Mittwoch, 14. November 2018

Vierter Blog-Geburtstag mit Verlosung

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Ihr lieben Leserinnen und Leser, nun gibt es meinen Blog tatsächlich schon 4 Jahre, am 14. November 2014 erschien mein erster Text und es ist Wahnsinn, wie viel sich in dieser Zeit verändert hat. Während ich anfangs oft über das Muttersein an sich oder Schwierigkeiten mit meinen Kindern schrieb, bin ich diesbezüglich im Laufe der Jahre deutlich zurückhaltender geworden und nutze den Blog mittlerweile größtenteils als Tagebuchblog mit Berichten aus unserem Alltag, unserer familiären Situation und ab und zu einer Buchrezension bzw. Kooperation.

Die meisten Blogs, die ich kenne und verfolge, verändern sich im Laufe der Zeit, einige existieren gar nicht mehr oder wurden mit einem neuen Schwerpunkt gestartet. Ich verstehe mich immer noch als Mama-Bloggerin, auch wenn mich nicht mehr dieselben Probleme und Fragen umtreiben wie noch vor 3 oder 4 Jahren. Sehr wiedergefunden habe ich mich in dem Text von Pia Drießen: Die Zeit wird's richten, der vieles beschreibt, was bei uns ähnlich war/ist. Dieser Blog war übrigens damals auch der erste Mamablog, den ich regelmäßig gelesen habe. Vieles hat sich bei uns ähnlich entwickelt wie bei Familie Drießen und einiges sehe ich schon deutlich vor mir, wenn beide Kinder dann in der Schule sind.

Mein Großer ist mittlerweile 7 3/4 Jahre alt und in der 2. Klasse. Die Kleine ist 5 1/2 Jahre alt und wird nächstes Jahr eingeschult. Vieles hat sich verändert in den letzten Jahren, bei den Kindern, bei mir, bei uns. Das einschneidendste Ereignis im Jahr 2018 war definitiv die Trennung unserer Familie, die zwar schon länger im Raum schwebte, letztendlich dann aber doch recht schnell vonstatten ging. Trotzdem haben wir es geschafft, unser Leben, unseren Alltag stabil zu halten und die Kinder trotz dieser großen Umwälzung möglichst wenig zu beeinträchtigen. Es gibt immer wieder neue, unbekannte Situationen und noch einiges zu regeln, aber im Großen und Ganzen sind wir gut durch diese Veränderung hindurchnavigiert.

Im Jahr 2019 wird sicherlich die Einschulung der Kleinen das aufregendste Ereignis sein, ich freue mich darauf, wenn beide Kinder in der Schule sind. Dies wird auch in meinem Alltag zu Entlastung führen und möglicherweise die Alltagsstruktur perspektivisch nochmal verändern. In jedem Fall ist es toll, was mit größeren Kindern alles möglich ist, wie man Stück für Stück wieder zu sich zurückfindet, ohne nur noch Mama zu sein, und wie sich das Leben mit den Kindern verändert. Mein Leben heute ist gänzlich anders als das vor 4 Jahren, als ich den Blog startete und meine Kinder 3 3/4 und 1 1/2 Jahre alt waren. Und das möchte ich all euch Baby- und Kleinkindmamas in schwierigen Stunden zurufen: die Kinder werden größer, es wird besser und ihr werdet irgendwann wieder mehr Unabhängigkeit und weniger Fremdbestimmtheit genießen können! Und krank werden die Kinder auch nicht mehr so oft...

Nun aber möchte ich meinen vierten Blog-Geburtstag mit euch feiern! Ich danke euch von ganzem Herzen für eure Lesertreue, euer Mitfiebern, euer Mitleiden, euer Mitdenken, die Kommentare, Mails, Herzchen und Likes. Laut der blogeigenen Statistik hatte ich seit Blogstart mehr als 690.000 Seitenaufrufe, laut Google Analytics immerhin fast 500.000. Das sind unglaubliche Zahlen! Danke für einen tollen Austausch, der immer noch - neben dem Niederlegen der eigenen Gedanken - einer meiner Hauptbeweggründe für das Bloggen ist. Danke dafür, dass ich durch euch immer wieder merke, wie viele Gleichgesinnte bzw. ähnlich empfindende Mamas es gibt. Ich freue mich auf das nächste Blogjahr und habe nun auch etwas für euch!

Verlosung


Als Dankeschön für eure Treue möchte ich zwei Mal das Spiel "Affenstarke Zahlen-Bande"* aus dem Ravensburger Verlag (Ravensburger Lernspiele) an euch verlosen. Es wird also zwei GewinnerInnen geben! 

Das Spiel eignet sich für Kinder von 6-10 Jahren und greift das Lernfeld Mathematik auf. "Die freche Affenbande hat den Elefanten auf die Palme gebracht! Jetzt müssen alle zusammenhalten, um den Elefanten zu retten. Die Spieler kombinieren ihre Zahlen möglichst clever und halten die Palme in Balance. Schaffen sie es, den Elefanten vom Palmendach herunterzuziehen?" (Quelle: Amazon) Ich habe die Reihe "Spielend Neues Lernen" kürzlich anhand des Spiels "Die freche Sprech-Hexe" auf dem Blog vorgestellt.

Die Gewinne sind natürlich neu und unbenutzt. Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasst mir bitte hier auf dem Blog einen Kommentar, in dem ihr euch kurz vorstellt und erzählt, wie ihr das Leben mit größeren Kindern empfindet. Falls ihr mobil Probleme beim Kommentieren habt, klickt einfach auf "Web-Version anzeigen". Zusätzlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir auf Facebook, Pinterest oder Instagram folgt und die Verlosung teilt. Ist aber keine Bedingung. Bitte gebt euren Namen an!

Die Verlosung läuft bis zum 18. November 2018, 23:59 Uhr. Unter allen bis dahin eingehenden Kommentaren werden die beiden GewinnerInnen am 19. November 2018 per random.org ausgelost und hier per Kommentar sowie auf Facebook bzw. Twitter bekanntgegeben. Ich sehe keine Mailadressen, kann euch also nicht per Mail benachrichtigen. Ihr müsst also ggf. nochmal reinschauen oder die Folgekommentare abonnieren, damit ihr eine Benachrichtigung erhaltet. Beide Gewinne werden direkt von mir versendet, d.h. eure Adresse landet nur bei mir und wird nach dem Versand gelöscht. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang mit Facebook oder Instagram. Versand nur innerhalb Deutschlands. Mindestalter 18 Jahre. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung. Viel Glück!

Nachtrag vom 19.11.18:
Ich habe per random.org zwei GewinnerInnen ausgelost. Gewonnen haben: Zwischen Windeln und Wahnsinn und Kimo82. Herzlichen Glückwunsch! Viel Spaß beim Spielen und vielen lieben Dank an alle für's Mitmachen!

*Affiliate Link

Montag, 12. November 2018

Nicht mehr bei allem dabei

Auch in unserem gut durchorganisierten und -strukturierten Alltag passieren immer mal wieder unvorhergesehene Dinge. Früher haben wir Eltern uns dann besprochen und gemeinsam auf irgendeine Strategie geeinigt, nach einem mehr oder weniger großen Nervenzusammenbruch, den ungeplante Dinge immer bei mir auslösen. Bei spontanen oder akuten Arzt- oder Krankenhausbesuchen hat sich meist jeder von uns um ein Kind gekümmert, wir haben uns aufgeteilt. So konnte sich einer intensiv um das angeschlagene Kind kümmern und der andere den normalen Rhythmus mit dem anderen Kind beibehalten. In akuten Situationen hat das eigentlich immer funktioniert.

Seit unserer Trennung im Februar 2018 ist es logischerweise so, dass die Kinder entweder (meist) bei mir oder beim Papa sind. Tritt eine akute Situation ein, ist also kein zweiter Elternteil, keine Ablösung greifbar, man muss allein eine Entscheidung treffen und handeln. Selbstverständlich würden bei jeglichen Situationen, wo beide Elternteile notwendig werden (Krankenhausaufenthalte, Unfälle etc.), wir beide ohne zu zögern bereit stehen. Das ist gar keine Frage. Aber es gibt auch jede Menge Zwischennuancen, die nicht so leicht zu entscheiden sind. Oder wo man hinterher denkt, man hätte lieber anders gehandelt. Solch ein Fall trat nun erstmals am vergangenen Wochenende ein und ich weiß auch nach intensivem Nachdenken immer noch nicht, ob ein anderes Vorgehen besser gewesen wäre.

Die Kinder waren am Samstag beim Papa, wie immer. Plötzlich muss der Große wohl über starke Schmerzen an seinen schon sehr lange wackelnden Frontzähnen geklagt und sogar geweint haben. Diese waren schon lange sehr fragil, bei einem Frontzahn wuchs der bleibende Zahn daneben raus und der wackelnde Milchzahn schob sich schräg über den Nachbarn. Ich wollte eigentlich warten, bis sich das Problem von selbst erledigt, zumal der Große nicht freiwillig selbst an den Zähnen wackeln und auch nicht zu unserer Zahnärztin gehen wollte, die ihm beim letzten Besuch ungefragt einfach einen Wackelzahn entfernte, der schon am seidenen Faden hing, woraufhin er den ganzen Nachmittag wütend war, was ich verstehen konnte. Ich fand die Aktion auch nicht gut und habe ihm das hinterher auch so gesagt.

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Jedenfalls schienen die wackelnden Frontzähne den Großen nun plötzlich so zu stören, dass der Papa entschied, zum Wochenendzahnarzt bei uns in der Nähe zu gehen, wo der Große auch schon mal war. Von dort riefen sie mich an, dass sie nun etwas warten müssten und sich die Zeit vertreiben würden. Ich schrieb dem Papa noch, dass er den Großen darauf vorbereiten solle, dass evtl. der Zahn gezogen wird. Danach hörte ich nichts mehr und war selbst auch für mehrere Besorgungen unterwegs. Ich schiebe ja fast alle meine Erledigungen in die Samstage, an denen die Kinder nicht bei mir sind. Als ich wieder zuhause war, schrieb ich dem Papa eine Nachricht, was denn nun der Stand der Dinge sei. Irgendwann klingelte dann das Telefon.

Die drei waren wieder zuhause beim Papa und erzählten, dass dem Großen beide Frontzähne unter Betäubung gezogen wurden. Ich musste schlucken. Gleich beide und so spontan und ich war nicht dabei, ja, war nicht einmal an der Entscheidung beteiligt gewesen. Außerdem hatte sich zu allem Überfluss die Kleine hinterher draußen übergeben müssen, nicht verwunderlich bei all der Anspannung und Aufregung, und wenn man weiß, dass sie Zahnarzt-Traumapatientin ist. Der Papa musste sich also um zwei Patienten gleichzeitig kümmern und beide Kinder nach Hause bringen, versorgen und pflegen.

Die Entscheidung zum Ziehen der Zähne hatte natürlich der Zahnarzt mit dem Papa getroffen. Da der Große Vertrauen hatte, keine Angst zeigte und selbst auch dem Problem ein Ende machen wollte, waren sich alle einig, das schnell über die Bühne zu bringen. Ich kann verstehen, dass in so einer Situation keine Zeit da ist, das nicht anwesende Elternteil anzurufen. Komisch fühlt sich das für mich aber trotzdem an, vor allem, da ich mich ja 90% der Zeit um die Kinder kümmere, die meisten Termine absolviere und auch die meisten Entscheidungen treffe. Für mich war es auch schwierig nachzuempfinden, dass die Unannehmlichkeiten durch die Wackelzähne wochenlang erträglich für den Großen waren, so dass für mich kein Anlass für einen Zahnarztbesuch bestand, und nun so plötzlich stärker wurden. Ich war nicht dabei, ich habe ihn nicht gesehen, ich kann es nicht beurteilen. Das ist ein merkwürdiges Gefühl und schwierig zu akzeptieren. Da es ihm aber hinterher besser ging, er alles super weggesteckt und sich schnell wieder erholt hatte, arrangiert man sich im Nachgang mental mit solch einer Situation. Als der Große abends wieder zu mir nach Hause kam, wirkte er völlig normal und gelassen. Für ihn war das sicherlich okay so, auch wenn ich ihn gern vorbereitet und begleitet hätte.

Andere Gedanken habe ich, wenn ich an das Dabeisein der Kleinen denke. Nicht ohne Grund hat sie sich hinterher übergeben, das war mit Sicherheit alles zuviel für sie. Sie reagiert in solchen mentalen Belastungssituationen sehr sensibel und eben auch körperlich, das war schon immer so. Man muss dazu wissen, dass sie Angstpatientin ist, was Zahnarztbesuche angeht, und vor zwei Jahren aus diversen Umständen heraus Erfahrungen machen musste, die zur völligen Verweigerung führten und im Endeffekt leider eine Narkosebehandlung nötig machten. Seitdem wird mit regelmäßigen Routineuntersuchen bei einer Zahnärztin, bei der sie keine Berührungsängste hat, versucht, die Angst abzubauen und Vertrauen zu schaffen. Bisher erfolgreich, soweit man dies beurteilen kann, jedoch war seitdem keine weitere Akut-Behandlung nötig. Sicherlich ist sie zwei Jahre älter als damals, aber das Thema ist heikel bei ihr und ich will auf gar keinen Fall die kleinen Erfolge auf's Spiel setzen.

Nun war sie dabei und musste zuschauen, wie dem Großen Spritzen gesetzt und zwei Zähne gezogen wurden. Da der Papa allein war und beim Großen bleiben musste, konnte oder wollte sie auch nicht hinausgehen, was sicherlich besser gewesen wäre. Andererseits hat sie gesehen, wie tapfer der Bruder war und dass ihm geholfen wurde, denn vorher hat er geweint, nachher nicht mehr. Trotzdem glaube ich, dass sie unter einem enormen inneren Druck stand, der sich eben in dem Erbrechen draußen entlud. Das Bild der 5-jährigen Zahnarzt-Angstpatientin, die bei einer derartigen Behandlung hautnah dabei war und die es sicherlich vor Angst und Mitleiden mit dem Bruder fast zerriss, verfolgt mich seitdem ständig. Denn ich war ja nicht dabei. Weder konnte ich den Großen unterstützen noch die Kleine psychisch begleiten.

Der Papa hat sich natürlich, so gut er konnte, um die beiden gekümmert, keine Frage. Aber ich kenne das ja selbst; wenn ein Kind angeschlagen ist und bei dem anderen Kind dann noch etwas hinzukommt, hat man das Gefühl, man kann keinem der beiden gerecht werden. Die drei haben sich dann noch einen ruhigen Nachmittag gemacht und erholt, und als sie hier eintrafen, wirkten alle recht ausgeglichen. Aber ich frage mich trotzdem: hätte man etwas anders machen können? Hätte ich kommen und die Kleine abholen sollen? Dann wäre der Papatag, auf den sich ja alle Beteiligten freuen, definitiv vorzeitig beendet gewesen. Hätte ich informiert werden sollen? Wann? In der Situation, als der Große auf dem Zahnarztstuhl lag und gerade gehört hat, dass die Wackelzähne raus sollen? Hätte ich eigentlich überhaupt meine Einwilligung geben müssen?

Schwierige Fragen, auf die es keine einfache Antwort gibt. Und weitergedacht: sollte ein Papa, der die Kinder nur an einem von sieben Tagen sieht, Entscheidungen allein fällen, die die Gesundheit betreffen? Dass Verantwortung übernommen wird, finde ich natürlich positiv, allein stellt sich die Frage, ob die nötige Kompetenz, die aus dem engen Zusammenleben erwächst, vorhanden ist. Dies ist überhaupt nicht wertend, sondern rein sachlich gemeint. Umgekehrt würde ich das genauso sehen. Allerdings ist in manchen Situationen eben kein langes Abwägen möglich bzw. würde das Kind eher noch verunsichern. Versteht ihr die Fragen, die mich umtreiben? Ich würde gern nicht nur wissen, ob man die Situation anders hätte lösen sollen, sondern auch, wie man solche Fälle zukünftig und generell handhaben sollte.

Vielleicht schreibt ihr mir mal eure Gedanken dazu, damit ich mir etwas klarer werde. Wie handhabt ihr sowas, gibt es dazu bei euch konkrete Vereinbarungen (besonders bei getrennten Eltern) oder wird spontan entschieden? Dies war ja nun erstmals nach der Trennung der Fall und wir müssen alle erst lernen, auch solche Situationen gemeinsam und zum Wohle der Kinder zu lösen. Schreibt mir mal, wie ihr unter diesen Bedingungen gehandelt hättet.

Montag, 5. November 2018

WMDEDGT? am 5. November 2018 - Erster Schultag nach den Herbstferien

Heute ist der 5. des Monats und somit heißt es wieder einmal: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?". Die Herbstferien sind zuende und ich glaube, der Große hat sich gut erholt, auch wenn sein Wochenende mit 2 Kindergeburtstagen etwas anstrengend war. Heute geht also der normale Schulalltag wieder los.

6:30 Uhr

Ich habe wiedermal schlecht geschlafen, obwohl ich extra früh ins Bett gegangen bin. Ich stehe auf, mache mich fertig, bereite die Brotdose für den Großen und das Frühstück vor und wecke dann die Kinder. Wir frühstücken und ziehen uns an, alles klappt relativ gut, ich bin wie leider sehr oft in den letzten Wochen ziemlich schlapp und angeschlagen. Keine Ahnung, was mit mir los ist.

7:30 Uhr

Der Papa kommt und nimmt die Kinder mit, um sie in die Schule und Kita zu bringen. Sie gehen problemlos mit und ich werde nie verstehen, wieso es an manchen Tagen zu Mega-Eskalationen kommt und an anderen gar nicht. Dann ist Ruhe. Montag ist mein freier Tag und ich fange an herumzuwirbeln. Räume den Geschirrspüler aus, stelle eine Maschine Wäsche an, sortiere im Kinderzimmer ein paar Dinge, räume auf usw. Was man eben alles so zu tun hat.

9 Uhr

Danach putze ich das Bad und hänge die Wäsche auf. Einkaufen gehe ich auch noch. Zuhause esse ich eine Kleinigkeit und fange an, einen Auflauf für mein Mittagessen zu kochen. Dank einiger überreifer Bananen backe ich gleich noch ein Bananenbrot. Es duftet also sehr interessant in der Küche;-).



12:30 Uhr

Wie die Zeit vergeht! Ich genieße mein Mittagessen in Ruhe und lese Twitter. Danach trinke ich einen Kaffee und probiere ein Stück Bananenbrot. Lecker! Ich repariere noch eine Hose des Großen, schnippele ein bisschen Picknickkram für die Kinder und fange dieses WMDEDGT an.

15:15 Uhr

Ich hole heute zuerst die Kleine von der Kita ab und danach den Großen von der Schule (sonst ist es umgekehrt), denn wir wollen noch zum kostenlosen Puppentheater im hiesigen Einkaufszentrum gehen. Keine 5 Minuten nach dem Abholen der Kleinen ist schlechte Laune angesagt. Zum Glück ist auf dem Schulhof Action und damit Ablenkung. Wir holen den Großen ab, dessen erster Schultag nach den Herbstferien gut war, und fahren ins Einkaufszentrum.

16:30 Uhr

Das Puppentheater beginnt, heute kommt das Stück "Der Regenbogenfisch". Es ist voll, wie immer, und sehr unruhig. Eigentlich wollte noch eine befreundete Familie dazustoßen, aber sie sagte leider kurz vorher ab. Ich denke mal, die Puppentheater-Zeit läuft so langsam ab, meine Kinder werden zu alt dafür.



17:15 Uhr

Das Stück ist zuende und wir gehen noch kurz in den Spielzeugladen. Danach fahren wir im Dunkeln mit Roller, Laufrad und Fahrrad nach Hause und stellen fest, dass wir unbedingt Lampen für den Roller und das Laufrad kaufen müssen. Ich mag das Fahren im Dunkeln überhaupt nicht und muss in einer Situation doll schimpfen, woraufhin der Große zuhause weint und wir uns zusammen wieder beruhigen müssen.

18 Uhr

Ich mache Abendbrot, wir essen und die Kinder haben ihre Medienzeit. Eine Ebay-Kleinanzeigen-Käuferin kommt noch etwas abholen. Danach bringe ich die Kinder ins Bett.

19:30 Uhr

Feierabend. Die Kinder sind dabei einzuschlafen, ich tippe diesen Beitrag zuende und werde dann wieder früh ins Bett gehen. Morgen beginnt meine Arbeitswoche. Für den Großen dagegen steht ein Wandertag an.

Mehr #wmdedgt gibt es wie immer bei Frau Brüllen.

Mein letztes WMDEDGT? findet ihr hier

Freitag, 19. Oktober 2018

Die ersten Tage als Alleinerziehende - Ein Rückblick

Vor einiger Zeit hatte ich euch erzählt, dass sich unsere Familie getrennt hat und ich nun alleinerziehend oder, was ich passender finde, getrennt gemeinsam erziehend bin. Ich habe damals nach dem Auszug des Papas der Kinder im Februar dieses Jahres Tagebuch geführt und die ersten Tage und Wochen unseres neuen Lebens aufgeschrieben. Ich bin froh, dies getan zu haben, denn vieles hat sich schnell eingespielt und ist normal geworden, und man vergisst die Anfangszeit. Für mich sind diese Aufzeichnungen eine wertvolle Erinnerungsstütze und für euch vielleicht auch interessant, als Dokument aus einer Zeit, die emotional sehr aufwühlend war und trotzdem "normal" weitergelebt werden musste. Hier lest ihr über meine ersten Tage, meine erste Woche allein mit meinen Kindern im Februar 2018.

Sonntag 11.02.

Wir kommen aus unserem Wochenende an der Mecklenburgischen Seenplatte zurück, das die Winterferien des Großen beendete. Essen gemeinsam Abendbrot und sitzen zu viert auf dem Sofa. Alle wissen, dass der Mann/ Papa ab sofort in seiner neuen Wohnung schläft. Wir haben die Kinder vorbereitet, sie kennen die neue Wohnung des Papas und haben den häppchenweisen Umzug zum Teil miterlebt. Wir Eltern weinen abwechselnd und versuchen unsere Tränen vor den Kindern zu verstecken. Ich sage: "15 Jahre wohnen wir jetzt hier" und der Mann nickt. Und weint. Wir sagen, dass es uns beiden unheimlich leid tut, dass alles so gekommen ist. Der Mann bringt noch Sachen ins Auto. Wir verabschieden uns mit einer ungelenken Umarmung und bringen die Kinder ins Bett: jeder ein Kind, wie immer. Ich liege im Bett mit der Kleinen und höre, wie der Mann die Tür hinter sich zuzieht und geht. Sie schläft ewig nicht ein, hat zu lange im Auto geschlafen. Als ich endlich ins Wohnzimmer gehen kann, schreibe ich ihm noch eine kurze Nachricht. Vermutlich sitzt er wie Falschgeld in seiner neuen Wohnung. Und dann ist sie da: nicht die erste Nacht allein mit den Kindern, aber die erste Nacht als Alleinerziehende.

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Montag 12.02.

Erster Schultag nach den Winterferien und längerer Krankheit des Großen. Am Morgen machen die Kinder gut mit und wir sind pünktlich fertig, als der Papa um 7:25 Uhr klingelt, um die Kinder zur Schule und zur Kita zu bringen. Die beiden sind gut gelaunt und freuen sich, ihren Papa zu sehen. Alles hat super geklappt und ich bin erleichtert. Dann genieße ich meinen ersten freien Tag nach mehr als 2 doofen Krankheitswochen des Großen, des Mannes und nun von mir selber, habe allerdings gleich einen Zahnarzt- und danach einen Hausarzttermin. Ich werde die ganze Woche krankgeschrieben, da ich seit Donnerstag mit starken Hals- und Gliederschmerzen herumlaboriere und total schlapp bin. Ich bin erst mittags wieder zuhause, esse und arbeite dann einiges Liegengebliebenes ab. Die Zeit vergeht zu schnell, aber da ich weiß, dass ich die ganze Woche zuhause sein werde, ist das okay. Ich hole den Großen etwas früher aus der Schule ab und dann die Kleine, wir gehen in unser Stammcafè und kurz auf den Spielplatz. Ich sage ihnen immer wieder, dass sie Papa heute nicht mehr sehen werden, sondern wir unser Abendprogramm allein machen. Zuhause klappt alles gut und wir sind schneller fertig als sonst. Sie fragen auch nicht nach dem Papa. Um 19:45 Uhr schlafen beide Kinder und ich schicke dem Mann erleichterte Nachrichten. Ich fühle mich frei und gleichzeitig bedrückt. Der Mann sitzt allein in seiner Wohnung und schreibt, dass er unheimlich traurig ist. Ich habe seit dem Nachmittag wahnsinnige Kopfschmerzen und gehe früh ins Bett.

Dienstag 13.02.

Fasching. Ich wache um 4:30 Uhr mit grimmiger Migräne auf, quäle mich noch eine Stunde im Bett und stehe dann auf, um eine Tablette zu nehmen. Dabei merke ich, dass mir übel wird, und platziere mich mit einer Schüssel auf dem Sofa. Genau zu unserer normalen Aufstehzeit um 6:30 Uhr fange ich an zu spucken. Die Kinder kommen glücklicherweise von allein aus ihren Zimmern. Ich setze noch schnell eine Notfallnachricht an den Mann ab, damit er früher kommt. Super, am zweiten Tag schon eine Ausnahmesituation. Ich mache gequält Frühstück für die Kinder und sie essen allein. Der Mann kommt und macht sie fertig. Er hat auch kaum geschlafen. Heute ist Fasching in der Schule und in der Kita. Die Kleine freut sich, der Große zickt herum. Dann sind alle außer Haus. Ich liege den ganzen Tag bewegungslos und dösend auf dem Sofa, immer wieder unterbrochen von Brechattacken. Was für ein elender Mist! Kurz nach Mittag muss ich den Mann bitten, die Kinder am Nachmittag abzuholen. Es geht einfach nicht. Eigentlich hatten wir ihn für heute zum gemeinsamen Abendbrot eingeladen. Nun muss er mit den Kindern bei uns zuhause allein essen und sie auch bettfertig machen. Mir geht es mittlerweile etwas besser und ich kann die Kleine ins Bett bringen. Danach fährt er wieder in seine Wohnung und ich dämmere auf dem Sofa vor mich hin. So ein beschissener Tag. Und gleich am zweiten Tag eine solche Ausnahmesituation.

Mittwoch 14.02.

Schon 3 Nächte allein mit den Kindern, so lange wie noch nie zuvor. Mir geht es besser und ich kann die Kinder morgens fertig machen. Der Mann kommt trotzdem sicherheitshalber etwas früher. Der Große zickt wieder herum. Ich hatte eigentlich gehofft, dass die Freude auf den Papa das schwierige morgendliche Loskommen etwas überdeckt. Naja, es muss sich alles erst einspielen. Als alle weg sind, kann ich endlich duschen, Wäsche waschen und aufräumen, Mails lesen, ein Blog-Gewinnspiel auslosen und meinen neuen Fernseher auspacken, der am Montag ankam (den alten nahm der Mann mit). Außerdem installiere ich zwei neugekaufte Schreibtischlampen und sortiere einige Dinge um. Obwohl der Mann nicht viele Gegenstände mitgenommen hat, fühlt sich die Wohnung doch leerer und aufgeräumter an. Es hatte sich so unfassbar viel Krempel angesammelt. Mit dem Aufräumen tauchen viele ambivalente Emotionen auf, Erleichterung, Traurigkeit, Freiheit, Angst, das Gefühl, dass es gut werden wird, das Gefühl, dass es nicht zu schaffen sein wird. Der Große wird von der Mama seines Freundes aus der Schule abgeholt und die Kleine hat wegen ihres Musikkurses in der Kita ihren langen Tag. Erst um 16:15 Uhr muss ich los und hole zuerst den Großen und dann die Kleine ab. Der Heimweg und der Abend verläuft friedlich. Gerade abends bin ich sehr froh, allein zu sein, denn ich kann unser Programm ruhig und früher als sonst ablaufen lassen. Auch die Kinder wirken ausgeglichener ohne den kurz vor'm Abendbrot nach Hause kommenden Papa, auf den sich dann alle stürzen. Beide Kinder müssen auf Läuse abgesucht werden. Puh, nix gefunden! Um 19:30 Uhr schlafen sie, ich kann es kaum glauben. Das ist fast eine Stunde eher als sonst! Ich kann die Tagesschau gucken, das kam seit Ewigkeiten nicht mehr vor. Ich habe einen langen Feierabend und genieße ihn.

Donnerstag 15.02.

Ich habe unheimlich schlecht geschlafen, die Kleine neben mir hat mich ständig gestört und es tauchten wieder Kopfschmerzen auf. Ich freue mich darauf, bald eine eigene Schlafstelle für mich zu haben, sobald der Mann die letzten Sachen abgeholt hat. Es wird sicherlich nicht jede Nacht mit dem Allein-Schlafen klappen, aber wenigstens einen Rückzugsort für mich zu haben, ist so wertvoll (PS. es hat geklappt!). Seit fast 5 Jahren habe ich mit der Kleinen zusammen geschlafen. Der Morgen verläuft gut und die Kinder verlassen fröhlich mit dem Mann das Haus. Ich fange an herumzuräumen. Ich will weiter ausmisten, das tut so gut. Ich suche noch Dinge zusammen, die dem Mann gehören, lege verschenkens- und verkaufenswerte Gegenstände beiseite und sortiere, putze und räume den ganzen Vormittag. Als ich des Mannes Fotoalben durchsehe, kommen Tränen. So viele Jahre, so viele gemeinsame Erinnerungen, so viele Erlebnisse und dennoch hat es nicht gereicht. Ich bin sehr traurig, dass wir es nicht geschafft haben. Da sind kein Hass, kein Frust, keine Wut, keine Aggressionen mehr, sondern nur Traurigkeit und Erleichterung. Beides parallel, das schließt sich nicht aus. Mir geht es besser so. Wie es dem Mann geht, der nun schon den zweiten Nachmittag und Abend in Folge seine Kinder nicht sieht, mag ich mir nicht vorstellen. Das Ausmisten ist sehr reinigend und gleichzeitig aufwühlend. Ich glaube, diese Gefühle werden noch sehr lange anhalten. Es ist eben nicht alles einfach nur schwarz oder weiß. Ich schaue auch im Keller nach dem Rechten und bin halbwegs auf Stand. Um einiges hatte ich mich einfach nicht mehr gekümmert in den letzten Jahren.

Um 15 Uhr hole ich den Großen von der Schule ab und gehe mit ihm zum Kinderarzt. Ohrenkontrolle, er hatte ja in der Woche vorher eine Mittelohrentzündung. Außerdem hat er einen Hautausschlag entwickelt und ich befürchte schon die in der Schule umgehenden Ringelröteln. Entwarnung! Er wirkt auch wieder fitter und wacher als in den letzten Tagen. Danach geht's zur Kita, auch die Kleine ist fröhlich (sie wirkt überhaupt insgesamt sehr fröhlich und leichtfüßig in diesen Tagen) und wir gönnen uns unser Stammcafè. Auf dem Heimweg sehen wir den Mann im Auto auf der Hauptstraße fahren, ich wusste, dass er in unserer Wohnung war, um noch Sachen zu holen. Die Kinder flippen aus, aber er sieht sie nicht. Ich befürchte Tränen und Trübsal auf dem Heimweg, aber zum Glück verkraften sie das gut. Auch diesmal klappt der Abend wieder recht gut und schnell, auch wenn der Große wie erwartet beim Zubettbringen protestiert. Da die Kleine noch nicht ohne mich einschläft (einige Monate später schafft sie das, wie hier beschrieben), muss ich zwangsläufig ihn zuerst ins Bett bringen (er hört dann ein Hörbuch) und danach sie. Das findet er ungerecht. Nun ja. Wird es heute ein wenig abgewandelt und alle finden sich dann doch damit ab. Ich glaube, auch das ist leichter, wenn nur ein Erwachsener da ist, denn die Kinder wissen, es gibt keine Alternative. Auch diesmal ein früher und vor allem ungestörter Feierabend für mich. Die abendliche Nicht-Anspannung tut gut.

Freitag 16.02.

Der Morgen verläuft gut, die Kinder freuen sich wahnsinnig, den Papa zu sehen. Immerhin haben sie ihn nun zwei Nachmittage und Abende nicht gesehen. Sie wissen, dass sie heute Nachmittag von ihm abgeholt werden und mit ihm in die neue Wohnung gehen. Als der Mann sie in die Schule und Kita gebracht hat, kommt er wieder hierher, weil es sein freier Tag ist, wir räumen zusammen noch ein paar Dinge aus und transportieren sie in die neue Wohnung. Ich bin auch neugierig, denn ich habe sie zuletzt kurz nach der Schlüsselübergabe, also im "Rohzustand" gesehen. Es sieht schon ganz gut aus, auch wenn noch einiges zu machen ist. Aber insgesamt wirkt es gemütlich, und der Kiez ist auch angenehm. Wir reden noch kurz, doch der Mann hat noch viel zu tun. Ich spaziere durch den Park nach Hause, genieße die Sonne, bewundere die Schneeglöckchen und gehe noch kurz einkaufen. Zuhause esse ich Mittag, hänge die Wäsche auf, räume den Geschirrspüler aus und die Einkäufe weg. Es ist schön, die Wohnung wieder so vorzufinden, wie ich sie verlassen habe. Ich habe noch einiges zu tun und ruhe mich danach kurz aus, bevor ich mich wieder auf den Weg mache. Ich möchte etwas erledigen, habe aber keinen Erfolg und besorge stattdessen noch ein paar Dinge im Drogeriemarkt. Wenn ich nächste Woche wieder arbeite, habe ich dafür keine Zeit mehr. Ich fühle mich so frei und locker, so ganz ohne Zeitdruck, und beschwingt in dem Wissen, dass ich gerade nicht meine unglaublich rare Zeit allein zuhause opfere, sondern zukünftig viel davon haben werde. Als ich nach Hause komme, ist alles leer und ich kann immer noch "meine" Dinge machen. Es ist herrlich.

Der Mann schreibt, dass sie alle noch in seiner Wohnung Abendbrot essen und die Kleine dann nach Hause bringen. Der Große soll schon die erste Nacht beim Papa schlafen. Ich habe von 7:30 bis 18:30 Uhr kinderfrei, familienfrei, einfach frei gehabt, ohne Arbeit, ohne Verpflichtungen. Und allein, komplett allein! Ich weiß nicht, wann ich das zuletzt an einem Wochentag bzw. überhaupt hatte. Ich bin wirklich total happy. Als der Mann die Kleine bringt, machen wir noch kurz unser Abendprogramm und dann schläft sie. Und die Wohnung gehört wieder mir. Es fühlt sich wie ein Zurückerobern meines Lebensraumes an, und ich freue mich so sehr, dass ich endlich wieder mehr Rückzugsräume und -möglichkeiten haben werde. Ich wusste, wie sehr ich unter deren Mangel gelitten habe, aber ich konnte ja nichts ändern. Ich schreibe noch kurz mit dem Mann, wie es dem Großen geht, der bei ihm übernachtet, und ein ruhiger Abend geht zuende. Ich nutze die Gelegenheit und schlafe im Bett des Großen, denn schon lange hatte ich Sehnsucht danach, endlich wieder allein zu schlafen, aber es gab ja in unserer Wohnung keine Möglichkeit dazu. Und der Große verbringt die erste Nacht in Papas neuer Wohnung.

Samstag 17.02.

Die Kleine schläft ohne mich die komplette Nacht durch und wir stehen gegen 8 Uhr auf. Sie geht allein zum Backshop in unserer Straße und wir frühstücken zu zweit in Ruhe, erzählen viel und genießen. Auch sie sitzt viel länger dabei als sonst bei unseren unruhigen Familienfrühstücken, bei denen immer mindestens ein Kind schmollte oder weinte, keiner zu Wort kam und wir Eltern manchmal heulend die Runde beendeten. Um 9:30 Uhr wird sie vom Papa und vom Großen abgeholt - heute ist Papatag! Sie fahren in einen Indoorspielplatz und erkunden am Nachmittag die Umgebung der neuen Wohnung des Mannes. Ich selbst habe einen ganzen Tag frei - am Wochenende, ohne Verpflichtungen, ohne Termine! Ich bin immer noch nicht ganz fit, aber es ist so herrlich, allein in der Wohnung zu sein. Ich fange an zu putzen und zu räumen, im früheren Arbeitszimmer, wo der Mann zuletzt geschlafen hat, soll einiges anders werden. Ich räume Bücherregale aus, vermesse, verschiebe, sortiere, reinige, räume wieder ein, bringe Dinge in den Keller oder zum Müll. In diesem Zimmer möchte ich zukünftig schlafen. Vorläufig lege ich mir eine Matratze hinein. Nach 4 Stunden bin ich platt, esse Mittag und ruhe mich aus. Ich bin so dankbar, dass nun nicht sogleich die Meute einfällt, sondern ich mich regenerieren kann. Dieses Regenerieren war eines der Dinge, die mir am meisten fehlten im Familienalltag. Vielleicht wird das zukünftig besser klappen.

Am Nachmittag fahre ich noch kurz in einen Möbeldiscounter und kaufe ein neues Bett, das gerade im Sonderangebot ist. Zwar haben wir unser altes Doppelbett noch auseinandergebaut im Keller stehen, allerdings passt es nicht in das kleine Arbeitszimmer (bzw. es passt gerade so, aber dann fehlt der Platz für einige andere Regale). Abholen muss es der Mann, da ich kein Auto habe. Als ich nach Hause komme, treffen alsbald die Kinder mit dem Mann ein, die sich wünschen, dass er noch mit bei uns Abendbrot isst. Wir essen im Wohnzimmer, nicht zuletzt, um die Küchentisch-Situation zu vermeiden. Ich freue mich, die Kinder wiederzuhaben, merke aber, dass es mir schon wieder zu viele Menschen sind. Danach fährt der Mann in seine Wohnung und ich bringe die Kinder ins Bett. Der Große zickt herum und ich bin genervt, obwohl ich den ganzen Tag Ruhe hatte. Dann schlafen sie und ich genieße wie jeden Abend meine Freiheit. Ich schlafe zum ersten Mal auf der Matratze im Arbeitszimmer, meinem neuen Schlafzimmer.

Sonntag 18.02.

Als ich aufwache, höre ich Husten aus dem Zimmer des Großen und denke, die Kleine schläft bestimmt noch, sonst würde sie mich doch suchen. Doch nein, sie sitzt mit bei ihm, ist allerdings laut seiner Aussage noch nicht lange wach. Sie geht wieder allein zum Backshop und wir frühstücken lange und ausgiebig. Es ist unruhiger als gestern mit der Kleinen, aber trotzdem angenehm, da ich mich auf die Kinder konzentrieren kann, anstatt Erwartungen an ein Erwachsenengespräch zu haben. Wir sitzen wieder recht lange, das kenne ich überhaupt nicht von unseren Familienmahlzeiten. Schön! Dann spielen die Kinder ein wenig, während ich aufräume. Die Einladungen für den Kindergeburtstag des Großen werden auch noch fertiggestellt und dann klingelt schon der Mann, da wir gemeinsam in unseren Garten fahren wollen. Heute ist eigentlich Mama-Tag, aber das war ausgemacht und mal wieder nötig. Wir wirbeln anderthalb Stunden im Garten und es sieht gleich wieder viel schöner aus. Der Mann fährt uns wieder nach Hause und weiter zum Möbeldiscounter (es ist verkaufsoffener Sonntag), um mein Bett abzuholen, ich koche schnell Mittag und wir machen Mittagspause. Der Mann fährt dann wieder zu sich, nachdem er die Möbelpakete bei mir abgeliefert hat.

Den Nachmittag verbringe ich mit den Kindern zuhause, wir vespern, puzzeln, lesen, kneten, spielen. Es ist sehr gemütlich und anders als sonst. Man weiß, dass man zuständig, weil allein ist, und erwartet nicht ständig Freizeit und Entlastung. Mir geht es sehr viel besser so und ich bin deutlich weniger unruhig. Auch die Kinder sind verträglich. Beide baden noch (natürlich getrennt, zusammen klappt es nicht in der Badewanne), dann gibt es Abendbrot und ich bringe sie ins Bett. Die erste Woche als "Getrennt Erziehende" wäre damit geschafft! Und es lief besser als gedacht. Natürlich hatte ich viel Ruhezeit am Tag, weil ich krankgeschrieben war. War allerdings auch körperlich nicht fit und am Dienstag völlig ausgeknockt.

Nun werden wir sehen, wie es mit Arbeit und neuem Alltag funktioniert, ob wir unsere vorläufige Aufteilung so lassen oder nochmal ändern und wie sich die Kinder an den neuen Zustand gewöhnen. Bis jetzt haben sie es gut verkraftet. Natürlich sagen sie, dass sie Papa vermissen oder auch mal wütender, dass sie zu Papa ziehen wollen, wenn ihnen etwas nicht passt. Mit solchen Situationen haben wir gerechnet und man muss jedesmal überlegen, wie man reagiert. Im Moment überwiegt bei ihnen, glaube ich, noch das Abenteuer: Papa hat eine neue Wohnung und sie können ihn dort besuchen. Wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass das jetzt so bleibt, kommt möglicherweise noch mehr Traurigkeit. Auch müssen wir überlegen, wie wir den Kindern Exklusivzeiten ermöglichen. Während diese bisher dazu dienten, das konfliktreiche Familienleben zu entzerren, gehen Exklusivzeiten nun direkt von der eigenen Freizeit ab bzw. müssen gerecht verteilt und koordiniert werden. Außerdem ist uns beiden wichtig, dass wir von Zeit zu Zeit auch etwas zu viert unternehmen, denn wir bleiben ja trotzdem eine Familie, auch wenn die Eltern getrennt sind. Nicht einfach. Es gibt noch viele Dinge zu klären, aber einiges wird sich erst aus der Praxis ergeben. Es ist für alle eine neue Situation, mit der wir umgehen lernen müssen. Am wichtigsten ist, dass es den Kindern gut geht. Und wir als Eltern eine normale, sachliche Ebene miteinander finden und bewahren können. Der Grundstein dafür ist gelegt.

Das waren meine Tagebuch-Aufzeichnungen aus den ersten Tagen nach unserer räumlichen Trennung. Ich habe noch weitere Aufzeichnungen, weiß aber noch nicht, ob ich diese auch veröffentlichen werde. Hier könnt ihr meinen Rückblick auf die ersten Monate lesen:

Alleinerziehend mit zwei Kindern. Wie wir die ersten Monate allein geschafft und erlebt haben

Bildquelle: Pixabay

Samstag, 13. Oktober 2018

Die Schulanmeldung einer Zweitgeborenen

Ich kann mich noch genau an die Schulanmeldung des Großen vor 2 Jahren erinnern. Wir haben das damals wie eine feierliche Zeremonie vollzogen. Wir waren sehr aufgeregt und etwas nervös. Zum ersten Mal haben wir an diesem Tag das Schulhaus betreten, das unsere beiden Kinder insgesamt 8 Jahre beherbergen sollte. Ich war sehr skeptisch und noch nicht im Reinen mit unserer Entscheidung, ihn auf der regulären Einzugsgrundschule anzumelden, statt auf einer freien oder privaten Schule. Und überhaupt war ja gar nicht sicher, ob er einen Platz bekommen würde, da die Zahl der Anmeldungen die der Plätze weit überstieg.

Viele gemischte Emotionen charakterisierten also diesen Nachmittag im Oktober vor 2 Jahren. Ich hatte die Kinder von der Kita abgeholt und wir trafen uns mit dem Papa vor der Schule. Natürlich sollte der Papa mit dabei sein! Wir nahmen uns Zeit, schauten uns alles an, füllten andächtig die Formulare aus, ließen das Schulhaus auf uns wirken und die Kinder malten eine Zuckertüte aus. Das Schulhaus war schon total leer. Wir schrieben jede Menge Namen von Wunschkindern auf, die möglichst mit dem Großen in eine Klasse kommen sollten. Wir fragten die Sekretärin nach dem Prozedere aus und waren geschockt, dass wir erst im Mai Bescheid bekommen sollten, ob es klappt mit dem Platz an dieser Grundschule. Ich fotografierte, um Erinnerungen an den Tag zu haben, und wir spielten hinterher noch etwas auf dem Schulhof. Ingesamt war die Schulanmeldung des Großen schon ein einschneidendes und bewegendes Ereignis für uns gewesen.

Nun, 2 Jahre später, sollte auch die Kleine angemeldet werden. Sie kommt nächstes Jahr in die Schule und es war klar, dass sie auf die gleiche Schule gehen soll wie der Große. Erstens sind wir insgesamt zufrieden und zweitens freue ich mich schon auf die logistische Erleichterung, wenn beide Kinder an einem Ort abzuholen sind. Ganz andere Voraussetzungen also im Vergleich zur Situation vor 2 Jahren, keine Skepsis, keine Angst, kein Gefühl, eine falsche Entscheidung zu treffen, einfach nur Normalität, Vertrautheit und Rationalismus. Und so waren nicht nur die Voraussetzungen diesmal andere, sondern auch die Schulanmeldung an sich fühlte sich total anders an.

Von den vier möglichen Nachmittagsterminen kamen schon zwei nicht infrage, wegen anderweitiger Verpflichtungen. Ich dachte nun, es wäre eine gute Idee, einen Termin beim Bürgeramt mit der Schulanmeldung zu verbinden, da ich die Kleine an diesem Tag sowieso zuerst von der Kita abholen musste und danach den Großen von der Schule. Sonst mache ich das ja immer anders herum. So könnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und vor dem Bürgeramt noch "schnell" die Schulanmeldung der Kleinen absolvieren. Ich sollte eigentlich erfahren genug sein, um zu wissen, dass zwei Termine am Nachmittag zuviel sind.

Nun ja, es artete in Stress aus und wurde dem für die Kleine doch wichtigen Tag nicht wirklich gerecht. Und der Papa war auch nicht dabei, anders als beim Großen. Ich hatte extra früh Schluss auf der Arbeit gemacht und die Kleine früher als sonst abgeholt. Wir kamen in der Schule an und fragten den Großen, ob er mitkommen möchte oder noch weiter Fußball spielen wollte. Natürlich wollte er Letzteres. Also meldete ich ihn noch nicht im Hort ab, sondern ging mit der Kleinen zum Sekretariat. 40 Minuten sollten doch eigentlich für die Schulanmeldung ausreichen. Bis 16 Uhr geht der Hortplatz des Großen, dann muss er abgeholt sein.

Zuerst mussten wir 10 Minuten warten, weil noch jemand vor uns war. Dann durften wir reinkommen, mussten aber nochmal warten, weil die Sekretärin mit einem sehr penetranten Elternteil telefonierte. Dann ging sie mit uns lang und breit die Formulare durch, die wir draußen ausfüllen sollten. Also wieder hinaus. Ich füllte total in Eile die Bögen aus, die Kleine malte ihre Zuckertüte ebenso schnell aus. Ich wollte sie eigentlich dabei fotografieren, als Erinnerung, hatte aber keinen Nerv dafür. Der Uhrzeiger tickte, der Große war noch nicht abgeholt und unser Termin beim Bürgeramt saß uns im Nacken. Und wir mussten ja noch einmal hinein zur Sekretärin. Die Familie, die eigentlich vor uns war, sagte, dass sie uns vorlassen würden. Das war total nett. Trotzdem war es schon kurz vor 16 Uhr. 

Ich schickte also die Kleine allein hinunter auf den Schulhof, um der Horterzieherin des Großen Bescheid zu geben, dass wir gleich kommen würden. Sie sollte dann gleich wieder hoch kommen. Ich beobachtete sie durchs Fenster des Schulhauses, wie sie vor ihr stand und mit ihr redete. Dann musste ich hinein zur Sekretärin. Ich bat diese noch zweimal, aus dem Fenster zu schauen, aber die Kleine kam nicht wieder hoch. Zum Glück ging der Rest auch ohne sie und die Sekretärin nahm die Unterlagen entgegen. Ich hatte Angst, dass die Kleine mich suchen würde, wenn sie wieder hochkommt, und verabschiedete mich schnell. Als ich die Treppe hinunterlief, kam sie mir entgegen. Um 15:59 Uhr holten wir den Großen auf dem Schulhof ab. Puh! Dass eine Sache von 10 Minuten nun 40 Minuten in Anspruch nahm, hätte ich doch nicht für möglich gehalten.

Es tat mir total leid, dass die Kleine nicht noch einmal mit hinein zur Sekretärin kommen konnte und somit bei der Abgabe der Unterlagen nicht zugegen war. Es tat mir leid, dass alles so hektisch war und ich sie allein runter auf den Schulhof schicken musste. Es tat mir leid, dass es keine Fotos von ihrer Anmeldung geben würde. Es tat mir leid, dass nur zwei statt vier Familienmitglieder zugegen waren. Es tat mir leid, dass sie wegen ihres Schulkind-Bruders jeden Morgen so früh aufstehen musste, obwohl sie einen längeren Schlaf brauchen würde. Es tat mir leid, dass bei ihr als Zweitgeborener immer alles so nüchtern und unaufregend abläuft. Es tat mir leid, dass wir uns bei ihr nicht monatelang den Kopf über die richtige Schule zerbrochen hatten, sondern sie ganz selbstverständlich in die Schule des Großen steckten. Ach, es tat mir leid, dass ihre Schulanmeldung so "nebenbei" erledigt wurde.

Das war so symbolisch für all das, was bei Zweitgeborenen "nebenbei" abgehandelt wird oder aus logistischen oder sonstigen Notwendigkeiten erwächst. Sie müssen sich quasi dem Rhythmus, den Gegebenheiten, die durch das ältere Geschwisterkind schon da sind, anpassen. Und da man alles schon ein Mal durch hat, ist man einfach abgeklärter; der Zauber des Neuen oder die Angst vor dem Unbekannten fehlt. Das tut mir leid für die Kleine, denn sie soll natürlich auch die Erfahrung machen, dass ihre ersten Male aufregend und toll sind!


Wenigstens schoss ich auf dem Schulhof noch zwei Fotos, als Erinnerung an diesen Tag. Dann gingen wir kurz Eis essen und eilten weiter zum Bürgeramt, wo wir trotz Termins weitere 40 Minuten warten durften. Die Kinder waren unruhig und es war sehr stressig für mich. Als wir endlich zuhause ankamen, fühlte ich mich wie nach einem Marathonlauf. Die Schulanmeldung war schon völlig in den Hintergrund getreten. Die Kleine war natürlich trotzdem stolz. Aber ich hätte mir deutlich mehr Aufmerksamkeit für diesen großen Schritt gewünscht. Zumindest werde ich keine zweier solcher Termine hintereinander mehr anvisieren. Man braucht ja auch eine gewisse Zeit zum Runterkommen und Verarbeiten. Und die Zweitgeborenen haben es genauso verdient, dass man so ein Ereignis würdigt. Die Kleine freut sich jedenfalls schon sehr auf die Schule. Und ich hoffe einfach mal inständig, dass wir aufgrund des Geschwisterbonusses einen Platz bekommen. Trotz 150 Anmeldungen auf ca. 80 Plätze. Wahnsinn! Und krass, dass meine Kleine nächstes Jahr ein Schulkind wird!

Freitag, 5. Oktober 2018

WMDEDGT? am 5. Oktober 2018 - Arbeit und Me-Time

Heute ist der 5. des Monats und somit heißt es wieder einmal: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" Es ist Freitag, ein normaler Arbeits-, Schul- und Kitatag für alle und tatsächlich ein ziemlich unspektakulärer Tag. Die Woche war wegen zweier Kitaschließtage am Montag und Dienstag und des Feiertages am Mittwoch anders als sonst strukturiert und die Kinder sind etwas durcheinander, da sie bzw. der Große allein mehrfach außer der Reihe beim Papa waren. Das fanden sie einerseits schön, andererseits merkte man aber auch, dass ihnen ihr gewohnter Wochenrhythmus fehlte.

6:30 Uhr

Mein Wecker klingelt und ich bin nach einer Nacht, in der ich wegen Übelkeit, Bauchschmerzen und Kreislauf fast nicht geschlafen habe, wie gerädert. Mir geht es nicht gut und ich wäre normalerweise zuhause geblieben, da ich aber wegen der Kitaschließtage einiges nachzuarbeiten habe, raffe ich mich auf. Ich mache Frühstück, fülle die Brotdose des Großen und wecke die Kinder. Wir frühstücken, der Große ist unleidlich, meckert und weint, wie mehrfach diese Woche. Ich bin echt sauer, dass sie nicht mal Rücksicht nehmen, wenn es mir schlecht geht, obwohl ich ihnen das gesagt habe. Wir ziehen uns an und machen uns fertig.

7:30 Uhr

Der Papa kommt und bringt die Kinder in die Schule und Kita. Durchatmen, aufräumen, selbst fertig machen. Zwischendurch schreibe ich noch mit einer Ebay Kleinanzeigen-Käuferin.

8:00 Uhr

Ich fahre zur Arbeit, schlapp und angeschlagen. Was gäbe ich darum, Home Office machen zu können. Das wäre heute ideal gewesen. Auf der Arbeit komme ich gut voran. Körperlich geht es mir langsam besser, dafür ist die Nase komplett zu. Dummerweise habe ich mein Nasenspray zuhause vergessen und kriege kaum Luft. Eigentlich wollte ich am Nachmittag/ frühen Abend ins Kino gehen, das klappt ja nur freitags, wenn die Kinder nicht bei mir sind. Aber es läuft nichts und ich habe auch keine Lust.

Das Wetter draußen ist herrlich und macht Lust auf einen Spaziergang. Ich weiß, dass ich mich nicht mehr aufraffen werde, wenn ich zuhause angekommen bin und überlege, ob ich von der Arbeit nach Hause laufe. Das sind knapp 1,5 Stunden Weg, aber recht lange geht es eine schöne Strecke am Panke-Flüsschen entlang. Ich könnte jederzeit auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen, falls ich es nicht schaffe.

Ausblick vom Büro

14:30 Uhr

Der Arbeitstag bzw. die kurze Arbeitswoche endet, ich habe alles geschafft. Ich entscheide nach den ersten Metern draußen, dass ich tatsächlich nach Hause laufen möchte. Von Freitag Nachmittag bis Samstag Abend habe ich kinderfrei, weil die Kinder dann beim Papa sind. Somit existiert kein Zeitdruck und ich könnte mich danach zuhause ausruhen. Also los!

Ich laufe zuerst durch laute Innenstadtstraßen und staune über unendlich viele Baustellen, neue Gebäude und hippe Läden. Dann biege ich in den Pankeweg ein, der sogar ein offizieller Fernwanderweg und streckenweise sehr idyllisch ist. Im Flüsschen Panke schwimmen Enten und sogar ein Schwan, die Bäume leuchten grün und in Herbstfarben und der Himmel ist blau. Auf dem Weg komme ich an einer Schleuse, einem verfallenen Künstlerareal und einem Überlaufbecken vorbei, überquere mehrere Straßen und tauche immer wieder in den grünen Weg ein. Eine andere Welt mitten in der Großstadt.

Ich laufe nicht besonders schnell, aber gleichmäßig und vor allem in meinem Tempo. Das genieße ich sehr, denn so viele Jahre schon muss ich mich immer an das Tempo der Kinder anpassen, mit denen man manchmal keine 100 Meter ohne Nervenzusammenbruch vorankommt. Ich staune, dass ich immer noch so gern spaziere wie früher und mir die Strecke überhaupt nicht lang vorkommt. Ich nehme die Farben und Gerüche so intensiv wahr, wie es zusammen mit den Kindern nie möglich ist, und sauge die Eindrücke auf. In den kinderfreien Zeiten, die ich ja jetzt regelmäßig habe, hole ich mir Stück für Stück Teile meines früheren Lebens zurück. Das ist unglaublich schön für mich.





16:30 Uhr

Ich bin nach 1,5 Stunden nun zuhause angekommen und setze mich auf den Balkon, um etwas zu essen. Ich bin schlapp, habe aber mental aufgetankt. Bald darauf verschwindet auch schon die Sonne hinter den Bäumen. Ansonsten passiert heute nicht mehr viel. Zwei Maschinen Wäsche werden gewaschen und aufgehangen. Ansonsten schreibe ich diesen Text, lese ein bisschen und ruhe mich aus. Die Kinder sind vom Papa abgeholt worden und schlafen bei ihm. Ich werde früh ins Bett gehen, um den Schlaf der letzten Nacht nachzuholen. Hofentlich bin ich bald wieder richtig fit.

Mehr #wmdedgt gibt es wie immer bei Frau Brüllen.

Mein letztes WMDEDGT? findet ihr hier.

Freitag, 28. September 2018

Ratgeber für Eltern hochsensibler Kinder: "Alle Antennen auf Empfang" (Rezension)

Ich freue mich, euch ein brandneues Buch über hochsensible Kinder vorzustellen, das gerade im Humboldt Verlag erschienen ist. Es handelt sich um das Buch "Alle Antennen auf Empfang"* von der Bloggerin Mira Mondstein und dem Familien- und Paartherapeuten Deva Wallow. Da ich die meisten Bücher über hochsensible Kinder kenne und auch schon einige rezensiert habe, war ich sehr gespannt, ob das Buch neue Informationen für mich beinhalten würde. Es wird explizit als "der praktische Ratgeber" vorgestellt, und das ist es auch. Es ist also kein wissenschaftliches Grundlagenwerk über Hochsensibilität, sondern tatsächlich ein ausführlicher Ratgeber, mit vielen praktischen Tipps, Anregungen, Hilfestellungen und Strategien für den Alltag.

Nach dem Einführungskapitel über Hochsensibilität im Allgemeinen folgen drei umfangreiche Kapitel, die die Lebensphasen von kleinen Kindern behandeln und auf spezielle Herausforderungen in diesen Phasen eingehen. Es wird das Baby- und Kleinkindalter, das Kindergartenalter und das Grundschulalter beschrieben. Danach folgen "Überlebensstrategien im Alltag" sowie Kopiervorlagen für Pädagogen und Bezugspersonen hochsensibler Kinder und ein Test. Im ganzen Buch finden sich Fallgeschichten und Berichte von Eltern zu bestimmten Situationen, die im Leben mit einem hochsensiblen Kind auftreten und herausfordernd sein können, z.B. Urlaub, Kälte, Hunger etc. Die Autoren haben auch eine spezielle Webseite zum Informieren und Weiterlesen eingerichtet: https://www.hochsensibleskind.org/.

Wer ein Schreibaby hat, bei dem sich keinerlei körperliche Ursachen finden lassen, der findet in diesem Buch einige hilfreiche Anregungen, wie der aufreibende Alltag mit solch einem Kind entstresst und erleichtert wird. Wer ein Kleinkind hat, das sich mit der Kita-Eingewöhnung extrem schwer tut, der erhält Tipps für eine sanfte Eingewöhnung, die sich an den speziellen Bedürfnissen hochsensibler Kinder orientiert. Fast alle Herausforderungen, die mit hochsensiblen Kindern auftreten können, werden angesprochen, z.B. die Themen Schlaf, Essverhalten, Kleidung, Kranksein, Waschen, Medizin, Medienkonsum, Ängste, Sozialverhalten etc. In jedem Bereich liefern die Autoren kurze Erklärungen für bestimmte Schwierigkeiten und gleichzeitig auch Anregungen für einen konstruktiven Umgang der Eltern und Bezugspersonen damit. Besonders originell und hilfreich fand ich die kurzen Sequenzen zu Kindergeburtstagen, zu Gesellschaftsspielen und zum Zahnarztbesuch sowie zum Thema Brillenträger, wozu ich meiner Erinnerung nach noch nie etwas in Hinblick auf hochsensible Kinder gelesen hatte. Wirklich toll!


Danach geht es mit dem Thema Schule weiter, einem für alle, aber besonders für hochsensible Kinder heiklen Übergang, dessen Gelingen an vielen verschiedenen, oft nicht beeinflussbaren Faktoren hängt. Die Autoren plädieren nicht für eine bestimmte Schulform, regen aber an, sich im Vorfeld gründlich mit verschiedenen Schulen zu befassen und genau hinzuschauen, was das Kind speziell braucht und was ihm helfen würde. Möglicherweise ist eine alternative Schule besser geeignet als eine staatliche, aber vielleicht sind auch andere Umstände wichtiger:
"Nicht zuletzt kann es für einen guten Start eures Kindes in seine Schullaufbahn aber auch entscheidender sein, mit befreundeten Kindern aus dem Kindergarten in dieselbe Klasse zu gehen." (S. 111)
Letzteres war beispielsweise bei uns der Fall: für meinen Sohn waren die Kontinuität des äußeren Umfelds, die bekannten sozialen Kontakte und nicht zuletzt die klare Struktur an seiner Regelschule eine große Hilfe bei seinem erfolgreichen Schulstart. Für ein anderes hochsensibles Kind mögen sicherlich andere Kriterien entscheidend sein.

In dem Kapitel Schule wird auf verschiedene Probleme wie Erschöpfung, psychosomatische Beschwerden, Leistungsdruck, Überreizung, Mobbing, Unverständnis, Perfektionismus etc. eingegangen, ebenso auf den Unterschied zwischen Hochsensibilität und ADHS. In sehr plastischen Fallgeschichten erkennt man sich und sein Kind oft wieder und erhält gleichzeitig Tipps für den Umgang mit Schwierigkeiten.

Zum Schluss folgen die "Überlebensstrategien im Alltag". Dort sind zum Beispiel Ratschläge zur geeigneten Kinderzimmereinrichtung für ein hochsensibles Kind, für Umzüge und deren Vorbereitung und Strategien zum Stressabbau zu finden. Viele Anregungen und Tipps sind aber auch schon in den vorhergehenden Kapiteln enthalten. Es gibt am Ende auch eine kurze Passage zum Thema "Was können Eltern für sich tun?", ein Bereich, den man keinesfalls ausklammern sollte, da es im Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern essentiell wichtig ist, auch auf die eigenen Ressourcen zu achten.

Die Kopiervorlagen für Erzieher/ Betreuer/ Lehrer von hochsensiblen Kindern sowie ein Test für die Eltern, um einzuschätzen, ob ihr Kind hochsensibel sein könnte, runden das Buch ab.

Mein Fazit:

Die Autoren von "Alle Antennen auf Empfang"* haben sehr viele praktische Hilfestellungen und Geschichten von Eltern hochsensibler Kinder zusammengetragen und gebündelt. Das Buch ist wunderbar praxisnah, empathisch und mit einem liebevollen Blick geschrieben. Das Layout finde ich persönlich sehr ansprechend, es macht Freude, das Buch zur Hand zu nehmen und darin zu blättern.

Als ausführliche Einführung in das Thema Hochsensibilität ist das Buch nicht gedacht, die Einleitung fällt wirklich sehr knapp aus. Wenn man aber konkrete Hilfestellungen und Strategien für spezielle, immer wiederkehrende Schwierigkeiten im Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern sucht, wird man hier fündig. Man erfährt, dass auch andere Eltern vor bestimmten Problemen stehen, die mit nicht hochsensiblen Kindern nicht existieren, und fühlt sich verstanden.

Ich selbst habe mir im Laufe der Jahre viele nützliche Strategien für den Umgang mit meinem Sohn selbst erarbeitet oder zufällig herausgefunden. Wir sind mittlerweile ein ganz gut aufeinander eingespieltes Team. Einige "Baustellen" gibt es zwar noch, bei denen auch keine der im Buch beschriebenen Strategien hilft, aber insgesamt weiß ich, worauf ich bei ihm achten muss. Das war aber ein jahrelanger Prozess des Suchens und Erkennens, den solch ein Buch hätte erleichtern können. Für Eltern, die sich gerade am Anfang des gemeinsamen Weges mit ihrem hochsensiblen Kind befinden, ist das Buch sehr bereichernd.

Ich empfehle das Buch deshalb sehr gern als - wie es im Untertitel steht - praktischen Ratgeber für Eltern hochsensibler Kinder.

Die Eckdaten:

Mondstein, Mira/ Wallow, Deva: Alle Antennen auf Empfang. Der praktische Ratgeber für Eltern von hochsensiblen Kindern*, Humboldt Verlag, August 2018, 184 Seiten, ISBN 978-3869106410, 19,99 €

Vielen Dank an den Humboldt Verlag für das Rezensionsexemplar.

Alle weiteren Rezensionen von mir findet ihr hier.



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