Wir waren gerade auf dem Spielplatz angekommen, als ein gleichaltriger Freund des Großen (knapp 6) mit Papa und Schwester kam. Der Freund schlich miesepetrig herum und der Papa warnte uns schon, dass er schlechte Laune habe und "bockig" sei. Er brachte also eine Hypothek mit, die nichts mit uns zu tun hatte. Mein Großer versuchte vorsichtig, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Dabei trat der Freund ihn grundlos, ohne Vorwarnung und heftig vor's Schienbein. Er hat sich wahrscheinlich bedrängt gefühlt. Der Große kam verwirrt zu uns und ich sagte lediglich zu ihm: "Hat ... Dich getreten? Der hat schlechte Laune, am besten, wir lassen ihn erstmal in Ruhe." Mehr nicht. Der Papa sagte auch nichts, weder zu seinem Sohn noch zu meinem Großen. Nur zu mir, dass das jetzt öfter ein Problem wäre und sein Sohn auch zu den Eltern körperlich aggressiv sei. Wir beließen es dabei, der Freund kriegte sich wieder ein, die Kinder näherten sich wieder etwas an und spielten noch miteinander. Ich aber hatte den ganzen Nachmittag/ Abend und am nächsten Tag ein komisches Gefühl, spürte eigentlich, dass meine Reaktion nicht zufriedenstellend war, wusste aber auch nicht genau, wie ich besser und angemessener hätte reagieren können.
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Es ist wirklich schwer, in solchen Situationen schnell alle Aspekte abzuwägen, um angemessen reagieren zu können. Ich hatte nach diesem Spielplatzereignis ein schlechtes Gefühl und der Text der Grummelmama hat mich darin bestärkt, beim nächsten Mal anders zu reagieren. Allerdings habe ich auch schon erlebt, wie schnell man als überbesorgte Mama abgestempelt wird (siehe dieser Text). Das schlimmste Gefühl ist jedoch, das eigene Kind im Stich zu lassen. Das war zum Glück diesmal nicht so stark, weil der Große es relativ gut weggesteckt hatte (was ungewöhnlich für ihn ist). Ich greife eigentlich immer recht schnell ein, wenn ich ein Missverhältnis oder Gewalt sehe, zumal meine Kinder sehr zurückhaltend und eher passiv sind. Außerdem möchte ich ihnen natürlich zeigen und vorleben, dass bestimmte Dinge nicht tolerierbar sind. Vor nun schon fast 2 Jahren hatten wir mal den Fall der Störenfriede in der Kita, die meinen Großen und andere Kinder ärgerten und wo ich deutlich eingriff. Bei der geschilderten Spielplatz-Begebenheit konnte ich das irgendwie nicht, da es um seinen Freund ging, der gerade mit sich zu kämpfen hatte, was natürlich keine Entschuldigung für das Treten ist. Der Ärger auf meinen Sohn beim letzten Treffen mit seinem Freund, als er diesen komplett ignorierte, trug dazu bei, dass ich den Großen nicht deutlicher in Schutz nahm. Bei einem fremden Kind wäre meine Reaktion mit Sicherheit anders ausgefallen. Es sind also immer sehr viele verschiedene Aspekte, die in solche Situationen hineinspielen, und ich finde es wahnsinnig schwierig, schnell den richtigen Weg zu finden. Das habe ich am nächsten Tag mit dem Großen nochmal geklärt und ihm versprochen, in solch einem Fall anders zu reagieren. Ganz genau wie, weiß ich aber immer noch nicht.
Was würdet ihr machen, wie löst ihr solche Situationen? Verhaltet ihr euch gegenüber befreundeten Kindern anders als gegenüber fremden? Bekommt ihr Verständnis für eure Reaktionen oder eher ein Kopfschütteln?
