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Donnerstag, 12. Juli 2018

Alleinerziehend mit zwei Kindern. Wie wir die ersten Monate allein geschafft und erlebt haben

Vor einigen Wochen hat Frida vom Blog 2KindChaos, deren Vorgängerblog "Herzmutter" einer der ersten Mamablogs überhaupt war, die ich gelesen habe, erzählt, dass sie nun alleinerziehend ist. Für die LeserInnen, mich eingeschlossen, war das eine große Überraschung, denn Außenstehende bekommen ja meist nicht mit, wie man monate- oder jahrelang hadert und kämpft. Und wenn die Entscheidung dann gefällt wurde und der Übergang geschafft ist, pendelt sich manchmal alles so schnell ein und man empfindet es schon als Normalität, so dass der Antrieb zum Darüber-Schreiben irgendwie fehlt. So war es jedenfalls bei mir. Doch jetzt habe ich mir einen Ruck gegeben und möchte euch erzählen, wie unsere neue Familienkonstellation aussieht.

Seit 5 Monaten lebe ich nun allein mit den Kindern. Alleinerziehend im klassischen Sinne fühle ich mich eigentlich nicht, denn der Papa kümmert sich und ist für seine Kinder da. Natürlich liegt die Hauptlast im Alltag bei mir, denn die Kinder wohnen bei mir. Aber ganz allein bin ich nicht. Beziehungsweise genauso allein wie vorher auch, nämlich ohne sonstige Unterstützung außer dem Papa der Kinder. Für mich hat sich in organisatorischer Hinsicht gar nicht soviel verändert, außer dass ich jetzt auch morgens und abends allein mit den Kindern bin und an einem Tag des Wochenendes. Wer sehr aufmerksam mitgelesen hat, wird dies vielleicht bemerkt haben. Dafür habe ich an dem anderen Wochenendtag kinderfrei und damit nun erstmals, seit ich Mutter bin, regelmäßige und zuverlässige Auszeiten, um mich zu regenerieren und Kraft zu tanken. Vor allem ohne schlechtes Gewissen und ohne das Gefühl, man verlange/ erwarte zuviel. Ich genieße das sehr, auch wenn es sich oft noch total unwirklich anfühlt und in diesen Stunden oft die Traurigkeit hochkommt.

Bild: Frühlingskindermama

Insgesamt komme ich ganz gut klar, unser Alltag ist mit Arbeit, Schule und Kita genauso durchgetaktet wie vorher und wir haben Wert darauf gelegt, so wenig wie möglich im Tages- und Wochenrhythmus für die Kinder zu verändern. Das heißt beispielsweise, dass der Mann wie früher die Kinder morgens wegbringt und ich sie nachmittags abhole. Zum Glück konnte ich mit den Kindern in unserer Wohnung bleiben, da sie durch die (noch) geförderte Miete sehr preiswert ist. Ich habe nun endlich wieder einen Rückzugsraum für mich, wo ich auch schlafe, nachdem ich fast 5 Jahre mehr oder weniger schlecht mit der Kleinen zusammen geschlafen habe und keinerlei Bereich für mich hatte, seit ich mein Schlafzimmer zugunsten eines eigenen Kinderzimmers für die Kleine aufgegeben hatte. Das genieße ich so sehr. Entgegen meiner Erwartungen, dass sie mein Allein-Schlafen nicht akzeptieren und jede Nacht zu mir rüberwandern würde, schläft sie allein in ihrem Zimmer durch. Und ich kann endlich wieder abends zum Einschlafen lesen und werde nicht mehr durch jede Bewegung neben mir geweckt. Ansonsten ist in unserer Wohnung alles beim Alten geblieben, bis auf einige wenige Möbel, die der Mann mitgenommen hat.

Der Papa der Kinder wohnt in der Nähe, nicht zu nahe, so dass sie nicht nach Lust und Laune zu ihm gehen können, aber nahe genug, dass die Umgebung für sie vertraut ist und er im Notfall (der gleich am 2. Tag nach dem Auszug eintrat) schnell bei uns ist. Die Entfernung zur Schule und zur Kita ist fast identisch mit unserer, die Kinder können bei ihm ein paar neue Ecken und Spielplätze entdecken, bewegen sich aber im Grunde im gleichen Kiez. Er hat nicht viel Platz in seiner Wohnung, aber sie können bei ihm übernachten und tun dies auch an einem Tag des Wochenendes und manchmal auch noch zwischendurch, teilweise allein wegen Exklusivzeit und so. Recht schnell haben sie Freundschaft mit einem Kind aus dem neuen Haus des Papas geschlossen, wodurch nochmal mehr ein Vertrautheitsgefühl entstanden ist.

Wie geht es den Kindern?

Die Kinder haben die Umstellung unterschiedlich gut verkraftet. Obwohl alles ziemlich schnell ging, nachdem der Mann eine Wohnung gefunden hatte, kam die räumliche Trennung für sie ja nicht ganz überraschend. Mit dem Großen hatte ich schon oft theoretisch darüber geredet und auch die Kleine kannte das Thema. Da sie in ihrem direkten Freundeskreis mehrere Kinder hat, bei denen vor kurzem das Gleiche passiert war, sind für sie solche Familienkonstellationen relativ vertraut. Natürlich flossen trotzdem vor und während des Umzugs des Papas viele Tränen, und auch im Alltag kommen immer mal wieder die Traurigkeit und das Vermissen bei ihnen hoch. Es gab auch schon sehr tränenreiche Abschiede und (nur bei der Kleinen) Aussagen wie "Ich will zu Papa resp. Mama!". Das ist völlig normal und verständlich. Sie akzeptieren zwar die Aufteilung, die Wohnsituation und überhaupt die Tatsache an sich, haben aber verschiedene Arten, mit der Trennung der Familie umzugehen.

Der Große, der eigentlich sehr an seinem Papa hängt und viel früher von mir als Mama unabhängig war als die Kleine, kommt gut zurecht. Er weint mittlerweile kaum noch und steckt die Abschiede und Tage ohne Papa gut weg. Er scheint den Papa auch nicht sehr zu vermissen, sondern freut sich einfach, wenn er ihn sieht und bei ihm ist. Der Große ist ein Charakter, der weniger an Menschen, sondern vielmehr an Strukturen hängt. Wenn wir also umziehen hätten müssen oder sich überhaupt sein Alltag, seine Umgebung stark verändert hätte, wäre die Situation vermutlich deutlich schwieriger für ihn. Solange sein gewohnter Rahmen gleich bleibt, kann er die schwierigen Emotionen, die mit Sicherheit vorhanden sind, gut verarbeiten. Er ist mir auch darin übrigens sehr ähnlich.

Die Kleine ist ganz anders und es bricht mir das Herz, wie sie unter der Situation leidet. Obwohl sie eine deutlich engere Beziehung zu mir als zum Papa hat und meine Abwesenheit (z.B. während der Mutter-Kind-Kur) so unerträglich für sie war, dass sie mit körperlichen Symptomen (Neurodermitis) darauf reagierte, obwohl der Papa bei ihr lange Zeit nichts machen durfte, obwohl sie mit solchen Familienkonstellationen aus ihrem Freundeskreis auf jeden Fall vertrauter ist als der Große und obwohl auch für sie die äußeren Strukturen gleich geblieben sind, ist ihre Welt aus den Angeln geflogen und sie leidet extrem. Sie hängt sehr stark an Menschen, weniger an Strukturen, und vermisst den Papa jeden Tag. Gleichzeitig vermisst sie mich, wenn sie beim Papa ist, und dieser Zwiespalt frisst sie manchmal fast auf. Sie hat große Verlustängste und kein Vertrauen mehr.

Ihr Sicherheitsgefühl, ihre Selbstverständlichkeit, ihre Leichtigkeit haben einen großen Knacks bekommen, sie ist verunsichert, viel scheuer als früher und macht leider gerade in einigen Bereichen einen Rückfall in die Babyzeit durch. Sie weint sehr oft bei den Abschieden und mag sich mit der neuen Situation nicht abfinden. Und wer jetzt meint, dass es für sie trotzdem besser sei, als mit unglücklichen Eltern zusammenzuleben, der irrt: sie würde lieber unsere Konflikte, unsere Anspannung und unser Unglücklichsein in Kauf nehmen, wenn sie dafür beide Eltern um sich hätte. Das hat sie explizit so gesagt und das spürt man auch. Deshalb tut mir ihr Leid besonders weh, es schürft bei allen sozusagen jedesmal die Wunden auf, die sich gerade oberflächlich geschlossen hatten.

Die Geschwisterkonstellation

Äußerlich, d.h. in ihren Betreuungseinrichtungen, verhalten sich beide Kinder genauso wie vorher und zeigen bis jetzt keine negativen oder problematischen Veränderungen. Auch ihre externen Bezugspersonen bestätigen das, worüber wir sehr erleichtert sind. Zuhause hatte ich mir, ehrlich gesagt, durch die Auflösung der Erwachsenen-Konfliktsituation auch mehr Ruhe in der Geschwisterkonstellation versprochen. Bekanntlich sind meine Kinder sehr verschieden, harmonierten nie besonders gut miteinander und produzieren durch ihre ständigen Scharmützel immensen Stress, sowohl für sich selbst als auch für uns. Diejenigen, die um unsere Probleme wussten, erklärten sich die permanenten Geschwisterstreitereien natürlich gern als gespiegelte Eltern- Konflikte, und obwohl ich eigentlich nicht daran glaubte, da meine Kinder schon vom Wesen her so unterschiedlich sind, war die Erklärung natürlich so schön simpel und einleuchtend.

Leider hat sich aber seit der Trennung, und es sind 5 Monate, also eine durchaus bewertbare Zeit, vergangen, nicht wirklich etwas an der Geschwisterbeziehung verändert. Es gab am Anfang eine ganz kurze harmonische Phase, die mir Hoffnung machte, aber danach lief alles wieder wie bisher ab, mit viel Ärgern, viel Streiten, viel Missgunst, sie lassen sich einfach nicht in Frieden, sondern kleben aneinander, aber immer konfliktreich. Die Hoffnung auf Geschwister-Harmonie und Zusammenhalt in solch einer Situation hat sich also nicht bestätigt und das zeigt mir, dass die beiden grundsätzlich vom Typ her nicht gut zusammenpassen, entlastet uns aber auch von Selbstzweifeln und externen Vorwürfen, ob wir nicht doch "schuld" an ihrem Verhalten gewesen seien.

Doch obwohl die Geschwistersituation im Grunde gleich geblieben ist, empfinde ich das Zusammenleben insgesamt als weniger anstrengend, da viele Auseinandersetzungen mit ihnen auch daraus entstanden sind, dass wir als Eltern kein gutes Team waren und beispielsweise ich als Mama viel Ärger und Frust auffangen musste, die bei den Kindern durch manche Reaktionen des Papas entstanden sind. Dieses ständige Vermitteln, Auffangen, Trösten und Partei ergreifen hat mich oft sehr ausgelaugt, vor allem, wenn es Konflikte betraf, die ich nicht selbst verursacht habe, aber klären sollte. Das ist im Alltagsleben jetzt deutlich einfacher geworden und entlastet mich.

Das Finanzielle

Finanziell gesehen ist die Situation schwierig und noch nicht in Gänze überschaubar. Wir haben beide minimal unsere Wochenarbeitszeit aufgestockt, aber im Grunde finanzieren wir mit fast den gleichen Gehältern einen kompletten Haushalt mehr. Der Mann zahlt natürlich Unterhalt und wir müssen nicht hungern, aber man rechnet viel mehr als früher, hat Angst vor unvorhersehbaren Anschaffungen und jede Ausgabe tut doppelt weh. Urlaube werden im Moment vom Ersparten finanziert und das mache ich auch nur deshalb, weil es mir so viel bedeutet, mal wegzufahren. Eine Dauerlösung ist das nicht. Da wir unsere Einnahmen nicht groß steigern können, bleibt nur, perspektivisch die Ausgaben zu reduzieren. Die Mieten beider Wohnungen sind sehr preiswert, das Auto wird gebraucht, also bleibt eigentlich nur unser Garten, in den wir in den letzten 8 Jahren soviel Arbeit und Liebe gesteckt haben und der uns zumindest im Sommer eine preiswerte Wochenendgestaltung ermöglicht. Noch haben wir dazu nichts entschieden, aber im Grunde ist der Garten das einzige Stellschräubchen.

Es belastet sehr, wenn man auf Dauer mehr ausgibt als einnimmt, und auch die Kinder bekommen das schon mit. Ich erfasse seit Februar jede Ausgabe und Einnahme in einer App und werde im Jahresverlauf sehen, wie ich dastehe. Außerdem mache ich mir große Sorgen um meine Rente und insgesamt meine finanzielle Situation in der Zukunft. Ich habe früher schon einmal über das Thema geschrieben. Zum Glück habe ich nie meine Arbeit zugunsten der Familie aufgegeben und ich kann nur dringend an alle Mamas, die zuhause sind, appellieren: verlasst euch nicht darauf, dass die Beziehung schon halten wird und jemand für euch einsteht. Ihr wisst nicht, was später kommt und wie sich Menschen entwickeln. Ich habe das Glück, dass Unterhaltszahlungen selbstverständlich sind und nicht erfochten werden müssen oder ganz ausbleiben. Aber es gibt auch ganz andere Fälle und Situationen nach Trennungen.

Getrennt und trotzdem Familie

Zu den Gründen der Trennung möchte ich mich hier nicht äußern. Nur soviel vielleicht: wir waren schon 10 Jahre zusammen, als wir unseren Großen bekamen, hatten eine sehr schmerzhafte Fehlgeburt und sehr schwierige Kinderwunschjahre, also schon viele Höhen und Tiefen, hinter uns, aber unsere Beziehung, unsere Ehe hat leider den Belastungen, die das Leben mit Kindern mit sich bringt, trotz aller Anstrengungen nicht stand gehalten. Wir haben es uns nicht leicht gemacht und vieles versucht. Niemals hätte ich mir träumen lassen, mal in dieser Situation zu stecken. Unser Familientraum ist gescheitert, unsere Pläne und Vorhaben beerdigt, unsere Kinder haben ihre kleine Welt verloren, und das ist auf der Meta-Ebene ein ganz schreckliches Gefühl, auch wenn der Alltag jetzt einfacher ist.

Wir versuchen aber, trotzdem Dinge gemeinsam als Familie zu erleben, weil wir das ja sind und bleiben. Am Zeugnistag des Großen wurde selbstverständlich gemeinsam mit Pizza gefeiert, die Abschlussfeier seiner Klasse besuchten wir zu viert, die Geburtstagsausflüge fanden zusammen statt und sogar zwei Wochenendtrips, auf denen wir getestet haben, ob das funktioniert. Für die Kinder ist das schön und wertvoll und auch wichtig, finde ich. Ursprünglich hatten wir auch ein regelmäßiges gemeinsames Abendessen unter der Woche geplant, aber das hat sich eher als stressig erwiesen und wird im Moment nicht praktiziert. Wir müssen halt nach und nach ausprobieren, was funktioniert und was nicht. Auf jeden Fall lasse ich den Mann am Alltag der Kinder teilhaben, indem ich Fotos und Nachrichten schicke, Situationen erzähle und mich mit ihm austausche. Nun steht unser Sommerurlaub an, der zweigeteilt sein wird: die erste Woche urlaube ich mit den Kindern allein an der Ostsee und hoffe auf etwas Entspannung und gutes Wetter, die zweite Woche verbringen wir alle zusammen an drei verschiedenen Orten, darunter zwei Tage in Hamburg, mit Abwechslung und vielen Unternehmungen, so dass es sich für die Kinder und uns sicherlich nicht wie der klassische "alte" Familienurlaub anfühlen wird. Ich bin gespannt, ob das funktioniert und welche Schlüsse wir für's nächste Mal daraus ziehen werden.

Ich lebe jetzt also allein mit den Kindern und bin "getrennt gemeinsam erziehend", wie die Kleinstadtlöwenmama so passend über ihre Situation geschrieben hat. Alleinerziehend ist nicht gleich alleinerziehend, das finde ich sehr wichtig zu betonen. Wir sind beide für unsere Kinder da und wollen ihnen Sicherheit und Liebe geben, obwohl die Kernfamilie zerbrochen ist. Da wir keinerlei familiäres Netz hier haben, bleibt uns auch nichts anderes übrig, als uns gegenseitig zu unterstützen. Mittlerweile hat sich alles soweit gut eingespielt, auch wenn es natürlich immer wieder neue Situationen und Herausforderungen gibt. Diese müssen und wollen wir gut und einvernehmlich lösen, denn wir sind und bleiben Mama und Papa unserer beiden Kinder. Für immer.

Bildquelle: Pixabay

Freitag, 20. Oktober 2017

Die ersten Ferien!

Die ersten Ferien für meinen Großen! Wahnsinn, wie schnell die 6 Wochen seit seiner Einschulung vergangen sind. Ich erinnere mich, wie elend lang für mich als Kind die Schulwochen immer waren und wie weit entfernt die nächsten Ferien schienen. Kinder haben ja doch eine ganz andere Zeitwahrnehmung als Erwachsene. Nun, da ich selbst Mama eines Schulkindes bin, staune ich, wie rasant die Wochen verflogen sind. Aber vor allem staune ich darüber, wie ruhig und problemlos die Umstellung geklappt hat und wie ausgeglichen der Große ist. Das hätte ich niemals so erwartet.

Ich habe erwartet und wurde auch von vielen Seiten darauf vorbereitet, dass die ersten Wochen schwierig und anstrengend werden und es mindestens bis zu den Herbstferien, oft sogar bis zum Ende des ersten Halbjahres, dauern würde, bis sich das eingeschulte Kind und alle Familienmitglieder an die Veränderungen, die neuen Anforderungen, den anderen Rhythmus gewöhnt hätten. Ich habe wahlweise mit völliger Überforderung und Überreizung, mit Aggressionen, mit Wut, mit Verzweiflung, mit Unlust und Boykott oder auch mit Apathie gerechnet und mich auf eine lange, anstrengende Zeit des Tröstens, Ausgleichens und Aufmunterns eingestellt. Ich hatte Angst davor, wieder der Puffer für viele negative Emotionen des Großen zu werden, wie schon so oft. Und ich hatte natürlich auch befürchtet, dass er meine Angst und Skepsis spüren würde.

Nichts davon ist eingetreten. Ich kann es selbst bis heute nicht glauben und erwartete täglich ein Platzen der Bombe, ein Ausrasten, ein Verweigern oder Zusammenbrechen von ihm. Ich erwartete ein Auf und Ab der Emotionen und Stimmungen, Müdigkeit und Erschöpfung, Verwirrung, Überforderung, Frust und Tränen. Dass es anders gekommen ist, finde ich unglaublich toll. Er ist da so pflegeleicht durchgegangen, dass wir, abgesehen vom organisatorischen Kram, fast nichts von der Veränderung gemerkt haben. Überhaupt, schon der Begriff "pflegeleicht" in Zusammenhang mit einer Umstellung im Leben des Großen liest sich fast unglaublich.

Ich glaube weiterhin, dass einen großen Anteil daran das Verbleiben in seinem gewohnten Umfeld inklusive vertrauter Freunde und anderer Kinder hatte. Das macht für Charaktere wie ihn unheimlich viel aus und ich bin froh, dass ich das als eines der ausschlaggebenden Kriterien für die Anmeldung auf der normalen Einzugsgrundschule herangezogen habe. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie verlassen und einsam er sich allein auf einer fremden Schule, in einer völlig neuen Umgebung gefühlt hätte. Er ist nicht der offene Typ, der schnell neue Kontakte knüpft und auf andere zugeht. Hier an seiner Schule geben ihm die Kinder, die er kennt (und das sind nur einige wenige unter 600 Schülern) Halt und er konnte dadurch auch schon ein paar neue Freunde finden. Das ist für mich schön zu sehen.

Er hält mit seinem neuen Wissen, seinen erlernten Kenntnissen und neuen Abläufen ziemlich hinter dem Berg und sprudelt nicht automatisch alles heraus, was er am Tag gelernt und erlebt hat. Manche Fragen über den Schulalltag, die ich ihm so stelle, kann er gar nicht beantworten. Ich denke, sein Gehirn schützt sich vor zuviel Input, indem es alles ausblendet, was nicht direkt "lebensnotwendig" im Schulleben für ihn ist. Das ist okay, ich kenne das selbst auch. Er ist aber ganz stolz, wenn wir seine Aufgabenblätter, bei denen er meist volle Punktzahl erreicht, aus seiner Postmappe rausholen und anschauen. Das Lesen und Schreiben lernen schreitet ganz langsam voran, aber auch das finde ich völlig in Ordnung, ich bin da komischerweise gar nicht so ungeduldig wie sonst. Seine Lehrerin wird es ihm schon beibringen. Bis jetzt gibt es keine Probleme oder Sorgen. Ich würde mir wünschen, dass die Klasse öfter und länger nachmittags rausgeht, aber das ist eben erzieherabhängig. Noch wichtiger ist mir, dass darauf geachtet wird, dass die Hausaufgaben im Hort erledigt werden, und das ist glücklicherweise der Fall. Denn dann kann ich beruhigt nachmittags mit den Kindern genau wie bisher auf den Spielplatz oder in den Park gehen.

In den 6 Wochen seit seiner Einschulung hat er die ersten beiden Milchzähne verloren. Er ist mit einem Nasenbeinbruch gestartet und kann mittlerweile wieder alles regulär mitmachen. Er geht allein (oder mit anderen Kindern) das letzte Stück des Weges bis hoch in seinen Klassenraum, hat aber keine Ambitionen, die darüber hinaus reichen. Er erledigt seine Aufgaben wunderbar, macht aber nichts Zusätzliches. Ich sehe, was ich schon länger wahrnehme, nämlich dass er kaum Ehrgeiz hat, sich selbst etwas Neues beizubringen oder etwas zu machen, was über die Anforderungen hinausgeht. Selbst im Rechnen, was ihm liegt, versucht er nicht selbstständig voranzukommen. Aber solange er die Anforderungen erfüllt, sich Mühe gibt und nicht unwillig dabei ist, bin ich auch zufrieden. Spezielle Interessen und damit eine intrinsische Motivation kommen vielleicht im Laufe der Zeit. In den letzten Wochen ging es vor allem darum, diese große Umstellung so reibungslos wie möglich zu gestalten.

In der ersten Ferienwoche wird er 2 Tage in den Ferienhort gehen, an den restlichen Tagen ist er anderweitig verplant. Und am nächsten Freitag fliegen wir für eine Woche in den Urlaub, da die Kita in der 2. Ferienwoche ebenfalls geschlossen ist. Juhu, wir freuen uns. Und dann beginnt der nächste Abschnitt unseres Schulkindes!

Samstag, 23. September 2017

Die ersten beiden Schulwochen des Großen

Der Große hat nun schon die ersten beiden Schulwochen hinter sich und es lief erstaunlich und bemerkenswert gut. Ich hatte ja mit abendlichem Motzen und Durchdrehen oder mit völliger Apathie gerechnet, aber nichts davon trat ein. Beim Abholen wirkte er ausgeglichen und zufrieden, bewegte sich selbstsicher durch den Klassenraum, kommunizierte auch in meiner Gegenwart mit seiner Horterzieherin und zeigte mir manchmal, was die Kinder schon im Unterricht gemacht hatten. Er kennt die Abläufe und Wege, hat sich halbwegs an das Gewimmel der vielen vielen Schüler gewöhnt und zeigt kaum noch Scheu in der neuen Umgebung.

Zwar war er schon 2 Wochen vor der Einschulung im Ferienhort, damit er sich ein wenig eingewöhnen konnte, aber der Schulalltag ist natürlich doch nochmal ein ganz anderer. Seine Lehrerin ist neu, der Rhythmus ist anders, die Klasse ist nun vollständig, d.h. er hat viele neue Kinder kennengelernt, und wahnsinnig viele neue Anforderungen stürmen auf ihn ein. Ich kann mich leider nicht mehr an meine Einschulung erinnern, aber aus meiner Erwachsenenperspektive heraus stelle ich mir das als eine riesengroße Umstellung vor. Insofern hat er die ersten Tage erstaunlich gut gemeistert und wirkte nicht mal besonders erschöpft oder müde. Das war schön zu sehen.

Er ist auch schon genauso lange in der Schule wie seinerzeit in der Kita (7 1/2 Stunden). Der Unterricht startet um 8 Uhr, bis 13:30 Uhr geht die verlässliche Halbtagsgrundschule (VHG) und wir haben die anschließende Hortbetreuung bis 16 Uhr gebucht. Ab Tag 1 durften wir ihn nicht in den Klassenraum bringen, sondern seine Lehrerin wartete mit den Zweitklässlern vor der Schule und ging dann mit der ganzen Klasse nach oben. Ab Tag 4 standen nur noch die Zweitklässler unten und warteten auf die Schulanfänger, und bald sollen sie ganz allein den Weg nach oben gehen. Das war ein Aspekt, der mir vorher Bauchschmerzen bereitete, aber der Große macht das gut mit. Im Moment machen wir (bzw. der Papa, der ihn meist morgens zur Schule bringt) es noch so, dass wir auf einen Klassenkameraden warten, mit dem zusammen er hochgehen kann.

Am Nachmittag hole ich ihn meist als erstes ab und laufe dann mit ihm zur Kita, um die Kleine abzuholen. Auf diese tägliche kurze Exklusivzeit hatte ich mich total gefreut, weil ich es oft schwierig fand, mich nach der Kita auf die Bedürfnisse zweier Kinder zu konzentrieren. Nun laufen wir den kurzen Weg zusammen und es ist richtig schön, auch wenn er weniger aus sich heraussprudelt, als ich gehofft hatte. Vieles, was er erlebt hat oder was ihn beschäftigt, kommt tatsächlich erst abends zuhause zum Vorschein. Leider brauchen wir durch die Größe der Schule, notwendige Gespräche und das Einpacken seiner Sachen doch deutlich länger bis zur Kita, als ich gedacht hatte, obwohl ich den Großen aktuell noch etwas eher abhole. Das gefällt mir noch nicht, aber ich hoffe, dass das durch die zunehmende Routine besser wird.

Das Lernen erfolgt sehr spielerisch, die ersten Tage waren sowieso "Eingewöhnungstage", wo die Regeln (Toilette!) erklärt wurden und alle sich aneinander gewöhnten. Der Unterricht ist aufgelockert und abwechslungsreich. Vom Sportunterricht war er wegen seines Nasenbeinbruchs noch befreit, aber das war im Grunde auch ganz gut, denn so konnte er erstmal von der Bank zuschauen, wie das überhaupt abläuft. Ansonsten fließen die einzelnen Fächer ineinander und die Lehrerin entscheidet, ob sie nun gerade Schreiben oder Rechnen lehrt oder etwas ganz anderes macht. Für die Kinder ist das manchmal schwer nachvollziehbar, welcher Unterricht gerade stattfindet. So verneinte der Große beispielsweise auf meine Nachfrage, ob er am Lebenskunde-Unterricht teilgenommen habe. Es stellte sich aber heraus, dass er durchaus dabei war, nur eben die ganze Stunde gespielt wurde.

Die Hausaufgaben, ein weiteres meiner Bauchschmerzthemen, macht er bis jetzt nachmittags im Hort und schafft auch das, was vorgegeben ist. Zuhause mussten wir uns zum Glück noch nicht daran setzen. Ich hoffe, das bleibt so. Nachmittags konnten wir bisher unsere gewohnten Ziele wie Cafè und Spielplatz ansteuern, auch wenn ihm der Schulranzen am Nachmittag schnell zu schwer wird. Da die Kinder an einem Schultag doch deutlich weniger Zeit an der frischen Luft und in Bewegung verbringen als im Kitaalltag, finde ich es wichtig, nachmittags noch draußen unterwegs zu sein. Oft hole ich den Großen aus dem Klassenraum ab, frage ihn, ob er denn draußen war und er sagt, in der Hofpause. Ich hoffe, dass es nicht nur in der Hofpause war.


Besonders rührend ist es für mich, zu sehen, wie er jedesmal in der Kita begrüßt wird, wenn wir die Kleine abholen. Einige der jüngeren Kinder rennen zu ihm, umarmen ihn, begutachten seinen Ranzen und fragen ihn über die Schule aus. Das ist echt süß und ich kann mich nicht erinnern, dass sich der Große für die Einschulungskinder ein Jahr vor ihm interessiert hat, wenn diese ihre kleinen Geschwister abholten. Auch die Erzieher befragen ihn zu seinem Schulalltag. Das muss ein komisches Gefühl für ihn sein, täglich in das jahrelang vertraute Umfeld zu kommen, aber nun aus seiner neuen Welt der Schule heraus.

Insgesamt bin ich nicht nur sehr glücklich, sondern wirklich überrascht über diesen reibungslosen Start. Er wirkt schon total angekommen und zufrieden, überhaupt nicht verwirrt, überfordert oder haltlos. Was mich sehr erstaunt, ist die bisher fehlende Erschöpfung und Müdigkeit, hatte ich doch von allen Seiten gehört, dass die Kinder in den ersten Wochen völlig erledigt abends ins Bett fallen. Das ist bei ihm bisher nicht der Fall, kann aber natürlich noch kommen. Die 4 Wochen Ferien zwischen Kitaende und Ferienhortbeginn haben ihm sicherlich Kraft und Erholung gegeben, von der er noch zehren kann. Er wirkt sehr ausgeglichen, es gibt kaum Stimmungsschwankungen, er ist nicht aggressiv, verschlossen oder apathisch. Schön!

Ich erinnere mich nur zu gut an die Folgen seines Wechsels in den großen Elementarbereich der Kita, mit dem er eine Zeitlang arg zu kämpfen hatte - und wir mit ihm. Das ist kein Vergleich jetzt, im Gegenteil, man merkt ihm fast gar nichts an. Vielleicht geht es ihm ähnlich wie mir, dass er mit der konkreten Situation besser umgehen kann als mit der Ungewissheit vorher. In jedem Fall ist es toll, dass er soviel Stabilität und Reife gewonnen hat, um sich von solch einer großen Veränderung nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Hoffentlich geht es so weiter. Bisher sind wir insgesamt zufrieden und positiv überrascht. Und der Große meistert das ganz toll!

Dienstag, 22. August 2017

Unser Sommerurlaub 2017

Nun hat uns der Alltag wieder und ich möchte unseren diesjährigen Sommerurlaub an der Ostsee unbedingt noch Revue passieren lassen. Ich denke insgesamt positiv an ihn zurück, auch wenn er leider nicht den gewünschten durchschlagenden Erholungseffekt brachte. Es war ein schöner, wenn auch nicht ganz unanstrengender Urlaub. Ich habe mich einerseits sehr wohlgefühlt und die Abwechslung und Auszeit genossen, konnte aber andererseits diesmal wahnsinnig schlecht abschalten, da das Gedankenkarussell, besonders in Hinblick auf die baldige Einschulung des Großen, ununterbrochen lief. Aber endlich hatten wir mal Glück mit dem Wetter an der Ostsee!


Wir waren diesmal tatsächlich mehrfach in der Ostsee baden und verbrachten viele warme Stunden am Strand, was in den letzten Jahren nicht möglich war. Lest mal meine Berichte aus den Jahren 2016 und 2015 dazu nach. Auch im Jahr 2014, als wir zum ersten Mal in der gleichen Ferienwohnung wie diesmal waren, zeigte sich das Wetter sehr wechselhaft. Diesmal fühlte es sich endlich mal nach einem richtigen Sommerurlaub an! Das war echt toll und trug sehr viel zur positiven Urlaubsgrundstimmung bei. Dass die Kinder nun das Meer kennen und mögen, anstatt ängstlich und skeptisch zu sein wie lange Zeit, freut mich immer besonders. Denn das Meer, egal wo, trägt eine große Faszination in sich und zieht fast jeden Menschen in seinen Bann. Es beruhigt und erdet. Je älter ich werde, umso mehr brauche ich es, mehrmals im Jahr ans Meer zu fahren. Als ich am letzten Abend mit dem Großen einen Abschiedsspaziergang am Strand unternahm und ganz traurig wegen unserer Abreise war, meinte mein Sohn: "Mama, dann darfst Du entweder nicht mehr hierher kommen oder musst ganz hier bleiben!"  Da hat er irgendwie Recht.


Wir kannten unseren Urlaubsort, wir kannten unsere Ferienwohnung, wir wussten, dass die Kleine gerade in einer ziemlich anstrengenden Phase ist und die Geschwister sich aktuell wiedermal gegenseitig aufputschen. Es gab also keine unangenehmen Überraschungen, in jeglicher Hinsicht. Unsere Ferienwohnung bietet den Vorteil, dass sie einen eigenen großen Garten hat, ohne Nutzung durch andere Gäste. Das heißt, wir sind dort wirklich für uns und haben unsere Ruhe. Das ist aber gleichzeitig ein Nachteil, weil die Kinder keine Freunde kennenlernen und ihnen das tatsächlich diesmal fehlte, wie beide einhellig kundtaten. Ich weiß noch nicht, wie wir das in den nächsten Jahren lösen: Ruhe für die Eltern oder Sozialleben für die Kinder? Letzteres kann für uns Eltern entlastend, aber auch zusätzlich anstrengend sein, wie wir letztes Jahr in einer anderen Ferienwohnung feststellten. Ich bin da noch unentschieden...


Gleich am ersten Tag kam uns der beste Freund des Großen mit seiner Familie besuchen, die in der Nähe urlaubten. Das war total schön, wir spielten im Garten und am Strand und alle hatten viel Spaß. Dann folgten 2 Tage allein mit den Kindern, weil ich den Mann zum Erholen nach Hause geschickt hatte. Das war vorher so vereinbart, damit er allein etwas Kraft tanken kann. Es ging auch ganz gut, weil das Wetter passend war. Ohne Auto wären die 2 Tage sonst etwas zäh geworden. Als er wieder da war, verbrachten wir weiterhin viel Zeit am Strand, machten kleine Ausflüge, allerdings nichts Anstrengendes, und hatten einen wunderbaren Tag auf der Hansesail 2017 in Warnemünde.


Wie vorher abgesprochen, teilten wir uns auch ab und zu auf, um den Kindern Exklusivzeiten zu geben. Ich machte zum Beispiel mit dem Großen eine Vormittags-Wanderung an der Steilküste entlang und mit der Kleinen eine große Fahrradtour über Salzwiesen und an der Molli-Bahn entlang. Der Mann fuhr mit ihr zum Reiterhof und spielte mit dem Großen ausgiebig Wikinger-Schach*. Für mich gab es 2 kleinere Allein-Zeiten, wenig, aber besser als nichts, und 2 wundervolle abendliche Strandspaziergänge. Ich hätte definitiv noch länger bleiben können, nicht zuletzt dank des tollen Wetters, auch wenn es eben durchaus anstrengend war. Rund um die Uhr mit meinen Kindern bzw. anderen Menschen zusammen zu sein, wird mir immer schwerfallen und mich extrem fordern. Die Geräusche der Kinder, das ständige Streiten und Weinen strengen mich an, und die Kleine halbwegs empathisch in ihrer schrecklich schwierigen Phase zu begleiten, verlangt Äußerstes von mir ab.


Dazu kamen sehr deutlich die ständigen Gedanken und Überlegungen, die baldige Einschulung des Großen betreffend. Was alles noch besorgt, organisiert und erledigt werden muss, wie das wohl alles wird und wie wir alle die Umstellung verkraften werden. Es war für mich diesmal sehr schwer, abzuschalten, weil diese riesengroße Veränderung vor uns liegt, die ich bekanntlich sehr skeptisch betrachte. Ich kann derzeit nachts oft nicht einschlafen, weil ich so vieles im Kopf herumwälze, und dieses Problem machte natürlich auch vor dem Urlaub nicht Halt. So ein Zwischenzustand ist echt blöd, nicht Fisch noch Fleisch, und vor allem hinderlich beim Abschalten.

Das unangenehmste Mitbringsel aus dem Urlaub sind fiese Rückenschmerzen, die wieder zurückgekehrt sind, obwohl sie nach meiner Mutter-Kind-Kur fast verschwunden waren. Sie hängen einerseits mit dem gehäuften Tragen der 18 kg schweren Kleinen zusammen, andererseits aber wohl auch mit meiner immanenten Anspannung. Ich hoffe, dass sie bald wieder verschwinden!

Nach unserer Rückkehr bemerkte ich einen deutlichen Unterschied zu der Zeit nach meiner Mutter-Kind-Kur an der Ostsee, als ich nämlich einen richtigen Großstadtkoller und große Probleme hatte, mich wieder ans Stadtleben zu gewöhnen. Das war diesmal nicht der Fall, was mir zeigt, dass ich nicht im gleichen Maße wie bei der Kur abgeschaltet habe. Logisch, die Situation war ja auch eine ganz andere. Man kann sich halt nicht zwingen, abzuschalten, und bei Menschen wie mir ist das ja sowieso grundsätzlich schwierig.


Insgesamt war es aber durchaus ein schöner Urlaub mit richtigem Sommerfeeling, der noch länger hätte sein können. Mit noch etwas mehr Alleinsein, etwas weniger Geschwisterstreit, einer Waschmaschine und ein paar losen Freunden für die Kinder wäre es fast perfekt gewesen. Eigentlich wollte ich gegen Ende des Urlaubs noch ein-zwei Tage allein in einem Hotel verbringen, um aufzutanken. Da bei der Kleinen aber keinerlei Besserung ihres unausgeglichenen Zustandes zu bemerken war, beschloss ich, mit ihr zusammen noch anderthalb Tage ranzuhängen, um ihr Exklusivzeit und ein kleines Abenteuer zu geben. Auch wenn dieser Plan nicht den durchschlagenden Erfolg hatte wie erhofft, berichte ich darüber nochmal separat. Das war er, unser Ostsee-Sommerurlaub 2017. Und da ich weder gar nicht mehr hinfahren noch ganz hinziehen kann, um meinen Großen nochmal zu zitieren, werde ich einfach die goldene Mitte wählen und - öfter ans Meer fahren. Ob allein oder mit den Kindern, es wird immer stärker zum Sehnsuchtsort für mich.


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Montag, 10. Juli 2017

Das Ende der Kitazeit des Großen naht

Die letzten Tage in der Kita sind angebrochen. Am 31. Juli enden 5 1/2 Jahre Kitazeit für meinen Großen, davon fast 5 Jahre in unserer jetzigen Kita. Bisher habe ich mich immer über jedes Älterwerden, jede Entwicklung, jeden neuen Schritt meiner Kinder gefreut, aber diesmal bin ich wirklich traurig und kann keine Freude empfinden. Zu krass wird der Einschnitt für ihn und für uns alle sein, wenn er im September eingeschult wird.

Ich bin traurig, dass ich ihn dann nicht mehr aus unserem Kita-Garten abholen kann, wo er mit seinen Freunden Fußball oder "Mädels fangen" spielt. Wo ich weiß, dass er den ganzen Tag draußen an der frischen Luft und in Bewegung war. Ich bin traurig, dass er nicht mehr seinen Musik- und den Handwerkerkurs in der Kita machen wird, wo man ohne Probleme auch mal fehlen kann, im Unterschied zur Schule. Ich bin traurig, dass die Kleine ihn zukünftig, genau wie uns, den ganzen Tag nicht sehen wird, sondern nur morgens in einer Stresssituation und nachmittags, wenn alle kaputt vom Tag sind. Ich bin traurig, weil die beiden bald noch weniger Gemeinsamkeiten haben werden und es schwer wird, nachmittags die Bedürfnisse bzw. Notwendigkeiten (Hausaufgaben) beider Kinder zu vereinbaren.

Kein Verreisen in der Nebensaison, keine Kurztrips von Donnerstag bis Dienstag mehr. Kein Zuhause-Bleiben am Geburtstag und noch mehr Zeitdruck am Morgen als jetzt. Dazu das Gepäck, Schulranzen, Turnbeutel und was weiß ich alles. Was soll ich am Nachmittag mit dem ganzen Zeug machen, wenn wir im Park oder auf dem Spielplatz sind? Denn wahrscheinlich werde ich erst den Großen vom Hort abholen und danach zur Kita gehen. Außerdem bin ich fast immer nachmittags mit den Kindern noch draußen unterwegs.

Ich habe große Bauchschmerzen, weil ich weiß, dass nicht nur mehr Zeitdruck, sondern auch Leistungs- und Anpassungsdruck auf ihn zukommen werden. Mein Großer ist ein Kind, das unter Druck nicht oder viel schlechter funktioniert als unter optimalen Bedingungen. Oft blockiert er dann und kann seine Fähigkeiten nicht abrufen, wenn er unter Druck gesetzt wird oder unter Stress gerät. Ich mache mir große Sorgen um seinen Schulstart und weiß, dass die Umgewöhnung lange dauern und er seine Unsicherheit und Überforderung bei uns abladen wird, wie seinerzeit beim Wechsel in den großen Elementarbereich der Kita. Ich stelle mich auf eine emotional ungeheuer anstrengende Zeit ein, besonders für mich, die sich seit seiner Babyzeit als Schreibaby immer für sein seelisches Wohl verantwortlich fühlt.

Ich habe nur negative Gefühle, wenn ich an meine eigene Schulzeit denke. Ich habe sie als eine Zeit der Fremdbestimmtheit, des Anpassungsdrucks, des Gruppenzwangs und sinnentleerten Lernens, ungerechter Benotungen und unfähiger Pädagogen erlebt. Besonders die zweite Hälfte meiner 12 Schuljahre zogen sich quälend langsam. Ich war eine gute Schülerin und habe später studiert, aber die Schulzeit empfand ich als schrecklich. Das darf ich dem Großen gegenüber natürlich nicht zeigen, aber ganz verstecken kann ich es auch nicht. Er merkt ja, wie verhalten ich reagiere, wenn wir über die Schule sprechen. Soll ich ihn anlügen? Nein, das würde ich selbst auch nicht wollen. Ich will meine eigenen Erfahrungen machen, und das muss und wird er auch. Die können ganz anders als meine aussehen. Schließlich sind seit meiner Einschulung 36 Jahre vergangen und die Zeiten heute sind ganz andere. In vielen Hinsichten besser, in anderen Aspekten (Medien) auch schwieriger. Im Endeffekt steht und fällt vieles mit den Persönlichkeiten, mit denen er zu tun haben wird. Insgesamt hege ich aber große Vorbehalte gegen das "System Schule", die ich auch nicht abschütteln kann.


Wir haben uns viel davon versprochen, dass er auf der Einzugsgrundschule mit vielen seiner Kita-Freunde eingeschult wird. Das war einer der Gründe dafür, dass wir ihn dort angemeldet haben und nicht auf der privaten Gemeinschaftsschule, die wir uns vor 2 Jahren mit einem sehr positiven Grundgefühl angeschaut hatten. Nun fand am letzten Donnerstag der erste Elternabend in der Schule statt und wir erfuhren, dass er leider nicht mit zwei seiner engsten Freunde in eine Klasse kommt. Zwar mit einigen Kindern, die er gut kennt, aber eben nicht mit den engsten. Das betrübt mich sehr, denn es hätte ihm Stabilität und Halt gegeben. Seine zukünftige Lehrerin wirkte nett und fachlich kompetent, allerdings etwas "oldschool" in ihren Anschauungen und Aussagen. Sie unterrichtet schon seit 30 Jahren, was überhaupt nicht schlecht sein muss, aber es hängt von ihrer Persönlichkeit ab, ob sie sich mit der Pädagogik weiterentwickelt hat. Einige ihrer Aussagen gefielen mir nicht, aber das mag auch meiner persönlichen Vorgeschichte, meiner Einstellung zu Kindern und Erziehung und der Erfahrungen mit meinem Großen geschuldet sein. Ich werde versuchen, so neutral und offen wie möglich an die ganze Sache heranzugehen und den Großen gut vorzubereiten. Freude aber kann ich nicht empfinden. Für mich fühlt sich sein Schulstart wie der Beginn seines "Lebens-Hamsterrads" an.

Demnächst wird nun noch das Zuckertütenfest in der Kita stattfinden und dann ist am 31. Juli sein letzter Kitatag da. Ich werde traurig sein. Da das gleichzeitig mein Geburtstag ist, wird es emotional ein merkwürdiger Tag. Noch 3 Wochen gewohntes, vertrautes Umfeld für den Großen, viele jahrelang bekannte Freunde, eine Bezugserzieherin, die uns seit 5 Jahren begleitet, ein angenehmer, kindgerechter Tagesablauf und Freiheit am Nachmittag. Ich sollte die letzten Tage noch genießen, aber sie werden so schnell vorbei sein und die Sorgen und Bedenken bezüglich der Schule überlagern das Genießen. Ich kann nicht aus meiner Haut, ich bin voller unangenehmer Erinnerungen und Vorbehalte. Der Große wiederum weiß nicht, was auf ihn zukommt, mag aber generell keine Veränderungen und neuen Schritte. Fast täglich äußert er, dass er nicht in die Kita, sondern zuhause bleiben wolle. Das wird in der Schule sicherlich nicht anders sein. Und das Stresslevel wird für alle wesentlich höher sein.

Ich wünsche ihm, dass er schönere Erfahrungen als ich macht, eine zugewandte, verständnisvolle, empathische Lehrerin hat und neue Freunde findet. Ich wünsche uns, dass er die Umstellung gut bewältigt und seine bekannten Freunde und gewohnte Umgebung ihm Halt geben. Es wird eine große Herausforderung, für ihn und für uns. Besonders auch für mich, die ihre eigenen Prägungen überwinden und neu beginnen muss. Dass das alles andere als einfach ist, merke ich an meinem Gemütszustand in den letzten Tagen. Aber der Große ist eben auch dasjenige meiner beiden Kinder, das besonders viel Begleitung und Unterstützung benötigt. Und dafür fühle ich mich natürlich zuständig, als seine Mama.

Zwischen seinem Kita-Ende und der Einschulung liegen noch 6 Wochen. 6 Wochen Sommer, Urlaub mit uns und bei den Großeltern und Hineinschnuppern in den Hort. Wir haben also noch eine kleine Atempause:-)

Wie war oder ist das bei euch, hattet oder habt ihr auch viele Sorgen und Bedenken hinsichtlich der Einschulung? Wie seid ihr geprägt? Haben sich eure Vorbehalte bestätigt oder in Luft aufgelöst?

Dienstag, 28. Juni 2016

Rückblick auf die erste Großelternübernachtung

Die Kleine ist jetzt mit 3 Jahren und knapp 2 Monaten so alt wie der Große damals, als er das erste Mal bei den Großeltern übernachtete. Bei ihm damals kam es uns spät vor, wir hatten sehr lange gewartet, bis er sich in unseren Augen entsprechend von uns lösen konnte und stabil genug für so eine unsichere Situation war. Bei der Kleinen dagegen liegt solch eine Unternehmung in noch weiterer Ferne, hat sie doch bisher bis auf zwei Mal selbst das Einschlafen mit Papa nicht zugelassen, egal ob ich da war oder weg. Zur Kita-Übernachtung ihrer Gruppe hatten wir sie deshalb abgemeldet. Es wird sicherlich - trotz meiner großen Hoffnungen - noch eine Weile dauern, bis sie das erste Mal auswärtig übernachtet.

Dazu kommt, dass ihr Bezug zu den Großeltern (meinen Eltern) lange nicht so stark ist wie beim Großen. Er hatte als erstes Enkelkind eine besondere Stellung und von Anfang an einen Draht zu meinem Papa. Das machte das Risikothema "Großelternübernachtung" im Vergleich etwas einfacher, zumindest was die Bindung betrifft. Trotzdem hatte auch er durch die Entfernung und die seltenen Besuche keinen alltäglichen und vor allem keinen längeren Kontakt zu ihnen und war sehr lange ein schlechter Schläfer. Er war und ist sehr stark auf seine Rituale fixiert und kam mit Umstellungen immer schlecht klar. Das waren einige der Gründe, weshalb wir ihn erst mit über 3 Jahren bei den Großeltern übernachten ließen. Niemals hätte ich ihn ins kalte Wasser geworfen und das einfach ausprobiert, nur weil wir es uns vielleicht wünschten oder nötig hatten. Ich wollte warten, bis er soweit war und spürte irgendwie, dass dann der richtige Zeitpunkt da war.

Die Entfernung von knapp 300 km war uns zu heikel, um ihn beim ersten Mal allein dortzulassen und wieder nach Berlin zurück zu fahren. Wir hätten ja im Notfall gar nicht reagieren können. Deshalb nutzten wir dafür bewusst einen kleinen Urlaub in unserem "Stamm-Ferienpark", der nur ca. 1 h entfernt vom Wohnort meiner Eltern ist. Wir fuhren mittags gemeinsam zu ihnen, hatten den Großen immer wieder vorbereitet, dass er zum ersten Mal allein bei Oma und Opa schlafen sollte. Am Nachmittag spielten wir noch alle zusammen im Garten und beobachteten, ob der Große sich lösen und schnell Kontakt zu den Großeltern aufbauen würde. Hätte ich nur geringste Zweifel gehabt, hätten wir ihn wieder mitgenommen. So aber harmonierten alle wunderbar und am frühen Abend verabschiedeten wir uns und ließen ihn zurück. Einige uns wichtige Grundregeln wie die Einhaltung seines Rhythmus' (Schlafens- und Essenszeiten), kein TV etc. hatten wir deutlich kommuniziert und vertrauten auch auf deren Einhaltung.

Mit der damals knapp einjährigen Kleinen marschierten wir zu dritt zum Auto und fuhren zurück in unseren Ferienpark. Meinem Mann standen immer wieder die Tränen in den Augen. Ich selbst war wie versteinert, eine tonnenschwere Last fiel von mir ab. Man muss dazu sagen, dass der Große zu diesem Zeitpunkt das letzte Aufbäumen seiner Autonomiephase durchlebte und uns wirklich in den Wahnsinn trieb. Ein Tag mit ihm bestand damals aus hunderten von "Böse Mama/ böser Papa", "Kacke kacke kacke", "Du Popel" und weiteren Nettigkeiten wie dem Ärgern der kleinen Schwester. Der Abschied fiel mir deshalb ehrlich gesagt nicht besonders schwer und ich habe den Abstand von ihm wirklich gebraucht. Trotzdem machte ich mir natürlich Sorgen und Gedanken um sein (seelisches) Befinden. Mir war bewusst, dass er sich enorm anpassen und verbiegen musste.

Leider bekamen wir am ersten Abend keine Rückmeldung von meinen Eltern und erst auf Nachfrage hörten wir am nächsten Tag, dass er gut und sogar bis 7:30 Uhr geschlafen hätte. Er war immer ein Frühaufsteher, seine übliche Zeit ist eigentlich gegen 6:00 Uhr. Ich war richtig neidisch und auch ein wenig sauer, dass er dort seine Schokoladenseite zeigte. Vielleicht hat er sich aber auch einfach nur nicht aus dem Kinderzimmer herausgetraut, in der fremden Umgebung? Da alles gut verlaufen war, blieb er noch eine weitere Nacht und am Tag darauf brachten ihn meine Eltern wieder zu uns zurück.

Die anderthalb Tage mit der Kleinen allein hatten wir genossen, es war super entspannt, wir konnten uns gut abwechseln und gegenseitig Pausen ermöglichen. Das war dann auch das erste Mal, dass uns der Unterschied zwischen einem und zwei Kindern so richtig bewusst wurde. Es war soviel ruhiger und mental entspannter. Als er wieder kam, freuten wir uns, dass alles so gut geklappt hatte und wurden wie so oft Zeugen davon, dass er dem Wiedersehen scheinbar nichts abgewinnen konnte. Er nahm ziemlich schnell wieder sein vorheriges Verhalten auf und focht mit sich und mit uns die Kämpfe seiner langsam, aber sicher endenden Autonomiephase aus.

Die Großeltern waren übrigens voll des Lobes über ihn, berichteten zwar, dass es gegen Ende etwas schwieriger mit ihm wurde, aber in keinster Weise über Herausforderungen, wie wir sie täglich mit ihm hatten. Die Bindung zum Opa konnte ihm da sicherlich über den Trennungsschmerz und Anpassungsdruck hinweghelfen. Das zweimalige lange Ausschlafen war übrigens bei der nächsten Großelternübernachtung schon Vergangenheit, auch sie hatten schon öfter das Vergnügen, vor 6 Uhr mit ihm aufzustehen. In der ersten Nacht hatte er durchgeschlafen, in der zweiten nicht. Seitdem finden die Großelternübernachtungen leider nur in sehr unregelmäßigen Abständen statt. Die Entfernung macht es nicht leichter und da der Große seinerseits auch nicht aktiv fragt, beschränken sie sich auf ein Minimum. Das letzte Mal war im Dezember 2015.

Was die Kleine angeht, die jetzt im gleichen Alter ist wie der Große damals, so könnte ich mir eine Großelternübernachtung zwar alters- und entwicklungsmäßig einerseits sehr gut vorstellen, da sie sehr bewusst und deutlich beim Äußern ihrer Bedürfnisse ist. Aber die Tatsache, dass sie weiterhin nur mit mir (ein-)schläft, macht das natürlich unmöglich. Auch mit dem Großen zusammen möchte sie es nicht machen, das habe ich sie schon oft gefragt. Ich habe schon allein mit den Kindern bei meinen Eltern übernachtet, um sie ein wenig daran zu gewöhnen, aber es reizt sie nichts daran. Wenn man sich im Freundeskreis umhört, ist es schon bei vielen deutlich jüngeren Kindern normal, regelmäßig bei den Großeltern zu schlafen. Aber erzwingen können wir das natürlich nicht. Beim Großen glaube ich, dass es damals ein guter, für ihn passender Zeitpunkt war. Bei der Kleinen wird dieser Zeitpunkt hoffentlich noch kommen.

In welchem Alter haben eure Kinder das erste Mal bei den Großeltern übernachtet? Wie klappte das? Wie habt ihr euch dabei gefühlt? Findet das jetzt regelmäßig statt oder so selten wie bei uns? Fragen die Kinder selbst danach?