Ich liebe es, mit dem Großen allein unterwegs zu sein. Etwas gemeinsam zu entdecken, Zeit zum Reden zu haben und mich ganz und gar auf ihn konzentrieren zu können. Ihm interessante Dinge aus der Geschichte und Gegenwart zu erzählen und seine Fragen zu beantworten. Ihm die Ruhe zum Überlegen geben zu können und selbst Muße zu haben, mich auf seine Gedanken einzulassen. Ihn anzuschauen und mich exklusiv um ihn kümmern zu können, ohne dass von der Seite jemand verbal oder physisch an mir zerrt. Mir bewusst zu werden, was für ein großer Junge er schon ist und wie toll man sich mit ihm schon austauschen kann. Das ist wunderbar und ich brauche das total.
Auch er liebt es unglaublich, die volle Aufmerksamkeit eines Erwachsenen zu haben. Er braucht die Gelegenheit, seine Gedanken ungestört entwickeln und auch äußern zu können. So oft wird dazwischengeredet, so oft muss er unterbrechen und warten, so oft hat er dann verständlicherweise keine Lust mehr zu erzählen. Wenn man sich ihm ganz und gar widmet, sich auf ihn einlässt und exklusiv für ihn da ist, ist er das glücklichste Kind. Dann hört er intensiv zu, wenn man ihm etwas Spannendes erzählt, saugt alles auf und kann Dinge reproduzieren die man ihm vor langer Zeit mal nahegebracht hat. Er ist kein aktives und exploratives Kind, nein, er hat bisher kaum den Drang, sich selbst Wissen anzueignen oder etwas Neues auszuprobieren. Aber er ist ein sehr freudiger und dankbarer Empfänger von Aufmerksamkeit und Zuwendung. Es tut ihm unheimlich gut, in der direkten Interaktion mit einem Erwachsenen im Mittelpunkt zu stehen, ja, eigentlich entfaltet er sein Potential erst dann so richtig.
An einem der letzten Wochenenden war die Kleine auf einem Kindergeburtstag eingeladen und wir mit dem Großen allein. Da das sehr selten vorkommt, wollte ich unbedingt etwas mit ihm unternehmen, was wir mit der Kleinen im Schlepptau keinesfalls machen können. Meine ursprünglichen Vorhaben scheiterten nach vorheriger Recherche am Alter (eine Unternehmung war ab 7 Jahre, er wird erst im März 7) und an den zu kurzen Öffnungszeiten nach Ablieferung der Kleinen beim Geburtstag. Da wir sowieso zu dritt erst in ein schwedisches Möbelhaus wollten, um ein neues Sofa für den Großen und einen Schreibtisch für die Kleine zu kaufen, suchte ich nach Zielen in der Umgebung. Und so verschlug es uns ins Stasi-Museum Berlin, der ehemaligen Zentrale des MfS der DDR.
Das ist ja nun für Kinder eigentlich ein völlig unattraktiver Ort, mit den alten, original belassenen Einrichtungsgegenständen, den textlastigen Ausstellungsräumen und dem "schweren", nicht greifbaren Thema. Mit der Kleinen könnte man dort keine 10 Minuten verbringen, bis sie die Flucht ergreifen würde. Mit dem Großen sind wir eine Stunde durch die Ausstellung gestreift, haben ihm altersgerecht ausgewählte Details aus unserer Geschichte erklärt und seine Fragen beantwortet. Er war sehr interessiert und hat alles aufgesaugt. Sicherlich versteht er die großen Zusammenhänge und das Ausmaß dieser Vorgänge noch nicht, aber das, was wir ihm erzählt und gezeigt haben, hat er schon gut verarbeitet. Für mich ist es total toll, so ein großes Kind neben mir zu haben und ihn ein wenig am Wissen über die Welt teilhaben zu lassen. Und für ihn war es endlich mal ein Nachmittag mit der vollen Aufmerksamkeit beider Elternteile, ohne Störungen, ohne Aufregung, ohne Nervpotential. Seine Augen glänzten und er war total glücklich, das merkte man deutlich. Es bedeutet mir unheimlich viel, ihn so zufrieden zu sehen, und ich weiß, was ihm im Alltag fehlt.
Er braucht keine kleine Schwester, er braucht Erwachsene, die für ihn da sind, die sich exklusiv um ihn kümmern, die ihn nicht als Kind sehen, sondern ernst nehmen. Er braucht keine Streitereien, kein Kämpfen um die Eltern, keine Eifersüchteleien, er braucht Aufmerksamkeit, Zuwendung und Ernsthaftigkeit. Exklusiv. Und genau das ist natürlich nur bedingt möglich, wenn es ein Geschwisterkind gibt, noch dazu ein jüngeres. Umso mehr genieße ich, genießt er die rare Zeit, wenn er mal allein mit uns ist. Er wirkt dann immer so selig. Und auch für mich sind diese Momente meist wunderschön und bleiben in Erinnerung. Die erste (kurze) Exklusivzeit nach der Geburt der Kleinen, Fahrradausflüge und Museumsbesuche zu zweit und vor allem unsere gemeinsame Mutter-Kind-Kur sind einige Beispiele für schöne Zeiten mit ihm allein. Diese haben wir ihm auch immer wieder ermöglicht. Ich konnte ihn sogar schon einmal 4 Stunden mit auf meine Arbeit nehmen, als die Schule geschlossen war. Das wäre mit der Kleinen noch undenkbar. Auf der Kur habe ich allerdings auch gemerkt, dass ihm gleichaltrige Freunde fehlen, wenn er nur eine erwachsene Bezugsperson hat. Als ich begann, das Zueinanderfinden der Vorschulkinder zu forcieren, ging es ihm gleich viel besser. Das war seinerzeit eine neue Erfahrung für mich, weil ich das von ihm noch nicht kannte.
Es kommt jedoch nur äußerst selten vor, dass er beide Eltern parallel für sich allein hat, da die Kleine bisher nur selten abwesend war. Da wundert es nicht, dass er sich schon jetzt auf die 4 Tage freut, wenn sie bald zum ersten Mal auf Kitafahrt sein wird. Denn während er schon früh seine Freunde besucht hat und zumindest in den letzten 3 Jahren mehrfach ein paar Tage verreist war, ist sie gefühlt für ihn immer da. Also immer, wenn er auch da ist. Deshalb freue ich mich für ihn, dass es nun so langsam losgeht und sie ab und zu weg ist. Denn dann kann man ihm genau das geben, was er so essentiell braucht: Konzentration, Aufmerksamkeit, Exklusivität.
Ich mag es sehr, mich mit ihm zu unterhalten und ihm meine Gedankenwelt oder Themen aus Geschichte und Gegenwart nahezubringen. Ich mag es sehr, etwas mit ihm zu unternehmen und gemeinsame Erlebnisse zu sammeln. Ich staune, wie er überlegt und was er aufsaugt. Ich sehe gerührt seine glücklichen, strahlenden Augen und wie er den Moment auskosten will. Ich freue mich darüber, ihn ab und zu auch mal von dieser Seite kennenzulernen und zu erleben, so ausgeglichen und fröhlich. Ich genieße dann den Austausch mit ihm und merke, wie groß mein Großer nun schon ist, mit seinen fast 7 Jahren. Und wie glücklich er sein kann, wenn er mit Aufmerksamkeit bedacht und ernst genommen wird. Ich möchte ihm viele solcher Momente ermöglichen. Denn auch ich speichere mir diese Momente tief in meiner Erinnerung ab: wenn mein Großer glücklich ist!
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Freitag, 26. Januar 2018
Donnerstag, 20. Juli 2017
Wo ist mein Sonnenschein hin?
Die Kleine treibt mich in den Wahnsinn. Wo ist mein pflegeleichtes Baby und Kleinkind hin? Bei dem ich (fast) immer wusste, was ich machen, wo ich ansetzen und wie ich es auffangen kann. Ich weiß aktuell nicht mehr, wie ich mit ihr umgehen soll. Bin rat- und hilflos. Kann sie nicht mehr liebevoll und geduldig begleiten. Sie überschreitet alle Grenzen, ist körperlich aggressiv gegen uns und ihren Bruder, schreit und kreischt bei jeder Kleinigkeit, rastet komplett aus. Macht fast täglich Sitzstreik auf der Straße, rennt vor Autos, läuft einfach weg. Sie stört, wo sie nur kann, sie zerstört mutwillig Dinge vom Großen, reißt alles an sich. Das Zusammenleben mit ihr gleicht einem Gang über ein Minenfeld, man kann eigentlich nur alles falsch machen und verlieren. Morgens Geschrei, nachmittags Boykott und Verweigerung, abends Geschrei. Jede Mahlzeit ist ein Desaster. Zwischendurch wird man gehauen, getreten, beschimpft sowie mit Forderungen bombardiert. Sie wirft mit Schimpfwörtern um sich, die der Große noch nie benutzt hat, und das in einer Frequenz, die unerträglich ist. Sie ist keine 2 Jahre alt, auch nicht 3, sondern 4 1/4. In diesem Alter war der Große aus der schlimmsten Zeit raus und es wurde langsam einfacher mit ihm. 4 Jahre, das war für mich immer das Alter, wo es einfacher wird. Mit ihr ist es das Gegenteil.
Sie war immer mein kleiner Sonnenschein, witzig, charmant, lebensfroh, schlagfertig, intelligent, schnell, schlau, liebevoll, anschmiegsam. Ich konnte sie immer gut händeln und wusste meist, wie ich sie wieder erde, wenn sie außer sich war. Sie ließ Trost immer irgendwann zu und tankte viel durch körperliche Zuwendung auf. Lange, sehr lange Zeit brauchte sie eigentlich nur Mama, dann war sie zufrieden und ausgeglichen. Zur Zeit schlägt sie nur um sich, verbal und physisch, und wir erkennen sie nicht wieder. Sie lacht kaum noch, von ihrem neckischen Wesen ist nichts mehr zu erkennen. Klar hatte auch sie, wie jedes Kind, schon immer schwierigere, unzufriedene Momente oder auch Phasen, in denen der Mann, die Großeltern oder die Erzieherinnen deutlich machten, dass sie nicht an sie herankämen. Aber da war ja immer noch ich, der letzte Anker, die Mama, von der sie sich immer beruhigen und regulieren ließ. Mit ihr habe ich mich nur in seltenen Momenten richtig hilflos gefühlt. Selbst ihre Wutstürme habe ich meist ruhig und liebevoll begleitet. Im Moment weiß ich nicht mehr weiter und ich habe auch ehrlich gesagt keine Lust mehr. Sie ist komplett unberechenbar und dreht völlig frei.
Der Große war so ähnlich zwischen 1,5 und 3,5 Jahren. Er war ein sehr wütendes, unzufriedenes Kind, das überhaupt nicht ausdrücken konnte, was ihn störte. Er war aber selten gegen uns bzw. gegen mich körperlich aggressiv, sondern warf eher ein Spielzeugregal um, wälzte sich auf dem Boden oder war sogar autoaggressiv. Er war nie ein Hau- oder Beißkind, weder gegen uns noch andere. Jetzt, mit 6 1/2 Jahren, fängt er an, die Kleine zurückzuhauen, weil er ständig von ihr gehauen wird. Sie tritt ihn, boxt ihn, schubst ihn, und das alles so schnell und überraschend, dass man kaum eingreifen kann. Lange hat er sich nicht gewehrt, sondern geweint und Trost bei uns gesucht, nun fängt er selbst auch damit an. Es ist zum Mäusemelken. Der Große hat auch nie viele Schimpfwörter benutzt. Brachten andere Kinder aus der Kita ein ganzes Arsenal an Ausdrücken nach Hause, war er da immer relativ resistent und hat nicht so viel aufgesaugt. Mit ca. 3 1/4 Jahren hatte er eine nervige Schimpfwortphase, aber die ging recht schnell vorbei und war nicht mal im Ansatz so schlimm wie das, was die Kleine mit ihren über 4 Jahren jetzt durchlebt.
Wir rätseln, was mit ihr los ist. Die Autonomiephase müsste eigentlich so langsam vorbei sein. In ihrem Alltag hat sich nichts geändert. Sie hat jetzt endlich ein eigenes Kinderzimmer. Sie kann sich verbal ausdrücken, sie versteht alles und findet sich überall zurecht. Sie fängt schon an, Buchstaben zu schreiben, und ist viel selbstständiger als ihr großer Bruder. Sie will allein zum Bäcker gehen und überhaupt alles autark machen. Dabei passieren leider auch unzählige Malheure, was uns nervt, da wir das von unserem vorsichtigen Großen nicht kennen. In vielen Fällen sagen wir nichts, doch manchmal ist es eben auch zuviel. Sie ist integriert, hat ihre Freundinnen, wird zu Geburtstagen eingeladen und darf vieles schon machen, was der Große sich erst später zutraute. Zum August wird sie in den großen Elementarbereich der Kita wechseln, wo sie in letzter Zeit schon mehrfach hineinschnupperte. Es ist für uns nicht ersichtlich, an welcher Stelle sie eventuell leidet, sich unwohl fühlt, Unterstützung braucht.
Sicherlich lässt sie das Gerede und die Vorbereitungen für den baldigen Schulstart des Großen nicht ganz kalt. Sie versteht ja, dass sie bald allein in die Kita geht und der Große bei der Einschulung im Mittelpunkt steht. Sie sieht, was wir dafür schon jetzt vorbereiten und, sie merkt, dass es ein großer Umbruch wird. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das schon jetzt so dermaßen aus der Bahn wirft, wo der Große selbst noch relativ ruhig ist. Sie zieht im Moment alle negative Aufmerksamkeit auf sich und wir wissen nicht, warum. Lange habe ich versucht, unter Aufbietung all meiner nervlichen Kräfte ruhig und gefasst zu bleiben. Immer öfter explodiere ich nun auch. Der Mann ist komplett hilflos und gestresst. Keine unserer Strategien bringt irgendeine Besserung. Sie zerschießt im Moment unseren Familienfrieden auf allen Ebenen und es scheint ihr, der Harmonie eigentlich immer so wichtig war, keinen Deut auszumachen. Am meisten tut mir der Große leid, der unter ihren Aggressionen, ihrer Schreierei und der negativen Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird, leiden muss. Denkbar schlechte Voraussetzungen für einen ruhigen Schulstart für ihn.
Wir sind ratlos. Fehlt ihr positive Aufmerksamkeit, fehlt ihr Exklusivzeit, fehlt ihr Beschäftigung, fehlt ihr aktive Förderung? Sie war doch immer zufrieden, wenn sie mit mir zusammen war! Und wir haben immermal wieder nachmittags Zeit zu zweit, wenn der Große bei Freunden ist. Auch der Papa unternimmt ab und zu etwas allein mit ihr. In letzter Zeit war das zugegebenermaßen aus diversen Gründen seltener der Fall. Dafür sind wir aber öfter auf ihren ausdrücklichen Wunsch zu Reiterhöfen und Pferdekoppeln gefahren, was sie sehr liebt. Dass der Große nicht mit ihr spielt, frustriert sie weiterhin, ist aber nichts Neues für sie.
Da sie im Moment nicht kuscheln will, ihren Liebestank aber bisher immer durch Kuscheln und körperliche Zuwendung auffüllte, haben wir uns nun vorgenommen, ihr mehr ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Wir wollen mehr einzeln mit ihr spielen (was schwierig ist, weil dann der Große sofort eifersüchtig wird) und mehr allein mit ihr unternehmen. Ich habe sie gefragt, ob sie, wenn die Großeltern bald zu Besuch kommen, mal etwas mit ihnen allein machen möchte. Will sie aber nicht, sondern mit dem Bruder zusammen. Vielleicht möchte sie auch mal, dass einer von uns allein mit ihr verreist, so wie es der Mann mit dem Großen mit 4 Jahren und seitdem mehrfach schon gemacht hat. In mancher Hinsicht haben wir mit dem Großen im gleichen Alter schon viel mehr gewagt, in anderer Hinsicht ist sie viel weiter und selbstständiger als er, darf mehr und traut sich selbst Dinge zu, die er damals noch nicht wagte. Es ist schwierig. Ob das reicht, um sie aus ihrem Frust herauszuholen?
Habt ihr noch Ideen, Anregungen, Erklärungen? Wie sind eure 4-jährigen Kinder so drauf? Wie kommen wir durch diese anstrengende Phase hindurch?
Ich will doch einfach nur meinen Sonnenschein zurück!
PS: Die Bilder stammen von einem kürzlichen Mama-Tochter-Ausflug zu einem Fest, einem Nachmittag nur für uns beide.
Sie war immer mein kleiner Sonnenschein, witzig, charmant, lebensfroh, schlagfertig, intelligent, schnell, schlau, liebevoll, anschmiegsam. Ich konnte sie immer gut händeln und wusste meist, wie ich sie wieder erde, wenn sie außer sich war. Sie ließ Trost immer irgendwann zu und tankte viel durch körperliche Zuwendung auf. Lange, sehr lange Zeit brauchte sie eigentlich nur Mama, dann war sie zufrieden und ausgeglichen. Zur Zeit schlägt sie nur um sich, verbal und physisch, und wir erkennen sie nicht wieder. Sie lacht kaum noch, von ihrem neckischen Wesen ist nichts mehr zu erkennen. Klar hatte auch sie, wie jedes Kind, schon immer schwierigere, unzufriedene Momente oder auch Phasen, in denen der Mann, die Großeltern oder die Erzieherinnen deutlich machten, dass sie nicht an sie herankämen. Aber da war ja immer noch ich, der letzte Anker, die Mama, von der sie sich immer beruhigen und regulieren ließ. Mit ihr habe ich mich nur in seltenen Momenten richtig hilflos gefühlt. Selbst ihre Wutstürme habe ich meist ruhig und liebevoll begleitet. Im Moment weiß ich nicht mehr weiter und ich habe auch ehrlich gesagt keine Lust mehr. Sie ist komplett unberechenbar und dreht völlig frei.
Der Große war so ähnlich zwischen 1,5 und 3,5 Jahren. Er war ein sehr wütendes, unzufriedenes Kind, das überhaupt nicht ausdrücken konnte, was ihn störte. Er war aber selten gegen uns bzw. gegen mich körperlich aggressiv, sondern warf eher ein Spielzeugregal um, wälzte sich auf dem Boden oder war sogar autoaggressiv. Er war nie ein Hau- oder Beißkind, weder gegen uns noch andere. Jetzt, mit 6 1/2 Jahren, fängt er an, die Kleine zurückzuhauen, weil er ständig von ihr gehauen wird. Sie tritt ihn, boxt ihn, schubst ihn, und das alles so schnell und überraschend, dass man kaum eingreifen kann. Lange hat er sich nicht gewehrt, sondern geweint und Trost bei uns gesucht, nun fängt er selbst auch damit an. Es ist zum Mäusemelken. Der Große hat auch nie viele Schimpfwörter benutzt. Brachten andere Kinder aus der Kita ein ganzes Arsenal an Ausdrücken nach Hause, war er da immer relativ resistent und hat nicht so viel aufgesaugt. Mit ca. 3 1/4 Jahren hatte er eine nervige Schimpfwortphase, aber die ging recht schnell vorbei und war nicht mal im Ansatz so schlimm wie das, was die Kleine mit ihren über 4 Jahren jetzt durchlebt.
Sicherlich lässt sie das Gerede und die Vorbereitungen für den baldigen Schulstart des Großen nicht ganz kalt. Sie versteht ja, dass sie bald allein in die Kita geht und der Große bei der Einschulung im Mittelpunkt steht. Sie sieht, was wir dafür schon jetzt vorbereiten und, sie merkt, dass es ein großer Umbruch wird. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das schon jetzt so dermaßen aus der Bahn wirft, wo der Große selbst noch relativ ruhig ist. Sie zieht im Moment alle negative Aufmerksamkeit auf sich und wir wissen nicht, warum. Lange habe ich versucht, unter Aufbietung all meiner nervlichen Kräfte ruhig und gefasst zu bleiben. Immer öfter explodiere ich nun auch. Der Mann ist komplett hilflos und gestresst. Keine unserer Strategien bringt irgendeine Besserung. Sie zerschießt im Moment unseren Familienfrieden auf allen Ebenen und es scheint ihr, der Harmonie eigentlich immer so wichtig war, keinen Deut auszumachen. Am meisten tut mir der Große leid, der unter ihren Aggressionen, ihrer Schreierei und der negativen Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird, leiden muss. Denkbar schlechte Voraussetzungen für einen ruhigen Schulstart für ihn.
Wir sind ratlos. Fehlt ihr positive Aufmerksamkeit, fehlt ihr Exklusivzeit, fehlt ihr Beschäftigung, fehlt ihr aktive Förderung? Sie war doch immer zufrieden, wenn sie mit mir zusammen war! Und wir haben immermal wieder nachmittags Zeit zu zweit, wenn der Große bei Freunden ist. Auch der Papa unternimmt ab und zu etwas allein mit ihr. In letzter Zeit war das zugegebenermaßen aus diversen Gründen seltener der Fall. Dafür sind wir aber öfter auf ihren ausdrücklichen Wunsch zu Reiterhöfen und Pferdekoppeln gefahren, was sie sehr liebt. Dass der Große nicht mit ihr spielt, frustriert sie weiterhin, ist aber nichts Neues für sie.
Da sie im Moment nicht kuscheln will, ihren Liebestank aber bisher immer durch Kuscheln und körperliche Zuwendung auffüllte, haben wir uns nun vorgenommen, ihr mehr ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Wir wollen mehr einzeln mit ihr spielen (was schwierig ist, weil dann der Große sofort eifersüchtig wird) und mehr allein mit ihr unternehmen. Ich habe sie gefragt, ob sie, wenn die Großeltern bald zu Besuch kommen, mal etwas mit ihnen allein machen möchte. Will sie aber nicht, sondern mit dem Bruder zusammen. Vielleicht möchte sie auch mal, dass einer von uns allein mit ihr verreist, so wie es der Mann mit dem Großen mit 4 Jahren und seitdem mehrfach schon gemacht hat. In mancher Hinsicht haben wir mit dem Großen im gleichen Alter schon viel mehr gewagt, in anderer Hinsicht ist sie viel weiter und selbstständiger als er, darf mehr und traut sich selbst Dinge zu, die er damals noch nicht wagte. Es ist schwierig. Ob das reicht, um sie aus ihrem Frust herauszuholen?
Habt ihr noch Ideen, Anregungen, Erklärungen? Wie sind eure 4-jährigen Kinder so drauf? Wie kommen wir durch diese anstrengende Phase hindurch?
Ich will doch einfach nur meinen Sonnenschein zurück!
PS: Die Bilder stammen von einem kürzlichen Mama-Tochter-Ausflug zu einem Fest, einem Nachmittag nur für uns beide.
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Samstag, 4. März 2017
Ein glückliches kurzzeitiges Einzelkind
Hach, war die Kleine heute fröhlich und glücklich! Wir waren am Nachmittag allein mit ihr, weil der Große auf einem Kindergeburtstag verweilte. Wir fuhren in unseren Garten, werkelten, spielten, picknickten und genossen den ersten milden Frühlingstag in diesem Jahr. Dann spazierten wir noch auf die Felder hinter unserem Garten, spielten Fangen, trampelten auf Maulwurfshügeln herum und fuhren später zu einer Pferdekoppel, weil die Kleine sich das immer so sehr wünscht. Ist der Große dabei, gestaltet sich das meist schwierig, weil es für ihn "langweilig" ist. Zuhause angekommen, fuhr der Mann los, um den Großen vom Kindergeburtstag abzuholen und die Kleine wollte noch nicht hochgehen. Also fuhr sie noch ein wenig Laufrad um den Block und ich lief nebenher. Den ganzen Nachmittag über lachte sie total viel, schäkerte, es gab kein Geschrei und Gezeter, sie war super gut drauf und selig. Das war echt schön zu sehen und so entspannend für uns.
Wir stellen immer wieder fest, dass unsere Kinder aufblühen, wenn sie mit uns allein sind. Beim Großen war und ist das ganz deutlich zu bemerken, wobei er am liebsten mit nur einem Elternteil allein ist, der sich voll auf ihn konzentrieren kann. Er mag am liebsten die 1-zu-1-Situation. Bei der Kleinen ist mir das bisher noch nicht so extrem aufgefallen, aber heute sah man, wie glücklich sie dank unserer ungeteilten Aufmerksamkeit und Zuwendung war. Die vielen kleinen Scharmützel und Streitereien, die ihr Bruder und sie den ganzen Tag über ausfechten, die vielen Kämpfe um unsere Aufmerksamkeit, um Entscheidungen, die zu ihren Gunsten ausfallen sollen, um's Gewinnen, Mehr-Haben, Schneller-Sein, Recht-Haben, die fielen heute Nachmittag alle weg. Das tat ihr gut, das tat uns gut.
Keine Situation, wo ein Kind einen anderen (oder den gleichen) Wunsch hat als das andere und man sich irgendwie einen halbwegs fairen Kompromiss ausdenken muss (bei dem sich meist trotzdem ein Kind übervorteilt fühlt). Kein Zerren um Programmpunkte, um Elternteile, um Zeit, Nerven, Essen und Trinken, darum, wer zuerst ins Auto einsteigen darf oder das minimal größere Stück der Banane hatte. Keine Enttäuschung bei der Kleinen über einen Bruder, der nicht mit ihr Eisverkaufen im Garten spielt, obwohl sie das an ihrer kleinen Eistheke wirklich hingebungsvoll zelebriert. Keine Genervtheit beim Großen wegen seiner kleinen Schwester, die mit ihrer lauten, vehementen, direkten und klaren Art sicherlich oft schneller zu uns durchdringt als er. Keiner fühlte sich zurückgesetzt, weil der Papa gerade mal nur mit dem einen Kind spielte. Es war so dermaßen entspannend, ich sag's euch.
Es ist ja nicht so, dass wir nicht versuchen, jedem Kind Exklusivzeit zu geben. Der Mann beschäftigt sich viel mit dem Großen allein, ich gehe öfter mit der Kleinen allein raus, weil wir dies beide mögen. Aber die meiste Zeit sind sie natürlich zusammen, sie teilen sich ein Kinderzimmer (in dem die Kleine allerdings nicht schläft) und des Öfteren unternimmt auch ein Elternteil etwas mit beiden Kindern, um dem anderen Elternteil Freizeit zu ermöglichen, da dies unsere einzige Entlastungsmöglichkeit ist. Sind sie zusammen, gibt es fast permanent Streit, Auseinandersetzungen, Missverständnisse, Enttäuschungen, Frust. Und immer suchen sie eher den Kontakt zu den Eltern, als sich mit dem Geschwisterkind auseinanderzusetzen. Man hat das Gefühl, sie befinden sich in einer ständigen Konkurrenzsituation um unsere Zuwendung, was natürlich auch damit zusammen hängt, dass sie miteinander nicht viel anzufangen wissen. Die Kleine will ja immer mit dem Großen spielen, versucht ihn auch zu animieren, aber er hat meist keine Lust auf ihre Spiele oder will nicht, dass sie den Takt vorgibt oder weiß auch oft einfach gar nicht, wie und was er spielen soll. Das führt zu vielen Konflikten, die sehr nervenaufreibend für uns sind.
Umso entspannter war es heute, als wir mit der Kleinen allein waren und all das wegfiel. Umgekehrt wäre es mit dem Großen genauso. Man erholt sich mental richtig, das ist unglaublich. Wie sehr uns die ständigen Scharmützel der Kinder beeinträchtigen, merken wir besonders deutlich, wenn sie mal wegfallen, was meist nur bei Abwesenheit eines Kindes der Fall ist. Und wie entspannend es ist, nicht ständig vermitteln, schlichten, trösten und aufteilen zu müssen. Wie einfach es ist, wenn man sich nicht permanent zerreißen muss. Als der Große heimkam, saß ich mit der Kleinen auf dem Sofa und las ihr ein Buch vor. Ich wollte ihn eigentlich begrüßen und ausfragen, wie es gewesen ist. Mit ihm zusammen Abendbrot essen und ihm Aufmerksamkeit widmen. Gleichzeitig wollte ich aber auch nicht die Kleine verlassen und unser gemeinsames Buch-Vorlesen beenden. Das hätte ich gemein gefunden. Ich entschied mich, bei der Kleinen zu bleiben, was mir sofort ein schlechtes Gewissen wegen des Großen machte. Der Mann kümmerte sich um ihn. Nachdem der ganze Nachmittag so einfach und klar gewesen war, sah ich an diesem kleinen Beispiel gleich wieder deutlich die Schwierigkeiten und Herausforderungen im Umgang mit Geschwisterkindern. Und diese Situation war zum Glück ohne negative Emotionen abgelaufen, die man hätte ausgleichen müssen. Ohne Streit, Frust, Enttäuschung. Das ist selten. Aber so angenehm! Wie dieser Nachmittag mit einem glücklichen kurzzeitigen Einzelkind.
Wir stellen immer wieder fest, dass unsere Kinder aufblühen, wenn sie mit uns allein sind. Beim Großen war und ist das ganz deutlich zu bemerken, wobei er am liebsten mit nur einem Elternteil allein ist, der sich voll auf ihn konzentrieren kann. Er mag am liebsten die 1-zu-1-Situation. Bei der Kleinen ist mir das bisher noch nicht so extrem aufgefallen, aber heute sah man, wie glücklich sie dank unserer ungeteilten Aufmerksamkeit und Zuwendung war. Die vielen kleinen Scharmützel und Streitereien, die ihr Bruder und sie den ganzen Tag über ausfechten, die vielen Kämpfe um unsere Aufmerksamkeit, um Entscheidungen, die zu ihren Gunsten ausfallen sollen, um's Gewinnen, Mehr-Haben, Schneller-Sein, Recht-Haben, die fielen heute Nachmittag alle weg. Das tat ihr gut, das tat uns gut.
Keine Situation, wo ein Kind einen anderen (oder den gleichen) Wunsch hat als das andere und man sich irgendwie einen halbwegs fairen Kompromiss ausdenken muss (bei dem sich meist trotzdem ein Kind übervorteilt fühlt). Kein Zerren um Programmpunkte, um Elternteile, um Zeit, Nerven, Essen und Trinken, darum, wer zuerst ins Auto einsteigen darf oder das minimal größere Stück der Banane hatte. Keine Enttäuschung bei der Kleinen über einen Bruder, der nicht mit ihr Eisverkaufen im Garten spielt, obwohl sie das an ihrer kleinen Eistheke wirklich hingebungsvoll zelebriert. Keine Genervtheit beim Großen wegen seiner kleinen Schwester, die mit ihrer lauten, vehementen, direkten und klaren Art sicherlich oft schneller zu uns durchdringt als er. Keiner fühlte sich zurückgesetzt, weil der Papa gerade mal nur mit dem einen Kind spielte. Es war so dermaßen entspannend, ich sag's euch.
Es ist ja nicht so, dass wir nicht versuchen, jedem Kind Exklusivzeit zu geben. Der Mann beschäftigt sich viel mit dem Großen allein, ich gehe öfter mit der Kleinen allein raus, weil wir dies beide mögen. Aber die meiste Zeit sind sie natürlich zusammen, sie teilen sich ein Kinderzimmer (in dem die Kleine allerdings nicht schläft) und des Öfteren unternimmt auch ein Elternteil etwas mit beiden Kindern, um dem anderen Elternteil Freizeit zu ermöglichen, da dies unsere einzige Entlastungsmöglichkeit ist. Sind sie zusammen, gibt es fast permanent Streit, Auseinandersetzungen, Missverständnisse, Enttäuschungen, Frust. Und immer suchen sie eher den Kontakt zu den Eltern, als sich mit dem Geschwisterkind auseinanderzusetzen. Man hat das Gefühl, sie befinden sich in einer ständigen Konkurrenzsituation um unsere Zuwendung, was natürlich auch damit zusammen hängt, dass sie miteinander nicht viel anzufangen wissen. Die Kleine will ja immer mit dem Großen spielen, versucht ihn auch zu animieren, aber er hat meist keine Lust auf ihre Spiele oder will nicht, dass sie den Takt vorgibt oder weiß auch oft einfach gar nicht, wie und was er spielen soll. Das führt zu vielen Konflikten, die sehr nervenaufreibend für uns sind.
Umso entspannter war es heute, als wir mit der Kleinen allein waren und all das wegfiel. Umgekehrt wäre es mit dem Großen genauso. Man erholt sich mental richtig, das ist unglaublich. Wie sehr uns die ständigen Scharmützel der Kinder beeinträchtigen, merken wir besonders deutlich, wenn sie mal wegfallen, was meist nur bei Abwesenheit eines Kindes der Fall ist. Und wie entspannend es ist, nicht ständig vermitteln, schlichten, trösten und aufteilen zu müssen. Wie einfach es ist, wenn man sich nicht permanent zerreißen muss. Als der Große heimkam, saß ich mit der Kleinen auf dem Sofa und las ihr ein Buch vor. Ich wollte ihn eigentlich begrüßen und ausfragen, wie es gewesen ist. Mit ihm zusammen Abendbrot essen und ihm Aufmerksamkeit widmen. Gleichzeitig wollte ich aber auch nicht die Kleine verlassen und unser gemeinsames Buch-Vorlesen beenden. Das hätte ich gemein gefunden. Ich entschied mich, bei der Kleinen zu bleiben, was mir sofort ein schlechtes Gewissen wegen des Großen machte. Der Mann kümmerte sich um ihn. Nachdem der ganze Nachmittag so einfach und klar gewesen war, sah ich an diesem kleinen Beispiel gleich wieder deutlich die Schwierigkeiten und Herausforderungen im Umgang mit Geschwisterkindern. Und diese Situation war zum Glück ohne negative Emotionen abgelaufen, die man hätte ausgleichen müssen. Ohne Streit, Frust, Enttäuschung. Das ist selten. Aber so angenehm! Wie dieser Nachmittag mit einem glücklichen kurzzeitigen Einzelkind.
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Dienstag, 1. November 2016
Helfende Eltern - unselbstständige Kinder?
Neulich gab es eine kleine Diskussion mit dem Großen, in der es darum ging, dass die Kinder uns so wenig bei alltäglichen Tätigkeiten mithelfen. Es war überhaupt nicht als Vorwurf formuliert, sondern lediglich als Feststellung. Darauf sagte der Große: "Aber ihr fragt uns ja auch gar nicht, ob wir euch mal helfen könnten!" Da musste ich ihm Recht geben, und das ist eines der Dinge, die ich mir schon länger vorgenommen habe zu ändern und nicht so richtig schaffe. Also die Kinder in praktische Alltagsaufgaben einzubeziehen, ihnen Verantwortung zu übertragen und sie mithelfen zu lassen. Damit sie ein Gefühl dafür kriegen, was hier im Haushalt alles zu tun ist und nicht alles für selbstverständlich nehmen. Damit sie sehen, wieviel Zeit und Mühe manche Tätigkeiten kosten. Damit sie merken, dass sie einen kleinen, aber wertvollen Beitrag zum Familienleben leisten können und lernen, wie Abläufe funktionieren. Damit sie selbstständig und eigenverantwortlich werden.
Mein Mann und ich, wir sind Menschen, die Dinge am liebsten selbst und allein machen, anstatt im Team zusammenzuarbeiten. Wir bitten nicht gern um Hilfe, sondern sind froh, wenn wir in Ruhe etwas abarbeiten können. Ich kann es z.B. nicht haben, wenn jemand in der Küche herumwuselt, wenn ich koche. Ich räume den Geschirrspüler lieber selbst aus, anstatt jemandem zu erklären, wo das Geschirr hinkommt. Ich habe gern selbst die Kontrolle, anstatt hinterher kontrollieren zu müssen, ob eine Tätigkeit korrekt und vollständig erledigt wurde. Ich arbeite gern Aufgaben schnell, effektiv und hintereinander ab, möglichst störungsfrei. Ich bin kein Prokrastinator, nicht bei Haushaltstätigkeiten und sonst eigentlich auch kaum. Mein Motto ist: Mach es selbst, dann weißt du, dass alles in deinem Sinne geschieht. Das führte dazu, dass wir unsere Kinder immer in recht wenige Haushaltstätigkeiten eingebunden haben und sie wahrscheinlich fast das Gefühl haben, "das bisschen Haushalt macht sich von allein...";-)
Daneben bin ich auch eine Mama, die tendenziell gern bemuttert, die Kinder umsorgt und lieber ein Mal mehr hilft, als sie zu überfordern. Ich nehme ihnen viele Kleinigkeiten und manchmal auch Herausforderungen ab, die sie schon selbst schaffen könnten. Ich mag sie gern noch ein wenig in ihrer unbeschwerten Kindheitsblase lassen und die Anforderungen der Umwelt von ihnen fern halten. Ich helfe ihnen beim Anziehen, ich räume lieber selbst schnell auf, ich schmiere ihre Brote und schneide ihr Essen. Das hat sowohl den Grund, dass ich allein schneller, gründlicher und fehlerfreier bin, als auch, dass ich sie gern umsorge und ihnen u.a. dadurch meine Zuwendung und Nähe gebe. Manche Dinge sind auch schlicht nicht möglich oder sehr stressig. Staubsaugen geht zum Beispiel nicht, wenn die Kinder da sind, weil die Kleine Angst vor der Lautstärke hat und weint. Beim Wäsche aufhängen haben sie früher für jedes Kleidungsstück, das ich aufhängte, eins wieder runtergezogen. Beim Obst schneiden ist es mühsam, auf 20 Finger zu achten, wenn beide mit scharfen Messern hantieren. Vor allem, wenn man selbst auch vorankommen will. Und so weiter. Das ist alles effizienter, schneller und nervenschonender als mit den beiden zusammen. Vielleicht wäre es mit nur einem Kind anders, aber zwei Kinder bringen einfach soviel durcheinander, man kann sie nicht in jeder Sekunde im Auge behalten und sie stecken sich gegenseitig mit "Blödsinn" an. Das einzige, wo ich sie immer gern eingespannt habe, war und ist das Putzen ihres Spielzeugs. Wenn ich sie im Kinderzimmer still beschäftigen musste, weil beispielsweise mein Mann krank war, habe ich ihnen Putzlappen gegeben und wir haben zu dritt das Spielzeug gesäubert. Das haben sie meist gut und ausdauernd mitgemacht. Insgesamt aber haben wir ihnen viel abgenommen, viel geholfen und unsererseits viel selbst gemacht.
Irgendwann, als sie etwas älter waren, wollte ich nicht mehr alle Haushaltstätigkeiten in meiner Freizeit machen und habe angefangen, in der Anwesenheit der Kinder kleinere Dinge abzuarbeiten. Ich habe auch mehrfach den Papa dazu angehalten, vor oder nach dem Spielen mit den Kindern Aufgaben zu erledigen, um ihnen zu zeigen, was es alles zu tun gibt. Es fiel und fällt ihm schwer, und auch ich erledige bis heute meine Aufgaben am liebsten in Ruhe, ohne Unterbrechungen, ohne Anliegen und Fragen der Kinder. Das mag gut für uns sein, aber die Kinder lehrt es nichts. Wir haben uns jetzt also vorgenommen, einerseits die Kinder mehr in leichtere Tätigkeiten mit einzubeziehen als auch unsere Arbeiten in ihrer Anwesenheit zu erledigen. Dann müssen sie warten oder sich selbst beschäftigen.
Die Kleine hilft sehr gern, z.B. beim Tischdecken und -abräumen, Geschirrspüler ausräumen, Einkäufe verstauen etc. Statt dass ich mich ärgere, wenn sie mir in der Küche zwischen den Beinen herumwuselt, frage ich sie lieber, ob sie mir helfen will. Das ist zwar manchmal nervenaufreibend, aber irgendwie auch befriedigend und es macht Spaß, gemeinsam abzuarbeiten. Der Große ist da unwilliger, er hilft nur, wenn er selbst bereit dazu ist, nicht aus Gemeinschaftssinn oder weil er uns eine Freude machen will. Das tangiert ihn nicht. Er war nie ein Kind, was gern im Hauhalt geholfen oder sich für Haushaltsdinge interessiert hat. Ihn muss man also ganz freilassend anfragen und es, wenn er nicht will (wie meist), akzeptieren. Vielleicht ist die Erfahrung seiner Unwilligkeit auch einer der Gründe dafür, dass wir die Kinder tendenziell kaum in Alltagsarbeiten einbeziehen? Die Kleine ist jedenfalls ein anderer Charakter und wir müssen nun erst wieder lernen, dass ein Kind auch gern und bereitwillig hilft. Das ist ein Prozess, den wir erst begonnen haben. Und jedesmal muss ich mich selbst ermahnen und erinnern, es anders zu machen als bisher.
Manchmal hat man keine Nerven dafür. Wir haben im Sommer den Zaun unserer Gartenterrasse gestrichen und beide Kinder wollten helfen. Immer und immer wieder haben sie sich trotz mehrfacher Erinnerung an den frischgestrichenen Zaun gelehnt, haben sich mit Farbe bekleckst und Farbpaletten umgeworfen. Normal für Kinder, aber da sagt man sich dann schon, mach es lieber allein, warum tust du dir den Stress an. Ähnlich ist es beim Plätzchen backen und anderen Dingen. Kommt dann noch der eine oder andere Wutanfall dazu, ist es schnell vorbei mit dem Spaß. Trotzdem sollten wir es immer wieder versuchen, gerade bei dem bereitwilligen unserer Kinder. Ich selbst war als Kind und Jugendliche ziemlich unselbstständig und hilflos, wahrscheinlich, weil meine Eltern mir auch vieles abgenommen und mich wenig einbezogen haben. Ich sehe einige Aspekte davon schon jetzt beim Großen. Das kann nicht gut sein und ich möchte das bewusst anders machen.
Der andere Punkt ist das elterliche Helfen. Ich helfe meinen Kindern gern und viel, einige würden sagen, zu viel. Manchmal bemuttere ich sie. Klar können sie sich schon allein die Schuhe anziehen und die Jacke zumachen, aber ich übernehme das trotzdem oft für sie. Besonders wenn sie das Bedürfnis nach Zuwendung und Anlehnen haben, wie z.B. nach der Kita oder morgens, wenn sie mit dem Papa das Haus verlassen. Dann helfe ich ihnen, weil ich weiß, dass ihnen diese Situationen eh' schon schwer genug fallen. Es ist aber manchmal schwierig, zu entscheiden, ob ein Bedürfnis nach Zuwendung dahinter steckt oder schlicht Bequemlichkeit. Letzteres möchte ich nicht fördern, ein Bedürfnis aber gern erfüllen. Ich will aber auch nicht, wie manche Eltern das gern tun, sie auf Teufel komm raus dazu anhalten, Dinge selbst zu machen, von denen ich weiß, dass sie sie schon allein können. Ich sehe das oft, dass Eltern dann einfach ihr Ding durchziehen wollen. Ich habe das auch schon versucht, aber es widerspricht mir und fühlt sich für mich und die Kinder natürlich nicht gut an. Es ist aber tatsächlich eine Gratwanderung, zu entscheiden, wann dieser oder jener Beweggrund für Verweigerung vorhanden ist.
Der Große ist z.B. ein Kind, das sich gern helfen lässt und darüber seinen Aufmerksamkeitstank füllt (siehe dieser Text "Warum Kinder ständig unsere Aufmerksamkeit verlangen"). Dem bin ich meist nachgekommen, als ich verstanden hatte, warum er das braucht. Manchmal ist er aber auch bequem und ruht sich auf meiner Hilfe aus. Was ist wann der Fall? Einmal hat er auf dem Heimweg von der Kita alles verweigert und boykottiert, ich wusste nicht warum, und bin laut und ungeduldig geworden. Zuhause merkte ich dann, dass er Fieber hat und es ihm nicht gut geht. Das hat mich sehr betroffen gemacht und ich habe mich geschämt. Also lieber doch ein Mal zuviel helfen und die Gefahr der Unselbstständigkeit oder Bequemlichkeit des Kindes in Kauf nehmen, wie ich es meist mache? Sehr schwierig! Ich glaube, es gibt dafür keine Lösung und auch meine beiden Kinder werden sich sehr unterschiedlich entwickeln, bei gleichen häuslichen Bedingungen. Das ist ja jetzt schon der Fall. Die Kleine zieht sich viel bereitwilliger allein an und entwickelt tendenziell mehr Ehrgeiz darin, Dinge allein und selbstständig zu schaffen, als der Große. Was das Mithelfen unserer Kinder betrifft, können wir bewusst etwas mehr Hilfe von ihnen bei alltäglichen Aufgaben anfragen, aber völlig freilassend, und dabei auch die unterschiedliche Bereitschaft der Kinder berücksichtigen. Was unser Umsorgen angeht, ist das nicht so eindeutig, weil sie sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben und es schwierig ist, ihre "Hilfsbedürftigkeit" einzuschätzen. Brauchen Sie Unterstützung, weil sie etwas noch nicht können, zu bequem sind oder weil sie Zuwendung und Nähe benötigen? Oder sollten wir mehr ihre Selbstständigkeit fördern? Ich lerne noch...
Wie handhabt ihr das, seid ihr auch so, dass ihr Dinge am liebsten allein macht? Bemuttert ihr eure Kinder gern? Helfen sie bereitwillig oder haben sie kein Interesse an alltäglichen Aufgaben? Oder wollt ihr eure Kinder um jeden Preis zur Selbstständigkeit und Unabhängigkeit anhalten? Müssen eure Kinder schon bestimmte Aufgaben übernehmen? Schildert mal eure Erfahrungen mit dem Thema.
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Mein Mann und ich, wir sind Menschen, die Dinge am liebsten selbst und allein machen, anstatt im Team zusammenzuarbeiten. Wir bitten nicht gern um Hilfe, sondern sind froh, wenn wir in Ruhe etwas abarbeiten können. Ich kann es z.B. nicht haben, wenn jemand in der Küche herumwuselt, wenn ich koche. Ich räume den Geschirrspüler lieber selbst aus, anstatt jemandem zu erklären, wo das Geschirr hinkommt. Ich habe gern selbst die Kontrolle, anstatt hinterher kontrollieren zu müssen, ob eine Tätigkeit korrekt und vollständig erledigt wurde. Ich arbeite gern Aufgaben schnell, effektiv und hintereinander ab, möglichst störungsfrei. Ich bin kein Prokrastinator, nicht bei Haushaltstätigkeiten und sonst eigentlich auch kaum. Mein Motto ist: Mach es selbst, dann weißt du, dass alles in deinem Sinne geschieht. Das führte dazu, dass wir unsere Kinder immer in recht wenige Haushaltstätigkeiten eingebunden haben und sie wahrscheinlich fast das Gefühl haben, "das bisschen Haushalt macht sich von allein...";-)
Daneben bin ich auch eine Mama, die tendenziell gern bemuttert, die Kinder umsorgt und lieber ein Mal mehr hilft, als sie zu überfordern. Ich nehme ihnen viele Kleinigkeiten und manchmal auch Herausforderungen ab, die sie schon selbst schaffen könnten. Ich mag sie gern noch ein wenig in ihrer unbeschwerten Kindheitsblase lassen und die Anforderungen der Umwelt von ihnen fern halten. Ich helfe ihnen beim Anziehen, ich räume lieber selbst schnell auf, ich schmiere ihre Brote und schneide ihr Essen. Das hat sowohl den Grund, dass ich allein schneller, gründlicher und fehlerfreier bin, als auch, dass ich sie gern umsorge und ihnen u.a. dadurch meine Zuwendung und Nähe gebe. Manche Dinge sind auch schlicht nicht möglich oder sehr stressig. Staubsaugen geht zum Beispiel nicht, wenn die Kinder da sind, weil die Kleine Angst vor der Lautstärke hat und weint. Beim Wäsche aufhängen haben sie früher für jedes Kleidungsstück, das ich aufhängte, eins wieder runtergezogen. Beim Obst schneiden ist es mühsam, auf 20 Finger zu achten, wenn beide mit scharfen Messern hantieren. Vor allem, wenn man selbst auch vorankommen will. Und so weiter. Das ist alles effizienter, schneller und nervenschonender als mit den beiden zusammen. Vielleicht wäre es mit nur einem Kind anders, aber zwei Kinder bringen einfach soviel durcheinander, man kann sie nicht in jeder Sekunde im Auge behalten und sie stecken sich gegenseitig mit "Blödsinn" an. Das einzige, wo ich sie immer gern eingespannt habe, war und ist das Putzen ihres Spielzeugs. Wenn ich sie im Kinderzimmer still beschäftigen musste, weil beispielsweise mein Mann krank war, habe ich ihnen Putzlappen gegeben und wir haben zu dritt das Spielzeug gesäubert. Das haben sie meist gut und ausdauernd mitgemacht. Insgesamt aber haben wir ihnen viel abgenommen, viel geholfen und unsererseits viel selbst gemacht.
Irgendwann, als sie etwas älter waren, wollte ich nicht mehr alle Haushaltstätigkeiten in meiner Freizeit machen und habe angefangen, in der Anwesenheit der Kinder kleinere Dinge abzuarbeiten. Ich habe auch mehrfach den Papa dazu angehalten, vor oder nach dem Spielen mit den Kindern Aufgaben zu erledigen, um ihnen zu zeigen, was es alles zu tun gibt. Es fiel und fällt ihm schwer, und auch ich erledige bis heute meine Aufgaben am liebsten in Ruhe, ohne Unterbrechungen, ohne Anliegen und Fragen der Kinder. Das mag gut für uns sein, aber die Kinder lehrt es nichts. Wir haben uns jetzt also vorgenommen, einerseits die Kinder mehr in leichtere Tätigkeiten mit einzubeziehen als auch unsere Arbeiten in ihrer Anwesenheit zu erledigen. Dann müssen sie warten oder sich selbst beschäftigen.
Die Kleine hilft sehr gern, z.B. beim Tischdecken und -abräumen, Geschirrspüler ausräumen, Einkäufe verstauen etc. Statt dass ich mich ärgere, wenn sie mir in der Küche zwischen den Beinen herumwuselt, frage ich sie lieber, ob sie mir helfen will. Das ist zwar manchmal nervenaufreibend, aber irgendwie auch befriedigend und es macht Spaß, gemeinsam abzuarbeiten. Der Große ist da unwilliger, er hilft nur, wenn er selbst bereit dazu ist, nicht aus Gemeinschaftssinn oder weil er uns eine Freude machen will. Das tangiert ihn nicht. Er war nie ein Kind, was gern im Hauhalt geholfen oder sich für Haushaltsdinge interessiert hat. Ihn muss man also ganz freilassend anfragen und es, wenn er nicht will (wie meist), akzeptieren. Vielleicht ist die Erfahrung seiner Unwilligkeit auch einer der Gründe dafür, dass wir die Kinder tendenziell kaum in Alltagsarbeiten einbeziehen? Die Kleine ist jedenfalls ein anderer Charakter und wir müssen nun erst wieder lernen, dass ein Kind auch gern und bereitwillig hilft. Das ist ein Prozess, den wir erst begonnen haben. Und jedesmal muss ich mich selbst ermahnen und erinnern, es anders zu machen als bisher.
Manchmal hat man keine Nerven dafür. Wir haben im Sommer den Zaun unserer Gartenterrasse gestrichen und beide Kinder wollten helfen. Immer und immer wieder haben sie sich trotz mehrfacher Erinnerung an den frischgestrichenen Zaun gelehnt, haben sich mit Farbe bekleckst und Farbpaletten umgeworfen. Normal für Kinder, aber da sagt man sich dann schon, mach es lieber allein, warum tust du dir den Stress an. Ähnlich ist es beim Plätzchen backen und anderen Dingen. Kommt dann noch der eine oder andere Wutanfall dazu, ist es schnell vorbei mit dem Spaß. Trotzdem sollten wir es immer wieder versuchen, gerade bei dem bereitwilligen unserer Kinder. Ich selbst war als Kind und Jugendliche ziemlich unselbstständig und hilflos, wahrscheinlich, weil meine Eltern mir auch vieles abgenommen und mich wenig einbezogen haben. Ich sehe einige Aspekte davon schon jetzt beim Großen. Das kann nicht gut sein und ich möchte das bewusst anders machen.
Der andere Punkt ist das elterliche Helfen. Ich helfe meinen Kindern gern und viel, einige würden sagen, zu viel. Manchmal bemuttere ich sie. Klar können sie sich schon allein die Schuhe anziehen und die Jacke zumachen, aber ich übernehme das trotzdem oft für sie. Besonders wenn sie das Bedürfnis nach Zuwendung und Anlehnen haben, wie z.B. nach der Kita oder morgens, wenn sie mit dem Papa das Haus verlassen. Dann helfe ich ihnen, weil ich weiß, dass ihnen diese Situationen eh' schon schwer genug fallen. Es ist aber manchmal schwierig, zu entscheiden, ob ein Bedürfnis nach Zuwendung dahinter steckt oder schlicht Bequemlichkeit. Letzteres möchte ich nicht fördern, ein Bedürfnis aber gern erfüllen. Ich will aber auch nicht, wie manche Eltern das gern tun, sie auf Teufel komm raus dazu anhalten, Dinge selbst zu machen, von denen ich weiß, dass sie sie schon allein können. Ich sehe das oft, dass Eltern dann einfach ihr Ding durchziehen wollen. Ich habe das auch schon versucht, aber es widerspricht mir und fühlt sich für mich und die Kinder natürlich nicht gut an. Es ist aber tatsächlich eine Gratwanderung, zu entscheiden, wann dieser oder jener Beweggrund für Verweigerung vorhanden ist.
Der Große ist z.B. ein Kind, das sich gern helfen lässt und darüber seinen Aufmerksamkeitstank füllt (siehe dieser Text "Warum Kinder ständig unsere Aufmerksamkeit verlangen"). Dem bin ich meist nachgekommen, als ich verstanden hatte, warum er das braucht. Manchmal ist er aber auch bequem und ruht sich auf meiner Hilfe aus. Was ist wann der Fall? Einmal hat er auf dem Heimweg von der Kita alles verweigert und boykottiert, ich wusste nicht warum, und bin laut und ungeduldig geworden. Zuhause merkte ich dann, dass er Fieber hat und es ihm nicht gut geht. Das hat mich sehr betroffen gemacht und ich habe mich geschämt. Also lieber doch ein Mal zuviel helfen und die Gefahr der Unselbstständigkeit oder Bequemlichkeit des Kindes in Kauf nehmen, wie ich es meist mache? Sehr schwierig! Ich glaube, es gibt dafür keine Lösung und auch meine beiden Kinder werden sich sehr unterschiedlich entwickeln, bei gleichen häuslichen Bedingungen. Das ist ja jetzt schon der Fall. Die Kleine zieht sich viel bereitwilliger allein an und entwickelt tendenziell mehr Ehrgeiz darin, Dinge allein und selbstständig zu schaffen, als der Große. Was das Mithelfen unserer Kinder betrifft, können wir bewusst etwas mehr Hilfe von ihnen bei alltäglichen Aufgaben anfragen, aber völlig freilassend, und dabei auch die unterschiedliche Bereitschaft der Kinder berücksichtigen. Was unser Umsorgen angeht, ist das nicht so eindeutig, weil sie sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben und es schwierig ist, ihre "Hilfsbedürftigkeit" einzuschätzen. Brauchen Sie Unterstützung, weil sie etwas noch nicht können, zu bequem sind oder weil sie Zuwendung und Nähe benötigen? Oder sollten wir mehr ihre Selbstständigkeit fördern? Ich lerne noch...
Wie handhabt ihr das, seid ihr auch so, dass ihr Dinge am liebsten allein macht? Bemuttert ihr eure Kinder gern? Helfen sie bereitwillig oder haben sie kein Interesse an alltäglichen Aufgaben? Oder wollt ihr eure Kinder um jeden Preis zur Selbstständigkeit und Unabhängigkeit anhalten? Müssen eure Kinder schon bestimmte Aufgaben übernehmen? Schildert mal eure Erfahrungen mit dem Thema.
Bildquelle: Pixabay
Mittwoch, 6. April 2016
Aufmerksamkeitstypen und Geschwisterrivalität
Manchmal tun mir meine Kinder leid. Wenn ich sie aus der Kita abhole und sie mich teilen müssen. Wenn der Papa mit ihnen spielt und sie ihn teilen müssen. Wenn sie mich einen ganzen Tag nicht gesehen haben und Mama tanken wollen. Dann bräuchte jeder von beiden ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuwendung, statt geteilte Liebe und halbe Konzentration. Der Große war schon immer sehr aufmerksamkeitsbedürftig, das ist bis heute so geblieben. Er möchte am liebsten konzentriert allein mit einem Erwachsenen spielen oder beschäftigt werden. Er benötigt den Aufmerksamkeitstypus der "ungeteilten Zuwendung" (in Kombination mit dem "Hilfe-Typus"), wie in diesem Text des Blogs Gewünschtestes Wunschkind beschrieben. Die Kleine ist total liebesbedürftig und will kuscheln, vorlesen, tanzen oder singen. Sie benötigt den Körperkontakt als wichtigste Aufmerksamkeitsform, in Kombination mit der ungeteilten Zuwendung.
Die Aufmerksamkeitsbedürfnisse beider Kinder gleichzeitig zu erfüllen ist oft ein Ding der Unmöglichkeit. Manchmal, wenn ihre Speicher aufgefüllt sind, schafft es eines der Kinder, zurückzustecken und zu warten, bis ich oder der Papa wieder exklusiv für es da ist. Dann kann man sich ihnen abwechselnd oder sogar gleichzeitig zuwenden und eine gute Balance wahren. Das sind schöne, ruhige Situationen, wo beide rechts und links vom Elternteil einem vorgelesenen Buch zuhören. Meist jedoch herrscht große Konkurrenz um Aufmerksamkeit zwischen ihnen, besonders, wenn sie "ausgehungert" nach Zuwendung sind. Dann denke ich immer, sie wären als Einzel-, als Exklusivkinder besser dran, würden nicht soviel Frustration erfahren und könnten ihre Speicher deshalb auch besser füllen. In solchen Momenten sehe ich viele Nachteile des Daseins als Geschwisterkind und es tut mir in der Seele weh, wie sie dann leiden und sich zurückgesetzt fühlen.
Diese Situationen kommen im Alltag immer wieder vor und kosten viel Kraft. Besonders auffällig ist es immer, wenn sie mich (normalerweise nur 1x pro Woche) erst abends wiedersehen. Dann möchten mich beide (respektive den Papa an den anderen Abenden) ganz für sich haben und sind verständlicherweise frustriert, beleidigt, enttäuscht, wenn das nicht funktioniert, weil das Geschwisterkind dazwischenfunkt und auch Bedürfnisse anmeldet. Sie können dann auch beide nicht kurz in weiser Voraussicht warten, damit jeder abwechselnd die volle Zuwendung erhält, sondern fauchen und keifen sich an wie Löwen bei der Fütterung. Im schlimmsten Fall sieht das so aus, dass ich verzweifelt versuche, es beiden irgendwie recht zu machen, mich zu zerreißen und zu vermitteln, aber dennoch beide weinen, weil sie sich nicht genügend beachtet fühlen. Kümmere ich mich um eines der Kinder, ist das andere tödlich beleidigt. Versuche ich, mich gleichzeitig um beide zu kümmern, fühlen sich beide zurückgesetzt und protestieren lautstark. Sehr schwierig und nervenaufreibend.
Letztens hatten wir die Situation, dass die Kinder mit dem Papa erst um 18 Uhr nach Hause kamen und, kaum hatten sie Kontakt mit mir, fürchterlich zu weinen anfingen. Beide wollten ihre jeweils benötigte Art der Aufmerksamkeit von mir nach der langen Trennung (10 h) und stattdessen mussten sie wieder einmal teilen. Als ich dann noch mit dem Großen schimpfte, weil er sich nicht ordentlich die Hände gewaschen hatte, brachen seine Dämme und er weinte untröstlich und aufgebracht. Dem Papa gelang es nicht, ihn zu trösten, und ich selbst brauchte bestimmt 20 Minuten und viel Kraft dafür, ihn wieder zu besänftigen. Nachdem er sich beruhigt hatte, war er wieder offen für das, was er brauchte: meine ungeteilte Zuwendung. Das hieß für mich, mich noch einmal ein wenig nur mit ihm zu beschäftigen. Danach war es für ihn okay und wir konnten endlich Abendbrot essen. Glücklicherweise hatte sich die Kleine in dieser Zeit mit meinem Handy als Mama-Ersatz vergnügt. Oft genug war aber auch schon der Fall eingetreten, dass sie parallel untröstlich weinte, weil sie Mama-Kuscheln wollte. Der Papa hat dann absolut keine Chance und fällt als Tröster weg. Ich weiß dann oft nicht, wo mir der Kopf steht und wie ich die beiden Kinder wieder beruhigen soll. Früher, als die Kleine noch stillte, konnte ich mich dann mit ihr auf's Sofa kuscheln und sie stillen, während ich dem Großen parallel vorgelesen habe. Oder ich habe sie nach der Kita einfach auf dem Arm herumgetragen, während ich dem Großen auf dem Spielplatz volle Aufmerksamkeit gab. Das reichte ihr früher. So konnte ich beiden ihre verschiedenen Aufmerksamkeitsbedürfnisse erfüllen. Jetzt ist das schwieriger. Natürlich sind sie auch älter und anspruchsvoller bzw. bewusster geworden.
Es ist auffällig, dass der Große sich meist von einer ganz anderen Seite zeigt, wenn er mit einem von uns Eltern allein ist. Er also die von ihm benötigte ungeteilte Zuwendung erhält. Er wirkt dann richtig reif und erwachsen, ist viel zugänglicher und offener und genießt die Exklusivität. Wenn man ihn nachmittags nach der Kita allein abholt, wie gestern wegen Krankheit der Kleinen geschehen, läuft man mit einem großen, verständigen und umgänglichen Jungen neben sich durch die Straßen. Es ist selten, dass er dann so motzig ist wie sonst meist. Er ist auch sehr gern mit einem von uns allein zuhause. Er benötigt, glaube ich, den Familienverbund am wenigsten von uns allen, und wäre als Einzelkind sicherlich zufriedener. Er ist super glücklich, wenn er mit seinem Opa zusammen ist, da dieser ihm am meisten von allen Menschen das gibt, was er braucht. Die Kleine genießt auch mal gern ungeteilte Aufmerksamkeit, liebt allerdings auch den Familientrubel, vermisst ihren Bruder schnell und hat gern alle um sich herum. Umso mehr Kuschelpartner hat sie zur Verfügung :-)
Wir würden den Kindern ja gern mehr ungeteilte Zuwendung geben, aber das Problem ist, dass durch die fehlende Entlastung für uns oberste Priorität hat, dass wir Eltern uns gegenseitig entlasten, d.h. dass so oft wie möglich ein Elternteil beide Kinder nimmt und der andere mal ein Stündchen frei hat. Das kollidiert mit den Interessen und Bedürfnissen der Kinder, ist aber leider im Moment nicht zu ändern. Ich habe keine Ahnung, wie man dafür eine Lösung findet, die alle Bedürfnisse berücksichtigt. Die den Aufmerksamkeitstank der Kinder entsprechend ihrem Wunsch auffüllt und gleichzeitig die Regeneration der Eltern ermöglichkeit. Denn das ist mindestens genauso wichtig.
Was meint ihr? Welcher Aufmerksamkeitstypus ist euer Kind und könnt ihr das Bedürfnis immer erfüllen? Wie kommen Eltern noch zu MeTime, wenn beide Kinder so zuwendungsbedürftig sind?
Hier nochmal der entsprechende Text des Blogs Gewünschtestes Wunschkind allgemein zum Thema "Aufmerksamkeit":
Warum Kinder ständig unsere Aufmerksamkeit verlangen
Die Aufmerksamkeitsbedürfnisse beider Kinder gleichzeitig zu erfüllen ist oft ein Ding der Unmöglichkeit. Manchmal, wenn ihre Speicher aufgefüllt sind, schafft es eines der Kinder, zurückzustecken und zu warten, bis ich oder der Papa wieder exklusiv für es da ist. Dann kann man sich ihnen abwechselnd oder sogar gleichzeitig zuwenden und eine gute Balance wahren. Das sind schöne, ruhige Situationen, wo beide rechts und links vom Elternteil einem vorgelesenen Buch zuhören. Meist jedoch herrscht große Konkurrenz um Aufmerksamkeit zwischen ihnen, besonders, wenn sie "ausgehungert" nach Zuwendung sind. Dann denke ich immer, sie wären als Einzel-, als Exklusivkinder besser dran, würden nicht soviel Frustration erfahren und könnten ihre Speicher deshalb auch besser füllen. In solchen Momenten sehe ich viele Nachteile des Daseins als Geschwisterkind und es tut mir in der Seele weh, wie sie dann leiden und sich zurückgesetzt fühlen.
Diese Situationen kommen im Alltag immer wieder vor und kosten viel Kraft. Besonders auffällig ist es immer, wenn sie mich (normalerweise nur 1x pro Woche) erst abends wiedersehen. Dann möchten mich beide (respektive den Papa an den anderen Abenden) ganz für sich haben und sind verständlicherweise frustriert, beleidigt, enttäuscht, wenn das nicht funktioniert, weil das Geschwisterkind dazwischenfunkt und auch Bedürfnisse anmeldet. Sie können dann auch beide nicht kurz in weiser Voraussicht warten, damit jeder abwechselnd die volle Zuwendung erhält, sondern fauchen und keifen sich an wie Löwen bei der Fütterung. Im schlimmsten Fall sieht das so aus, dass ich verzweifelt versuche, es beiden irgendwie recht zu machen, mich zu zerreißen und zu vermitteln, aber dennoch beide weinen, weil sie sich nicht genügend beachtet fühlen. Kümmere ich mich um eines der Kinder, ist das andere tödlich beleidigt. Versuche ich, mich gleichzeitig um beide zu kümmern, fühlen sich beide zurückgesetzt und protestieren lautstark. Sehr schwierig und nervenaufreibend.
Quelle: Pixabay
Letztens hatten wir die Situation, dass die Kinder mit dem Papa erst um 18 Uhr nach Hause kamen und, kaum hatten sie Kontakt mit mir, fürchterlich zu weinen anfingen. Beide wollten ihre jeweils benötigte Art der Aufmerksamkeit von mir nach der langen Trennung (10 h) und stattdessen mussten sie wieder einmal teilen. Als ich dann noch mit dem Großen schimpfte, weil er sich nicht ordentlich die Hände gewaschen hatte, brachen seine Dämme und er weinte untröstlich und aufgebracht. Dem Papa gelang es nicht, ihn zu trösten, und ich selbst brauchte bestimmt 20 Minuten und viel Kraft dafür, ihn wieder zu besänftigen. Nachdem er sich beruhigt hatte, war er wieder offen für das, was er brauchte: meine ungeteilte Zuwendung. Das hieß für mich, mich noch einmal ein wenig nur mit ihm zu beschäftigen. Danach war es für ihn okay und wir konnten endlich Abendbrot essen. Glücklicherweise hatte sich die Kleine in dieser Zeit mit meinem Handy als Mama-Ersatz vergnügt. Oft genug war aber auch schon der Fall eingetreten, dass sie parallel untröstlich weinte, weil sie Mama-Kuscheln wollte. Der Papa hat dann absolut keine Chance und fällt als Tröster weg. Ich weiß dann oft nicht, wo mir der Kopf steht und wie ich die beiden Kinder wieder beruhigen soll. Früher, als die Kleine noch stillte, konnte ich mich dann mit ihr auf's Sofa kuscheln und sie stillen, während ich dem Großen parallel vorgelesen habe. Oder ich habe sie nach der Kita einfach auf dem Arm herumgetragen, während ich dem Großen auf dem Spielplatz volle Aufmerksamkeit gab. Das reichte ihr früher. So konnte ich beiden ihre verschiedenen Aufmerksamkeitsbedürfnisse erfüllen. Jetzt ist das schwieriger. Natürlich sind sie auch älter und anspruchsvoller bzw. bewusster geworden.
Es ist auffällig, dass der Große sich meist von einer ganz anderen Seite zeigt, wenn er mit einem von uns Eltern allein ist. Er also die von ihm benötigte ungeteilte Zuwendung erhält. Er wirkt dann richtig reif und erwachsen, ist viel zugänglicher und offener und genießt die Exklusivität. Wenn man ihn nachmittags nach der Kita allein abholt, wie gestern wegen Krankheit der Kleinen geschehen, läuft man mit einem großen, verständigen und umgänglichen Jungen neben sich durch die Straßen. Es ist selten, dass er dann so motzig ist wie sonst meist. Er ist auch sehr gern mit einem von uns allein zuhause. Er benötigt, glaube ich, den Familienverbund am wenigsten von uns allen, und wäre als Einzelkind sicherlich zufriedener. Er ist super glücklich, wenn er mit seinem Opa zusammen ist, da dieser ihm am meisten von allen Menschen das gibt, was er braucht. Die Kleine genießt auch mal gern ungeteilte Aufmerksamkeit, liebt allerdings auch den Familientrubel, vermisst ihren Bruder schnell und hat gern alle um sich herum. Umso mehr Kuschelpartner hat sie zur Verfügung :-)
Wir würden den Kindern ja gern mehr ungeteilte Zuwendung geben, aber das Problem ist, dass durch die fehlende Entlastung für uns oberste Priorität hat, dass wir Eltern uns gegenseitig entlasten, d.h. dass so oft wie möglich ein Elternteil beide Kinder nimmt und der andere mal ein Stündchen frei hat. Das kollidiert mit den Interessen und Bedürfnissen der Kinder, ist aber leider im Moment nicht zu ändern. Ich habe keine Ahnung, wie man dafür eine Lösung findet, die alle Bedürfnisse berücksichtigt. Die den Aufmerksamkeitstank der Kinder entsprechend ihrem Wunsch auffüllt und gleichzeitig die Regeneration der Eltern ermöglichkeit. Denn das ist mindestens genauso wichtig.
Was meint ihr? Welcher Aufmerksamkeitstypus ist euer Kind und könnt ihr das Bedürfnis immer erfüllen? Wie kommen Eltern noch zu MeTime, wenn beide Kinder so zuwendungsbedürftig sind?
Hier nochmal der entsprechende Text des Blogs Gewünschtestes Wunschkind allgemein zum Thema "Aufmerksamkeit":
Warum Kinder ständig unsere Aufmerksamkeit verlangen
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