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Montag, 19. März 2018

Der erste Kinobesuch der Kleinen

Eigentlich wäre der erste Kinobesuch der Kleinen keinen eigenen Blogpost wert, da er so ziemlich wie erwartet ablief. Da es aber meinem Gerechtigkeitsempfinden widerspricht, über das erste Mal Kino beim Großen vor fast genau einem Jahr ausführlich zu berichten und bei der Kleinen nicht, folgt hier nun doch ein kleiner Text darüber. Irgendwie bekommen die Entwicklungsfortschritte der Zweitgeborenen nie soviel Aufmerksamkeit wie beim ersten Kind und das finde ich schade. Andererseits empfinde ich ihre Schritte auch oft als nicht so spektakulär, schwierig oder berichtenswert wie beim Großen, da sie vieles wie nebenbei meistert, mit dem er sich selbst oder wir uns mit ihm arg gequält haben.

Übrigens hat sie auch gerade problemlos ihre zweite Kita-Übernachtung gemeistert, die die Feuerprobe für ihre erste Kitafahrt im Mai war. Nun werden wir bald erfahren, ob sie mitfahren darf. Im November 2017 übernachtete sie zum ersten Mal in der Kita (hier zum Nachlesen) und nach Weihnachten erstmals bei den Großeltern. Wir machten uns also diesmal keine Sorgen und es klappte auch alles wunderbar. Wenn ich da an die schwierigen Begleitumstände der Kita-Übernachtungen des Großen denke, staune ich, wie unspektakulär mit ihr vieles abläuft. Der Tag danach ist zwar immer ziemlich durcheinander, aber insgesamt wirft so ein Ereignis weder sie noch uns so aus der Bahn, wie es beim Großen immer war.

Nun aber zu ihrem ersten Kinobesuch: Bekanntlich bin ich grundsätzlich kein Freund von sehr frühen Kinobesuchen und habe zudem noch als erstes Kind ein Kind, mit dem ich sehr vorsichtig in diesen Dingen vorgehen musste. So habe ich seinerzeit einen Kinobesuch des Großen mit der Kita im Alter von gerade 5 Jahren abgelehnt und lieber noch ein Jahr gewartet, bis ich das Gefühl hatte, dass er jetzt bereit dazu war. Sein erstes Mal Kino mit 6 Jahren wurde dann ein absolut positives Erlebnis, wir hatten einen schönen Nachmittag mit der "Häschenschule" und er erinnert sich bis heute daran. Nun ist die Kleine nicht nur ein anderer Charakter als er, sondern aufgrund ihres Zweitgeborenen-Status' sowieso auch von Anfang an vieles gewöhnt, was beim Großen erst später begann. Waren wir mit ihm mit knapp 3 Jahren das erste Mal im Kindertheater, so begleitete sie uns zwangsläufig schon in einem jüngeren Alter dahin. Auch Shows und sonstige Ereignisse bekam sie schon früher zu sehen als er. Das ist, glaube ich, normal bei den zweiten (und weiteren) Kindern. Sie wird nun in knapp 2 Monaten 5 Jahre alt.


Dazu kommt, dass sie anders auf visuellen Input reagiert als er. Zwar ist sie sehr begeisterungsfähig, saugt aber nicht im gleichen Maße auf wie der Große und wird nach einer Weile sehr unruhig, was zwar nervend für uns ist, sie aber wahrscheinlich zumindest teilweise vor der Überreizung durch zu viele Eindrücke schützt. Auch achtet sie selbst sehr gut auf sich, was die Geräuschkulisse angeht, und fordert sofort den Peltor Kid-Gehörschutz ein, den wir bei lauten Veranstaltungen immer dabei haben. Sie schafft es also gut, sich zu schützen und ich kann mich nicht erinnern, dass sie jemals nach einer Veranstaltung überreizt war oder durchgedreht ist. Sie kann das einfach besser verarbeiten als der Große und hat, was das betrifft, eine recht gute Selbstregulation. Wenn ihr etwas zuviel wird, macht sie dies sehr deutlich. Das wiederum kann für uns sehr anstrengend sein, weil sie dann herumläuft, stört, essen und gehen will. Jedes Kind hat halt so seine Macken;-)

Ich habe einen schönen Anfänger-Film für ihren ersten Kinobesuch herausgesucht, nämlich "Die Biene Maja 2 - Die Honigspiele". Wichtig ist mir immer, dass wir in ein kleines Programmkino gehen und glücklicherweise wurde der Film bei uns in der Nähe in unserem "Stamm-Programmkino" gezeigt. Am Sonntag 11. März, dem Tag nach der Kindergeburtstagsfeier des Großen, verbrachte ich mit ihr bei herrlichem Frühlingswetter erst 5 Stunden im Garten, wo wir uns an der frischen Luft austobten, und fuhr dann mit ihr gemütlich zu dem kleinen Kino, wo der Kinosaal wie erhofft wegen des schönen Wetters fast leer war. Perfekt! Sie suchte sich ihren Platz aus, wobei ich wieder einen Randplatz vorschlug, und war sichtlich stolz, dass sie nun auch endlich mal im Kino war.


Der Film (80 Min.) war wirklich niedlich und auch absolut geeignet als Einsteigerfilm, aber sie hält eben tatsächlich noch nicht so lange durch wie der Große. Nach 45 Minuten wollte sie das erste Mal aufstehen. Ich zog sie dann nochmal 20 Minuten mit knabbern und Schoß sitzen, aber sie fing an aufzustehen, herumzulaufen und laut zu reden, so dass wir kurz vor Schluss das Kino verließen. Sie hatte wirklich genug gesehen und wollte nicht mehr. Obwohl ich mich zugegebenermaßen ein bisschen geärgert habe, dass wir das Ende verpassten, finde ich es eigentlich grundsätzlich positiv und auch bewundernswert, dass sie deutlich zeigt, wann es für sie genug ist. Wenn sie nun noch lernt, das ohne zu stören und andere in Mitleidenschaft zu ziehen zu kommunizieren, wäre es für alle angenehmer. In diesem Fall war es auch insofern einfach, weil ich allein mit ihr schaute und entsprechend ihrer Bedürfnisse auf sie reagieren konnte. Was aber, wenn der Große dabei ist und noch bis zum Ende schauen will? Schwierig. Dann müssen wir entweder einen Kompromiss schließen oder eines der Kinder hat das Nachsehen. Hier wäre das der Große gewesen, weil sie sonst weiter gestört und im schlimmsten Fall das Kino zusammengeschrien hätte. Der Große war übrigens an diesem Tag mit dem Papa unterwegs und nachmittags auf einen Kindergeburtstag eingeladen. Insofern passte das super.

Hinterher wirkte sie fröhlich und zufrieden, aber nicht aufgedreht oder durcheinander. Ich glaube, sie hat das sehr gut weggesteckt. Ein bisschen hatte ich auch den Eindruck, ihr ging es vor allem darum, das Gleiche zu machen wie der Große;-). Ich finde, das war trotz des vorfristigen Aufbrechens ein erfolgreicher erster Kinobesuch für die Kleine. Längere Filme werde ich mit ihr aber tunlichst meiden. Dafür ist sie einfach noch zu unruhig. Nun war ich also mit einem meiner Kinder schon vor dem 5. Geburtstag im Kino. Die Umstände passten einfach und vor allem, das Kind ist anders. Das ist der ausschlaggebende Punkt. Sehr spannend, diese Unterschiede, und man lernt nie aus.

Donnerstag, 11. August 2016

Ruhe- und Actionbedürfnis bei meinen Kindern

Dass meine Kinder sehr verschieden sind, dürfte meinen Lesern bekannt sein. Ich habe ja schon mehrfach darüber geschrieben und die Unterschiedlichkeit macht sich in den verschiedensten Bereichen bemerkbar. Heute möchte ich mal über ihr Ruhe- bzw. Actionbedürfnis nachdenken, weil mir in einem Gespräch ein paar Dinge bewusst geworden sind.

Ich selbst bin ja ein sehr ruhebedürftiger Mensch. Ich bin eigentlich am liebsten allein und kruschel vor mich hin. In der Wohnung, in einer Ferienwohnung, im Garten etc., in meinem eigenen Rhythmus, ohne jemandem Rechenschaft schuldig zu sein, ohne Rücksicht zu nehmen und ohne gestört zu werden. Das brauche ich und wenn ich das nicht regelmäßig habe, werde ich erst unleidlich und später wütend-aggressiv. Das war z.B. in den Babyzeiten der Fall, als ich so gut wie nie allein zuhause war.

Die andere Seite von mir dagegen braucht Action und Anregungen, Unternehmungen, Reize und Input. Ich bin kein Stubenhocker, es gab und gibt kaum Tage, die ich komplett zuhause verbrachte, ich werde unruhig, wenn ein Wintertag verstreicht, ohne dass ich einen Fuß vor die Tür gesetzt habe (meist gehe ich dann wenigstens kurz im Dunkeln nochmal raus). Ich bin bei uns meist die Ideengeberin für Ausflüge und würde am liebsten jedes Wochenende etwas Tolles erleben. Ich bin auch dann total selig, wenn der Ausflug schön war.

Es ist wie ein Pendel, das immer hin und her schwingt, zwischen Ruhe- und Actionbedürfnis. Das richtige Maß zu finden ist sehr schwierig und während mir schnell Dinge zuviel werden, kann ich ebenso eine zu lange Zeit ohne Input nicht vertragen und werde unzufrieden. Ich brauche auch Herausforderungen, die mich nicht allzu sehr überfordern, und setze mich diesen bewusst selbst aus. Zum Beispiel verabrede ich mich oder uns immer wieder ganz bewusst, obwohl es eigentlich anstrengend für mich ist, wir alle nicht die geselligsten Menschen sind und ich danach eine Zeit brauche, bis ich wieder runtergefahren bin. Ich finde es aber wichtig, das zu üben, habe auch das Bedürfnis nach Austausch und Abwechslung und möchte gern, dass die Kinder lernen, dass man Freundschaften pflegen muss.

Bei meinen Kindern kommt es mir so vor, als seien diese beiden Seiten, die in meinem Wesen integriert sind, auf die beiden Kinder aufgespalten. Der Große ist genauso ruhebedürftig wie ich, ohne allerdings meine Sehnsucht nach Anreizen zu haben. Die Kleine dagegen ist umtriebig und actionbedürftig, ohne dass man nach aktuellem Stand ein großes Ruhebedürfnis bei ihr erkennen könnte (vielleicht kommt das noch). Das macht unseren Alltag, besonders am Wochenende oder im Urlaub, etwas kompliziert. Der Große möchte am liebsten zuhause bleiben. Das kann ich verstehen, denn ich bin auch gern (allein) zuhause. Ich möchte ihm das auch durchaus ermöglichen, weiß ich doch, wie wichtig das für Charaktere wie unsere ist. Die Kleine möchte gern raus und steht meist schon angezogen im Hausflur, während der Große noch im Schlafanzug von einem Ausflug überzeugt werden muss. Ich möchte auch gern etwas unternehmen, weil ich Input brauche und weil ich mich eh' nicht ausruhen kann, wenn wir zu viert zuhause sind. Ich freue mich, dass die Kleine Lust auf Unternehmungen hat und ärgere mich gleichzeitig, dass der Große sich sträubt, obwohl ich ihn verstehen kann.

Der Große verkörpert sozusagen meine ruhebedürftige und die Kleine die actionbedürftige Seite.  Während ich für mich selbst schauen und entscheiden kann, beiden Bedürfnissen Rechnung zu tragen und dies vor den Kindern auch immer recht gut schaffte, ist es nun umso schwieriger, da die Kinder darin so gegensätzlich sind und die in mir vorhandenen gegensätzlichen Pole ansprechen und herausfordern. Wir bemühen uns, dem Großen regelmäßig ruhige Zeiten zuhause zu ermöglichen, in denen wir auch versuchen, die Kleine von ihm fern zu halten. Zum Beispiel geht vormittags einer mit der Kleinen raus und der Große bleibt mit dem anderen Elternteil zuhause. Das genießt er sehr. Ebenso braucht und genießt es die Kleine, dass man mit ihr rausgeht. Leider ist es nicht so, dass der Große, wenn er einen Vormittag zuhause hatte, dann kompromissbereiter ist, was einen nachmittäglichen Ausflug angeht. Meist ist es sehr schwierig und nervenaufreibend, ihn dazu zu animieren. Die Kleine dagegen hibbelt schon an der Tür herum und kann es kaum erwarten, bis es endlich losgeht. Der Papa ist da übrigens ziemlich leidenschaftslos und macht sowohl das eine als auch das andere gern mit bzw. ihm macht das Fehlen des einen oder anderen nicht so viel aus.

Vielleicht verändern sich diese Extreme auch noch im Laufe der Jahre. Der Große war nämlich anfangs so unruhig, auch motorisch unruhig, dass er keine 30 Sekunden still an einem Ort verharrte. Ausruhen war Fehlanzeige. Dass er seinem Ruhebedürfnis auch selbst nachgeht, indem er die Tür des Kinderzimmers schließt und sich zurückzieht oder sagt, dass er zuhause bleiben will, kam erst mit der Zeit. Ich finde es gut, dass er sich dessen nun so bewusst ist und möchte das unterstützen. Ich weiß selbst zur Genüge, wie wichtig Auszeiten für hochsensible Menschen sind. Allerdings fehlt mir bei ihm eben das Bedürfnis nach Anregungen. Das verkörpert die Kleine, die wiederum kaum Regeneration und Ruhe zu brauchen scheint. Diese beiden Pole, die beide in mir verankert sind und hin und her pendeln, wirken im Moment wie aufgeteilt unter meinen Kindern. Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickeln wird. Aktuell ist das sehr schwer zu vereinbaren.

Wie ist das bei euch und euren Kindern? Habt ihr noch Tipps für das Vereinbaren der verschiedenen entgegengesetzten Bedürfnisse?

Bildquelle: Pixabay