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Samstag, 30. Juni 2018

Die U9 der Kleinen am 18. Juni 2018

Ich weiß noch sehr gut, wie aufgewühlt und erschöpft mich die U9 des Großen vor 2 Jahren zurückließ. Dort gab es nämlich Auseinandersetzungen bezüglich der Frage, ob man es einem Kind zumuten könne, direkt nach Ankunft in der Praxis, unvorbereitet und gegen das Versprechen der Mama mit einer völlig fremden Arzthelferin mitzugehen, um einen Test zu machen. Es gab viel Aufregung und Unverständnis am Anfang für meine deutliche Abwehrreaktion, dann eine wunderbar verlaufene U9 mit einem grandiosen Großen und schließlich am Ende ein versöhnliches, empathisches Gespräch mit der Kinderärztin. Dennoch fühlte ich mich danach unendlich ausgelaugt, denn diesem Muster begegne ich immer wieder, seit ich meinen Großen habe: einerseits Unverständnis für unseren ganz speziellen Weg mit ihm und andererseits die Bestätigung aufgrund seiner Entwicklung und seiner Fähigkeiten, wie gut dieser Weg für ihn war und ist.

Nun ist ja meine Kleine, die diesmal dran war, ein ganz anderes Wesen als der Große und ich wusste, dass die U9 mit Sicherheit weniger aufwühlend verlaufen würde als bei ihm. Trotzdem war ich gespannt auf bestimmte Situationen, da sie anders reagiert als er, nicht so gründlich überlegt, grundsätzlich mutiger ist und gleichzeitig in der letzten Zeit immer schüchterner und zurückhaltender geworden ist. So wie ich die Fähigkeiten des Großen manchmal schwer einschätzen kann, weil er oft erst, wenn es drauf ankommt, zeigt, was er kann, so unberechenbar ist die Kleine, weil sie Flüchtigkeitsfehler macht oder manches nicht so ernst nimmt. Kinder sind eben verschieden, und deshalb können die Vorsorgeuntersuchungen von Geschwisterkindern komplett gegensätzlich verlaufen.


Wir hatten gleich montags morgens um 8 Uhr einen Termin, diese Vorsorgen werden bei unserer Kinderärztin vor der regulären Sprechstunde gemacht. Ich bereitete die Kleine und mich selbst auf die verlangte Trennung direkt nach Ankunft vor, und ich denke, sie wäre auch problemlos mitgegangen, so wie sie es bei ihrer U8 vor einem Jahr schon getan hat. Aber überraschenderweise wurde diesmal nichts dergleichen verlangt und wir konnten zusammen in den Untersuchungsraum gehen, wo der Seh- und Hörtest gemacht wurden. Ich kam mir etwas veräppelt vor, nach dem Riesentheater beim Großen damals, und überlegte die ganze Zeit, ob die Praxis aus der Erfahrung damals (die sich bestimmt mit anderen Eltern wiederholte) gelernt hatte oder ob vielleicht sogar meine Beschwerdemail bei der Ärztekammer eine Rolle spielte.

Der Sehtest verlief sehr gut, der Hörtest weniger. Einerseits war die Kleine etwas erkältet, andererseits versuchte sie auch zu schummeln bzw. nahm die ganze Sache etwas zu leicht. Das merkte ich schon währenddessen an ihren Antworten, und die Ärztin bestätigte das nachher. Den Hörtest müssen wir nun demnächst wiederholen. Dann ging es weiter mit dem räumlichen Sehen, dem Sprachtest, Messen, Wiegen, auf einem Bein hüpfen, einen Ball werfen und fangen, auf Zehenspitzen und Hacken laufen und der körperlichen Untersuchung. Sie wiegt aktuell 19,3 kg bei einer Größe von 1,12 m und befindet sich exakt auf der mittleren Perzentile. Der Große war seinerzeit 21,2 kg schwer und 1,18 m groß.


Beim Zusammensetzen eines Puzzles benötigte sie Hilfe bei den letzten beiden Formen, und meiner Meinung nach strengte sie sich auch hier nicht genügend an. Als sie sich nach der körperlichen Untersuchung wieder anziehen sollte, um ein Bild zu malen, verlangte sie doch allen Ernstes meine Hilfe beim Anziehen der Leggins. Ich lachte und sagte zu ihr: "Na, du willst wohl jetzt ganz schnell mit Malen anfangen?!" Ich sah nämlich schon am Blick der Ärztin, dass sie das selbstständige Anziehen beobachtete, und sagte klar und deutlich, dass sie sich schon mit 2 Jahren selbst angezogen hat und dasjenige meiner beiden Kinder ist, was sich jeden Morgen problemlos, schnell und meist allein anzieht (im Gegensatz zum Großen). Die Kleine weiß natürlich nicht, dass die Ärztin ein unselbstständiges Anziehen evtl. als Problem notieren würde, und wollte einfach schnell zum Malen übergehen. Deshalb stellte ich dies klar, bevor es wieder thematisiert würde, und die Ärztin akzeptierte es. Sie kennt die Kleine ja nun auch schon ein wenig:-).

Bezüglich ihrer leichten Ausspracheprobleme geben wir uns immer noch ein wenig Zeit, ich schilderte der Kinderärztin, dass sich viele minimale Fehler in den letzten Monaten schon von selbst erledigt hatten. Auch hier ist es so, dass die Kleine, wenn sie sich konzentriert, alles perfekt meistert, jedoch oft eine zu große Leichtigkeit an den Tag legt, wodurch sich Fehler in ihre Artikulation einschleichen oder sie in Babysprache verfällt. Ich weiß und die Ärztin bestätigte dies auch, dass das bei vielen Kindern der Fall ist. Da ich aber den Großen im direkten Vergleich kenne, der sich in diesem Alter schon sehr bemüht hat, alles richtig zu machen, kommt mir die Kleine wie ein Schusselkopf vor. Sie hat einfach nicht den Anspruch des Perfektionismus und ist viel unbekümmerter, macht dadurch kleine Fehler, ist aber auch sehr natürlich und sympathisch. Sie ist viel mehr ein typisches Kind, was der Große nie war.

Besonders glücklich war ich, als sie beim Untersuchen der Haut der Kleinen keine erneuten Neurodermitisherde feststellte. Zur Erinnerung: die U8 vor einem Jahr hatte ja die traurige Erkenntnis zutage gebracht, dass die Kleine aufgrund des emotionalen Stresses, den sie empfunden hatte, als ich mit dem Großen zur Mutter-Kind-Kur war, Neurodermitis entwickelt bzw. ihre Veranlagung zum ersten Mal ausgebrochen war. Eine schreckliche Gewissheit für mich und mit viel schlechtem Gewissen verbunden. Zwar waren die Neurodermitisherde in den Wochen nach meiner Rückkehr wieder verschwunden, aber die Angst blieb natürlich trotzdem, dass sie bei erneutem Stress wieder ausbrechen würden. Aber glücklicherweise gab es vorerst Entwarnung; zwar ist sie anfällig dafür, aber im Moment sieht alles gut aus. Mir fiel ein Stein vom Herzen.

Dann sollte die U9 schon beendet sein. Ich staunte und merkte an, dass beim Großen noch sehr viele andere Tests gemacht wurden, wie z.B. Sätze ergänzen, Vergangenheitsformen bilden, männliche und weibliche Formen benennen sowie schwierig auszusprechende Wörter (Zischlaute) nachsprechen. Das war für mich damals sehr spannend gewesen und ich war verblüfft, was er alles schon wusste. Auf meine Anmerkung hin bestätigte sie, dass sie früher viel mehr abgefragt habe, dies aber eingestellt hat, weil sie einen Rüffel von der Ärztekammer bekam, weil sie damit Tests durchführte, die weit über die von den Kassen bezahlten Leistungen hinausgingen. Wieder stutzte ich, als die Ärztekammer ins Spiel kam...


Ihrer Einschätzung nach ist die Kleine super entwickelt, fröhlich, aufgeschlossen, umgänglich und hat alles, was ein 5-jähriges Kind nach den Kriterien der Vorsorgeuntersuchungen können muss, reibungslos gemeistert. Sie fragte noch, ob es mit ihr Probleme zuhause oder in der Kita gäbe, aber ich hatte tatsächlich nichts auf dem Herzen. Klar treibt sie mich immer mal wieder in den Wahnsinn und zeigte in den letzten anderthalb Jahren komplett andere Gesichter als in den ersten 3,5 Jahren, aber so ist eben anscheinend ihre Entwicklung, und gerade wird sie wieder etwas ruhiger. Wir besprachen noch kurz ein Problem, was den Großen betraf, und das war so bezeichnend: nach der U9 der Kleinen ein Problem des Großen zu besprechen.

Dann marschierte die Kleine hinaus, als wäre nix gewesen, ich hinterher, und wir fuhren zusammen zur Kita, wo ich sie um 9:30 Uhr abgab. Das nachfolgende Gefühl kam mir so unwirklich vor: keine bleierne Schwere, kein emotionales Ausgelaugtsein, kein aufgewühltes Nachhallen wie damals beim Großen nach dieser unsäglichen Diskussion über die Notwendigkeit der Trennung und die spätere "Versöhnung". Einfach eine normale U9 mit einer (für meinen Geschmack etwas zu) entspannten Kleinen und keinen Problemen, die über das Übliche hinausgehen. In solchen Situationen kommt bei mir immer wieder das Gefühl der ersten Jahre mit ihr hoch, diese Leichtigkeit, diese Ausgeglichenheit, diese Sicherheit im Mamasein, was mir ja in der zuletzt nervenaufreibenden Zeit mit ihr abhanden gekommen ist.

Deutlich wurde wieder einmal, dass sie ein komplett anderer Charakter als der Große ist. Während er bei jeder Sache gewissenhaft überlegt und erst eine Antwort gibt, wenn er sich sicher ist, alles Ernst nimmt und sehr perfektionistisch ist, nimmt sie alles viel leichter, schert sich nicht um Fehler und Schusseligkeiten und liefert trotzdem ein sehr gutes, wenn auch nicht perfektes Ergebnis ab. Ich staunte wieder über ihre Unbekümmertheit und über die großen Unterschiede zwischen meinen beiden Kindern. Eigentlich war es schade, dass nicht all diese sprachlichen Tests mit ihr gemacht wurde, die der Große noch hatte. Es hätte mich interessiert, wie sie sich darin geschlagen hätte. Aber spätestens zur Einschulungsuntersuchung wird das auf die Agenda kommen. Und ich bin unheimlich gespannt, wie sie dann die Schulzeit meistern wird.

Denn nächstes Jahr wird sie eingeschult und ab August ist sie ein Vorschulkind!

Montag, 3. Juli 2017

Mehr Selbstbewusstsein durch's Zaubern: Magic Zaubershow für Kids (Werbung mit Verlosung)

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Lirum Larum Besenstiel, Zaubern ist (k)ein Kinderspiel!

Mein Großer war schon immer ein zurückhaltendes Kind, das nicht gern im Mittelpunkt einer Gruppe steht sowie auf Knopfdruck und unter Beobachtung seine Fähigkeiten nicht oder weniger gut zeigen kann. Generell setzt er sich nicht aktiv solchen Situationen aus. Einmal hat er sich im Urlaub in einem großen Freizeitpark auf eine Bühne gewagt und bei einem Ritterturnier für Kinder mitgemacht. Da haben wir Eltern nicht schlecht gestaunt und ich glaube, er war selbst auch überrascht von seinem Mut. Unsere Aufgabe im Laufe der nächsten Jahre wird es sein, ihn wohldosiert solchen Herausforderungen auszusetzen, um das zu üben, ohne ihn zu überfordern. Denn dann blockiert er schnell.

Auf spielerischem Weg funktioniert das ja meist am besten. Deshalb freute ich mich, dass wir einen Zauberkasten, die Magic Zaubershow für Kids vom Kosmos Verlag, ausprobieren und testen durften. Ich selbst habe früher als Kind gern gezaubert, aber für meinen Großen war es das erste Mal, dass er einen Zauberkasten auspacken und Zaubertricks üben konnte. Ich war gespannt, ob er Spaß am Zaubern bekommt und dadurch seine Scheu und Zurückhaltung etwas überwinden kann, indem er die Tricks vor Publikum präsentiert. Soviel kann ich schon sagen: es funktionierte! Zuerst will ich euch aber den Zauberkasten näher vorstellen.

Bildquelle: Kosmos Verlag

Die Magic Zaubershow für Kids ist ein Zauberkasten für Kinder ab 5 Jahren und beinhaltet 15 Zauberutensilien, darunter einen Zauberstab, sowie ein Anleitungsheft mit 20 Tricks. Die Zaubermaterialien sind sehr einfach und kindgerecht gehalten und die Anleitung ist anschaulich und gut strukturiert. Nach dem Auspacken kann man sofort loslegen. Es sind Zaubertricks mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden enthalten, so dass jeder einen funktionierenden Trick findet, ohne dass Frust wegen Misserfolg aufkommt. Der Schwierigkeitsgrad steht übrigens bei der jeweiligen Beschreibung dabei. Einige Tricks funktionierten auch bei mir erst nach etwas Übung. Die Kunststücke haben kindgerechte Titel wie "Die wandernden Bonbons", "Der schwebende Zauberstab", "Das Schnipp-Schnapp-Seil" usw.


Neben der farbig bebilderten Anleitung gibt es auch noch die Möglichkeit, sich Online-Erklärvideos anzuschauen. Dazu gibt man einen Code auf der Webseite vom Kosmos Verlag ein. Dort findet man übrigens auch noch weitere tolle Zauberkästen, die Lust auf fortgeschrittene Zauberei machen. Auf einer von Kosmos eigens erstellten Webseite kann man weitere tolle Inhalte zum Thema Zaubern entdecken.

Wir suchten uns ein paar Tricks heraus, ich las die Anleitung vor und der Große versuchte sie gleich umzusetzen. Einiges klappte sofort, bei anderen brauchte es ein wenig Übung. Jedes funktionierende Kunststück motivierte den Großen, sofort weiterzumachen und ein neues zu lernen. Als er ein paar Tricks beherrschte, wollte er diese dem Rest der Familie vorführen. Er machte das schon ganz gut, versuchte den Spannungsbogen zu halten und mit dem Publikum zu interagieren. Vor lauter Aufregung wollte er fast die zugrunde liegenden Geheimtricks verraten!


Ich erklärte ihm später nochmal, dass ein Zauberer keinesfalls seine Geheimnisse an das Publikum verraten darf, immer ruhig bleiben muss, auch wenn etwas nicht auf Anhieb funktionierte und das Zusammenspiel mit dem Publikum enorm wichtig ist. Schließlich zaubert man für sein Publikum!


Der Lerneffekt, der durch den Zauberkasten hervorgerufen wird, ist groß. Kinder lernen, ihre Fertigkeiten allein zu präsentieren, Ruhe zu bewahren, das Publikum zu beschäftigen und den Spannungsbogen zu halten. Ist eine Show geglückt und hinterlässt sie begeisterte Zuschauer, steigt das Selbstvertrauen und -bewusstsein der kleinen Zauberer und sie wagen sich an noch schwierigere Tricks heran. Durch das Zaubern steigt die Fingerfertigkeit und das Konzentrationsvermögen. Und das passiert alles spielerisch und wie von selbst!


Als mein Großer das erste Mal vor einem größeren Publikum auftrat, war er naturgemäß ziemlich aufgeregt. Aber auch das positive, anregende Lampenfieber gehört dazu und ist eine wichtige Erfahrung für Kinder. Alle Tricks klappten wunderbar und sein Publikum schaute gebannt zu. Mit dem Applaus am Ende schien er mehrere Zentimeter zu wachsen. Ein tolles Erfolgserlebnis als kleiner Zauberer!


Der Zauberkasten Magic Zaubershow für Kids ist wunderbar für einen Einstieg ins Zaubern geeignet. Mein Großer ist mit seinen 6 Jahren genau im richtigen Alter dafür. Selbst meine Kleine mit 4 Jahren schaute sich schon einige Tricks ab. Beide Kinder hatten großen Spaß am Zaubern und wollten immer neue Tricks erlernen. Durch das Präsentieren der Kunststücke und Interagieren mit dem Publikum steigt das Selbstbewusstsein von Kindern und sie lernen, wie man im Mittelpunkt steht und trotzdem ruhig und überlegt seine Fähigkeiten zeigt. Das wird für meinen Großen, der im Herbst in die Schule kommt, im Laufe der nächsten Jahre noch wichtiger werden. Der Zauberkasten ist ein guter Einstieg zum Üben und ich möchte ihn euch uneingeschränkt empfehlen.

Verlosung:

Möchtet ihr auch einmal mit euren Kindern einige Zaubertricks einstudieren? Dann macht bei meiner Verlosung mit, denn ich darf ein zweites Exemplar der Magic Zaubershow für Kids an euch verlosen.

Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasst mir bitte hier einen Kommentar, ob ihr mit eurem Kind schon einmal gezaubert habt. Zusätzlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir auf Facebook folgt. Ist aber keine Bedingung. Bitte gebt euren Namen an, da ich keine Mailadressen angezeigt bekomme!

Die Verlosung läuft bis zum 09. Juli 2017, 23:59 Uhr. Unter allen bis dahin eingehenden Kommentaren wird der Gewinner/die Gewinnerin ausgelost und hier sowie auf Facebook bekanntgegeben (keine Mail-Benachrichtigung!). Das Spiel wird vom Kosmos Verlag versendet, d.h. eure Adresse wird von mir zu diesem Zweck an den Verlag weitergegeben. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang mit Facebook. Versand nur innerhalb Deutschlands. Mindestalter 18 Jahre. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung. Viel Glück!

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Kosmos Verlag.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Sind Geschwister wirklich immer ein Geschenk?

Immer und immer wieder hört und liest man die Aussage, dass Geschwisterkinder das beste und wertvollste Geschenk sind, das Eltern ihren Kindern machen können. Bei solchen pauschalen Behauptungen, die weder empirisch belegbar sind noch individuelle Voraussetzungen berücksichtigen, zucke ich tendenziell immer zusammen und möchte automatisch Gegenargumente vorbringen. Nun kennt naturgemäß jeder nur diejenige Seite aus eigener Erfahrung, von der man selbst betroffen ist, d.h. ich kenne die Einzelkinderfahrung nicht (außer in meinen ersten beiden Lebensjahren), da ich einen Bruder habe, und ich habe auch selbst zwei Kinder, weiß also nicht, wie es für sie und uns wäre, wenn sie Einzelkinder wären. Es ist reine Spekulation, darüber nachzudenken, ob ein Dasein als Einzel- oder als Geschwisterkind einfacher ist oder ob es einem Kind vielleicht sogar besser gehen würde, wenn es allein geblieben wäre. Dennoch möchte ich dazu mal einige Gedanken niederschreiben.

Es gibt fraglos sehr innige Geschwisterbeziehungen, was ich unglaublich toll und sehr bereichernd finde. Immerhin ist ein Geschwisterkind jemand, der einen mit am längsten und noch einmal ganz anders als die eigenen Eltern kennt. Es gibt aber genauso gut auch viele Menschen, für die der Bruder oder die Schwester eine Person ist wie jeder andere auch, nämlich fremd. Nur durch die Herkunft und das gemeinsame Aufwachsen ist man sich noch lange nicht seelisch nahe oder schwimmt auf einer Wellenlänge. Auch versteht man sich deshalb nicht automatisch blind, kann nicht über die gleichen Dinge lachen und hat nicht unbedingt das Bedürfnis, den Kontakt eng zu halten. Für solch eine Konstellation stimmt aber die oben genannte Aussage keineswegs. Vielleicht wäre sogar in so einem Fall jedes Kind glücklicher gewesen, wenn es allein aufgewachsen wäre. Möglicherweise erinnert man sich überwiegend an Streitereien, Eifersüchteleien, Petzereien, Missgunst, Provokationen, Ungerechtigkeiten, Machtspielchen, wenn man an die gemeinsame Kindheit zurückdenkt, als an verschworene Bande, Loyalität und wortloses Verständnis. Ein Geschwisterkind soll ja im Idealfall ein Komplize, ein Seelenverwandter, ein Lebensbegleiter sein. Der Idealfall bleibt aber in vielen Fällen unerreicht, würde ich vermuten.

Mein Bruder und ich sind sehr verschieden. Wir haben wenige Gemeinsamkeiten, das war schon früher so und hat sich noch mehr manifestiert. Ich glaube, dass wir schon als Kinder in unterschiedlichen Welten lebten und auch später waren uns völlig verschiedene Dinge wichtig. In meiner Erinnerung konnten wir nie viel miteinander anfangen, sondern behinderten uns sogar oft durch unsere Gegensätzlichkeit. Er trieb mich oft genug zur Weißglut und ihn nervten bestimmt genauso viele Aspekte an mir. Ich könnte nicht sagen, dass wir irgendetwas Elementares voneinander gelernt haben. Nicht nur unser Spielverhalten war unterschiedlich, sondern auch unsere ganze Art, die Welt zu entdecken, völlig konträr. Die Pubertät durchlebten wir völlig verschieden und auch später orientierten wir uns in den von uns eingeschlagenen Wegen überhaupt nicht aneinander. Einen besonders engen Geschwisterzusammenhalt hat es nie gegeben, und durch die Entfernung ist der Kontakt mittlerweile auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Seit vielen Jahren spielt mein Bruder in meinem Leben kaum eine Rolle, so wie ich in seinem nicht. Hätte mich jemand als Kind gefragt, ob ich meinen Bruder unbedingt brauche, hätte ich vermutlich mit "Nein" geantwortet, er umgekehrt natürlich auch. Er hat mich oft gestört und ich ihn sicherlich auch. Das sind rein sachliche Feststellungen, keiner ist schuld daran, es gab auch keine besonderen Vorkommnisse oder so, sondern es ist eben keine Seelenverwandtschaft da. Für meinen persönlichen Fall würde die Ausgangsbehauptung also schon mal nicht zutreffen.

Nun zu meinen Kindern: auch sie sind sehr verschieden, vielleicht noch extremer als mein Bruder und ich. Ich sehe ihre Charakterzüge und Wesenseigenheiten sehr deutlich. Ich sehe, wie sie zusammen funktionieren, worin sie sich behindern, wie sie sich ergänzen (könnten). Ich sehe, wie die Kleine den Großen anhimmelt, gleichzeitig gegen ihn opponiert und seine Aufmerksamkeit und Zuneigung förmlich erbettelt. Sie möchte von ihm angeleitet werden, sie möchte mit ihm spielen, sie möchte mit ihm zusammenarbeiten und -halten. Sie kennt kein Leben ohne ihn und würde alles für ihn tun. Sie vermisst ihn, wenn er weg ist und begegnet ihm am unvoreingenommsten von uns allen. Sie fühlt mit, wenn er leidet und weint, versucht ihn zu trösten und vermittelt zwischen uns. Sie kann schallend über ihn lachen, wie wir noch nie über ihn gelacht haben. Umgekehrt fühlt sie sich oft von ihm nicht genügend beachtet und einbezogen sowie häufig provoziert und gereizt, und wehrt sich durch lautes Gekreische, was den Großen zwar stört, ihn aber deshalb noch lange nicht dazu bringt, mit den Sticheleien aufzuhören. Ich glaube, dass sie sich oft über ihn ärgert, eifersüchtig ist, seine Reaktionen nicht versteht und unglücklich ist, dass er sie nicht oder nur selten als gleichberechtigte Spielpartnerin wahrnimmt. Und trotzdem hängt sie unglaublich an ihm und braucht ihren Bruder essentiell. (Ich bin wirklich gespannt, wie sich das entwickeln wird, je mehr sie merkt, dass er sie nicht im gleichen Ausmaß benötigt wie sie ihn.)


Umgekehrt sieht es etwas anders aus. Der Große war zwei Jahre lang mit uns allein und schon immer ein sehr aufmerksamkeitsbedürftiges Kind. Er hat sich meist an Erwachsenen oder älteren Kindern orientiert. Mit Babys und kleineren Kindern konnte er nie etwas anfangen, das hat man nicht zuletzt deutlich in der Babyzeit der Kleinen gesehen. Er interessiert sich auch so gut wie gar nicht für alle diese typischen Kinderspiele, die z.B. die Kleine manchmal anstößt. Er spielt eindeutig lieber mit einem von uns Eltern als mit der Kleinen. Ich glaube, dass er sie als Spielpartnerin nicht bräuchte (obwohl sie eine tolle Spielpartnerin, sehr aufnahmefähig und dankbar ist). Was die emotionale Komponente betrifft, ist das schwieriger einzuschätzen. In einer Zeit, als wir noch sehr viel mit ihm haderten und zweifelten, ist sie ihm unvoreingenommen begegnet und hat völlig neue Aspekte aus ihm herausgekitzelt. Beispielsweise wirft er manchmal mit Albernheiten um sich, weil er merkt, dass die Kleine das belustigt. Ihr größter Verdienst ist mit Sicherheit die Tatsache, dass sie ihn Zärtlichkeiten lehrte. Insofern hat ihre Existenz durchaus einen Einfluss auf sein Wesen. Trotzdem denke ich, dass er problemlos ohne sie leben könnte, also als Einzelkind mit uns, und so vielleicht sogar noch zufriedener wäre als jetzt mit den ständigen Scharmützeln und Reibereien. Er benötigt viel Ruhe und direkte, intensive Zuwendung. Das ist oft nicht möglich, wenn die Kleine dabei ist (also fast immer). Ihm fehlt nichts, wenn die Kleine nicht da ist, er vermisst sie nicht. Er hasst es, in Wettstreit zu treten. Genau das fordert die Kleine aber oft ein bzw. es entsteht in einer Geschwisterbeziehung automatisch. Er kann mit jüngeren Kindern nicht viel anfangen. Er ist kein Teamplayer. Es scheint ihn oft nicht zu tangieren, wenn die Kleine weint, und er übernimmt so gut wie nie aktiv die Rolle des tröstenden, unterstützenden großen Bruders. Nach meiner jetzigen Einschätzung würde ich vermuten, dass er sich allein wohler und zufriedener fühlen würde.

Als wichtigstes Argument für den Wert von Geschwisterbeziehungen wird oft genannt, dass Kinder dadurch das Teilen und Frustrationstoleranz lernen. Nun, ich hatte einen Bruder und habe keine Frustrationstoleranz gelernt. Und wenn es um meine Lieblingsspeisen geht, hasse ich es zu teilen:-). Sicherlich spielen da auch andere Aspekte mit hinein, z.B. dass Gefühle in der Kindheit nicht benannt und anerkannt oder die Beweggründe anderer Menschen nicht vermittelt wurden, aber ich will damit nur zeigen, dass die Existenz von Geschwistern keine Garantie für das Erlernen irgendwelcher sozialen oder emotionalen Fähigkeiten ist. Das ist immer noch sehr charakterabhängig. Sonst müssten Geschwister ja identische Kompetenzen vorweisen können. Außerdem ist das alles immer eine Frage der Balance: wenn eine (Geschwister-)Beziehung so schwierig ist, dass sie überwiegend aus Frustration besteht und sich die Kinder mehr in ihrer Entwicklung behindern als fördern, dann wäre es vielleicht sogar besser gewesen, es gäbe keinen Bruder/ keine Schwester. Aber wie gesagt, das ist alles Spekulation.

Für uns als Eltern ist das Geschwisterdasein unserer Kinder nur in den seltensten Fällen eine Entlastung oder Erleichterung. Weder spielen sie lange und intensiv miteinander noch fangen sie sich emotional gegenseitig auf. Vielleicht ändert sich das noch, aber bisher war die Beziehung zwischen den beiden ziemlich konfliktreich und aufreibend. Das wiegen die schönen, inniglichen, rührenden Momente auch nicht auf. Das mag sicherlich in anderen Familien ganz anders sein. Auf manchen gemeinsamen Bildern sehen sie so zuckersüß und einträchtig aus und man kann sich nicht vorstellen, dass sie sich permanent in der Wolle haben, übertrumpfen und provozieren. Man kann auch gar nicht sagen, dass es eher an dem einen oder eher an der anderen liegt. Beide sind extreme Sturköpfe, wenig kompromissbereit, sehr vehement und fordernd. Die Kleine ist nicht nachtragend, schnell beruhigbar und sehr liebesbedürftig. Der Große ist in vielem das Gegenteil, hat jedoch die größere Entwicklung gemacht, wenn man seine Voraussetzungen kennt. Sie könnten sich meiner Meinung nach wunderbar ergänzen, indem beispielsweise die Kleine ihn mit ihrem Draufgängertum etwas ansteckt und er sie mit seiner bedachten Art zurückpfeift. Wenn er sie mehr teilhaben ließe, müsste sie nicht so oft fordern und quengeln. Wenn sie ihn wiederum mehr in Ruhe lassen würde, wäre er weniger gereizt. Von ihren Wesenszügen her könnten sie relativ gut miteinander funktionieren, indem sie einander ausgleichen. Ich versuche das auch immer wieder zu vermitteln. Aber es ist oft schwierig. Und schade, dass der eine Teil der Konstellation (der Große) den anderen Teil (die Kleine) weniger zu brauchen scheint als umgekehrt. Sie im Gegenteil oft als Störfaktor zu empfinden scheint. Er ist einfach ein sehr unabhängiger Charakter, der generell nur wenige andere Menschen braucht. Ich kenne übrigens noch ein Beispiel von schon etwas älteren Kindern, wo ein ähnliches Phänomen vorherrscht.

Mir ist bewusst, dass dieser Text viel Gegenwind hervorrufen wird und vielleicht als Affront von Menschen empfunden wird, die ein Geschwisterkind verloren haben und darunter immer noch leiden. Letzteres tut mir sehr leid und ich verstehe, dass man sich verloren und unvollständig ohne sein Geschwister fühlen kann. Das wäre dann für mich der Prototyp des oben geschilderten Idealfalles einer Geschwisterbeziehung, nämlich die seelenverwandten Geschwister. Ich denke aber, das gibt es sehr selten. Meistens wächst man miteinander auf, lebt zusammen und arrangiert sich. Man sollte aber auch darüber sprechen können, dass ein Geschwisterkind für bestimmte Charaktere nicht nur nicht notwendig, sondern vielleicht sogar störend ist. So empfinde ich es manchmal, wenn ich meinen Großen betrachte. Vielleicht auch, weil ich es selbst ähnlich erlebte. Ich werde das weiter beobachten.

Wie ist das bei euch, habt ihr eine tolle Beziehung zu euren Geschwistern oder spielen sie keine Rolle in eurem Leben? Mich interessiert besonders, ob es gleichgeschlechtliche Geschwisterbeziehungen sind oder nicht. Liegt es an der Junge-Mädchen-Konstellation, wenn es eher konfliktreich ist? Wie schätzt ihr eure Kinder ein, brauchen sie ihr Geschwisterkind oder eher nicht?