Samstag, 18. November 2017

Angst vor der eigenen Endlichkeit

Ich habe Momente, da falle ich in ein schwarzes Loch. Alles dreht sich, ich habe Todesangst, ich werde mir der Endlichkeit des Lebens zutiefst bewusst und das versetzt mich in eine solche Panik, dass ich zittere, die Luft anhalte und erstarre. Das Herz rast. Es sind Momente, wo ich Dinge begreife, die das menschliche Gehirn eigentlich nicht begreifen kann. Die Unendlichkeit des Universums zum Beispiel und vor allem die Gewissheit des eigenen Todes, die Auslöschung meiner Person und die Weiterexistenz der Welt ohne mich. Dinge, die man sich eigentlich nicht vorstellen kann und deshalb verdrängt, werden plötzlich begreifbar und kreisen glasklar in meinem Verstand. Es ist unerträglich und ich bin nach solchen Attacken immer fix und fertig.

Sie halten relativ kurz an, nur ein paar Minuten, und danach ist alles wieder beim Alten. Während man im normalen Alltagsleben theoretisch weiß, dass man sterben muss wie alle Menschen auch, das Leben der anderen weitergeht und man innerhalb kurzer Zeit vergessen ist, kommt in solchen Momenten das Begreifen mit aller Macht und Ausweglosigkeit und stürzt mich ins Bodenlose, ins Schwarze, ins Unerträgliche. Ich begreife dann das eigentlich Unbegreifliche, und das ist furchtbar, schmerzhaft und grauenhaft. Es ist, als würde die normale Beschränktheit des menschlichen Verstandes für einen kurzen Moment ausgehebelt und man erhält Anteil am "Weltgehirn". Es fühlt sich an, als würde man gleichzeitig verrückt und allweise werden. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll. Es ist panik- und angsteinflößend und gleichzeitig faszinierend.

Ich hatte diese Momente schon früher. Zwar weiß ich nicht mehr, wann es angefangen hat, aber seit meinen frühen Zwanzigern erinnere ich mich daran. Ein anthroposophischer Freund hat damals immer gesagt, als ich ihm das erzählte: "Das ist die Erfahrung des Nichts." Früher fühlte ich mich noch ausgelieferter und verwirrter, mittlerweile weiß ich auch mitten in diesen Momenten, dass sie bald vorüber gehen. Die Intensität ist geblieben und die Häufigkeit sogar angestiegen, je älter ich werde. Es sind keine konkreten Auslöser erkennbar, auch wenn neuerdings immer öfter beim Anblick von alten Menschen das Bewusstsein der Vergänglichkeit hochkommt. Trotzdem falle ich dabei selten in diese "Attacken" hinein. Sie treten unvorhersehbar tags, nachts, in jeder Situation auf, manchmal wochenlang gar nicht, dann wieder öfter. Ein gewisser Ruhezustand ist Voraussetzung dafür, und kurioserweise hat die Häufigkeit zugenommen, obwohl ich selten Ruhe und Muße habe. Ich habe keinen Einfluss darauf und kann in den Momenten auch nichts tun, damit sie aufhören.

Ich vermute, dass es sowas wie Panikattacken sind, allerdings geht es darin nicht um die Angst, irgendetwas im Leben nicht bewältigen zu können, sondern schon immer nur um die Endlichkeit meiner Existenz, die räumliche Unendlichkeit des Universums und gleichzeitig seine zeitliche Endlichkeit, verbunden mit den Fragen: was war davor, was kommt danach? Wobei ich die Vorstellung, dass es eine lange Geschichte vor mir gegeben hat, nicht ganz so unvorstellbar finde wie die Tatsache, dass es nach mir einfach so weitergehen wird. Das klingt vielleicht narzisstisch, aber ich empfinde das in diesen Momenten ganz existenziell. Die Erkenntnis der Vergänglichkeit schneidet wie ein Blitz durch meinen Körper.

Quelle: Pixabay

Die Kinder als Trost?

Man hat früher zu mir gesagt, dass es besser werden würde, wenn Kinder da sind, weil man dann die Gewissheit hat, sozusagen in den Kindern weiterzuleben und etwas von sich selbst auf der Erde zu hinterlassen. Besser geworden ist es nicht, seit ich Kinder habe, im Gegenteil, die eigene Endlichkeit ist mir noch stärker bewusst geworden und die Angst vor dem Ende noch intensiver. In den letzten Jahren haben wir meine Schwiegereltern beerdigt. Ich habe gesehen, wie schnell alles, was ein Leben ausgemacht hat, entsorgt und vergessen ist, und während es Menschen gibt, denen das nichts bedeutet, finde ich das ganz schrecklich. Ich sehe, wie die Jahreszeiten und Geburtstage vergehen, und all das führt näher ans Ende. Besonders der Herbst und Winter werden von Jahr zu Jahr immer schwerer für mich zu ertragen. Ich sehe, dass ich seit fast 7 Jahren und noch ca. 14 weitere Jahre nicht so oder nur eingeschränkt leben kann, wie ich eigentlich gern möchte. Ich sehe, wie meine Eltern und Verwandten älter werden, das Verhältnis immer schwieriger wird und die Familien auseinanderfallen, seit die Großelterngeneration nicht mehr da ist. Ich sehe, wie schnell alles in Vergessenheit gerät. Ich merke, wie schnell ich selbst vergesse.

All das macht mir ehrlich gesagt große Angst. Einerseits lebe ich zwar in den Kindern weiter, andererseits erinnern sie mich aber auch mehr als je zuvor an mein eigenes Ende. Das ist schmerzhaft und manchmal auch schon mit dem normalen Bewusstsein kaum auszuhalten. In den schwarzen Momenten ist das unmöglich. Die Existenz der Kinder hat darauf keinerlei Auswirkung, weder ist sie ein Trost noch kann sie solche Momente verhindern. Eher hat sie sie noch verstärkt. Das ist insofern merkwürdig, weil mein Empfinden sonst generell weniger tief geworden ist, seit ich die Kinder habe.

Im Sturm "Xavier", der Anfang Oktober über Norddeutschland tobte, ist eine Frau ums Leben gekommen, die ich persönlich kannte. Es ist schon viele Jahre her, seit sich unsere Wege beruflich kreuzten, und wir haben kaum mehr als ein paar Worte gewechselt. Trotzdem fühlte sich dieser Tod für mich anders an als sonstige unpersönliche Todesfälle, und die Irrationalität eines solch verfrühten Lebensendes trat besonders deutlich zum Vorschein. Das hat mich stark beschäftigt und lässt mich bis heute nicht los. Sie war nur ein Jahrzehnt älter als ich, als ein dummer Zufall, anders kann man es nicht nennen, während des Sturms ihr Leben auslöschte. Es ist unbegreiflich und führte mir die eigene Endlichkeit und besonders auch die potentielle Plötzlichkeit des Endes hart vor Augen. Ich ringe streckenweise stark mit dem Thema und nein, meine Kinder sind mir dabei kein Trost. Das eine hat mit dem anderen für mich überhaupt nichts zu tun.

Ungefähr die Hälfte meines Lebens ist vorbei. Die zweite Hälfte vergeht bekanntlich immer schneller. Und obwohl ich mir wünsche, dass die Kinder älter werden und ich dadurch wieder etwas freier leben kann, habe ich gleichzeitig Angst davor, denn mit dem Älterwerden der Kinder vergeht mein eigenes Leben. Diese Ambivalenz ist schwer auszuhalten. Ich möchte sie ja gern noch lange begleiten und sehen, wie sie ihr Leben gestalten. Andere, leichtere Gemüter als ich würden jetzt sagen: "Ach was, genieße einfach jeden Moment deines Alltags, damit du weißt, du hast dein Leben gut gelebt." So simpel ist das aber für mich nicht und wird es auch nie werden. Aber auch das gehört zu meiner Existenz dazu. Vielleicht kommt dieses Gefühl, wenn das Hamsterrad des Alltags etwas nachlässt. Was aber nichts an der Unausweichlichkeit des Endes ändert. Wir müssen alle mit dieser Perspektive leben. Der eine verdrängt, dem anderen gelingt das nicht. Ich gehöre zu Letzteren, schon immer. Daran hat die Mutterschaft nichts geändert. Und bei euch?

Dienstag, 14. November 2017

Dritter Blog-Geburtstag mit Verlosung

 Bildquelle: Pixabay

Heute feiere ich mich selbst, denn mein Blog ist nun 3 Jahre alt! Happy Birthday to me und danke an euch alle, die ihr hier so treu mitlest und kommentiert! Am 14. November 2014 veröffentlichte ich meinen ersten Text Ich sollte nicht ins Kino gehen und schrieb von da an mehr oder weniger regelmäßig Geschichten aus unserem Alltag, meine Gedanken über Elternschaft und meine Kinder, Erinnerungstexte, Buchrezensionen, Reiseberichte und hin und wieder auch einen Kooperationstext.

Mittlerweile habe ich nun mit meinem Großen, der bei Blogstart 3 3/4 Jahre alt war, seit diesem Jahr ein Schulkind und meine Kleine, die damals gerade mal 1 1/2 Jahre zählte, wird nächstes Jahr schon ein Vorschulkind sein. Was die Kinder angeht, so hat sich in den letzten 3 Jahren sehr viel verändert, sie haben sich unheimlich entwickelt und es ist wahnsinnig interessant, zu verfolgen, wie sie sich verändern, welche Charakteristika geblieben, welche neu dazugekommen sind und wie sich diese beiden Individuen entwickeln. Auch meine eigenen Prognosen und Einschätzungen muss oder darf ich immer wieder korrigieren im Leben mit ihnen: während z.B. der Schulstart des Großen weitaus glimpflicher verlaufen ist als befürchtet, durchlebt die Kleine und wir mit ihr seit geraumer Zeit eine sehr anstrengende Phase, was ich niemals für möglich gehalten hätte. Man lernt die Kinder immer wieder neu kennen und wird von manchem positiv, von anderem negativ überrascht. Kontinuität und Verlässlichkeit gibt es kaum im Leben mit meinen Kindern und sie fordern eine große mentale Flexibilität von uns Eltern. Allerdings merke ich, dass ich, je älter die Kinder werden, durchaus zurückhaltender als früher über diese Entwicklungen berichte. Ich denke, das ist normal. Einiges flechte ich in die Geschichten aus unserem Alltag mit ein, anderes wird nachträglich oder halt gar nicht erzählt.

Im Gegensatz zu den Veränderungen bei den Kindern hat sich in unserem äußeren Leben in den letzten 3 Jahren seit Blogstart nichts verändert, die Arbeits- und Wohnsituation sind gleich geblieben, die fehlende Entlastung ist weiterhin ein großes Thema für mich, auch wenn es mit dem Älterwerden der Kinder sukzessive etwas einfacher wird, und mein Mamasein, meine Mutterschaft, meine Gefühle und Gedanken als Mama sind überwiegend auch gleich geblieben, das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich meine alten Texte lese. Ich würde sagen, bis heute ist es nicht so, dass mir das Mamasein leicht fällt, auch wenn der Alltag funktioniert und auch Krisensituationen mittlerweile viel besser gemanaged werden als früher. Aber ich habe irgendwie akzeptiert, dass dieses Gefühl wohl für immer zu meinem Mamasein dazugehören wird und vielleicht schreibe ich deshalb auch kaum noch darüber. Ich denke, ihr lest es trotzdem zwischen den Zeilen...

Nun aber möchte ich meinen dritten Blog-Geburtstag mit euch feiern! Ich danke euch von ganzem Herzen für eure Lesertreue, euer Mitfiebern, euer Mitleiden, euer Mitdenken, die Kommentare, Mails, Herzchen und Likes. Laut der blogeigenen Statistik hatte ich seit Blogstart fast 500.000 Seitenaufrufe, laut Google Analytics immerhin ca. 345.000. Das sind unglaubliche Zahlen! Danke für einen tollen Austausch, der immer noch - neben dem Niederlegen der eigenen Gedanken - einer meiner Hauptbeweggründe für das Bloggen ist. Danke dafür, dass ich durch euch immer wieder merke, wie viele Gleichgesinnte bzw. ähnlich empfindende Mamas es gibt. Ich freue mich auf das nächste Blogjahr und habe nun auch etwas für euch!

Verlosung

Als Dankeschön für eure Treue möchte ich an euch die beiden tollen Henry-Bücher für hochsensible Kinder von Petra Neumann verlosen. Ihr wisst, dass das Thema hochsensible Kinder in meinem Blog eine Rolle spielt und ich diverse Bücher zum Thema rezensiert habe (siehe hier). Wenn ihr wissen wollt, worum es in den Henry-Büchern geht, dann lest mal hier nach.

Es sind Bücher für hochsensible Kinder im Grundschulalter, die erklären, ermutigen und anleiten sollen, damit Kinder besser mit ihrer Hochsensibilität, ihrer "Superfühlkraft", umgehen können. Ich finde sie wunderbar lebensnah und undogmatisch und besonders auch für Eltern hochsensibler Kinder eine große Bereicherung. Schaut auch mal auf der Webseite von Petra Neumann vorbei, sie schreibt tolle bodenständige Texte voller Herz, die zur Verbreitung und Vermittlung des Themas "hochsensible Kinder" beitragen!

Ihr könnt gewinnen:

1.  "Henry mit den Superkräften ... oder - warum in jedem Kind ein Held steckt"* von Petra Neumann, erschienen im Januar 2015

ODER

2.  "Das Handbuch für SuperFÜHLkrafthelden. Henry und Johanna öffnen ihre Trickkiste"* von Petra Neumann, erschienen im April 2016


Beide Gewinne sind natürlich neu und unbenutzt und wurden mir für die Verlosung von der Autorin zur Verfügung gestellt. Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasst mir bitte hier auf dem Blog einen Kommentar, in dem ihr euch kurz vorstellt und erzählt, wie ihr das Mamasein empfindet. Gern könnt ihr auch schreiben, welche Themen euch besonders interessieren/ berühren und natürlich bitte nicht vergessen, welches der beiden Bücher ihr gern gewinnen möchtet. Es kann ja sein, dass ihr schon eines habt;-). Zusätzlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir auf Facebook folgt und die Verlosung teilt. Ist aber keine Bedingung. Bitte gebt euren Namen an!

Die Verlosung läuft bis zum 19. November 2017, 23:59 Uhr. Unter allen bis dahin eingehenden Kommentaren werden die beiden GewinnerInnen ausgelost und hier per Kommentar sowie auf Facebook bzw. Twitter bekanntgegeben. (Ich sehe keine Mailadressen, kann euch also nicht per Mail benachrichtigen.) Beide Gewinne werden direkt von mir versendet, d.h. eure Adresse landet nur bei mir. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang mit Facebook. Versand nur innerhalb Deutschlands. Mindestalter 18 Jahre. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung. Viel Glück!

Vielen Dank an die Autorin Petra Neumann für die Verlosungsexemplare.

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Donnerstag, 9. November 2017

Das Schlafen verlernt

Ich habe das Schlafen verlernt. Ich kann nicht mehr schlafen, nicht mehr abschalten, nicht mehr tief in das Reich des Morpheus versinken. Ich bin immer mit einem halben Ohr da, das Gehirn ist auf Standby, bereit, sofort zu reagieren, wenn ein Kind ruft. Ich brauche jeden Abend sehr lange, um überhaupt einzuschlafen, liege wach im Bett und warte auf den Schlaf. Ich schlafe nie tief und bin meist sofort wieder da, wenn ich dann nachts geweckt werde. Und dann liege ich wieder ewig wach. Manchmal ist das Kreisen der Gedanken daran schuld, manchmal sind es äußere Störungen wie Schlafgeräusche der Kleinen, die ja meist noch neben mir schläft. Meist jedoch liegt es daran, so vermute ich jedenfalls, dass mein Gehirn, das nun fast 7 Jahre in ständiger Bereitschaft ist, einfach nicht mehr abschalten kann. Es findet nicht mehr in den kompletten Ruhezustand.

Ich habe das gemerkt, als ich in diesem Jahr erstmals, seit ich Mama bin, zwei Mal für 3 Tage allein verreist war. Ich habe in diesen 2 x 2 Nächten geschlafen, ja, auch durchaus gut geschlafen, aber überhaupt nicht tief, ich brauchte wie zuhause ewig lange, um einzuschlafen, und war morgens viel zu früh wach, dafür, dass ich eigentlich hätte ausschlafen können. Obwohl ich allein war und für niemanden Verantwortung hatte, konnte ich mich, was die Schlafprobleme betrifft, in der kurzen Zeit nicht umstellen. Ich würde dringend mal wieder tiefe und lange Schlafnächte brauchen, aber es ist einfach nicht mehr möglich. Jetzt, wo die Kinder alt genug sind und mich nur noch selten nachts brauchen, ist das umso frustrierender. Ich habe das Schlafen durch die Kinder verlernt.

Bildquelle: Pixabay

Der Große war anfangs ein grauenhafter Schläfer, sowohl tagsüber als auch nachts. Stundenlang saß ich in den Nächten mit ihm im Stillsessel, musste immer wieder zu ihm, wenn er im Bett lag und schrie, und es gab viele Nächte in seinem ersten Lebensjahr, in denen er 3 Stunden knallwach war und herumgetragen werden musste. Dazu kam, dass er trotz dieser schlechten Nächte den Schlaf nicht morgens verlängert hat, sondern schon immer ein Frühaufsteher war (zwischen 5 und 6 Uhr). Das war für mich eigentlich das Schlimmste. Mit 15 Monaten verbesserte sich sein Nachtschlaf deutlich und er schlief dann ungefähr jede zweite Nacht durch, allerdings in Phasen, d.h. ein paar Tage lang gar nicht und dann einige Tage jede Nacht, vereinfacht gesagt. Es war unberechenbar, aber eine große Verbesserung. Mit 3 1/4 Jahren (da war die Kleine schon 1 Jahr alt!) schlief er dann endlich zuverlässig durch, und seitdem ist er wirklich ein super Schläfer. Er schläft gut ein und sehr tief, er kann auch in neuen Umgebungen mittlerweile wunderbar schlafen und er benötigt uns nachts eigentlich gar nicht (Ausnahmen bei Krankheit). Ich staune, wie er sich so komplett gewandelt hat und das Schlafen, das Zur-Ruhe-Kommen und Abschalten selbst mit der Zeit "gelernt" hat. Ich habe es aber zuerst durch ihn VERlernt.

Die Kleine war von Anfang an ganz anders in ihrem Schlafverhalten. Sie schlief tagsüber wunderbar im ersten halben Jahr, nachts etwas durchwachsener, aber für mich erträglicher als der Große seinerzeit. Ich bekam mehr Schlaf ab als bei ihm, da sie nachts schnell wieder einschlief und kaum lange nächtliche Wachphasen hatte. Allerdings wachte sie auch mit über einem Jahr, als der Große begann, besser zu schlafen, noch sehr oft auf und wollte teilweise alle 1-2 Stunden nachts stillen. Das war ziemlich anstrengend und ich war froh, als das vorbei war. Mit ca. 19 Monaten konnte sie durchschlafen, allerdings schläft sie bis heute (sie ist 4 1/2 Jahre) nicht zuverlässig durch, sondern wacht noch manchmal nachts auf. Es ist kurios, dass das Kind, was anfangs grottenschlecht schlief, nun der zuverlässige Durchschläfer ist und die Kleine eher die unzuverlässige Schläferin. Da ich meist bei ihr schlafe, bin ich davon natürlich auch direkt beeinflusst. In unserem Mallorca-Urlaub letzte Woche hatte sie einen solchen nächtlichen Husten (bei völliger Gesundheit tagsüber), dass ich eine Woche lang nachts kein Auge zugetan habe. Dort konnte ich ja auch nicht in ein anderes Zimmer ausweichen wie zuhause. Mit ihr habe ich schon sehr viele Nächte durch, in denen sie sich ständig erbrochen hat. Sowas kenne ich vom Großen gar nicht. Sie braucht auch viel Körperkontakt und kommt mir nachts sehr nahe, ich habe ihre Füße im Gesicht und ihre Hand an meinem Hals. Das lässt mich nicht schlafen bzw. weckt mich immer wieder auf. Sie hat aber Angst und wandert nachts in der Wohnung herum, wenn ich nicht bei ihr schlafe. Deshalb können wir daran auch im Moment nicht viel ändern.

Ich bin, selbst wenn ich schlafe, immer mit einem halben Ohr da, immer im Standby-Modus, bereit, sofort aufzuspringen, wenn ein Kind ruft, weint, schlecht träumt, erbricht oder raus muss. Mit einem Klick bin ich hellwach und einsatzfähig, so, als hätte ich gar nicht geschlafen. Einen richtigen Tiefschlaf kenne ich schon lange nicht mehr. Früher habe ich viel und lebhaft geträumt, das hat fast völlig aufgehört. Ich vermisse meinen guten, erholsamen, regenerativen, unbeschwerten Schlaf sehr!

Mir wurde gesagt, das mit dem Schlafen käme irgendwann wieder. Man könne das wieder lernen! Ich glaube da nicht dran. Ich fürchte, es ist endgültig vorbei. Ich werde nie wieder tief, lange und unbeschwert schlafen. Ich werde mich immer in Bereitschaft fühlen, auch nachts. Das Gehirn wird wohl nie wieder so abschalten können wie früher. Dass mir Schlaf fehlt, sieht man mir an. Dass mir Schlaf fehlt, fühle ich selbst. Aber ich kann ihn nicht herbeizwingen. Ich gehe spät ins Bett, weil ich sowieso wach liege. Und weil der späte Abend die einzige Zeit ist, wo ich längere Zeit ungestört und allein sein kann. Ich schlafe schon länger schlecht und das ist auch in Phasen völliger Erschöpfung der Fall. Oder eben auch, wenn ich mal allein in einem Hotelzimmer bin, was dieses Jahr erstmals vorkam. Seit fast 7 Jahren unterbrochene Nächte fordern ihren Tribut. Das Gehirn hat sich darauf eingestellt, dass es nicht schlafen darf. Und ich fürchte, dieser Vorgang ist nicht wieder umkehrbar.

Als Kind war uns unverständlich, dass unsere Eltern auch am Wochenende freiwillig um 7 Uhr aufstanden. Niemals wollten wir so werden! Aber wahrscheinlich werden wir das nicht verhindern können, denn mit eigenen Kindern verlernt man das Schlafen. Dabei würde man genau in dieser Lebensphase den Schlaf so dringend brauchen. Lieber Schlaf, komm bitte wieder zurück zu mir!

Sonntag, 5. November 2017

WMDEDGT? am 5. November 2017 - Urlaubsnachwehen

Es ist der 5. des Monats und bei Frau Brüllen werden wie immer unter #wmdedgt (Was machst du eigentlich den ganzen Tag?) Berichte des Tagesablaufes von Bloggern gesammelt. Es ist Sonntag und der letzte Tag der ersten Herbstferien meines Großen. Wir Eltern hängen noch ziemlich durch, da wir am Freitag aus unserem Sonnen-Urlaub auf Mallorca zurückgekommen sind und uns noch nicht richtig akklimatisiert haben. Deshalb war die Devise für heute: minimale Anstrengung und keine Aufregung:-)

Ab 7:15 Uhr
Alle wachen so langsam auf, der Mann geht zum Bäcker und wir frühstücken um 8:30. Danach wird Schriftkram erledigt, die Blumenkästen werden entsorgt und die letzte Maschine Urlaubswäsche gewaschen. Die Kinder streiten, toben und haben wie immer, wenn sie nicht gecoacht werden, nur Unsinn im Kopf. Der sinnlose Lärm geht an unsere nervliche Substanz, zumal die letzten beiden Wochen nicht gerade einfach waren.

10:30 Uhr
Ich verziehe mich mit dem Großen in sein Kinderzimmer und gehe mit ihm zusammen seine Schulsachen durch, denn morgen startet die Schule wieder. Dann mache ich mit ihm noch einige Leseübungen, was sonst meist der Mann übernimmt, und stelle fest, dass ich niemals Grundschulpädagogin sein könnte, denn es macht mich irre, Dinge hundertmal erklären zu müssen, die für Erwachsene selbstverständlich sind. Trotzdem ist es natürlich süß, ihm zuzuhören, wie er mühsam Buchstaben und Silben aneinander reiht (und den Sinn des Gelesenen nicht versteht, weil er so auf die Buchstaben konzentriert ist).

12:30 Uhr
Mittagessen und danach Mittagspause. Bitter nötig, denn gestern waren wir über Mittag unterwegs und konnten uns nicht ausruhen. Ich überlege derweil, was ich am Nachmittag mit den Kindern allein machen könnte, weil der Mann durchhängt und ich auch ziemlich schlapp bin. Außerdem fängt es an zu nieseln.

14:45 Uhr
Ich fahre mit den Kindern ins Zeiss-Großplanetarium und wir schauen um 15:30 Uhr das Programm "Mit Raketen zu Planeten". Die Kleine ist wie immer sehr unruhig, aber der Große macht gut mit und erinnert sich an einige astronomische Fakten. Ich kann sitzen und mich ausruhen, und da die Astronomie auch zu meinen vielen nicht gepflegten Interessen gehört, finde ich das Kinderprogramm sogar bereichernd.


17 Uhr
Wir sind zurück zuhause, essen Abendbrot und lassen den Abend ruhig ausklingen. Morgen heißt es wieder "Back to Alltag" und wir hoffen, das bringt den Kindern etwas Ausgeglichenheit zurück. Denn die beiden Ferienwochen waren sie wirklich unsäglich gelaunt und viel länger hätten wir das nicht ertragen. Insofern freuen wir uns auf Schule, Kita und Arbeit und trotzdem hoffe ich, dass die dunklen Monate November und Dezember schnell vorbei gehen;-). Kommt gut in die Woche!

Mehr #wmdedgt gibt es bei Frau Brüllen.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Unser Wochenende in Bildern 28./ 29. Oktober 2017 - Urlaubsedition

Ich melde mich mit ein paar schönen Bildern von Sonne, Strand und Meer aus unserem Mallorca-Urlaub. Da wir am Freitagabend erst angekommen sind, haben wir am Wochenende noch nichts Großes unternommen, sondern erstmal nur unsere Hotelanlage und Umgebung erkundet. Am heutigen Sonntag starteten wir dann mit einer kleinen Schifffahrt. Bei diesem phantastischen Wetter sind tolle Bilder entstanden.

Samstag

Am Freitag waren wir durch eine Flugverspätung leider erst abends im Hotel und die Kinder spät im Bett. Die erste Nacht im Hotel ist ja sowieso immer schwierig und so erwachten wir am Samstag alle etwas derangiert. Bei mir überwog sehr schnell die Freude über das schöne Wetter, den herrlichen Blick auf's Meer und das Urlaubsglück und -privileg, aber den kleinen Familienmitgliedern ging das anscheinend nicht so, denn es wurde den ganzen Tag gemotzt und gemeckert, was das Zeug hielt. Schlechte Laune vom Feinsten bei beiden Kindern und dementsprechend auch irgendwann bei uns. Anstrengend!

Morgens war unser Ausblick vom Balkon dieser:


Nach dem Frühstück erkundeten wir unsere Hotelanlage, die auf einem Felsplateau liegt und an 3 Seiten von Wasser umgeben ist. Traumhaft!





Dann ging es in den Kinderbereich. Toll ist der Piratenschiff-Pool. Im Kinderclub gab es einen kleinen Parcours, wo die Kinder einiges mitmachten und Halloween-Süßkram absahnten..


Die Kinder wollten auch unbedingt schon den Pool testen, obwohl es wegen des Windes etwas zu kühl war. Das merkten sie aber schnell selbst.


Nach dem Mittagessen machten wir eine Pause, weil alle noch sehr müde waren, und die Kleine schlief ein. Das gab es schon seit einem Jahr nicht mehr. Wir ließen sie und gingen am Nachmittag zum Strand, einer schönen Bucht unterhalb unseres Hotels, wo einige Unerschrockene großen Spaß am Wellengang hatten.



Dort blieben wir bis zu den goldenen Strahlen der Abendsonne. Das Abendbrot war, wie gerade alles hier, von Halloween geprägt. Das scheint hier echt ein Hype zu sein. Bisher hatten wir das Thema erfolgreich von unseren Kindern ferngehalten.


Natürlich wurde der Kinderdisco noch ein Besuch abgestattet und es ging wieder recht spät ins Bett. Die Nacht der Zeitumstellung folgte. 

Sonntag

Wir schliefen mit Unterbrechungen durch Husten bis 7 Uhr. Muss man ja schon fast dankbar sein. Timehop erinnerte mich an die Aufwachzeiten der letzten Jahre. Der Sonnenaufgang sah so aus:


Es war windstill und schon recht warm. Ich schlug vor, eine kleine Schifffahrt zu machen. Wir nahmen gleich das erste Schiff um 9:30 Uhr, das unterhalb unseres Hotels startete, und waren die einzigen Gäste. Ein Schiff nur für uns allein! Die Tour ging an den Calas de Mallorca entlang, wunderschönen Buchten und Höhlen an der Ostküste.



Zurück im Hotel holten wir uns einen kleinen Snack und Getränke und setzten uns auf die Plaza, wo heute Hüpfburgen aufgebaut waren. Auf der Bühne gab es Zumba, die Kinder waren beschäftigt und es fühlte sich herrlich nach Urlaub an. Vor dem Mittagessen probierten die Kinder nochmal den Pool aus.

Am Nachmittag gingen wir zum Strand und wunderten uns, dass der Schatten so früh kam, bis uns einfiel, dass es ja gestern eine Stunde später war;-). Der Große und ich wagten sich ins Wasser. Eine erfrischende Angelegenheit...



Der Sonnenuntergang (hinter einem Berg) war um 17:38 Uhr. Morgen haben wir einen Mietwagen gebucht und wollen ein wenig herumfahren. Die Stimmung der Kinder ist immer noch sehr durchwachsen und das ist derzeit das Einzige, was diesen Urlaub bei herrlichem Wetter und in einer wunderschönen Umgebung stört. Abgesehen davon finde ich es traumhaft, bin dankbar, dass wir aus dem trüben Herbst in Deutschland ausbrechen können und soviel Glück mit dem Wetter haben.


Mehr Wochenenden in Bildern findet ihr wie immer bei Geborgen Wachsen.

Montag, 23. Oktober 2017

Gartenfrust 2017

Unser Garten hat uns in diesem Jahr mehr Frust als Freude gebracht. Nur Arbeit, fast ohne ihn nutzen zu können. Wegen miesen Wetters mehrmals abgesagte Einladungen und Verabredungen. Bei jedem Besuch neue Baustellen wie riesengroße Wespennester, ein kaputter Sichtschutz oder ein aufgewühlter Rasen. Bis auf's Blut streitende Kinder, die erst überhaupt nicht hinfahren wollten und sich dort nur in der Wolle hatten. Wuchernde Pflanzen, unzählige Nacktschnecken, aggressive Mücken, deren Stiche den Kindern dicke Beulen bescherten, Unkraut überall. Eine so geringe Obst- und Gemüseernte wie noch nie zuvor, ich staunte immer über die Instagram-Bilder anderer Gartenbesitzer. Selbst unser Apfelbaum, der im letzten Jahr wunderschöne Schneewittchen-Äpfel hervorgebracht hatte, produzierte nur Ausschuss. Es war frustrierend.


Einerseits lag es am wirklich schlechten Frühlings- und Sommerwetter in Berlin. Ich lebe jetzt seit 23 Jahren hier, aber so einen miesen Sommer habe ich noch nie erlebt. Und wenn mal schönes Wetter war, dann unter der Woche, doch an den Wochenenden regnete es oft. Da wir aber meist nur am Wochenende hinaus in den Garten fahren können, ist das natürlich ungünstig, gelinde gesagt. Die Gartenarbeit, für die Elektro-Geräte benötigt werden, dürfen wir auch nur bis Samstag Mittag machen, danach und am Sonntag ist Ruhezeit. So mussten wir dieses Jahr oft im Nieselregen am Samstag Vormittag den Rasen mähen. Andere Arbeiten wie Hecke schneiden haben wir dann meist händisch (nicht elektrisch) erledigt, da die mögliche Arbeitszeit schon wieder vorbei war. Und ein Genießen des Gartens war fast nie möglich, wir mussten uns oft im Haus aufhalten, da es am Wochenende immer wieder regnete. Das haben wir in den letzten 7 Jahren als Gartenbesitzer noch nie so extrem erlebt.

Symbolbild des Sommers

Auf meiner Mutter-Kind-Kur hatte ich mir vorgenommen, im Sommer MEHRMALS! ALLEIN! im Garten zu übernachten, um ab und zu etwas Abstand vom Familientrubel zu haben. Im letzten Jahr hatte ich zum ersten Mal, seit wir den Garten haben, jeweils mit einem Kind im Garten übernachtet und das klappte gut. Genau das wollte ich in diesem Sommer allein machen und freute mich drauf. Was soll ich sagen: es scheiterte nicht am Willen, sondern am Wetter bzw. den Umständen. Es gab kein Wochenende, wo alles passte, wo es auch nachts warm genug war, man nicht von Mücken zerstochen wurde und kein Regen angekündigt war. Dass es überhaupt nicht heiß war, merkten wir auch in unserer Dachgeschosswohnung, die sich sonst im Sommer total schnell aufheizt. Dieses Jahr gar nicht. Von der Sonne verbranntes Gras im Garten und in unserem Park existierte 2017 nicht. Außerdem sind wir natürlich auch nicht jedes Wochenende zuhause gewesen. Unter der Woche wiederum geht das mit dem Übernachten nicht, da die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sehr schlecht ist. Ich bin echt frustriert, dass ich meine Vorsätze diesbezüglich nicht umsetzen konnte. Nun hoffe ich sehr auf nächstes Jahr.


Die Kinder hatten oft keine Lust, in den Garten zu fahren, und haben sich dann aus ihrer schlechten Laune heraus geärgert und gepiesackt. Wir mussten viel schimpfen und waren genervt. Die Mittagspause klappt im Garten nicht so wie zuhause und geschlafen wird ja sowieso nicht mehr. Auch der Mann verlor immer mehr den Antrieb hinzufahren, und selbst ich dachte zum ersten Mal ans Abgeben des Gartens. Das hatte ich noch nie, schließlich ist er meine Ruheoase und Ausgleich zum Großstadtleben. Außerdem würde dann nicht nur der Garten fehlen, sondern auch die Felder hinter unserem Garten, die Heckrinder, Wildpferde und Störche, die Spazierwege, die Heuballen, wilden Obstbäume und die Weite des Landes. Ich war total traurig über meine eigenen Gedanken des Aufgebens, aber die Umstände waren dieses Jahr wirklich bescheiden.


Nur ein einziges Mal haben wir so richtig, nämlich einen ganzen Nachmittag, geplanscht, nur zweimal überhaupt Besuch im Garten gehabt. Selten gegrillt, nicht übernachtet, oft in der Hütte gesessen, um den Regenschauer abzuwarten und uns jedesmal geärgert. Über die viele Arbeit, die seltenen Gelegenheiten, hinzufahren und eben das Wetter. Ich weiß, das kann man nicht ändern, aber noch nie hat der Frust so deutlich die Freude am Garten überwogen. Und nicht zuletzt ist das auch ein finanzieller Posten, der umso mehr weh tut, je weniger man den Garten nutzen kann.

Tja, was sollen/ können wir tun? Aufgeben? Auf ein neues, besseres Jahr hoffen? Öfter mal spontan unter der Woche rausfahren im nächsten Sommer? Das wiederum lohnt sich zeitlich kaum und bringt meist Stress und abends schreiende Kinder. Außerdem hatten die Kinder sowieso meist keine Lust und meckerten, dass sie nicht in den Garten wollten. Ich verstehe absolut nicht, warum sie zunehmend ungern hinfahren, es ist eigentlich ein Paradies für Kinder, mit dem Spielturm*, der Wasserbahn*, dem Sandkasten* und jeder Menge Spielzeug. Sie dürfen jedesmal bei der Gartenarbeit helfen, haben auch spezielle Gartenutensilien* für Kinder.


Sie dürfen natürlich direkt von den Sträuchern naschen, sie pflanzen mit mir zusammen und wir gehen oft in die wunderschöne Umgebung auf unsere Felder hinaus, wo wir Drachen steigen lassen, die Tiere besuchen, den Kreislauf der Landwirtschaft beobachten und wildes Obst pflücken. Für mich ist das wirklich traumhaft, aber es fällt mir zunehmend schwer, die schlechte Laune der Kinder im Garten auszugleichen und sie zu motivieren. Denn ich selbst möchte genießen und nicht an meinem Ruheort vollgemeckert werden. Die Streiereien der Kinder hört man schon im ganzen Umfeld und das ist zermürbend.


Das Gartenjahr 2017 ist vorbei, wir haben den Garten schon winterfest gemacht und kommen nur noch für kleine Arbeiten vorbei. Ich hoffe ganz sehr, dass das nächste Jahr in jeder Hinsicht besser wird und vor allem die Kinder wieder mehr Freude am Garten empfinden können. Wenn nicht, weiß ich nicht, ob wir ihn behalten. Wir haben ihn damals im Frühjahr 2010 übernommen, kurz bevor ich mit dem Großen schwanger wurde. Mir bedeutet er sehr viel, aber ich kann ihn nicht gegen den Widerstand meiner Familie, vor allem der Kinder, halten. Ich verstehe diese Abneigung, diesen Unwillen der Kinder nicht und weiß auch nicht, was man da tun kann. Nun warten wir einfach mal ab, was das nächste Jahr bringt. Mehr Frust als Freude ist jedenfall auf Dauer unbefriedigend!


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Freitag, 20. Oktober 2017

Die ersten Ferien!

Die ersten Ferien für meinen Großen! Wahnsinn, wie schnell die 6 Wochen seit seiner Einschulung vergangen sind. Ich erinnere mich, wie elend lang für mich als Kind die Schulwochen immer waren und wie weit entfernt die nächsten Ferien schienen. Kinder haben ja doch eine ganz andere Zeitwahrnehmung als Erwachsene. Nun, da ich selbst Mama eines Schulkindes bin, staune ich, wie rasant die Wochen verflogen sind. Aber vor allem staune ich darüber, wie ruhig und problemlos die Umstellung geklappt hat und wie ausgeglichen der Große ist. Das hätte ich niemals so erwartet.

Ich habe erwartet und wurde auch von vielen Seiten darauf vorbereitet, dass die ersten Wochen schwierig und anstrengend werden und es mindestens bis zu den Herbstferien, oft sogar bis zum Ende des ersten Halbjahres, dauern würde, bis sich das eingeschulte Kind und alle Familienmitglieder an die Veränderungen, die neuen Anforderungen, den anderen Rhythmus gewöhnt hätten. Ich habe wahlweise mit völliger Überforderung und Überreizung, mit Aggressionen, mit Wut, mit Verzweiflung, mit Unlust und Boykott oder auch mit Apathie gerechnet und mich auf eine lange, anstrengende Zeit des Tröstens, Ausgleichens und Aufmunterns eingestellt. Ich hatte Angst davor, wieder der Puffer für viele negative Emotionen des Großen zu werden, wie schon so oft. Und ich hatte natürlich auch befürchtet, dass er meine Angst und Skepsis spüren würde.

Nichts davon ist eingetreten. Ich kann es selbst bis heute nicht glauben und erwartete täglich ein Platzen der Bombe, ein Ausrasten, ein Verweigern oder Zusammenbrechen von ihm. Ich erwartete ein Auf und Ab der Emotionen und Stimmungen, Müdigkeit und Erschöpfung, Verwirrung, Überforderung, Frust und Tränen. Dass es anders gekommen ist, finde ich unglaublich toll. Er ist da so pflegeleicht durchgegangen, dass wir, abgesehen vom organisatorischen Kram, fast nichts von der Veränderung gemerkt haben. Überhaupt, schon der Begriff "pflegeleicht" in Zusammenhang mit einer Umstellung im Leben des Großen liest sich fast unglaublich.

Ich glaube weiterhin, dass einen großen Anteil daran das Verbleiben in seinem gewohnten Umfeld inklusive vertrauter Freunde und anderer Kinder hatte. Das macht für Charaktere wie ihn unheimlich viel aus und ich bin froh, dass ich das als eines der ausschlaggebenden Kriterien für die Anmeldung auf der normalen Einzugsgrundschule herangezogen habe. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie verlassen und einsam er sich allein auf einer fremden Schule, in einer völlig neuen Umgebung gefühlt hätte. Er ist nicht der offene Typ, der schnell neue Kontakte knüpft und auf andere zugeht. Hier an seiner Schule geben ihm die Kinder, die er kennt (und das sind nur einige wenige unter 600 Schülern) Halt und er konnte dadurch auch schon ein paar neue Freunde finden. Das ist für mich schön zu sehen.

Er hält mit seinem neuen Wissen, seinen erlernten Kenntnissen und neuen Abläufen ziemlich hinter dem Berg und sprudelt nicht automatisch alles heraus, was er am Tag gelernt und erlebt hat. Manche Fragen über den Schulalltag, die ich ihm so stelle, kann er gar nicht beantworten. Ich denke, sein Gehirn schützt sich vor zuviel Input, indem es alles ausblendet, was nicht direkt "lebensnotwendig" im Schulleben für ihn ist. Das ist okay, ich kenne das selbst auch. Er ist aber ganz stolz, wenn wir seine Aufgabenblätter, bei denen er meist volle Punktzahl erreicht, aus seiner Postmappe rausholen und anschauen. Das Lesen und Schreiben lernen schreitet ganz langsam voran, aber auch das finde ich völlig in Ordnung, ich bin da komischerweise gar nicht so ungeduldig wie sonst. Seine Lehrerin wird es ihm schon beibringen. Bis jetzt gibt es keine Probleme oder Sorgen. Ich würde mir wünschen, dass die Klasse öfter und länger nachmittags rausgeht, aber das ist eben erzieherabhängig. Noch wichtiger ist mir, dass darauf geachtet wird, dass die Hausaufgaben im Hort erledigt werden, und das ist glücklicherweise der Fall. Denn dann kann ich beruhigt nachmittags mit den Kindern genau wie bisher auf den Spielplatz oder in den Park gehen.

In den 6 Wochen seit seiner Einschulung hat er die ersten beiden Milchzähne verloren. Er ist mit einem Nasenbeinbruch gestartet und kann mittlerweile wieder alles regulär mitmachen. Er geht allein (oder mit anderen Kindern) das letzte Stück des Weges bis hoch in seinen Klassenraum, hat aber keine Ambitionen, die darüber hinaus reichen. Er erledigt seine Aufgaben wunderbar, macht aber nichts Zusätzliches. Ich sehe, was ich schon länger wahrnehme, nämlich dass er kaum Ehrgeiz hat, sich selbst etwas Neues beizubringen oder etwas zu machen, was über die Anforderungen hinausgeht. Selbst im Rechnen, was ihm liegt, versucht er nicht selbstständig voranzukommen. Aber solange er die Anforderungen erfüllt, sich Mühe gibt und nicht unwillig dabei ist, bin ich auch zufrieden. Spezielle Interessen und damit eine intrinsische Motivation kommen vielleicht im Laufe der Zeit. In den letzten Wochen ging es vor allem darum, diese große Umstellung so reibungslos wie möglich zu gestalten.

In der ersten Ferienwoche wird er 2 Tage in den Ferienhort gehen, an den restlichen Tagen ist er anderweitig verplant. Und am nächsten Freitag fliegen wir für eine Woche in den Urlaub, da die Kita in der 2. Ferienwoche ebenfalls geschlossen ist. Juhu, wir freuen uns. Und dann beginnt der nächste Abschnitt unseres Schulkindes!