Donnerstag, 11. August 2016

Ruhe- und Actionbedürfnis bei meinen Kindern

Dass meine Kinder sehr verschieden sind, dürfte meinen Lesern bekannt sein. Ich habe ja schon mehrfach darüber geschrieben und die Unterschiedlichkeit macht sich in den verschiedensten Bereichen bemerkbar. Heute möchte ich mal über ihr Ruhe- bzw. Actionbedürfnis nachdenken, weil mir in einem Gespräch ein paar Dinge bewusst geworden sind.

Ich selbst bin ja ein sehr ruhebedürftiger Mensch. Ich bin eigentlich am liebsten allein und kruschel vor mich hin. In der Wohnung, in einer Ferienwohnung, im Garten etc., in meinem eigenen Rhythmus, ohne jemandem Rechenschaft schuldig zu sein, ohne Rücksicht zu nehmen und ohne gestört zu werden. Das brauche ich und wenn ich das nicht regelmäßig habe, werde ich erst unleidlich und später wütend-aggressiv. Das war z.B. in den Babyzeiten der Fall, als ich so gut wie nie allein zuhause war.

Die andere Seite von mir dagegen braucht Action und Anregungen, Unternehmungen, Reize und Input. Ich bin kein Stubenhocker, es gab und gibt kaum Tage, die ich komplett zuhause verbrachte, ich werde unruhig, wenn ein Wintertag verstreicht, ohne dass ich einen Fuß vor die Tür gesetzt habe (meist gehe ich dann wenigstens kurz im Dunkeln nochmal raus). Ich bin bei uns meist die Ideengeberin für Ausflüge und würde am liebsten jedes Wochenende etwas Tolles erleben. Ich bin auch dann total selig, wenn der Ausflug schön war.

Es ist wie ein Pendel, das immer hin und her schwingt, zwischen Ruhe- und Actionbedürfnis. Das richtige Maß zu finden ist sehr schwierig und während mir schnell Dinge zuviel werden, kann ich ebenso eine zu lange Zeit ohne Input nicht vertragen und werde unzufrieden. Ich brauche auch Herausforderungen, die mich nicht allzu sehr überfordern, und setze mich diesen bewusst selbst aus. Zum Beispiel verabrede ich mich oder uns immer wieder ganz bewusst, obwohl es eigentlich anstrengend für mich ist, wir alle nicht die geselligsten Menschen sind und ich danach eine Zeit brauche, bis ich wieder runtergefahren bin. Ich finde es aber wichtig, das zu üben, habe auch das Bedürfnis nach Austausch und Abwechslung und möchte gern, dass die Kinder lernen, dass man Freundschaften pflegen muss.

Bei meinen Kindern kommt es mir so vor, als seien diese beiden Seiten, die in meinem Wesen integriert sind, auf die beiden Kinder aufgespalten. Der Große ist genauso ruhebedürftig wie ich, ohne allerdings meine Sehnsucht nach Anreizen zu haben. Die Kleine dagegen ist umtriebig und actionbedürftig, ohne dass man nach aktuellem Stand ein großes Ruhebedürfnis bei ihr erkennen könnte (vielleicht kommt das noch). Das macht unseren Alltag, besonders am Wochenende oder im Urlaub, etwas kompliziert. Der Große möchte am liebsten zuhause bleiben. Das kann ich verstehen, denn ich bin auch gern (allein) zuhause. Ich möchte ihm das auch durchaus ermöglichen, weiß ich doch, wie wichtig das für Charaktere wie unsere ist. Die Kleine möchte gern raus und steht meist schon angezogen im Hausflur, während der Große noch im Schlafanzug von einem Ausflug überzeugt werden muss. Ich möchte auch gern etwas unternehmen, weil ich Input brauche und weil ich mich eh' nicht ausruhen kann, wenn wir zu viert zuhause sind. Ich freue mich, dass die Kleine Lust auf Unternehmungen hat und ärgere mich gleichzeitig, dass der Große sich sträubt, obwohl ich ihn verstehen kann.

Der Große verkörpert sozusagen meine ruhebedürftige und die Kleine die actionbedürftige Seite.  Während ich für mich selbst schauen und entscheiden kann, beiden Bedürfnissen Rechnung zu tragen und dies vor den Kindern auch immer recht gut schaffte, ist es nun umso schwieriger, da die Kinder darin so gegensätzlich sind und die in mir vorhandenen gegensätzlichen Pole ansprechen und herausfordern. Wir bemühen uns, dem Großen regelmäßig ruhige Zeiten zuhause zu ermöglichen, in denen wir auch versuchen, die Kleine von ihm fern zu halten. Zum Beispiel geht vormittags einer mit der Kleinen raus und der Große bleibt mit dem anderen Elternteil zuhause. Das genießt er sehr. Ebenso braucht und genießt es die Kleine, dass man mit ihr rausgeht. Leider ist es nicht so, dass der Große, wenn er einen Vormittag zuhause hatte, dann kompromissbereiter ist, was einen nachmittäglichen Ausflug angeht. Meist ist es sehr schwierig und nervenaufreibend, ihn dazu zu animieren. Die Kleine dagegen hibbelt schon an der Tür herum und kann es kaum erwarten, bis es endlich losgeht. Der Papa ist da übrigens ziemlich leidenschaftslos und macht sowohl das eine als auch das andere gern mit bzw. ihm macht das Fehlen des einen oder anderen nicht so viel aus.

Vielleicht verändern sich diese Extreme auch noch im Laufe der Jahre. Der Große war nämlich anfangs so unruhig, auch motorisch unruhig, dass er keine 30 Sekunden still an einem Ort verharrte. Ausruhen war Fehlanzeige. Dass er seinem Ruhebedürfnis auch selbst nachgeht, indem er die Tür des Kinderzimmers schließt und sich zurückzieht oder sagt, dass er zuhause bleiben will, kam erst mit der Zeit. Ich finde es gut, dass er sich dessen nun so bewusst ist und möchte das unterstützen. Ich weiß selbst zur Genüge, wie wichtig Auszeiten für hochsensible Menschen sind. Allerdings fehlt mir bei ihm eben das Bedürfnis nach Anregungen. Das verkörpert die Kleine, die wiederum kaum Regeneration und Ruhe zu brauchen scheint. Diese beiden Pole, die beide in mir verankert sind und hin und her pendeln, wirken im Moment wie aufgeteilt unter meinen Kindern. Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickeln wird. Aktuell ist das sehr schwer zu vereinbaren.

Wie ist das bei euch und euren Kindern? Habt ihr noch Tipps für das Vereinbaren der verschiedenen entgegengesetzten Bedürfnisse?

Bildquelle: Pixabay

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