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Donnerstag, 9. November 2017

Das Schlafen verlernt

Ich habe das Schlafen verlernt. Ich kann nicht mehr schlafen, nicht mehr abschalten, nicht mehr tief in das Reich des Morpheus versinken. Ich bin immer mit einem halben Ohr da, das Gehirn ist auf Standby, bereit, sofort zu reagieren, wenn ein Kind ruft. Ich brauche jeden Abend sehr lange, um überhaupt einzuschlafen, liege wach im Bett und warte auf den Schlaf. Ich schlafe nie tief und bin meist sofort wieder da, wenn ich dann nachts geweckt werde. Und dann liege ich wieder ewig wach. Manchmal ist das Kreisen der Gedanken daran schuld, manchmal sind es äußere Störungen wie Schlafgeräusche der Kleinen, die ja meist noch neben mir schläft. Meist jedoch liegt es daran, so vermute ich jedenfalls, dass mein Gehirn, das nun fast 7 Jahre in ständiger Bereitschaft ist, einfach nicht mehr abschalten kann. Es findet nicht mehr in den kompletten Ruhezustand.

Ich habe das gemerkt, als ich in diesem Jahr erstmals, seit ich Mama bin, zwei Mal für 3 Tage allein verreist war. Ich habe in diesen 2 x 2 Nächten geschlafen, ja, auch durchaus gut geschlafen, aber überhaupt nicht tief, ich brauchte wie zuhause ewig lange, um einzuschlafen, und war morgens viel zu früh wach, dafür, dass ich eigentlich hätte ausschlafen können. Obwohl ich allein war und für niemanden Verantwortung hatte, konnte ich mich, was die Schlafprobleme betrifft, in der kurzen Zeit nicht umstellen. Ich würde dringend mal wieder tiefe und lange Schlafnächte brauchen, aber es ist einfach nicht mehr möglich. Jetzt, wo die Kinder alt genug sind und mich nur noch selten nachts brauchen, ist das umso frustrierender. Ich habe das Schlafen durch die Kinder verlernt.

Bildquelle: Pixabay

Der Große war anfangs ein grauenhafter Schläfer, sowohl tagsüber als auch nachts. Stundenlang saß ich in den Nächten mit ihm im Stillsessel, musste immer wieder zu ihm, wenn er im Bett lag und schrie, und es gab viele Nächte in seinem ersten Lebensjahr, in denen er 3 Stunden knallwach war und herumgetragen werden musste. Dazu kam, dass er trotz dieser schlechten Nächte den Schlaf nicht morgens verlängert hat, sondern schon immer ein Frühaufsteher war (zwischen 5 und 6 Uhr). Das war für mich eigentlich das Schlimmste. Mit 15 Monaten verbesserte sich sein Nachtschlaf deutlich und er schlief dann ungefähr jede zweite Nacht durch, allerdings in Phasen, d.h. ein paar Tage lang gar nicht und dann einige Tage jede Nacht, vereinfacht gesagt. Es war unberechenbar, aber eine große Verbesserung. Mit 3 1/4 Jahren (da war die Kleine schon 1 Jahr alt!) schlief er dann endlich zuverlässig durch, und seitdem ist er wirklich ein super Schläfer. Er schläft gut ein und sehr tief, er kann auch in neuen Umgebungen mittlerweile wunderbar schlafen und er benötigt uns nachts eigentlich gar nicht (Ausnahmen bei Krankheit). Ich staune, wie er sich so komplett gewandelt hat und das Schlafen, das Zur-Ruhe-Kommen und Abschalten selbst mit der Zeit "gelernt" hat. Ich habe es aber zuerst durch ihn VERlernt.

Die Kleine war von Anfang an ganz anders in ihrem Schlafverhalten. Sie schlief tagsüber wunderbar im ersten halben Jahr, nachts etwas durchwachsener, aber für mich erträglicher als der Große seinerzeit. Ich bekam mehr Schlaf ab als bei ihm, da sie nachts schnell wieder einschlief und kaum lange nächtliche Wachphasen hatte. Allerdings wachte sie auch mit über einem Jahr, als der Große begann, besser zu schlafen, noch sehr oft auf und wollte teilweise alle 1-2 Stunden nachts stillen. Das war ziemlich anstrengend und ich war froh, als das vorbei war. Mit ca. 19 Monaten konnte sie durchschlafen, allerdings schläft sie bis heute (sie ist 4 1/2 Jahre) nicht zuverlässig durch, sondern wacht noch manchmal nachts auf. Es ist kurios, dass das Kind, was anfangs grottenschlecht schlief, nun der zuverlässige Durchschläfer ist und die Kleine eher die unzuverlässige Schläferin. Da ich meist bei ihr schlafe, bin ich davon natürlich auch direkt beeinflusst. In unserem Mallorca-Urlaub letzte Woche hatte sie einen solchen nächtlichen Husten (bei völliger Gesundheit tagsüber), dass ich eine Woche lang nachts kein Auge zugetan habe. Dort konnte ich ja auch nicht in ein anderes Zimmer ausweichen wie zuhause. Mit ihr habe ich schon sehr viele Nächte durch, in denen sie sich ständig erbrochen hat. Sowas kenne ich vom Großen gar nicht. Sie braucht auch viel Körperkontakt und kommt mir nachts sehr nahe, ich habe ihre Füße im Gesicht und ihre Hand an meinem Hals. Das lässt mich nicht schlafen bzw. weckt mich immer wieder auf. Sie hat aber Angst und wandert nachts in der Wohnung herum, wenn ich nicht bei ihr schlafe. Deshalb können wir daran auch im Moment nicht viel ändern.

Ich bin, selbst wenn ich schlafe, immer mit einem halben Ohr da, immer im Standby-Modus, bereit, sofort aufzuspringen, wenn ein Kind ruft, weint, schlecht träumt, erbricht oder raus muss. Mit einem Klick bin ich hellwach und einsatzfähig, so, als hätte ich gar nicht geschlafen. Einen richtigen Tiefschlaf kenne ich schon lange nicht mehr. Früher habe ich viel und lebhaft geträumt, das hat fast völlig aufgehört. Ich vermisse meinen guten, erholsamen, regenerativen, unbeschwerten Schlaf sehr!

Mir wurde gesagt, das mit dem Schlafen käme irgendwann wieder. Man könne das wieder lernen! Ich glaube da nicht dran. Ich fürchte, es ist endgültig vorbei. Ich werde nie wieder tief, lange und unbeschwert schlafen. Ich werde mich immer in Bereitschaft fühlen, auch nachts. Das Gehirn wird wohl nie wieder so abschalten können wie früher. Dass mir Schlaf fehlt, sieht man mir an. Dass mir Schlaf fehlt, fühle ich selbst. Aber ich kann ihn nicht herbeizwingen. Ich gehe spät ins Bett, weil ich sowieso wach liege. Und weil der späte Abend die einzige Zeit ist, wo ich längere Zeit ungestört und allein sein kann. Ich schlafe schon länger schlecht und das ist auch in Phasen völliger Erschöpfung der Fall. Oder eben auch, wenn ich mal allein in einem Hotelzimmer bin, was dieses Jahr erstmals vorkam. Seit fast 7 Jahren unterbrochene Nächte fordern ihren Tribut. Das Gehirn hat sich darauf eingestellt, dass es nicht schlafen darf. Und ich fürchte, dieser Vorgang ist nicht wieder umkehrbar.

Als Kind war uns unverständlich, dass unsere Eltern auch am Wochenende freiwillig um 7 Uhr aufstanden. Niemals wollten wir so werden! Aber wahrscheinlich werden wir das nicht verhindern können, denn mit eigenen Kindern verlernt man das Schlafen. Dabei würde man genau in dieser Lebensphase den Schlaf so dringend brauchen. Lieber Schlaf, komm bitte wieder zurück zu mir!

Freitag, 27. Mai 2016

Die beendete Mittagsschlafkarriere des Großen

Der Große hat im Vergleich zu anderen Kindern sehr lange Mittagsschlaf gehalten, bis um seinen 5. Geburtstag herum. Das rührte zum einen daher, dass er nachts nur ca. 9,5 h schläft und deshalb mittags immer sehr müde war und eine Pause brauchte, zum anderen daher, dass durch das Mittagsschlaf-Ritual der Kleinen automatisch ein Gemeinschaftseffekt auftrat, indem jeder von uns Eltern ein Kind ins Bett brachte. Er hatte mit ca. 2,5 Jahren eine Phase, in der es schwierig war, ihn mittags zum Schlafen zu bewegen; teilweise verweigerte er sich auch. Danach klappte es aber meist wieder und wir hatten am Wochenende eine schöne, dringend benötigte Mittagspause. Im Garten schlief er allerdings nicht und so fuhren wir oft in der Mittagszeit los und ließen die Kinder im Auto schlafen, das man direkt vor'm Garten abstellen kann. Alle seine Freunde hatten den Mittagsschlaf schon früher abgeschafft, schliefen allerdings auch nachts mehr als er. Wie üblich hörten wir immer die Sprüche, dass er nachts/morgens länger schlafen würde, wenn der Mittagsschlaf wegfiele. Daran glaubten wir aber aus Erfahrung nicht; er hat schon früher nie mehr geschlafen, wenn wir ein Schläfchen ausließen.

In der Kita hat er bis Anfang April noch mittags geschlafen. Nach dieser Episode im August 2015, als nach dem Wechsel zu den Großen plötzlich und übergangslos keine Mittagspause mehr gemacht wurde und er nach kurzer Zeit völlig überreizt war, was sich in schlimmen Wutanfällen, Schreiattacken und Essensverweigerung äußerte, hatten wir in einem Gespräch mit seiner Erzieherin darum gebeten, ihn, wenn schon nicht zum Schlafen, so doch wenigstens zu einer Mittagspause anzuhalten. Er wurde dann wieder zu den Schlafkindern gezählt, die sich hinlegen sollten und nach einer bestimmten Zeit aufstehen konnten, wenn sie nicht einschliefen. Soweit wir wissen, schlief er immer ein. Das war für ihn der beste Weg und für uns in Ordnung.

Im Winterhalbjahr hat er immer öfter am Wochenende nicht geschlafen, sich aber ruhig beschäftigt oder mit dem Tablet gespielt. Uns war nur wichtig, dass eine Ruhepause eingehalten wird, wenn die Kleine schläft. Das hat gut geklappt und er hat auch den Nachmittag problemlos überstanden. Schwierig war nur, wenn wir nachmittags Auto gefahren sind, weil er dann sofort wegdöste. Manchmal hat er auch noch zuhause geschlafen, erstmals auch mit der Kleinen und einem von uns zusammen, was total süß war; man merkte aber schon, dass sich der Mittagsschlaf nun langsam ausschlich. Anfang April sagte er dann irgendwann ganz überraschend, dass er nun in der Kita auch nicht mehr schlafen wolle. Ob der Wunsch ganz aus ihm selbst heraus entstand oder ihn seine Freunde, die alle nicht mehr schliefen, auf die Idee gebracht hatten, ist nicht ganz durchschaubar. Aber er selbst war ziemlich klar in seinem Anliegen, was für ihn ungewöhnlich ist. Also sprach ich mit ihm darüber, dass er sich dann aber unbedingt in der Mittagspause ruhig beschäftigen und ein wenig zurückziehen solle, damit er sich erholen kann. Am nächsten Tag redete ich in seiner Gegenwart mit einer Erzieherin, erzählte, dass er nun nicht mehr schlafen wolle und bat explizit darum, ein Auge auf ihn zu werfen, damit er in der Mittagspause runterkommen kann. Denn darüber machte ich mir die meisten Sorgen.

Am ersten Tag bin ich mit den Kindern extra relativ früh nach Hause gegangen, damit er sich erholen kann. Er war aber gut und normal drauf. Ab dem zweiten Tag nach Abschaffung des Mittagsschlafes in der Kita spielte sich immer das gleiche Drama ab: den Nachmittag überstand er noch relativ problemlos, abends aber war die Luft komplett raus. Manchmal weinte und bockte er, meist aber war er völlig apathisch, reagierte auf gar nichts mehr, lag auf der Couch und verweigerte das gemeinsame Abendbrot. Jeder Ton, jedes Geräusch schien ihm zuviel zu sein (das kenne ich nur zu gut von mir selbst, ebenso die Appetitlosigkeit bei Überreizung). Einige Male aß er dann später allein noch etwas, was mich beruhigte. Das setzte sich die 3 Wochen bis zu unserem Urlaub Anfang Mai so fort. Insgesamt war er in dieser Zeit sehr empfindlich, noch schneller gekränkt als sonst, sehr weinerlich, ist viel hingefallen und sah angegriffen aus. Die Abende waren eine Nervenprobe bzw. er tat mir sehr leid. Ich fragte ihn noch mehrmals, ob er doch wieder schlafen wolle, aber er wollte definitiv nicht. Morgens schlief er nicht erkennbar länger und ging abends auch nicht freiwillig früher ins Bett, sondern wie immer erst durch unser Signal.

Wir sahen, dass er dringend auftanken und sich regenerieren musste. Für den Urlaub nahmen wir uns deshalb vor, ihm so oft wie möglich den Mittagsschlaf durch Autofahren abzutricksen. Bis auf ein Mal schlief er dort immer im Auto, was ihm erkennbar gut tat. Wir hatten eine ebenerdige Ferienwohnung und parkten das Auto direkt davor, was optimal war. Schlagartig hörte die abendliche Apathie und Appetitlosigkeit auf und ihm ging es von Tag zu Tag besser. Da beide Kinder im Urlaub sehr früh wach waren, war der Mittagsschlaf sowohl für sie als auch für uns dringend nötig. Man sah, wie gut es dem Großen bekam, er hatte Kraft für den Nachmittag und regenerierte sich.

Quelle: Pixabay

Als die Kita wieder startete, fragte ich ihn noch einmal, ob er lieber schlafen wolle. Nein, er wollte partout nicht. Ich briefte erneut die Erzieherinnen, darauf zu achten, dass er sich mittags ausruht und etwas abschaltet. Seitdem funktioniert es besser und er isst abends mit uns, ist nicht mehr apathisch, spielt zwar ruhig und für sich (oder mit Papa), aber ist kein Häufchen Elend mehr. In den letzten 3 Wochen wirkte er, als hätte er sich nun umgestellt. Vielleicht wird auch jetzt mehr auf seine Ruhezeit in der Kita geachtet, wer weiß. Seine Bettgehzeit (20:30 Uhr) und Aufwachzeit (6:00-6:30 Uhr) ist auch nach 7 Wochen eigentlich gleich geblieben. Vielleicht schläft er morgens eine Viertelstunde länger, aber keinesfalls die 1-1,5 h des fehlenden Mittagsschlafes. Wir werden sehen, wie sich das weiter entwickelt.

An den Wochenenden wollen wir ihn eigentlich, so oft es geht, überlisten und im Auto schlafen lassen, damit er den fehlenden Schlaf der Woche etwas aufholt. Am letzten Wochenende hat nicht einmal das geklappt und er ist wieder aufgewacht, als wir an unserem Garten ankamen. Das zeigt uns, dass er den Schlaf wohl tatsächlich nicht mehr so dringend zu brauchen scheint. Wir achten aber auch da auf eine Ruhepause. Die Mittagsschlafkarriere des Großen scheint nun also nach 5 Jahren beendet zu sein. Wenn die Kleine das mitbekommt, wird ihre wohl auch bald Geschichte sein. Damit würden wir zwar mehr Flexibilität im Tagesablauf gewinnen, aber die wichtige Ruhephase für uns Eltern fiele weg. Am wichtigsten ist mir jedoch, dass der Große Strategien für sich selbst findet, innerhalb eines Tages eine Pause zu machen und etwas zur Ruhe zu kommen, um der drohenden Überreizung vorzubeugen. Das wird vor allem auch in Hinblick auf seinen Schulstart 2017 notwendig sein. Und für mich selbst ist die kurze Pause zwischen Arbeit und Kita, in der ich allein zuhause bin, die wichtigste Phase des Tages.