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Montag, 10. Juli 2017

Das Ende der Kitazeit des Großen naht

Die letzten Tage in der Kita sind angebrochen. Am 31. Juli enden 5 1/2 Jahre Kitazeit für meinen Großen, davon fast 5 Jahre in unserer jetzigen Kita. Bisher habe ich mich immer über jedes Älterwerden, jede Entwicklung, jeden neuen Schritt meiner Kinder gefreut, aber diesmal bin ich wirklich traurig und kann keine Freude empfinden. Zu krass wird der Einschnitt für ihn und für uns alle sein, wenn er im September eingeschult wird.

Ich bin traurig, dass ich ihn dann nicht mehr aus unserem Kita-Garten abholen kann, wo er mit seinen Freunden Fußball oder "Mädels fangen" spielt. Wo ich weiß, dass er den ganzen Tag draußen an der frischen Luft und in Bewegung war. Ich bin traurig, dass er nicht mehr seinen Musik- und den Handwerkerkurs in der Kita machen wird, wo man ohne Probleme auch mal fehlen kann, im Unterschied zur Schule. Ich bin traurig, dass die Kleine ihn zukünftig, genau wie uns, den ganzen Tag nicht sehen wird, sondern nur morgens in einer Stresssituation und nachmittags, wenn alle kaputt vom Tag sind. Ich bin traurig, weil die beiden bald noch weniger Gemeinsamkeiten haben werden und es schwer wird, nachmittags die Bedürfnisse bzw. Notwendigkeiten (Hausaufgaben) beider Kinder zu vereinbaren.

Kein Verreisen in der Nebensaison, keine Kurztrips von Donnerstag bis Dienstag mehr. Kein Zuhause-Bleiben am Geburtstag und noch mehr Zeitdruck am Morgen als jetzt. Dazu das Gepäck, Schulranzen, Turnbeutel und was weiß ich alles. Was soll ich am Nachmittag mit dem ganzen Zeug machen, wenn wir im Park oder auf dem Spielplatz sind? Denn wahrscheinlich werde ich erst den Großen vom Hort abholen und danach zur Kita gehen. Außerdem bin ich fast immer nachmittags mit den Kindern noch draußen unterwegs.

Ich habe große Bauchschmerzen, weil ich weiß, dass nicht nur mehr Zeitdruck, sondern auch Leistungs- und Anpassungsdruck auf ihn zukommen werden. Mein Großer ist ein Kind, das unter Druck nicht oder viel schlechter funktioniert als unter optimalen Bedingungen. Oft blockiert er dann und kann seine Fähigkeiten nicht abrufen, wenn er unter Druck gesetzt wird oder unter Stress gerät. Ich mache mir große Sorgen um seinen Schulstart und weiß, dass die Umgewöhnung lange dauern und er seine Unsicherheit und Überforderung bei uns abladen wird, wie seinerzeit beim Wechsel in den großen Elementarbereich der Kita. Ich stelle mich auf eine emotional ungeheuer anstrengende Zeit ein, besonders für mich, die sich seit seiner Babyzeit als Schreibaby immer für sein seelisches Wohl verantwortlich fühlt.

Ich habe nur negative Gefühle, wenn ich an meine eigene Schulzeit denke. Ich habe sie als eine Zeit der Fremdbestimmtheit, des Anpassungsdrucks, des Gruppenzwangs und sinnentleerten Lernens, ungerechter Benotungen und unfähiger Pädagogen erlebt. Besonders die zweite Hälfte meiner 12 Schuljahre zogen sich quälend langsam. Ich war eine gute Schülerin und habe später studiert, aber die Schulzeit empfand ich als schrecklich. Das darf ich dem Großen gegenüber natürlich nicht zeigen, aber ganz verstecken kann ich es auch nicht. Er merkt ja, wie verhalten ich reagiere, wenn wir über die Schule sprechen. Soll ich ihn anlügen? Nein, das würde ich selbst auch nicht wollen. Ich will meine eigenen Erfahrungen machen, und das muss und wird er auch. Die können ganz anders als meine aussehen. Schließlich sind seit meiner Einschulung 36 Jahre vergangen und die Zeiten heute sind ganz andere. In vielen Hinsichten besser, in anderen Aspekten (Medien) auch schwieriger. Im Endeffekt steht und fällt vieles mit den Persönlichkeiten, mit denen er zu tun haben wird. Insgesamt hege ich aber große Vorbehalte gegen das "System Schule", die ich auch nicht abschütteln kann.


Wir haben uns viel davon versprochen, dass er auf der Einzugsgrundschule mit vielen seiner Kita-Freunde eingeschult wird. Das war einer der Gründe dafür, dass wir ihn dort angemeldet haben und nicht auf der privaten Gemeinschaftsschule, die wir uns vor 2 Jahren mit einem sehr positiven Grundgefühl angeschaut hatten. Nun fand am letzten Donnerstag der erste Elternabend in der Schule statt und wir erfuhren, dass er leider nicht mit zwei seiner engsten Freunde in eine Klasse kommt. Zwar mit einigen Kindern, die er gut kennt, aber eben nicht mit den engsten. Das betrübt mich sehr, denn es hätte ihm Stabilität und Halt gegeben. Seine zukünftige Lehrerin wirkte nett und fachlich kompetent, allerdings etwas "oldschool" in ihren Anschauungen und Aussagen. Sie unterrichtet schon seit 30 Jahren, was überhaupt nicht schlecht sein muss, aber es hängt von ihrer Persönlichkeit ab, ob sie sich mit der Pädagogik weiterentwickelt hat. Einige ihrer Aussagen gefielen mir nicht, aber das mag auch meiner persönlichen Vorgeschichte, meiner Einstellung zu Kindern und Erziehung und der Erfahrungen mit meinem Großen geschuldet sein. Ich werde versuchen, so neutral und offen wie möglich an die ganze Sache heranzugehen und den Großen gut vorzubereiten. Freude aber kann ich nicht empfinden. Für mich fühlt sich sein Schulstart wie der Beginn seines "Lebens-Hamsterrads" an.

Demnächst wird nun noch das Zuckertütenfest in der Kita stattfinden und dann ist am 31. Juli sein letzter Kitatag da. Ich werde traurig sein. Da das gleichzeitig mein Geburtstag ist, wird es emotional ein merkwürdiger Tag. Noch 3 Wochen gewohntes, vertrautes Umfeld für den Großen, viele jahrelang bekannte Freunde, eine Bezugserzieherin, die uns seit 5 Jahren begleitet, ein angenehmer, kindgerechter Tagesablauf und Freiheit am Nachmittag. Ich sollte die letzten Tage noch genießen, aber sie werden so schnell vorbei sein und die Sorgen und Bedenken bezüglich der Schule überlagern das Genießen. Ich kann nicht aus meiner Haut, ich bin voller unangenehmer Erinnerungen und Vorbehalte. Der Große wiederum weiß nicht, was auf ihn zukommt, mag aber generell keine Veränderungen und neuen Schritte. Fast täglich äußert er, dass er nicht in die Kita, sondern zuhause bleiben wolle. Das wird in der Schule sicherlich nicht anders sein. Und das Stresslevel wird für alle wesentlich höher sein.

Ich wünsche ihm, dass er schönere Erfahrungen als ich macht, eine zugewandte, verständnisvolle, empathische Lehrerin hat und neue Freunde findet. Ich wünsche uns, dass er die Umstellung gut bewältigt und seine bekannten Freunde und gewohnte Umgebung ihm Halt geben. Es wird eine große Herausforderung, für ihn und für uns. Besonders auch für mich, die ihre eigenen Prägungen überwinden und neu beginnen muss. Dass das alles andere als einfach ist, merke ich an meinem Gemütszustand in den letzten Tagen. Aber der Große ist eben auch dasjenige meiner beiden Kinder, das besonders viel Begleitung und Unterstützung benötigt. Und dafür fühle ich mich natürlich zuständig, als seine Mama.

Zwischen seinem Kita-Ende und der Einschulung liegen noch 6 Wochen. 6 Wochen Sommer, Urlaub mit uns und bei den Großeltern und Hineinschnuppern in den Hort. Wir haben also noch eine kleine Atempause:-)

Wie war oder ist das bei euch, hattet oder habt ihr auch viele Sorgen und Bedenken hinsichtlich der Einschulung? Wie seid ihr geprägt? Haben sich eure Vorbehalte bestätigt oder in Luft aufgelöst?

Dienstag, 25. April 2017

Das Potenzial hochsensibler Kinder: "Aber ich kann es doch spüren!" (Rezension und Verlosung)

Erneut möchte ich euch ein neues, gerade erschienenes Buch über hochsensible Kinder vorstellen und darf sogar ein Exemplar an euch verlosen. Es handelt sich um das Buch von Karin Abriel: "Aber ich kann es doch spüren! Hochsensibilität als Potenzial nutzen"*, erschienen im Crotona Verlag. Karin Abriel ist Pädagogin und Herausgeberin der Webseite www.hochsensibilitaet.at und möchte mit diesem Buch dazu beitragen, "Bewusstsein zu schaffen für Bedürfnisse hochsensibler Menschen, vor allem Kinder, in einer Gesellschaft, die diesbezüglich noch wenig Bewusstsein hat" (siehe hier). Außerdem wird auf dem Cover mit dem "Schwerpunkt Schule" geworben und das interessiert mich natürlich besonders, da mein hochsensibler Sohn in diesem Jahr eingeschult wird. Meine bisherigen Rezensionen findet ihr hier.

Den Titel "Aber ich kann es doch spüren!" finde ich sehr passend für ein Buch über hochsensible Kinder. Da es nicht sehr umfangreich ist, eignet es sich gut für Eltern oder Pädagogen, die sich einen kurzen Überblick über das Thema verschaffen wollen. Im 1. Kapitel "Was ist Hochsensibilität?" fasst die Autorin die wesentlichen Informationen über das Phänomen zusammen und stellt die Merkmale hochsensibler Kinder wie stark ausgeprägte sinnliche Wahrnehmungen, besonderes Interesse an tiefergehenden Themen, präzise sprachliche Ausdrucksweise, Neigung zu Ticks und Zwängen, Zwiespalt zwischen Anders-Empfinden und Anpassungswillen etc. dar und konstatiert:

"Bedürfnisse von hochsensiblen Kindern sind fordernd. Sehr fordernd. Hochsensibel wahrzunehmen, bedeutet, ständiges Überfordertsein mit der Umgebung und ihren Reizen, als Kind noch einmal um ein Vielfaches mehr als im Erwachsenenalter. Das Erkennen, dass die Welt scheinbar anders wahrgenommen wird als bei den unmittelbaren Bezugspersonen, führt zu dem Dilemma, als hochsensibles Kind schon bald mit einer Identitätskrise konfrontiert zu werden." (S. 33f)

Es entsteht oft eine Tendenz zu Introversion, Rückzug, mangelndem Selbstbewusstsein und Distanziertheit, wodurch das Potential, das solchen Kindern innewohnt, auch später im Erwachsenenalter nicht ausreichend genutzt werden kann. Für eine positive Entwicklung kommt es sehr stark auf die Unterstützung und das Verständnis der Bezugspersonen an, wobei es schwierig sein kann, die eigenen Empfindungen und Erfahrungen von denen seines Kindes zu trennen, zum Beispiel, was die eigene Schulkarriere angeht.

Im 4. Kapitel geht die Autorin auf die Herausforderungen des heutigen Schulsystems ein, das durch Zeit- und Leistungsdruck, Anti-Individualismus, Lautstärke, Gewalt und Aggression, Hierarchien etc. charakterisiert ist und eine extreme Belastungssituation für hochsensible Kinder darstellen kann. Individuellen Unterschieden von Kindern wird nicht (ausreichend) Rechnung getragen und der Druck, einer Norm entsprechen zu müssen, ist sehr hoch. Umso mehr spüren Kinder, die "anders" sind, dass sie nicht in das starre System Schule passen, genauso wie auch Pädagogen überfordert sein können, wenn ein Kind extrem vom Durchschnitt abweicht.

"Den unterschiedlichen Wahrnehmungskanälen, die bei allen, vor allem aber bei hochsensiblen Kindern, vorhanden sind, wird im Regelunterricht auf keinerlei Art und Weise Rechnung getragen." (S. 75)

Im Teil 2 des Buches geht die Autorin darauf ein, wie man ein hochsensibles Kind konkret im Alltag unterstützen kann, und gibt viele praktische Tipps und Anregungen, die das gemeinsame Leben erleichtern. Als ein Schlagwort nennt sie beispielsweise den "Mut zur Langsamkeit", den Eltern möglichst aufbringen sollten, um der langsameren, intensiveren Wahrnehmung und Verarbeitung ihres Kindes gerecht zu werden und den Stress der umgebenden Welt, dem es ausgesetzt ist, zu reduzieren bzw. auszugleichen.

Zum Schluss bietet das Buch noch konkrete Ratschläge, wie man der Überforderung hochsensibler Kinder im Schulalltag am besten begegnen kann, worauf Eltern achten sollten und wie man unterstützen kann. Auch hier kommt es wieder darauf an, eine gesunde Balance zwischen Verständnis und Überidentifizierung zu finden. Diese Anregungen beziehen sich aber im Wesentlichen auf die Rolle der Eltern; mir fehlt in dem Kapitel, wie Lehrer und Erzieher angemessen mit hochsensiblen Kindern umgehen und sie so integrieren können, dass der enorme Anpassungsdruck reduziert wird.

Die richtige Schulwahl ist ein bedeutsames Thema für Eltern hochsensibler Kinder. Nicht immer jedoch sind alternative Schulen mit ihrem Fokus auf Eigenverantwortlichkeit automatisch die besseren Schulen für solche Kinder. Sie brauchen vor allem feste Strukturen und zugewandte, verständnisvolle Bezugspersonen. Man sollte sich bewusst machen, dass es nicht die "einzig richtige" Schule für das Kind geben wird. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle.

"Es gibt Systeme, herkömmliche und alternative, die in unterschiedlichen Richtungen Schwerpunkte setzen. Ob das für Ihr Kind förderlich ist, liegt stark an der Persönlichkeit, die es mitbringt, und an den Menschen, die diese Persönlichkeit im System begleiten." (S. 139f.)

Insgesamt ist die Schulzeit eine herausfordernde, lange Zeit für hochsensible Kinder, die mit vielen Emotionen auf beiden Seiten einhergehen kann und manchmal sogar das Gefühl von Ausweglosigkeit hinterlässt. Eltern und Pädagogen sollten eng zusammenarbeiten, um die Entfaltung des Potenzials hochsensibler Kinder zu unterstützen. Das Buch möchte dazu beitragen, für das Thema zu sensibilisieren und sich damit auseinanderzusetzen. Als Einführung in das Thema und kurze Zusammenfassung ist es gut geeignet. Es sind auch gute praktische Tipps enthalten. Wenn man sich schon intensiver mit dem Thema Hochsensibilität/ hochsensible Kinder beschäftigt hat (wie in meinem Falle), bietet ein Buch von diesem Umfang naturgemäß nicht viel Neues. Auch zum beworbenen Schwerpunkt Schule hätte ich mir ein paar mehr Gedanken gewünscht. Trotzdem finde ich es ungemein wichtig, dass es solche Einführungswerke gibt und dadurch Menschen, die sich über das Thema informieren wollen, ohne gleich ein umfangreiches wissenschaftliches Werk zu lesen, erreicht werden.

Fazit: Leseempfehlung für alle Eltern und Pädagogen, die sich kurz und knackig zum Thema belesen möchten.

Die Eckdaten:
Karin Abriel: Aber ich kann es doch spüren! Hochsensibilität als Potenzial nutzen*, Crotona Verlag, Februar 2017, 180 Seiten, ISBN 978-3861910831, € 14,95

Verlosung


Ich freue mich, ein weiteres Exemplar des Buches "Aber ich kann es doch spüren!"* verlosen zu dürfen. Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasst mir bitte hier einen Kommentar darüber, was euch an dem Thema interessiert und, falls das Thema Schule bald ansteht, was euch besonders wichtig für euer hochsensibles Kind ist. Zusätzlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir auf Facebook folgt, die Verlosung teilt und mir hier ein Herzchen gebt. Ist aber keine Bedingung. Bitte gebt euren Namen an, sonst kann ich euch nicht berücksichtigen!

Die Verlosung läuft bis zum 01.05.2017, 23:59 Uhr. Unter allen bis dahin eingehenden Kommentaren wird der Gewinner/die Gewinnerin ausgelost und hier sowie auf Facebook bekanntgegeben. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang mit Facebook. Versand nur innerhalb Deutschlands. Mindestalter 18 Jahre. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Vielen Dank an den Crotona Verlag für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar!

*Affiliate Link

Ich habe am 03.05.2017 ausgelost. Gewonnen hat: Ann Greg. Herzlichen Glückwunsch!

10.05.2017: Da sich Ann Greg leider nicht bei mir gemeldet hat, musste ich neu auslosen. Die neue Gewinnerin ist Christina Voss (Josy). Herzlichen Glückwunsch!