Dienstag, 19. Dezember 2017

Mallorca in den Herbstferien - Traumurlaub mit alptraumhafter Stimmung

In den Herbstferien waren wir zum zweiten Mal mit beiden Kindern auf Mallorca, weil es uns letztes Jahr so gut gefallen hatte und besonders ich und die Kleine gern wieder hin wollten. Ich liebe es, im Herbst/ Winter in den Süden zu fliegen und Sonne zu tanken, das haben wir schon vor den Kindern gemacht, es tut so gut und gibt Kraft für die kalten, dunklen Monate. Zwar sind wir nach unserer Rückkehr alle erstmal krank geworden, aber es lohnt sich trotzdem, aus dem trüben Wetter hier auszubrechen. Wir hatten auch wirklich totales Glück mit dem Wetter auf Mallorca, es gab in der ganzen Woche keinen Regen, es war durchgehend stabiles, warmes Klima, T-Shirt- und Sandalenwetter also, manchmal etwas windig und das Meer war schon ziemlich kühl, aber die Luft lau, die Sonne schien viele Stunden lang und man fühlte sich wie im Frühling oder Spätsommer. Beste Voraussetzungen also, um einen entspannten, traumhaften Urlaub zu verbringen. Das sahen die Kinder anscheinend leider anders.


Der Anreisetag war von einer dreistündigen Verspätung geprägt, die natürlich echt suboptimal war, aber eigentlich äußerlich von allen ganz gut weggesteckt wurde. Morgens gegen 9 Uhr zum Flughafen und erst abends gegen 19 Uhr im Hotel eingecheckt, das schlaucht dennoch und war sicherlich anstrengend für die Kinder. Als sie am nächsten Tag beide unheimlich schlechte Laune hatten, man ihnen nichts Recht machen konnte und sie alles blöd fanden, schoben wir das noch auf die zehrende Anreise und die Umstellung. Es hat uns sehr gestresst, weil wir Eltern die herrliche Sonne und den Urlaub genießen wollten, aber wir haben das noch entschuldigt. Als es aber die ganze Woche so weiter ging, obwohl die äußeren Bedingungen wirklich wundervoll waren, als sie sich nur stritten und ärgerten, sich und uns keine Sekunde Ruhe und Harmonie gönnten und an vielem herummeckerten, waren wir mit unserem Latein (und natürlich auch mit unserer Erholung) am Ende.


Ich glaube, wir haben noch nie soviel geschimpft, soviel herumgeschrien und soviele Konsequenzen angedroht wie in dieser einen Woche. Ich hasse das, ich will harmonisch und friedlich mit meinen Kindern zusammenleben, ich will schöne Erlebnisse mit ihnen haben und die Zeit besonders im Urlaub, der teuer genug ist, genießen. Ich finde es traurig und hasse es wirklich, dass sie nach hundertmaliger friedlicher Ansprache und Aufforderung erst reagieren, wenn man laut wird und ausrastet. Dann heulen wir alle und es ist kurzzeitig Ruhe, bevor das nächste Theater losgeht. Das zog sich durch die gesamte Urlaubswoche, was in dem Fall besonders schizophren war, weil die äußere Umgebung, das Wetter, die Erlebnisse und das Urlaubsfeeling so toll waren. Dankbarkeit kann man nicht erwarten, auch nicht für einen für die Kinder doch außergewöhnlichen Urlaub, aber vielleicht doch wenigstens ein Genießen und Schätzen der gemeinsamen Zeit und der tollen Aktivitäten. Dass man nichts davon merkte, machte mich wirklich traurig, abgesehen von den vielen Nerven, die wir in den Tagen ließen. Ich bekam kaum Schlaf, weil die Kleine jede Nacht durchhustete und ich in dem kleinen Appartment natürlich keine Fluchtmöglichkeit hatte. Entsprechend dünnhäutig war ich.


Wir wohnten in einem schönen Hotel an der Ostküste Mallorcas, das auf einer felsigen Landzunge lag, an drei Seiten umgeben vom Meer. Von unserem Balkon blickten wir auf's Meer und auf den Pool und erlebten sowohl den Sonnenaufgang als auch (fast) den Sonnenuntergang. Es war ein toller Ausblick, an dem ich mich nicht satt sehen konnte. Als wir ankamen, war alles für Halloween geschmückt und die Hotelangestellten waren verkleidet. Das fanden die Kinder natürlich lustig, weil sie es von zuhause nicht kannten. Diesmal hatten sie im Gegensatz zum letzten Jahr etwas Probleme, sich auf das Essen im lauten, unruhigen Speisesaal einzustellen. Außerdem lief die Kleine immer wieder selbstständig zum Buffet und war mehr unterwegs als am Tisch. Die Anlage war sehr schön und am Anfang war auch noch richtig viel los. Es gab Aktivitäten für die Kinder, mehrere Pools und überall was zu schauen und zu holen.


An zwei Tagen hatten wir einen Mietwagen gebucht und schöne Ausflugstage eingeplant, mit Zielen für uns und für die Kinder, damit alle auf ihre Kosten kommen. Wir besuchten die Burg von Capdepera, auf der wir schon vor vielen Jahren ohne Kinder mal waren, und statteten auch wieder dem Safari Park einen Besuch ab, der viel spannender war als letztes Jahr, weil wir ganz viele Tiere hautnah sahen. Außerdem besuchten wir ein Kloster auf einem Berg und eine tolle Höhle bei Porto Christo, die Cuevas dels Hams, die wir noch nicht kannten. Immer wieder legten wir auch Pausen für die Kinder auf Spielplätzen, am Wasser oder zum Essen ein. Von unserem Hotel aus machten wir eine wunderschöne, aber super schlecht gelaunte Schifffahrt, badeten mehrmals im Pool und am Strand sowie wanderten ein kleines Stück auf einer Landspitze entlang. Es gab also ein sehr abwechslungsreiches Programm, keinen Stress, wunderbare Bedingungen und die Erfüllung (fast) aller Wünsche. Trotzdem war die Stimmung grottenschlecht, aggressiv und oft genug sogar gewalttätig unter den Kindern. Ich versuche dann immer, so lange wie möglich die Fahne hochzuhalten, wenn der Mann schon längst resigniert hat, und Geduld, Verständnis und gute Stimmung zu verbreiten. Aber diesmal gelang mir das vor allem gegen Ende auch nicht mehr. Irgendwann ist der Akku leer.


Das ist umso bedauerlicher, weil mir solch eine Auszeit, ein Urlaub in der Sonne, mit Meer, Essen, Freizeit und schönen Erlebnissen eigentlich unheimlich viel Kraft gibt. Ich lade durch die angenehmen äußeren Umstände sehr auf und habe versucht, mich daran festzuklammern und alles andere auszublenden. Vergeblich. In diesem Urlaub wurde jedes Prozent Aufladung sofort wieder durch die Zwistigkeiten der Kinder zunichte gemacht. Ich weiß noch gut, dass sie in ihrem ersten Mallorca-Urlaub letztes Jahr auch sehr unausgeglichen und anstrengend waren. Aber da gab es auch richtig schöne Momente, die mich durch die schlechten hindurchgetragen haben, und das Gesamtgefühl war für mich: anstrengend, aber positiv. Ich habe angenehme Erinnerungen daran. Und immerhin hatte die Kleine seitdem regelmäßig begeistert von ihrem ersten Mallorca-Urlaub erzählt. Diesmal schienen sie überhaupt gar nichts zu genießen, und dies wirkte sich naturgemäß auch irgendwann auf unsere Stimmung aus. Es ist frustrierend, wenn man freudig und dankbar eine solche Reise bucht und antritt und sie dann nicht genießen kann. Das ist fast genauso schlimm, wie vor Ort krank im Bett zu liegen.

Eigentlich will ich nächstes Jahr unbedingt auf meine Lieblingsinsel Gran Canaria zurück, wo ich zuletzt in der Schwangerschaft mit der Kleinen war, also vor 5 Jahren. Nach solch einer Urlaubserfahrung zögern wir sehr stark, denn nichts wäre trauriger, als eine Lieblingsinsel mit miesgelaunten Kindern zu besuchen. Nicht zu vergessen das viele Geld, was das für eine vierköpfige Familie kostet. Ich möchte den Kindern schöne und außergewöhnliche Erlebnisse schaffen, ihnen die Welt zeigen und dabei gleichzeitig etwas für bzw. gegen mein Fernweh tun. Aber so wie diesmal macht das keinen Spaß. Wenn man so gar nichts ändern kann an einer Stimmung, die sich durch die gesamte Zeit zieht. Wenn die Kinder sich bekriegen und damit die gesamte Familie beeinträchtigt wird. Wenn alles Eingehen auf die Kinder nichts hilft.

Was mir auch fehlte, war ein langer Sandstrand, auf dem man entlangspazieren konnte, so wie letztes Jahr in Alcudia. Wir hatten die beiden Badebuchten, aber es fühlt sich anders an. Das werden wir beim nächsten Mal berücksichtigen. Auch wohnten wir beim letzten Mal direkt in der Stadt, wo es einfach mehr Möglichkeiten gab als auf einer abgelegenen Landspitze. Wir wollten aber mal eine neue Region auf Mallorca kennenlernen, und das Wetter war Ende Oktober/Anfang November an der Ostküste besser als im Norden. Der Rückreisetag startete mitten in der Nacht, so dass uns von der kurzen Woche sozusagen zweimal Zeit gestohlen wurde. Die Flüge nahmen die Kinder wieder gelassen hin, aber wir Eltern waren richtig ausgelaugt von der Urlaubswoche, als wir wieder zuhause waren. Der Mann wurde dann auch ein paar Tage später krank, die Kinder kurz darauf und ich selbst schlug mich 3 Wochen  mit einer nicht enden wollenden Erkältung herum. Insgesamt fällt die Bilanz dieses Urlaubs also sehr durchwachsen aus. Und trotzdem möchte ich zukünftig eigentlich nicht auf meine Sonnenurlaube verzichten. Ja, die Kinder werden größer. Sind sie schon und schaffen es trotzdem, einen schönen Urlaub so zu sabotieren. Das ist einfach schade - für uns und nicht zuletzt für sie selbst. Und an den Gedanken, mich von Urlauben mit den Kindern erst wieder erholen zu müssen, kann ich mich immer noch nicht gewöhnen.

Weitere Bilder im Blogpost über unser Wochenende in Bildern aus Mallorca.


Kommentare:

  1. Ich möchte ja nichts überinterpretieren, aber könnte es nicht sein, dass die nachfolgenden Infekte und der schon vorhandene Husten der Tochter mit dazu beigetragen haben? Habe eben wieder bei meiner Jüngsten ähnliches erlebt, ein wochenlang sehr schwieriges Verhalten, dem in keiner Weise beizukommen war, und dann eine schwere Bronchitis.Und mit der gesundheitlichen Besserung verschwand auch nach und nach das schwierige Verhalten... Natürlich sehr schade, dass es euch den Urlaub vermiest hat!

    Liebe Grüße

    Cornelia

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    1. Sie ist schon seit mehr als einem Jahr sehr schwierig, ich habe ja auch schon darüber geschrieben. Geschwisterstreit gibt es auch schon sehr lange, aber das war extrem geballt. Sie hatte keine Bronchitis und hustet immer noch. Ich war halt durch ihren nächtlichen Husten und den fehlenden Schlaf sehr dünnhäutig. Normalerweise gleicht die Sonne das aus;-)
      Liebe Grüße!

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  2. Das ist wirklich sehr schade und auch ärgerlich. Ich hätte da glaube ich auch die Tendenz zu sagen, das nächste Mal setze ich mich allein in den Flieger, aber man möchte ja das Schöne auch mit der ganzen Familie genießen. Vielleicht war den Kindern der Hoteltrubel zu viel und in einem Ferienhaus wären sie eher runtergekommen? Aber SAS ist natürlich für einen selbst wieder stressiger. Ich hätte mir ja für nächstes Jahr so einen Hotelurlaub im Süden sehr gewünscht. Nun ist aber Großfamilie im Ferienhaus angesagt. Da bin ich auch noch sehr zwiegespalten.
    Dir und deiner Familie wünsche ich schöne Weihnachtstage!
    Liebe Grüße, Micha

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    1. Eigentlich kennen sie Hoteltrubel und finden das auch spannend. In der zweiten Wochenhälfte (Anfang November) war auch fast gar nix mehr los, da die meisten abgereist sind. Im Ferienhaus ist es ihnen manchmal sogar zu langweilig und vor allem sind sie dann auf sich als Geschwister geworfen. Das war auch schon öfter problematisch. Ich möchte wirklich gern schöne Erlebnisse mit ihnen teilen und ihnen meine Begeisterung für's Reisen und Weltentdecken mitgeben.
      Kannst Du ein paar Tage allein in den Süden fliegen?
      Euch auch schöne und harmonische Weihnachtstage!
      Liebe Grüße!

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  3. Oh, ich kann dich verstehen. Das hätte mich auch fertig gemacht.
    Allerdings kenne ich es noch aus meiner kinderlosen Zeit, dass alles von dem ich viel erwartete hatte, stets eher solana bis katastrophal wurde. Weil meine Erwartungen einfach zu hoch waren. Seit die Kinder da sind, ist das einmal mehr so. Sprich ich habe meinen Erwartungshorizont ganz runter geschraubt und nehme eher an, was sich einfach so ergibt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Kinder merken, wenn man große Erwartungen hegt und sie dann nicht anders können, als das Gegenteil zu tun. Vielleicht war dieser Urlaub eine Mischung aus zu recht erhofften Erholungsgedanken (allen sollte es gut gehen) und einfach dem verflixten Zufalle, der gerade eine ungünstige Phase parat hatte. Ich hoffe, ihr könnt irgendwie, irgendwo nochmal kurzfristig auftanken und diesen blöden Urlaub vergessen oder irgendwann wenigstens drüber lachen.
    LG
    Beatrice

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    1. Ach Du, meine Erwartungen sind seit den Kindern schon so niedrig, dass ich eigentlich immer mit dem Schlimmsten rechne. Ich bin ja eine geborene Pessimistin;-) Ich wollte Sonne, Tapetenwechsel und 2 Tage entspannt herumfahren. All das war gegeben. Wenn ich es wenigstens ansatzweise verstehen könnte, warum sie so schlecht drauf waren! Und ehrlich gesagt haben wir sehr oft gedacht: mit einem Kind (egal welchem) wäre das ganz anders verlaufen...
      Liebe Grüße und schöne Weihnachtstage für Dich!

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