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Freitag, 8. Juni 2018

Die erste Kitareise der Kleinen im Mai 2018

Am vergangenen Freitag habe ich meine Kleine von ihrer ersten Kitafahrt abgeholt. Als der Bus kam und die Kinder ausstiegen, mussten viele Eltern ein Tränchen verdrücken. Sehr emotional ist das, wenn dein Kind wiederkommt, nachdem es 4 Tage allein mit den Kitafreunden und Erziehern verreist war. Bei der Kleinen kam hinzu, dass es das erste Mal für sie war und ihre allerengsten Freundinnen nicht mit von der Partie waren. Bisher verbrachte sie lediglich ein Mal 2 Tage und Nächte bei den Großeltern, aber mit dem Großen zusammen. Außerdem hängt sie emotional sehr stark an uns und braucht beispielsweise noch eine deutlich intensivere Einschlafbegleitung, als es beim Großen im gleichen Alter der Fall war. Aber sie wollte diese 4 Tage unbedingt schaffen und war unheimlich stolz, als sie wiederkam.

Der Große war schon ein Jahr früher, nämlich mit 4 1/4 Jahren, zu seiner ersten Kitafahrt aufgebrochen, und wir empfanden damals zwar Vorfreude und Spannung, hegten aber auch viele Bedenken und Sorgen. Die Zeit ohne ihn war gleichzeitig erleichternd und aufwühlend, angenehm und sehr emotional zugleich. Er war damals noch sehr instabil und es war natürlich auch für uns als Eltern die erste solche Erfahrung, von kurzen Großeltern- und Kitaübernachtungen abgesehen. Er hat in den letzten Jahren 3 Kitafahrten mitgemacht und ist von Jahr zu Jahr daran gewachsen. Beim ersten Mal war er nach der Rückkehr ungenießbar und ließ alle unterdrückten Emotionen bei uns zuhause raus. Das war sehr anstrengend, aber es schien ihm trotzdem gefallen zu haben, er hatte Spaß, kein Heimweh und passte sich super in die Gruppe ein. Bei seiner zweiten Kitafahrt waren wir schon gelassener und die Fahrt im Vorschuljahr war emotional gesehen ein Spaziergang. In dieser Zeit seiner Abwesenheit (vor einem Jahr) hatten wir übrigens in der Wohnung umgeräumt und der Kleinen ein eigenes Kinderzimmer eingerichtet. Wir sind also durchaus mittlerweile erfahren, was solche Reisen und Abschiede angeht, aber wie wir alle wissen, sind Kinder verschieden und meine Kinder erst recht.

Die Kita hatte diesmal ein anderes Feriendorf ausgewählt, wo die Wohnverhältnisse etwas anders waren, wodurch pro Bungalow ca. 5 Kinder mit einem/r Erzieher/in untergebracht waren. Es war ebenfalls im Wald und an einem schönen See gelegen. Auch war es etwas näher als das andere Camp, so dass wir im Fall des Falles relativ schnell dort gewesen wären. Und ich rechnete durchaus damit, dass wir die Kleine eventuell abholen müssten. Die Abendsituation hielt ich für sehr labil, da sie das Einschlafen noch nicht ohne direkte Unterstützung schafft, und ich befürchtete auch, dass sie nach 2 Tagen nach Hause will, weil sie dann vielleicht genug gesehen und Sehnsucht nach uns gehabt hätte. Das wäre für uns auch völlig okay gewesen und ich stellte mich darauf ein. Ich wusste aber auch, dass ihr Wille, es zu schaffen, sehr stark war, und ahnte, wie stark diese beiden Pole miteinander ringen würden.

Im Gegensatz zu den Kitafahrten des Großen machte ich mir wenig Sorgen, was ihre Selbstständigkeit und vor allem Selbstfürsorge angeht. Ich wusste, dass sie sich ums Essen und Trinken kümmern würde, wenn sie Hunger und Durst hat, auf's Eincremen und auf Insekten achtet und ihre Bedürfnisse äußert. Sie hat einen guten Orientierungssinn und findet sich schnell in fremden Umgebungen zurecht. Sie sagt, wenn sie traurig ist und holt sich Kuscheleinheiten aktiv. Dass sie nicht klar kommen oder überfordert sein würde, glaubte ich nicht. Aber sie empfindet eine starke Sehnsucht nach ihren liebsten Menschen, braucht viel Körperkontakt und würde sich, denke ich, nicht scheuen, zu sagen, dass sie nach Hause will. Das einzige, was mir Sorgen bereitete, war, dass ihre engsten Freundinnen nicht mit dabei waren.

Am Montag, dem 28. Mai, brachte der Papa morgens die Kinder weg, zuerst den Großen in die Schule und dann die Kleine mit ihrem Koffer in die Kita, wo die Gruppe dann am Vormittag mit dem Bus aufbrach. Obwohl sie in den Tagen davor immer Probleme beim Abgeben hatte und oft weinte, biss sie diesmal die Zähne zusammen und marschierte in den Kitagarten hinein. Sie hatte sich ja auch gefreut und stand zuhause schon um 7 Uhr fertig angezogen in der Tür. Die Kitafahrer hatten in den 4 Tagen wunderbares, heißes Wetter und waren die meiste Zeit am See und im Feriendorf. Leider gab es anscheinend nicht so viel Programm wie auf den Kitafahrten des Großen (Kutschfahrt, "Nachtwanderung"), aber vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Eine Kinderdisco fand viel Anklang und ansonsten war der See natürlich der Hit. In der Wochenmitte wurden die Postkarten der Eltern verlesen. Dazu erzählte mir die Kleine, dass sie da geweint hätte und Sehnsucht bekommen hat. Ja, das gehört auch dazu. Am letzten Tag wurde alles eingepackt und am Freitag Mittag stiegen knapp 40 fröhliche, stolze und geschaffte Kinder aus dem Bus aus.

Eine Erzieherin raunte mir noch am Bus zu, wie toll und selbstständig die Kleine gewesen sei und dass sie alles super mitgemacht habe. Natürlich habe ich mich einige Tage später auch mit anderen Erzieherinnen ausgetauscht und alle bestätigten mir, wie großartig sie diese Herausforderung gemeistert hat und wie sie über sich hinaus gewachsen ist. Insgesamt hat die Gruppe toll zusammengehalten und viel Spaß gehabt. Phantastisch und eine sehr bereichernde Erfahrung für alle (wenn auch in meinen Augen 1-2 Tage zu lang).

Der Große und ich spielten an einem Nachmittag ganz in Ruhe und ausgiebig Tischtennis im Park, was mit der Kleinen zusammen kaum möglich ist. Das genoss er sehr. An einem Nachmittag war er bei Freunden und an einem anderen Nachmittag holte ihn der Papa ab, so dass ich durchaus auch ungewöhnlichen Freiraum in dieser Woche hatte. Diesmal wurde auch nichts in der Wohnung umgeräumt;-). Ich genoss die Ruhe und Konfliktfreiheit der Ein-Kind-Situation, gleichzeitig dachte ich viel an die Kleine und wie es ihr wohl ergehen würde.

Als sie wieder bei uns war, wirkte sie zwar geschafft, aber durchaus zufrieden und unheimlich stolz. Sie erzählte von sich aus einige Begegebenheiten, nicht übermäßig viel, aber deutlich mehr als der Große seinerzeit. Der größte Unterschied war aber, dass keinerlei Verarbeitung oder Kompensation nötig schien. Weder ließ sie unterdrückte Emotionen an uns aus noch mussten wir sie auffangen und wieder in die Spur kriegen. Sie war fröhlich, ausgeglichen und mit sich und der ganzen Sache im Reinen. Lediglich, als der Papa kam und sich nicht sofort ausführlich um sie kümmerte, fing sie bitterlich an zu weinen. Aber auch hier ließ sie sich schnell wieder trösten, als ich ihr Problem verbalisierte. Sie hat wirklich ein ganz anderes Wesen als der Große und ihre Art, mit solchen Situationen umzugehen, ist sehr verschieden von seiner. Obwohl ihr Verhalten uns ja in den letzten anderthalb Jahren oft wahnsinnig herausgefordert hat, empfinde ich ihre Fortschritte, Veränderungen und Entwicklungen immer noch als "smoother" als beim Großen. Das ist sehr spannend.

Ich freue mich jedenfalls sehr, dass es ihr gefallen hat und sich ihre Überwindung (denn das war es mit Sicherheit) gelohnt hat. Im nächsten Jahr möchte sie wieder mitfahren - dann als Vorschulkind kurz vor ihrer Einschulung. Und hoffentlich mit ihren engsten Freundinnen zusammen. Denen sie dann alles zeigen wird. Als "alter Kitafahrt-Hase":-).

Freitag, 26. Januar 2018

Wenn mein Großer glücklich ist

Ich liebe es, mit dem Großen allein unterwegs zu sein. Etwas gemeinsam zu entdecken, Zeit zum Reden zu haben und mich ganz und gar auf ihn konzentrieren zu können. Ihm interessante Dinge aus der Geschichte und Gegenwart zu erzählen und seine Fragen zu beantworten. Ihm die Ruhe zum Überlegen geben zu können und selbst Muße zu haben, mich auf seine Gedanken einzulassen. Ihn anzuschauen und mich exklusiv um ihn kümmern zu können, ohne dass von der Seite jemand verbal oder physisch an mir zerrt. Mir bewusst zu werden, was für ein großer Junge er schon ist und wie toll man sich mit ihm schon austauschen kann. Das ist wunderbar und ich brauche das total.

Auch er liebt es unglaublich, die volle Aufmerksamkeit eines Erwachsenen zu haben. Er braucht die Gelegenheit, seine Gedanken ungestört entwickeln und auch äußern zu können. So oft wird dazwischengeredet, so oft muss er unterbrechen und warten, so oft hat er dann verständlicherweise keine Lust mehr zu erzählen. Wenn man sich ihm ganz und gar widmet, sich auf ihn einlässt und exklusiv für ihn da ist, ist er das glücklichste Kind. Dann hört er intensiv zu, wenn man ihm etwas Spannendes erzählt, saugt alles auf und kann Dinge reproduzieren die man ihm vor langer Zeit mal nahegebracht hat. Er ist kein aktives und exploratives Kind, nein, er hat bisher kaum den Drang, sich selbst Wissen anzueignen oder etwas Neues auszuprobieren. Aber er ist ein sehr freudiger und dankbarer Empfänger von Aufmerksamkeit und Zuwendung. Es tut ihm unheimlich gut, in der direkten Interaktion mit einem Erwachsenen im Mittelpunkt zu stehen, ja, eigentlich entfaltet er sein Potential erst dann so richtig.

An einem der letzten Wochenenden war die Kleine auf einem Kindergeburtstag eingeladen und wir mit dem Großen allein. Da das sehr selten vorkommt, wollte ich unbedingt etwas mit ihm unternehmen, was wir mit der Kleinen im Schlepptau keinesfalls machen können. Meine ursprünglichen Vorhaben scheiterten nach vorheriger Recherche am Alter (eine Unternehmung war ab 7 Jahre, er wird erst im März 7) und an den zu kurzen Öffnungszeiten nach Ablieferung der Kleinen beim Geburtstag. Da wir sowieso zu dritt erst in ein schwedisches Möbelhaus wollten, um ein neues Sofa für den Großen und einen Schreibtisch für die Kleine zu kaufen, suchte ich nach Zielen in der Umgebung. Und so verschlug es uns ins Stasi-Museum Berlin, der ehemaligen Zentrale des MfS der DDR.

Das ist ja nun für Kinder eigentlich ein völlig unattraktiver Ort, mit den alten, original belassenen Einrichtungsgegenständen, den textlastigen Ausstellungsräumen und dem "schweren", nicht greifbaren Thema. Mit der Kleinen könnte man dort keine 10 Minuten verbringen, bis sie die Flucht ergreifen würde. Mit dem Großen sind wir eine Stunde durch die Ausstellung gestreift, haben ihm altersgerecht ausgewählte Details aus unserer Geschichte erklärt und seine Fragen beantwortet. Er war sehr interessiert und hat alles aufgesaugt. Sicherlich versteht er die großen Zusammenhänge und das Ausmaß dieser Vorgänge noch nicht, aber das, was wir ihm erzählt und gezeigt haben, hat er schon gut verarbeitet. Für mich ist es total toll, so ein großes Kind neben mir zu haben und ihn ein wenig am Wissen über die Welt teilhaben zu lassen. Und für ihn war es endlich mal ein Nachmittag mit der vollen Aufmerksamkeit beider Elternteile, ohne Störungen, ohne Aufregung, ohne Nervpotential. Seine Augen glänzten und er war total glücklich, das merkte man deutlich. Es bedeutet mir unheimlich viel, ihn so zufrieden zu sehen, und ich weiß, was ihm im Alltag fehlt.

Er braucht keine kleine Schwester, er braucht Erwachsene, die für ihn da sind, die sich exklusiv um ihn kümmern, die ihn nicht als Kind sehen, sondern ernst nehmen. Er braucht keine Streitereien, kein Kämpfen um die Eltern, keine Eifersüchteleien, er braucht Aufmerksamkeit, Zuwendung und Ernsthaftigkeit. Exklusiv. Und genau das ist natürlich nur bedingt möglich, wenn es ein Geschwisterkind gibt, noch dazu ein jüngeres. Umso mehr genieße ich, genießt er die rare Zeit, wenn er mal allein mit uns ist. Er wirkt dann immer so selig. Und auch für mich sind diese Momente meist wunderschön und bleiben in Erinnerung. Die erste (kurze) Exklusivzeit nach der Geburt der Kleinen, Fahrradausflüge und Museumsbesuche zu zweit und vor allem unsere gemeinsame Mutter-Kind-Kur sind einige Beispiele für schöne Zeiten mit ihm allein. Diese haben wir ihm auch immer wieder ermöglicht. Ich konnte ihn sogar schon einmal 4 Stunden mit auf meine Arbeit nehmen, als die Schule geschlossen war. Das wäre mit der Kleinen noch undenkbar. Auf der Kur habe ich allerdings auch gemerkt, dass ihm gleichaltrige Freunde fehlen, wenn er nur eine erwachsene Bezugsperson hat. Als ich begann, das Zueinanderfinden der Vorschulkinder zu forcieren, ging es ihm gleich viel besser. Das war seinerzeit eine neue Erfahrung für mich, weil ich das von ihm noch nicht kannte.

Es kommt jedoch nur äußerst selten vor, dass er beide Eltern parallel für sich allein hat, da die Kleine bisher nur selten abwesend war. Da wundert es nicht, dass er sich schon jetzt auf die 4 Tage freut, wenn sie bald zum ersten Mal auf Kitafahrt sein wird. Denn während er schon früh seine Freunde besucht hat und zumindest in den letzten 3 Jahren mehrfach ein paar Tage verreist war, ist sie gefühlt für ihn immer da. Also immer, wenn er auch da ist. Deshalb freue ich mich für ihn, dass es nun so langsam losgeht und sie ab und zu weg ist. Denn dann kann man ihm genau das geben, was er so essentiell braucht: Konzentration, Aufmerksamkeit, Exklusivität.

Ich mag es sehr, mich mit ihm zu unterhalten und ihm meine Gedankenwelt oder Themen aus Geschichte und Gegenwart nahezubringen. Ich mag es sehr, etwas mit ihm zu unternehmen und gemeinsame Erlebnisse zu sammeln. Ich staune, wie er überlegt und was er aufsaugt. Ich sehe gerührt seine glücklichen, strahlenden Augen und wie er den Moment auskosten will. Ich freue mich darüber, ihn ab und zu auch mal von dieser Seite kennenzulernen und zu erleben, so ausgeglichen und fröhlich. Ich genieße dann den Austausch mit ihm und merke, wie groß mein Großer nun schon ist, mit seinen fast 7 Jahren. Und wie glücklich er sein kann, wenn er mit Aufmerksamkeit bedacht und ernst genommen wird. Ich möchte ihm viele solcher Momente ermöglichen. Denn auch ich speichere mir diese Momente tief in meiner Erinnerung ab: wenn mein Großer glücklich ist!

Sonntag, 26. November 2017

Die erste Kita-Übernachtung der Kleinen

Die Kleine, die sehr lange Zeit ohne mich nicht einschlief, geschweige denn die ganze Nacht ohne mich geschafft hätte, hat nun tatsächlich zum ersten Mal allein auswärts geschlafen. In unserer Kita werden mehrmals im Jahr Kita-Übernachtungen veranstaltet, die natürlich völlig freiwillig sind, aber von vielen Kindern geliebt werden. Ich selbst finde die Idee an sich schön, stehe aber einer sehr frühen Übernachtung eher skeptisch gegenüber und halte es eigentlich für überflüssig, so kleine Kinder nach der anstrengenden Kitawoche noch dem Stress einer Fremd-Übernachtung auszusetzen. Aber für viele Kinder ist das ein absolutes Highlight und auch die meisten Eltern sind begeistert.

Als die Kleine noch im kleinen Elementarbereich war, haben wir sie nie für eine Kita-Übernachtung eingetragen. Das war uns einfach noch zu früh und es hätte wahrscheinlich auch nicht funktioniert.  Nun ist sie 4 1/2 Jahre alt, kann seit ca. einem Jahr ohne mich einschlafen und hat in diesem Jahr mehrfach, u.a. bei meiner Mutter-Kind-Kur, gezeigt, dass sie auch nachts ohne mich auskommt. Eine auswärtige Übernachtung hielt ich trotzdem lange für sehr heikel, denn sie benötigt viel Körperkontakt und hat am liebsten jemanden, der direkt neben ihr schläft. Sie hat auch noch nie bei den Großeltern übernachtet, was der Große ab 3 1/4 Jahre gemacht hat. Trotzdem wollten wir es nun zum ersten Mal mit einer Kita-Übernachtung probieren; einerseits wollte sie selbst gern und außerdem wird sie nächstes Jahr mit auf die Kitareise fahren, so dass man es schon vorher mal testen muss. Wäre es schwierig geworden, sind wir in 10 Minuten an der Kita und hätten sie abgeholt. Darauf haben wir uns auch eingestellt.

Der Große hat zweimal an Kita-Übernachtungen teilgenommen, die ihn so überfordert haben, dass er beide Male anschließend eine Woche krank war. Und er ist kein Kind, was oft krank wird, und selbst wenn, dann ist er meist nach 2 Tagen wieder fit. Das war für uns sehr ernüchternd und anstrengend, solch eine Quote hat für uns keinen Sinn gemacht. Hier könnt ihr über seine erste Kita-Übernachtung nachlesen und hier über die zweite. Da es bei den Kitafahrten und Großelternübernachtungen keine Probleme mit ihm gab, haben wir nach diesen Malen auf Kita-Übernachtungen für ihn verzichtet. Das hat er problemlos akzeptiert und wir sind mit dieser Entscheidung glücklich gewesen.

Nun sollte die Kleine es mal versuchen. Der Mann holte die Kinder am Freitag ab und brachte sie beizeiten nach Hause, damit die Kleine sich noch ein wenig ausruhen konnte. Ich hatte damit gerechnet, dass wir sie nicht wieder loseisen würden können, aber sie schnappte sich ihren Rucksack, sagte fröhlich, sie wolle jetzt losgehen und wurde vom Mann um 18 Uhr wieder in die Kita gebracht bzw. davor abgegeben. Und dann konnten wir nur abwarten.

Da das Motto der Übernachtung "Tiere" war, hatte sie ein Pandakostüm dabei, was ich mir von einer Freundin ausgeliehen hatte. Die Kinder aßen in der Kita Abendbrot, dann wurde ein Film geschaut und irgendwann scheinen alle geschlafen zu haben. Am nächsten Morgen wurde gefrühstückt und um 9:30 Uhr durften die Kinder wieder abgeholt werden. Es war sehr süß, wie alle fertig angezogen und mit stolzen Gesichtern die Treppe herunter kamen. Auch meine Kleine war sehr sehr stolz, dass sie es geschafft hatte, und ich muss sagen, dass sie mich damit ein bisschen überrascht hat. Also, ich habe schon geglaubt, dass sie es schaffen könnte, wusste aber nicht, ob sie wirklich wollte oder sich nicht doch lieber nach Hause sehnen würde. In ganz kleinen Schritten entwickelt sich das Thema "Schlafen ohne Mama" bei ihr weiter und manchmal muss man eben auch etwas probieren, um zu sehen, ob es schon funktioniert. Gut gemacht!

Am Samstag wirkte sie völlig normal, weder überdreht noch verwirrt. Sie erzählte auf Nachfrage einiges von der Übernachtung und wollte das unbedingt wiederholen. Nicht einmal besonders müde wirkte sie, das war beim Großen anders gewesen. Dennoch bestanden wir auf einem Mittagsschlaf, den sie eigentlich seit einem Jahr nicht mehr hält, und sie schlief auch anderthalb Stunden. Das hatte allerdings zur Folge, dass sie am Abend sehr lange brauchte, um einzuschlafen. Als sie endlich eingeschlafen war und ich mich rausschleichen wollte, wachte sie wieder auf. Das kommt sonst nie vor! Der Mann legte sich dann nochmal mit ihr hin, bis sie fest schlief. Doch auch dann wachte sie nach einer halben Stunde wieder auf, weinte und klammerte sehr, bis sie wieder eingeschlafen war. Ich denke schon, dass solche Herausforderungen ihr ziemlich viel abverlangen, auch wenn man ihr äußerlich nichts anmerkt. Ich weiß mittlerweile auch aus der Erfahrung mit dem Großen, dass es immer irgendwelche Nachwirkungen gibt. Je nachdem, wie groß diese ausfallen, wird man ein Experiment nochmal oder nicht mehr stattfinden lassen.

Ich bin sehr stolz auf sie und freue mich, dass sie die Kita-Übernachtung so gut gemeistert hat. Die nächste Herausforderung wird sein, sie mal bei den Großeltern schlafen zu lassen. Mal sehen, wann es dazu kommen wird. Schritt für Schritt geht der Abnabelungsprozess weiter, in ihrem Tempo, mit unserer Unterstützung, mit Herausforderung und Sicherheit. So wie sie es braucht.

Freitag, 23. Juni 2017

Die dritte Kitareise des Großen im Juni 2017

Zum dritten und letzten Mal vor seiner Einschulung war der Große nun für 4,5 Tage auf Kitafahrt, und diesmal waren wir alle schon so erfahren und sicher, dass wir keine Bedenken hegten und wussten, dass alles klappen würde. Bei seiner ersten Kitafahrt war er 4 1/4 Jahre alt gewesen, also ungefähr so alt wie die Kleine jetzt, und ich hatte damals große Bauchschmerzen, sowohl vorher als auch während dieser Woche. Bei seiner zweiten Fahrt war er ein Jahr älter, und nun ist er 6 1/4. Ursprünglich hatten wir gehofft, dass die Kleine schon mitfahren würde, was ich super gefunden hätte, aber da sie erst im August in den großen Elementarbereich wechselt, wird ihre erste Kitafahrt erst nächstes Jahr sein, wenn der Bruder schon in der Schule ist. Der Große hatte zwar vorher ein Mal kurz gesagt, dass er nicht mitfahren wolle, weil sein bester Freund nicht mit dabei war, der im gleichen Zeitraum mit seinen Großeltern in den Urlaub geflogen ist. Aber mit Verweis auf seine anderen Freunde verflog das schnell wieder.

Am Montag 12. Juni 2017 verabschiedeten wir ihn morgens in der Kita, wo die Gruppe der teilnehmenden Kinder gegen 9 Uhr mit einem großen Bus losfuhr. Es ging wieder in das schon vertraute Ferienlager an einen See südöstlich von Berlin. Diesmal schlief der Große in einem Zimmer mit 8 Jungen zusammen, da will ich mir gar nicht vorstellen, was da manchmal los war. Sie machten wieder eine Waldwanderung, eine Kinderdisco, einen Kinoabend und eine Nachtwanderung. Den wärmsten Tag verbrachten sie komplett am und im See. Die Eltern hatten vorher wieder eine Karte abgegeben, die den Kindern in der Mitte der Woche vorgelesen wurde. Leider verschwand diese Karte diesmal, was noch nie vorkam. Auch gab es diesmal so gut wie gar keine Fotos und Informationen über die WhatsApp-Gruppe, was die Erzieher schon vorher angekündigt hatten, da es im letzten Jahr Beschwerden von Eltern gegeben hatte, weil einige Kinder oft und andere gar nicht zu sehen waren. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln...

Wir hatten eine ziemlich arbeitsintensive Woche, da wir in der Wohnung umräumten und der Kleinen ein eigenes Kinderzimmer einrichteten. So vergingen die Tage wie im Flug. Morgens waren die Kleine und ich allein, das war total entspannt und eine herrliche Abwechslung zum sonstigen Morgenterror, zu dem der Große nicht unwesentlich beiträgt. Auch nachmittags und abends war es erholsam mit nur einem Kind. Ich muss immer wieder sagen, ich mag es sehr gern und es bekommt mir besser, Ein-Kind-Mama zu sein, und es ist egal, mit welchem Kind ich zusammen bin, es ist immer deutlich entspannter in der 1:1-Situation. Das war auf der Mutter-Kind-Kur mit dem Großen so, und diesmal mit der Kleinen auch wieder.

Am Freitag gegen 12 Uhr holte der Mann den Großen wieder vom Bus ab. Er wirkte fröhlich und gut gelaunt und staunte zuhause über das neue Kinderzimmer der Kleinen. Als ich am Nachmittag nach Hause kam, begrüßte er mich kurz und holte dann mit dem Mann die Kleine von der Kita ab. Wie in den letzten Jahren erzählte er in den folgenden Tagen kaum etwas von sich aus, ich musste ihm alles aus der Nase ziehen. Aber er wirkte zufrieden und ausgeglichen und das freute mich sehr. Nach seiner ersten Kitafahrt war er ja sehr motzig wiedergekommen und musste viel kompensieren. Man sieht also deutlich, dass er eine gute Entwicklung gemacht hat. Allerdings kennt er seine Freunde und Erzieher nun schon viele Jahre, ist gut integriert und beliebt und fühlt sich sicher. Ich denke, seine erste Klassenfahrt in der Schule wird erstmal wieder schwieriger werden.

Am Samstag Vormittag haben der Große und die Kleine relativ lange und störungsfrei im neuen Kinderzimmer der Kleinen gespielt, zwar nicht wirklich zusammen, sondern nebeneinander, aber immerhin. Leider blieb es bisher bei diesem einen Mal und spätestens ab Sonntag war alles beim Alten, inkl. ständigen Streitereien, Ärger und Frust im Garten. In der neuen Woche wollte er noch weniger als sonst in die Kita gehen, was mich wunderte, denn wenn die Kitafahrt so schön war, müsste er doch gern seine Freunde und Erzieher wiedersehen wollen. Aber er meinte, es sei wie Urlaub gewesen und nach dem Urlaub geht er eben nicht gern wieder in die Kita (er verlässt generell nicht gern die Wohnung).

Ich muss sagen, dass ich diesmal wirklich tiefenentspannt und nicht so emotional beteiligt war wie die letzten beiden Male. Sorgen habe ich mir keine mehr gemacht, ich hatte nur Angst vor der Rückkehr und der erneuten konfliktreichen Geschwisterkonstellation, die einen sehr negativen Einfluss auf mein Wohlbefinden hat. Ich war sehr froh, dass er ausgeglichen wiederkam und es ihm gefallen hat. Während in anderen Kitas die Vorschulkinder erstmals auf Kitareise fahren, war es für ihn die dritte - und letzte - Kitafahrt. Nun, wo er und wir uns gerade sicher genug fühlen, endet es wieder. Als nächstes kommt dann eine Klassenfahrt. Hoffentlich erst, wenn er sich in der neuen Schulumgebung eingelebt hat.

Mit seiner Bezugserzieherin habe ich auch nochmal unter vier Augen gesprochen und sie bestätigte mir, dass der Große sich wohlgefühlt hat, fröhlich und ausgeglichen war und alles gut mitgemacht hat. Und keine seiner derzeitigen Vorschulpubertäts-Anwandlungen gezeigt hat, unter denen wir zuhause im Moment, z.B. in unserem Frühlingsurlaub, manchmal arg leiden. Nun geht es wirklich unaufhaltsam und mit großen Schritten auf die Schule zu. Und im nächsten Jahr wird die Kleine (hoffentlich) auf Kitafahrt gehen. Ich bin gespannt!

Montag, 19. Juni 2017

Ein eigenes Kinderzimmer für die Kleine

Manchmal muss man sich von Vorstellungen verabschieden, an die man geglaubt hat, die sich aber nicht bewährt haben. Ich war z.B. lange Zeit ein überzeugter Verfechter eines gemeinsamen Kinderzimmers für meine beiden Kinder. Erstens deshalb, weil wir einfach wenig Platz in unserer 90 qm-Wohnung haben, aber auch weil ich denke, dass Kinder in einem gemeinsamen Kinderzimmer viele soziale Fähigkeiten wie Rücksichtnahme und Anpassungsfähigkeit lernen können. Das setzt aber voraus, dass sich die Kinder auch verstehen, zusammen spielen können und aneinander hängen. Bekanntlich ist das bei meinen Kindern nicht unbedingt der Fall, sie sind sehr verschieden und behindern sich eher gegenseitig, als gemeinsam zu spielen. Hier habe ich über ihre Geschwisterbeziehung geschrieben. Wir hatten die Hoffnung, dass sie sich durch ein gemeinsames Kinderzimmer annähern würden. Stattdessen sind dadurch erst viele Konflikte entstanden.


Als die Kleine ein Jahr alt war (Mai 2014), räumten wir die Wohnung um und richteten für beide ein gemeinsames Spielzimmer ein, in dem der Große auch schlief. Die Kinder bekamen das mit 20 qm größte Zimmer der Wohnung und wir schränkten uns etwas ein. Die Kleine schlief weiterhin bei mir, später stellten wir ihr Kinderbett zwar auch ins Kinderzimmer, aber sie wollte trotzdem weiterhin nur bei mir schlafen. Nach und nach kamen ihre Spielsachen dazu, zu Weihnachten 2015 auch ein Hochbett und es wurde immer als gemeinsames Kinderzimmer von uns proklamiert. Sie ging auch zum Spielen hinein, aber ich glaube, sie fühlte sich trotzdem immer wie ein Gast darin. Gefühlt war es das Zimmer des Großen, obwohl beide Namen an der Tür standen. Als die Kleine vor kurzem die ersten Gastkinder hatte, fragten diese gleich, wo denn ihr Zimmer sei. Da sie auch viel im Wohnzimmer spielte, vor allem, als sie noch kleiner war, befanden sich im Wohnzimmer einige größere Spielzeugsachen. Ihr Besitz war also überall verteilt und sie hatte keine richtige Anlaufstelle in der Wohnung. Früher war das kein Problem, aber je älter sie wurde, umso komischer wurde das.

Dazu kommt, dass die beiden wirklich überhaupt nicht miteinander spielen können. Leider beschäftigen sie sich aber auch nicht einzeln nebeneinander, sondern kleben aneinander, nerven, ärgern und piesacken sich. Die Kleine möchte gern mit dem Großen spielen und erwartet, dass er sich mit ihr abgibt. Der Große hat noch nie wie ein "normales" Kind gespielt und erwartet Bespaßung von einem Erwachsenen. Die Kleine stört ihn eher bzw. setzt ihn unter Druck mit ihrer Erwartungshaltung. Sind beide zusammen im Kinderzimmer, dauert es keine Minute, bis es Geschrei gibt. Die Kleine zetert, der Große ist genervt und wir müssen einschreiten und sie trennen. Das stresst uns unheimlich und schafft viel Unfrieden. Früher haben wir noch gedacht, das wird schon noch und sie werden sich zusammenraufen. Wir hatten auch die Hoffnung, das gemeinsame Kinderzimmer würde dazu beitragen. Nach nun 3 Jahren haben wir den Versuch aufgegeben.

Wenn der Große im September in die Schule kommt, wird er nachmittags sicher ziemlich kaputt sein und seine Ruhe brauchen. Die Kleine wird ihn stressen, wenn sie im Kinderzimmer spielt und er Hausaufgaben machen will. Ich werde nur damit beschäftigt sein, die beiden auseinanderzuhalten. Der Große möchte, wenn er seinen Freund zu Besuch hat, die Tür zum Kinderzimmer schließen. Die Kleine möchte mitspielen. Die Kleine möchte auch Besuch empfangen und ihr Spielzeug an einem Ort präsentieren, anstatt es in verschiedenen Zimmern zusammenzusuchen. All diese Überlegungen und Erfahrungen brachten mich dazu, ein eigenes Kinderzimmer für die Kleine in Betracht zu ziehen. Und da wir nur 4 Zimmer haben (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Arbeitszimmer), gab es nur die Möglichkeit, das Schlafzimmer (11 qm) aufzulösen bzw. umzuwandeln, wo die Kleine und ich bis jetzt zusammen geschlafen hatten und was nur nachts genutzt wurde. Alle anderen würden dadurch nicht beeinträchtigt. Da es auch weiterhin ihr Wunsch ist, dass ich bei ihr schlafe, konnte das auch genauso gut ihr Kinderzimmer werden, in dem ich dann eben mit schlafe. Ich brütete ein paar Monate über dieser unkonventionellen Variante, aber es gab keine andere Lösung. Auch wollte ich es nicht soweit kommen lassen wie bei einem Freund von meinem Großen, der vor kurzem die Spielsachen seiner kleinen Schwester aus "seinem" Kinderzimmer rausgeschmissen hat. Also suchte ich ein entsprechendes Bett für das schmale Zimmer, überlegte, welche Möbelstücke und welches Spielzeug zu ihr wandern würden und überzeugte den Rest der Familie.

In der vergangenen Woche war der Große auf Kitafahrt und das war eine gute Gelegenheit für die Umräum-Aktion. Denn die Kleine und ich konnten in diesen Tagen in seinem Kinderzimmer schlafen, ebenso konnten wir dort Möbel zwischenlagern, der Mann konnte abends im Zimmer werkeln, da nur ein Kind zu Bett gebracht werden musste, und alles war stressfreier als mit zwei Kindern. Zwei Tage vorher kauften wir noch Wandfarbe und einen neuen Teppichboden, was gar nicht so einfach war. Am Montag verabschiedete sich der Große auf Kitafahrt, den Rest der Woche brachte ich die Kleine in die Kita und holte sie auch ab, damit der Mann früh auf seiner Arbeit anfangen und nachmittags in der Wohnung werkeln konnte. Es war eine arbeitsreiche (vor allem für den Mann), aber nervlich unanstrengende Woche, da es mit einem Kind hier immer deutlich ruhiger ist. Die Kleine und ich machten uns morgens in aller Ruhe fertig, wo sonst immer Familienchaos und Stress vorherrschen. Auch die Nachmittage waren recht entspannt mit ihr und abends war eben nur ein Kind ins Bett zu bringen.

Die Kleine staunte jeden Tag darüber, was passierte, und wie ihr Zimmer immer mehr Formen annahm. Es war echt süß, wie sie sich freute, mithalf und alles in Beschlag nahm. Ich glaube, sie merkte dann erst selbst, wieviele Spielsachen ihr gehörten, waren diese doch früher überall verstreut. Den letzten Handschlag machte der Mann tatsächlich erst am Freitag Vormittag, bevor er den von seiner Kitafahrt zurückkehrenden Großen mittags vom Bus abholte. Als dieser nach Hause kam, staunte er nicht schlecht. Alles, was der Kleinen gehörte, war nun aus seinem Kinderzimmer raus, dafür waren andere Dinge hineingewandert. Und von Freitag zu Samstag schliefen wir zum ersten Mal im neuen Zimmer. Es ist eng, da das Zimmer sehr schmal ist, und noch nicht alles ist hundertprozentig praktikabel, aber es ist sehr gemütlich und nun wirklich ein eigenes kleines Reich für die Kleine, die als Zweitgeborene immer das Nachsehen hatte, nicht zuletzt deshalb, weil sie immer bei mir schlafen wollte und keine Notwendigkeit für ein eigenes Zimmer bestand.



Ich bin wirklich froh, dass wir das nun gemacht und geschafft haben und jedes Kind sein eigenes Revier hat. Ja, das war ursprünglich nicht meine Vorstellung und schränkt uns Erwachsene, vor allem mich, noch mehr ein als ohnehin schon. Angst habe ich z.B. vor Krankheiten meinerseits, da ich nun gar keinen Rückzugsort mehr für mich habe. Wir müssen sehen, wie das dann funktioniert. Ich hoffe aber, dass es die schwierige Geschwisterbeziehung etwas entzerrt, der Große mehr Ruhe nach seinem Schulstart hat und die Kleine sich zurückzieht und mehr auf ihr eigenes Spiel besinnt. Ich selbst hatte bis zum 15. Lebensjahr überhaupt kein eigenes Zimmer, da meine Familie zu viert in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit Wohn- und Schlafzimmer lebte, und nein, das war nicht angenehm. Im Nachhinein frage ich mich, warum meine Eltern nicht einfach im Wohnzimmer schliefen und uns beiden Kindern das Schlafzimmer überließen. Aber die Zeiten waren eben anders, und die Bedürfnisse von Kindern weniger wert. Wir haben uns nun so entschieden, gegen unseren ursprünglichen Plan eines gemeinsamen Kinderzimmers, und ich bin gespannt, ob und wie sich das Zusammenleben verändern wird.

Wie ist das bei euch, haben eure Kinder ein gemeinsames oder getrennte Kinderzimmer, wie klappt das und ist es so, wie ihr euch das vorgestellt habt?

Montag, 20. Juni 2016

Die zweite Kitareise des Großen im Juni 2016

Letzte Woche war der Große auf seiner zweiten Kitareise, wieder von Montag bis Freitag, wieder in dem gleichen Feriencamp am See wie letztes Jahr. Hier könnt ihr nachlesen, wie die erste Kitareise verlaufen ist und welche Gedanken und Gefühle ich in der Woche hegte. Nun war er ein Jahr älter, viel bewusster und wusste wenigstens zum Teil, was ihn erwartet. Ich habe in den Wochen vorher immer wieder versucht, ihm leichte Strategien mitzugeben, wie er sich aus zuviel Trubel zurückziehen kann, ihn gebrieft, sich an die Erzieher zu wenden, wenn ihn irgendwas bedrückt, schmerzt oder ärgert, und auch mit seiner Bezugserzieherin kurz die heiklen Punkte besprochen (z.B. dass er sich dort mittags unbedingt ausruhen soll). Zwar war er im Vergleich zu vielen seiner Kitafreunde sehr verhalten in der Vorfreude auf die Reise, aber wenigstens hat er nicht gesagt, dass er nicht mitfahren will.

Am Montag brachte mein Mann die Kinder wie üblich zu 8:15 Uhr in die Kita, die Koffer wurden abgestellt, die Kinder verabschiedet, und gegen 9 Uhr sollte dann schon der Bus mit den großen Kindern losfahren. Informationen und Fotos bekamen wir wie letztes Jahr von der Bezugserzieherin über die WhatsApp-Gruppe. Das Camp befindet sich ca. 1h von uns entfernt, die Kinder konnten also schon dort mittagessen. Am Nachmittag wurde sich ausgetobt und eingelebt.

Am Dienstag stand das Pferd im Mittelpunkt, eine Kutschfahrt war organisiert worden, bei der der Große auf Fotos vorn neben dem Kutscher saß, weil er der Größte in seiner Gruppe ist, und die Kinder durften auf Ponys reiten. Außerdem wanderten sie um den See und fielen erledigt in die Betten. Am Mittwoch regnete es leider und die Gruppe hielt sich drinnen auf, bastelte, spielte und studierte spielerisch ein Tanzstück ein. Die heimlich mitgegebenen Postkarten der Eltern an die Kinder wurden vorgelesen und sie waren ganz stolz. Die geplante Nachtwanderung musste leider ausfallen, aber es gab eine Kinderdisco. Am Donnerstag bekamen wir keine Informationen, das Wetter war aber warm und trocken und die Kinder waren vormittags im Wald und konnten nachmittags am See spielen.

Unsere Postkarte für den Großen

Am Freitag regnete es in Strömen und die Kinder kamen gegen 11:30 Uhr mit dem Bus wieder an der Kita an. Mein Mann holte den Großen ab und schickte mir Fotos und Kurzberichte von einem zufrieden und ausgeglichen wirkenden Jungen auf die Arbeit. Das beruhigte mich ungemein, war er doch letztes Jahr direkt nach der Rückkehr und die folgenden Tage ziemlich nörgelig, angriffslustig und unausgeglichen gewesen. Er baute freudestrahlend sein Lego-Rückkehr-Geschenk zusammen und begrüßte mich dann mit sanften Augen, aber wie immer überhaupt nicht anschmiegsam, als ich von der Arbeit kam. Auch die Kleine wurde, als sie aus der Kita kam, zwar wahrgenommen, aber keiner inniglichen Begrüßung unterzogen. Naja, so ist er halt. Wenigstens gab es an dem Nachmittag und Abend keinen Geschwisterzoff, sondern es war relativ ruhig, zwar lebhafter als mit einem Kind, aber entspannt im Vergleich zu sonst.

Auch am Wochenende war der Große trotz Halsschmerzen extrem fröhlich, zufrieden, gut gelaunt und sehr verträglich. Am Samstag Vormittag spielten die Kinder allein bzw. zusammen sehr lange und vor allem - sehr ungewöhnlich - fast konfliktfrei. Das fühlte sich so an, wie es eigentlich immer sein sollte. Ich konnte viel im Haushalt machen und mein Mann war im Garten. Der Große half der Kleinen, sie kommunizierten viel und es gab nicht ein einziges Mal Geschrei. Das kennen wir sonst gar nicht! Am Samstag Abend gab es dann eine interessante und berührende Situation. Der Große weinte mehrfach ganz intensiv wegen einiger kleinerer Vorkommnisse und ließ sich von jedem Elternteil lange und ausführlich und sogar mit Körperkontakt trösten. Ich spürte sofort, dass das ein "Ersatzweinen" für die Anspannung auf der Kitafahrt war und raunte das meinem Mann zu, damit er wie ich einfach nur für ihn da ist. Ich glaube, das war seine Art, zu uns zurückzukommen, und war sehr erleichtert darüber, dass es diesmal nicht wie letztes Jahr in ein Motz- und Nörgelwochenende mündete.

Seit Samstagabend war die Kleine leider krank und hatte Fieber, so dass wir den Sonntag ruhig verbrachten. Ich selbst war auch etwas schlapp. Am Nachmittag fuhren der Große und ich mit den Rädern durch den Wald zu einem See, das war ein wunderbarer Ausflug mit einem großen, bewussten und ausgeglichenen Jungen. Heute ging es für ihn nun wieder in die Kita, die Kleine blieb krank mit mir zuhause, und am Nachmittag befragte ich beim Abholen seine Erzieherin. Sie meinte, es wäre alles super verlaufen, sie hat den Großen bewusst bei sich im Zimmer untergebracht, damit ich "mir keine Sorgen mache". Er hat alles wunderbar mitgemacht, war höflich, hilfsbereit, zuvorkommend, kooperativ und verantwortungsbewusst. Das kennen wir ja von ihm, da gab es noch nie Probleme, aber besonders schön ist eben, dass er danach - bei uns zuhause - auch verträglich und fröhlich war.

Die Woche der Kitafahrt verlief natürlich bei uns strukturell ähnlich wie sonst, wir arbeiteten und die Kleine wurde zu ihren üblichen Zeiten in die Kita gebracht und abgeholt. Wir tauschten zweimal das Bringen und Abholen, wobei ihr die Trennung in der Kita von mir sehr schwerfiel (sonst bringt mein Mann die Kinder). Ich hatte dadurch am Dienstag einen freien Nachmittag, wo ich mich mit Gliederschmerzen zuhause ausruhte, und am Donnerstag zwei freie Stunden bis zu meinem MRT-Termin. Am Mittwoch nahm ich ein anderes Kind aus der Gruppe der Kleinen mit auf den Spielplatz, was gut klappte. Insgesamt verlief die Woche also etwas anders als sonst, wenn auch der Ablauf der Gleiche blieb. So ist das eben, wenn nur eines der Kinder weg ist. Die Entlastung besteht dann nicht darin, dass man "frei" hat, sondern darin, dass es wesentlich ruhiger ist und man nicht ständig schlichten, vermitteln, eingreifen muss.

Tatsächlich ist der größte Unterschied zwischen einem und zwei Kindern für uns der nervliche Aspekt. Es ist nicht doppelt so anstrengend und nervenaufreibend mit zwei Kindern, sondern mindestens drei- oder vierfach. Die ständigen Geschwisterkämpfe sind einfach so zermürbend und der Lärm- und Frustpegel enorm hoch. Die Kleine hat in den 4 Tagen der Abwesenheit des Großen so selten geweint, dass es fast unwirklich war, wenn man ihr übliches, meist durch Verhalten des Großen ausgelöstes Frustrationsweinen kennt. Der Unterschied zu sonst ist wirklich krass und diese Tatsache bedrückt uns sehr. Wir sind ziemlich ratlos, was wir tun können, damit die beiden mal relativ konfliktfrei miteinander existieren und das Familienleben nicht so extrem belastet wird.

Mein Mann versuchte übrigens täglich, die Kleine abends ins Bett zu bringen, aber sie weigerte sich standhaft und so blieb es leider bei den zwei Erfolgen in unserem Frühlingsurlaub. Einmal war ich sogar wirklich außer Haus und er hatte sie den ganzen Nachmittag und Abend allein betreut. Trotzdem blieb sie lieber wach. Das ist sehr schade und verhagelte mir die erhoffte Chance, doch mal über Nacht wegzufahren. Nun sind wieder beide Kinder da und es ist sehr viel schwieriger.

Für uns war es sehr erleichternd, dass der Große sich auf der Kitafahrt scheinbar wohlgefühlt hat und so zufrieden zurückkam. Durch die Krankheit der Kleinen gab es bisher noch nicht die üblichen Geschwisterkämpfe. In einem Jahr werden voraussichtlich beide Kinder gleichzeitig auf Kitareise fahren. Ich bin gespannt!