Posts mit dem Label Kleinkind werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kleinkind werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 28. September 2018

Ratgeber für Eltern hochsensibler Kinder: "Alle Antennen auf Empfang" (Rezension)

Ich freue mich, euch ein brandneues Buch über hochsensible Kinder vorzustellen, das gerade im Humboldt Verlag erschienen ist. Es handelt sich um das Buch "Alle Antennen auf Empfang"* von der Bloggerin Mira Mondstein und dem Familien- und Paartherapeuten Deva Wallow. Da ich die meisten Bücher über hochsensible Kinder kenne und auch schon einige rezensiert habe, war ich sehr gespannt, ob das Buch neue Informationen für mich beinhalten würde. Es wird explizit als "der praktische Ratgeber" vorgestellt, und das ist es auch. Es ist also kein wissenschaftliches Grundlagenwerk über Hochsensibilität, sondern tatsächlich ein ausführlicher Ratgeber, mit vielen praktischen Tipps, Anregungen, Hilfestellungen und Strategien für den Alltag.

Nach dem Einführungskapitel über Hochsensibilität im Allgemeinen folgen drei umfangreiche Kapitel, die die Lebensphasen von kleinen Kindern behandeln und auf spezielle Herausforderungen in diesen Phasen eingehen. Es wird das Baby- und Kleinkindalter, das Kindergartenalter und das Grundschulalter beschrieben. Danach folgen "Überlebensstrategien im Alltag" sowie Kopiervorlagen für Pädagogen und Bezugspersonen hochsensibler Kinder und ein Test. Im ganzen Buch finden sich Fallgeschichten und Berichte von Eltern zu bestimmten Situationen, die im Leben mit einem hochsensiblen Kind auftreten und herausfordernd sein können, z.B. Urlaub, Kälte, Hunger etc. Die Autoren haben auch eine spezielle Webseite zum Informieren und Weiterlesen eingerichtet: https://www.hochsensibleskind.org/.

Wer ein Schreibaby hat, bei dem sich keinerlei körperliche Ursachen finden lassen, der findet in diesem Buch einige hilfreiche Anregungen, wie der aufreibende Alltag mit solch einem Kind entstresst und erleichtert wird. Wer ein Kleinkind hat, das sich mit der Kita-Eingewöhnung extrem schwer tut, der erhält Tipps für eine sanfte Eingewöhnung, die sich an den speziellen Bedürfnissen hochsensibler Kinder orientiert. Fast alle Herausforderungen, die mit hochsensiblen Kindern auftreten können, werden angesprochen, z.B. die Themen Schlaf, Essverhalten, Kleidung, Kranksein, Waschen, Medizin, Medienkonsum, Ängste, Sozialverhalten etc. In jedem Bereich liefern die Autoren kurze Erklärungen für bestimmte Schwierigkeiten und gleichzeitig auch Anregungen für einen konstruktiven Umgang der Eltern und Bezugspersonen damit. Besonders originell und hilfreich fand ich die kurzen Sequenzen zu Kindergeburtstagen, zu Gesellschaftsspielen und zum Zahnarztbesuch sowie zum Thema Brillenträger, wozu ich meiner Erinnerung nach noch nie etwas in Hinblick auf hochsensible Kinder gelesen hatte. Wirklich toll!


Danach geht es mit dem Thema Schule weiter, einem für alle, aber besonders für hochsensible Kinder heiklen Übergang, dessen Gelingen an vielen verschiedenen, oft nicht beeinflussbaren Faktoren hängt. Die Autoren plädieren nicht für eine bestimmte Schulform, regen aber an, sich im Vorfeld gründlich mit verschiedenen Schulen zu befassen und genau hinzuschauen, was das Kind speziell braucht und was ihm helfen würde. Möglicherweise ist eine alternative Schule besser geeignet als eine staatliche, aber vielleicht sind auch andere Umstände wichtiger:
"Nicht zuletzt kann es für einen guten Start eures Kindes in seine Schullaufbahn aber auch entscheidender sein, mit befreundeten Kindern aus dem Kindergarten in dieselbe Klasse zu gehen." (S. 111)
Letzteres war beispielsweise bei uns der Fall: für meinen Sohn waren die Kontinuität des äußeren Umfelds, die bekannten sozialen Kontakte und nicht zuletzt die klare Struktur an seiner Regelschule eine große Hilfe bei seinem erfolgreichen Schulstart. Für ein anderes hochsensibles Kind mögen sicherlich andere Kriterien entscheidend sein.

In dem Kapitel Schule wird auf verschiedene Probleme wie Erschöpfung, psychosomatische Beschwerden, Leistungsdruck, Überreizung, Mobbing, Unverständnis, Perfektionismus etc. eingegangen, ebenso auf den Unterschied zwischen Hochsensibilität und ADHS. In sehr plastischen Fallgeschichten erkennt man sich und sein Kind oft wieder und erhält gleichzeitig Tipps für den Umgang mit Schwierigkeiten.

Zum Schluss folgen die "Überlebensstrategien im Alltag". Dort sind zum Beispiel Ratschläge zur geeigneten Kinderzimmereinrichtung für ein hochsensibles Kind, für Umzüge und deren Vorbereitung und Strategien zum Stressabbau zu finden. Viele Anregungen und Tipps sind aber auch schon in den vorhergehenden Kapiteln enthalten. Es gibt am Ende auch eine kurze Passage zum Thema "Was können Eltern für sich tun?", ein Bereich, den man keinesfalls ausklammern sollte, da es im Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern essentiell wichtig ist, auch auf die eigenen Ressourcen zu achten.

Die Kopiervorlagen für Erzieher/ Betreuer/ Lehrer von hochsensiblen Kindern sowie ein Test für die Eltern, um einzuschätzen, ob ihr Kind hochsensibel sein könnte, runden das Buch ab.

Mein Fazit:

Die Autoren von "Alle Antennen auf Empfang"* haben sehr viele praktische Hilfestellungen und Geschichten von Eltern hochsensibler Kinder zusammengetragen und gebündelt. Das Buch ist wunderbar praxisnah, empathisch und mit einem liebevollen Blick geschrieben. Das Layout finde ich persönlich sehr ansprechend, es macht Freude, das Buch zur Hand zu nehmen und darin zu blättern.

Als ausführliche Einführung in das Thema Hochsensibilität ist das Buch nicht gedacht, die Einleitung fällt wirklich sehr knapp aus. Wenn man aber konkrete Hilfestellungen und Strategien für spezielle, immer wiederkehrende Schwierigkeiten im Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern sucht, wird man hier fündig. Man erfährt, dass auch andere Eltern vor bestimmten Problemen stehen, die mit nicht hochsensiblen Kindern nicht existieren, und fühlt sich verstanden.

Ich selbst habe mir im Laufe der Jahre viele nützliche Strategien für den Umgang mit meinem Sohn selbst erarbeitet oder zufällig herausgefunden. Wir sind mittlerweile ein ganz gut aufeinander eingespieltes Team. Einige "Baustellen" gibt es zwar noch, bei denen auch keine der im Buch beschriebenen Strategien hilft, aber insgesamt weiß ich, worauf ich bei ihm achten muss. Das war aber ein jahrelanger Prozess des Suchens und Erkennens, den solch ein Buch hätte erleichtern können. Für Eltern, die sich gerade am Anfang des gemeinsamen Weges mit ihrem hochsensiblen Kind befinden, ist das Buch sehr bereichernd.

Ich empfehle das Buch deshalb sehr gern als - wie es im Untertitel steht - praktischen Ratgeber für Eltern hochsensibler Kinder.

Die Eckdaten:

Mondstein, Mira/ Wallow, Deva: Alle Antennen auf Empfang. Der praktische Ratgeber für Eltern von hochsensiblen Kindern*, Humboldt Verlag, August 2018, 184 Seiten, ISBN 978-3869106410, 19,99 €

Vielen Dank an den Humboldt Verlag für das Rezensionsexemplar.

Alle weiteren Rezensionen von mir findet ihr hier.



* Affiliate Link
Copyright Bilder: Humboldt Verlag, Frühlingskindermama

Donnerstag, 26. Januar 2017

Die Herausforderungen hochsensibler Jungen: "Ist unser Sohn hochsensibel?" (Rezension)

Das Buch, das ich heute vorstellen möchte, ist ganz neu auf dem Markt und im Herder Verlag erschienen: "Ist unser Sohn hochsensibel? Hochsensibilität bei Jungen erkennen und verstehen"*. Die Autorin Uta Reimann-Höhn ist Pädagogin, Mutter zweier Söhne und hat schon einige Ratgeber verfasst, u.a. zum Thema AD(H)S. Soweit mir bekannt ist, handelt es sich bei diesem neu erschienenen Buch um das erste und bisher einzige Werk, das sich speziell dem Thema "Hochsensible Jungen" widmet. Über hochsensible Männer gibt es seit kurzem das Buch Der sanfte Krieger von Oliver Domröse, doch die Hochsensibilität bei Jungen wird in den diversen Sachbüchern nur angeschnitten, z. B. in Hochsensibel ist mehr als zart besaitet von Sylvia Harke auf S. 222ff. Mich interessiert das Thema sehr, denn mein Großer ist vermutlich hochsensibel und seine in diesem Jahr bevorstehende Einschulung beschert mir viele Gedanken und Sorgen, die um sein spezielles Wesen und sein Klarkommen in diesem unindividualistischen System Schule kreisen. Dafür habe ich im Buch viele wertvolle Anregungen und Tipps bekommen. Es ist allerdings, und das habe ich fast erwartet, im Wesentlichen ein Buch über hochsensible Kinder, nicht nur Jungen.

Die Autorin startet mit einer kurzen Einführung anhand von Fallbeispielen und geht erfrischend schnell ins Detail, ohne sich an langen Erklärungen oder Diskussionen über das Phänomen der Hochsensibilität aufzuhalten. Man sollte also schon ein wenig Vorwissen zu dem Thema haben. Danach folgt das Kapitel "Positive Merkmale von hochsensiblen Jungen", in dem sie zum einen beschreibt, was hochsensible Kinder besonders gut können, zum anderen aber auch erwähnt, worunter solche Kinder gerade in der heutigen Zeit leiden. Und sie geht auf die speziellen Herausforderungen hochsensibler Jungen/ Männer ein, denn: "Besonders schwer haben es die Jungen, denn noch immer wird von ihnen erwartet, einem klassischen Rollenbild zu folgen. Ein Junge, der nicht tobt, kämpft und sich durchsetzt, wird häufig nicht ernst genommen." (S. 41f.) Und: "Hochsensible Jungen können ihre Gefühle und ihre Wahrnehmung der Welt selten mit anderen Männern teilen." (S. 139)

Spezielle Herausforderungen von hochsensiblen Jungen im Vergleich zu ihren nicht hochsensiblen Geschlechtsgenossen sind z.B.:

- die Abneigung gegen Körperlichkeit und Konkurrenzkampf: "Gerangel und Kämpfchen mögen sie nicht und vermeiden Auseinandersetzungen, wo immer es geht. Streitereien und Konflikte - Alltag im Kindergarten und für manche Jungen ein großer Spaß - sind ihnen verhasst." (S. 46)

- die Abneigung gegen Gruppen- und Wettkampfspiele

- die Abneigung gegen den Genuss von Fleisch bzw. überhaupt das selektive Essverhalten

- ihre Vorsichtigkeit, Ängstlichkeit und mangelnde Experimentierfreudigkeit, Abneigung gegen Höhe und Geschwindigkeit, fehlende Risikofreude

- ihre Emotionalität, ihr Einfühlungsvermögen, ihre Tendenz zum Vermittler und Nicht-Eignung zum "Anführer", ihre Entscheidungsscheu und Bedachtsamkeit

Nach der Einführung folgt ein Test mit 25 Fragen, der sich am bekannten Test von Elaine Aron orientiert und deren Fragen auf Jungen fokussiert. Die Fragen passen naturgemäß auf Kinder beides Geschlechts. Ich finde die diversen Tests zwar immer interessant, denke aber, dass es genau wie bei der Frage der eigenen Hochsensibilität genauso stark darauf ankommt, ob man sich selbst oder sein Kind in den Beschreibungen der Literatur bzw. den Erfahrungsberichten erkennt. Sucht man Antworten auf Fragen oder Hilfestellungen für Herausforderungen, dann beschäftigt man sich weiter mit dem Thema, unabhängig davon, wieviele Punkte man oder das Kind erreicht hat.

Danach geht die Autorin ausführlich auf die verschiedenen Lebensphasen eines Kindes ein: Baby- und Kleinkindzeit, Schuljahre und Pubertät. Sie bestätigt, dass man schon bei Säuglingen erste Anzeichen einer Hochsensibilität wie schnelle Überreizung, schlechtes Abschalten, unstillbares Schreien, starkes Fremdeln, Einforderung von Struktur und gewohnten Dingen etc. erkennen kann, konstatiert aber, dass "vielen Eltern [...] die Besonderheit dieses Verhaltens gar nicht auf[fällt], besonders wenn es sich um das erste Kind handelt" (S. 41). Das kann ich aus unserer Geschichte heraus nicht bestätigen, ich habe von Anfang an Erklärungen für das in meinen Augen auffällig ungewöhnliche und kräftezehrende Verhalten meines Großen gesucht. Auch in der Kleinkindzeit sieht man deutlich die Anzeichen für eine Hochsensibilität von Kindern, vor allem beim Thema Essen und Kleidung, Körperpflege (Waschen, Friseur, Nägelschneiden etc.), Fixierung auf wenige Bezugspersonen, Überforderung im Kindergartenalltag, Geräuschempfindlichkeit, Konfliktscheu usw. Eltern können hier durch viel Verständnis und Einfühlsamkeit großen Einfluss auf die Entwickung des Kindes nehmen.

Eine besondere Herausforderung für hochsensible Kinder ist die Schulzeit, die man gerade für diese Kinder sehr gut vorbereiten sollte. Aus diesem Kapitel habe ich angesichts der bei uns bald bevorstehenden Einschulung viele interessante Anregungen und Tipps mitgenommen. Die Umstellung auf diesen (wie auch auf jeden) neuen Lebensabschnitt kann bei hochsensiblen Kindern deutlich mehr Zeit einnehmen als bei anderen. Schule ist in fast allen Komponenten wesentlich anstrengender als der Kitaalltag. Das Kind braucht also noch mehr Regenerationsmöglichkeiten und Ruheoasen. Der Beziehung des Kindes und der Eltern zum Lehrer/zur Lehrerin kommt eine enorm große Bedeutung zu. Da hochsensible Kinder auf jegliche Art von Druck negativ reagieren, müssen bis dahin Strategien gefunden werden, um mit dem steigenden schulischen Druck umzugehen. Auch das Thema Freundschaften bringt nun besondere Herausforderungen mit sich, die Ansprüche an die Anpassungsfähigkeit an die Peergroup wachsen und Klassenfahrten sowie Teamsport sind nicht immer positive Erfahrungen für hochsensible Kinder. Perfektionismus, geringe Frustrationstoleranz, Kritikempfindlichkeit, Ruhebedürftigkeit, starkes Gerechtigkeitsempfinden, mangelndes Selbstbewusstsein machen sich während der Schulzeit noch deutlicher bemerkbar als vorher.

Besonders in der Pubertät, dieser extremsten Phase der Selbstfindung, hat die Veranlagung hochsensibler Jungen keinen Platz. Vieles, woran andere Jugendliche Freude haben, ist für Hochsensible Folter (Konzerte, Disko, Fußballspiele, Partys). Sie fühlen sich deshalb schnell ausgegrenzt und einsam, wenn sie bis dahin nicht einen oder mehrere Gleichgesinnte gefunden und diese Freundschaften auch gepflegt haben. Eine gute Methode nicht nur zum Finden von Gleichgesinnten, sondern auch zum Aufbau von Selbstbewusstsein ist das möglichst frühzeitige Aussuchen eines passenden Hobbys, wodurch sowohl Selbst- als auch Fremdbestätigung erlangt werden kann. Hierbei sollten gerade die Eltern unterstützend wirken und gemeinsam mit dem Kind/ Jugendlichen eine Leidenschaft/ ein Hobby suchen, was fordert, ohne zu überfordern, das den Kontakt zu Gleichgesinnten herstellt und Bestätigung gibt. Wenn dies nicht vorhanden ist, besteht gerade für hochsensible Jungen in der Pubertät das Risiko, an falsche Freunde zu geraten: "Werden sie von einer Gemeinschaft freundlich und ohne Bewertung ihrer Persönlichkeit aufgenommen, stellen sie deren Motive möglicherweise nicht mehr infrage." (S. 140) Deshalb ist es unabdingbar, das eigene Kind mit all seinen Facetten anzunehmen und ihm Wege zu zeigen, wie es Selbstbewusstsein und Resilienz erlangen kann. Bei der späteren Berufswahl sollten nicht nur die Interessen, sondern auch die Rahmenbedingungen (Großraumbüro, Außenkontakte, Flexibilität) berücksichtigt werden.

Zum Abschluss des Buches folgen in gebündelter Form wichtige Tipps für Eltern hochsensibler Kinder, eine Zusammenfassung und ein paar Anlaufstellen sowie Literaturvorschläge.

Zusammenfassung:

Das Buch liest sich sehr gut und flüssig, ist verständlich und praxisnah geschrieben. Ein paar Vorkenntnisse über Hochsensibilität sollte man schon besitzen. Die Fallbeispiele veranschaulichen die theoretischen Aspekte, man findet Situationen wieder, die jeder, der ein hochsensibles Kind hat, schon erlebt hat. Für mich war besonders die ausführliche Behandlung der Schulzeit unglaublich interessant und ich habe in diesem Kapitel viele sehr gute Ratschläge gefunden, die ich berücksichtigen werde. Vieles mache ich schon richtig und doch bleibt die Sorge vor den großen Herausforderungen der Schulzeit. Das Buch hat mir sehr geholfen, meinen diffusen Ängste etwas zu ordnen und zu beruhigen. Ich werde dezidiert auf die beschriebenen Punkte achten und hoffe, dadurch zu einer sicherlich nicht unanstrengenden, aber von Verständnis und Unterstützung getragenen Schulzeit für meinen Großen beizutragen.

Einige Äußerungen haben mir überhaupt nicht gefallen und mich sehr an veraltete pädagogische Muster erinnert, z.B.: "Achten Sie darauf, dass Ihr Kind solche Wutanfälle nicht dazu benutzt, seinen Willen durchzusetzen.[...] Diese Unterscheidung müssen Sie treffen, um Ihrem Kind klare Grenzen aufzuzeigen und sich nicht von ihm manipulieren zu lassen." (S. 43) oder auch "Vermeiden Sie es, gerade auch bei Schulkindern, bis zum Einschlafen am Bett sitzen zu bleiben." (S. 94) Solche pauschalen Aussagen kann ich nicht nachvollziehen, man sollte sich aber auch nicht zu sehr daran festbeißen.

Insgesamt kann ich die Lektüre dieses Buches jedem, der sich für das Thema hochsensible Kinder, speziell bei Jungen, interessiert, empfehlen. Viele der beschriebenen Aspekte passen auf beide Geschlechter und einige Bereiche sind für hochsensible Jungen besonders brisant. Sicherlich ist es für hochsensible Jungen noch schwieriger, ihren Weg zu finden, als für Mädchen. Der Rolle der Eltern bzw. Bezugspersonen kommt hier große Bedeutung zu. Im Buch finden sich äußerst wertvolle Tipps für das liebe- und verständnisvolle Navigieren durch die Kindheit und Jugend eines hochsensiblen Jungen.

Die Eckdaten:
Uta Reimann-Höhn: Ist unser Sohn hochsensibel? Hochsensibilität bei Jungen erkennen und verstehen*, Herder Verlag, Januar 2017, 192 Seiten, ISBN 978-3451614040, € 19,99

*Affiliate Link
 

Montag, 10. Oktober 2016

Urlaubsnervosität

Eventuell wird es in den nächsten zwei Wochen ruhiger auf dem Blog. Der Grund dafür ist: wir wollen dem Herbst entfliehen und fliegen erstmals mit beiden Kindern in den Urlaub und ich weiß nicht, ob ich Netz habe und das WLAN funktioniert. Danach wird es natürlich einen Bericht mit vielen Fotos und sicherlich auch emotionalen Gedanken geben.

Wir sind sehr nervös, denn das ist unser erster Flugurlaub mit beiden Kindern. Geflogen sind wir bisher nur ein Mal mit dem Großen allein, als er 1 3/4 Jahre alt war, also vor fast 4 Jahren. Damals auf unsere Lieblingsinsel Gran Canaria. Obwohl die Flüge sehr anstrengend mit ihm waren, er schlecht schlief, sehr früh (zwischen 4:30 und 5:30 Uhr) aufwachte und wir penibel darauf achten mussten, uns an seinen Tagesrhythmus zu halten, weil jede Umstellung für ihn schwierig war, war es ein sehr schöner, im Rahmen der Möglichkeiten sogar teilweise entspannender Urlaub, in dem er aufblühte und einen großen Entwicklungssprung machte. Die Erinnerungen daran sind, im Vergleich zu der übrigen Zeit in diesem Alter, überwiegend positiv.

Damals dachten wir eigentlich, dass wir in der langen Elternzeit, die mein Mann bei der Kleinen hatte, wegfliegen würden, da wir ja nun erfahren seien. Die Herausforderungen, die zwei Kinder mit sich brachten, waren aber nochmal solch ein Niveauunterschied, dass wir dies lieber sein ließen. Auch in den darauffolgenden Jahren fehlte immer der letzte Mut, es zu wagen, und mehrere nervenaufreibende Urlaube, z.B. dieser hier, trugen dazu bei. So bewegten wir uns überwiegend in gewohnten Gefilden und das bewährte sich. Im Herbst 2015 hatten wir eigentlich vorgehabt, in die Wärme zu fliegen, aber da wir alle vier fast durchgehend von Krankheiten heimgesucht wurden, hatte sich das zerschlagen. Wir hatten einfach keine Kraft dafür. Jetzt sind die Kinder wieder ein Jahr älter und wir wollten es endlich wagen.

Die letzten Wochen waren sehr nervenaufreibend. Beide Kinder sind seit ca. 3-4 Wochen sehr anstrengend, fordernd, schwierig, emotional geladen und aufmüpfig. Es dauert keine 2 Minuten, bis einer von beiden weint, wenn sie zusammen sind. Uns gegenüber waren sie sehr respektlos und unduldsam. Ich nehme an, dass die Kleine (knapp 3 1/2) die letzten Auswüchse ihrer Autonomiephase mit teilweise identischen Ausdrucksformen wie der Große, wenn auch nicht ganz so extrem, durchlebt und der Große mit 5 1/2 Jahren nun schon in die 6-Jahres-Krise kommt. Auch, wenn ich darauf vorbereitet war, erwischte es mich doch eiskalt und ich bin ziemlich verstört ob des Rückfalles in frühere Zeiten. Ich sehe gewisse Entwicklungsschritte schon durchschimmern, habe aber im Moment fast nur mit den negativen, unschönen Auswüchsen dieser Entwicklungsschübe zu tun. Es triggert uns natürlich auch, wenn die Kinder so schlecht drauf sind; zwar reagieren wir sicherlich gelassener als früher, aber es beeinträchtigt uns natürlich trotzdem in unserem emotionalen Gleichgewicht, wenn beide Kinder parallel außer sich sind. Denkbar schlechte Voraussetzungen für einen für uns anstrengenden, da ungewohnten Urlaub. Ich habe nun meine Hoffnung darin gelegt, dass sie sicherlich ebenfalls urlaubsreif sind und sich hoffentlich etwas entspannen werden, sobald der Druck des Alltags von ihnen abfällt und sie merken, dass wir Eltern den ganzen Tag verfügbar sind. Die Sonne und Wärme und spannenden Erlebnisse werden hoffentlich zu einer Beruhigung der Situation beitragen.

Meine größte Angst war, dass vorher noch etwas passiert, sich jemand einen Arm bricht oder mit Magen-Darm flachliegt. Das verstärkt den Druck bei einem Flugurlaub sehr, wie ich deutlich im Vorfeld merkte. In einem Ferienhaus im Inland kann man auch am nächsten Tag anreisen oder ein Fieberkind angemessen betreuen. In einem Flugurlaub ist das alles sehr viel schwieriger. Als die Kleine vor einer Woche rückwärts von einem ca. 80 cm hohen Baumstamm herunterfiel und sich danach den Arm hielt und lange weinte, fürchtete ich schon das Schlimmste. Auch sind sie und mein Mann seit Tagen erkältet. Es ist einfach alles so unglaublich unberechenbar mit kleinen Kindern, und da wir beide nicht die nervenstärksten Eltern sind, werfen uns viele kleine Unwägbarkeiten schon schnell aus der Bahn. Ich mache drei Kreuze, wenn wir im Flieger sitzen!

Gleichzeitig freue ich mich darauf, ihnen ein Stück mehr von der Welt zu zeigen, sie neue Erfahrungen sammeln zu lassen und tolle gemeinsame Erlebnisse mit ihnen zu machen. Ich bin gespannt, wie sie sich zurechtfinden und reagieren und welche Erinnerungen sie mitnehmen werden. Ebenso freue ich mich sehr darauf, wiedermal etwas für mich/uns zu tun und die baby- und kleinkindbedingte Flugpause zu beenden. Hach, wie toll, es geht in die Welt hinaus!

Bildquelle: Pixabay

Montag, 13. Juni 2016

Babylächeln oder Kleinkindgespräche (Blogparade #babyfrage)

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, laufen mir jeden Tag kinderwagenschiebende Mütter über den Weg. Früher - kinderlos - hätte ich gedacht: "Haben die es gut, das muss ein Leben sein!" Nun habe ich zweimal die Erfahrung gemacht und denke nur: "Oh Gott, nicht einen einzigen Tag möchtest du das nochmal erleben!" Diese Erschöpfung, diese Fremdbestimmung, diese Einsamkeit, diese Trostlosigkeit, diese intellektuelle Unterforderung. Mir kommen sofort die Bilder in den Kopf, auf denen ich stundenlang mit meinem Baby auf dem Boden hocke und hundertmal Baubecher übereinander stapele. Oder am Fenster stehe und das Kind schuckele, während für alle anderen Menschen das Leben einfach so weiterging. Oder bei Eiseskälte, gliederschmerz- und krankheitsgeplagt 4 Stunden mit dem Kinderwagen spazieren musste, damit das Kind mal etwas länger schlief. Bilder, auf denen ich nicht eine einzige Mahlzeit in Ruhe verspeisen konnte. Auf denen ich abends alle halbe Stunde ins Kinderzimmer herbeigeschrien wurde und nachts stundenlang mit dem Baby durch die dunkle Wohnung lief. Auf denen ich tränenüberströmt, todunglücklich oder wütend-aggressiv mit meinem neuen Leben haderte. Diese Bilder ließen sich unendlich fortsetzen und ich bin einfach nur glücklich, dass diese Zeit vorbei ist. Jetzt, mit einem 5 und einem 3 Jahre alten Kind, gibt es auch Herausforderungen, aber lange nicht so existenzielle wie im ersten Babyjahr. Und über eines bin ich mir mittlerweile im Klaren: ich bin einfach keine Baby-Mama.

Passend dazu hat der Blog Das Elternhandbuch eine Blogparade ins Leben gerufen: Baby? Nein, danke! Warum ich große Kinder so sehr liebe! Groß sind meine Kinder zwar noch nicht, aber schon lange keine Babys mehr und ich bin dafür sehr dankbar. Man kann mit ihnen Unterhaltungen führen und sich oft schon auf Vernunftebene begegnen. Man hat gemeinsame Erlebnisse, an die man sich erinnert, und kennt das Kind schon lange genug, um (meist) zu wissen, wo der Schuh drückt. Man weiß um die Vorlieben und Marotten des Kindes, ebenso kennt das Kind die Eigenarten seiner Eltern und hat seinen Platz in der Familie gefunden. Die Kinder werden selbstständiger und unabhängiger, wodurch man selbst Stück für Stück seine Unabhängigkeit wiedergewinnt. Ich kann meinen 5-Jährigen schon eine kurze Zeit allein in der Wohnung lassen, die Kinder bestellen ihre Kugel Eis (fast) allein, gehen ohne mich auf die Toilette (aber gern mit mir) und der Große will schon ganz oft nicht mehr Karussell fahren, wenn wir auf einem Fest sind. Der Buggy wird bald überflüssig sein und viel Kleinkindkram wird nach und nach verkauft.

Wenn ich mit meinem Großen allein unterwegs bin, fühlt sich das ganz toll an. Wir sind dann ein Team, unterhalten uns und nichts erinnert mehr an das hysterisch schreiende Baby im Kinderwagen. Auch wenn man mit ihm allein zuhause ist, kann man sich relativ gut entspannen. Man ist einfach nicht mehr ständig in Bereitschaft und muss sich nicht mehr komplett auf das Kind konzentrieren. Er war schon zweimal allein mit meinem Mann für ein Hotelwochenende unterwegs und kann sich im Gegensatz zu früher mittlerweile sehr gut darauf einstellen. Meine Lieblingsmomente sind, wenn wir uns beide ruhig, jeder für sich, beschäftigen, der Große Lego baut und ich etwas für mich mache. Mit der Kleinen funktioniert das noch nicht, aber ich weiß nun, dass diese Zeit kommen wird.

Quelle: Pixabay

Mit der Kleinen kann ich mich so bewusst unterhalten, das ist eine wahre Freude. Obwohl sie noch deutlich mehr auf mich angewiesen ist als der Große, merkt man dennoch deutlich, wie sie langsam flügge wird. Und das ist so toll, ich genieße jeden einzelnen Schritt. Noch nicht ein Mal habe ich mir eine frühere Phase zurückgewünscht, sondern habe die Erfahrung gemacht, dass es für mich immer einfacher wurde, je älter die Kinder wurden, wie im Text Kleine Kinder, keine Sorgen? schon beschrieben. Ich bin auch überhaupt nicht neidisch auf schwangere Frauen oder frischgebackene Eltern, denn wenn ich ein Baby sehe, denke ich zuerst immer an die unangenehmen, fordernden, nervenaufreibenden Aspekte dieser Zeit. Obwohl die Babyzeiten beider Kinder sehr verschieden waren (mein Großer war ein High-Need-Kind, die Kleine nicht), habe ich immer das Ende herbeigesehnt und mich über jeden Geburtstag meiner Kinder gefreut. Das Zusammenleben mit unserem Großen ist tatsächlich erst etwa mit 4 Jahren entspannter geworden, das ist also jetzt etwas über ein Jahr her, und der Kontrast zu den Jahren davor ist wirklich extrem. Das war einfach nur kräftezehrend. Der knappe Geschwisterabstand (26 Monate) trug zur Erschöpfung noch mehr bei und wirbelte die Familie erneut durcheinander. Ich erinnere mich nur an sehr wenige ruhige, entspannte, glückliche Momente aus den ersten Jahren.

Mittlerweile ist Stabilität eingetreten, jedes Familienmitglied hat ein eigenes Leben und der Alltag fühlt sich wieder relativ normal an. Das heißt nicht, dass es nicht anstrengend ist; aber meine gesamte Existenz ist nicht mehr so erschüttert wie in der Babyzeit. Ich bin wieder ich, zwar noch mit vielen Einschränkungen, aber ich kann wieder leben. In der Babyzeit habe ich nur funktioniert. Hoffentlich liebevoll funktioniert, aber eben nur für die Kinder existiert. Das ist vorbei, gottseidank. Ich brauche das nicht, dass ein kleines Wesen komplett auf mich angewiesen ist. Manchen Müttern gibt das Bestätigung und einen Lebenssinn, ich dagegen fühle mich dadurch wie eingesperrt und ausgesaugt. Das hätte ich nie und nimmer, erst recht nicht in diesem Ausmaß, erwartet und es dauerte lange, bis ich akzeptierte, dass es eben so ist. Ich bin keine Baby-Mama.

Ich mag es, dass meine Kinder älter werden. Ich mag es, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich mag es, dass sie Meinungen, Vorlieben, Interessen, Ansichten entwickeln und äußern. Ich mag es, wie sie sich in ihr Leben einfinden. Ich mag es, dass sie mich nicht mehr für ihre elementaren Bedürfnisse brauchen, sondern für anspruchsvollere Dinge. Ich freue mich darauf, meine Kinder beim Älterwerden zu begleiten, ihnen meine Interessen und Leidenschaften näherzubringen, sie die Welt entdecken zu lassen und mit ihnen spannende Fragen zu diskutieren. Ich freue mich auf einen Pool gemeinsamer Erinnerungen und das weitere Zusammenwachsen. Ich freue mich auf die erste Städtereise mit ihnen, die erste Bergwanderung, die erste Museumsführung, auf ruhige und genussvolle Restaurantbesuche, auf die Ausweitung unseres Urlaubsziel-Radiuses durch längere Autofahrten, auf anspruchsvollere Gesellschaftsspiele und wissensvermittelnde Kinderbücher, aus denen man selbst noch lernt. Ich freue mich auch auf ihre zunehmende Abnabelung, auf mehr Unabhängigkeit und Selbstständigkeit für beide Seiten. Dadurch wird unser Verhältnis seine Einseitigkeit verlieren und immer gleichberechtigter werden.

Vieles davon wäre mit dem Großen allein schon jetzt möglich. Mit der Kleinen noch nicht, aber es wird kommen. Und dem fiebere ich entgegen, darauf freue ich mich und möchte nicht zurück. Die Babyzeit empfand ich nie als erfüllend, nicht mit der relativ pflegeleichten Kleinen und erst recht nicht mit dem anstrengenden Großen. Ich hätte sie getrost überspringen können. Ein wissbegieriges Gespräch mit einem Kleinkind bedeutet mir mehr als ein zahnloses Babylächeln. Je älter sie werden, umso mehr Spaß macht es. Natürlich gibt es tagtäglich Situationen und immer wieder längere Phasen, die so gar keinen Spaß machen. Aber die Tendenz steht fest. Ich bin gespannt, ob sich diese Serie weiterhin so fortsetzt. Hoffentlich!

Samstag, 13. Februar 2016

Geschwistervergleich (Blogparade #Einzelstuecke)

Als mein Großer in seiner zweiten Kita eingewöhnt war, fand bald darauf der erste Elternabend statt und wir durften uns die für die Kinder angelegten Mappen anschauen. Darin enthalten waren die Fragebögen, die wir vor der Eingewöhnung ausfüllen mussten, ebenso wie ein Blatt, auf dem das Wesen des Kindes beschrieben werden sollte. Bei mir stand natürlich jede Menge Text über den Großen. Ich lugte zur Sitznachbarin und sah, was sie über ihren Sohn geschrieben hatte: "Er ist lieb und er mag Blumen." Kein Witz! Ich dachte, das kann doch nicht sein, dass jemand nicht mehr über den Charakter seines Kindes berichten kann als das. Ich schreibe halbe Romane und sie nur diese 7 Worte. Sind manche Kinder charakterlich so "unscheinbar" oder die Eltern so oberflächlich? Wie auch immer, über meinen Großen konnte ich schon immer viel erzählen. Noch spannender ist das geworden, seit die Kleine als "Vergleichsobjekt" dazugekommen ist. Dass sie von Geburt an anders als er war, ist eine Tatsache. Dass sich die Unterschiede so manifestiert haben und deutlich zu erkennen sind, ist für mich eine wunderbare Bestätigung meiner Überzeugung, dass Kinder nicht als unbeschriebene, zu formende Blätter auf die Welt kommen, sondern schon die wesentlichen Grundzüge ihres Charakters mitbringen und es deshalb sinnlos ist, die "leeren Gefäße" füllen zu wollen, sondern es die Aufgabe von uns Eltern ist, diese Wesen in ihren Eigenheiten zu erkennen und zu begleiten.

Die charakterliche Unterschiedlichkeit meiner Kinder bei nahezu identischen Voraussetzungen ist  eines meiner absoluten Lieblingsthemen. Deshalb freue ich mich, bei einer Blogparade von Mutter & Söhnchen zu diesem Thema mitzumachen. Da mein Großer fast 5 und meine Kleine 2 3/4 Jahre alt ist, haben sie naturgemäß schon einige Veränderungen und Wandlungen durchgemacht. Ich teile den Text deshalb in die wichtigsten Phasen auf, so dass ihre Unterschiedlichkeit im jeweiligen Lebensabschnitt deutlicher wird.


Babyzeit:

In den ersten Lebensmonaten waren die Unterschiede beider Kinder mit Sicherheit am gravierendsten. Der Große hat sich von Anfang an nicht ablegen lassen, hat viel geschrien, wenig und kurz geschlafen, war sehr schreckhaft und lärmempfindlich, sehr unzufrieden, einerseits nähebedürftig, andererseits total unkuschelig. Er litt unter Reizüberflutung und war gleichzeitig ein neugieriges, alles aufsaugendes Kind. Er brauchte eigentlich viel Schlaf und konnte aber weder selbst abschalten und in den Schlaf finden, noch lange genug schlafen, um sich zu erholen. Sein ganzes System war unglaublich störanfällig und von uns abhängig. Er musste von außen, von uns reguliert werden, da er in sich völlig labil und unausgereift war. Bis wir das halbwegs verstanden hatten, verging viel Zeit und wir waren alle sehr unglücklich. Als wir einen halbwegs festen Rhythmus entwickelt hatten und und uns auf seine intensiven Bedürfnisse eingestellt hatten, lief es besser. Jegliche Planänderungen, Umstellungen oder Überforderungen warfen ihn aber noch sehr lange, eigentlich bis heute, aus der Bahn. Er kämpfte verbissen um jeden motorischen Fortschritt und war sehr ungeduldig. Er fremdelte sehr früh und sein Trennungsschmerz war unvorstellbar und für mich oft unerträglich groß.

Die Kleine war die ersten Monate ein traumhaft pflegeleichtes Baby, schlief viel, trank nur kurz, schrie kaum, war kuschelig und leicht zufriedenzustellen. Wenn sie bei Mama war oder auf Mamas Bett lag, war ihre kleine Welt in Ordnung. Sie ließ sich problemlos ablegen, schlief anfangs ganz einfach zuhause, im Auto und beim Tragen ein und ließ uns viel Raum und Zeit zum Durchatmen und Ankommen. Sie konnte liegen, im Gegensatz zum Großen, der immer getragen wurde. Trotzdem habe ich sie auch viel und gern getragen, weil es schön war und ich wusste, ich kann sie jederzeit ablegen. Das ist eine ganz andere Voraussetzung als ein erzwungenes Tragen. Stressig waren immer die Zeiten, wenn beide Kinder anwesend waren, weil ihre Ruhe dann auch gestört war und beide Kinder Zuwendung brauchten. An den Wochenenden, wenn der Bruder zuhause war, merkte man deutlich, dass sie unruhiger und fordernder war. Ihre schlechten Phasen fielen sehr auf, weil der Kontrast zu den meist guten, einfachen Zeiten da war. Mit genau einem halben Jahr wurde sie wacher und agiler. Ab dann schlief sie leider nur noch sehr kurze Phasen (halbe Stunde) und war entsprechend unausgeglichen und launisch. Dafür machte sie ab dann ungeheure motorische und kognitive Fortschritte und holte rasant auf. Im Endeffekt war sie in allen Entwicklungsschritten nur ca. 4 Wochen hinter dem Großen im gleichen Alter, nur dass sie eben - im Unterschied zu ihm - das erste halbe Jahr verschlafen hatte. Sie fing erst mit 11 Monaten an zu fremdeln. Das war dummerweise kurz vor ihrem Kitastart. Sie ist als Kleinkind anhänglicher als als Baby geworden.

Kleinkindzeit:

Die Kita-Eingewöhnungen waren bei beiden Kindern nicht leicht. Sie litten sehr unter der Trennung. Beim Großen war es eine mehrmonatige Katastrophe, die erst nach einem Kitawechsel ein halbwegs erfolgreiches Ende fand. Bei der Kleinen war es oberflächlich gesehen eine schnelle Eingewöhnung, aber sie brauchte auch danach noch mehrere Monate, bis sie richtig angekommen war.
Beide Kinder waren schlechte Esser und wurden lange gestillt. Sprachlich haben sie schnelle Fortschritte gemacht, die Kleine noch schneller als der Große, weil sie eine unheimlich rasante Auffassungsgabe hat. Ihre kognitiven Fähigkeiten, ihre Kombinationsgabe, ihr Reaktionsvermögen sind absolut erstaunlich. Sie ist "schnell im Kopf". Der Große ist ein Kind, das lange beobachtet, nachdenkt und erst dann - wenn überhaupt - handelt. Stellt man eine Frage, bekommt man eine Antwort - von der Kleinen. Bittet man um einen Gefallen, erfüllt ihn - die Kleine. Macht man einen Vorschlag, setzt ihn um - die Kleine. Der Große ist sehr statisch in seinem Wesen, die Kleine quirlig und wandelbar. Sie ist risikofreudiger und unvorsichtiger und hatte deutlich mehr kleinere Unfälle als er. Der Große war nie ein Kind, das weggelaufen ist oder im Straßenverkehr unbedacht war. Die Kleine ist da wesentlich unzuverlässiger. Das erfordert von uns ein Umdenken, da wir es ja anders gewöhnt waren. Der Große muss zu allem motiviert und angeschoben werden. Und vor allem muss man ihn vorbereiten auf das, was kommt. Die Kleine hört etwas und will es sofort in die Tat umsetzen. Sie muss nicht angeschoben, sondern ständig gebremst werden. Eine wahre Herausforderung für uns Eltern, solch unterschiedlichen Kindern gerecht zu werden und jedes in seinem Wesen zu erkennen und zu unterstützen.

Der wichtigste Unterschied zwischen beiden Kleinkindern ist sicherlich die Fähigkeit zum Verbalisieren der Gedanken und Gefühle. Während der Große seine Wut und Unzufriedenheit immer vor allem körperlich, auch auto-aggressiv zeigte und in den schlimmsten Momenten wirklich zuhause randalierte, kann die Kleine bestimmt schon seit einem halben Jahr (sie ist 2 3/4) sagen: "Ich bin sauer!", wenn ihr etwas nicht passt. Oder "ich bin traurig", wenn sie sich von mir trennen musst. Oder "ich hab dich vermisst", wenn wir uns erst abends sehen. Sie konnte auch als Baby schon viel besser und deutlicher zu verstehen geben, was sie wollte, und bemühte sich immer sehr lange, bis wir sie verstanden hatten. Der Große ist immer sofort ausgerastet, wenn etwas nicht nach Plan lief. Die Kleine ist da viel "sozialer" und weiß, dass sie nicht gegen, sondern mit Verbündeten ans Ziel kommt. Diese Devise verfolgt sie auch bei allem, was sie erreichen will (und erreicht dadurch oft mehr als der Große). Sie sagt "ich will was essen" oder holt sich selbst was, wenn sie Hunger hat. Der Große bekommt schlechte Laune, wenn er hungrig ist, verbalisiert aber weder sein Hungergefühl noch versucht er aktiv, den Missstand zu beseitigen. Allerdings macht er dadurch auch weniger Unfug als die Kleine :-). Mit der Kleinen ist das Leben gefährlicher, da sie unberechenbarer und risikobereiter ist, aber auch einfacher, weil sie entweder ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt oder uns deutlich vermittelt, was sie möchte.

Autonomiephase:

Die sogenannte "Trotzphase" zeigt ebenso wie die Babyzeit ganz deutlich den Unterschied der beiden Charaktere. Einen vorläufigen Zwischenstand habe ich letztes Jahr beschrieben. Er gilt im Prinzip immer noch. Der Große brachte uns in dieser Zeit (ca. 1 1/4 bis 3 1/2 Jahre) nicht nur an, sondern über unsere Grenzen. Wir waren so hilflos, dass wir eine Kitapsychologin einschalteten. Er konnte sich so schlecht verständlich machen und war mit sich, uns und der Welt völlig uneins. Er war kompromisslos, nicht manipulierbar, unbestechlich, nicht beeinflussbar, nicht ablenkbar, unglaublich heftig in seinen Reaktionen und unempfänglich für Zuwendung. Er kam nie von selbst wieder zu uns und man konnte ihn kaum emotional einfangen. Ich glaube, am wütendsten wurde er immer, wenn wir nicht verstanden, was er wollte. Mit der heutigen Erfahrung, besonders was das Spiegeln von Emotionen betrifft, hätte ich sicherlich oft besser reagieren können. So aber war er ein wandelnder Vulkan.

Die Kleine ist auch energisch und vehement, durchsetzungsstark und kämpferisch. Aber mit ihr kann man meist verhandeln, einen Kompromiss erzielen, ablenken oder auch bestechen. Viele Ärgernisse kann man schon beseitigen, bevor sie explodiert, weil sie sich eben besser verständlich machen kann. Sie kommt emotional meist von selbst zurück und fordert wieder Zärtlichkeit ein, wenn sie sich beruhigt hat. Das macht es erträglicher und bringt uns danach wieder zueinander. Man fühlt sich emotional nicht so ausgebrannt. Dazu kommt, dass wir Eltern jetzt mehr Erfahrung darin haben, was Kleinkinder so alles ärgert und nicht mehr völlig hilflos daneben stehen. Sie hat insgesamt viel weniger Wutanfälle, weniger heftig, weniger körperlich, weniger verzweifelt, weniger unzugänglich, und vor allem: bei ihr gibt es immer hinterher eine körperliche Versöhnung. Ich empfinde ihre Autonomiephase als deutlich leichter als beim Großen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die beiden Geschwister sich mit ihren unterschiedlichen Charakteren jetzt wirklich zusammengerauft haben. Die Kleine liebt den Großen heiß und innig. Sie fragt als erstes morgens nach ihm, ebenso, wenn sie kommt und er ist nicht da. Sie vermisst ihn bei Abwesenheit unglaublich. Der Große ist etwas unabhängiger von ihr, aber auch er hat mittlerweile erkannt, was er an ihr hat und lernt viel von ihr. Sie war lange Zeit die Einzige, die ihn kuscheln und liebkosen durfte. Natürlich streiten sie auch oft und sind sehr eifersüchtig aufeinander. Beide sind im Grunde Sturköpfe und unnachgiebig. Da ist es oft schwer zu vermitteln. Aber es ist jetzt schon viel ruhiger geworden als noch vor einem Jahr. Sicherlich mussten sie sich auch erst kennenlernen. Ich finde ja, sie ergänzen sich perfekt und können viel voneinander profitieren: der Große als vorsichtiger, zurückhaltender, bedachtsamer, von Emotionen gebeutelter Junge, sehr entscheidungsscheu und eher langsam, dafür aber zuverlässig und keinen Unfug treibend, die Kleine als quirliges, vorpreschendes, innerlich zufriedenes, initiativ- und ideenreiches Mädchen, oft etwas zu übermütig mit den entsprechenden Auswirkungen, aber immer aktiv und lösungsorientiert.

Man könnte noch viel mehr schreiben, über Essens- und Schlafensunterschiede, über ihre Interessen und Leidenschaften, über ihr soziales Verhalten etc. Aber ich denke, es ist deutlich geworden - und ich schreibe ja auch immer wieder darüber - , dass meine beiden Kinder von Anfang an grundverschieden waren. Das ist spannend, das ist entlastend, das ist bereichernd und herausfordernd - und nie langweilig :-)

Und hier noch ein paar Texte, in denen ich auch schon über das Thema "Unterschiedlichkeit" geschrieben habe:
http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2015/03/wer-hat-was-von-wem-blogparade-dubistich.html
http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2014/12/verschiedenheit.html
http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2015/08/liebe-fuhlt-sich-sehr-verschieden-an.html
http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2015/07/wenn-die-kleine-jetzt-die-groe-wurde.html
http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2014/12/ode-die-kleine.html

Ich habe den Text nachträglich auch bei der Blogparade #gleichunddochunterschiedlich von Familie Motte verlinkt.

Montag, 8. Februar 2016

Wehmut? Nein, überhaupt nicht.

Am Samstag twitterte ich:

Heute in einem Monat wird der Große 5 !!! Unglaublich. Und schön! 
Keine Wehmut, überhaupt nicht. Es wird immer besser.

und musste danach erstmal weinen. Denn was heißt das, wenn keine Wehmut vorhanden ist? Dass es eigentlich keine schöne Zeit war. Man froh ist, dass sie vorbei ist und sie sich nicht zurückwünscht. Mein Mann meinte: Auf die letzten Jahre mit dem Großen hätte man getrost verzichten und erst jetzt starten können. Es macht traurig, an die ersten Jahre mit dem ersten Kind, dem Wunschkind, nicht positiv zurückdenken zu können. Sich einfach nur zu freuen, dass die Zeit vergangen ist und sich die Situation gewandelt, normalisiert, stabilisiert hat. Diesen großen, tollen, vorsichtigen, bedächtigen, angekommenen Jungen anzuschauen und zu denken, warum verdammt hat man soviel durchmachen müssen. Warum war es so schwer? Warum war es nicht schön? Warum war es ein täglicher Kampf? Und das war es für uns alle drei, für uns Eltern genau wie für ihn selbst.

Seit seiner Geburt denke ich über ihn nach. Lese, rede, schreibe. Das erste Babyjahr war existenziell schwierig und durchgehend unglücklich. Dann folgten komplizierte und hochemotionale Monate mit Eingewöhnungsversuchen in zwei Kitas, letztendlich erfolgreich. Ich wurde überraschend schwanger mit der Kleinen. Kurz nach seinem 2. Geburtstag stieß ich auf die Hochsensibilität, die mir vieles sowohl an ihm, vor allem rückwirkend die grässliche Babyzeit, als auch meine Schwierigkeiten und Grenzen als Mama zu erklären schien und dadurch eine spürbare Erleichterung für meinen Umgang mit ihm brachte. Das ist nun fast 3 Jahre her und auch diese waren trotzdem nicht nur physisch, sondern vor allem mental sehr anstrengend. Die kraftraubende Autonomiephase, die Geburt der Schwester und viele weitere kleine und größere Ereignisse brachten uns immer wieder an den Rand unserer Kräfte und Weisheit.

Wonach soll ich denn wehmütig sein? Nach einer Zeit mit einem außer Rand und Band schreienden, nicht schlafenden und nicht ablegbaren Baby, das zwei permanent anwesenden Erwachsenen monatelang nicht eine Sekunde des Durchatmens ließ? Nach Nächten, die diesen Namen nicht mal annähernd verdienten? Nach einem schlecht gelaunten Einjährigen, an dessen Bett ich täglich um 6 Uhr morgens heulend und verzweifelt saß? Nach einem knapp zweijährigen Kind, das sich im Buggy sitzend wie der Leibhaftige gebärdete? Nach einem Kind, das Autofahrten zum Höllentrip machte? Nach einem Dreijährigen, der tobte und wütete, als würde er die ganze Wut der Welt in sich vereinen? Nach einem Kind, das jahrelang für uns weder ein liebes Wort noch eine Berührung übrig hatte? Das ist alles nicht übertrieben, das ist Realität - harte, sehr harte Realität für uns gewesen. Es gab oft, sehr oft Nachmittage, in denen ich mir 5 Minuten nach dem Abholen aus der Kita wünschte, ihn wieder dort abzugeben, weil er völlig durchdrehte. Er konnte sich einfach nicht verständlich machen, vielleicht wusste er selbst nicht, was er wollte. Wenn ich versuche, mir schöne Momente ins Gedächtnis zu rufen, muss ich leider feststellen, dass es kaum welche gab. Wir hatten selten Situationen mit ihm, die unbeschwert, lustig, "normal" waren, sondern empfanden alles als Kampf und Quälerei. Er war kein Kind, das Späße mit den Eltern machte, schäkerte und ausgelassen war. Er war kein Kind, das einfach Vertrauen in seine Eltern mitbrachte oder eine Symbiose mit den Eltern anstrebte. Er war sehr eigen. Ich habe mich durch ihn völlig neu kennengelernt.

In den wenigen schönen, unbeschwerten, glücklichen Momenten merkten wir deutlich, wie es sein könnte, wenn wir besser miteinander harmonieren würden. Wenn wir ihn besser verstehen und er sich besser verständlich machen könnte. Als ich (leider erst) mit ca. 3 Jahren anfing, seine Emotionen zu spiegeln, wurden seine Wutanfälle etwas leichter fassbar, für ihn und für mich. Seine Schübe waren immer unglaublich anstrengend, bis heute hat man dann jedesmal das Gefühl, sein ganzes Gehirn ist ausgelöscht. Mittlerweile kennen wir das, es kostet uns immer noch viel Kraft, aber keinen Nervenzusammenbruch mehr. Alles, was ihn umtreibt, ist sehr existenziell und tief. Ich glaube, dass in ihm Dinge arbeiten, die er selbst noch gar nicht richtig fassen kann und möchte ihm noch viel Zeit geben, mit diesen vertraut zu werden. Deshalb möchte ich ihn von einigen Problemen unserer Zeit bzw. Gesellschaft vorerst noch fernhalten.

Mit jedem Monat, der in seinem Leben vergangen ist, wurde es besser, für uns und für ihn. Er hat sich unglaublich entwickelt und wir sind aneinander gewachsen. Er wird immer das schwierigere unserer beiden Kinder bleiben, das denke ich schon, aber wir haben einen Zugang zueinander gefunden. Erst jetzt schaue ich ihn an und denke (und sage das auch): "Was für ein toller, großer Junge!" Erst jetzt lachen wir gemeinsam, wenn er Späße macht, was er meist gar nicht selbst bemerkt (früher hat er immer gedacht, wir lachen ihn aus). Erst jetzt hat er langsam angefangen, Zuneigung und Körperkontakt zuzulassen und selbst zu zeigen. Er hat gelernt, dass er uns als Kind nicht ausgeliefert ist und sich nicht abgrenzen muss, sondern sich äußern und dann gemeinsam mit uns einen Weg finden muss und auch kann. Dass er uns vertrauen und sich auf uns verlassen kann. All das brachte unsere Kleine von Grund auf schon mit. Bei unserem Großen musste das erst wachsen, auf einem schmerzhaften und steinigen Weg. Aber ich glaube, es ist nun da.

Das Leben mit ihm jetzt ist um so vieles leichter als in jedem der vorangegangenen Jahre. Er ist innerlich ruhiger geworden und weiß mehr, was ihm gut tut. Er kann sich besser öffnen und merkt, wieviel positives Feedback er dann bekommt. Wir sind reifer und erfahrener geworden und kennen ihn. Es gibt immer wieder schwierige Situationen, in denen wir immer noch nicht den Dreh raus haben, wie wir ihm helfen können (Phasenübergänge, Anziehen etc.). Aber insgesamt haben die schönen, entspannten, lustigen Momente im Leben mit ihm doch deutlich zugenommen. Am schönsten ist es immer, wenn man allein mit ihm ist. Früher war es am schrecklichsten, mit ihm allein zu sein. Oft hat man nicht mal eine einzige Stunde allein mit ihm ausgehalten, ohne Durchzudrehen. Ja, so war das. Eine riesige Wandlung also.

Insofern: keinerlei Wehmut befällt mich beim Gedanken an seinen baldigen Geburtstag. Absolut null. Nie wieder möchte man solche Jahre erleben müssen. Nie wieder möchte man sein Kind und sich selbst so leidvoll und hilflos erleben. Man möchte aus den schönen Momenten mit dem Kind die Kraft für die schwierigen Phasen schöpfen. So wie es bei der Kleinen schon immer war. Beim Großen fängt das gerade erst an. Und ich hoffe inständig, es bleibt so. Wehmut bzw. tiefe Traurigkeit herrscht höchstens darüber, dass wir keine schönen Baby- und Kleinkindjahre zusammen mit ihm hatten, sondern immer nur gehofft haben, dass jeder Tag schnell vergehen möge. Dass es so lange gedauert hat, bis wir uns aufeinander eingestellt hatten. Dass wir sicherlich viel mit ihm falschgemacht und herumexperimentiert haben, weil nichts funktionierte. Dass er seinerseits auch so lange brauchte, um sich an uns und die Welt zu akklimatisieren. Und wir ihm das kaum erleichtern konnten, obwohl wir alles gaben, tagtäglich. Das ist nicht mehr zu ändern und schmerzt unglaublich. Aber: es wird immer besser. Mit jedem Jahr.

Mittwoch, 23. September 2015

Der Regen kämpft mit meiner Fröhlichkeit (Buchrezension)

Wieder einmal möchte ich ein gerade frisch erschienenes Buch über hochsensible Kinder rezensieren und somit meine bisherige Sammlung an Rezensionen zu diesem Thema (siehe hier und hier) ergänzen. Das Buch mit dem poetischen Titel Der Regen kämpft mit meiner Fröhlichkeit (Affiliate Link) ist im Mellingburger Verlag erschienen und wurde mir vom Autor Arne Salig freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Bei jedem neuen Buch über hochsensible Kinder bin ich gespannt, wie das Thema verarbeitet wird und ob ich etwas Neues erfahren kann. In jedem Fall finde ich es sehr erfreulich, dass sich immer mehr Menschen damit beschäftigen und es dadurch bekannter und hoffentlich auch akzeptierter wird.

Den Titel, eine Aussage des Sohnes von Arne Salig, finde ich sehr aussagekräftig und passend für das Stimmungsbild hochsensibler Kinder. Zu Beginn gibt es eine kurze Einführung mit einem kleinen historischen Rückblick sowie einen Test aus 31 Fragen, der alle relevanten Aspekte beinhaltet. Danach geht der Autor ausführlich auf die Hauptcharakteristika hochsensibler Kinder ein. Besonders schön und traurig fand ich die gesammelten Aussagen hochsensibler Erwachsener über ihre Gefühle als Kinder und Jugendliche (S. 31-33). Wer sich hier wiedererkennt, ist mit ziemlicher Sicherheit hochsensibel.

Arne Salig legt wie viele andere Autoren Wert darauf, festzustellen, dass es nicht das eine ausschlaggebende Merkmal hochsensibler Kinder gibt, sondern die verschiedenen Charakteristika ganz unterschiedlich ausgeprägt sein können. Für alle gilt jedoch: "Hochsensible Kinder nehmen Eindrücke und Emotionen deutlich intensiver wahr und verarbeiten diese aufgrund ihrer komplexen Art zu denken auch noch intensiver." (S. 41). Sind also gewissermaßen einer doppelten Reizüberflutung ausgesetzt. Oder wie es der Sohn von Salig beschreibt: "Mein Gehirn läuft gerade über!" (S. 41) Spannend jedoch auch die direkt darauffolgende Aussage: "Von außen betrachtet wirken ironischerweise jedoch gerade diese geistig hochaktiven Kinder oft antriebs- und lustlos." (S. 41) Das habe ich so noch nirgends gelesen, kann es aber aus eigener Erfahrung mit meinem Sohn nur bestätigen und habe oft Schwierigkeiten, diese Diskrepanz zu akzeptieren, weil sie den Familienalltag sehr beeinträchtigt. Leider geht er im Buch nicht weiter darauf ein.

Danach folgt ein Erfahrungsbericht einer Mutter eines 3 1/2-jährigen Mädchens, die eindeutig sagt, dass sie ihr Kind und dessen Besonderheiten nicht als negativ, aber als unglaublich anstrengend empfindet. Anhand ihrer Notizen aus dem Baby- und Kleinkindalter ihrer Tochter kann man ähnlich wie in einem Test versuchen zu erkennen, ob die Charakteristika zum eigenen Baby/ Kind passen. Das fand ich sehr hilfreich, wird doch auf die Babyzeit in vielen anderen Büchern nur sehr kurz eingegangen. Auch hier erkannte ich meinen Großen in unzähligen Aussagen, darunter auch solchen wie "... war von allem schnell gelangweilt" und "...brauchte schon immer viel Input" (S. 49) wieder. Aufgrund des Widerspruchs zur schnellen Überreizung brachten mich solche Aspekte immer etwas zum Zweifeln, deshalb ist es umso interessanter zu lesen, dass es bei anderen hochsensiblen Kindern auch so war/ist.

Es schließen sich weitere Erfahrungsberichte aus dem Alltag mit hochsensiblen Kindern an, die alle die vielfältigen Facetten dieser Kinder zeigen. Interessanterweise stammen alle diese Berichte von Müttern. Beobachten Väter ihre Kinder tendenziell nicht so intensiv, können sie mit dem Thema weniger anfangen oder sehen sie die Unterschiede zu nicht-hochsensiblen Kindern einfach nicht? Diese Fragen wären mal eine nähere Betrachtung wert. Erschreckend klangen einige Aussagen von Erzieherinnen, dass das Thema auch über zwei Jahrzehnte seit Beginn der Forschung nicht nur nicht bekannt ist, sondern sogar vom pädagogischen Personal belächelt wird. Selbst eine Erzieherin aus einer kirchlichen Kita berichtet, dass das Thema dort nicht ernst genommen, sondern "eher als ein esoterisches oder spirituelles wahrgenommen wird" (S. 61). Hier muss dringend Schulung und Umdenken erfolgen, ebenso im kinderärztlichen und therapeutischen Bereich, damit adäquat auf hochsensible Kinder, die keine Diagnosen und Therapien, sondern Verständnis, Akzeptanz und Unterstützung brauchen, eingegangen werden kann.

Das Buch schließt mit vielen praktischen Tipps für Eltern, Erzieher und Lehrer, die vor allem den folgenden Grundsatz beherzigen sollten: " Was die hochsensiblen Kinder statt selbstbemitleidender Entschuldigungsstrategien brauchen, sind Lebensstrategien, die auf Selbsterkenntnis und Selbstakzeptanz beruhen." (S. 100) Es ist eine "Gratwanderung zwischen Achtsamkeit, Rücksicht und Verständnis auf der einen Seite und einem entspannten Umgang mit der Hochsensibilität auf der anderen Seite" (S. 100). Die Grundlagen dafür werden zuhause gelegt. Doch auch in Betreuungseinrichtungen, wo ganz andere Dynamiken herrschen als zuhause, muss sich weitergebildet werden. Gerade die wichtige "Hilfe zur Selbsthilfe" (S. 75) kann man gut im Gruppenalltag vermitteln, unterstützen und üben. Doch dazu müsste das Thema erstmal in pädagogische Lehrpläne aufgenommen werden und eine Bereitschaft da sein, es nicht einfach als ein neues "Modethema" anzusehen. Dahin scheint es noch ein weiter Weg zu sein.

Das Buch ist trotz des geringen Umfangs sehr hilfreich, gut lesbar und mit interessanten Erfahrungsberichten gefüllt. Auf 106 Seiten kann natürlich auf viele Aspekte nur kursorisch eingegangen werden. Trotzdem ist es aber an keiner Stelle oberflächlich, sondern tatsächlich eine wertvolle Ergänzung zur schon vorhandenen Literatur über hochsensible Kinder (siehe rechte Seitenleiste).

Hier noch einmal der Link zum Buch (Affiliate Link): Der Regen kämpft mit meiner Fröhlichkeit: Die Seele des hochsensiblen Kindes, erschienen im Juli 2015 im Mellingburger Verlag.
Ich danke Arne Salig für das Rezensionsexemplar und wünsche ihm viele interessierte und engagierte Leser.

Freitag, 10. Juli 2015

Mein Kind ist hochsensibel - was tun? (Buchrezension)

Es gibt erfreulicherweise mittlerweile viele Bücher, Webseiten, Gruppen und Informationen über hochsensible Kinder. Den überwiegenden Teil der Bücher habe ich schon gelesen und kann deshalb ganz gut vergleichen. Empfehlenswerte Literatur findet sich in meiner Buchliste in der Sidebar. Jede weitere Beschäftigung mit dem Thema ist trotzdem hochwillkommen und wird von mir unter die Lupe genommen. So auch das gerade erschienene Buch von Rolf Sellin: Mein Kind ist hochsensibel - was tun?, das mir der Kösel Verlag freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte. Der Autor ist Leiter des HSP-Instituts Stuttgart und hat schon zwei weitere Bücher über Hochsensibilität veröffentlicht, nämlich Wenn die Haut zu dünn ist: Hochsensibilität - vom Manko zum Plus und Bis hierher und nicht weiter: Wie Sie sich zentrieren, Grenzen setzen und gut für sich sorgen.

Das hier rezensierte Buch ist im Gegensatz zu einigen der anderen erhältlichen Bücher über hochsensible Kinder nicht chronologisch aufgebaut, d.h. behandelt die Hochsensibilität nicht nach der Abfolge von Baby-, Kleinkind-, Schulalter und Pubertät. Es orientiert sich eher an den Charakteristika der Hochsensibilität wie Reizverarbeitung, anderer Wahrnehmung, Ängsten, Vollkommenheitsstreben und Ruhebedürfnis, Grenzfindung und Fremdheitsgefühl und beschreibt anhand dieser Aspekte die Problematik und das Potential hochsensibler Kinder. Das Buch ist gespickt mit vielen praktischen Tipps, Anregungen und Übungen, beinhaltet individuelle Fallgeschichten und zwei Tests für Kinder und Erwachsene. Das ganze Buch durchzieht auch der Rekurs auf hochsensible Erwachsene, denn die Grundlage für ein Erwachsenenleben, das konstruktiv und liebevoll mit der eigenen Hochsensibilität umgeht, wird natürlich in der Kindheit gelegt.

Das Eingangskapitel skizziert das Phänomen der Hochsensibilität relativ knapp und ist meiner Meinung nach ohne Vorkenntnisse nicht als Einführung in das Thema geeignet. Da gibt es wesentlich bessere Beschreibungen, aber ich vermute, dass der Autor auch schon von einer gewissen Vertrautheit mit dem Thema ausgeht. Er betont von Anfang an die Wechselwirkung zwischen hochsensiblen Erwachsenen/ Eltern und ihren Kindern: "Dabei hat die Art und Weise, wie ein hochsensibler Elternteil mit sich selbst umgeht, den größten Einfluss auf die Entwicklung des Kindes." (S. 10) Eltern, ob hochsensibel oder nicht, machen sich nach der Erkenntnis über die Hochsensibilität des Kindes meist viele Sorgen, z.B. um schulische Aspekte, soziale Interaktionen und allgemein um die spätere Existenzfähigkeit in der heutigen reizüberfluteten und beschleunigten Welt, die für Hochsensible eine nie dagewesene Herausforderung darstellt. Sellin sagt deutlich, dass es weder darum gehen kann, ein hochsensibles Kind für's Leben abzuhärten noch es zu schonen und zu verzärteln, sondern Hochsensibilität "zu akzeptieren und darüber hinaus auf sinnvolle Weise zu entwickeln" sowie "bewusst einzusetzen" (S. 29). Dies betrifft Bereiche wie allgemeine Reizüberflutung, Ernährung, Medienkonsum, Reisen, Krankheiten etc. Es ist wichtig, dass Eltern um die Besonderheiten hochsensibler Kinder in diesen Aspekten wissen, damit sie selbst angemessen damit umgehen und den Kindern einen gesunden Umgang vorleben und beibringen können.

Es gibt in dem Buch kurze, aber hochinteressante Abschnitte über hochsensible Jungen, über das Konfliktverhalten hochsensibler Kinder und über hochsensible Väter und Mütter. Ein großes Augenmerk wird auf das Verhältnis eines hochsensiblen Elternteils zu seinem hochsensiblen Kind gelegt, das sich sehr viel komplexer, oftmals schwieriger darstellt als das zum nicht-hochsensiblen Elternteil, das zwar von Unverständnis, aber Eindeutigkeit und Klarheit geprägt ist. Vom nicht-hochsensiblen Elternteil, sofern vorhanden, können hochsensible Kinder wichtige Fähigkeiten lernen, zum Beispiel das Setzen von Grenzen, den Umgang mit Ängsten, Geselligkeit und "mehr Klarheit, Konsequenz und Handlungsorientiertheit" (S. 80). Das hochsensible Elternteil ist wiederum für das Verständnis zuständig, was zwar ein außerordentliches Hineinfühlen ins Kind bedeutet, aber auch Gefahren und Schwierigkeiten birgt. "In seinem Kind erkennt er eigene Wesenszüge wieder, und darauf reagiert er. Sein eigenes Verhältnis zu sich und seiner Hochsensibilität spiegelt sich folglich im Verhältnis zu seinem hochsensiblen Kind." (S. 76f.)

Laut Sellin bestehen besondere Schwierigkeiten für hochsensible Eltern beim Konsequent-Sein und Grenzen-Setzen sowie durch zu ausgeprägtes Mitleiden. "Hochsensiblen Erwachsenen fällt es nicht leicht, ihren Kindern Grenzen zu setzen [...]. Gewissermaßen rutschen sie energetisch in ihr Kind hinüber [...] und erleben ihr Kind dann aus dessen Perspektive." (S. 109) Da er ein großes Gewicht auf das Erkennen, Setzen und Einhalten von eigenen und fremden Grenzen legt, sieht er das außerordentliche Hineinfühlen ins Kind logischerweise eher als einen Nachteil bzw. eine Gefahr an als einen Vorteil. Seiner Überzeugung nach brauchen hochsensible Kinder viele eindeutige und klare Aussagen, die ein hochsensibles Elternteil nicht ohne Weiteres bieten könne. Die größte Schwierigkeit für hochsensible Eltern besteht in dem ausgeprägten Mitleiden mit ihrem Kind, das nach Sellin "eine zusätzliche Last für ein betroffenes Kind darstellt" (S. 128), da es durch das ausgiebige Mitleiden der Eltern nicht wagt, "sich in seiner Bedrängnis den Eltern zu offenbaren" (S. 128). Gerade hochsensible Eltern sollten sich dessen bewusst sein und bei Leiden des Kindes möglichst nur ruhig zuhören und das Kind auffangen, anstatt ihm zusätzlich noch ihr eigenes Leid aufzubürden.

Über diese beiden problematischen Aspekte beim Umgang hochsensibler Eltern mit ihrem hochsensiblen Kind kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Ich persönlich sehe eher die Vorteile beim Hineinversetzen in das Kind und beim Mitfühlen. Beides erleben Kinder ja nur marginal in der "äußeren", nicht-hochsensiblen Welt. Deshalb meine ich, gerade ein hochsensibles Elternteil kann und muss das leisten, was den Kindern von anderen Erwachsenen nicht entgegen kommt. Ich habe selbst, sowohl in meinen Kindheitserinnerungen als auch mit meinem hochsensiblen Kind, die Erfahrung gemacht, dass es oftmals der beste Weg ist, die Gefühle und seelischen oder körperlichen Schmerzen des Kindes vorbehaltlos anzuerkennen, auch wenn es den Schmerz beim Kind im ersten Moment vielleicht verstärkt. Auf lange Sicht hingegen ist solch eine Umgehensweise meiner Meinung nach tröstender als ein reines Dabeisein und Zuhören. Außerdem ist es für ein hochsensibles Elternteil fast unmöglich, das intensive Mitleiden mit dem Kind abzustellen, da das Gefühl so existenziell und oftmals durch eigene mangelnde Kindheitserlebnisse geprägt ist. Dennoch ist es sicherlich richtig, einen gesunden Mittelweg zu finden und sich selbst immer wieder zu reflektieren. Dazu kann man beispielsweise in der Vorstellung die eigene Kindheit noch einmal durchleben und in Kontakt zu seinem Kind-Ich gehen, um so auch die feinen Unterschiede zwischen sich selbst und dem eigenen Kind zu erkennen. "Vergleichen Sie also das Kind, das Sie selbst damals waren, seine Eigenschaften, Wünsche und Vorlieben, mit Ihrem Kind. Stellen Sie alle Unterschiede fest, seien sie auch noch so klein." (S. 190) Denn auch wenn ein hochsensibles Elternteil und sein hochsensibles Kind die gleichen Grundcharakteristika haben: identische Menschen sind sie eben nicht, und das muss ein hochsensibles Elternteil erkennen und akzeptieren.

Die letzten Kapitel gehen sehr ausführlich auf Hochsensibilität im Schulkindalter und in der Pubertät ein sowie den Ablösungsprozess der Kinder von ihren Eltern, der für hochsensible Familienkonstellationen noch einmal besondere Schwierigkeiten bergen kann. Es gibt hier interessante und hilfreiche Tipps, z.B. für den Umgang mit Sport und Hausaufgaben und die Wahl des Schultyps, der oftmals weniger einflussreich für das Wohlbefinden des Kindes ist als die Lage einer Schule zum Wohnort, da schon ein weiter Anfahrtsweg zuviel Stress für ein hochsensibles Kind bedeuten kann. Genauso ist es bei der Berufswahl: "Viel wichtiger als die Art des Berufes ist für den Berufserfolg eines Hochsensiblen der Umgang mit der Reizaufnahme und der Abgrenzung, mit Belastungen und Stress. Denn all diese Faktoren wirken sich auf den Energiehaushalt aus." (S. 164)

Diese Bereiche sind für mich bisher nur theoretisch interessant, da sich meine Kinder noch im Kleinkindalter befinden. Dafür vermisste ich aber in dem Buch eine ausführliche, mit ähnlich hilfreichen Ratschlägen bereicherte Passage über die Baby- und Kleinkindzeit. Am Ende werden die im Buch erwähnten Erkenntnisse, Tipps und Methoden noch einmal kurz und knapp und sehr hilfreich zusammengefasst. Diese 20 Punkte sollte Eltern sich regelmäßig in Erinnerung rufen, wenn ihnen an einem verständnisvollen und unterstützenden Umgang mit ihrem hochsensiblen Kind gelegen ist. Insgesamt legt Sellin überzeugenderweise sehr viel Wert auf die Selbsterkenntnis von hochsensiblen Eltern, die ihren Kindern den fruchtbaren Umgang mit der Hochsensibilität vorleben: "Manchmal ermöglicht die Selbstannahme erst die Annahme des Kindes, manchmal ist es umgekehrt: die Beschäftigung mit der Hochsensibilität des Kindes ermöglicht es, dass sich der hochsensible Erwachsene selbst annehmen kann. Das Kind gibt den Anstoß zur Selbsterkenntnis, zur inneren Befreiung und Entwicklung des eigenen Wesens." (S. 17)

Das Buch von Rolf Sellin ist auf jeden Fall ein sehr lesenswerter, bereichernder Bestandteil der Literatur über hochsensible Kinder. Gerade für Eltern älterer Kinder gibt es viele hilfreiche Anregungen. Eltern von Babys und Kleinkindern dagegen würde ich eher zu anderen Büchern raten. Einige Gedanken habe ich noch in keinem der anderen erhältlichen Bücher gelesen und waren eine gute Anregung zum Nachdenken und Reflektieren.

Ich danke dem Kösel Verlag nochmals für das Rezensionsexemplar.

Link zu Amazon: Mein Kind ist hochsensibel - was tun?: Wie Sie es verstehen, stärken und fördern