Neulich gab es eine kleine Diskussion mit dem Großen, in der es darum ging, dass die Kinder uns so wenig bei alltäglichen Tätigkeiten mithelfen. Es war überhaupt nicht als Vorwurf formuliert, sondern lediglich als Feststellung. Darauf sagte der Große: "Aber ihr fragt uns ja auch gar nicht, ob wir euch mal helfen könnten!" Da musste ich ihm Recht geben, und das ist eines der Dinge, die ich mir schon länger vorgenommen habe zu ändern und nicht so richtig schaffe. Also die Kinder in praktische Alltagsaufgaben einzubeziehen, ihnen Verantwortung zu übertragen und sie mithelfen zu lassen. Damit sie ein Gefühl dafür kriegen, was hier im Haushalt alles zu tun ist und nicht alles für selbstverständlich nehmen. Damit sie sehen, wieviel Zeit und Mühe manche Tätigkeiten kosten. Damit sie merken, dass sie einen kleinen, aber wertvollen Beitrag zum Familienleben leisten können und lernen, wie Abläufe funktionieren. Damit sie selbstständig und eigenverantwortlich werden.
Mein Mann und ich, wir sind Menschen, die Dinge am liebsten selbst und allein machen, anstatt im Team zusammenzuarbeiten. Wir bitten nicht gern um Hilfe, sondern sind froh, wenn wir in Ruhe etwas abarbeiten können. Ich kann es z.B. nicht haben, wenn jemand in der Küche herumwuselt, wenn ich koche. Ich räume den Geschirrspüler lieber selbst aus, anstatt jemandem zu erklären, wo das Geschirr hinkommt. Ich habe gern selbst die Kontrolle, anstatt hinterher kontrollieren zu müssen, ob eine Tätigkeit korrekt und vollständig erledigt wurde. Ich arbeite gern Aufgaben schnell, effektiv und hintereinander ab, möglichst störungsfrei. Ich bin kein Prokrastinator, nicht bei Haushaltstätigkeiten und sonst eigentlich auch kaum. Mein Motto ist: Mach es selbst, dann weißt du, dass alles in deinem Sinne geschieht. Das führte dazu, dass wir unsere Kinder immer in recht wenige Haushaltstätigkeiten eingebunden haben und sie wahrscheinlich fast das Gefühl haben, "das bisschen Haushalt macht sich von allein...";-)
Daneben bin ich auch eine Mama, die tendenziell gern bemuttert, die Kinder umsorgt und lieber ein Mal mehr hilft, als sie zu überfordern. Ich nehme ihnen viele Kleinigkeiten und manchmal auch Herausforderungen ab, die sie schon selbst schaffen könnten. Ich mag sie gern noch ein wenig in ihrer unbeschwerten Kindheitsblase lassen und die Anforderungen der Umwelt von ihnen fern halten. Ich helfe ihnen beim Anziehen, ich räume lieber selbst schnell auf, ich schmiere ihre Brote und schneide ihr Essen. Das hat sowohl den Grund, dass ich allein schneller, gründlicher und fehlerfreier bin, als auch, dass ich sie gern umsorge und ihnen u.a. dadurch meine Zuwendung und Nähe gebe. Manche Dinge sind auch schlicht nicht möglich oder sehr stressig. Staubsaugen geht zum Beispiel nicht, wenn die Kinder da sind, weil die Kleine Angst vor der Lautstärke hat und weint. Beim Wäsche aufhängen haben sie früher für jedes Kleidungsstück, das ich aufhängte, eins wieder runtergezogen. Beim Obst schneiden ist es mühsam, auf 20 Finger zu achten, wenn beide mit scharfen Messern hantieren. Vor allem, wenn man selbst auch vorankommen will. Und so weiter. Das ist alles effizienter, schneller und nervenschonender als mit den beiden zusammen. Vielleicht wäre es mit nur einem Kind anders, aber zwei Kinder bringen einfach soviel durcheinander, man kann sie nicht in jeder Sekunde im Auge behalten und sie stecken sich gegenseitig mit "Blödsinn" an. Das einzige, wo ich sie immer gern eingespannt habe, war und ist das Putzen ihres Spielzeugs. Wenn ich sie im Kinderzimmer still beschäftigen musste, weil beispielsweise mein Mann krank war, habe ich ihnen Putzlappen gegeben und wir haben zu dritt das Spielzeug gesäubert. Das haben sie meist gut und ausdauernd mitgemacht. Insgesamt aber haben wir ihnen viel abgenommen, viel geholfen und unsererseits viel selbst gemacht.
Irgendwann, als sie etwas älter waren, wollte ich nicht mehr alle Haushaltstätigkeiten in meiner Freizeit machen und habe angefangen, in der Anwesenheit der Kinder kleinere Dinge abzuarbeiten. Ich habe auch mehrfach den Papa dazu angehalten, vor oder nach dem Spielen mit den Kindern Aufgaben zu erledigen, um ihnen zu zeigen, was es alles zu tun gibt. Es fiel und fällt ihm schwer, und auch ich erledige bis heute meine Aufgaben am liebsten in Ruhe, ohne Unterbrechungen, ohne Anliegen und Fragen der Kinder. Das mag gut für uns sein, aber die Kinder lehrt es nichts. Wir haben uns jetzt also vorgenommen, einerseits die Kinder mehr in leichtere Tätigkeiten mit einzubeziehen als auch unsere Arbeiten in ihrer Anwesenheit zu erledigen. Dann müssen sie warten oder sich selbst beschäftigen.
Die Kleine hilft sehr gern, z.B. beim Tischdecken und -abräumen, Geschirrspüler ausräumen, Einkäufe verstauen etc. Statt dass ich mich ärgere, wenn sie mir in der Küche zwischen den Beinen herumwuselt, frage ich sie lieber, ob sie mir helfen will. Das ist zwar manchmal nervenaufreibend, aber irgendwie auch befriedigend und es macht Spaß, gemeinsam abzuarbeiten. Der Große ist da unwilliger, er hilft nur, wenn er selbst bereit dazu ist, nicht aus Gemeinschaftssinn oder weil er uns eine Freude machen will. Das tangiert ihn nicht. Er war nie ein Kind, was gern im Hauhalt geholfen oder sich für Haushaltsdinge interessiert hat. Ihn muss man also ganz freilassend anfragen und es, wenn er nicht will (wie meist), akzeptieren. Vielleicht ist die Erfahrung seiner Unwilligkeit auch einer der Gründe dafür, dass wir die Kinder tendenziell kaum in Alltagsarbeiten einbeziehen? Die Kleine ist jedenfalls ein anderer Charakter und wir müssen nun erst wieder lernen, dass ein Kind auch gern und bereitwillig hilft. Das ist ein Prozess, den wir erst begonnen haben. Und jedesmal muss ich mich selbst ermahnen und erinnern, es anders zu machen als bisher.
Manchmal hat man keine Nerven dafür. Wir haben im Sommer den Zaun unserer Gartenterrasse gestrichen und beide Kinder wollten helfen. Immer und immer wieder haben sie sich trotz mehrfacher Erinnerung an den frischgestrichenen Zaun gelehnt, haben sich mit Farbe bekleckst und Farbpaletten umgeworfen. Normal für Kinder, aber da sagt man sich dann schon, mach es lieber allein, warum tust du dir den Stress an. Ähnlich ist es beim Plätzchen backen und anderen Dingen. Kommt dann noch der eine oder andere Wutanfall dazu, ist es schnell vorbei mit dem Spaß. Trotzdem sollten wir es immer wieder versuchen, gerade bei dem bereitwilligen unserer Kinder. Ich selbst war als Kind und Jugendliche ziemlich unselbstständig und hilflos, wahrscheinlich, weil meine Eltern mir auch vieles abgenommen und mich wenig einbezogen haben. Ich sehe einige Aspekte davon schon jetzt beim Großen. Das kann nicht gut sein und ich möchte das bewusst anders machen.
Der andere Punkt ist das elterliche Helfen. Ich helfe meinen Kindern gern und viel, einige würden sagen, zu viel. Manchmal bemuttere ich sie. Klar können sie sich schon allein die Schuhe anziehen und die Jacke zumachen, aber ich übernehme das trotzdem oft für sie. Besonders wenn sie das Bedürfnis nach Zuwendung und Anlehnen haben, wie z.B. nach der Kita oder morgens, wenn sie mit dem Papa das Haus verlassen. Dann helfe ich ihnen, weil ich weiß, dass ihnen diese Situationen eh' schon schwer genug fallen. Es ist aber manchmal schwierig, zu entscheiden, ob ein Bedürfnis nach Zuwendung dahinter steckt oder schlicht Bequemlichkeit. Letzteres möchte ich nicht fördern, ein Bedürfnis aber gern erfüllen. Ich will aber auch nicht, wie manche Eltern das gern tun, sie auf Teufel komm raus dazu anhalten, Dinge selbst zu machen, von denen ich weiß, dass sie sie schon allein können. Ich sehe das oft, dass Eltern dann einfach ihr Ding durchziehen wollen. Ich habe das auch schon versucht, aber es widerspricht mir und fühlt sich für mich und die Kinder natürlich nicht gut an. Es ist aber tatsächlich eine Gratwanderung, zu entscheiden, wann dieser oder jener Beweggrund für Verweigerung vorhanden ist.
Der Große ist z.B. ein Kind, das sich gern helfen lässt und darüber seinen Aufmerksamkeitstank füllt (siehe dieser Text "Warum Kinder ständig unsere Aufmerksamkeit verlangen"). Dem bin ich meist nachgekommen, als ich verstanden hatte, warum er das braucht. Manchmal ist er aber auch bequem und ruht sich auf meiner Hilfe aus. Was ist wann der Fall? Einmal hat er auf dem Heimweg von der Kita alles verweigert und boykottiert, ich wusste nicht warum, und bin laut und ungeduldig geworden. Zuhause merkte ich dann, dass er Fieber hat und es ihm nicht gut geht. Das hat mich sehr betroffen gemacht und ich habe mich geschämt. Also lieber doch ein Mal zuviel helfen und die Gefahr der Unselbstständigkeit oder Bequemlichkeit des Kindes in Kauf nehmen, wie ich es meist mache? Sehr schwierig! Ich glaube, es gibt dafür keine Lösung und auch meine beiden Kinder werden sich sehr unterschiedlich entwickeln, bei gleichen häuslichen Bedingungen. Das ist ja jetzt schon der Fall. Die Kleine zieht sich viel bereitwilliger allein an und entwickelt tendenziell mehr Ehrgeiz darin, Dinge allein und selbstständig zu schaffen, als der Große. Was das Mithelfen unserer Kinder betrifft, können wir bewusst etwas mehr Hilfe von ihnen bei alltäglichen Aufgaben anfragen, aber völlig freilassend, und dabei auch die unterschiedliche Bereitschaft der Kinder berücksichtigen. Was unser Umsorgen angeht, ist das nicht so eindeutig, weil sie sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben und es schwierig ist, ihre "Hilfsbedürftigkeit" einzuschätzen. Brauchen Sie Unterstützung, weil sie etwas noch nicht können, zu bequem sind oder weil sie Zuwendung und Nähe benötigen? Oder sollten wir mehr ihre Selbstständigkeit fördern? Ich lerne noch...
Wie handhabt ihr das, seid ihr auch so, dass ihr Dinge am liebsten allein macht? Bemuttert ihr eure Kinder gern? Helfen sie bereitwillig oder haben sie kein Interesse an alltäglichen Aufgaben? Oder wollt ihr eure Kinder um jeden Preis zur Selbstständigkeit und Unabhängigkeit anhalten? Müssen eure Kinder schon bestimmte Aufgaben übernehmen? Schildert mal eure Erfahrungen mit dem Thema.
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Dienstag, 1. November 2016
Montag, 13. Juni 2016
Babylächeln oder Kleinkindgespräche (Blogparade #babyfrage)
Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, laufen mir jeden Tag kinderwagenschiebende Mütter über den Weg. Früher - kinderlos - hätte ich gedacht: "Haben die es gut, das muss ein Leben sein!" Nun habe ich zweimal die Erfahrung gemacht und denke nur: "Oh Gott, nicht einen einzigen Tag möchtest du das nochmal erleben!" Diese Erschöpfung, diese Fremdbestimmung, diese Einsamkeit, diese Trostlosigkeit, diese intellektuelle Unterforderung. Mir kommen sofort die Bilder in den Kopf, auf denen ich stundenlang mit meinem Baby auf dem Boden hocke und hundertmal Baubecher übereinander stapele. Oder am Fenster stehe und das Kind schuckele, während für alle anderen Menschen das Leben einfach so weiterging. Oder bei Eiseskälte, gliederschmerz- und krankheitsgeplagt 4 Stunden mit dem Kinderwagen spazieren musste, damit das Kind mal etwas länger schlief. Bilder, auf denen ich nicht eine einzige Mahlzeit in Ruhe verspeisen konnte. Auf denen ich abends alle halbe Stunde ins Kinderzimmer herbeigeschrien wurde und nachts stundenlang mit dem Baby durch die dunkle Wohnung lief. Auf denen ich tränenüberströmt, todunglücklich oder wütend-aggressiv mit meinem neuen Leben haderte. Diese Bilder ließen sich unendlich fortsetzen und ich bin einfach nur glücklich, dass diese Zeit vorbei ist. Jetzt, mit einem 5 und einem 3 Jahre alten Kind, gibt es auch Herausforderungen, aber lange nicht so existenzielle wie im ersten Babyjahr. Und über eines bin ich mir mittlerweile im Klaren: ich bin einfach keine Baby-Mama.
Passend dazu hat der Blog Das Elternhandbuch eine Blogparade ins Leben gerufen: Baby? Nein, danke! Warum ich große Kinder so sehr liebe! Groß sind meine Kinder zwar noch nicht, aber schon lange keine Babys mehr und ich bin dafür sehr dankbar. Man kann mit ihnen Unterhaltungen führen und sich oft schon auf Vernunftebene begegnen. Man hat gemeinsame Erlebnisse, an die man sich erinnert, und kennt das Kind schon lange genug, um (meist) zu wissen, wo der Schuh drückt. Man weiß um die Vorlieben und Marotten des Kindes, ebenso kennt das Kind die Eigenarten seiner Eltern und hat seinen Platz in der Familie gefunden. Die Kinder werden selbstständiger und unabhängiger, wodurch man selbst Stück für Stück seine Unabhängigkeit wiedergewinnt. Ich kann meinen 5-Jährigen schon eine kurze Zeit allein in der Wohnung lassen, die Kinder bestellen ihre Kugel Eis (fast) allein, gehen ohne mich auf die Toilette (aber gern mit mir) und der Große will schon ganz oft nicht mehr Karussell fahren, wenn wir auf einem Fest sind. Der Buggy wird bald überflüssig sein und viel Kleinkindkram wird nach und nach verkauft.
Wenn ich mit meinem Großen allein unterwegs bin, fühlt sich das ganz toll an. Wir sind dann ein Team, unterhalten uns und nichts erinnert mehr an das hysterisch schreiende Baby im Kinderwagen. Auch wenn man mit ihm allein zuhause ist, kann man sich relativ gut entspannen. Man ist einfach nicht mehr ständig in Bereitschaft und muss sich nicht mehr komplett auf das Kind konzentrieren. Er war schon zweimal allein mit meinem Mann für ein Hotelwochenende unterwegs und kann sich im Gegensatz zu früher mittlerweile sehr gut darauf einstellen. Meine Lieblingsmomente sind, wenn wir uns beide ruhig, jeder für sich, beschäftigen, der Große Lego baut und ich etwas für mich mache. Mit der Kleinen funktioniert das noch nicht, aber ich weiß nun, dass diese Zeit kommen wird.
Mit der Kleinen kann ich mich so bewusst unterhalten, das ist eine wahre Freude. Obwohl sie noch deutlich mehr auf mich angewiesen ist als der Große, merkt man dennoch deutlich, wie sie langsam flügge wird. Und das ist so toll, ich genieße jeden einzelnen Schritt. Noch nicht ein Mal habe ich mir eine frühere Phase zurückgewünscht, sondern habe die Erfahrung gemacht, dass es für mich immer einfacher wurde, je älter die Kinder wurden, wie im Text Kleine Kinder, keine Sorgen? schon beschrieben. Ich bin auch überhaupt nicht neidisch auf schwangere Frauen oder frischgebackene Eltern, denn wenn ich ein Baby sehe, denke ich zuerst immer an die unangenehmen, fordernden, nervenaufreibenden Aspekte dieser Zeit. Obwohl die Babyzeiten beider Kinder sehr verschieden waren (mein Großer war ein High-Need-Kind, die Kleine nicht), habe ich immer das Ende herbeigesehnt und mich über jeden Geburtstag meiner Kinder gefreut. Das Zusammenleben mit unserem Großen ist tatsächlich erst etwa mit 4 Jahren entspannter geworden, das ist also jetzt etwas über ein Jahr her, und der Kontrast zu den Jahren davor ist wirklich extrem. Das war einfach nur kräftezehrend. Der knappe Geschwisterabstand (26 Monate) trug zur Erschöpfung noch mehr bei und wirbelte die Familie erneut durcheinander. Ich erinnere mich nur an sehr wenige ruhige, entspannte, glückliche Momente aus den ersten Jahren.
Mittlerweile ist Stabilität eingetreten, jedes Familienmitglied hat ein eigenes Leben und der Alltag fühlt sich wieder relativ normal an. Das heißt nicht, dass es nicht anstrengend ist; aber meine gesamte Existenz ist nicht mehr so erschüttert wie in der Babyzeit. Ich bin wieder ich, zwar noch mit vielen Einschränkungen, aber ich kann wieder leben. In der Babyzeit habe ich nur funktioniert. Hoffentlich liebevoll funktioniert, aber eben nur für die Kinder existiert. Das ist vorbei, gottseidank. Ich brauche das nicht, dass ein kleines Wesen komplett auf mich angewiesen ist. Manchen Müttern gibt das Bestätigung und einen Lebenssinn, ich dagegen fühle mich dadurch wie eingesperrt und ausgesaugt. Das hätte ich nie und nimmer, erst recht nicht in diesem Ausmaß, erwartet und es dauerte lange, bis ich akzeptierte, dass es eben so ist. Ich bin keine Baby-Mama.
Ich mag es, dass meine Kinder älter werden. Ich mag es, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich mag es, dass sie Meinungen, Vorlieben, Interessen, Ansichten entwickeln und äußern. Ich mag es, wie sie sich in ihr Leben einfinden. Ich mag es, dass sie mich nicht mehr für ihre elementaren Bedürfnisse brauchen, sondern für anspruchsvollere Dinge. Ich freue mich darauf, meine Kinder beim Älterwerden zu begleiten, ihnen meine Interessen und Leidenschaften näherzubringen, sie die Welt entdecken zu lassen und mit ihnen spannende Fragen zu diskutieren. Ich freue mich auf einen Pool gemeinsamer Erinnerungen und das weitere Zusammenwachsen. Ich freue mich auf die erste Städtereise mit ihnen, die erste Bergwanderung, die erste Museumsführung, auf ruhige und genussvolle Restaurantbesuche, auf die Ausweitung unseres Urlaubsziel-Radiuses durch längere Autofahrten, auf anspruchsvollere Gesellschaftsspiele und wissensvermittelnde Kinderbücher, aus denen man selbst noch lernt. Ich freue mich auch auf ihre zunehmende Abnabelung, auf mehr Unabhängigkeit und Selbstständigkeit für beide Seiten. Dadurch wird unser Verhältnis seine Einseitigkeit verlieren und immer gleichberechtigter werden.
Vieles davon wäre mit dem Großen allein schon jetzt möglich. Mit der Kleinen noch nicht, aber es wird kommen. Und dem fiebere ich entgegen, darauf freue ich mich und möchte nicht zurück. Die Babyzeit empfand ich nie als erfüllend, nicht mit der relativ pflegeleichten Kleinen und erst recht nicht mit dem anstrengenden Großen. Ich hätte sie getrost überspringen können. Ein wissbegieriges Gespräch mit einem Kleinkind bedeutet mir mehr als ein zahnloses Babylächeln. Je älter sie werden, umso mehr Spaß macht es. Natürlich gibt es tagtäglich Situationen und immer wieder längere Phasen, die so gar keinen Spaß machen. Aber die Tendenz steht fest. Ich bin gespannt, ob sich diese Serie weiterhin so fortsetzt. Hoffentlich!
Passend dazu hat der Blog Das Elternhandbuch eine Blogparade ins Leben gerufen: Baby? Nein, danke! Warum ich große Kinder so sehr liebe! Groß sind meine Kinder zwar noch nicht, aber schon lange keine Babys mehr und ich bin dafür sehr dankbar. Man kann mit ihnen Unterhaltungen führen und sich oft schon auf Vernunftebene begegnen. Man hat gemeinsame Erlebnisse, an die man sich erinnert, und kennt das Kind schon lange genug, um (meist) zu wissen, wo der Schuh drückt. Man weiß um die Vorlieben und Marotten des Kindes, ebenso kennt das Kind die Eigenarten seiner Eltern und hat seinen Platz in der Familie gefunden. Die Kinder werden selbstständiger und unabhängiger, wodurch man selbst Stück für Stück seine Unabhängigkeit wiedergewinnt. Ich kann meinen 5-Jährigen schon eine kurze Zeit allein in der Wohnung lassen, die Kinder bestellen ihre Kugel Eis (fast) allein, gehen ohne mich auf die Toilette (aber gern mit mir) und der Große will schon ganz oft nicht mehr Karussell fahren, wenn wir auf einem Fest sind. Der Buggy wird bald überflüssig sein und viel Kleinkindkram wird nach und nach verkauft.
Wenn ich mit meinem Großen allein unterwegs bin, fühlt sich das ganz toll an. Wir sind dann ein Team, unterhalten uns und nichts erinnert mehr an das hysterisch schreiende Baby im Kinderwagen. Auch wenn man mit ihm allein zuhause ist, kann man sich relativ gut entspannen. Man ist einfach nicht mehr ständig in Bereitschaft und muss sich nicht mehr komplett auf das Kind konzentrieren. Er war schon zweimal allein mit meinem Mann für ein Hotelwochenende unterwegs und kann sich im Gegensatz zu früher mittlerweile sehr gut darauf einstellen. Meine Lieblingsmomente sind, wenn wir uns beide ruhig, jeder für sich, beschäftigen, der Große Lego baut und ich etwas für mich mache. Mit der Kleinen funktioniert das noch nicht, aber ich weiß nun, dass diese Zeit kommen wird.
Quelle: Pixabay
Mit der Kleinen kann ich mich so bewusst unterhalten, das ist eine wahre Freude. Obwohl sie noch deutlich mehr auf mich angewiesen ist als der Große, merkt man dennoch deutlich, wie sie langsam flügge wird. Und das ist so toll, ich genieße jeden einzelnen Schritt. Noch nicht ein Mal habe ich mir eine frühere Phase zurückgewünscht, sondern habe die Erfahrung gemacht, dass es für mich immer einfacher wurde, je älter die Kinder wurden, wie im Text Kleine Kinder, keine Sorgen? schon beschrieben. Ich bin auch überhaupt nicht neidisch auf schwangere Frauen oder frischgebackene Eltern, denn wenn ich ein Baby sehe, denke ich zuerst immer an die unangenehmen, fordernden, nervenaufreibenden Aspekte dieser Zeit. Obwohl die Babyzeiten beider Kinder sehr verschieden waren (mein Großer war ein High-Need-Kind, die Kleine nicht), habe ich immer das Ende herbeigesehnt und mich über jeden Geburtstag meiner Kinder gefreut. Das Zusammenleben mit unserem Großen ist tatsächlich erst etwa mit 4 Jahren entspannter geworden, das ist also jetzt etwas über ein Jahr her, und der Kontrast zu den Jahren davor ist wirklich extrem. Das war einfach nur kräftezehrend. Der knappe Geschwisterabstand (26 Monate) trug zur Erschöpfung noch mehr bei und wirbelte die Familie erneut durcheinander. Ich erinnere mich nur an sehr wenige ruhige, entspannte, glückliche Momente aus den ersten Jahren.
Mittlerweile ist Stabilität eingetreten, jedes Familienmitglied hat ein eigenes Leben und der Alltag fühlt sich wieder relativ normal an. Das heißt nicht, dass es nicht anstrengend ist; aber meine gesamte Existenz ist nicht mehr so erschüttert wie in der Babyzeit. Ich bin wieder ich, zwar noch mit vielen Einschränkungen, aber ich kann wieder leben. In der Babyzeit habe ich nur funktioniert. Hoffentlich liebevoll funktioniert, aber eben nur für die Kinder existiert. Das ist vorbei, gottseidank. Ich brauche das nicht, dass ein kleines Wesen komplett auf mich angewiesen ist. Manchen Müttern gibt das Bestätigung und einen Lebenssinn, ich dagegen fühle mich dadurch wie eingesperrt und ausgesaugt. Das hätte ich nie und nimmer, erst recht nicht in diesem Ausmaß, erwartet und es dauerte lange, bis ich akzeptierte, dass es eben so ist. Ich bin keine Baby-Mama.
Ich mag es, dass meine Kinder älter werden. Ich mag es, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich mag es, dass sie Meinungen, Vorlieben, Interessen, Ansichten entwickeln und äußern. Ich mag es, wie sie sich in ihr Leben einfinden. Ich mag es, dass sie mich nicht mehr für ihre elementaren Bedürfnisse brauchen, sondern für anspruchsvollere Dinge. Ich freue mich darauf, meine Kinder beim Älterwerden zu begleiten, ihnen meine Interessen und Leidenschaften näherzubringen, sie die Welt entdecken zu lassen und mit ihnen spannende Fragen zu diskutieren. Ich freue mich auf einen Pool gemeinsamer Erinnerungen und das weitere Zusammenwachsen. Ich freue mich auf die erste Städtereise mit ihnen, die erste Bergwanderung, die erste Museumsführung, auf ruhige und genussvolle Restaurantbesuche, auf die Ausweitung unseres Urlaubsziel-Radiuses durch längere Autofahrten, auf anspruchsvollere Gesellschaftsspiele und wissensvermittelnde Kinderbücher, aus denen man selbst noch lernt. Ich freue mich auch auf ihre zunehmende Abnabelung, auf mehr Unabhängigkeit und Selbstständigkeit für beide Seiten. Dadurch wird unser Verhältnis seine Einseitigkeit verlieren und immer gleichberechtigter werden.
Vieles davon wäre mit dem Großen allein schon jetzt möglich. Mit der Kleinen noch nicht, aber es wird kommen. Und dem fiebere ich entgegen, darauf freue ich mich und möchte nicht zurück. Die Babyzeit empfand ich nie als erfüllend, nicht mit der relativ pflegeleichten Kleinen und erst recht nicht mit dem anstrengenden Großen. Ich hätte sie getrost überspringen können. Ein wissbegieriges Gespräch mit einem Kleinkind bedeutet mir mehr als ein zahnloses Babylächeln. Je älter sie werden, umso mehr Spaß macht es. Natürlich gibt es tagtäglich Situationen und immer wieder längere Phasen, die so gar keinen Spaß machen. Aber die Tendenz steht fest. Ich bin gespannt, ob sich diese Serie weiterhin so fortsetzt. Hoffentlich!
Mittwoch, 20. April 2016
Viele erste Male für die Kleine
Auch meine Kleine wird langsam, aber sicher größer und selbstständiger. In Kürze feiern wir ihren 3. Geburtstag und in den letzten Tagen und Wochen gab es einige erste Male für sie, die im Vergleich zum Großen zwar später, aber nicht weniger aufregend waren. Heute war zum Beispiel erstmals ihre beste Freundin allein mit bei uns. Ich nahm sie direkt aus der Kita mit, was eigentlich die ungewisseste Situation ist, aber problemlos klappte und ging mit den drei Kindern Eis essen, kurz auf den Spielplatz und dann nach Hause. Unterwegs waren meine Kinder abwechselnd ziemlich launisch, ich glaube, sie können es einfach immer noch nicht haben, wenn sie nach der Kita nicht meine volle Aufmerksamkeit kriegen. Die Kleine begab sich sehr in Konkurrenz zur Freundin, die das alles stoisch ertrug, weil sie ein ruhiges und ausgleichendes Naturell hat. Erst zuhause wurde es besser und meine Kinder beobachteten interessiert, wie sie das Kinderzimmer erkundete. Der Große wollte unbedingt mit im Kinderzimmer bleiben, er fürchtete wohl um seine Schätze :-). Ich weiß noch nicht, wie wir das Besuchsproblem zukünftig lösen, da wir ja nur ein Kinderzimmer haben. Jedes Kind soll mit Freund/ Freundin auch mal allein spielen können, ohne von Bruder oder Schwester gestört zu werden. Vielleicht ergibt sich das erst, wenn solche Besuche häufiger werden und nicht mehr so super interessant sind. Jedenfalls war es toll, dass zum ersten Mal ein Besuchskind für die Kleine allein bei uns war. Auch für mich ist das aufregend; natürlich kenne ich das Kind von vielen Spielplatzbesuchen, aber allein verantwortlich zu sein zusätzlich zu meinen beiden Kindern ist schon etwas anderes. Das hatte ich bisher eben nur mit Freunden vom Großen.
Noch viel heikler und ungewisser war die Situation vor 2 Tagen, als die Kita relativ kurzfristig einen Schließtag anberaumte und ich zwar meinen freien Tag, aber einen wichtigen Physio-Doppeltermin hatte. Ich hatte für die fraglichen anderthalb Stunden jedes Kind theoretisch bei jeweils einer befreundeten Familie untergebracht. Nur war es komplett unsicher, ob die Kleine wirklich allein dort bleiben würde. Sie war nämlich noch nie allein irgendwo bei anderen zuhause gewesen und ist ja insgesamt sehr anhänglich an mich. Ich hatte deshalb echt Sorge, dass es klappt und habe mich schon darauf eingestellt, sie mitzunehmen und mit Puzzle und Handy neben meine Physio-Liege zu setzen. Außerdem gab es noch die Option, dass der Große mit ihr zusammen bei der Familie bleibt, falls sie nicht allein bleiben will. Der freute sich aber natürlich auch auf seine Freunde. Ich hatte beide Kinder ausführlich und immer wieder vorbereitet.
Wir brachten zuerst die Kleine zu den Freunden und nach einem kurzen Zögern blieb sie tatsächlich allein. Puh, mir fiel ein Stein vom Herzen! So konnte der Große zu seinen Freunden und ich beruhigt zu meiner Physiostunde gehen. Der Große war auch ganz perplex. Später holte ich jedes Kind wieder einzeln ab und mit der Kleinen hatte alles super geklappt. Das erste Mal allein bei Freunden geblieben! Für sie ein großer Schritt und für mich sehr beruhigend. Das sind alles kleine Bausteinchen hin zu mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Und zwar nicht mit der Holzhammermethode, sondern langsam vorbereitet durch viele Besuche und Annäherung. Das ist mir sehr wichtig.
Daneben gibt es immer wieder Entscheidungen, die ich für sie treffe, weil ich denke, dass sie noch nicht soweit ist. So hatte die Kita vor 2 Wochen die erste Kita-Übernachtung der 2-4jährigen Kinder angesetzt. Abgesehen davon, dass ich das grundsätzlich in diesem Alter für völlig überflüssig und für zu früh halte, wäre sie auch noch gar nicht bereit dafür gewesen. Schließlich darf abends nur ich sie ins Bett bringen und auch nachts will sie nur mich. Sie hat noch nie woanders, bei den Großeltern oder so, geschlafen. Außerdem haben wir mit dem Großen zwei schlechte Erfahrungen mit den Kita-Übernachtungen gemacht. Ich musste überhaupt nicht überlegen, um sie nicht in die Übernachtungsliste einzutragen. Das geht noch nicht, und das ist auch gar nicht schlimm.
Was aber mittlerweile geht, ist, dass der Papa sie in den Mittagsschlaf begleitet. Es klappte vor wenigen Wochen zum ersten Mal und vor 2 Wochen, als sie krank mit Papa zuhause war, dann auch kontinuierlich und zuverlässig jeden Tag. Da war ich allerdings nicht anwesend. Am vergangenen Wochenende funktionierte es tatsächlich erstmals, dass der Papa sie mittags schlafen bringen durfte, obwohl ich zuhause war. Große Klasse! Das lässt hoffen in Bezug auf das abendliche Zubettbringen, was sicherlich nur noch eine Frage der Zeit ist.
Einiges davon klappte beim Großen schon früher, was man gar nicht vermuten würde und mir selbst im Rückblick unwirklich vorkommt. Er blieb ab ca. 2 Jahre allein bei der Familie seines besten Freundes, mit denen viele Treffen und Besuche stattgefunden hatten. Sein Trennungsschmerz war zwar stark, wurde aber aufgefangen und danach klappte alles gut. Ebenso blieb sein bester Freund auch schon mit 2 Jahren allein bei uns. Der Papa brachte den Großen ab dem Alter von 13 Monaten, als das Einschlafstillen nicht mehr funktionierte, ins Bett und spätestens, als die Kleine da war und ich mich um sie kümmerte, war der Papa dafür ausschließlich zuständig. Bei den Großeltern übernachtet hat er aber auch erst ab 3 Jahre und in unbekannten Situationen trennt er sich gar nicht von uns. Jeder dieser Schritte bedarf/bedurfte einer langen, sensiblen Vorbereitung, und das konnten wir bei ihm leisten, als die Kleine noch nicht da bzw. klein war. Sie kam nun in die bestehenden Strukturen hinein, profitierte einerseits davon, brauchte andererseits länger, um selbst diese Schritte gehen zu können. Aber jetzt kommt ihre Zeit.
Viele kleine Schritte, Herausforderungen und Veränderungen für sie, alles in ihrem Tempo und sanft vorbereitet sowie begleitet, führen nun hin zu ihrem baldigen 3. Geburtstag. Mein kleines Mädchen wird groß und ich finde es toll, wie sie sich weiterentwickelt.
Noch viel heikler und ungewisser war die Situation vor 2 Tagen, als die Kita relativ kurzfristig einen Schließtag anberaumte und ich zwar meinen freien Tag, aber einen wichtigen Physio-Doppeltermin hatte. Ich hatte für die fraglichen anderthalb Stunden jedes Kind theoretisch bei jeweils einer befreundeten Familie untergebracht. Nur war es komplett unsicher, ob die Kleine wirklich allein dort bleiben würde. Sie war nämlich noch nie allein irgendwo bei anderen zuhause gewesen und ist ja insgesamt sehr anhänglich an mich. Ich hatte deshalb echt Sorge, dass es klappt und habe mich schon darauf eingestellt, sie mitzunehmen und mit Puzzle und Handy neben meine Physio-Liege zu setzen. Außerdem gab es noch die Option, dass der Große mit ihr zusammen bei der Familie bleibt, falls sie nicht allein bleiben will. Der freute sich aber natürlich auch auf seine Freunde. Ich hatte beide Kinder ausführlich und immer wieder vorbereitet.
Wir brachten zuerst die Kleine zu den Freunden und nach einem kurzen Zögern blieb sie tatsächlich allein. Puh, mir fiel ein Stein vom Herzen! So konnte der Große zu seinen Freunden und ich beruhigt zu meiner Physiostunde gehen. Der Große war auch ganz perplex. Später holte ich jedes Kind wieder einzeln ab und mit der Kleinen hatte alles super geklappt. Das erste Mal allein bei Freunden geblieben! Für sie ein großer Schritt und für mich sehr beruhigend. Das sind alles kleine Bausteinchen hin zu mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Und zwar nicht mit der Holzhammermethode, sondern langsam vorbereitet durch viele Besuche und Annäherung. Das ist mir sehr wichtig.
Daneben gibt es immer wieder Entscheidungen, die ich für sie treffe, weil ich denke, dass sie noch nicht soweit ist. So hatte die Kita vor 2 Wochen die erste Kita-Übernachtung der 2-4jährigen Kinder angesetzt. Abgesehen davon, dass ich das grundsätzlich in diesem Alter für völlig überflüssig und für zu früh halte, wäre sie auch noch gar nicht bereit dafür gewesen. Schließlich darf abends nur ich sie ins Bett bringen und auch nachts will sie nur mich. Sie hat noch nie woanders, bei den Großeltern oder so, geschlafen. Außerdem haben wir mit dem Großen zwei schlechte Erfahrungen mit den Kita-Übernachtungen gemacht. Ich musste überhaupt nicht überlegen, um sie nicht in die Übernachtungsliste einzutragen. Das geht noch nicht, und das ist auch gar nicht schlimm.
Was aber mittlerweile geht, ist, dass der Papa sie in den Mittagsschlaf begleitet. Es klappte vor wenigen Wochen zum ersten Mal und vor 2 Wochen, als sie krank mit Papa zuhause war, dann auch kontinuierlich und zuverlässig jeden Tag. Da war ich allerdings nicht anwesend. Am vergangenen Wochenende funktionierte es tatsächlich erstmals, dass der Papa sie mittags schlafen bringen durfte, obwohl ich zuhause war. Große Klasse! Das lässt hoffen in Bezug auf das abendliche Zubettbringen, was sicherlich nur noch eine Frage der Zeit ist.
Einiges davon klappte beim Großen schon früher, was man gar nicht vermuten würde und mir selbst im Rückblick unwirklich vorkommt. Er blieb ab ca. 2 Jahre allein bei der Familie seines besten Freundes, mit denen viele Treffen und Besuche stattgefunden hatten. Sein Trennungsschmerz war zwar stark, wurde aber aufgefangen und danach klappte alles gut. Ebenso blieb sein bester Freund auch schon mit 2 Jahren allein bei uns. Der Papa brachte den Großen ab dem Alter von 13 Monaten, als das Einschlafstillen nicht mehr funktionierte, ins Bett und spätestens, als die Kleine da war und ich mich um sie kümmerte, war der Papa dafür ausschließlich zuständig. Bei den Großeltern übernachtet hat er aber auch erst ab 3 Jahre und in unbekannten Situationen trennt er sich gar nicht von uns. Jeder dieser Schritte bedarf/bedurfte einer langen, sensiblen Vorbereitung, und das konnten wir bei ihm leisten, als die Kleine noch nicht da bzw. klein war. Sie kam nun in die bestehenden Strukturen hinein, profitierte einerseits davon, brauchte andererseits länger, um selbst diese Schritte gehen zu können. Aber jetzt kommt ihre Zeit.
Viele kleine Schritte, Herausforderungen und Veränderungen für sie, alles in ihrem Tempo und sanft vorbereitet sowie begleitet, führen nun hin zu ihrem baldigen 3. Geburtstag. Mein kleines Mädchen wird groß und ich finde es toll, wie sie sich weiterentwickelt.
Mittwoch, 25. März 2015
Angekommen im Mamasein
Ich habe etwas Angst, diesen Post zu schreiben, weil ich Murphy fürchte, der immer das Gegenteil dessen bringt, was man gerade beschrien hat. Als ich den Beitrag über die Schlafkarriere meiner Kinder veröffentlichte, waren die danach folgenden Nächte sehr unruhig. Mittlerweile schlafen sie wieder sehr gut durch, aber komisch war das schon. Also bitte seht es mir nach, wenn ich in den nächsten Tagen auf Twitter das Gegenteil von dem hier Geschriebenen von mir gebe;)
Es mag für viele merkwürdig klingen, aber ich habe das Gefühl, dass ich erst jetzt, nach 4 Jahren, so richtig im Mamasein angekommen bin. Das liegt an vielen verschiedenen Aspekten, wie der zunehmenden Selbstständigkeit der Kinder, der Strukturierung des Alltags durch Arbeit und Kita, der Zufriedenheit in der Arbeitswoche, wo ich einen schönen Ausgleich zwischen Zeit für mich (Arbeit) und Zeit für die Kinder am Nachmittag habe, und vor allem an einer viel größeren Gelassenheit, die im Laufe der letzten Wochen und Monate über mich gekommen ist und die mit sich bringt, dass ich einerseits viel weniger als früher mit der Fremdbestimmung durch die Kinder hadere, andererseits viel ruhiger und ausgeglichener mit den Kindern umgehe, was sich deutlich positiv auf die allgemeine Stimmung der Kinder auswirkt und viele Konfliktsituationen entschärft.
Ich habe keine Ahnung, woher die größere Gelassenheit auf einmal kommt. Man kann sich meiner Meinung nach schwerlich zur Ruhe und Ausgeglichenheit zwingen, wenn es in einem tobt und rumort. Natürlich wirkt eine entspannte Haltung gerade im Umgang mit Kindern beruhigend und ausgleichend. Diese kann ich mir aber weder herbeireden noch -zaubern in den Momenten, wo mich alles nervt und ich meine Ruhe bräuchte. Tatsächlich muss diese Fähigkeit also in der letzten Zeit in mir gewachsen sein, und es fühlt sich sehr gut an. Ein bisschen Traurigkeit und Resignation ist auch dabei, weil mir nun mittlerweile Dinge noch unwichtiger geworden sind, die mich früher essentiell ausmachten oder störten. Aber das gehört wohl dazu, weil sich die Prioritäten eben ändern, und ich denke, solange ich das noch empfinden kann, ist der Kontakt zu dem Vor-Kind-Ich noch da. Insgesamt aber finde ich diese meine Entwicklung positiv und vor allem den aktuellen Umständen angemessen, aber es hat lange gedauert, bis dieses Gefühl des Angekommen-Seins bei mir durchgedrungen ist.
Nun sind meine Kinder ja mit 4 und knapp 2 Jahren noch relativ klein und abhängig von uns Eltern. Aber man sieht doch schon deutlich die Entwicklung, dass sie immer unabhängiger und selbstständiger werden und wir Eltern damit mehr Freiräume bekommen. Der Große kann bei den Großeltern (selten) und in der Kita (bisher einmal) übernachten, geht schon länger alleine zu Freunden und Geburtstagen und fährt im Juni auf Kitareise. Er geht allein auf Toilette, zieht sich allein an (wenn er will), hat Rituale verinnerlicht (Händewaschen), um die man lange kämpfen musste, und hat mittlerweile, glaube ich, auch erkannt, was er an seinem Zuhause hat. Er ist in den letzten Wochen nochmal sehr viel verständiger und bewusster geworden und hat Denkstrukturen entwickelt, die ich noch vor einem halben Jahr bei ihm nicht für möglich hielt. Er fährt Fahrrad, unterhält sich mit seinen Freunden und ist ganz deutlich auf dem Weg zu einem eigenständigen, nicht mehr in dem Maße von uns Eltern abhängigen Wesen.
Die Kleine ist natürlich noch wesentlich mehr auf uns, besonders mich, angewiesen. Zum Einschlafen und nachts braucht sie mich, zum Trösten ist Mama gefordert, sie will noch viel getragen werden und fragt auch an dem Papa-Nachmittag immer nach mir. Sie war noch nicht alleine bei Freunden und ich würde sie zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht alleine irgendwohin geben, wo sie keine Bezugsperson hat. In der Kita fühlt sie sich aber wohl, sucht immer wieder die Nähe des Großen, und auch wenn die Kinder mit unserer sporadischen Babysitterin oder selten genug mit den Großeltern mal für 2 Stunden unterwegs sind, tröstet und stützt sie die Anwesenheit des Bruders. Obwohl sie also noch sehr auf uns, vor allem mich, fixiert ist, merkt man doch schon, dass die absolute Abhängigkeit nachlässt und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie auch nachts ohne mich sein kann. Diese konkrete Aussicht auf eine bald wiederkehrende Freiheit für mich ist, obwohl ich sie sicherlich nicht oft nutzen werde, so schön und freudig, dass eben selbst das Wissen um eine bald wieder zur Verfügung stehende Option viel zur Zufriedenheit beiträgt. Der Duft der Freiheit und das langsame, aber erkennbare Ende der allerschlimmsten Fremdbestimmtheit der Baby- und Kleinkindjahre reichen mir im Moment schon, um meiner Seele eine gute Stabilität zu geben, die oft fehlte in den letzten Jahren.
Aber nicht nur sind die Kinder selbstständiger geworden, auch ich bin gelassener und ruhiger geworden, was den Lärm- und Streitpegel und die täglichen kleinen Scharmützel betrifft. Man mag es auch eine gewisse Abgestumpftheit nennen, aber ich lasse viele kleinere Konflikte nicht mehr so nahe an mich ran bzw. reagiere besonnener. Mich nervt nicht mehr so vieles wie früher, weil ich es eh nicht ändern kann. Ich reibe mich auch nicht mehr innerlich auf, wenn den Kindern etwas runterfällt, kaputtgeht oder sie etwas dreckig machen. Und ich bin auch gelassener, weil ich deutliche und positive Entwicklungen sehe, besonders beim Großen. Was sich nicht geändert hat, ist, dass ich sowohl bei physischen als auch bei mentalen Wunden meiner Kinder immer extrem mitleide und deshalb sofort und ausgiebig tröste, so lange, bis es wieder gut ist. Ich bin also nicht generell abgebrühter geworden, sondern tatsächlich nur in den vielen aufreibenden Belangen. Bei diesen schlichte ich ruhig, versuche Kompromisse zu finden, spiele den Clown und probiere den Balanceakt zwischen "an mir abprallen lassen" und "intensiv auf die Kinder eingehen". Und ich merke, dass es mir und den Kindern gut tut.
Die Nachmittage mit den Kindern kann ich mittlerweile richtig genießen, ich bin froh, nach der Arbeit noch eine komplett gegensätzliche Aufgabe zu haben, genieße die frische Luft, die kleinen Erlebnisse (Eis essen, Spielplatz, Smalltalks mit Eltern, kleine Besorgungen im Kiez) und fühle mich inzwischen dem Handling von beiden Kindern auch gewachsen, was lange Zeit nicht der Fall war. Sicherlich gibt es auch immer wieder mal extreme Nervsituationen, wo dann auch bei mir das Fass überläuft. Aber insgesamt gesehen ist das deutlich weniger und seltener geworden. Ich kann mich viel besser auf die Kinder einlassen und fühle nicht mehr ständig überfordert, obwohl man sich manchmal echt zerreißen müsste, um beiden gerecht zu werden.
Halt gibt mir neben der zunehmenden Freiheit sowie der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der Kinder auch die Tatsache, dass ich ein eigenes Leben habe und nicht permanent mit den Kindern zusammen bin. Auf der Arbeit kann ich ICH sein und am Nachmittag vergesse ich dann die Arbeit schnell wieder. Man hat gar keine Zeit mehr, lange irgendwelchen Problemchen nachzuhängen, weil die Kinder einen immer auf Trab halten. Die Abwechslung unter der Woche tut mir in jedem Fall sehr gut und trägt viel zur Zufriedenheit und Ausgeglichenheit bei. Bis vor kurzem habe ich die Wochenenden, wo man rund um die Uhr zusammen war, immer als sehr anstrengend empfunden und bin regelmäßig an und über meine Grenzen gekommen. Dies scheint sich nun auch zu bessern. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Letztens haben die Kinder knapp 30min zu zweit im Kinderzimmer gespielt, ohne dass es Mord- und Totschlag gab. Das war eine Sensation! Und mein Gott, diese 30min reichen mir zwischendurch schon fast, um mal kurz was für mich zu tun. Man wird ja bescheiden, aber es ist schon viel viel mehr als in den letzten 4 Jahren.
Ich habe in den letzten Jahren sehr viel mit der Fremdbestimmtheit durch die Kinder, der permanenten Anspannung und den fehlenden Ruhephasen gehadert. Dies rief eine ständige latente Unzufriedenheit hervor, die sich dann wiederum oft in der Ungeduld mit den Kindern niederschlug. Ich habe zwar versucht, es nicht zu zeigen, war aber immer irgendwie innerlich angespannt. Dass dies jetzt tatsächlich zum allergrößten Teil verschwunden ist, ist eine ganz neue, mich wirklich überraschende Entwicklung, die sich wie der letzte fehlende Baustein zu einer guten Mutterschaft anfühlt.
Morgen fahren wir ein paar Tage weg und sind wieder 24h am Tag zusammen. Ich bin gespannt, ob sich meine Gelassenheit dann auch bewahren lässt. Ich wünsche es mir, denn es ist ein wunderschönes Gefühl, dieses Angekommen-Sein im Mamasein.
Es mag für viele merkwürdig klingen, aber ich habe das Gefühl, dass ich erst jetzt, nach 4 Jahren, so richtig im Mamasein angekommen bin. Das liegt an vielen verschiedenen Aspekten, wie der zunehmenden Selbstständigkeit der Kinder, der Strukturierung des Alltags durch Arbeit und Kita, der Zufriedenheit in der Arbeitswoche, wo ich einen schönen Ausgleich zwischen Zeit für mich (Arbeit) und Zeit für die Kinder am Nachmittag habe, und vor allem an einer viel größeren Gelassenheit, die im Laufe der letzten Wochen und Monate über mich gekommen ist und die mit sich bringt, dass ich einerseits viel weniger als früher mit der Fremdbestimmung durch die Kinder hadere, andererseits viel ruhiger und ausgeglichener mit den Kindern umgehe, was sich deutlich positiv auf die allgemeine Stimmung der Kinder auswirkt und viele Konfliktsituationen entschärft.
Ich habe keine Ahnung, woher die größere Gelassenheit auf einmal kommt. Man kann sich meiner Meinung nach schwerlich zur Ruhe und Ausgeglichenheit zwingen, wenn es in einem tobt und rumort. Natürlich wirkt eine entspannte Haltung gerade im Umgang mit Kindern beruhigend und ausgleichend. Diese kann ich mir aber weder herbeireden noch -zaubern in den Momenten, wo mich alles nervt und ich meine Ruhe bräuchte. Tatsächlich muss diese Fähigkeit also in der letzten Zeit in mir gewachsen sein, und es fühlt sich sehr gut an. Ein bisschen Traurigkeit und Resignation ist auch dabei, weil mir nun mittlerweile Dinge noch unwichtiger geworden sind, die mich früher essentiell ausmachten oder störten. Aber das gehört wohl dazu, weil sich die Prioritäten eben ändern, und ich denke, solange ich das noch empfinden kann, ist der Kontakt zu dem Vor-Kind-Ich noch da. Insgesamt aber finde ich diese meine Entwicklung positiv und vor allem den aktuellen Umständen angemessen, aber es hat lange gedauert, bis dieses Gefühl des Angekommen-Seins bei mir durchgedrungen ist.
Nun sind meine Kinder ja mit 4 und knapp 2 Jahren noch relativ klein und abhängig von uns Eltern. Aber man sieht doch schon deutlich die Entwicklung, dass sie immer unabhängiger und selbstständiger werden und wir Eltern damit mehr Freiräume bekommen. Der Große kann bei den Großeltern (selten) und in der Kita (bisher einmal) übernachten, geht schon länger alleine zu Freunden und Geburtstagen und fährt im Juni auf Kitareise. Er geht allein auf Toilette, zieht sich allein an (wenn er will), hat Rituale verinnerlicht (Händewaschen), um die man lange kämpfen musste, und hat mittlerweile, glaube ich, auch erkannt, was er an seinem Zuhause hat. Er ist in den letzten Wochen nochmal sehr viel verständiger und bewusster geworden und hat Denkstrukturen entwickelt, die ich noch vor einem halben Jahr bei ihm nicht für möglich hielt. Er fährt Fahrrad, unterhält sich mit seinen Freunden und ist ganz deutlich auf dem Weg zu einem eigenständigen, nicht mehr in dem Maße von uns Eltern abhängigen Wesen.
Die Kleine ist natürlich noch wesentlich mehr auf uns, besonders mich, angewiesen. Zum Einschlafen und nachts braucht sie mich, zum Trösten ist Mama gefordert, sie will noch viel getragen werden und fragt auch an dem Papa-Nachmittag immer nach mir. Sie war noch nicht alleine bei Freunden und ich würde sie zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht alleine irgendwohin geben, wo sie keine Bezugsperson hat. In der Kita fühlt sie sich aber wohl, sucht immer wieder die Nähe des Großen, und auch wenn die Kinder mit unserer sporadischen Babysitterin oder selten genug mit den Großeltern mal für 2 Stunden unterwegs sind, tröstet und stützt sie die Anwesenheit des Bruders. Obwohl sie also noch sehr auf uns, vor allem mich, fixiert ist, merkt man doch schon, dass die absolute Abhängigkeit nachlässt und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie auch nachts ohne mich sein kann. Diese konkrete Aussicht auf eine bald wiederkehrende Freiheit für mich ist, obwohl ich sie sicherlich nicht oft nutzen werde, so schön und freudig, dass eben selbst das Wissen um eine bald wieder zur Verfügung stehende Option viel zur Zufriedenheit beiträgt. Der Duft der Freiheit und das langsame, aber erkennbare Ende der allerschlimmsten Fremdbestimmtheit der Baby- und Kleinkindjahre reichen mir im Moment schon, um meiner Seele eine gute Stabilität zu geben, die oft fehlte in den letzten Jahren.
Aber nicht nur sind die Kinder selbstständiger geworden, auch ich bin gelassener und ruhiger geworden, was den Lärm- und Streitpegel und die täglichen kleinen Scharmützel betrifft. Man mag es auch eine gewisse Abgestumpftheit nennen, aber ich lasse viele kleinere Konflikte nicht mehr so nahe an mich ran bzw. reagiere besonnener. Mich nervt nicht mehr so vieles wie früher, weil ich es eh nicht ändern kann. Ich reibe mich auch nicht mehr innerlich auf, wenn den Kindern etwas runterfällt, kaputtgeht oder sie etwas dreckig machen. Und ich bin auch gelassener, weil ich deutliche und positive Entwicklungen sehe, besonders beim Großen. Was sich nicht geändert hat, ist, dass ich sowohl bei physischen als auch bei mentalen Wunden meiner Kinder immer extrem mitleide und deshalb sofort und ausgiebig tröste, so lange, bis es wieder gut ist. Ich bin also nicht generell abgebrühter geworden, sondern tatsächlich nur in den vielen aufreibenden Belangen. Bei diesen schlichte ich ruhig, versuche Kompromisse zu finden, spiele den Clown und probiere den Balanceakt zwischen "an mir abprallen lassen" und "intensiv auf die Kinder eingehen". Und ich merke, dass es mir und den Kindern gut tut.
Die Nachmittage mit den Kindern kann ich mittlerweile richtig genießen, ich bin froh, nach der Arbeit noch eine komplett gegensätzliche Aufgabe zu haben, genieße die frische Luft, die kleinen Erlebnisse (Eis essen, Spielplatz, Smalltalks mit Eltern, kleine Besorgungen im Kiez) und fühle mich inzwischen dem Handling von beiden Kindern auch gewachsen, was lange Zeit nicht der Fall war. Sicherlich gibt es auch immer wieder mal extreme Nervsituationen, wo dann auch bei mir das Fass überläuft. Aber insgesamt gesehen ist das deutlich weniger und seltener geworden. Ich kann mich viel besser auf die Kinder einlassen und fühle nicht mehr ständig überfordert, obwohl man sich manchmal echt zerreißen müsste, um beiden gerecht zu werden.
Halt gibt mir neben der zunehmenden Freiheit sowie der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der Kinder auch die Tatsache, dass ich ein eigenes Leben habe und nicht permanent mit den Kindern zusammen bin. Auf der Arbeit kann ich ICH sein und am Nachmittag vergesse ich dann die Arbeit schnell wieder. Man hat gar keine Zeit mehr, lange irgendwelchen Problemchen nachzuhängen, weil die Kinder einen immer auf Trab halten. Die Abwechslung unter der Woche tut mir in jedem Fall sehr gut und trägt viel zur Zufriedenheit und Ausgeglichenheit bei. Bis vor kurzem habe ich die Wochenenden, wo man rund um die Uhr zusammen war, immer als sehr anstrengend empfunden und bin regelmäßig an und über meine Grenzen gekommen. Dies scheint sich nun auch zu bessern. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Letztens haben die Kinder knapp 30min zu zweit im Kinderzimmer gespielt, ohne dass es Mord- und Totschlag gab. Das war eine Sensation! Und mein Gott, diese 30min reichen mir zwischendurch schon fast, um mal kurz was für mich zu tun. Man wird ja bescheiden, aber es ist schon viel viel mehr als in den letzten 4 Jahren.
Ich habe in den letzten Jahren sehr viel mit der Fremdbestimmtheit durch die Kinder, der permanenten Anspannung und den fehlenden Ruhephasen gehadert. Dies rief eine ständige latente Unzufriedenheit hervor, die sich dann wiederum oft in der Ungeduld mit den Kindern niederschlug. Ich habe zwar versucht, es nicht zu zeigen, war aber immer irgendwie innerlich angespannt. Dass dies jetzt tatsächlich zum allergrößten Teil verschwunden ist, ist eine ganz neue, mich wirklich überraschende Entwicklung, die sich wie der letzte fehlende Baustein zu einer guten Mutterschaft anfühlt.
Morgen fahren wir ein paar Tage weg und sind wieder 24h am Tag zusammen. Ich bin gespannt, ob sich meine Gelassenheit dann auch bewahren lässt. Ich wünsche es mir, denn es ist ein wunderschönes Gefühl, dieses Angekommen-Sein im Mamasein.
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