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Freitag, 25. Januar 2019

Mein Freitagabend früher und heute

Freitags abends sitze ich manchmal auf meiner Couch und erschrecke plötzlich, weil der Fernseher oder die Musik sehr laut läuft. Mensch, die Kinder schlafen doch! Oder ich horche, wenn es im Flur knackt, weil ich denke, ein Kind kommt aus seinem Zimmer. Dann fällt es mir wieder ein: die Kinder sind ja gar nicht da! Freitag/ Samstag ist im regulären Alltag die einzige Nacht, in der sie nicht bei mir, sondern beim Papa schlafen und ich allein bin. Das ist für mich auch nach fast einem Jahr noch ungewohnt. Herrlich, aber ungewohnt. Immerhin sind sie die restlichen Tage (bis auf Ausnahmen) immer bei mir und ich mache das komplette Abendprogramm allein, bin also jeden Abend "im Dienst". Freitag ist mein (einziger) freier Abend. Freitag ist aber auch das Ende einer anstrengenden Arbeits- und Alleinerziehend-Woche. Und früher war Freitagabend in unserer Familie oft ein Abend der Eskalationen, an dem alle erschöpft und unzufrieden waren und die Anstrengungen der Woche herausließen.

Bildquelle: Pixabay

Meine Freitage früher verliefen immer ähnlich: ich habe bis ca. 14:30 Uhr gearbeitet, manchmal länger und bin dann direkt von der S-Bahn in den Supermarkt gegangen, um noch einige frische Dinge für's Wochenende einzukaufen. Den Großeinkauf ließen wir oft liefern. Oder ich habe noch kurz etwas anderes wie z.B. Drogeriemarkt erledigt. Dabei schaute ich immer ganz genau auf die Uhr, denn ich wusste, dass der Mann gegen 15:30 Uhr die Wohnung verlässt, um die Kinder abzuholen. Um die kurze freie Zeit auszunutzen, bis sie nach Hause kommen würden, versuchte ich immer, genau dann oder kurz nachdem einzutreffen, wenn der Mann ging. Früher nach Hause kommen wollte ich nicht, um ihm nicht die letzte halbe Stunde seines einzigen freien Tages zu zerstören. Das habe ich selbst nämlich gehasst, wenn dies umgekehrt der Fall war.

Zuhause habe ich schnell alles verräumt und einsortiert, kurz Dinge erledigt, die noch zu tun waren und mir dann aufgrund massiven Hungers entweder etwas zu essen gemacht bzw. oft auch etwas bestellt oder mitgebracht. Dann bin ich mit meinem Essen auf der Couch versackt und habe im Handy gelesen. Ich war total kaputt und wusste nie, wann die Familie kommen würde. Ich habe dann noch das Abendbrot für die anderen vorbereitet und war nicht ansatzweise ausreichend erholt, als die Kinder kamen. Ich brauche sehr lange zum Regenerieren und möglichst feste vorhersagbare Zeiten. So war ich eigentlich meistens ziemlich unglücklich, wenn der Rest der Familie nach Hause kam, denn die Me-Time hatte mir nicht annähernd gereicht.

Der Mann dagegen holte freitags die Kinder ab und versuchte, sie möglichst lange draußen noch zu ziehen, damit ich zuhause meine Ruhe habe. Im Sommer ist das kein Problem, da kann man auf Spielplätze gehen, Eis essen oder sich im Park austoben. Im langen Winterhalbjahr jedoch wird es schwierig, jede Woche einen Programmpunkt zu finden. Man hält sich dann besonders lange im Cafè auf, geht ins örtliche Einkaufszentrum oder besucht mal Freunde. Manchmal ist er auch mit den Kindern ins nahegelegene Möbelhaus gefahren, einfach, um die 2 Stunden rumzukriegen und mir meine so dringend benötigte Zeit allein zu ermöglichen. Für die Kinder war das sehr anstrengend, denn sie waren erschöpft von der Kita-/ Schulwoche und wollten sicherlich gern nach Hause. Auch der Mann hätte manchmal lieber mit ihnen zuhause gespielt, obwohl das lange Zeit sehr anstrengend war. Es war aber leider absolut nicht möglich, dass er mit den Kindern in einem Zimmer gespielt und sie mich in Ruhe gelassen hätten. Das funktionierte nie. Irgendein Kind kam immer heulend zu mir, oder ich hörte das Geschrei und die Streitereien, und das Abschalten funktionierte überhaupt nicht. Deshalb so lange wie möglich draußen.

Als sie dann so zwischen 17 und 18:30 Uhr nach Hause kamen, was ich selten vorher wusste, überrollte mich meist ein Sturm von Emotionen. Die Kinder waren kaputt, früher hatte der Große immer beim Nachhausekommen geheult, später dann die Kleine. Ihre Erschöpfung, ihre Anspannung, ihr Vermissen brach sich Bahn und entlud sich sehr oft an mir. Oft gab es Wutstürme, intensive, lang anhaltende. Ich habe einen freitäglichen Wutsturm der Kleinen und seine Gründe mal in diesem Text beschrieben. Neben dem Auffangen der Emotionen der Kinder war ich auch mit meiner eigenen Erschöpfung und meinem Unglücklichsein wegen der für mich nicht ausreichenden Me-Time beschäftigt. Das fand nun der Mann wiederum undankbar (was ich verstehen, aber nicht ändern konnte), immerhin hatte er sich ja bemüht, sie so lange wie möglich von mir fernzuhalten. Eine explosive Mischung also. Auch das Abendbrot und das Abendprogramm war meist super anstrengend. Als die Kinder im Bett waren, machten wir 3 Kreuze und atmeten auf. Der Freitagabend war früher meist ein Horrorabend bei uns!

Meine Freitage heute sehen ganz anders aus, und der Kontrast zu früher ist auch fast ein Jahr nach unserer Trennung noch extrem krass. Der Papa der Kinder holt weiterhin die Kinder freitags von Schule und Kita ab und nimmt sie dann mit zu sich. Dort übernachten sie und bleiben den ganzen Samstag noch bei ihm. Für den Papa ist das sehr viel einfacher als früher, weil er mit ihnen direkt nach Hause gehen kann und keine Rücksicht auf jemanden anderen nehmen muss. Auch fällt die ganze emotionale Schiene weg, da die Kinder erstens älter geworden sind und besser kompensieren können, und zweitens eben keine Mama da ist, an der man sich entladen kann. Das ist ein großer Unterschied! Laut Papa klappt das alles ganz gut und die Kinder können sich so schon am Nachmittag erholen. Außerdem freuen sie sich natürlich auf ihren Papa und verhalten sich vielleicht kooperativer als im früheren Familienkontext. In jedem Fall gibt es dort freitagabends nicht diese anstrengenden Eskalationen wie früher bei uns.

Mein Freitag Nachmittag ist tatsächlich komplett frei. Ich kann machen, was ich möchte, ich kann kommen, wann ich möchte, und ich habe auch nach meinem Heimkommen Ruhe zuhause. Das ist wirklich unglaublich für mich. Meist arbeite ich noch etwas länger als früher. Manchmal gehe ich danach einkaufen und mache Besorgungen, wie früher, nur ohne Zeitlimit. Manchmal streife ich bis abends durch's Einkaufszentrum. Manchmal gehe ich direkt nach der Arbeit oder am späten Nachmittag ins Kino. Das liebe ich besonders, denn so kann ich die Woche hinter mir lassen. Oft gehe ich noch eine Runde im Park spazieren oder bin im Sommer viel Fahrrad gefahren. Ein Mal habe ich mit einer Freundin eine Schifffahrt auf der Spree gemacht oder bin noch durch die Innenstadt gebummelt. Ein anderes Mal bin ich bei schönstem Wetter von der Arbeit aus der Innenstadt bis nach Hause gelaufen, knapp anderthalb Stunden (siehe hier). Ich weiß, dass freitags zuhause niemand ist und auch niemand kommen wird, und das fühlt sich für mich unheimlich befreiend an. Zuhause esse ich in Ruhe und hänge die fertige, da vorprogrammierte Wäsche auf. Manchmal fange ich auch schon mit dem Haushalt an, je nach Kraft und Lust. Ich kann auf dem Sofa abhängen, solange ich will, ich kann auch später nochmal rausgehen und jeglicher zeitlicher Ablauf, dem ich die ganze Woche über unterworfen bin, ist ausgehebelt. Und vor allem muss ich nicht auffangen, trösten, vermitteln, antreiben, beseitigen, helfen. Ich muss keine schlechte Laune aushalten und trotzdem weitermachen. Ich muss nicht die Emotionen der Kinder zusätzlich zu meiner eigenen Erschöpfung und Unzufriedenheit kompensieren. Ich kann ins Bett gehen, wann ich will, denn am nächsten Morgen werde ich auch noch allein sein. Ich muss mich um niemanden außer um mich selbst kümmern. Ich bin einfach frei, von Freitag Nachmittag bis Samstag Abend. Es ist und bleibt ein riesiger Kontrast zu früher.

Bildquelle: Pixabay

Dass ich diesen Unterschied immer wieder so stark empfinde, liegt sicherlich nicht nur daran, dass das nur ein Mal in der Woche vorkommt (was ja total viel ist, verglichen mit der vorherigen Situation). Sondern auch und vor allem daran, dass ich seit der Geburt des Großen (2011) niemals, nicht ein einziges Mal eine leere Wohnung ganz für mich hatte. Nie waren alle Familienmitglieder mal gleichzeitig weg, nie konnte ich wirklich mal länger zuhause abschalten und mich fallen lassen. Der Große war ab und zu weg, die Kleine ganz selten und der Mann ebenfalls. Erst vor einem Jahr, nach Weihnachten, waren beide Kinder zum ersten und bis zur Trennung einzigen Mal gleichzeitig über Nacht weg. Allein war ich aber nicht. Ich bin, als es endlich möglich war, 2017 allein nach Prag und Usedom gefahren. Ich musste immer fliehen, um mal ausreichend lange allein zu sein. Aber eine fremde Umgebung ist eben fremd und damit in gewisser Weise auch anstrengend. Zuhause ist das etwas ganz Anderes. Ich genieße das sehr.

Wenn ich an früher denke, kommt mir das so unwirklich vor, wie es immer war, und ich überlege, ob man etwas hätte anders machen können. Die Umstände waren nicht änderbar, aber bestimmt hätte ich deutlicher sagen müssen, was ich mir wünsche. Ich hätte egoistischer sein müssen und viel früher und konsequenter das Thema Selbstfürsorge in den Mittelpunkt stellen müssen. Aber jeder, der kleine Kinder hat, weiß, wie nahezu unmöglich das ist, erst recht, wenn sie so fordernd sind wie meine Kinder waren und die allgemeine Situation eher schwierig ist. Leider liegt eben nicht alles in den eigenen Händen, wie uns manche Menschen suggerieren wollen, sondern es ist immer ein Zusammenspiel aus vielen verschiedenen Faktoren. Schade, dass solche Freitagabende früher nicht möglich waren, nie. Ich hätte sie dringend gebraucht.

Freitag, 19. Oktober 2018

Die ersten Tage als Alleinerziehende - Ein Rückblick

Vor einiger Zeit hatte ich euch erzählt, dass sich unsere Familie getrennt hat und ich nun alleinerziehend oder, was ich passender finde, getrennt gemeinsam erziehend bin. Ich habe damals nach dem Auszug des Papas der Kinder im Februar dieses Jahres Tagebuch geführt und die ersten Tage und Wochen unseres neuen Lebens aufgeschrieben. Ich bin froh, dies getan zu haben, denn vieles hat sich schnell eingespielt und ist normal geworden, und man vergisst die Anfangszeit. Für mich sind diese Aufzeichnungen eine wertvolle Erinnerungsstütze und für euch vielleicht auch interessant, als Dokument aus einer Zeit, die emotional sehr aufwühlend war und trotzdem "normal" weitergelebt werden musste. Hier lest ihr über meine ersten Tage, meine erste Woche allein mit meinen Kindern im Februar 2018.

Sonntag 11.02.

Wir kommen aus unserem Wochenende an der Mecklenburgischen Seenplatte zurück, das die Winterferien des Großen beendete. Essen gemeinsam Abendbrot und sitzen zu viert auf dem Sofa. Alle wissen, dass der Mann/ Papa ab sofort in seiner neuen Wohnung schläft. Wir haben die Kinder vorbereitet, sie kennen die neue Wohnung des Papas und haben den häppchenweisen Umzug zum Teil miterlebt. Wir Eltern weinen abwechselnd und versuchen unsere Tränen vor den Kindern zu verstecken. Ich sage: "15 Jahre wohnen wir jetzt hier" und der Mann nickt. Und weint. Wir sagen, dass es uns beiden unheimlich leid tut, dass alles so gekommen ist. Der Mann bringt noch Sachen ins Auto. Wir verabschieden uns mit einer ungelenken Umarmung und bringen die Kinder ins Bett: jeder ein Kind, wie immer. Ich liege im Bett mit der Kleinen und höre, wie der Mann die Tür hinter sich zuzieht und geht. Sie schläft ewig nicht ein, hat zu lange im Auto geschlafen. Als ich endlich ins Wohnzimmer gehen kann, schreibe ich ihm noch eine kurze Nachricht. Vermutlich sitzt er wie Falschgeld in seiner neuen Wohnung. Und dann ist sie da: nicht die erste Nacht allein mit den Kindern, aber die erste Nacht als Alleinerziehende.

Bildquelle: Pixabay

Montag 12.02.

Erster Schultag nach den Winterferien und längerer Krankheit des Großen. Am Morgen machen die Kinder gut mit und wir sind pünktlich fertig, als der Papa um 7:25 Uhr klingelt, um die Kinder zur Schule und zur Kita zu bringen. Die beiden sind gut gelaunt und freuen sich, ihren Papa zu sehen. Alles hat super geklappt und ich bin erleichtert. Dann genieße ich meinen ersten freien Tag nach mehr als 2 doofen Krankheitswochen des Großen, des Mannes und nun von mir selber, habe allerdings gleich einen Zahnarzt- und danach einen Hausarzttermin. Ich werde die ganze Woche krankgeschrieben, da ich seit Donnerstag mit starken Hals- und Gliederschmerzen herumlaboriere und total schlapp bin. Ich bin erst mittags wieder zuhause, esse und arbeite dann einiges Liegengebliebenes ab. Die Zeit vergeht zu schnell, aber da ich weiß, dass ich die ganze Woche zuhause sein werde, ist das okay. Ich hole den Großen etwas früher aus der Schule ab und dann die Kleine, wir gehen in unser Stammcafè und kurz auf den Spielplatz. Ich sage ihnen immer wieder, dass sie Papa heute nicht mehr sehen werden, sondern wir unser Abendprogramm allein machen. Zuhause klappt alles gut und wir sind schneller fertig als sonst. Sie fragen auch nicht nach dem Papa. Um 19:45 Uhr schlafen beide Kinder und ich schicke dem Mann erleichterte Nachrichten. Ich fühle mich frei und gleichzeitig bedrückt. Der Mann sitzt allein in seiner Wohnung und schreibt, dass er unheimlich traurig ist. Ich habe seit dem Nachmittag wahnsinnige Kopfschmerzen und gehe früh ins Bett.

Dienstag 13.02.

Fasching. Ich wache um 4:30 Uhr mit grimmiger Migräne auf, quäle mich noch eine Stunde im Bett und stehe dann auf, um eine Tablette zu nehmen. Dabei merke ich, dass mir übel wird, und platziere mich mit einer Schüssel auf dem Sofa. Genau zu unserer normalen Aufstehzeit um 6:30 Uhr fange ich an zu spucken. Die Kinder kommen glücklicherweise von allein aus ihren Zimmern. Ich setze noch schnell eine Notfallnachricht an den Mann ab, damit er früher kommt. Super, am zweiten Tag schon eine Ausnahmesituation. Ich mache gequält Frühstück für die Kinder und sie essen allein. Der Mann kommt und macht sie fertig. Er hat auch kaum geschlafen. Heute ist Fasching in der Schule und in der Kita. Die Kleine freut sich, der Große zickt herum. Dann sind alle außer Haus. Ich liege den ganzen Tag bewegungslos und dösend auf dem Sofa, immer wieder unterbrochen von Brechattacken. Was für ein elender Mist! Kurz nach Mittag muss ich den Mann bitten, die Kinder am Nachmittag abzuholen. Es geht einfach nicht. Eigentlich hatten wir ihn für heute zum gemeinsamen Abendbrot eingeladen. Nun muss er mit den Kindern bei uns zuhause allein essen und sie auch bettfertig machen. Mir geht es mittlerweile etwas besser und ich kann die Kleine ins Bett bringen. Danach fährt er wieder in seine Wohnung und ich dämmere auf dem Sofa vor mich hin. So ein beschissener Tag. Und gleich am zweiten Tag eine solche Ausnahmesituation.

Mittwoch 14.02.

Schon 3 Nächte allein mit den Kindern, so lange wie noch nie zuvor. Mir geht es besser und ich kann die Kinder morgens fertig machen. Der Mann kommt trotzdem sicherheitshalber etwas früher. Der Große zickt wieder herum. Ich hatte eigentlich gehofft, dass die Freude auf den Papa das schwierige morgendliche Loskommen etwas überdeckt. Naja, es muss sich alles erst einspielen. Als alle weg sind, kann ich endlich duschen, Wäsche waschen und aufräumen, Mails lesen, ein Blog-Gewinnspiel auslosen und meinen neuen Fernseher auspacken, der am Montag ankam (den alten nahm der Mann mit). Außerdem installiere ich zwei neugekaufte Schreibtischlampen und sortiere einige Dinge um. Obwohl der Mann nicht viele Gegenstände mitgenommen hat, fühlt sich die Wohnung doch leerer und aufgeräumter an. Es hatte sich so unfassbar viel Krempel angesammelt. Mit dem Aufräumen tauchen viele ambivalente Emotionen auf, Erleichterung, Traurigkeit, Freiheit, Angst, das Gefühl, dass es gut werden wird, das Gefühl, dass es nicht zu schaffen sein wird. Der Große wird von der Mama seines Freundes aus der Schule abgeholt und die Kleine hat wegen ihres Musikkurses in der Kita ihren langen Tag. Erst um 16:15 Uhr muss ich los und hole zuerst den Großen und dann die Kleine ab. Der Heimweg und der Abend verläuft friedlich. Gerade abends bin ich sehr froh, allein zu sein, denn ich kann unser Programm ruhig und früher als sonst ablaufen lassen. Auch die Kinder wirken ausgeglichener ohne den kurz vor'm Abendbrot nach Hause kommenden Papa, auf den sich dann alle stürzen. Beide Kinder müssen auf Läuse abgesucht werden. Puh, nix gefunden! Um 19:30 Uhr schlafen sie, ich kann es kaum glauben. Das ist fast eine Stunde eher als sonst! Ich kann die Tagesschau gucken, das kam seit Ewigkeiten nicht mehr vor. Ich habe einen langen Feierabend und genieße ihn.

Donnerstag 15.02.

Ich habe unheimlich schlecht geschlafen, die Kleine neben mir hat mich ständig gestört und es tauchten wieder Kopfschmerzen auf. Ich freue mich darauf, bald eine eigene Schlafstelle für mich zu haben, sobald der Mann die letzten Sachen abgeholt hat. Es wird sicherlich nicht jede Nacht mit dem Allein-Schlafen klappen, aber wenigstens einen Rückzugsort für mich zu haben, ist so wertvoll (PS. es hat geklappt!). Seit fast 5 Jahren habe ich mit der Kleinen zusammen geschlafen. Der Morgen verläuft gut und die Kinder verlassen fröhlich mit dem Mann das Haus. Ich fange an herumzuräumen. Ich will weiter ausmisten, das tut so gut. Ich suche noch Dinge zusammen, die dem Mann gehören, lege verschenkens- und verkaufenswerte Gegenstände beiseite und sortiere, putze und räume den ganzen Vormittag. Als ich des Mannes Fotoalben durchsehe, kommen Tränen. So viele Jahre, so viele gemeinsame Erinnerungen, so viele Erlebnisse und dennoch hat es nicht gereicht. Ich bin sehr traurig, dass wir es nicht geschafft haben. Da sind kein Hass, kein Frust, keine Wut, keine Aggressionen mehr, sondern nur Traurigkeit und Erleichterung. Beides parallel, das schließt sich nicht aus. Mir geht es besser so. Wie es dem Mann geht, der nun schon den zweiten Nachmittag und Abend in Folge seine Kinder nicht sieht, mag ich mir nicht vorstellen. Das Ausmisten ist sehr reinigend und gleichzeitig aufwühlend. Ich glaube, diese Gefühle werden noch sehr lange anhalten. Es ist eben nicht alles einfach nur schwarz oder weiß. Ich schaue auch im Keller nach dem Rechten und bin halbwegs auf Stand. Um einiges hatte ich mich einfach nicht mehr gekümmert in den letzten Jahren.

Um 15 Uhr hole ich den Großen von der Schule ab und gehe mit ihm zum Kinderarzt. Ohrenkontrolle, er hatte ja in der Woche vorher eine Mittelohrentzündung. Außerdem hat er einen Hautausschlag entwickelt und ich befürchte schon die in der Schule umgehenden Ringelröteln. Entwarnung! Er wirkt auch wieder fitter und wacher als in den letzten Tagen. Danach geht's zur Kita, auch die Kleine ist fröhlich (sie wirkt überhaupt insgesamt sehr fröhlich und leichtfüßig in diesen Tagen) und wir gönnen uns unser Stammcafè. Auf dem Heimweg sehen wir den Mann im Auto auf der Hauptstraße fahren, ich wusste, dass er in unserer Wohnung war, um noch Sachen zu holen. Die Kinder flippen aus, aber er sieht sie nicht. Ich befürchte Tränen und Trübsal auf dem Heimweg, aber zum Glück verkraften sie das gut. Auch diesmal klappt der Abend wieder recht gut und schnell, auch wenn der Große wie erwartet beim Zubettbringen protestiert. Da die Kleine noch nicht ohne mich einschläft (einige Monate später schafft sie das, wie hier beschrieben), muss ich zwangsläufig ihn zuerst ins Bett bringen (er hört dann ein Hörbuch) und danach sie. Das findet er ungerecht. Nun ja. Wird es heute ein wenig abgewandelt und alle finden sich dann doch damit ab. Ich glaube, auch das ist leichter, wenn nur ein Erwachsener da ist, denn die Kinder wissen, es gibt keine Alternative. Auch diesmal ein früher und vor allem ungestörter Feierabend für mich. Die abendliche Nicht-Anspannung tut gut.

Freitag 16.02.

Der Morgen verläuft gut, die Kinder freuen sich wahnsinnig, den Papa zu sehen. Immerhin haben sie ihn nun zwei Nachmittage und Abende nicht gesehen. Sie wissen, dass sie heute Nachmittag von ihm abgeholt werden und mit ihm in die neue Wohnung gehen. Als der Mann sie in die Schule und Kita gebracht hat, kommt er wieder hierher, weil es sein freier Tag ist, wir räumen zusammen noch ein paar Dinge aus und transportieren sie in die neue Wohnung. Ich bin auch neugierig, denn ich habe sie zuletzt kurz nach der Schlüsselübergabe, also im "Rohzustand" gesehen. Es sieht schon ganz gut aus, auch wenn noch einiges zu machen ist. Aber insgesamt wirkt es gemütlich, und der Kiez ist auch angenehm. Wir reden noch kurz, doch der Mann hat noch viel zu tun. Ich spaziere durch den Park nach Hause, genieße die Sonne, bewundere die Schneeglöckchen und gehe noch kurz einkaufen. Zuhause esse ich Mittag, hänge die Wäsche auf, räume den Geschirrspüler aus und die Einkäufe weg. Es ist schön, die Wohnung wieder so vorzufinden, wie ich sie verlassen habe. Ich habe noch einiges zu tun und ruhe mich danach kurz aus, bevor ich mich wieder auf den Weg mache. Ich möchte etwas erledigen, habe aber keinen Erfolg und besorge stattdessen noch ein paar Dinge im Drogeriemarkt. Wenn ich nächste Woche wieder arbeite, habe ich dafür keine Zeit mehr. Ich fühle mich so frei und locker, so ganz ohne Zeitdruck, und beschwingt in dem Wissen, dass ich gerade nicht meine unglaublich rare Zeit allein zuhause opfere, sondern zukünftig viel davon haben werde. Als ich nach Hause komme, ist alles leer und ich kann immer noch "meine" Dinge machen. Es ist herrlich.

Der Mann schreibt, dass sie alle noch in seiner Wohnung Abendbrot essen und die Kleine dann nach Hause bringen. Der Große soll schon die erste Nacht beim Papa schlafen. Ich habe von 7:30 bis 18:30 Uhr kinderfrei, familienfrei, einfach frei gehabt, ohne Arbeit, ohne Verpflichtungen. Und allein, komplett allein! Ich weiß nicht, wann ich das zuletzt an einem Wochentag bzw. überhaupt hatte. Ich bin wirklich total happy. Als der Mann die Kleine bringt, machen wir noch kurz unser Abendprogramm und dann schläft sie. Und die Wohnung gehört wieder mir. Es fühlt sich wie ein Zurückerobern meines Lebensraumes an, und ich freue mich so sehr, dass ich endlich wieder mehr Rückzugsräume und -möglichkeiten haben werde. Ich wusste, wie sehr ich unter deren Mangel gelitten habe, aber ich konnte ja nichts ändern. Ich schreibe noch kurz mit dem Mann, wie es dem Großen geht, der bei ihm übernachtet, und ein ruhiger Abend geht zuende. Ich nutze die Gelegenheit und schlafe im Bett des Großen, denn schon lange hatte ich Sehnsucht danach, endlich wieder allein zu schlafen, aber es gab ja in unserer Wohnung keine Möglichkeit dazu. Und der Große verbringt die erste Nacht in Papas neuer Wohnung.

Samstag 17.02.

Die Kleine schläft ohne mich die komplette Nacht durch und wir stehen gegen 8 Uhr auf. Sie geht allein zum Backshop in unserer Straße und wir frühstücken zu zweit in Ruhe, erzählen viel und genießen. Auch sie sitzt viel länger dabei als sonst bei unseren unruhigen Familienfrühstücken, bei denen immer mindestens ein Kind schmollte oder weinte, keiner zu Wort kam und wir Eltern manchmal heulend die Runde beendeten. Um 9:30 Uhr wird sie vom Papa und vom Großen abgeholt - heute ist Papatag! Sie fahren in einen Indoorspielplatz und erkunden am Nachmittag die Umgebung der neuen Wohnung des Mannes. Ich selbst habe einen ganzen Tag frei - am Wochenende, ohne Verpflichtungen, ohne Termine! Ich bin immer noch nicht ganz fit, aber es ist so herrlich, allein in der Wohnung zu sein. Ich fange an zu putzen und zu räumen, im früheren Arbeitszimmer, wo der Mann zuletzt geschlafen hat, soll einiges anders werden. Ich räume Bücherregale aus, vermesse, verschiebe, sortiere, reinige, räume wieder ein, bringe Dinge in den Keller oder zum Müll. In diesem Zimmer möchte ich zukünftig schlafen. Vorläufig lege ich mir eine Matratze hinein. Nach 4 Stunden bin ich platt, esse Mittag und ruhe mich aus. Ich bin so dankbar, dass nun nicht sogleich die Meute einfällt, sondern ich mich regenerieren kann. Dieses Regenerieren war eines der Dinge, die mir am meisten fehlten im Familienalltag. Vielleicht wird das zukünftig besser klappen.

Am Nachmittag fahre ich noch kurz in einen Möbeldiscounter und kaufe ein neues Bett, das gerade im Sonderangebot ist. Zwar haben wir unser altes Doppelbett noch auseinandergebaut im Keller stehen, allerdings passt es nicht in das kleine Arbeitszimmer (bzw. es passt gerade so, aber dann fehlt der Platz für einige andere Regale). Abholen muss es der Mann, da ich kein Auto habe. Als ich nach Hause komme, treffen alsbald die Kinder mit dem Mann ein, die sich wünschen, dass er noch mit bei uns Abendbrot isst. Wir essen im Wohnzimmer, nicht zuletzt, um die Küchentisch-Situation zu vermeiden. Ich freue mich, die Kinder wiederzuhaben, merke aber, dass es mir schon wieder zu viele Menschen sind. Danach fährt der Mann in seine Wohnung und ich bringe die Kinder ins Bett. Der Große zickt herum und ich bin genervt, obwohl ich den ganzen Tag Ruhe hatte. Dann schlafen sie und ich genieße wie jeden Abend meine Freiheit. Ich schlafe zum ersten Mal auf der Matratze im Arbeitszimmer, meinem neuen Schlafzimmer.

Sonntag 18.02.

Als ich aufwache, höre ich Husten aus dem Zimmer des Großen und denke, die Kleine schläft bestimmt noch, sonst würde sie mich doch suchen. Doch nein, sie sitzt mit bei ihm, ist allerdings laut seiner Aussage noch nicht lange wach. Sie geht wieder allein zum Backshop und wir frühstücken lange und ausgiebig. Es ist unruhiger als gestern mit der Kleinen, aber trotzdem angenehm, da ich mich auf die Kinder konzentrieren kann, anstatt Erwartungen an ein Erwachsenengespräch zu haben. Wir sitzen wieder recht lange, das kenne ich überhaupt nicht von unseren Familienmahlzeiten. Schön! Dann spielen die Kinder ein wenig, während ich aufräume. Die Einladungen für den Kindergeburtstag des Großen werden auch noch fertiggestellt und dann klingelt schon der Mann, da wir gemeinsam in unseren Garten fahren wollen. Heute ist eigentlich Mama-Tag, aber das war ausgemacht und mal wieder nötig. Wir wirbeln anderthalb Stunden im Garten und es sieht gleich wieder viel schöner aus. Der Mann fährt uns wieder nach Hause und weiter zum Möbeldiscounter (es ist verkaufsoffener Sonntag), um mein Bett abzuholen, ich koche schnell Mittag und wir machen Mittagspause. Der Mann fährt dann wieder zu sich, nachdem er die Möbelpakete bei mir abgeliefert hat.

Den Nachmittag verbringe ich mit den Kindern zuhause, wir vespern, puzzeln, lesen, kneten, spielen. Es ist sehr gemütlich und anders als sonst. Man weiß, dass man zuständig, weil allein ist, und erwartet nicht ständig Freizeit und Entlastung. Mir geht es sehr viel besser so und ich bin deutlich weniger unruhig. Auch die Kinder sind verträglich. Beide baden noch (natürlich getrennt, zusammen klappt es nicht in der Badewanne), dann gibt es Abendbrot und ich bringe sie ins Bett. Die erste Woche als "Getrennt Erziehende" wäre damit geschafft! Und es lief besser als gedacht. Natürlich hatte ich viel Ruhezeit am Tag, weil ich krankgeschrieben war. War allerdings auch körperlich nicht fit und am Dienstag völlig ausgeknockt.

Nun werden wir sehen, wie es mit Arbeit und neuem Alltag funktioniert, ob wir unsere vorläufige Aufteilung so lassen oder nochmal ändern und wie sich die Kinder an den neuen Zustand gewöhnen. Bis jetzt haben sie es gut verkraftet. Natürlich sagen sie, dass sie Papa vermissen oder auch mal wütender, dass sie zu Papa ziehen wollen, wenn ihnen etwas nicht passt. Mit solchen Situationen haben wir gerechnet und man muss jedesmal überlegen, wie man reagiert. Im Moment überwiegt bei ihnen, glaube ich, noch das Abenteuer: Papa hat eine neue Wohnung und sie können ihn dort besuchen. Wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass das jetzt so bleibt, kommt möglicherweise noch mehr Traurigkeit. Auch müssen wir überlegen, wie wir den Kindern Exklusivzeiten ermöglichen. Während diese bisher dazu dienten, das konfliktreiche Familienleben zu entzerren, gehen Exklusivzeiten nun direkt von der eigenen Freizeit ab bzw. müssen gerecht verteilt und koordiniert werden. Außerdem ist uns beiden wichtig, dass wir von Zeit zu Zeit auch etwas zu viert unternehmen, denn wir bleiben ja trotzdem eine Familie, auch wenn die Eltern getrennt sind. Nicht einfach. Es gibt noch viele Dinge zu klären, aber einiges wird sich erst aus der Praxis ergeben. Es ist für alle eine neue Situation, mit der wir umgehen lernen müssen. Am wichtigsten ist, dass es den Kindern gut geht. Und wir als Eltern eine normale, sachliche Ebene miteinander finden und bewahren können. Der Grundstein dafür ist gelegt.

Das waren meine Tagebuch-Aufzeichnungen aus den ersten Tagen nach unserer räumlichen Trennung. Ich habe noch weitere Aufzeichnungen, weiß aber noch nicht, ob ich diese auch veröffentlichen werde. Hier könnt ihr meinen Rückblick auf die ersten Monate lesen:

Alleinerziehend mit zwei Kindern. Wie wir die ersten Monate allein geschafft und erlebt haben

Bildquelle: Pixabay

Donnerstag, 12. Juli 2018

Alleinerziehend mit zwei Kindern. Wie wir die ersten Monate allein geschafft und erlebt haben

Vor einigen Wochen hat Frida vom Blog 2KindChaos, deren Vorgängerblog "Herzmutter" einer der ersten Mamablogs überhaupt war, die ich gelesen habe, erzählt, dass sie nun alleinerziehend ist. Für die LeserInnen, mich eingeschlossen, war das eine große Überraschung, denn Außenstehende bekommen ja meist nicht mit, wie man monate- oder jahrelang hadert und kämpft. Und wenn die Entscheidung dann gefällt wurde und der Übergang geschafft ist, pendelt sich manchmal alles so schnell ein und man empfindet es schon als Normalität, so dass der Antrieb zum Darüber-Schreiben irgendwie fehlt. So war es jedenfalls bei mir. Doch jetzt habe ich mir einen Ruck gegeben und möchte euch erzählen, wie unsere neue Familienkonstellation aussieht.

Seit 5 Monaten lebe ich nun allein mit den Kindern. Alleinerziehend im klassischen Sinne fühle ich mich eigentlich nicht, denn der Papa kümmert sich und ist für seine Kinder da. Natürlich liegt die Hauptlast im Alltag bei mir, denn die Kinder wohnen bei mir. Aber ganz allein bin ich nicht. Beziehungsweise genauso allein wie vorher auch, nämlich ohne sonstige Unterstützung außer dem Papa der Kinder. Für mich hat sich in organisatorischer Hinsicht gar nicht soviel verändert, außer dass ich jetzt auch morgens und abends allein mit den Kindern bin und an einem Tag des Wochenendes. Wer sehr aufmerksam mitgelesen hat, wird dies vielleicht bemerkt haben. Dafür habe ich an dem anderen Wochenendtag kinderfrei und damit nun erstmals, seit ich Mutter bin, regelmäßige und zuverlässige Auszeiten, um mich zu regenerieren und Kraft zu tanken. Vor allem ohne schlechtes Gewissen und ohne das Gefühl, man verlange/ erwarte zuviel. Ich genieße das sehr, auch wenn es sich oft noch total unwirklich anfühlt und in diesen Stunden oft die Traurigkeit hochkommt.

Bild: Frühlingskindermama

Insgesamt komme ich ganz gut klar, unser Alltag ist mit Arbeit, Schule und Kita genauso durchgetaktet wie vorher und wir haben Wert darauf gelegt, so wenig wie möglich im Tages- und Wochenrhythmus für die Kinder zu verändern. Das heißt beispielsweise, dass der Mann wie früher die Kinder morgens wegbringt und ich sie nachmittags abhole. Zum Glück konnte ich mit den Kindern in unserer Wohnung bleiben, da sie durch die (noch) geförderte Miete sehr preiswert ist. Ich habe nun endlich wieder einen Rückzugsraum für mich, wo ich auch schlafe, nachdem ich fast 5 Jahre mehr oder weniger schlecht mit der Kleinen zusammen geschlafen habe und keinerlei Bereich für mich hatte, seit ich mein Schlafzimmer zugunsten eines eigenen Kinderzimmers für die Kleine aufgegeben hatte. Das genieße ich so sehr. Entgegen meiner Erwartungen, dass sie mein Allein-Schlafen nicht akzeptieren und jede Nacht zu mir rüberwandern würde, schläft sie allein in ihrem Zimmer durch. Und ich kann endlich wieder abends zum Einschlafen lesen und werde nicht mehr durch jede Bewegung neben mir geweckt. Ansonsten ist in unserer Wohnung alles beim Alten geblieben, bis auf einige wenige Möbel, die der Mann mitgenommen hat.

Der Papa der Kinder wohnt in der Nähe, nicht zu nahe, so dass sie nicht nach Lust und Laune zu ihm gehen können, aber nahe genug, dass die Umgebung für sie vertraut ist und er im Notfall (der gleich am 2. Tag nach dem Auszug eintrat) schnell bei uns ist. Die Entfernung zur Schule und zur Kita ist fast identisch mit unserer, die Kinder können bei ihm ein paar neue Ecken und Spielplätze entdecken, bewegen sich aber im Grunde im gleichen Kiez. Er hat nicht viel Platz in seiner Wohnung, aber sie können bei ihm übernachten und tun dies auch an einem Tag des Wochenendes und manchmal auch noch zwischendurch, teilweise allein wegen Exklusivzeit und so. Recht schnell haben sie Freundschaft mit einem Kind aus dem neuen Haus des Papas geschlossen, wodurch nochmal mehr ein Vertrautheitsgefühl entstanden ist.

Wie geht es den Kindern?

Die Kinder haben die Umstellung unterschiedlich gut verkraftet. Obwohl alles ziemlich schnell ging, nachdem der Mann eine Wohnung gefunden hatte, kam die räumliche Trennung für sie ja nicht ganz überraschend. Mit dem Großen hatte ich schon oft theoretisch darüber geredet und auch die Kleine kannte das Thema. Da sie in ihrem direkten Freundeskreis mehrere Kinder hat, bei denen vor kurzem das Gleiche passiert war, sind für sie solche Familienkonstellationen relativ vertraut. Natürlich flossen trotzdem vor und während des Umzugs des Papas viele Tränen, und auch im Alltag kommen immer mal wieder die Traurigkeit und das Vermissen bei ihnen hoch. Es gab auch schon sehr tränenreiche Abschiede und (nur bei der Kleinen) Aussagen wie "Ich will zu Papa resp. Mama!". Das ist völlig normal und verständlich. Sie akzeptieren zwar die Aufteilung, die Wohnsituation und überhaupt die Tatsache an sich, haben aber verschiedene Arten, mit der Trennung der Familie umzugehen.

Der Große, der eigentlich sehr an seinem Papa hängt und viel früher von mir als Mama unabhängig war als die Kleine, kommt gut zurecht. Er weint mittlerweile kaum noch und steckt die Abschiede und Tage ohne Papa gut weg. Er scheint den Papa auch nicht sehr zu vermissen, sondern freut sich einfach, wenn er ihn sieht und bei ihm ist. Der Große ist ein Charakter, der weniger an Menschen, sondern vielmehr an Strukturen hängt. Wenn wir also umziehen hätten müssen oder sich überhaupt sein Alltag, seine Umgebung stark verändert hätte, wäre die Situation vermutlich deutlich schwieriger für ihn. Solange sein gewohnter Rahmen gleich bleibt, kann er die schwierigen Emotionen, die mit Sicherheit vorhanden sind, gut verarbeiten. Er ist mir auch darin übrigens sehr ähnlich.

Die Kleine ist ganz anders und es bricht mir das Herz, wie sie unter der Situation leidet. Obwohl sie eine deutlich engere Beziehung zu mir als zum Papa hat und meine Abwesenheit (z.B. während der Mutter-Kind-Kur) so unerträglich für sie war, dass sie mit körperlichen Symptomen (Neurodermitis) darauf reagierte, obwohl der Papa bei ihr lange Zeit nichts machen durfte, obwohl sie mit solchen Familienkonstellationen aus ihrem Freundeskreis auf jeden Fall vertrauter ist als der Große und obwohl auch für sie die äußeren Strukturen gleich geblieben sind, ist ihre Welt aus den Angeln geflogen und sie leidet extrem. Sie hängt sehr stark an Menschen, weniger an Strukturen, und vermisst den Papa jeden Tag. Gleichzeitig vermisst sie mich, wenn sie beim Papa ist, und dieser Zwiespalt frisst sie manchmal fast auf. Sie hat große Verlustängste und kein Vertrauen mehr.

Ihr Sicherheitsgefühl, ihre Selbstverständlichkeit, ihre Leichtigkeit haben einen großen Knacks bekommen, sie ist verunsichert, viel scheuer als früher und macht leider gerade in einigen Bereichen einen Rückfall in die Babyzeit durch. Sie weint sehr oft bei den Abschieden und mag sich mit der neuen Situation nicht abfinden. Und wer jetzt meint, dass es für sie trotzdem besser sei, als mit unglücklichen Eltern zusammenzuleben, der irrt: sie würde lieber unsere Konflikte, unsere Anspannung und unser Unglücklichsein in Kauf nehmen, wenn sie dafür beide Eltern um sich hätte. Das hat sie explizit so gesagt und das spürt man auch. Deshalb tut mir ihr Leid besonders weh, es schürft bei allen sozusagen jedesmal die Wunden auf, die sich gerade oberflächlich geschlossen hatten.

Die Geschwisterkonstellation

Äußerlich, d.h. in ihren Betreuungseinrichtungen, verhalten sich beide Kinder genauso wie vorher und zeigen bis jetzt keine negativen oder problematischen Veränderungen. Auch ihre externen Bezugspersonen bestätigen das, worüber wir sehr erleichtert sind. Zuhause hatte ich mir, ehrlich gesagt, durch die Auflösung der Erwachsenen-Konfliktsituation auch mehr Ruhe in der Geschwisterkonstellation versprochen. Bekanntlich sind meine Kinder sehr verschieden, harmonierten nie besonders gut miteinander und produzieren durch ihre ständigen Scharmützel immensen Stress, sowohl für sich selbst als auch für uns. Diejenigen, die um unsere Probleme wussten, erklärten sich die permanenten Geschwisterstreitereien natürlich gern als gespiegelte Eltern- Konflikte, und obwohl ich eigentlich nicht daran glaubte, da meine Kinder schon vom Wesen her so unterschiedlich sind, war die Erklärung natürlich so schön simpel und einleuchtend.

Leider hat sich aber seit der Trennung, und es sind 5 Monate, also eine durchaus bewertbare Zeit, vergangen, nicht wirklich etwas an der Geschwisterbeziehung verändert. Es gab am Anfang eine ganz kurze harmonische Phase, die mir Hoffnung machte, aber danach lief alles wieder wie bisher ab, mit viel Ärgern, viel Streiten, viel Missgunst, sie lassen sich einfach nicht in Frieden, sondern kleben aneinander, aber immer konfliktreich. Die Hoffnung auf Geschwister-Harmonie und Zusammenhalt in solch einer Situation hat sich also nicht bestätigt und das zeigt mir, dass die beiden grundsätzlich vom Typ her nicht gut zusammenpassen, entlastet uns aber auch von Selbstzweifeln und externen Vorwürfen, ob wir nicht doch "schuld" an ihrem Verhalten gewesen seien.

Doch obwohl die Geschwistersituation im Grunde gleich geblieben ist, empfinde ich das Zusammenleben insgesamt als weniger anstrengend, da viele Auseinandersetzungen mit ihnen auch daraus entstanden sind, dass wir als Eltern kein gutes Team waren und beispielsweise ich als Mama viel Ärger und Frust auffangen musste, die bei den Kindern durch manche Reaktionen des Papas entstanden sind. Dieses ständige Vermitteln, Auffangen, Trösten und Partei ergreifen hat mich oft sehr ausgelaugt, vor allem, wenn es Konflikte betraf, die ich nicht selbst verursacht habe, aber klären sollte. Das ist im Alltagsleben jetzt deutlich einfacher geworden und entlastet mich.

Das Finanzielle

Finanziell gesehen ist die Situation schwierig und noch nicht in Gänze überschaubar. Wir haben beide minimal unsere Wochenarbeitszeit aufgestockt, aber im Grunde finanzieren wir mit fast den gleichen Gehältern einen kompletten Haushalt mehr. Der Mann zahlt natürlich Unterhalt und wir müssen nicht hungern, aber man rechnet viel mehr als früher, hat Angst vor unvorhersehbaren Anschaffungen und jede Ausgabe tut doppelt weh. Urlaube werden im Moment vom Ersparten finanziert und das mache ich auch nur deshalb, weil es mir so viel bedeutet, mal wegzufahren. Eine Dauerlösung ist das nicht. Da wir unsere Einnahmen nicht groß steigern können, bleibt nur, perspektivisch die Ausgaben zu reduzieren. Die Mieten beider Wohnungen sind sehr preiswert, das Auto wird gebraucht, also bleibt eigentlich nur unser Garten, in den wir in den letzten 8 Jahren soviel Arbeit und Liebe gesteckt haben und der uns zumindest im Sommer eine preiswerte Wochenendgestaltung ermöglicht. Noch haben wir dazu nichts entschieden, aber im Grunde ist der Garten das einzige Stellschräubchen.

Es belastet sehr, wenn man auf Dauer mehr ausgibt als einnimmt, und auch die Kinder bekommen das schon mit. Ich erfasse seit Februar jede Ausgabe und Einnahme in einer App und werde im Jahresverlauf sehen, wie ich dastehe. Außerdem mache ich mir große Sorgen um meine Rente und insgesamt meine finanzielle Situation in der Zukunft. Ich habe früher schon einmal über das Thema geschrieben. Zum Glück habe ich nie meine Arbeit zugunsten der Familie aufgegeben und ich kann nur dringend an alle Mamas, die zuhause sind, appellieren: verlasst euch nicht darauf, dass die Beziehung schon halten wird und jemand für euch einsteht. Ihr wisst nicht, was später kommt und wie sich Menschen entwickeln. Ich habe das Glück, dass Unterhaltszahlungen selbstverständlich sind und nicht erfochten werden müssen oder ganz ausbleiben. Aber es gibt auch ganz andere Fälle und Situationen nach Trennungen.

Getrennt und trotzdem Familie

Zu den Gründen der Trennung möchte ich mich hier nicht äußern. Nur soviel vielleicht: wir waren schon 10 Jahre zusammen, als wir unseren Großen bekamen, hatten eine sehr schmerzhafte Fehlgeburt und sehr schwierige Kinderwunschjahre, also schon viele Höhen und Tiefen, hinter uns, aber unsere Beziehung, unsere Ehe hat leider den Belastungen, die das Leben mit Kindern mit sich bringt, trotz aller Anstrengungen nicht stand gehalten. Wir haben es uns nicht leicht gemacht und vieles versucht. Niemals hätte ich mir träumen lassen, mal in dieser Situation zu stecken. Unser Familientraum ist gescheitert, unsere Pläne und Vorhaben beerdigt, unsere Kinder haben ihre kleine Welt verloren, und das ist auf der Meta-Ebene ein ganz schreckliches Gefühl, auch wenn der Alltag jetzt einfacher ist.

Wir versuchen aber, trotzdem Dinge gemeinsam als Familie zu erleben, weil wir das ja sind und bleiben. Am Zeugnistag des Großen wurde selbstverständlich gemeinsam mit Pizza gefeiert, die Abschlussfeier seiner Klasse besuchten wir zu viert, die Geburtstagsausflüge fanden zusammen statt und sogar zwei Wochenendtrips, auf denen wir getestet haben, ob das funktioniert. Für die Kinder ist das schön und wertvoll und auch wichtig, finde ich. Ursprünglich hatten wir auch ein regelmäßiges gemeinsames Abendessen unter der Woche geplant, aber das hat sich eher als stressig erwiesen und wird im Moment nicht praktiziert. Wir müssen halt nach und nach ausprobieren, was funktioniert und was nicht. Auf jeden Fall lasse ich den Mann am Alltag der Kinder teilhaben, indem ich Fotos und Nachrichten schicke, Situationen erzähle und mich mit ihm austausche. Nun steht unser Sommerurlaub an, der zweigeteilt sein wird: die erste Woche urlaube ich mit den Kindern allein an der Ostsee und hoffe auf etwas Entspannung und gutes Wetter, die zweite Woche verbringen wir alle zusammen an drei verschiedenen Orten, darunter zwei Tage in Hamburg, mit Abwechslung und vielen Unternehmungen, so dass es sich für die Kinder und uns sicherlich nicht wie der klassische "alte" Familienurlaub anfühlen wird. Ich bin gespannt, ob das funktioniert und welche Schlüsse wir für's nächste Mal daraus ziehen werden.

Ich lebe jetzt also allein mit den Kindern und bin "getrennt gemeinsam erziehend", wie die Kleinstadtlöwenmama so passend über ihre Situation geschrieben hat. Alleinerziehend ist nicht gleich alleinerziehend, das finde ich sehr wichtig zu betonen. Wir sind beide für unsere Kinder da und wollen ihnen Sicherheit und Liebe geben, obwohl die Kernfamilie zerbrochen ist. Da wir keinerlei familiäres Netz hier haben, bleibt uns auch nichts anderes übrig, als uns gegenseitig zu unterstützen. Mittlerweile hat sich alles soweit gut eingespielt, auch wenn es natürlich immer wieder neue Situationen und Herausforderungen gibt. Diese müssen und wollen wir gut und einvernehmlich lösen, denn wir sind und bleiben Mama und Papa unserer beiden Kinder. Für immer.

Bildquelle: Pixabay

Montag, 19. Juni 2017

Ein eigenes Kinderzimmer für die Kleine

Manchmal muss man sich von Vorstellungen verabschieden, an die man geglaubt hat, die sich aber nicht bewährt haben. Ich war z.B. lange Zeit ein überzeugter Verfechter eines gemeinsamen Kinderzimmers für meine beiden Kinder. Erstens deshalb, weil wir einfach wenig Platz in unserer 90 qm-Wohnung haben, aber auch weil ich denke, dass Kinder in einem gemeinsamen Kinderzimmer viele soziale Fähigkeiten wie Rücksichtnahme und Anpassungsfähigkeit lernen können. Das setzt aber voraus, dass sich die Kinder auch verstehen, zusammen spielen können und aneinander hängen. Bekanntlich ist das bei meinen Kindern nicht unbedingt der Fall, sie sind sehr verschieden und behindern sich eher gegenseitig, als gemeinsam zu spielen. Hier habe ich über ihre Geschwisterbeziehung geschrieben. Wir hatten die Hoffnung, dass sie sich durch ein gemeinsames Kinderzimmer annähern würden. Stattdessen sind dadurch erst viele Konflikte entstanden.


Als die Kleine ein Jahr alt war (Mai 2014), räumten wir die Wohnung um und richteten für beide ein gemeinsames Spielzimmer ein, in dem der Große auch schlief. Die Kinder bekamen das mit 20 qm größte Zimmer der Wohnung und wir schränkten uns etwas ein. Die Kleine schlief weiterhin bei mir, später stellten wir ihr Kinderbett zwar auch ins Kinderzimmer, aber sie wollte trotzdem weiterhin nur bei mir schlafen. Nach und nach kamen ihre Spielsachen dazu, zu Weihnachten 2015 auch ein Hochbett und es wurde immer als gemeinsames Kinderzimmer von uns proklamiert. Sie ging auch zum Spielen hinein, aber ich glaube, sie fühlte sich trotzdem immer wie ein Gast darin. Gefühlt war es das Zimmer des Großen, obwohl beide Namen an der Tür standen. Als die Kleine vor kurzem die ersten Gastkinder hatte, fragten diese gleich, wo denn ihr Zimmer sei. Da sie auch viel im Wohnzimmer spielte, vor allem, als sie noch kleiner war, befanden sich im Wohnzimmer einige größere Spielzeugsachen. Ihr Besitz war also überall verteilt und sie hatte keine richtige Anlaufstelle in der Wohnung. Früher war das kein Problem, aber je älter sie wurde, umso komischer wurde das.

Dazu kommt, dass die beiden wirklich überhaupt nicht miteinander spielen können. Leider beschäftigen sie sich aber auch nicht einzeln nebeneinander, sondern kleben aneinander, nerven, ärgern und piesacken sich. Die Kleine möchte gern mit dem Großen spielen und erwartet, dass er sich mit ihr abgibt. Der Große hat noch nie wie ein "normales" Kind gespielt und erwartet Bespaßung von einem Erwachsenen. Die Kleine stört ihn eher bzw. setzt ihn unter Druck mit ihrer Erwartungshaltung. Sind beide zusammen im Kinderzimmer, dauert es keine Minute, bis es Geschrei gibt. Die Kleine zetert, der Große ist genervt und wir müssen einschreiten und sie trennen. Das stresst uns unheimlich und schafft viel Unfrieden. Früher haben wir noch gedacht, das wird schon noch und sie werden sich zusammenraufen. Wir hatten auch die Hoffnung, das gemeinsame Kinderzimmer würde dazu beitragen. Nach nun 3 Jahren haben wir den Versuch aufgegeben.

Wenn der Große im September in die Schule kommt, wird er nachmittags sicher ziemlich kaputt sein und seine Ruhe brauchen. Die Kleine wird ihn stressen, wenn sie im Kinderzimmer spielt und er Hausaufgaben machen will. Ich werde nur damit beschäftigt sein, die beiden auseinanderzuhalten. Der Große möchte, wenn er seinen Freund zu Besuch hat, die Tür zum Kinderzimmer schließen. Die Kleine möchte mitspielen. Die Kleine möchte auch Besuch empfangen und ihr Spielzeug an einem Ort präsentieren, anstatt es in verschiedenen Zimmern zusammenzusuchen. All diese Überlegungen und Erfahrungen brachten mich dazu, ein eigenes Kinderzimmer für die Kleine in Betracht zu ziehen. Und da wir nur 4 Zimmer haben (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Arbeitszimmer), gab es nur die Möglichkeit, das Schlafzimmer (11 qm) aufzulösen bzw. umzuwandeln, wo die Kleine und ich bis jetzt zusammen geschlafen hatten und was nur nachts genutzt wurde. Alle anderen würden dadurch nicht beeinträchtigt. Da es auch weiterhin ihr Wunsch ist, dass ich bei ihr schlafe, konnte das auch genauso gut ihr Kinderzimmer werden, in dem ich dann eben mit schlafe. Ich brütete ein paar Monate über dieser unkonventionellen Variante, aber es gab keine andere Lösung. Auch wollte ich es nicht soweit kommen lassen wie bei einem Freund von meinem Großen, der vor kurzem die Spielsachen seiner kleinen Schwester aus "seinem" Kinderzimmer rausgeschmissen hat. Also suchte ich ein entsprechendes Bett für das schmale Zimmer, überlegte, welche Möbelstücke und welches Spielzeug zu ihr wandern würden und überzeugte den Rest der Familie.

In der vergangenen Woche war der Große auf Kitafahrt und das war eine gute Gelegenheit für die Umräum-Aktion. Denn die Kleine und ich konnten in diesen Tagen in seinem Kinderzimmer schlafen, ebenso konnten wir dort Möbel zwischenlagern, der Mann konnte abends im Zimmer werkeln, da nur ein Kind zu Bett gebracht werden musste, und alles war stressfreier als mit zwei Kindern. Zwei Tage vorher kauften wir noch Wandfarbe und einen neuen Teppichboden, was gar nicht so einfach war. Am Montag verabschiedete sich der Große auf Kitafahrt, den Rest der Woche brachte ich die Kleine in die Kita und holte sie auch ab, damit der Mann früh auf seiner Arbeit anfangen und nachmittags in der Wohnung werkeln konnte. Es war eine arbeitsreiche (vor allem für den Mann), aber nervlich unanstrengende Woche, da es mit einem Kind hier immer deutlich ruhiger ist. Die Kleine und ich machten uns morgens in aller Ruhe fertig, wo sonst immer Familienchaos und Stress vorherrschen. Auch die Nachmittage waren recht entspannt mit ihr und abends war eben nur ein Kind ins Bett zu bringen.

Die Kleine staunte jeden Tag darüber, was passierte, und wie ihr Zimmer immer mehr Formen annahm. Es war echt süß, wie sie sich freute, mithalf und alles in Beschlag nahm. Ich glaube, sie merkte dann erst selbst, wieviele Spielsachen ihr gehörten, waren diese doch früher überall verstreut. Den letzten Handschlag machte der Mann tatsächlich erst am Freitag Vormittag, bevor er den von seiner Kitafahrt zurückkehrenden Großen mittags vom Bus abholte. Als dieser nach Hause kam, staunte er nicht schlecht. Alles, was der Kleinen gehörte, war nun aus seinem Kinderzimmer raus, dafür waren andere Dinge hineingewandert. Und von Freitag zu Samstag schliefen wir zum ersten Mal im neuen Zimmer. Es ist eng, da das Zimmer sehr schmal ist, und noch nicht alles ist hundertprozentig praktikabel, aber es ist sehr gemütlich und nun wirklich ein eigenes kleines Reich für die Kleine, die als Zweitgeborene immer das Nachsehen hatte, nicht zuletzt deshalb, weil sie immer bei mir schlafen wollte und keine Notwendigkeit für ein eigenes Zimmer bestand.



Ich bin wirklich froh, dass wir das nun gemacht und geschafft haben und jedes Kind sein eigenes Revier hat. Ja, das war ursprünglich nicht meine Vorstellung und schränkt uns Erwachsene, vor allem mich, noch mehr ein als ohnehin schon. Angst habe ich z.B. vor Krankheiten meinerseits, da ich nun gar keinen Rückzugsort mehr für mich habe. Wir müssen sehen, wie das dann funktioniert. Ich hoffe aber, dass es die schwierige Geschwisterbeziehung etwas entzerrt, der Große mehr Ruhe nach seinem Schulstart hat und die Kleine sich zurückzieht und mehr auf ihr eigenes Spiel besinnt. Ich selbst hatte bis zum 15. Lebensjahr überhaupt kein eigenes Zimmer, da meine Familie zu viert in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit Wohn- und Schlafzimmer lebte, und nein, das war nicht angenehm. Im Nachhinein frage ich mich, warum meine Eltern nicht einfach im Wohnzimmer schliefen und uns beiden Kindern das Schlafzimmer überließen. Aber die Zeiten waren eben anders, und die Bedürfnisse von Kindern weniger wert. Wir haben uns nun so entschieden, gegen unseren ursprünglichen Plan eines gemeinsamen Kinderzimmers, und ich bin gespannt, ob und wie sich das Zusammenleben verändern wird.

Wie ist das bei euch, haben eure Kinder ein gemeinsames oder getrennte Kinderzimmer, wie klappt das und ist es so, wie ihr euch das vorgestellt habt?

Donnerstag, 28. Juli 2016

Das Desinteresse des Großen an seiner Baby-Schwester

Ich lese und höre immer wieder verzückte Berichte, wie sehr kleine Kinder bei der folgenden Schwangerschaft mitfiebern, wie sie sich wünschen und freuen, große Schwester/ großer Bruder zu werden und wie sie nach der Geburt das Baby beknuddeln, umsorgen, die Tätigkeiten der Mama nachahmen (z.B. an Puppen), den Kinderwagen schieben und stolz "ihr" Baby präsentieren. Ich weiß nicht, ob da lediglich einige wenige Momentaufnahmen geschildert werden oder ob das in vielen Familien tatsächlich in diesem Ausmaß der Fall ist. Bei uns war das nämlich nicht so.

Als ich schwanger wurde, war der Große noch nicht mal anderthalb Jahre alt. Natürlich haben wir ihn, je größer der Bauch wurde, auf das Geschwisterchen vorbereitet, ihm Dinge erklärt und gezeigt, mit ihm Bücher wie dies hier gelesen etc. Wir haben ihm gesagt, dass Mama dann ins Krankenhaus geht und er mit Papa allein zuhause ist. Wir haben mit ihm zusammen einige Babysachen wieder hervorgeholt (Spielzeug, Kleidung) und deren Funktion erklärt. Arztbesuche habe ich aber nie mit ihm zusammen absolviert, er hat auch keinen Geschwisterkurs besucht und es wurde nichts in der Wohnung umgeräumt. Sein Kinderzimmer inkl. Wickeltisch für's Baby (er ließ sich nicht mehr darauf wickeln) blieb unverändert, sein Bett behielt er, der Autokindersitz blieb gleich und es gab wirklich kaum Veränderungen in seiner häuslichen Umgebung. Ein neues Beistellbett stellten wir im Schlafzimmer auf, die neue Babyschale kam ins Auto (beides war schon verkauft) und der Kinderwagen wurde um ein Buggyboard erweitert. Ansonsten wollten wir ihm mit so wenig äußerer Veränderung wie möglich Sicherheit und Vertrauen vermitteln, um die unbekannte Situation zu meistern. Für ihn sollte alles gleich bleiben. Zu diesem Zeitpunkt hat ihn jegliche Veränderung total aus der Bahn geworfen.

Man merkte ihm auch nicht an, dass er realisierte, was auf ihn zukam. Er wirkte relativ unbeteiligt und ich kann mich nicht erinnern, dass er mal sein Ohr an meinen Bauch legte oder mit dem Baby sprach. Vielleicht hat er es gemacht, aber wenn, dann so selten und kurz, dass ich es kaum wahrgenommen habe. Er hat auch nie begeistert erzählt, dass er bald großer Bruder wird. Klar, er sprach ja auch noch nicht wirklich viel. Für meine Schwangerschaft interessierte er sich eigentlich nicht, und auch andere Schwangere und Babys lassen ihn bis heute kalt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er nie von selbst gesagt hätte, dass er noch ein Geschwisterchen möchte, so wie man es immer von vielen Seiten hört. Selbst das endgültige Still-Ende während der Schwangerschaft bedeutete für ihn keinen großen Einschnitt, soweit ich das beurteilen kann. Er hörte einfach von einem Tag zum anderen damit auf.

Von den Beschwerlichkeiten der zweiten Schwangerschaft bekam er nicht so viel mit. Übelkeit und Schlappheit sieht man nicht, tragen musste ich ihn weiterhin sehr viel, auch wenn ich immer wieder an ihn appellierte, und als ich in den letzten Wochen oft starke Vor- oder Übungswehen hatte und kurz innehalten musste, stand er einfach still neben mir und wartete. Zum Glück, denn als er mit 2 Jahren anfing, Laufrad zu fahren, wäre er sonst über alle Berge gewesen, während ich unterwegs minutenlang verkrampfte. Als ich wegen Übertragung zum CTG ins Krankenhaus musste, fuhren wir zwar gemeinsam hin, aber mein Mann ging währenddessen mit ihm auf den Spielplatz. Zumindest hatte er so das Krankenhaus schon mal gesehen. Aber er wirkte vor der Geburt insgesamt nicht aufgeregt oder neugierig oder stolz oder unsicher oder eifersüchtig. Er fieberte einfach kaum mit. Allerdings war er auch das erste Kind aus unserem Bekanntenkreis, das ein Geschwisterkind bekam.

Als die Kleine geboren wurde, war er 26 Monate alt. Er kam nach der Kita mit dem Papa zu uns ins Krankenhaus, schaute sich das Baby und mich im Krankenhaushemd kurz an und spielte dann mit seinem Bagger, dem Geschenk des Babys. Klar haben wir auch Aufnahmen, wo er das Baby streichelt, neben ihr im Krankenhausbett liegt oder mein Mann erzählte mir, wie er zuhause abends nach uns fragte. Wirklich süß war, wie sie uns abholten und er wacker mit dem Papa zusammen die Babyschale trug. Insgesamt aber war er relativ zurückhaltend in seinem Interesse für seine Schwester und das setzte sich zuhause fort.



Für das Stillen und Wickeln hat er sich nicht wirklich interessiert, auch nicht, wenn man ihn einbeziehen wollte. Er hat auch nicht meine Handlungen nachgeahmt, wie ich das oft bei anderen Mamas lese und höre. Weder stillte, fütterte, trug, wickelte oder badete er seine Kuscheltiere (für Kuscheltiere hat er sich ja auch nie begeistert) oder seine Babypuppe, die ihm die Großeltern zur Geburt der Schwester schenkten, noch holte er mich, wenn das Baby weinte. Eher saß er in solchen Fällen stumm und unbeteiligt daneben, so wie er auch neben ihr saß, wenn wir spielten, ohne ihr etwas zu zeigen oder sie zu bespaßen. Er hat seine Schwester nie als Subjekt, das er anleiten und beschäftigen könnte, gesehen. Er hat für sich oder mit uns gespielt und sich nicht weiter um sie gekümmert. Nicht groß mit ihr geredet, ihr kein Spielzeug gebracht, sie nicht getröstet, gestreichelt, geknuddelt, abgeknutscht. Sie hat ihn natürlich trotzdem angehimmelt, aber wir fanden das von seiner Seite aus im Vergleich zu anderen Kindern ziemlich wenig Interesse und Begeisterung für das Geschwisterchen. Wenn er von der Kita nach Hause kam, tangierte es ihn nicht, wo die Kleine war. Er hat nie geäußert, dass er auch bei mir schlafen wolle, nur weil die Kleine bei mir schläft. Klar war er erst 26 Monate + alt und noch sehr stark von seinen eigenen Problemen und Unausgeglichenheiten (Autonomiephase) in Beschlag genommen, aber uns erschien sein Desinteresse ungewöhnlich. Allerdings hat er sich eben auch nie - bis heute nicht - für andere Babys interessiert. Vielleicht ist das vergleichbar mit der Tatsache, dass ich keine Baby-Mama bin, wie hier beschrieben.

Je mobiler sie wurde, umso "gefährlicher" wurde sie für ihn und er sah sich genötigt, sein Eigentum zu verteidigen. Er hatte und hat immer noch ein sehr starkes Eigentumsempfinden, auch seiner Schwester gegenüber. Er hat keinen Beschützerinstinkt und keine Lehrmeister-Ambitionen. In der Kita hat sie immer seine Nähe gesucht, er nie ihre, soweit ich das aus Erzählungen der Erzieher beurteilen kann. Er hat selten mit ihr geschäkert oder herumgealbert, sie auch später kaum einmal getröstet. Das setzt sich tendenziell bis heute fort. Wie gesagt, ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich niemals aktiv ein Geschwisterchen von uns gewünscht hätte, so wie man es besonders von Mädchen oft hört. Ich muss ehrlich sagen, dass ich damals enttäuscht von seinem Desinteresse war, weil ich es so anders erwartet und gehört hatte. Damals kannten wir ihn ja auch noch lange nicht so gut wie heute. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass besonders ich immer viel zu hohe Erwartungen zu dem, was eben "normal" ist, an ihn hatte. Irgendwie hat man ja immer die Vorstellung, dass das große Kind das kleine knuddelt und umsorgt. Meine allgemeinen Gedanken über die Geschwisterbeziehung der beiden findet ihr hier.

Eifersucht war übrigens so lange kein Thema, wie sein "System" stimmte, nämlich dass der Papa sich um ihn kümmerte und ich mich ums Baby. Er hatte sich ja in den Wochen vor ihrer Geburt emotional sehr stark an den Papa gebunden. Wenn der Papa in seiner Anwesenheit das Baby nahm, wurde er sehr unleidlich. Wenn alles im Lot war und das Baby bei mir war, war Eifersucht anfangs kaum ein Problem. Das ließ nach ein paar Monaten nach, als er sich mir langsam wieder annäherte und sein "System" aufgeweicht wurde. Danach und mit der zunehmenden Mobilität der Kleinen wurde die Eifersucht etwas sichtbarer. Vor allem die Eifersucht in Hinblick auf das Teilen-Müssen der Aufmerksamkeit. Insgesamt aber war das, was ich seiner Autonomiephase anlaste, schwerwiegender als jegliche Eifersucht und Entthronung, auch wenn sich das natürlich gegenseitig verstärken kann. Man musste bei ihm nie Sorge habe, dass er grob mit der Kleinen ist, ihr bewusst wehtut oder sich zu überschwänglich zeigt. Dafür hat sie ihn einfach zu wenig interessiert.

Wie war oder ist das bei euch, haben eure größeren Kinder in eurer nächsten Schwangerschaft mitgefiebert oder waren sie relativ desinteressiert? Wie haben sie das Baby nach der Geburt aufgenommen? Haben sie euer Verhalten nachgeahmt, waren sie vom Baby begeistert oder war es eher wie bei uns? Sind eure Kinder generell babybegeistert oder dahingehend auch eher leidenschaftslos?

Montag, 16. November 2015

Wenn die Wohnung zu klein wird

Immer, wenn alle vier Familienmitglieder gleichzeitig zuhause sind wie an den Wochenenden, kriege ich Beklemmungen und Platzangst in unserer Wohnung. Es ist mir alles zu eng, zu laut, zu nah und zu direkt. Eigentlich müsste unsere Wohnungsgröße von 90 m² und 4 Zimmern für uns ausreichen. Leider gibt es kaum Rückzugsmöglichkeiten bzw. man hört einfach alles. Alle Zimmer gehen von einem langen Flur ab und haben recht dünne Wände. Als die Kleine z.B. als Baby im Schlafzimmer schlief, konnten wir in der angrenzenden Küche nichts machen, weil es sich anhörte, als würde man im gleichen Zimmer werkeln. Da die Kinder ständig raus und rein gehen oder die Türen eh' offen stehen, ist es immer unruhig und laut. Wenn ich am PC sitze und die Tür zum Arbeitszimmer schließe, dauert es keine 2 Minuten und ein Kind kommt zu mir. Daneben liegt das Kinderzimmer, man hört jeden Mucks. Das Wohnzimmer ist zwar mit einer Schiebetür von der Küche abgetrennt, aber akustisch quasi ein Raum. Es gibt nirgendwo Ecken/ Nischen, wo man sich ein wenig separieren könnte. Die Räume sind bis auf das Kinderzimmer alle recht klein. Der Flur nimmt mit 10 m² schon viel von der bewohnbaren Fläche weg.