Tipps für eine sanfte Eingewöhnung, die sich an den speziellen Bedürfnissen hochsensibler Kinder orientiert. Fast alle Herausforderungen, die mit hochsensiblen Kindern auftreten können, werden angesprochen, z.B. die Themen Schlaf, Essverhalten, Kleidung, Kranksein, Waschen, Medizin, Medienkonsum, Ängste, Sozialverhalten etc. In jedem Bereich liefern die Autoren kurze Erklärungen für bestimmte Schwierigkeiten und gleichzeitig auch Anregungen für einen konstruktiven Umgang der Eltern und Bezugspersonen damit. Besonders originell und hilfreich fand ich die kurzen Sequenzen zu Kindergeburtstagen, zu Gesellschaftsspielen und zum Zahnarztbesuch sowie zum Thema Brillenträger, wozu ich meiner Erinnerung nach noch nie etwas in Hinblick auf hochsensible Kinder gelesen hatte. Wirklich toll!


Danach geht es mit dem Thema Schule weiter, einem für alle, aber besonders für hochsensible Kinder heiklen Übergang, dessen Gelingen an vielen verschiedenen, oft nicht beeinflussbaren Faktoren hängt. Die Autoren plädieren nicht für eine bestimmte Schulform, regen aber an, sich im Vorfeld gründlich mit verschiedenen Schulen zu befassen und genau hinzuschauen, was das Kind speziell braucht und was ihm helfen würde. Möglicherweise ist eine alternative Schule besser geeignet als eine staatliche, aber vielleicht sind auch andere Umstände wichtiger:
"Nicht zuletzt kann es für einen guten Start eures Kindes in seine Schullaufbahn aber auch entscheidender sein, mit befreundeten Kindern aus dem Kindergarten in dieselbe Klasse zu gehen." (S. 111)
Letzteres war beispielsweise bei uns der Fall: für meinen Sohn waren die Kontinuität des äußeren Umfelds, die bekannten sozialen Kontakte und nicht zuletzt die klare Struktur an seiner Regelschule eine große Hilfe bei seinem erfolgreichen Schulstart. Für ein anderes hochsensibles Kind mögen sicherlich andere Kriterien entscheidend sein.

In dem Kapitel Schule wird auf verschiedene Probleme wie Erschöpfung, psychosomatische Beschwerden, Leistungsdruck, Überreizung, Mobbing, Unverständnis, Perfektionismus etc. eingegangen, ebenso auf den Unterschied zwischen Hochsensibilität und ADHS. In sehr plastischen Fallgeschichten erkennt man sich und sein Kind oft wieder und erhält gleichzeitig Tipps für den Umgang mit Schwierigkeiten.

Zum Schluss folgen die "Überlebensstrategien im Alltag". Dort sind zum Beispiel Ratschläge zur geeigneten Kinderzimmereinrichtung für ein hochsensibles Kind, für Umzüge und deren Vorbereitung und Strategien zum Stressabbau zu finden. Viele Anregungen und Tipps sind aber auch schon in den vorhergehenden Kapiteln enthalten. Es gibt am Ende auch eine kurze Passage zum Thema "Was können Eltern für sich tun?", ein Bereich, den man keinesfalls ausklammern sollte, da es im Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern essentiell wichtig ist, auch auf die eigenen Ressourcen zu achten.

Die Kopiervorlagen für Erzieher/ Betreuer/ Lehrer von hochsensiblen Kindern sowie ein Test für die Eltern, um einzuschätzen, ob ihr Kind hochsensibel sein könnte, runden das Buch ab.

Mein Fazit:

Die Autoren von "Alle Antennen auf Empfang"* haben sehr viele praktische Hilfestellungen und Geschichten von Eltern hochsensibler Kinder zusammengetragen und gebündelt. Das Buch ist wunderbar praxisnah, empathisch und mit einem liebevollen Blick geschrieben. Das Layout finde ich persönlich sehr ansprechend, es macht Freude, das Buch zur Hand zu nehmen und darin zu blättern.

Als ausführliche Einführung in das Thema Hochsensibilität ist das Buch nicht gedacht, die Einleitung fällt wirklich sehr knapp aus. Wenn man aber konkrete Hilfestellungen und Strategien für spezielle, immer wiederkehrende Schwierigkeiten im Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern sucht, wird man hier fündig. Man erfährt, dass auch andere Eltern vor bestimmten Problemen stehen, die mit nicht hochsensiblen Kindern nicht existieren, und fühlt sich verstanden.

Ich selbst habe mir im Laufe der Jahre viele nützliche Strategien für den Umgang mit meinem Sohn selbst erarbeitet oder zufällig herausgefunden. Wir sind mittlerweile ein ganz gut aufeinander eingespieltes Team. Einige "Baustellen" gibt es zwar noch, bei denen auch keine der im Buch beschriebenen Strategien hilft, aber insgesamt weiß ich, worauf ich bei ihm achten muss. Das war aber ein jahrelanger Prozess des Suchens und Erkennens, den solch ein Buch hätte erleichtern können. Für Eltern, die sich gerade am Anfang des gemeinsamen Weges mit ihrem hochsensiblen Kind befinden, ist das Buch sehr bereichernd.

Ich empfehle das Buch deshalb sehr gern als - wie es im Untertitel steht - praktischen Ratgeber für Eltern hochsensibler Kinder.

Die Eckdaten:

Mondstein, Mira/ Wallow, Deva: Alle Antennen auf Empfang. Der praktische Ratgeber für Eltern von hochsensiblen Kindern*, Humboldt Verlag, August 2018, 184 Seiten, ISBN 978-3869106410, 19,99 €

Vielen Dank an den Humboldt Verlag für das Rezensionsexemplar.

Alle weiteren Rezensionen von mir findet ihr hier.



* Affiliate Link
Copyright Bilder: Humboldt Verlag, Frühlingskindermama

Samstag, 15. September 2018

Einschlafbegleitung beendet!

Hätte mir vor 8 Jahren jemand gesagt, dass ich mal mehr als 7 Jahre meines Lebens Kinder jeden Abend einschlafbegleiten würde, d.h. an ihrem Bett sitzen oder in ihrem Bett liegen, noch früher einschlafstillen, einschlafschaukeln oder einschlafherumtragen würde, bis sie endlich im Tiefschlaf angekommen sind und ich mich entfernen kann, ich hätte ihn oder sie für verrückt erklärt. Ich weiß nicht mehr genau, was ich früher dachte, wie man Kinder zum Schlafen kriegt. Wahrscheinlich das, was man eben so denkt, bevor man eigene Kinder hat: hinlegen, vorlesen, singen, Gute-Nacht-Küsschen und rausgehen. Und dann schlummern die lieben Kleinen protestlos und hingebungsvoll in ihren Bettchen ein.

Bildquelle: Pixabay

Stattdessen habe ich meine Kinder mehr als 7 Jahre fast durchgehend einschlafbegleitet. Der Große, den bis zu unserer Trennung meist der Papa ins Bett brachte, schaffte es ab ca. 4 Jahren, allein, d.h. ohne dass jemand daneben saß oder lag, einzuschlafen. Die Kleine, die seit ihrer Geburt fast immer nur ich ins Bett brachte, brauchte dafür länger und zeitweise befürchtete ich, sie noch im Teenageralter einschlafbegleiten zu müssen. Aber nun scheint es vorbei zu sein. Seit einigen Wochen, genauer gesagt seit unserem Sommerurlaub, schläft nun auch die Kleine mit ihren 5 1/4 Jahren, neben der ich bis dahin Abend für Abend noch liegen musste, mit einem Hörbuch allein ein. Das ist für mich tatsächlich eine große Entlastung und Erleichterung, obwohl ich die Einschlafbegleitung für sie grundsätzlich und meistens bereitwillig geleistet habe. Entlastend vor allem deshalb, weil ich ja alleinerziehend bin und die Kinder an 6 von 7 Tagen allein ins Bett bringe.

Hätte ich nur EIN Kind, nur meinen Großen, gehabt, dann wäre ich nur etwas über ein Jahr durch's Einschlafstillen gebunden, danach aber abends so gut wie frei gewesen. Der Große wurde nach dem Ende des Einschlafstillens durch den Papa ins Bett gebracht, zuerst noch lange Zeit durch Schaukeln und Herumtragen, später saß der Papa am Bett, bis er eingeschlafen war, dann gewöhnten wir ihn langsam an Hörspiele, bei denen der Papa auch noch dabei blieb, bis er schlief, und irgendwann mit ca. 4 Jahren klappte es dann nach und nach bei ihm, dass man das Zimmer verlassen konnte, nachdem das Hörspiel eingeschaltet war. Wir stellten den Timer auf eine bestimmte Länge ein und der Große schlief selbstständig und allein ein, als das Hörspiel beendet war. Er akzeptierte das gut, es gab ein festes Ritual und es war auch nicht personengebunden (d.h. ich durfte ihn auch ins Bett bringen, wenn der Papa nicht da war).

Schwierig war bei ihm eher der Übergang zum Abendritual, da gab es oft Stress und nie, nicht ein einziges Mal hätte er sich selbstständig in sein Bett gelegt, wenn er müde war. Er brauchte immer eine externe Instanz (also uns), die dafür sorgte, dass er seinem Bedürfnis nach Schlaf ausreichend nachkam. Als er dann aber mit dem Hörbuch-Ritual ruhig und selbstständig einschlief, war dies eine zuverlässige und problemlose Angelegenheit, aber auch absolut unglaublich für uns. Dass man das Zimmer verlassen konnte, dass dieses Kind mit seinem ehemals so schwierigen Schlafverhalten allein und wach im Bett liegen blieb, bis es einschlief und es kein Weinen, kein Rufen, kein Herauskommen etc. gab, konnten wir nicht fassen! Das Kapitel Einschlafbegleitung war bei ihm mit ca. 4 Jahren endgültig und zuverlässig beendet. Er ist jetzt 7 1/2 Jahre alt.


Bei meiner Kleinen, die 2 Jahre nach ihm geboren wurde, war die Entwicklung anders. Sie schlief von Anfang an direkt bei mir und wurde länger als der Große von mir einschlafgestillt. Erst mit ca. 3 1/2 Jahren ließ sie sich überhaupt abends vom Papa ins Bett bringen, und das auch nur widerstrebend und wenn ich nicht da war. Sie brauchte beim (Ein-)Schlafen viel Körperkontakt und suchte immer meine Nähe. Als wir noch die Vorstellung hatten, dass beide Kinder ein gemeinsames Kinderzimmer haben sollten, probierten wir auch, ob die Kleine dort - nahe bei ihrem großen Bruder - schlafen würde. Aber sie wollte nicht, sie wollte immer lieber zu mir. Bis zum Auszug des Papas schliefen die Kleine und ich fast 5 Jahre lang jede Nacht zusammen und ich einschlafbegleitete sie jeden Abend, bis sie tief und fest schlief, was mal kürzer, mal länger dauerte.

Bildquelle: Pixabay

Nach der Trennung zog ich zum Schlafen ins frühere Arbeitszimmer um und bin seitdem unendlich froh, endlich wieder allein schlafen zu können. Ich konnte neben der Kleinen überhaupt nicht mehr gut schlafen und war gespannt, ob sie es akzeptieren würde, fortan allein in ihrem Zimmer zu nächtigen. Zwar sagt sie immer wieder, dass sie nicht allein schlafen will, kommt aber zumindest nicht zu mir rüber. Nun schläft sie also nachts seit Februar allein. Die Einschlafbegleitung war in den ersten Wochen nach dem Auszug des Papas sehr anstrengend, sie hatte große Verlustängste und wollte mich überhaupt nicht weg lassen. Ich rechnete damit, dass es noch lange dauern würde, bis ich mich abends im Wachzustand von ihr verabschieden dürfte.

Dann kam unser Sommerurlaub. In der Ferienwohnung schlief die Kleine mit dem Großen zusammen im "Kinderzimmer". Das war neu, bisher hatte sie im Urlaub mit mir und der Große mit dem Papa bzw. später allein geschlafen. Vom ersten Urlaubstag an machte ich das Abendritual so, wie es beim Großen immer läuft: im Bett gemeinsam vorlesen, noch ein wenig reden und kuscheln, Hörbuch anschalten, verabschieden, rausgehen. Und siehe da, es funktionierte auch mit der Kleinen, da sie nicht allein war, sondern den Großen ja neben sich hatte. Ein großer Fortschritt! Zwar waren beide unruhig, störten sich gegenseitig und ich musste noch mehrfach reingehen, aber zumindest musste ich nicht dabei sein.

Zurück zuhause behielt ich das Prozedere bei, nur dass eben wie vorher zuerst der Große in seinem Zimmer "versorgt" wurde und danach die Kleine in ihrem Zimmer. Natürlich hatte ich vorher mit ihr darüber gesprochen, dass ich ab jetzt probieren möchte, ob sie mit dem Hörbuch allein einschlafen kann. Am Anfang klappte es nur sporadisch, dass sie mich mit den Worten "du kannst jetzt rausgehen" entließ. Meistens musste ich bei ihr bleiben. Manchmal kam sie auch nochmal raus, was der Große nie gemacht hatte. Aber immerhin, mit jedem Abend, an dem es klappte, wuchs meine Zuversicht und sicherlich auch ihr Vertrauen, dass sie das schaffen kann. Und die Abende, an denen sie allein einschlief, wurden immer mehr.

Ich denke, ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die Notwendigkeit der Einschlafbegleitung für meine Kinder nun beendet ist. Selbst wenn sie nochmal an einzelnen Tagen oder in besonderen Situationen nötig sein wird: grundsätzlich können nun beide Kinder allein, ohne direkte Begleitung am oder im Bett, einschlafen. Das fühlt sich nach der langen Zeit, der Gebundenheit und der mal mehr, mal weniger stark empfundenen Unfreiheit wirklich unglaublich an. Ich bin froh darüber, dass das nun klappt, dass ich abends mehr Zeit habe, dass dadurch auch das Vorprogramm entstresst wird, weil ich die Liegezeit nicht mehr hintenran rechnen muss (was mich oft ungeduldig machte).

Es entlastet mich wirklich sehr, zu wissen, dass ich zwar an 6 von 7 Tagen die Kinder allein ins Bett bringen muss, dieses aber nicht mehr eine oder anderthalb Stunden dauert, sondern eben nur noch eine halbe Stunde für beide in ihrem jeweiligen Kinderzimmer, inkl. zwei Mal Vorlesen und Kuscheln. Ich erinnere mich noch an viele Abende, an denen ich 2 Stunden bei der Kleinen lag und fast irre geworden bin. Auch nachts schlafen beide Kinder schnell wieder ein, sollten sie durch irgendetwas wach werden, was mittlerweile nur noch selten vorkommt. Ich muss spätabends oder nachts an keinem Bett mehr sitzen bleiben, bis wieder geschlafen wird, sondern sie schaffen das Einschlafen allein, nach einer kurzen Beruhigung. Das ist unglaublich erleichternd für mich und hat mir sehr viel Lebensqualität zurückgebracht.

Dass Einschlafbegleitung so viele Jahre nötig sein würde, hätte ich ursprünglich nie gedacht. Dass sie nun doch entgegen meiner Befürchtungen, was die Bedürfnisse meiner Kleinen angeht, jetzt "schon" beendet sein würde, hätte ich auch nicht vermutet. Obwohl die Kleine anfangs ein deutlich besserer Schläfer als der Große war, brauchte sie insgesamt länger, um eine Unabhängigkeit beim Schlafen zu entwickeln. Vielleicht benötigte sie auch eine kleine sanfte Nachhilfe, um zu merken, dass sie es schon schafft. Trotzdem ist es gerade in der für sie sehr schwierigen Situation der Trennung der Familie ein enormer Schritt.

Meine Kinder werden immer größer, selbstständiger und unabhängiger. Und da sie insgesamt im Vergleich zu anderen Kindern noch ziemlich viel Begleitung und Unterstützung brauchen, freue ich mich über jeden Fortschritt, jede Verbesserung unserer Alltagssituation, was der Wegfall der Einschlafbegleitung auf jeden Fall ist. Denn Herausforderungen gibt es wahrlich noch genug!

Mittwoch, 5. September 2018

WMDEDGT? am 5. September 2018 - Alltag

Heute ist der 5. des Monats und somit heißt es wieder einmal: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" Es ist Mittwoch, ein normaler Arbeits-, Schul- und Kitatag für alle. Aber normal ist wohl im Familienleben fast nichts, oder?

6:30 Uhr

Der Wecker klingelt und ich stehe auf. Ich mache mich fertig, fülle die Brotdose des Großen und wecke dann die Kinder. Dass ich sie jetzt immer öfter morgens wecken muss, ist immer noch total ungewohnt für mich. Viele Jahre lang war vor allem der Große immer sehr sehr früh und vor uns wach. Wir frühstücken, die Kinder ziehen sich an und machen sich abmarschbereit.

7:30 Uhr

Der Papa kommt wie jeden Morgen zu uns und holt die Kinder ab. Leider hat die Kleine wiedermal einen emotionalen Meltdown beim Abschied und er verlässt mit einem schreienden und um sich schlagenden Kind, das sich keinen Schritt bewegt, und dem Großen, der pünktlich um 7:50 Uhr in der Schule sein muss und dem schon Tränen im Auge stehen, weil seine Schwester so fürchterlich wütet, das Haus. Es ist schrecklich. Als ich sie am Nachmittag frage, warum sie so außer sich war, sagt sie wie immer: "Weil ich wollte bei dir bleiben!" Solche Situationen hat man oft schon hinter sich, bevor man als Eltern überhaupt außer Haus geht.

8:00 Uhr

Ich verlasse ebenfalls die Wohnung und fahre zur Arbeit. An diesem Arbeitstag sitze ich ca. 1,5 h in einer Präsentation, da wir ein neues Programm einführen wollen und uns verschiedenste Programme zeigen lassen.

14:00 Uhr

Ich komme wieder zuhause an und hänge eine Maschine Wäsche auf, die ich programmiert habe und die fertig ist. Danach spüle ich endlich das Geschirr der letzten Tage ab, da unsere neue Geschirrspülmaschine nach einem Sicherungsausfall einen Fehler anzeigt, den ich nicht selbst beheben kann. Auf den Reparaturdienst muss ich nun mehr als eine Woche warten. Ätzend!

14:30 Uhr

Das Handy klingelt, auf dem Display erscheint die Schule des Großen. Ich kriege einen kleinen Herzkasper, weil ich seit seinem Unfall im Hort mit Folge Nasenbeinbruch immer an das Schlimmste denke. Aber seine Erzieherin wollte mir nur mitteilen, dass die Schnupperstunde der Fußball-AG heute ausfällt. Was gut zu wissen war, weil ich ihn eigentlich direkt vom Sportplatz abholen wollte.

15:00 Uhr

Ich habe mir etwas zu essen gemacht und sitze auf dem Sofa. Kurze Pause für's Essen und Social Media.

15:30 Uhr

Ich breche zur Schule auf und hole den Großen ab. Als wir die Schule verlassen, wirkt er schlapp und blass. Ich frage ihn, was er hat und ob ich ihn schnell nach Hause bringen und danach erst die Kleine abholen soll. Nein, er ist nur schlapp und er will mitkommen. Also auf zur Kita. Ich sehe aber, dass es ihm nicht gut geht. Da er selten kränkelt, merkt man sofort, wenn er nicht auf der Höhe ist. Morgens war noch nichts.

16:00 Uhr

Wir sind in der Kita der Kleinen angekommen. Da sie noch seelenruhig zu Ende malt, setze ich mich zu ihr und warte. Sie hat gerade einen unglaublichen Schub beim Malen gemacht und malt jetzt richtig schön und gut.

16:30 Uhr

Wir verlassen die Kita und gehen zum Eis essen in unser Stamm-Cafè. Wegen eines miniklitzekleinen Anlasses bekommt die Kleine auf einmal schlechte Laune und wird total grätig. Sämtliche Angebote, Kompromisse und Beschwichtigungsversuche meinerseits scheitern. Sie weigert sich, vom Cafè loszugehen. Wir warten. Da ich sehe, dass es dem Großen nicht gut geht, möchte ich schnell nach Hause kommen und versuche, sie zum Aufstehen zu bewegen. Der arme Große muss warten und sich angiften lassen. Irgendwann darf ich sie endlich in den Fahrradkindersitz setzen; ihren Roller klappe ich zusammen und packe ihn ins Körbchen. Wir gehen nach Hause, sie motzt immer noch herum.

17:15 Uhr

Wir sind an unserem Wohnhaus angekommen und ich will schnell mit den Kindern nach oben. Wir schließen unsere Räder/ Roller an - und da fällt die Kleine mit ihrem Roller im Hausflur um. Das Geschrei ist groß, der neue Anlass wird genutzt, um wieder herumzuwüten. Zur Erinnerung: sie ist 5 1/4 Jahre alt (und erinnert mich in ihren Ausbrüchen an den Großen im Alter von 1,5 - 3,5 Jahren). Da ich sie absolut nicht zum Aufstehen und Hochkommen bewegen kann, MUSS ich mich jetzt erstmal um den Großen kümmern. Ich bringe ihn hoch in die Wohnung, setze ihn auf's Sofa, stelle ihm Essen und Trinken hin, messe Temperatur (nichts) und spreche kurz mit ihm. Er hat keine Schmerzen oder sonstiges, fühlt sich nur sehr schlapp. Er sieht angeschlagen aus. Im Hintergrund höre ich die Kleine im Hausflur schreien, aber es geht jetzt gerade nicht anders.

Ich weiß, dass die Kleine, wenn ich sie jetzt in die Wohnung bringe, dem Großen keine Ruhe gönnen wird. Deshalb frage ich ihn, ob es okay für ihn ist, wenn ich noch kurz mit der Kleinen etwas einkaufen gehe. Es ist okay und so verlasse ich die Wohnung wieder und gehe wieder runter zur wütenden Kleinen. Ich sage ihr, dass wir zusammen einkaufen gehen und wundersamerweise hört das Geschrei auf.

Wir gehen los und sie hat super gute Laune beim Einkaufen und auf dem Rückweg;-). Während ich selbst total traurig bin, dass ich mich nicht angemessen um mein angeschlagenes Kind kümmern kann, sondern nur um das (nun nicht mehr) wütende, aufmerksamkeitsheischende Kind kreise. Es sogar allein zuhause lasse, um es vor dem Geschwisterkind zu schützen. Keine schöne Situation im Elterndasein! Wir sind vielleicht 20 Minuten weg und mit dem Großen ist alles okay, als wir wiederkommen. Er hat sogar alle Snacks aufgegessen.

18:00 Uhr

Wir sind wieder zuhause, ich packe aus, mache Abendbrot, die Kinder essen, der Papa ruft kurz an, sie haben ihre Medienzeit und dann bringe ich sie ins Bett.

20:00 Uhr

Die Kinder schlafen. Ich muss noch einige Kleinigkeiten machen und einiges per WhatsApp mit dem Papa abstimmen. Zwischendurch meldet sich die Kleine nochmal, was ungewöhnlich für sie ist, weil ihr Bein weh tut. Ich massiere und sie schläft wieder ein. Ich schreibe dieses WMDEDGT und gehe wie meistens zu spät ins Bett.

Mehr #wmdedgt gibt es wie immer bei Frau Brüllen.

Mein letztes WMDEDGT? findet ihr hier.

Montag, 27. August 2018

Anzeige: Spielend Neues Lernen mit Ravensburger (mit Verlosung)

Meine Tochter ist seit kurzem ein Vorschulkind, nächstes Jahr wird sie eingeschult. Sie kann sehr gut kommunizieren, hat einen breiten Wortschatz und eine gute Grammatik. Allerdings macht sie noch einige Fehler in der Artikulation, die im Vorschuljahr nach und nach verschwinden sollten. Bei ihr hängt dabei viel von ihrer Konzentration ab: konzentriert und fokussiert sie sich auf die korrekte Aussprache von Wörtern, kann sie diese wunderbar aussprechen. Spricht sie gedankenlos oder zu schnell, schleichen sich Artikulationsfehler ein. Das ist für dieses Alter (sie ist 5) ziemlich normal. Trotzdem haben wir bei ihr im Laufe ihrer Sprachentwicklung viel öfter als bei meinem Sohn Wörter korrekt wiederholt, die sie falsch ausgesprochen hatte, damit sie die richtige Version verinnerlichen kann. Wir üben also schon länger spielerisch das genaue Sprechen mit ihr, damit auch die letzten kleinen Artikulationsfehler noch verschwinden.

Die freche Sprech-Hexe

Dazu passt perfekt das Spiel "Die freche Sprech-Hexe" von Ravensburger, bei dem es um gutes Zuhören und genaues Sprechen geht. Es eignet sich für Kinder im Alter von 4 - 8 Jahren, da es verschiedene Spielvarianten und damit unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gibt. Aus der Reihe "Spielend Neues Lernen" besitzen wir schon das Spiel "Die Logik-Piraten", was mein Sohn im Vorschulalter sehr gern spielte. "Die freche Sprech-Hexe" habe ich nun mit meiner Tochter getestet und sie ist wahnsinnig begeistert von dem Spiel.



Die Sprech-Hexe will ihren Zaubertrank brauen und benötigt dafür die richtigen Zutaten, denn nur dann wirkt er auch. Die Mitspieler helfen der Sprechhexe, diese Zutaten zu besorgen, indem sie im Laufe des Spiels die passenden Reimwörter, ähnlich klingende Wörter oder auch Wortpaare mit dem gleichen Anlaut finden. Beispiel: Der Spieler, der dran ist, deckt den Spielchip mit dem Motiv Zange auf. Dann sucht er aus den dazugehörigen Spielchips das passende, sich reimende Wort Schlange heraus.



Ob die Kombination richtig ist, überprüft man, indem man die beiden Spielchips in die Vertiefungen im Hexenkessel legt, darüber den roten Topfdeckel, und nachschaut, ob das gleiche Motiv erscheint.



Wenn das der Fall ist, dürfen die Spielchips mit dem Zauberstab und einem Zauberspruch in den Hexenkessel hineingerührt werden, um den Zaubertrank herzustellen. Das Hineinrühren hat meinen Kindern extrem viel Spaß gemacht!



Sind alle Spielchips im Hexenkessel verschwunden, haben alle Mitspieler zusammen gewonnen. Das Spiel ist also in der Grundvariante ein Gemeinschaftsspiel, was im Alter von 4 - 5 Jahren, wenn die Frustrationstoleranz beim Verlieren noch nicht sehr ausgeprägt ist, ein angenehmes Spielklima bedeutet. Man kann es aber auch in zwei Wettbewerbsvarianten spielen.

Im Spiel geht es darum, die abgebildeten Begriffe korrekt auszusprechen und gut zuzuhören, um Reimwörter, ähnlich klingende Wörter oder Anfangslaute zu identifizieren. Es schult spielerisch die Sprachfähigkeiten von Kindern im Vor- und Grundschulalter und unterstützt sie dadurch in ihrer sprachlichen Entwicklung. Es findet ein spielerisches Lernen mit viel Spaß und Fantasie statt; das Brauen des Zaubertranks ist ein toller Anreiz und ein schönes gemeinschaftliches Erlebnis für Kinder. Und Hexen üben ja eine Faszination auf viele Kinder aus, auch mein 7-jähriger Sohn fand die Spielidee toll und hat gern mitgespielt.



Mein Fazit:
Das Spiel "Die freche Sprech-Hexe" von Ravensburger ist ein tolles Spiel für Kinder ab 4 Jahren, das das Sprachgefühl spielerisch fördert, schnell und intuitiv verständlich ist und sehr gut zur Vorbereitung auf die Schule eingesetzt werden kann. Meine Tochter lernt dadurch, sich auf die korrekte Aussprache von Wörtern zu konzentrieren sowie ein Gehör für ähnlich klingende Wörter zu bekommen, und etwas ältere Kinder finden ihre Herausforderung in den beiden Wettbewerbsvarianten. Das Spiel findet man in vielen Kitas und wird auch im logopädischen Zusammenhang eingesetzt.

Ein schönes Spiel aus der tollen Reihe Spielend Neues Lernen von Ravensburger!

Ihr könnt das Spiel "Die freche Sprech-Hexe" sowohl über den lokalen Spielzeughandel als auch bequem über Amazon erwerben.


Verlosung

Ich freue mich, drei Lernspiele aus der Reihe Spielend Neues Lernen von Ravensburger an euch verlosen zu dürfen. Es wird also drei Gewinner geben! Ihr könnt folgende Spiele gewinnen:

- das von mir vorgestellte Spiel "Die freche Sprech-Hexe" ab 4 Jahren (Lernfeld: Sprache)
- das Spiel "Tiere füttern" ab 3 Jahren (Lernfeld: Natur und Technik) und
- das Spiel "Affenstarke Zahlenbande" ab 6 Jahren (Lernfeld: Mathematik)

https://link.blogfoster.com/Byg9l3juNX

Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasst mir bitte hier einen Kommentar darüber, welches Spiel ihr gewinnen wollt und für wen. Ihr dürft auch mehrmals mitmachen, wenn ihr euch für mehrere Spiele interessiert. Falls ihr mobil Probleme beim Kommentieren habt, klickt einfach auf "Web-Version anzeigen". Zusätzlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir auf Facebook folgt und vielleicht sogar die Verlosung teilt. Ist aber keine Bedingung. Bitte gebt einen eindeutigen Namen an, sonst kann ich euch nicht berücksichtigen!

Die Verlosung läuft bis zum 02.09.2018, 23:59 Uhr. Unter allen bis dahin eingehenden Kommentaren wird der Gewinner/die Gewinnerin am 03.09.2018 mit random.org ausgelost und hier sowie auf Facebook bekanntgegeben. Da ich keine Mailadressen angezeigt bekomme, müsst ihr bitte die Folgekommentare abonnieren, um eine Benachrichtigung zu erhalten, oder nach der Auslosung am 03.09.2018 nochmal vorbeischauen. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang zu Facebook, Twitter oder Instagram. Ich versende selbst, d.h. eure Daten werden nicht weitergegeben und nach dem Versand gelöscht. Alle Daten werden ausschließlich für die Durchführung des Gewinnspiels erhoben und verarbeitet, vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.

  • Versand nur innerhalb Deutschlands
  • Keine Haftung für den Versand
  • Mindestalter 18 Jahre
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. 
  • Keine Barauszahlung.
  • Der Erwerb von Produkten und Dienstleistungen beeinträchtigt den Ausgang des Gewinnspiels nicht.
  • Die Preise dürfen nicht getauscht oder übertragen werden.

Viel Glück!

Edit 03.09.18: Ich habe die Gewinner mit random.org ausgelost. Es sind:

- Die freche Sprech-Hexe: MICHA 
- Tiere füttern: JANIN
- Affenstarke Zahlenbande: SOPHIE SCHWALBACH

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! Bitte meldet euch bis spätestens 07.09.18 per Mail an fruehlingskindermama@mail.de bei mir und teilt mir eure Adresse mit.

An alle anderen Teilnehmer ein großes Dankeschön für's Mitmachen!


Sonntag, 26. August 2018

Unser Wochenende in Bildern 25./ 26. August 2018 - Zeit mit dem Großen

Normalerweise sind die Kinder am Wochenende samstags beim Papa und sonntags bei mir. An diesem Wochenende hatte ich den Großen die ganze Zeit hier, weil die Kleine mit dem Papa verreist war. Er hatte noch einen Hotelgutschein an der Ostsee und wollte auch mal eine Kurzreise mit ihr ausprobieren. Also genossen der Große und ich die Exklusivzeit und die Ruhe zuhause, denn ohne die Kleine ist es tatsächlich wesentlich ruhiger und unaufgeregter. Es kommt nur selten vor, dass sie mal weg ist, und deshalb freuen wir uns darauf immer sehr. Ich frage den Großen dann immer, was er gerne mit mir machen möchte (was mit der Kleinen sonst nicht geht). Da er meist keine Wünsche hat, überlege ich mir halt Unternehmungen für uns beide, die für mich allein mit beiden Kindern nicht möglich oder viel zu nervenaufreibend sind. Ohne Auto können wir auch nicht in den Garten fahren.

Samstag

Den Vormittag verbrachten wir ruhig zuhause, beobachteten die Abfahrt des Nachbarsfreundes zu dessen Einschulungsfeier, ich haushaltete ein wenig und der Große langweilte sich. Dann füllten wir eine kleine Zuckertüte für den Freund.


Später bauten wir dann ein tolles Modell der Tower Bridge (Affiliate Link) zusammen, das ich schon länger vorrätig hatte, aber nur mit dem Großen allein bauen konnte. Das Modell besteht aus Karton mit Schaumkern und alle Teile sind passfertig, d.h. man muss weder schneiden noch kleben, sondern steckt die Teile ineinander. Ganz allein hätte der Große das zwar noch nicht geschafft, aber zusammen klappte es gut und auch mir machte das riesig Spaß. Ich bin ja überhaupt keine Bastel-Mama, aber so etwas liegt mir. Und auch der Große fand es so gut, dass wir gleich noch andere Modelle zum Kauf heraussuchten. Bei der Gelegenheit zeigte ich ihm auch Fotos der echten Tower Bridge aus meinem Au Pair-Jahr in London.





Nach dem Mittagessen brachen wir auf, denn ich wollte eine Schifffahrt mit ihm machen. Wir fuhren zum Tegeler See für eine 2-stündige Oberhavelseenrundfahrt. Leider war es recht frisch und später fing es an zu regnen, so dass der Genuss getrübt war. Dafür gönnten wir uns ein paar Leckereien ohne Streit darüber, wer mehr hat;-). Insgesamt gingen diese 2 Stunden ohne viel Unruhe und Aufregung herum, was mit der Kleinen zusammen auch nicht möglich wäre.




Als wir zurück zur S-Bahn liefen, kam die Sonne wieder heraus und wir steuerten deshalb einen schönen Spielplatz in Tegel an, damit sich der Große noch ein wenig bewegen konnte.


Und da das Wetter dann noch richtig schön wurde, verbrachten wir tatsächlich noch mehr als eine Stunde dort. Das ist ungewöhnlich, wenn er allein ist bzw. niemanden kennt. Diese Zeit in der Spätnachmittagssonne war richtig schön und ich twitterte:


Genauso fühlte sich das an. Einfach gut!

Sonntag

Nach dem Frühstück wollte ich eigentlich mit dem Großen zum letzten Tag der Offenen Baustelle des Berliner Schlosses fahren. Leider kamen wir etwas zu spät los und als wir die lange Schlange vor dem Eingang zur Schloss-Baustelle sahen, war mir klar, das können wir nicht machen. Also schauten wir ein wenig am Lustgarten herum und beschlossen dann, den Berliner Dom zu besichtigen. Ich war dort drinnen bestimmt 15 Jahre nicht mehr gewesen und auf der Kuppel noch nie, zumindest erinnerte ich mich nicht. Der Große war auch noch nie dort. Gesagt, getan.


Da noch der Gottesdienst im Gange war, schauten wir uns zuerst die Gruft mit den Hohenzollern-Gräbern an, die zu den "bedeutendsten dynastischen Grablegen Europas" gehört. Es gab viele Kindersärge und wir studierten zusammen die Geburts- und Sterbedaten.


Dann stiegen wir die 270 Stufen zur Kuppel auf. Es gibt keinen Fahrstuhl und mehrere Warnungen, dass es körperlich sehr anstrengend ist;-). Mit der Kleinen wäre das schwierig geworden. Aber wir haben es geschafft und wurden oben mit einem tollen Ausblick auf die Innenstadt, den Fernsehturm, das Rote Rathaus, die Museumsinsel und die Baustelle des Berliner Schlosses belohnt. Es war wirklich herrlich und niemand außer uns war da oben!




Danach besuchten wir noch die Predigtkirche und verließen den Dom nach 2 Stunden wieder. Wir aßen gegenüber des Pergamonmuseums Mittag und ich staunte, wie weit die James-Simon-Galerie schon gebaut ist. Am liebsten wäre ich noch den ganzen Nachmittag durch die Innenstadt und die Museen gezogen, mit dem Großen macht das (bis auf kleinere Nörgeleien) Spaß und ist vor allem möglich. Wir konnten viel erzählen und mussten nicht unter den Allüren der Kleinen leiden. Es war echt herrlich und ich habe das sehr genossen.



Wir fuhren nach Hause, machten eine Mittagspause und dann standen auch schon die Kleine mit dem Papa, der sich nach einem Kaffee wieder verabschiedete, vor der Tür. Die beiden hatten ein schönes Wochenende an der Ostsee verlebt, mit vielen Unternehmungen und einem mega Programm, inkl. einem Besuch im Ruheforst, wo die Großeltern väterlicherseits begraben sind. Die Kleine war begeistert und gut drauf gewesen und endlich auch mal mit dem Papa allein unterwegs.

Leider gab es gleich wieder das übliche Theater, sie heulkreischte mehrfach, attackierte den Bruder und war insgesamt sehr unausgeglichen. Mit viel Geduld, Zuwendung und gemeinsamem Spielen, z.B. dem heiß geliebten Taschengeldspiel (Affiliate Link) versuchte ich sie aufzufangen. Ja, ich weiß, sie hat mich sicherlich vermisst und lässt eben raus, was sie vielleicht unterdrückt hat (wobei sie sich beim Papa normalerweise genauso verhält wie bei mir). Ich verstehe das alles, aber nach vielen Jahren, in denen man das bei zwei Kindern schon unzählige Male erlebt und aufgefangen hat, geht einem selbst irgendwann die Puste auf. Und als sie dann wieder mit ihrem unverschämten Kommandoton anfing, hörte es bei mir echt auf. Ich hatte zwei schöne ruhige Tage mit dem Großen, in respektvollem Ton und mit normalem Umgang, hinter mir, und nun musste ich DAS wieder ertragen. Da wird doch die Freude über die Rückkehr des Kindes gleich wieder arg getrübt. Und dass man nach 3 Stunden mit einem Kind. das 2 Tage weg war, als Mama weint, weil es echt zuviel ist, hätte ich früher nie für möglich gehalten.

Naja, jedenfalls ging es für die Kinder früh ins Bett, denn die zweite Schulwoche begann diesmal sogar noch früher, denn der Große muss mit den anderen Zweitklässlern die neuen Erstklässler empfangen und in den Klassenraum hoch begleiten. Eine schöne Geste, die für alle (inkl. der Geschwisterkinder) an diesen 5 Tagen ein noch früheres Aufstehen als ohnehin schon bedeutet.

Ich wünsche euch eine schöne Woche!

Mehr Wochenenden in Bildern (#wib) findet ihr wie immer bei Geborgen Wachsen.