Bevor der Januar zuende geht, möchte ich wenigstens noch einen kurzen Abriss unserer Weihnachtsferien 2018/19 geben, so wie ich es auch die letzten Jahre gemacht habe. Es war das erste Weihnachten als getrennte Familie und wir müssen nun ausprobieren und einen Plan dafür entwickeln, wie wir solche Zeiten in den nächsten Jahren gestalten wollen. Diesmal haben wir den Weg einer gemeinsamen Reise gewählt und die Feiertage zusammen, aber nicht zuhause, sondern in einem vertrauten Ferienpark verbracht. Ich hatte vorher schon gesagt, dass ich viel unternehmen und wenig Leerlauf haben möchte, um die alten familiären Konflikte etwas zu umschiffen. Wir waren im letzten Jahr mehrmals für ein paar Tage als Familie verreist und das hat - mit vielen Unternehmungen - eigentlich immer gut geklappt. Diesmal war es aber etwas schwieriger, was an verschiedenen Umständen lag.
Wir sind gleich am ersten Ferientag losgefahren und nachmittags ins Schwimmbad des Ferienparks gegangen. Am nächsten Tag haben wir vormittags einen Ausflug gemacht und am Nachmittag (23.12.) kam der Weihnachtsmann samt Weihnachtswichtel ins Kinderhaus des Ferienparks. Meine Kinder finden das klasse, einen "echten" Weihnachtsmann zu sehen, weil sie diese Erfahrung zuhause nie hatten. Die Kleine war wieder hin und weg (siehe Wochenende in Bildern).
Am Heiligabend machten wir vormittags einen längeren Spaziergang und am Nachmittag dann unsere eigene Bescherung inkl. ausgiebigem Bespielen der Geschenke. Am 1. Weihnachtsfeiertag waren die Kinder vormittags im Kinderhaus spielen und nachmittags besuchten wir den Leipziger Zoo. Am 2. Weihnachtsfeiertag kamen meine Eltern zu Besuch in den Ferienpark und wir verbrachten den Tag zusammen. Kurioserweise hatte das Restaurant, in dem wir für's Mittagessen reserviert hatten, Stromausfall und wir mussten auf die Schnelle eine Alternative organisieren, da natürlich alle Vorräte schon aufgebraucht waren. Dann war der Kurzurlaub zuende und wir fuhren am nächsten Tag - nach einem Abstecher zum Völkerschlachtdenkmal - zurück nach Hause.
Insgesamt fand ich die Tage abwechslungsreich und eigentlich nicht stressig oder zumindest weniger stressig als in früheren Familienurlauben. Aber das Zusammensein war tatsächlich etwas zu lang und diesmal nicht so ganz einfach, was verschiedene Gründe hatte. Nach einigen Tagen schleifen sich bei allen doch wieder bestimmte Verhaltensmuster ein und so war es gut, dass der Urlaub nach 5 Tagen zuende war. Was die Kinder betrifft, so fiel uns deutlich auf, dass die Kleine in diesen Tagen aufblühte und sehr fröhlich war, während der Große eine seiner berühmt-berüchtigten "Kopf-Leer-Phasen" hatte, was wie immer etwas anstrengend war. Die Kleine genießt eben das Zusammensein der ganzen Familie, während der Große eher verwirrt ist.
Nach diesem Urlaub verbrachten die Kinder zwei Tage beim Papa und ich konnte in aller Seelenruhe auspacken, Wäsche waschen, die Einkaufsvorräte füllen und mich regenerieren. Eine sehr ungewohnte Erfahrung gerade in den Weihnachtsferien, die immer die Ferien mit der wenigsten Me-Time waren. Ich war ein Mal wunderbar entspannt nachmittags im Kino, bin im Dunkeln nach Hause gelaufen und fühlte mich herrlich frei und selbstbestimmt. Es ist definitiv ein anderes Gefühl, solche Me-Time auszukosten, wenn zuhause kein Stress, keine Verpflichtungen und kein schlechtes Gewissen wartet. So ähnlich fühlt sich für mich mein Freitagabend im Alltag an, über den ich ja gerade schrieb.
Am Samstag Nachmittag (29.12.) kamen die Kinder zu mir zurück und gleich stand die Übernachtung eines Freundes meines Großen an. Die Familie war leider im November aus dem Nachbarhaus weggezogen und meine Kinder freuten sich auf das Zusammensein mit dem Freund. Es war ein schöner Restnachmittag und Abend und ich schaffte es, ohne Nervenzusammenbrüche die drei Kinder ins Bett zu bringen. Bei der letzten Übernachtung eines Freundes hatte der Mann noch bei uns gewohnt und wir konnten uns aufteilen. Nun eben allein. Am nächsten Tag blieb der Freund noch bis zum frühen Nachmittag bei uns und ich ging dann mit den Kindern nochmal raus.
Dann stand schon der Silvestertag vor der Tür. Um 10 Uhr traf ein anderer Freund des Großen ein, der bis 17 Uhr bei uns blieb. Nachmittags stieß seine Familie dazu und wir machten schon ein klein wenig Knallerei und Feuerwerk im Park. Abends kam dann noch der Papa der Kinder für 2 Stunden zu uns und es war insgesamt ein gut gefüllter, aber durchaus entspannter Tag, der mich als alte Silvesterhasserin etwas mit diesem Tag versöhnte. Dann war das Jahr 2018 vorbei.
Am Neujahrstag holte der Papa die Kinder ab und sie waren von 11-17 Uhr bei ihm. Ich erhielt eine schmerzhafte Mitteilung, die mich komplett umwarf, und weinte fast den ganzen Tag. Ich machte einen langen Spaziergang allein. Am 2. und 3. Januar hatte ich noch Urlaub und die Kinder waren zuhause. Wir spielten viel, machten eine Radtour und besuchten das Neue Museum auf der Museumsinsel. Das stand schon lange auf meiner Liste, erstens war ich selbst noch nie dagewesen, seit es 2009 (wieder)eröffnet wurde, und zweitens wollte ich dem Großen unbedingt den Schatz des Priamos (bzw. was davon sich in Berlin befindet) zeigen, über dessen Geschichte wir oft sprechen. Die Kinder waren sehr interessiert und wir hielten uns tatsächlich 2,5 Stunden im Neuen Museum auf. Das hätte ich nicht gedacht! Zwischenzeitlich hatte es kurz geschneit, so dass wir danach noch ein wenig im Schnee spielten. Das war ein richtig schöner Tag und bleibt in Erinnerung.
Am Freitag ging ich dann schon wieder arbeiten und die Kleine vormittags in die Kita. Der Große genoss noch Exklusivzeit beim Papa und das letzte Ferienwochenende strukturierte sich genau wie unsere normalen Wochenenden (Samstag Papatag, Sonntag Mamatag). Ich selbst besuchte am Samstag eine Ausstellung und hatte damit wirklich viel kulturellen Input in diesen Ferien gehabt. Was mir fehlte, war ein abschließender gemeinsamer Besuch eines Weihnachtsmarktes, was eigentlich eine kleine Tradition bei uns ist, sich aber diesmal nicht einrichten ließ.
Insgesamt fand ich die Ferien sehr kurzweilig, abwechslungsreich und ausgeglichen. Mit den Kindern war es recht harmonisch und die Nervenzusammenbrüche der früheren Weihnachtsferien bleiben aus. Beim Großen merkt man auch, dass er nach den anstrengenden Schulwochen die lange Erholungszeit benötigte. Früher haben wir die Kinder, sobald es möglich war, wieder in die Kita/ den Hort gegeben. Jetzt scheint die freie Zeit zumindest für das Schulkind immer nötiger zu werden. Für mich war das diesmal auch schön, sie noch ein paar Tage zuhause zu haben. Ich war tatsächlich erholt nach diesen Ferien, und auch wenn meine emotionale Verfassung seit dem Neujahrstag richtig bescheiden war, habe ich versucht, den Kindern schöne Tage zu ermöglichen.
Nächstes Weihnachten werden wir eine solche Reise aber vermutlich nicht mehr machen, was für mich bedeutet, dass ich nicht mit den Kindern wegfahren kann, denn sie sollen ja ihren Papa auch an den Weihnachtstagen sehen. Mal schauen, wie wir das dann aufteilen werden. Für solche Anlässe muss jede Familie - ob getrennt oder nicht - ihren eigenen Modus finden. Ich finde es prinzipiell schön und wertvoll, wenn man auch als getrennte Familie noch Dinge zusammen unternimmt, sofern alle Seiten das wollen und kooperieren. Aber ich kann mittlerweile auch die Zeit allein mit den Kindern besser genießen als früher. Und wenn dann noch genügend Me-Time abfällt, dann bin ich ausgeglichen und zufrieden. So, das war mein kleiner Rückblick auf unsere Weihnachtsferien.
Wie es früher war:
Unsere Weihnachtsferien 2017
Unsere Weihnachtsferien 2016
Unsere Weihnachtsferien 2015
Unsere Weihnachtsferien 2014
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Mittwoch, 30. Januar 2019
Unsere Weihnachtsferien 2018/19
Mittwoch, 4. Januar 2017
So waren unsere Weihnachtsferien
Die Weihnachtsferien sind vorbei und ich muss mich in den nächsten Tagen erstmal wieder etwas sortieren und zu mir finden, wie immer, wenn ich so lange mit den Kindern zusammen war. Mein Kopf fühlt sich leer an und meine in die Beziehung zu den Kindern ausgeströmte Energie muss sich nun wieder in mir sammeln. Das heißt überhaupt nicht, dass die Zeit unerträglich oder schwierig war, gar nicht, und es ist auch wirklich mit jedem Jahr um Welten besser geworden (hier ein Auszug über unsere Weihnachtsferien vor 2 Jahren). Aber anstrengend ist es immer für mich und ich bin permanent angespannt. Es dauert immer ein paar Tage, bis ich mich daran gewöhne, dass ich in Anwesenheit der Kinder eben nichts für mich machen kann. Bis dahin bin ich oft unruhig und unzufrieden, gleichzeitig will ich für sie da sein und schöne Dinge zusammen unternehmen. Und danach, wenn der Alltag wieder losgeht, dauert es genauso lange, bis ich zurück bei mir und in meinem Rhythmus bin. Diesmal war es auch wieder so, dass die Kinder sich so gut wie gar nicht allein beschäftigten, sondern immer mindestens einer von uns (besser beide) mitspielen mussten. Gleich zu Anfang der Ferien war außerdem die Kleine krank. Ich habe die ganze Zeit über ziemlich schlecht geschlafen. Und MeTime gab es so gut wie gar nicht in den anderthalb Wochen. Aber dafür einen kleinen Urlaub.
Am 23.12. war ich noch arbeiten und der Mann mit den Kindern zuhause. Die Kita hatte schon zu. Am Nachmittag besuchten wir den Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus, dem wir jedes Jahr einen Besuch abstatten, und bis auf schlechte Laune bei der Kleinen war alles in Ordnung. Die Kinder freuten sich auf den Weihnachtsmann, der auf diesem Weihnachtsmarkt 3x täglich durch den Himmel fliegt, und die Bescherung am nächsten Tag.
Am Heiligabend übergab sich die Kleine morgens um 8 Uhr und hörte erst abends damit auf. Dazu kam noch Fieber, am Nachmittag 39.5°C. Sie lag elend auf dem Sofa und einer (meist ich) musste immer neben ihr sein. Meinen Plan, erstmals wieder in ein Krippenspiel zu gehen, verwarf ich. Zur Bescherung zog sie für den Weihnachtsmann ihr bestes Kleid an (herzzerreißend süß!), motivierte sich kurz, stürmte ins Wohnzimmer, riss ihre Geschenke auf und sank dann wieder auf dem Sofa zusammen. Das war zuviel gewesen, danach ging nichts mehr bei ihr. Sie schaute nicht mal die Dinge an, die wir ihr zeigten. So schade und sie tat mir unendlich leid! Der Große dagegen freute sich sehr über seine Weihnachtsgeschenke und hatte nun Gelegenheit, alles in Ruhe zu sichten und auszupacken. Er fing gleich an, seinen Lego Ninjago Elementardrachen* mit dem Mann zusammenzubauen. Ich saß neben der Kleinen auf dem Sofa, hielt ihre Hand und las (sie ließ mich nicht weg). Ein ruhiger Nachmittag, wenn auch anders als geplant. Die Kotzerei hörte am Abend auf und die Nacht war zum Glück ruhig.
Am 1. Weihnachtsfeiertag wirkte sie wieder fitter, hatte zwar noch Temperatur, aber aß, sprach und lachte wieder. Ich hoffte darauf, dass sie am Nachmittag mitkommen könnte zu unserem alljährlichen Weihnachtsritual, dem Roncalli Weihnachtszirkus, und sie wollte auch mit. Wir behielten die Karten also, anstatt sie kurzfristig zu verkaufen oder Freunde zu fragen. Mittags ging es ihr wieder schlechter, dann schlief sie und wir fuhren los. Beim Aussteigen verweigerte sie sich allerdings komplett, weinte und schrie und wollte absolut nicht mitkommen. Es ging ihr nicht gut. Also fuhr der Mann wieder mit ihr nach Hause und der Große und ich gingen, wie schon zwei Mal, allein in den Weihnachtszirkus. Ich musste kurz heulen, weil ich mich so ärgerte, aber es ließ sich nicht ändern. Wir hatten einen schönen Nachmittag zu zweit, auch wenn die Vorstellung mit knapp 3 Stunden viel zu lange dauerte und viel zu laut war, und der Kleinen ging es auch wieder besser, als wir nach Hause kamen.
Am 2. Weihnachtsfeiertag packten wir vormittags und fuhren in unseren Kurzurlaub. Dank des schon oft besuchten Ferienparks fühlten sich die Kinder gleich wieder wie zuhause und die Umstellung war überhaupt kein Problem. Das ist schon toll, im Vergleich zu früher, als sie immer 2-3 Tage brauchten. Die Kleine hatte noch 38.5°C, war aber total fit und hatte keine weiteren Symptome. Leider schlief ich den gesamten Urlaub über unheimlich schlecht, was dort noch nie der Fall gewesen war. Ein Mal war ich zwischen 3 und 6 Uhr komplett wach und auch sonst kämpfte ich sehr um Schlaf, was nicht an den Kindern lag. Keine Ahnung, was da los war. In den Urlaubstagen besuchten wir einen Zoo, ein Assisi-Panorama, einen Wildpark, die Großeltern waren einen Tag zu Besuch und brachten die restlichen Geschenke, so dass wir die Bescherung nachholen konnten, wir spazierten am See und die Kinder trauten sich erstmals allein ins Spielhaus. Zwar nur kurz, aber immerhin drei Mal und das hatten wir fast nicht mehr zu hoffen gewagt, nachdem der Große das immer verweigert hatte. Nun endlich schafften sie es! Sehr toll!
Am vorletzten Tag war es eiskalt und wir hatten einen herrlichen Vormittag bei Sonnenschein am See. So viel Natur und Stille ist einfach wunderbar. Wir schrieben Buchstaben und Zahlen in die mit Raureif bedeckten Bänke, schlitterten mit unseren Stiefeln und zählten die weißen Kondensstreifen der Flugzeuge am knallblauen Himmel. Wir machen immer wieder gern dort Urlaub und der nächste Termin ist natürlich schon gebucht;-)
Am Silvestertag reisten wir ab und spazierten vorher noch zu einer Kirchenruine. Diesen Herzmoment mit meinem Großen sowie das ganze Jahreswechsel-Wochenende habe ich im Wochenende in Bildern beschrieben. Und dann war ich noch zwei Tage allein mit den Kindern zuhause, weil der Mann schon wieder arbeiten musste. Am Montag 2.1. besuchten wir Freunde und hatten am Nachmittag selbst noch Besuch, und am letzten Tag (Dienstag) spielten wir den ganzen Tag zu dritt. Das war schon anstrengend, weil ich zwar den Haushalt, aber nichts für mich machen konnte, aber auch wieder schön und vor allem unglaublich, dass das mittlerweile so einfach geht. Noch vor 2 Jahren hatte ich fast Angst vor jedem Kitaschließtag, weil die Kinder so fordernd waren. Nun hat die Kita wieder auf und der Alltag beginnt für alle.
Alles in allem war es eine doch schöne, gemessen an früheren Erfahrungen mit diversen Nervenzusammenbrüchen unsererseits relativ konfliktfreie Zeit, wenn auch fast ohne Pausen und mit ständig fordernden und sich nicht selbst beschäftigenden Kindern recht anstrengend. Ich brauchte wie immer einige Zeit, um mich auf das ständige Präsentsein umzustellen. Die Kinder waren, fand ich, besser drauf als in den letzten Wochen/ Monaten und haben die Ferien sichtlich genossen. Der Große erwähnte den Spaziergang zur Kirchenruine sogar heute im Morgenkreis in der Kita. Problematisch ist weiterhin meine eigene Anspannung, die leider nicht nachlässt, auch wenn das Zusammenleben mit den Kindern mittlerweile deutlich angenehmer funktioniert als früher. In einem Urlaub, der auch mich entspannt und erholt, bräuchte ich tägliche Allein-Zeiten, Rückzugsmöglichkeiten oder Kinder, die eben Raum für mich selbst lassen. Das ist nicht der Fall und deshalb laufe ich auf Hochtouren und merke hinterher, wie die Anspannung von mir abfällt. Aus diesem Grunde habe ich mir heute noch einen freien Tag ohne Kinder gegönnt und das war genau richtig. Man lernt ja dazu;-).
Insgesamt fällt mein Fazit unserer Weihnachtsferien positiv aus, es wird von Jahr zu Jahr besser und wenn nicht die Krankheit der Kleinen ausgerechnet am Heiligabend und 1. Weihnachtsfeiertag dazwischen gekommen wäre, hätten wir eigentlich alles wie geplant machen können. Das war früher undenkbar und ich hoffe, dass einige meiner Leserinnen mit noch kleineren Kindern daraus etwas Hoffnung schöpfen. Es wird besser!
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Am 23.12. war ich noch arbeiten und der Mann mit den Kindern zuhause. Die Kita hatte schon zu. Am Nachmittag besuchten wir den Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus, dem wir jedes Jahr einen Besuch abstatten, und bis auf schlechte Laune bei der Kleinen war alles in Ordnung. Die Kinder freuten sich auf den Weihnachtsmann, der auf diesem Weihnachtsmarkt 3x täglich durch den Himmel fliegt, und die Bescherung am nächsten Tag.
Am Heiligabend übergab sich die Kleine morgens um 8 Uhr und hörte erst abends damit auf. Dazu kam noch Fieber, am Nachmittag 39.5°C. Sie lag elend auf dem Sofa und einer (meist ich) musste immer neben ihr sein. Meinen Plan, erstmals wieder in ein Krippenspiel zu gehen, verwarf ich. Zur Bescherung zog sie für den Weihnachtsmann ihr bestes Kleid an (herzzerreißend süß!), motivierte sich kurz, stürmte ins Wohnzimmer, riss ihre Geschenke auf und sank dann wieder auf dem Sofa zusammen. Das war zuviel gewesen, danach ging nichts mehr bei ihr. Sie schaute nicht mal die Dinge an, die wir ihr zeigten. So schade und sie tat mir unendlich leid! Der Große dagegen freute sich sehr über seine Weihnachtsgeschenke und hatte nun Gelegenheit, alles in Ruhe zu sichten und auszupacken. Er fing gleich an, seinen Lego Ninjago Elementardrachen* mit dem Mann zusammenzubauen. Ich saß neben der Kleinen auf dem Sofa, hielt ihre Hand und las (sie ließ mich nicht weg). Ein ruhiger Nachmittag, wenn auch anders als geplant. Die Kotzerei hörte am Abend auf und die Nacht war zum Glück ruhig.
Am 1. Weihnachtsfeiertag wirkte sie wieder fitter, hatte zwar noch Temperatur, aber aß, sprach und lachte wieder. Ich hoffte darauf, dass sie am Nachmittag mitkommen könnte zu unserem alljährlichen Weihnachtsritual, dem Roncalli Weihnachtszirkus, und sie wollte auch mit. Wir behielten die Karten also, anstatt sie kurzfristig zu verkaufen oder Freunde zu fragen. Mittags ging es ihr wieder schlechter, dann schlief sie und wir fuhren los. Beim Aussteigen verweigerte sie sich allerdings komplett, weinte und schrie und wollte absolut nicht mitkommen. Es ging ihr nicht gut. Also fuhr der Mann wieder mit ihr nach Hause und der Große und ich gingen, wie schon zwei Mal, allein in den Weihnachtszirkus. Ich musste kurz heulen, weil ich mich so ärgerte, aber es ließ sich nicht ändern. Wir hatten einen schönen Nachmittag zu zweit, auch wenn die Vorstellung mit knapp 3 Stunden viel zu lange dauerte und viel zu laut war, und der Kleinen ging es auch wieder besser, als wir nach Hause kamen.
Am 2. Weihnachtsfeiertag packten wir vormittags und fuhren in unseren Kurzurlaub. Dank des schon oft besuchten Ferienparks fühlten sich die Kinder gleich wieder wie zuhause und die Umstellung war überhaupt kein Problem. Das ist schon toll, im Vergleich zu früher, als sie immer 2-3 Tage brauchten. Die Kleine hatte noch 38.5°C, war aber total fit und hatte keine weiteren Symptome. Leider schlief ich den gesamten Urlaub über unheimlich schlecht, was dort noch nie der Fall gewesen war. Ein Mal war ich zwischen 3 und 6 Uhr komplett wach und auch sonst kämpfte ich sehr um Schlaf, was nicht an den Kindern lag. Keine Ahnung, was da los war. In den Urlaubstagen besuchten wir einen Zoo, ein Assisi-Panorama, einen Wildpark, die Großeltern waren einen Tag zu Besuch und brachten die restlichen Geschenke, so dass wir die Bescherung nachholen konnten, wir spazierten am See und die Kinder trauten sich erstmals allein ins Spielhaus. Zwar nur kurz, aber immerhin drei Mal und das hatten wir fast nicht mehr zu hoffen gewagt, nachdem der Große das immer verweigert hatte. Nun endlich schafften sie es! Sehr toll!
Im Ferienpark - Geschenke von Oma und Opa
Am vorletzten Tag war es eiskalt und wir hatten einen herrlichen Vormittag bei Sonnenschein am See. So viel Natur und Stille ist einfach wunderbar. Wir schrieben Buchstaben und Zahlen in die mit Raureif bedeckten Bänke, schlitterten mit unseren Stiefeln und zählten die weißen Kondensstreifen der Flugzeuge am knallblauen Himmel. Wir machen immer wieder gern dort Urlaub und der nächste Termin ist natürlich schon gebucht;-)
Am Silvestertag reisten wir ab und spazierten vorher noch zu einer Kirchenruine. Diesen Herzmoment mit meinem Großen sowie das ganze Jahreswechsel-Wochenende habe ich im Wochenende in Bildern beschrieben. Und dann war ich noch zwei Tage allein mit den Kindern zuhause, weil der Mann schon wieder arbeiten musste. Am Montag 2.1. besuchten wir Freunde und hatten am Nachmittag selbst noch Besuch, und am letzten Tag (Dienstag) spielten wir den ganzen Tag zu dritt. Das war schon anstrengend, weil ich zwar den Haushalt, aber nichts für mich machen konnte, aber auch wieder schön und vor allem unglaublich, dass das mittlerweile so einfach geht. Noch vor 2 Jahren hatte ich fast Angst vor jedem Kitaschließtag, weil die Kinder so fordernd waren. Nun hat die Kita wieder auf und der Alltag beginnt für alle.
Alles in allem war es eine doch schöne, gemessen an früheren Erfahrungen mit diversen Nervenzusammenbrüchen unsererseits relativ konfliktfreie Zeit, wenn auch fast ohne Pausen und mit ständig fordernden und sich nicht selbst beschäftigenden Kindern recht anstrengend. Ich brauchte wie immer einige Zeit, um mich auf das ständige Präsentsein umzustellen. Die Kinder waren, fand ich, besser drauf als in den letzten Wochen/ Monaten und haben die Ferien sichtlich genossen. Der Große erwähnte den Spaziergang zur Kirchenruine sogar heute im Morgenkreis in der Kita. Problematisch ist weiterhin meine eigene Anspannung, die leider nicht nachlässt, auch wenn das Zusammenleben mit den Kindern mittlerweile deutlich angenehmer funktioniert als früher. In einem Urlaub, der auch mich entspannt und erholt, bräuchte ich tägliche Allein-Zeiten, Rückzugsmöglichkeiten oder Kinder, die eben Raum für mich selbst lassen. Das ist nicht der Fall und deshalb laufe ich auf Hochtouren und merke hinterher, wie die Anspannung von mir abfällt. Aus diesem Grunde habe ich mir heute noch einen freien Tag ohne Kinder gegönnt und das war genau richtig. Man lernt ja dazu;-).
Insgesamt fällt mein Fazit unserer Weihnachtsferien positiv aus, es wird von Jahr zu Jahr besser und wenn nicht die Krankheit der Kleinen ausgerechnet am Heiligabend und 1. Weihnachtsfeiertag dazwischen gekommen wäre, hätten wir eigentlich alles wie geplant machen können. Das war früher undenkbar und ich hoffe, dass einige meiner Leserinnen mit noch kleineren Kindern daraus etwas Hoffnung schöpfen. Es wird besser!
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Sonntag, 1. Januar 2017
Unser Wochenende in Bildern 31.12.2016/ 01.01.2017
Ein Wochenende in Bildern über einen Jahreswechsel ist eine spannende Sache, zumal der Silvestertag auch der letzte Tag unseres Kurzurlaubs war. Deshalb gibt es wiedermal ein paar Bilder von uns.
Nach dem Frühstück in der Ferienwohnung packten wir unsere Sachen und checkten aus. Wir hatten absichtlich nur bis zum 31.12. gebucht und wollten zu Silvester lieber zuhause in Berlin sein. Zwar ist es hier sehr laut, aber wenigstens vertraut. In fremden Umgebungen weiß man ja nie, wie laut und unmittelbar die Böllerei stattfindet und das ist uns mit den Kindern zu riskant.
Da das Wetter wie am Vortag schon traumhaft war, gingen wir noch ein wenig am See spazieren. Die Umgebung ist wunderschön und wir waren nun mittlerweile schon zu allen Jahreszeiten dort im Urlaub. Zu Weihnachten vor 2 Jahren lag ein paar Tage lang unheimlich viel Schnee und wir rodelten an dieser Stelle.
Die Kinder kraxelten auf den Geräten am Wegesrand, die Eltern genossen die Ruhe und die Sonne, und die Stimmung war für einen Silvestertag, an dem ich eigentlich immer schlechte Laune habe, weil ich ihn nicht leiden kann, erstaunlich gut.
Weil es so schön war, beschloss ich, mit dem Großen zu einer nahegelegenen Kirchenruine zu laufen, während der Mann mit der Kleinen zurück zum Auto ging und mit diesem dorthin kommen wollte. Diese ca. 20 Minuten mit dem Großen allein war mein schönster Eltern-Kind-Moment in den letzten Wochen. Wir erzählten auf dem Spaziergang über Entdeckungen, Reisen und tolle Erlebnisse, z.B. darüber, auf welchen Vulkanen ich schon stand. Ich merkte wieder einmal, was alles man mit ihm schon machen könnte, wenn man nicht immer Rücksicht auf die kleine Maus nehmen müsste. Hach, das war echt schön! Und als wir zufällig um Punkt 12 Uhr bei der Kirchenruine ankamen und unerwarteterweise die Glocken läuteten, war die Stimmung perfekt.
Wir erkundeten die Ruine und erzählten noch ein wenig über die Geschichte der Region. Das Bauwerk war wirklich beeindruckend und der Große war sehr interessiert. Da geht mir das Herz auf und ich spüre immer ganz intensiv, wie meine jahrelang vernachlässigten Interessen Nahrung bekommen.
Dann fuhren wir Mittagessen und anschließend direkt nach Hause. Im Auto schliefen gottseidank beide Kinder ein. Wir kamen supergut durch.
Nach dem Ankommen tobten wir noch kurz im Garten, jeder packte seine Sachen aus und nach dem Abendbrot machten wir eine kleine Wunderkerzen-Party auf dem Balkon. Da es schon ziemlich laut war, hatten die Kinder vorsorglich ihren Peltor Kids Gehörschutz* auf.
Der Kleinen war das alles nicht geheuer und dann gingen sie etwas später als sonst, aber zu einer "normalen" Uhrzeit ins Bett. Die Nacht war okay, der Große schlief durch, die Kleine wachte ab und zu auf, schlief aber schnell wieder ein und alle waren am Neujahrsmorgen gut drauf. Nichts ist schlimmer, als ein Tag mit übermüdeten, nöligen Kindern.
Am Sonntag machten wir nach dem Frühstück ein wenig Kleinkram, wie ein Freundebuch für die Kita auszufüllen.
Am Nachmittag waren wir spontan bei Freunden eingeladen und verbrachten ein paar schöne Stunden dort. Die Kinder inspizierten die Weihnachtsgeschenke des Freunde-Kindes und wir quatschten über unsere Weihnachtstage. Zum Schluss trugen sie sich noch ins Telefonbuch ein...
und wir warfen einen letzten Blick auf die tolle Aussicht vom Balkon unserer Freunde.
Ab morgen muss der Mann wieder arbeiten und ich bin mit den Kindern noch zwei Tage zuhause, bis die Kita wieder öffnet. Der Alltag geht also langsam wieder los.
Mehr Wochenenden in Bildern (#wib) gibt es wie immer bei Geborgen Wachsen.
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Nach dem Frühstück in der Ferienwohnung packten wir unsere Sachen und checkten aus. Wir hatten absichtlich nur bis zum 31.12. gebucht und wollten zu Silvester lieber zuhause in Berlin sein. Zwar ist es hier sehr laut, aber wenigstens vertraut. In fremden Umgebungen weiß man ja nie, wie laut und unmittelbar die Böllerei stattfindet und das ist uns mit den Kindern zu riskant.
Da das Wetter wie am Vortag schon traumhaft war, gingen wir noch ein wenig am See spazieren. Die Umgebung ist wunderschön und wir waren nun mittlerweile schon zu allen Jahreszeiten dort im Urlaub. Zu Weihnachten vor 2 Jahren lag ein paar Tage lang unheimlich viel Schnee und wir rodelten an dieser Stelle.
Die Kinder kraxelten auf den Geräten am Wegesrand, die Eltern genossen die Ruhe und die Sonne, und die Stimmung war für einen Silvestertag, an dem ich eigentlich immer schlechte Laune habe, weil ich ihn nicht leiden kann, erstaunlich gut.
Weil es so schön war, beschloss ich, mit dem Großen zu einer nahegelegenen Kirchenruine zu laufen, während der Mann mit der Kleinen zurück zum Auto ging und mit diesem dorthin kommen wollte. Diese ca. 20 Minuten mit dem Großen allein war mein schönster Eltern-Kind-Moment in den letzten Wochen. Wir erzählten auf dem Spaziergang über Entdeckungen, Reisen und tolle Erlebnisse, z.B. darüber, auf welchen Vulkanen ich schon stand. Ich merkte wieder einmal, was alles man mit ihm schon machen könnte, wenn man nicht immer Rücksicht auf die kleine Maus nehmen müsste. Hach, das war echt schön! Und als wir zufällig um Punkt 12 Uhr bei der Kirchenruine ankamen und unerwarteterweise die Glocken läuteten, war die Stimmung perfekt.
Wir erkundeten die Ruine und erzählten noch ein wenig über die Geschichte der Region. Das Bauwerk war wirklich beeindruckend und der Große war sehr interessiert. Da geht mir das Herz auf und ich spüre immer ganz intensiv, wie meine jahrelang vernachlässigten Interessen Nahrung bekommen.
Dann fuhren wir Mittagessen und anschließend direkt nach Hause. Im Auto schliefen gottseidank beide Kinder ein. Wir kamen supergut durch.
Nach dem Ankommen tobten wir noch kurz im Garten, jeder packte seine Sachen aus und nach dem Abendbrot machten wir eine kleine Wunderkerzen-Party auf dem Balkon. Da es schon ziemlich laut war, hatten die Kinder vorsorglich ihren Peltor Kids Gehörschutz* auf.
Der Kleinen war das alles nicht geheuer und dann gingen sie etwas später als sonst, aber zu einer "normalen" Uhrzeit ins Bett. Die Nacht war okay, der Große schlief durch, die Kleine wachte ab und zu auf, schlief aber schnell wieder ein und alle waren am Neujahrsmorgen gut drauf. Nichts ist schlimmer, als ein Tag mit übermüdeten, nöligen Kindern.
Am Sonntag machten wir nach dem Frühstück ein wenig Kleinkram, wie ein Freundebuch für die Kita auszufüllen.
Am Nachmittag waren wir spontan bei Freunden eingeladen und verbrachten ein paar schöne Stunden dort. Die Kinder inspizierten die Weihnachtsgeschenke des Freunde-Kindes und wir quatschten über unsere Weihnachtstage. Zum Schluss trugen sie sich noch ins Telefonbuch ein...
und wir warfen einen letzten Blick auf die tolle Aussicht vom Balkon unserer Freunde.
Ab morgen muss der Mann wieder arbeiten und ich bin mit den Kindern noch zwei Tage zuhause, bis die Kita wieder öffnet. Der Alltag geht also langsam wieder los.
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Donnerstag, 21. Januar 2016
Elternurteil, Einflussnahme oder Neutralität
Am Neujahrstag habe ich wiedermal gestutzt, inwieweit meine bzw. die Urteile von uns Eltern unsere Kinder beeinflussen, ob man es schaffen kann, ein neutrales Bild von problematischen Dingen zu vermitteln, damit sich die Kinder selbst ein Urteil bilden können oder ob man ihnen gewisse eigene Wertvorstellungen näher bringen soll/darf/muss, damit sie sich orientieren können. Konkret ging es um die auf den Straßen herumliegenden Böller, Raketenreste, Konfetti, abgebrannten Wunderkerzen und Müll aus der Neujahrsnacht. Die Kinder betrachteten den Unrat neugierig und fragten, was das sei. Dazu muss ich sagen, dass wir an Silvester lediglich ein paar Wunderkerzen auf dem Balkon abbrannten und das war's. Bei uns gibt es (bis jetzt) weder Raketen noch Böller.
Ich fing also an, kindgerecht zu erzählen, wovon die Verwüstung herrührt und konnte mir natürlich ein gewisses Urteil nicht verkneifen. Ich sagte so sinngemäß, dass viele Menschen an Silvester Feuerwerk und Böller anzünden, dann den Müll auf der Straße liegen lassen und am nächsten Tag extra die Straßenreinigung kommen muss, um das alles wieder zu beseitigen. Und dass das alles, sowohl der Kauf des Feuerwerks als auch die Beseitigung der Überreste, wahnsinnig viel Geld kostet, einen riesigen Müllberg verursacht und deshalb ein großer Quatsch ist. Darin stecken sowohl sachliche, objektive Aussagen als auch mein persönliches Urteil, dass ich es nicht gutheiße. Die Kinder haben nichts weiter dazu gesagt, dafür sind sie noch zu klein. Aber ich fragte mich danach schon, ob ich ihr Bild von Silvester damit beeinflusst habe und ihnen mein Urteil vorgebe. Und ob es überhaupt geht, ihnen Sachverhalte urteilsfrei zu vermitteln, wenn man selbst abgestoßen ist und etwas nicht gut findet. Ja, soll man sie denn völlig neutral aufwachsen lassen und keinerlei Urteile fällen oder schweben sie damit nicht eher im luftleeren Raum und kriegen keine Wertvorstellungen oder Orientierungspunkte vermittelt? Das sind schwierige Fragen, die ich mir zu allen möglichen Themen immer wieder stelle.
Zum Beispiel habe ich persönlich absolut schlechte Erinnerungen an meine Schulzeit, ich habe die Rahmenbedingungen von Schule (nicht das Lernen!) wirklich gehasst und war heilfroh, als die Zeit überstanden war. Im Herbst 2016 wird die Schulanmeldung meines Großen auf der Agenda stehen und das Thema wird dann bis zur Einschulung (und danach erst recht) sicherlich viel Raum bei uns zuhause einnehmen. Bisher versuche ich natürlich, ihm das Thema Schule so neutral wie möglich zu vermitteln und an ihn heranzutragen, aber ich denke mal, es wird nicht ausbleiben, dass ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen eine Meinung durchschimmern lasse oder er es spürt, ob ich will oder nicht. Schon jetzt sage ich manchmal, wie froh wir sein können, dass wir am Nachmittag in den Park, auf den Spielplatz oder zu Freunden gehen können und nicht über Hausaufgaben sitzen müssen. Oder dass wir morgens noch früher losgehen müssen, wenn er in die Schule geht. Solche Aussagen sollen eigentlich betonen, dass wir die Zeit jetzt noch ausnutzen und genießen sollten, aber darin stecken auch tendenziell negative Urteile über die kommende Schulzeit. Nun mache ich mir Gedanken darüber, ob ich den Großen bzw. die Kinder damit irgendwie beeinflusse.
Ein weiteres Beispiel: ich habe ein Fußballtrauma. Die Männer meiner Familie waren/sind alle fußballbegeistert und nahmen mich als Kind mit ins Stadion. Das Publikum empfand ich als primitiv (sorry an alle Fußballbegeisterten, rein persönliche Empfindung!), für ein hochsensibles Kind war die Stadionerfahrung wirklich eine Zumutung. Außerdem wurde bei uns zuhause Fußball im Radio und Fernsehen rücksichtslos und in einem Ausmaß gehört bzw. geschaut, das ich schon damals als Kind, aber erst recht jetzt als Mutter für völlig übertrieben halte. Ich bin also geprägt und naturgemäß gibt man Prägungen in irgendeiner Form weiter. Auch wenn ich mich immer dazu anhalte, möglichst neutral zu bleiben, erwische ich mich dabei, dass ich versuche, den Großen zum Weitergehen zu animieren und abzulenken, wenn er bei einem Fußballspiel stehenbleibt. Sollte er jemals den Wunsch äußern, Fußball zu spielen, werde ich vermutlich sehr zurückhaltend darauf reagieren (verwehren werde ich es ihm natürlich nicht). Wird er das spüren? Ist es überhaupt schlimm, wenn er das spürt, oder nicht vielmehr völlig normal, dass auch die Eltern Vorlieben und Aversionen zeigen?
Keiner von uns ist in einem neutralen Umfeld aufgewachsen, jeder hat Urteile, Prägungen und Einflüsse erfahren. Manches gibt man genauso oder ähnlich weiter, manches verändert sich, anderes schlägt genau ins Gegenteil um. Komplett werteneutral kann man mit Sicherheit nicht erziehen. Aber ist das denn überhaupt gut? Sollen Kinder nicht vielmehr Werte und Urteile von Eltern und anderen Bezugspersonen erfahren, um aus diesen Meinungen und Einschätzungen ein eigenes Urteil bilden zu können? Dazu kommt ja auch noch, dass nicht nur ich als Mutter, sondern auch der Vater und andere enge Bezugspersonen Einfluss auf die Kinder nehmen und aufgrund ihrer eigenen unterschiedlichen Prägungen auch verschiedene Werte und Einflüsse weitergeben. Der Charakter des Kindes spielt eine große Rolle. Was mich selbst betrifft, so habe ich in vielen Aspekten einen komplett anderen Weg eingeschlagen und andere Urteile entwickelt als die, die ich von zuhause mitbekommen habe. Schon als Kind habe ich gewisse Dinge verabscheut, obwohl ich diesem Einfluss tagtäglich ausgesetzt war. Das rührt aus meinem extrem autonomen Charakter her. Ich merke aber natürlich auch in meiner Umgebung, dass viele andere Erwachsene entweder unreflektiert oder aus Überzeugung das weitertragen, was ihnen selbst in ihrer Kindheit vermittelt wurde.
Ich weiß noch nicht, welchen Weg meine Kinder einschlagen werden. Ich frage mich halt nur, ob man eher (anständige) Urteile und Werte entwickeln kann, wenn man so neutral wie möglich erzogen und möglichst wenig beeinflusst wird oder ob es im Gegenteil fruchtbarer ist, Kinder mit (auch entgegengesetzten) Werten zu konfrontieren, damit sie sich ggf. abgrenzen oder identifizieren können? Wie geht man am besten damit um, wenn der andere Elternteil, die Großeltern oder andere Bezugspersonen Werte und Urteile vermitteln, die man nicht so gutheißt oder nachvollziehen kann? Also z.B. konkret: der von meinem Großen sehr geliebte Opa, mein Vater, ist Fußballfan, wie oben beschrieben, ich selbst habe dagegen ein Fußballtrauma. Jede dieser Perspektiven hat seine Berechtigung und ist subjektiv richtig. Wie verhält man sich da in Situationen, wo beide Auffassungen aufeinanderprallen? Versuche ich neutral zu bleiben, ärgere ich mich vielleicht, dass die andere Seite dies nicht macht. Bin ich nicht neutral, prallen zwei Auffassungen aufeinander und die Gefahr besteht, dass das Kind das Gefühl bekommt, sich zwischen den beiden geliebten Menschen entscheiden zu müssen. Das ist nur ein belangloses Beispiel von vielen anderen aus dem Alltag. Oftmals geht es ja um sehr viel entscheidendere Probleme. Sollen Kinder so lange wie möglich "leere", unbeeinflusste Menschlein bleiben und man sich deshalb mit eigenen Beurteilungen zurückhalten, damit sie ihren Weg finden können, oder schon früh verschiedensten Einschätzungen und Wertvorstellungen ausgesetzt werden - auch, damit sie ihren Weg finden können, nur auf andere Art und Weise?
Was meint ihr bzw. wie handhabt ihr das? Und wie war es in eurer Kindheit, wie war eure Erziehung in dieser Hinsicht geprägt? Ich freue mich auf eure Denkanstöße und Anregungen.
Und hier der Link zu einem von mir inspirierten Beitrag auf dem Blog More than Words: Werte? Ja, bitte!
Quelle: Pixabay
Ich fing also an, kindgerecht zu erzählen, wovon die Verwüstung herrührt und konnte mir natürlich ein gewisses Urteil nicht verkneifen. Ich sagte so sinngemäß, dass viele Menschen an Silvester Feuerwerk und Böller anzünden, dann den Müll auf der Straße liegen lassen und am nächsten Tag extra die Straßenreinigung kommen muss, um das alles wieder zu beseitigen. Und dass das alles, sowohl der Kauf des Feuerwerks als auch die Beseitigung der Überreste, wahnsinnig viel Geld kostet, einen riesigen Müllberg verursacht und deshalb ein großer Quatsch ist. Darin stecken sowohl sachliche, objektive Aussagen als auch mein persönliches Urteil, dass ich es nicht gutheiße. Die Kinder haben nichts weiter dazu gesagt, dafür sind sie noch zu klein. Aber ich fragte mich danach schon, ob ich ihr Bild von Silvester damit beeinflusst habe und ihnen mein Urteil vorgebe. Und ob es überhaupt geht, ihnen Sachverhalte urteilsfrei zu vermitteln, wenn man selbst abgestoßen ist und etwas nicht gut findet. Ja, soll man sie denn völlig neutral aufwachsen lassen und keinerlei Urteile fällen oder schweben sie damit nicht eher im luftleeren Raum und kriegen keine Wertvorstellungen oder Orientierungspunkte vermittelt? Das sind schwierige Fragen, die ich mir zu allen möglichen Themen immer wieder stelle.
Zum Beispiel habe ich persönlich absolut schlechte Erinnerungen an meine Schulzeit, ich habe die Rahmenbedingungen von Schule (nicht das Lernen!) wirklich gehasst und war heilfroh, als die Zeit überstanden war. Im Herbst 2016 wird die Schulanmeldung meines Großen auf der Agenda stehen und das Thema wird dann bis zur Einschulung (und danach erst recht) sicherlich viel Raum bei uns zuhause einnehmen. Bisher versuche ich natürlich, ihm das Thema Schule so neutral wie möglich zu vermitteln und an ihn heranzutragen, aber ich denke mal, es wird nicht ausbleiben, dass ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen eine Meinung durchschimmern lasse oder er es spürt, ob ich will oder nicht. Schon jetzt sage ich manchmal, wie froh wir sein können, dass wir am Nachmittag in den Park, auf den Spielplatz oder zu Freunden gehen können und nicht über Hausaufgaben sitzen müssen. Oder dass wir morgens noch früher losgehen müssen, wenn er in die Schule geht. Solche Aussagen sollen eigentlich betonen, dass wir die Zeit jetzt noch ausnutzen und genießen sollten, aber darin stecken auch tendenziell negative Urteile über die kommende Schulzeit. Nun mache ich mir Gedanken darüber, ob ich den Großen bzw. die Kinder damit irgendwie beeinflusse.
Ein weiteres Beispiel: ich habe ein Fußballtrauma. Die Männer meiner Familie waren/sind alle fußballbegeistert und nahmen mich als Kind mit ins Stadion. Das Publikum empfand ich als primitiv (sorry an alle Fußballbegeisterten, rein persönliche Empfindung!), für ein hochsensibles Kind war die Stadionerfahrung wirklich eine Zumutung. Außerdem wurde bei uns zuhause Fußball im Radio und Fernsehen rücksichtslos und in einem Ausmaß gehört bzw. geschaut, das ich schon damals als Kind, aber erst recht jetzt als Mutter für völlig übertrieben halte. Ich bin also geprägt und naturgemäß gibt man Prägungen in irgendeiner Form weiter. Auch wenn ich mich immer dazu anhalte, möglichst neutral zu bleiben, erwische ich mich dabei, dass ich versuche, den Großen zum Weitergehen zu animieren und abzulenken, wenn er bei einem Fußballspiel stehenbleibt. Sollte er jemals den Wunsch äußern, Fußball zu spielen, werde ich vermutlich sehr zurückhaltend darauf reagieren (verwehren werde ich es ihm natürlich nicht). Wird er das spüren? Ist es überhaupt schlimm, wenn er das spürt, oder nicht vielmehr völlig normal, dass auch die Eltern Vorlieben und Aversionen zeigen?
Keiner von uns ist in einem neutralen Umfeld aufgewachsen, jeder hat Urteile, Prägungen und Einflüsse erfahren. Manches gibt man genauso oder ähnlich weiter, manches verändert sich, anderes schlägt genau ins Gegenteil um. Komplett werteneutral kann man mit Sicherheit nicht erziehen. Aber ist das denn überhaupt gut? Sollen Kinder nicht vielmehr Werte und Urteile von Eltern und anderen Bezugspersonen erfahren, um aus diesen Meinungen und Einschätzungen ein eigenes Urteil bilden zu können? Dazu kommt ja auch noch, dass nicht nur ich als Mutter, sondern auch der Vater und andere enge Bezugspersonen Einfluss auf die Kinder nehmen und aufgrund ihrer eigenen unterschiedlichen Prägungen auch verschiedene Werte und Einflüsse weitergeben. Der Charakter des Kindes spielt eine große Rolle. Was mich selbst betrifft, so habe ich in vielen Aspekten einen komplett anderen Weg eingeschlagen und andere Urteile entwickelt als die, die ich von zuhause mitbekommen habe. Schon als Kind habe ich gewisse Dinge verabscheut, obwohl ich diesem Einfluss tagtäglich ausgesetzt war. Das rührt aus meinem extrem autonomen Charakter her. Ich merke aber natürlich auch in meiner Umgebung, dass viele andere Erwachsene entweder unreflektiert oder aus Überzeugung das weitertragen, was ihnen selbst in ihrer Kindheit vermittelt wurde.
Ich weiß noch nicht, welchen Weg meine Kinder einschlagen werden. Ich frage mich halt nur, ob man eher (anständige) Urteile und Werte entwickeln kann, wenn man so neutral wie möglich erzogen und möglichst wenig beeinflusst wird oder ob es im Gegenteil fruchtbarer ist, Kinder mit (auch entgegengesetzten) Werten zu konfrontieren, damit sie sich ggf. abgrenzen oder identifizieren können? Wie geht man am besten damit um, wenn der andere Elternteil, die Großeltern oder andere Bezugspersonen Werte und Urteile vermitteln, die man nicht so gutheißt oder nachvollziehen kann? Also z.B. konkret: der von meinem Großen sehr geliebte Opa, mein Vater, ist Fußballfan, wie oben beschrieben, ich selbst habe dagegen ein Fußballtrauma. Jede dieser Perspektiven hat seine Berechtigung und ist subjektiv richtig. Wie verhält man sich da in Situationen, wo beide Auffassungen aufeinanderprallen? Versuche ich neutral zu bleiben, ärgere ich mich vielleicht, dass die andere Seite dies nicht macht. Bin ich nicht neutral, prallen zwei Auffassungen aufeinander und die Gefahr besteht, dass das Kind das Gefühl bekommt, sich zwischen den beiden geliebten Menschen entscheiden zu müssen. Das ist nur ein belangloses Beispiel von vielen anderen aus dem Alltag. Oftmals geht es ja um sehr viel entscheidendere Probleme. Sollen Kinder so lange wie möglich "leere", unbeeinflusste Menschlein bleiben und man sich deshalb mit eigenen Beurteilungen zurückhalten, damit sie ihren Weg finden können, oder schon früh verschiedensten Einschätzungen und Wertvorstellungen ausgesetzt werden - auch, damit sie ihren Weg finden können, nur auf andere Art und Weise?
Was meint ihr bzw. wie handhabt ihr das? Und wie war es in eurer Kindheit, wie war eure Erziehung in dieser Hinsicht geprägt? Ich freue mich auf eure Denkanstöße und Anregungen.
Und hier der Link zu einem von mir inspirierten Beitrag auf dem Blog More than Words: Werte? Ja, bitte!
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