Eventuell wird es in den nächsten zwei Wochen ruhiger auf dem Blog. Der Grund dafür ist: wir wollen dem Herbst entfliehen und fliegen erstmals mit beiden Kindern in den Urlaub und ich weiß nicht, ob ich Netz habe und das WLAN funktioniert. Danach wird es natürlich einen Bericht mit vielen Fotos und sicherlich auch emotionalen Gedanken geben.
Wir sind sehr nervös, denn das ist unser erster Flugurlaub mit beiden Kindern. Geflogen sind wir bisher nur ein Mal mit dem Großen allein, als er 1 3/4 Jahre alt war, also vor fast 4 Jahren. Damals auf unsere Lieblingsinsel Gran Canaria. Obwohl die Flüge sehr anstrengend mit ihm waren, er schlecht schlief, sehr früh (zwischen 4:30 und 5:30 Uhr) aufwachte und wir penibel darauf achten mussten, uns an seinen Tagesrhythmus zu halten, weil jede Umstellung für ihn schwierig war, war es ein sehr schöner, im Rahmen der Möglichkeiten sogar teilweise entspannender Urlaub, in dem er aufblühte und einen großen Entwicklungssprung machte. Die Erinnerungen daran sind, im Vergleich zu der übrigen Zeit in diesem Alter, überwiegend positiv.
Damals dachten wir eigentlich, dass wir in der langen Elternzeit, die mein Mann bei der Kleinen hatte, wegfliegen würden, da wir ja nun erfahren seien. Die Herausforderungen, die zwei Kinder mit sich brachten, waren aber nochmal solch ein Niveauunterschied, dass wir dies lieber sein ließen. Auch in den darauffolgenden Jahren fehlte immer der letzte Mut, es zu wagen, und mehrere nervenaufreibende Urlaube, z.B. dieser hier, trugen dazu bei. So bewegten wir uns überwiegend in gewohnten Gefilden und das bewährte sich. Im Herbst 2015 hatten wir eigentlich vorgehabt, in die Wärme zu fliegen, aber da wir alle vier fast durchgehend von Krankheiten heimgesucht wurden, hatte sich das zerschlagen. Wir hatten einfach keine Kraft dafür. Jetzt sind die Kinder wieder ein Jahr älter und wir wollten es endlich wagen.
Die letzten Wochen waren sehr nervenaufreibend. Beide Kinder sind seit ca. 3-4 Wochen sehr anstrengend, fordernd, schwierig, emotional geladen und aufmüpfig. Es dauert keine 2 Minuten, bis einer von beiden weint, wenn sie zusammen sind. Uns gegenüber waren sie sehr respektlos und unduldsam. Ich nehme an, dass die Kleine (knapp 3 1/2) die letzten Auswüchse ihrer Autonomiephase mit teilweise identischen Ausdrucksformen wie der Große, wenn auch nicht ganz so extrem, durchlebt und der Große mit 5 1/2 Jahren nun schon in die 6-Jahres-Krise kommt. Auch, wenn ich darauf vorbereitet war, erwischte es mich doch eiskalt und ich bin ziemlich verstört ob des Rückfalles in frühere Zeiten. Ich sehe gewisse Entwicklungsschritte schon durchschimmern, habe aber im Moment fast nur mit den negativen, unschönen Auswüchsen dieser Entwicklungsschübe zu tun. Es triggert uns natürlich auch, wenn die Kinder so schlecht drauf sind; zwar reagieren wir sicherlich gelassener als früher, aber es beeinträchtigt uns natürlich trotzdem in unserem emotionalen Gleichgewicht, wenn beide Kinder parallel außer sich sind. Denkbar schlechte Voraussetzungen für einen für uns anstrengenden, da ungewohnten Urlaub. Ich habe nun meine Hoffnung darin gelegt, dass sie sicherlich ebenfalls urlaubsreif sind und sich hoffentlich etwas entspannen werden, sobald der Druck des Alltags von ihnen abfällt und sie merken, dass wir Eltern den ganzen Tag verfügbar sind. Die Sonne und Wärme und spannenden Erlebnisse werden hoffentlich zu einer Beruhigung der Situation beitragen.
Meine größte Angst war, dass vorher noch etwas passiert, sich jemand einen Arm bricht oder mit Magen-Darm flachliegt. Das verstärkt den Druck bei einem Flugurlaub sehr, wie ich deutlich im Vorfeld merkte. In einem Ferienhaus im Inland kann man auch am nächsten Tag anreisen oder ein Fieberkind angemessen betreuen. In einem Flugurlaub ist das alles sehr viel schwieriger. Als die Kleine vor einer Woche rückwärts von einem ca. 80 cm hohen Baumstamm herunterfiel und sich danach den Arm hielt und lange weinte, fürchtete ich schon das Schlimmste. Auch sind sie und mein Mann seit Tagen erkältet. Es ist einfach alles so unglaublich unberechenbar mit kleinen Kindern, und da wir beide nicht die nervenstärksten Eltern sind, werfen uns viele kleine Unwägbarkeiten schon schnell aus der Bahn. Ich mache drei Kreuze, wenn wir im Flieger sitzen!
Gleichzeitig freue ich mich darauf, ihnen ein Stück mehr von der Welt zu zeigen, sie neue Erfahrungen sammeln zu lassen und tolle gemeinsame Erlebnisse mit ihnen zu machen. Ich bin gespannt, wie sie sich zurechtfinden und reagieren und welche Erinnerungen sie mitnehmen werden. Ebenso freue ich mich sehr darauf, wiedermal etwas für mich/uns zu tun und die baby- und kleinkindbedingte Flugpause zu beenden. Hach, wie toll, es geht in die Welt hinaus!
Bildquelle: Pixabay
Posts mit dem Label Krankheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Krankheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 10. Oktober 2016
Sonntag, 28. Februar 2016
Unser Wochenende in Bildern 27./28. Februar 2016
Schon ewig gab es von uns kein Wochenende in Bildern mehr. Das letzte #wib war kurz vor Weihnachten. Durch die ständigen wechselnden Krankheiten, das miese Wetter, den Tod meines Schwiegervaters und die wenigen Erlebnisse fühlten sich die letzten Wochen wie eine Winterdepression an. Hoffentlich geht es jetzt endlich aufwärts. An diesem Wochenende waren beide Kinder fit und beide Eltern immer noch angeschlagen. Aber es gab endlich wieder mehr Action.
Am Samstag packten wir nach dem Frühstück die Geschenke für einen Zwillingskindergeburtstag ein, auf den der Große am Nachmittag eingeladen war. Wir schenkten das Ritterburg aktiv-Heft und dieses Stickerbuch Ritter und Burgen sowie 2x Drachensprudelbad und je ein Ritterlesezeichen.
Die Kinder entdeckten in einer Spielzeugkiste dieses Auto von Ravensburger ministeps, das der Große mit einem Jahr geschenkt bekam, vor dem er aber immer Angst hatte, weil es sehr laut ist und überraschende Drehungen macht, und spielten begeistert eine Weile damit. Manchmal ist es doch nützlich, das Babyspielzeug noch aufzuheben :-)
Am späten Vormittag ging mein Mann mit den Kindern noch ein Stündchen raus, Fahrrad- und Laufrad fahren. Er versuchte, sich mit beiden Kindern gemeinsam zum Mittagsschlaf hinzulegen, allerdings schliefen sie leider nicht ein, was mir etwas Bauchschmerzen in Hinblick auf das weitere Programm bereitete. Wenn das mal zuverlässig klappen würde (zumindest was die Kleine angeht, der Große schläft nur noch unregelmäßig), würde das bedeuten, dass ich auch mal über Mittag weggehen kann. Das klappte bisher nur, wenn die Kinder im Auto schliefen.
Am Nachmittag ging der Große auf den Kindergeburtstag und wir fuhren mit der Kleinen in einen Baumarkt und in unseren Garten. Da unser neuer Nachbar sämtliche Sichtschutz-Pflanzen entfernt hat, müssen wir schnell und billig für einen neuen Sichtschutz sorgen. Wir werden erstmal diese Bambusmatten anbringen und dann in Ruhe überlegen, ob und welche neuen Pflanzen wir setzen werden.
Der Große war in der Zwischenzeit auf dem Geburtstag und wurde erst nach dem Abendbrot wieder abgeholt. Er brachte der Kleinen extra eine Prinzessinnenmaske mit, die er ausgesucht und bemalt hatte. Herzig!
Am Sonntag strahlte die Sonne wieder vom Himmel und ich verdonnerte die Familie vormittags zu einem Ausflug an einen kleinen See, nachdem wir wochenlang nicht richtig raus konnten. Leider hatten 3 von 4 dann aus nicht nachvollziehbaren Gründen schlechte Laune und ich gab mir erfolglos Mühe, alle zu motivieren. Dabei war es so schön, bei Sonne am See...
Nach dem Mittagsschlaf besuchten wir zusammen mit Freunden das Kindermusical Daniel - Verschleppt nach Babylon in der Kirche, in der mein Patenkind getauft wurde. Es war schön poppig und mitreißend, wenn auch mit 1,5 h etwas zu lang. Die Kleine und mein Patenkind rockten zur Musik, die beiden knapp 5-Jährigen saßen gelangweilt herum :-)
Insgesamt fühlte sich das Wochenende doch schon recht frühlingshaft an und ich freue mich auf viele Outdoor-Aktivitäten in den kommenden Monaten. Muss nur noch die Familie überzeugt werden...
Morgen fahren wir an die Ostsee und bleiben für eine Nacht, weil am Dienstag Vormittag die Beerdigung meines Schwiegervaters stattfindet. Mal sehen, wie das mit den Kindern klappt. Ich werde berichten.
Mehr Wochenenden in Bildern gibt es unter #wib und bei Geborgen Wachsen.
Am Samstag packten wir nach dem Frühstück die Geschenke für einen Zwillingskindergeburtstag ein, auf den der Große am Nachmittag eingeladen war. Wir schenkten das Ritterburg aktiv-Heft und dieses Stickerbuch Ritter und Burgen sowie 2x Drachensprudelbad und je ein Ritterlesezeichen.
Die Kinder entdeckten in einer Spielzeugkiste dieses Auto von Ravensburger ministeps, das der Große mit einem Jahr geschenkt bekam, vor dem er aber immer Angst hatte, weil es sehr laut ist und überraschende Drehungen macht, und spielten begeistert eine Weile damit. Manchmal ist es doch nützlich, das Babyspielzeug noch aufzuheben :-)
Am späten Vormittag ging mein Mann mit den Kindern noch ein Stündchen raus, Fahrrad- und Laufrad fahren. Er versuchte, sich mit beiden Kindern gemeinsam zum Mittagsschlaf hinzulegen, allerdings schliefen sie leider nicht ein, was mir etwas Bauchschmerzen in Hinblick auf das weitere Programm bereitete. Wenn das mal zuverlässig klappen würde (zumindest was die Kleine angeht, der Große schläft nur noch unregelmäßig), würde das bedeuten, dass ich auch mal über Mittag weggehen kann. Das klappte bisher nur, wenn die Kinder im Auto schliefen.
Am Nachmittag ging der Große auf den Kindergeburtstag und wir fuhren mit der Kleinen in einen Baumarkt und in unseren Garten. Da unser neuer Nachbar sämtliche Sichtschutz-Pflanzen entfernt hat, müssen wir schnell und billig für einen neuen Sichtschutz sorgen. Wir werden erstmal diese Bambusmatten anbringen und dann in Ruhe überlegen, ob und welche neuen Pflanzen wir setzen werden.
Der Große war in der Zwischenzeit auf dem Geburtstag und wurde erst nach dem Abendbrot wieder abgeholt. Er brachte der Kleinen extra eine Prinzessinnenmaske mit, die er ausgesucht und bemalt hatte. Herzig!
Am Sonntag strahlte die Sonne wieder vom Himmel und ich verdonnerte die Familie vormittags zu einem Ausflug an einen kleinen See, nachdem wir wochenlang nicht richtig raus konnten. Leider hatten 3 von 4 dann aus nicht nachvollziehbaren Gründen schlechte Laune und ich gab mir erfolglos Mühe, alle zu motivieren. Dabei war es so schön, bei Sonne am See...
Nach dem Mittagsschlaf besuchten wir zusammen mit Freunden das Kindermusical Daniel - Verschleppt nach Babylon in der Kirche, in der mein Patenkind getauft wurde. Es war schön poppig und mitreißend, wenn auch mit 1,5 h etwas zu lang. Die Kleine und mein Patenkind rockten zur Musik, die beiden knapp 5-Jährigen saßen gelangweilt herum :-)
Insgesamt fühlte sich das Wochenende doch schon recht frühlingshaft an und ich freue mich auf viele Outdoor-Aktivitäten in den kommenden Monaten. Muss nur noch die Familie überzeugt werden...
Morgen fahren wir an die Ostsee und bleiben für eine Nacht, weil am Dienstag Vormittag die Beerdigung meines Schwiegervaters stattfindet. Mal sehen, wie das mit den Kindern klappt. Ich werde berichten.
Mehr Wochenenden in Bildern gibt es unter #wib und bei Geborgen Wachsen.
Dieser Beitrag enthält Affiliate Links.
Samstag, 17. Oktober 2015
Krankheitslektionen
Das ist jetzt das dritte Wochenende in Folge, dass wir hier ein Krankenlazarett sind. Diesmal hat es die Kleine mit Magen-Darm erwischt. Gestern, am Freitag, war ich am Nachmittag nach der Arbeit im Kino, was ich eigentlich schon am letzten Freitag vorhatte, was dann aber bekanntlich wegen Magen-Darm und Krankenhausbesuch des Großen ausfiel. Abends kann ich ja nicht ins Kino gehen, weil die Kleine bisher nur von mir ins Bett gebracht werden will. Also nachmittags. Ich raffte mich trotz unfitten Zustandes (Halsschmerzen, Schlappheit) auf und es hat sich gelohnt. Gesehen habe ich den Film "Er ist wieder da", dessen Dreharbeiten wir seinerzeit zum Teil von unserem Büro aus beobachten konnten. Außerdem war ich so zum Ausruhen gezwungen, das ist mittlerweile ein nicht zu verachtender Plusfaktor am Kino. Mein letzter Kinobesuch war wirklich Ewigkeiten her und da freitags mein Mann die Kinder nach der Kita bespaßt, passte das.
Ich kam zufrieden und beschwingt nach Hause und hoffte, dass mal ein unproblematisches und ereignisreicheres Wochenende vor uns liegen würde, als es in den letzten Wochen der Fall war. Naja. Kaum 10 Minuten vor meiner Rückkehr hatte sich die Kleine zum ersten Mal übergeben. Jackpot! Das ging dann noch mehrmals so, bis ich sie ins Bett brachte. Sie war aber recht gefasst und ruhig und knabberte und trank sogar zwischen den Brechanfällen. Die Nacht war erwartungsgemäß unruhig, bis 3 Uhr musste ich mehrfach Bettzeug und Handtücher wechseln, danach schliefen wir 4 Stunden ohne Zwischenfälle. Am Morgen dachte ich noch, das Schlimmste sei nun überstanden, aber das Erbrechen ging bis zum Mittag weiter. Zum Glück schlief bzw. döste sie mehrfach auf dem Sofa, auf mir und an Papa gekuschelt. Das war das Beste, was sie tun konnte, und hat uns allen den Tag sehr erleichtert.
Auf was ich eigentlich hinaus will: so unterschiedlich wie meine Kinder in ihren Wesenszügen und Denkstrukturen sind, so unterschiedlich sind sie auch als Kranke. Die Kleine, das hat man heute wieder gemerkt, ist (meist) eine stille, zurückgezogene, anschmiegsame, Halt und Körperkontakt suchende und kuschelige Patientin, die sich in ihr Los "fügt", wenn sie ihre wichtigste Bezugsperson um sich hat, die sich um sie kümmert. Will getragen werden und auf/an mir liegen, lässt sich anfassen und umsorgen. Begehrt nicht auf, sondern leidet still und vertrauensvoll. Sie konnte heute sogar den mehrmaligen Schlaf zulassen, was ich von beiden Kindern bei Krankheiten eigentlich (leider) nicht kenne.
Ganz anders der Große: so, wie er mit sich, uns und seinem Leben ringt, so kämpft er auch als Kranker, hadert, begehrt auf, wehrt ab, ist super unzufrieden und unleidlich und verwendet seine minimal verbliebenen Kräfte tatsächlich lieber auf destruktives Verhalten und Gegenwehr als auf seine eigene Genesung. Er tobt, schreit, wehrt Körperkontakt ab und quält sich sichtlich. Das war schon immer bei ihm so und macht es uns sehr schwer, ihn zu versorgen, wenn er es am Nötigsten braucht. Wenn ihr meinen Blog kennt, wird es euch nicht überraschen, wenn ich sage, dass mein Großer mir auch darin sehr ähnlich ist. Ich bin (bzw. war früher) eine schreckliche Kranke, mir konnte man nichts recht machen, ich war todunglücklich und haderte mit meinem Schicksal. Genauso ist es bei meinem Großen auch. Und trotzdem weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll, was ich machen soll. Er will einerseits seine Ruhe, wenn er krank ist, er tobt, schreit und hält sich die Ohren zu, wenn es ihm zu unruhig ist. Andererseits will er aber auch nicht alleine bleiben. Man weiß also nicht, soll man bleiben oder gehen. Er will nicht kuscheln, er will keine Nähe, er will nicht umsorgt werden, er will selbst agieren. Er hasst es, wenn er nicht sein eigener Herr, in dem Falle Herr seines Körpers, ist. Das ging mir immer ganz genauso. Vielleicht ist auch das ein Charakteristikum eines autonomen Kindes? Wie sind eure autonomen Kinder als Patienten, hadernd oder schicksalsergeben? Er hat nie, weder als Baby noch heute, mehr geschlafen, wenn er krank war, sondern meist deutlich weniger, so dass alles noch kräftezehrender war. Ich fühle mich regelrecht ausgesaugt nach Krankheitstagen mit ihm. Der Tag heute mit der kranken Kleinen war dagegen bis auf die kurze Nacht nicht extrem kräftezehrend (ich war ja auch nicht allein). Man kann sie besser auffangen, stützen und sie lässt das auch zu. Der Große nicht.
Man sieht also, die Unterschiedlichkeit meiner Kinder zieht sich wirklich durch alle Bereiche des Lebens und macht es für uns entsprechend schwerer oder leichter. Am Beispiel ihrer beiden kurz aufeinanderfolgenden Krankheiten hat man wieder einmal deutlich gesehen, wie jedes Kind tickt. Doch warum kann ich, obwohl ich den Großen verstehe und ihm auch darin ähnlich bin, ihn nicht oder schlechter unterstützen als die Kleine? Ich selbst konnte Hilfe lange Zeit schlecht zulassen und so ist es bei ihm auch. Wie kann man diesen Kreislauf unterbrechen, wie kann ich ihm nahebringen, dass er sich im übertragenen Sinne an uns lehnen muss, damit es ihm besser geht? Er will das aber nicht, er sträubt sich mit Leibeskräften gegen alles, wirklich alles. Da ist alles, was man tut, nicht nur anstrengend, sondern auch gefühlt irgendwie nutzlos. Es ändert nichts an seinem subjektiven Befinden, ob sich jemand liebevoll um ihn kümmert. Die Crux an der Sache ist: das ist bei mir genauso. Nur bin ich erwachsen, vernünftig und selbstständig. Er ist dagegen auf uns angewiesen. Für ihn sowieso schon schwer zu ertragen, und bei Krankheit noch schwerer. Wie kann man so etwas "aufweichen"? Was macht ihr, wenn eure kranken Kinder sich gegen eure Fürsorge wehren?
Am Nachmittag, als es der Kleinen besser ging und sie mit dem Papa allein bleiben konnte, besuchte ich mit dem Großen ein Kindertheater in unserer Nähe, damit er wenigstens noch etwas von dem Tag hat, und wir sahen uns zu zweit das Puppenspiel "Der Zauberer von Oz" an. Nun hoffen wir, dass endlich mal Licht am Horizont auftaucht und wir alle wieder etwas stabiler werden als in den letzten Wochen. Es zehrt...
Ich kam zufrieden und beschwingt nach Hause und hoffte, dass mal ein unproblematisches und ereignisreicheres Wochenende vor uns liegen würde, als es in den letzten Wochen der Fall war. Naja. Kaum 10 Minuten vor meiner Rückkehr hatte sich die Kleine zum ersten Mal übergeben. Jackpot! Das ging dann noch mehrmals so, bis ich sie ins Bett brachte. Sie war aber recht gefasst und ruhig und knabberte und trank sogar zwischen den Brechanfällen. Die Nacht war erwartungsgemäß unruhig, bis 3 Uhr musste ich mehrfach Bettzeug und Handtücher wechseln, danach schliefen wir 4 Stunden ohne Zwischenfälle. Am Morgen dachte ich noch, das Schlimmste sei nun überstanden, aber das Erbrechen ging bis zum Mittag weiter. Zum Glück schlief bzw. döste sie mehrfach auf dem Sofa, auf mir und an Papa gekuschelt. Das war das Beste, was sie tun konnte, und hat uns allen den Tag sehr erleichtert.
Auf was ich eigentlich hinaus will: so unterschiedlich wie meine Kinder in ihren Wesenszügen und Denkstrukturen sind, so unterschiedlich sind sie auch als Kranke. Die Kleine, das hat man heute wieder gemerkt, ist (meist) eine stille, zurückgezogene, anschmiegsame, Halt und Körperkontakt suchende und kuschelige Patientin, die sich in ihr Los "fügt", wenn sie ihre wichtigste Bezugsperson um sich hat, die sich um sie kümmert. Will getragen werden und auf/an mir liegen, lässt sich anfassen und umsorgen. Begehrt nicht auf, sondern leidet still und vertrauensvoll. Sie konnte heute sogar den mehrmaligen Schlaf zulassen, was ich von beiden Kindern bei Krankheiten eigentlich (leider) nicht kenne.
Ganz anders der Große: so, wie er mit sich, uns und seinem Leben ringt, so kämpft er auch als Kranker, hadert, begehrt auf, wehrt ab, ist super unzufrieden und unleidlich und verwendet seine minimal verbliebenen Kräfte tatsächlich lieber auf destruktives Verhalten und Gegenwehr als auf seine eigene Genesung. Er tobt, schreit, wehrt Körperkontakt ab und quält sich sichtlich. Das war schon immer bei ihm so und macht es uns sehr schwer, ihn zu versorgen, wenn er es am Nötigsten braucht. Wenn ihr meinen Blog kennt, wird es euch nicht überraschen, wenn ich sage, dass mein Großer mir auch darin sehr ähnlich ist. Ich bin (bzw. war früher) eine schreckliche Kranke, mir konnte man nichts recht machen, ich war todunglücklich und haderte mit meinem Schicksal. Genauso ist es bei meinem Großen auch. Und trotzdem weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll, was ich machen soll. Er will einerseits seine Ruhe, wenn er krank ist, er tobt, schreit und hält sich die Ohren zu, wenn es ihm zu unruhig ist. Andererseits will er aber auch nicht alleine bleiben. Man weiß also nicht, soll man bleiben oder gehen. Er will nicht kuscheln, er will keine Nähe, er will nicht umsorgt werden, er will selbst agieren. Er hasst es, wenn er nicht sein eigener Herr, in dem Falle Herr seines Körpers, ist. Das ging mir immer ganz genauso. Vielleicht ist auch das ein Charakteristikum eines autonomen Kindes? Wie sind eure autonomen Kinder als Patienten, hadernd oder schicksalsergeben? Er hat nie, weder als Baby noch heute, mehr geschlafen, wenn er krank war, sondern meist deutlich weniger, so dass alles noch kräftezehrender war. Ich fühle mich regelrecht ausgesaugt nach Krankheitstagen mit ihm. Der Tag heute mit der kranken Kleinen war dagegen bis auf die kurze Nacht nicht extrem kräftezehrend (ich war ja auch nicht allein). Man kann sie besser auffangen, stützen und sie lässt das auch zu. Der Große nicht.
Man sieht also, die Unterschiedlichkeit meiner Kinder zieht sich wirklich durch alle Bereiche des Lebens und macht es für uns entsprechend schwerer oder leichter. Am Beispiel ihrer beiden kurz aufeinanderfolgenden Krankheiten hat man wieder einmal deutlich gesehen, wie jedes Kind tickt. Doch warum kann ich, obwohl ich den Großen verstehe und ihm auch darin ähnlich bin, ihn nicht oder schlechter unterstützen als die Kleine? Ich selbst konnte Hilfe lange Zeit schlecht zulassen und so ist es bei ihm auch. Wie kann man diesen Kreislauf unterbrechen, wie kann ich ihm nahebringen, dass er sich im übertragenen Sinne an uns lehnen muss, damit es ihm besser geht? Er will das aber nicht, er sträubt sich mit Leibeskräften gegen alles, wirklich alles. Da ist alles, was man tut, nicht nur anstrengend, sondern auch gefühlt irgendwie nutzlos. Es ändert nichts an seinem subjektiven Befinden, ob sich jemand liebevoll um ihn kümmert. Die Crux an der Sache ist: das ist bei mir genauso. Nur bin ich erwachsen, vernünftig und selbstständig. Er ist dagegen auf uns angewiesen. Für ihn sowieso schon schwer zu ertragen, und bei Krankheit noch schwerer. Wie kann man so etwas "aufweichen"? Was macht ihr, wenn eure kranken Kinder sich gegen eure Fürsorge wehren?
Am Nachmittag, als es der Kleinen besser ging und sie mit dem Papa allein bleiben konnte, besuchte ich mit dem Großen ein Kindertheater in unserer Nähe, damit er wenigstens noch etwas von dem Tag hat, und wir sahen uns zu zweit das Puppenspiel "Der Zauberer von Oz" an. Nun hoffen wir, dass endlich mal Licht am Horizont auftaucht und wir alle wieder etwas stabiler werden als in den letzten Wochen. Es zehrt...
Abonnieren
Posts (Atom)









