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Montag, 4. September 2017

Eine Reise nur für mich und die Kleine

In meinem Bericht über unseren Sommerurlaub an der Ostsee hatte ich ja am Ende erwähnt, dass ich noch anderthalb Tage Exklusivzeit mit der Kleinen rangehangen hatte, um sie eventuell etwas aus ihrem wütenden, unausgeglichenen Zustand herauszuholen, in dem sie nun schon seit vielen Wochen steckt. In den Reaktionen auf meine Klagen über ihre Wandlung, wie hier beschrieben, wurde mein Gedanke von mehr Exklusivzeit für sie positiv aufgenommen und im Laufe unseres Urlaubs entschloss ich mich, ihr ein kleines Abenteuer, aus dem sie vielleicht etwas positive Energie ziehen könnte, zu ermöglichen.

Der Große hatte seinerzeit auch mit 4 1/4 Jahren das erste Mal allein mit dem Papa einen anderthalb-Tage-Trip mit Hotelübernachtung gemacht und auch im vergangenen Jahr war er ein paar Tage mit dem Papa allein verreist. Zusammen mit den Aufenthalten bei den Großeltern, den 3 Kitafahrten und unseren gemeinsamen 3 Wochen Mutter-Kind-Kur im Frühjahr war er doch schon vergleichsweise oft auf Reisen, im Gegensatz zur Kleinen, die all das noch nie gemacht hatte. Deshalb hielt ich es für einen guten Ansatz, ihr das mal zu ermöglichen und einfach zu schauen, ob es etwas an ihrer Unzufriedenheit bewirkt.

Die Umstände waren für mich sehr bequem, ich buchte noch im Urlaub eine Hotelübernachtung in Rostock, in dessen Nähe wir urlaubten, und besprach mit dem Mann, dass er uns am Abreisetag dort am Zoo absetzen sollte, den ich mit der Kleinen besuchen wollte, da sie im Gegensatz zum Großen Zoobesuche und Tiere liebt. Ich sparte mir also eine Anreisestrecke, kannte das Hotel schon und die Stadt sowieso. So war ich mental entspannt, auch wenn ich etwas Bauchschmerzen bezüglich der Kleinen hatte. Denn mit ihrem schrillen Gekreische und den vielen Schimpfwörtern ist sie zur Zeit nicht gerade die ideale Reisebegleitung.


Am Abreisetag fuhren wir also vormittags nach Rostock und verbrachten zu viert noch etwas Zeit am Stadthafen, bevor sich die Männer auf die Autobahn verabschiedeten. Die Kleine und ich gingen in den Zoo Rostock, der recht groß ist, da er aus zwei Teilen besteht. Zum Glück hatte ich mir vorher schon überlegt, einen Bollerwagen auszuleihen, da ich das Gepäck ja dabei hatte und die Kleine in der Mittagszeit müde und lauffaul sein würde. Das war goldrichtig, so konnten wir fast den ganzen Zoo durchwandern. Ich hoffte, dass sie im Bollerwagen einschlafen würde, weil ich eigentlich auch eine kleine Pause brauchte, aber den Gefallen tat sie mir nicht. Besonders glücklich war sie, als wir durch das Darwineum stromerten; ein Besuch bei den Menschenaffen ist doch immer wieder ein Highlight.




Nach 5 Stunden Zoomarathon fuhren wir mit der Straßenbahn in unser Hotel. Eigentlich wollte ich unterwegs noch mit ihr essen gehen, aber wir waren zu kaputt und kauften nur ein Brötchen für's Zimmer. Im Hotel angekommen, begeisterte sie sich gleich wieder für die hoteleigenen Meerschweinchen und bestand darauf, eine Zeitlang allein bei ihnen in der Rezeption zu bleiben, während ich hoch in unser Zimmer ging. Zuletzt waren wir zur Beerdigung meines Schwiegervaters dort gewesen. Ich war sehr müde und als sie schlief, las ich nur noch eine Weile im dunklen Zimmer am Handy.


Insgesamt war sie seit der Verabschiedung der Männer sehr ruhig gewesen, um nicht zu sagen scheu, was mich sehr wunderte und irritierte. Es gab klitzekleine Konfliktsituationen, aber nichts im Vergleich zu dem, was wir seit Wochen mit ihr durchmachten. Sie war wieder wie ausgewechselt, ein komplett anderes Kind. Allerdings auch anders als früher, viel zurückhaltender, unsicherer. Mir schien, als ginge es ihr nicht gut, aber sie sagte, es sei alles in Ordnung. Wahrscheinlich hat sie die ungewohnte Situation auch eingeschüchtert, vielleicht hat sie gemerkt, dass das, was sie sich gewünscht hat, doch ganz schön aufregend ist. Ich weiß es nicht. Es war jedenfalls ein für die Nerven ruhiger, aber körperlich ziemlich anstrengender Tag gewesen.

Am nächsten Morgen frühstückten wir gemütlich im Hotel und währenddessen hörte auch der Regen auf. Ich wollte eigentlich einen kleinen Stadtbummel mit ihr machen und hoffte, dass das mit ihr möglich sei. Schon nach wenigen Metern jammerte sie, dass sie nicht mehr laufen konnte. Auf einem kleinen Spielplatz fiel sie hin und danach war die Laune endgültig durchwachsen. Wir schafften es gerade mal bis knapp hinter's Kröpeliner Tor, gingen dann zu Hugendubel, um sie ein wenig abzulenken, und danach hatte sie schon wieder Hunger, so dass ich Pommes für sie kaufte. Alles in allem hatten wir eine Strecke von 15 Minuten in anderthalb Stunden zurückgelegt. Ich plante also lieber großzügig für den Weg zurück zum Hotel und zum Busbahnhof...


Ich war ziemlich enttäuscht, dass wir nicht wenigstens eine kleine Innenstadtrunde geschafft hatten. Nichts hatten wir gesehen, alles war mühsam gewesen. Wäre es eine fremde Stadt für mich gewesen, die ich kennenlernen wollte, wäre ich sehr frustriert gewesen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass ihr es Spaß machen würde, mit Mama allein eine andere Stadt zu erkunden. Wir gingen zurück ins Hotel, checkten aus und machten uns auf den Weg zum Busbahnhof. Diese Strecke ging sie bereitwillig, wenn auch langsam, mit, und wir hatten noch etwas Zeit zum Essen, als wir ankamen. Ich hatte ja wohlweislich auch anderthalb Stunden Puffer angesetzt. Die Rückfahrt mit dem Fernbus war von einem vorhersehbaren Stau geprägt, der uns eine Stunde später als geplant ankommen ließ. Wenigstens schlief sie eine Stunde. Da wir nach Ankunft noch mit dem Nahverkehr nach Hause fahren mussten, waren wir vom Hotel bis zur Ankunft zuhause insgesamt 6 Stunden unterwegs gewesen, für eine reine Fahrtstrecke von etwas über 2 Stunden. Ich war sehr erschöpft und dankbar, dass es schon Abend war.


Auch an diesem Tag erschien die Kleine mir sehr ruhig und verhalten und nichts ließ auf die aktuelle "Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand"-Mentalität schließen. Wieder gab es normale kleinere Differenzen, aber keine Wutausbrüche, Beleidigungen, Schimpfwörter oder körperliche Aggressionen aus ihrem üblichen Repertoire. Ich fand es merkwürdig, sie so zu erleben, und empfand sie fast als ein wenig verstört, als hätte ihr Selbstbewusstsein einen Dämpfer bekommen. Obwohl sie mit mir, ihrer Bindungsperson Nr. 1, zusammen war, schien sie mir aus ihrer üblichen Routine und damit auch aus aktuellen Verhaltensweisen herausgerissen zu sein. Natürlich fehlte auch der große Bruder, mit dem sie sich sonst ein Scharmützel nach dem anderen liefert.

Insgesamt hatte ich nicht den Eindruck, dass diese kleine Exklusivreise nun das gewesen ist, was ihr fehlte und was sie unbedingt wollte. Dafür war sie zu verhalten gewesen, sie, die sonst immer so begeisterungsfähig ist und ihre Emotionen auf der Zunge trägt. Auf Nachfrage hat es ihr zwar gefallen, aber man hat gemerkt, dass sie ihre Selbstsicherheit nur in ihrem gewohnten Umfeld an den Tag legt. Die große Frage, ob sich nun etwas in ihrem Verhalten geändert hat, lässt sich gar nicht so leicht beantworten. Denn nach unserer Rückkehr fuhr der Große eine Woche zu Oma und Opa und es war insgesamt ruhiger. Danach war sie krank und letzten Freitag hatte der Große einen Unfall im Schulhort mit der Folge Nasenbeinbruch, so dass bei uns sowieso Ausnahmezustand war. Ich werde beobachten, wie sich alles weiter entwickelt.

Obwohl ich selbst überhaupt nichts von diesem Kurztrip hatte und mich wirklich geärgert hätte, wenn ich die Stadt noch nicht so gut kennen würde, finde ich es trotzdem gut, es mal ausprobiert zu haben. So hat sie gemerkt, wie das ist und was alles dazu gehört. Mir ist bewusst, dass eine Exklusivzeit allein nicht ausreicht, um ihre generelle Lebensunzufriedenheit ("Alles ist blöd!" sagt sie ständig) umzuwandeln, und ich hätte gedacht, dass sie mehr aus dem Häuschen sein würde. Aber es ist, wie es ist, und wir haben es zumindest probiert. Mit etwas Abstand werde ich sie auch später nochmal befragen, wie sie die anderthalb Tage denn fand. Jetzt machen wir erstmal mit kleinen Exklusivzeiten im Alltag weiter. Und hoffen weiter auf Beruhigung ihres Gemüts.

Montag, 23. Januar 2017

Was für ein schöner Sonntag!

Oft genug gab es hier von anstrengenden, nervenaufreibenden Wochenenden, Urlauben und Ferien zu lesen, ja selbst einzelne Schließtage brachten mich, genauso wie den Mann, manchmal an den Rand unserer Nerven. Deshalb möchte ich heute ganz bewusst mal von einem wunderschönen Tag mit den Kindern erzählen, als positiven Gegenpart zu manchem Negativbericht hier und für mich selbst als Erinnerung daran, dass diese Tage existieren, dass vieles jetzt möglich ist, was früher undenkbar war, dass ich mittlerweile viel mehr Dinge als früher ohne Nervenzusammenbrüche oder völlige Erschöpfung schaffe und dass es nicht nur anstrengend, sondern auch richtig toll mit den Kindern sein kann. Ich kam gestern so zufrieden, ausgeglichen, erfüllt, selig, vollgetankt mit frischer Luft, Kinderteamgeist und Stärke von meinem Ausflug mit den Kindern nach Hause und dachte, warum kann es nicht immer so sein? Nicht mal meine Erkältung hat gestört...

Als der Mann sich morgens mit Migräne ins Bett legte, spielten wir erst noch ein bisschen zuhause, aber mich zog es raus, denn das Wetter war grandios, Sonne, blauer Himmel, eiskalt, aber trocken und die Vögel zwitscherten, als wäre schon Frühling. Wir packten uns total dick ein, denn ich wollte mit den Kindern in den Zoo fahren. Erst fürchtete ich, dass der Große bei der Bekanntgabe des Ausflugsziels mosern würde, denn bekanntlich ist er nicht gerade tiervernarrt und hat noch vor wenigen Wochen kundgetan: "Boah nee, für Zoo bin ich zu alt!" Aber die Kleine war beim letzten Besuch eines Zoos in einer anderen Stadt (in unserem Weihnachtsurlaub) total traurig gewesen, dass sie keine Elefanten gesehen hatte (wir hatten ein Abendticket und keine Zeit mehr), so dass ich ihr versprochen hatte, bald Elefanten zu besuchen. Erstaunlicherweise kam der Große bereitwillig mit und so fuhren wir drei mit Bus und U-Bahn zum Zoo, wo wir um 11:30 Uhr ankamen. Ich war gespannt, wie lange die Kinder durchhalten würden (zwar schlafen sie nun mittags nicht mehr, aber wir machen immer eine Mittagspause zuhause) und besonders war ich auf die Laune des Großen gespannt, denn er hatte tatsächlich von Anfang an bei jedem Zoobesuch schlechte Laune gehabt. Früher fragten wir uns immer, was denn mit ihm los sei, immerhin begeisterten sich doch "ALLE" anderen Kinder für Tiere, nur er nicht und war im Gegenteil immer total motzig und mies drauf. Mittlerweile wissen wir, dass Tiere ihn eben nicht so superdoll interessieren und es ihm sicherlich auch oft alles zu viel und zu fremd war, die strengen Gerüche, das Gedrängel vor den Gehegen etc. Ehrlich gesagt, ging mir das auch oft so. Je älter er wird, umso mehr fragt er aber, wo bestimmte Tiere leben, wie alt sie werden etc., interessiert sich also mehr für die Fakten als die Lebewesen. Ich glaube, auch dies war bei mir früher ähnlich.

Die Kleine war selig, als sie ihre Elefanten sah, und auch der Große zeigte keine Ansätze seiner sonstigen Zoo-Aversion. Wir gingen zu den Giraffen und schauten lange zu; dass die eine Giraffe den Urin der anderen, gerade pullernden Giraffe mitten im Strahl mit der Zunge auffing, fanden sie natürlich zum Schießen und erzählten es dem Papa abends überschwänglich. Dann ging es an einigen anderen Freigehegen entlang zum Restaurant, denn wir hatten Hunger. Nach dem Mittagessen schwächelten beide Kinder etwas, der Große jammerte, die Beine täten ihm weh, obwohl wir gerade gesessen hatten, und die Kleine wollte immer öfter in den Buggy. Wir besuchten noch die Fütterung im Affenhaus...

und waren kurz im Raubtierhaus, aber dann ging erstmal nichts mehr - außer: Spielplatz! Auf dem (wirklich tollen Abenteuer-) Spielplatz war alle Müdigkeit vergessen und die Kinder turnten ausgelassen herum. Auch dieser Spielplatz hatte den Großen wegen seiner Größe und Vielfältigkeit lange Zeit überfordert. Man kann /muss sehr viel klettern, es gibt verschlungene Wege durch die Holztürme, wackelige Hängebrücken in luftiger Höhe und schnelle und hohe Rutschen, vor denen er immer Respekt hatte. Nun entfernt er sich sogar freiwillig von mir, probiert alles aus, traut sich Dinge zu und schaut, was die größeren Jungs machen. Immer mehr findet er die Herausforderungen klasse. Es ist so schön, solche Entwicklungen zu sehen. Naja, und die Kleine hat ja sowieso kaum Berührungsängste und klettert manchmal sogar dem Großen voran. Auch für mich war es total schön, denn ich musste zwar aufpassen und die Kinder im Auge behalten, aber hatte ansonsten mental Ruhe und konnte die Luft und Sonne genießen.

Nach dem Spielplatz gingen wir noch einen Kakao trinken und anschließend nochmal in eine andere Ecke des Zoos, wo wir selten waren. Es gab kein Gemecker und Gejaule, sie machten alles super mit. Um 16:30 Uhr fuhren wir wieder nach Hause. Ich fürchtete, dass die Kleine in der U-Bahn einschläft, aber das war zu aufregend. Kurz nach 17 Uhr kamen wir zuhause an und waren über 6 Stunden unterwegs gewesen. Solche Ganztagesausflüge machen wir eigentlich sehr selten, wegen der (uns wichtigen) Mittagspause und weil das auch für die Kinder anstrengend ist, aber diesmal bot es sich aufgrund des grandiosen Wetters wirklich an und ich war begeistert, dass es so gut klappte.

Zuhause angekommen, hatten wir alle rote Wangen und glänzende Augen, auch die Kinder waren ausgeglichen, fröhlich und gar nicht überdreht, wie sonst manchmal, wenn alles zuviel war. Sie berichteten dem Papa ausgelassen von ihren Erlebnissen. Und ich selbst war so richtig glücklich und erfüllt. Dass so etwas jetzt geht, dass ich es genieße und dass ich nicht abends völlig erschöpft zusammenbreche, ist ein unglaublicher Fortschritt auf allen Ebenen. Nun nehme ich diese positive Energie mit in die Woche und wenn wiedermal ein Ausflug so richtig mies lief, die Kinder nur meckerten und nichts klappte, dann lese ich diesen Text und erinnere mich an diesen WUNDERSCHÖNEN SONNTAG, der wirklich so war, wie ich es mir immer wünschen würde.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Sind alle Kinder tiervernarrt?

Irgendwie dachte ich früher immer, alle Kinder interessieren sich für Tiere. Haustiere, Wildtiere, im Zoo, im Wald, auf dem Bauernhof. Ein Ausflug in den Tierpark würde bei Kindern höchste Begeisterungsstürme und größte Dankbarkeit auslösen. Tierbücher werden exzessiv angeschaut, Tierstimmen nachgeahmt, auf der Weltkarte nachgesehen, wo die Tiere leben etc. Es wird mit Tierfiguren gespielt, Kuscheltiere werden gesammelt, Tierverkleidungen werden geliebt. Nur wenig davon ist bei uns der Fall.

Der Große hat sich eigentlich nie für Tiere interessiert. Schon als Baby schaute ich mit ihm niedliche Tierbücher wie Mein erstes großes Fühlbuch an, machte Tiergeräusche nach und wartete darauf, dass er nachahmen würde. Das erfolgte nie. Er bekam eine Arche Noah ähnlich der von PLAYMOBIL 123 und spielte kaum damit (erst die Kleine nutzte sie später). An seinem 1. Geburtstag besuchten wir mit ihm den Zoo und meinten, ihm ein unvergessliches Erlebnis zu bescheren. Er hat sich nicht nur NULL für die Tiere interessiert, er hat sogar die ganze Zeit gemeckert und gequengelt. Es war ein wenig enttäuschend. Auch die wenigen darauffolgenden Male wurden nicht besser. Ich dachte, er müsste sich vielleicht erst dran gewöhnen und vertrauter mit den Wildtieren werden, aber dem war nicht so. Nach der Geburt der Kleinen hatten wir eine vergünstigte Babycard für den Zoo gekauft (die es jetzt wohl nicht mehr gibt). Wir nutzten sie aber nicht sehr oft, da der Große sich weiterhin mehr oder weniger nur für den Spielplatz im Zoo interessierte. Und die Kleine war ja sowieso noch ein Baby.

Der Große an seinem 1. Geburtstag im Zoo. Sein Gesichtsausdruck sagt alles.

Es war nicht so, dass wir ihn nicht an Tiere herangeführt hätten. Oft besuchten wir in unserem Park die Ziegen und die Vogelvoliere, aber auch das konnte ihn nicht hervorlocken. In unserer Nähe gibt es einen Kinderbauernhof mit Schafen, Ziegen, Eseln, Hasen, Gänsen und vielen Spielgeräten. Nach ca. 3 Versuchen ließ ich es bleiben und ging kaum noch mit ihm hin. Es war einfach zu frustrierend, er wusste nicht, was er dort machen sollte, er ging weder von selbst noch mit mir von Gehege zu Gehege, wollte immer auf den Arm. Er hat sich nicht gemerkt, wo welche Tiere untergebracht waren, fragte nie danach und bat nie darum, wieder zum Kinderbauernhof gehen zu können. Wir hatten ihm viele Tierfiguren gekauft, weil wir davon ausgingen, dass alle Kinder gern damit spielen. Nicht ein Mal hat er sie selbstständig angerührt, und auch, wenn wir ihm was vorgespielt haben, kam kein Interesse auf. Wir fanden das sehr ungewöhnlich. Fragt man ihn nach seinem Lieblingstier (wir müssen jetzt oft Freundebücher ausfüllen), kommt lange gar nichts und dann zögerlich sein Kuscheltiger und der T-Rex (von Kitafreund aufgeschnappt). Also nichts, was man sich unter einem Lieblingstier vorstellt. In unserem Garten hat er nie Ameisen gejagt oder Regenwürmer gesammelt. Schneckenhäuser sammelt er ganz gern :). Im Kurzurlaub mit dem Papa hatte dieser ihm sogar eine exklusive Kinderführung durch den örtlichen Zoo organisiert, inklusive hautnaher Fütterungen. Auch dies stieß nicht auf große Begeisterung.

Die Kleine war anders, sie schaute gern Tierbücher an, ahmte auch Tierstimmen nach und hörte fasziniert zu, wenn wir Tiergeräusche machten. Sie interessierte sich schon früh für die Tiere im Kinderbauernhof und mit ihr machte es Spaß, diesen zu besuchen, da sie eigenständig von Stall zu Stall lief. Sie kennt die Namen der Tiere und weiß, wo sie sich aufhalten. Sie liebt Pferde, allerdings hat sie Angst, wenn sie zu nahe kommen. Anfangs ist sie gern auf Ponys geritten, im letzten halben Jahr wollte sie dies aber auch kaum noch. Der Große sowieso nicht. Ihr Lieblingsbuch war lange Zeit Die Eule mit der Beule. Wenn wir im Garten sind, drängt sie immer darauf, die Heckrinder zu besuchen, die in einem Freigehege in dem Naturschutzgebiet hinter unserem Garten leben. Vor Ort überwiegt dann wieder die Angst. Ähnlich wie der Große hat sie auch nie oder selten mit unseren Tierfiguren gespielt. Insgesamt war/ist sie aber Tieren gegenüber deutlich aufgeschlossener und interessierter als der Große.

Am letzten Sonntag gab es die Aktion "Berlin sagt danke", in deren Rahmen man viele Attraktionen Berlins kostenlos besuchen konnte. Im Zoo Berlin wurden kostenlose Early Bird-Tickets an die ersten 1500 Besucher vergeben und ich versuchte, die Kinder für ein schnelles Anziehen nach dem Frühstück zu motivieren. Die Kleine war Feuer und Flamme, der Große stöhnte und meinte: "Och nö, ich will nicht in den Zoo, da muss man immer bei den Tieren stehenbleiben und weitergehen und wieder stehenbleiben." Stimmt ja irgendwie, aber wir wollten es halt wiedermal probieren und die kostenlose Gelegenheit nutzen. Wir waren um 9:30 Uhr da und ergatterten Early-Bird-Tickets. Ich freute mich sehr, ist doch der normale Eintrittspreis heftig, vor allem, wenn man nicht so tierbegeisterte Kinder hat und eh' nur bis zum Mittagsschlaf bleiben möchte. Beim Großen war alles wie immer, er interessierte sich kaum und fragte die ganze Zeit nach dem Spielplatz. Am ehesten faszinierten ihn die ungewöhnlichen Tiere wie der Ameisenbär, und die Fütterungen. Die Kleine, die sich so auf den Zoo gefreut hatte, skandierte die ganze Zeit "Weiter, weitergehn!", wenn wir irgendwo stehenblieben. Auch ihr schienen die Wildtiere eher fremd zu sein. Auf dem Spielplatz blühten beide Kinder dann auf und stellten ihr Gemecker ein. Naja, aber für den ohne Frage tollen Spielplatz werden wir mit Sicherheit zukünftig nicht die teuren Eintrittspreise bezahlen.

Insgesamt hält sich die Tierliebe und -Begeisterung meiner Kinder also in Grenzen. Sie füttern gern Enten und sammeln gern Feuerkäfer. Sie beobachten gern Katzen, die sich unter Autos verstecken. Sie fanden es spannend, mal die Hasen der Nachbarn in den Ferien zu hüten. Dann hört es schon fast auf. Ein Urlaub auf dem Bauernhof wäre also wohl im Moment nicht das Richtige für uns. Oder vielleicht doch? Vielleicht entwickeln sie dann ein Gefühl und Interesse für Tiere? Ich kann mich leider nicht zurück erinnern, wie ich selbst in dieser Hinsicht als Kleinkind war. Sehe aber viele andere, tierbegeisterte Kinder, die auch schon viel mehr über Tiere wissen als meine Kinder. Wir haben Tierbücher, Tierpuzzles, Tierfiguren, eine tolle Weltkarte mit Tieren, Tierbuchstaben etc. Aber irgendwie springt der Funke nicht über. Ist ja nicht dramatisch, wir finden es eben nur ungewöhnlich. Weil es nicht unserer Erwartungshaltung grundsätzlich tierlieber Kinder entspricht. Wahrscheinlich werden wir dereinst noch froh darüber sein: wenn es nämlich um den Wunsch nach Haustieren geht. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Kinder diesen äußern werden. Mein Bruder und ich waren auch nicht sehr haustierbegeistert. Wir besaßen erst Fische und dann einen wegen eines Umzugs geschenkten Wellensittich. Den meisten Spaß damit hatte mein Vater. Und spätestens, seit mir ein Hamster in einem Haus, das ich im Urlaub hüten sollte, durch die morschen Bodendielen entwischt ist und erst am nächsten Tag wieder auftauchte, bin ich gegenüber Tieren im Haushalt voller Vorbehalte. Insofern wäre es mir nur recht, wenn meine Kinder keine Haustiere einfordern würden.

Wie ist das bei euch, lieben eure Kinder Tiere oder sind sie auch eher desinteressiert oder skeptisch? Wie hat sich der Bezug eurer Kinder zu Tieren entwickelt/ verändert? Haben sie Angst? Habt ihr schon einmal Urlaub auf dem Bauernhof gemacht? Wie war das? Möchten eure Kinder Haustiere haben?

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