Posts mit dem Label Jahreszeiten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jahreszeiten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 13. Januar 2018

Eine Schatztruhe von Ideen: Familienzeit - Entdeckerbuch für glückliche Familien (Rezension)

Heute möchte ich euch abseits meiner sonstigen Rezensionen ein Buch vorstellen, das ich bei einer anderen Bloggerin entdeckte und was mich sofort begeisterte, da es ein ganz ungewöhnliches Werk ist: Familienzeit - Entdeckerbuch für glückliche Familien*, ein Buch, das Familien durch den Jahreskreislauf begleiten und Anregungen für eine tolle Familienzeit in der Natur und zuhause geben soll. Wer ein schönes Buch sucht, das mehr als ein Bastel-, Koch- oder Ratgeberbuch für Drinnen und Draußen ist, sondern auch viele inspirierende Gedanken zum Familienleben allgemein erwähnt, dem lege ich diesen Band wärmstens an Herz.

Das Buch ist nach Monaten aufgeteilt, und zwar nach den Tierkreiszeichen-Monaten (z.B. 21. März bis 19. April). Dies geht auf den französischen Revolutionskalender zurück und war ein kurzlebiges, aber interessantes Projekt, um sich wieder mehr auf die Jahreszeiten zurückzubesinnen. Die Monatsbezeichnungen im Buch sind französischen Ursprungs und klingen in der Übersetzung als Erntemonat, Nebelmonat, Blumenmonat oder Schneemonat viel poetischer als unsere gregorianischen Monatsnamen. Sie unterstreichen das Anliegen des Buches, als Familie wieder mehr im Einklang mit den Jahreszeiten zu leben.


Aktuell befinden wir uns mitten im Winter, wo die Gelegenheiten, sich draußen auszutoben, naturgemäß begrenzter sind als im Sommer. Eltern suchen dann immer nach Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Kinder, nach Ideen und Inspiration für die vielen Stunden, die man in den eigenen vier Wänden verbringt. Dafür bietet das Buch vielerlei Anregungen, z.B. das Basteln eines Eislichtes, das Herstellen von Kräuterseife oder eine Biosphäre im Gurkenglas. Daneben gibt es einladende Rezepte wie die Familien-Friedens-Pizza, ein Entdeckerpicknick oder selbstgemachte Müsliriegel. Diese den Text auflockernden Seiten sind anschaulich und wunderschön bebildert und regen zum Nachmachen an.


Besonders mag ich die teils recht ausführlichen und sehr wertvollen Gedanken und Überlegungen der Autorin zu jedem einzelnen Monat. Wie kann das Familienleben entstresst werden, wie können wir achtsamer und bewusster leben, wie können wir unsere Kinder in den Alltag und unsere Aufgaben einbeziehen, wie können wir Probleme gemeinsam lösen. Es gibt Kapitel namens "Fantasiereisen", "Wir werden Wolkenforscher" und "Sternenwanderung", in denen ein kindgerechter Ansatz für Entdeckungsreisen in der Natur beschrieben wird. Im Feldfruchtmonat geht es um große Entwicklungsschritte von Kindern wie Kitastart und Einschulung, im Keimmonat um das Aufräumen und den Frühjahrsputz. Ihr merkt schon, es handelt sich wirklich um ein ungewöhnliches Buch, das sich in keine Schublade stecken lässt.



Es ist wirklich eine kleine Schatztruhe, auf jeder Seite eröffnen sich neue Inspirationen für einen abwechslungsreichen Familienalltag. Es ist auch völlig undogmatisch: gleich im ersten Kapitel legt die Autorin Wert darauf zu betonen, dass jede Familie unterschiedlich ist und niemals alle Ideen und Vorschläge zu jeder Familie passen. Das finde ich sehr wichtig, denn sonst fühlt man sich von solchen Büchern schnell unter Druck gesetzt. Dieses Gefühl entsteht hier überhaupt nicht. Man kann sich heraussuchen, was zur eigenen Familie oder in der aktuellen Lebensphase passt, man muss es nicht in einem Rutsch "durcharbeiten", sondern holt es einfach hervor, wenn man Inspiration braucht.


Die Autorin schafft es, auf eine leichte Art und Weise vom Stubenhocker-Wetter zum Budenkoller hin zu einer konstruktiven Streitkultur mit einer gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg überzuleiten. Im Kapitel "Nebelmonat" gibt sie nebenbei pädagogische Tipps, z.B. zum Thema Geschwisterstreit, und kombiniert das Monatsthema passenderweise mit dem Rezeptvorschlag "Familien-Friedens-Pizza".


Das Buch ist mit Humor und ohne belehrenden oder bevormundenden Unterton geschrieben. Es macht großen Spaß, durch dieses Werk zu stöbern, sich Anregungen für Beschäftigungen oder einen bewussteren Alltag zu holen. Im Übrigen eignet es sich nicht nur für die eigene Familie, sondern auch wunderbar als Geschenk. Ich empfehle es euch uneingeschränkt!

Die Eckdaten:
Sabine Huth-Rauschenbach: Familienzeit - Entdeckerbuch für glückliche Familien*, Trias Verlag, Oktober 2017, 184 Seiten, ISBN 978-3432103785, € 19,99


Vielen Dank an den Trias Verlag für das Rezensionsexemplar!

*Affiliate Link

Samstag, 18. November 2017

Angst vor der eigenen Endlichkeit

Ich habe Momente, da falle ich in ein schwarzes Loch. Alles dreht sich, ich habe Todesangst, ich werde mir der Endlichkeit des Lebens zutiefst bewusst und das versetzt mich in eine solche Panik, dass ich zittere, die Luft anhalte und erstarre. Das Herz rast. Es sind Momente, wo ich Dinge begreife, die das menschliche Gehirn eigentlich nicht begreifen kann. Die Unendlichkeit des Universums zum Beispiel und vor allem die Gewissheit des eigenen Todes, die Auslöschung meiner Person und die Weiterexistenz der Welt ohne mich. Dinge, die man sich eigentlich nicht vorstellen kann und deshalb verdrängt, werden plötzlich begreifbar und kreisen glasklar in meinem Verstand. Es ist unerträglich und ich bin nach solchen Attacken immer fix und fertig.

Sie halten relativ kurz an, nur ein paar Minuten, und danach ist alles wieder beim Alten. Während man im normalen Alltagsleben theoretisch weiß, dass man sterben muss wie alle Menschen auch, das Leben der anderen weitergeht und man innerhalb kurzer Zeit vergessen ist, kommt in solchen Momenten das Begreifen mit aller Macht und Ausweglosigkeit und stürzt mich ins Bodenlose, ins Schwarze, ins Unerträgliche. Ich begreife dann das eigentlich Unbegreifliche, und das ist furchtbar, schmerzhaft und grauenhaft. Es ist, als würde die normale Beschränktheit des menschlichen Verstandes für einen kurzen Moment ausgehebelt und man erhält Anteil am "Weltgehirn". Es fühlt sich an, als würde man gleichzeitig verrückt und allweise werden. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll. Es ist panik- und angsteinflößend und gleichzeitig faszinierend.

Ich hatte diese Momente schon früher. Zwar weiß ich nicht mehr, wann es angefangen hat, aber seit meinen frühen Zwanzigern erinnere ich mich daran. Ein anthroposophischer Freund hat damals immer gesagt, als ich ihm das erzählte: "Das ist die Erfahrung des Nichts." Früher fühlte ich mich noch ausgelieferter und verwirrter, mittlerweile weiß ich auch mitten in diesen Momenten, dass sie bald vorüber gehen. Die Intensität ist geblieben und die Häufigkeit sogar angestiegen, je älter ich werde. Es sind keine konkreten Auslöser erkennbar, auch wenn neuerdings immer öfter beim Anblick von alten Menschen das Bewusstsein der Vergänglichkeit hochkommt. Trotzdem falle ich dabei selten in diese "Attacken" hinein. Sie treten unvorhersehbar tags, nachts, in jeder Situation auf, manchmal wochenlang gar nicht, dann wieder öfter. Ein gewisser Ruhezustand ist Voraussetzung dafür, und kurioserweise hat die Häufigkeit zugenommen, obwohl ich selten Ruhe und Muße habe. Ich habe keinen Einfluss darauf und kann in den Momenten auch nichts tun, damit sie aufhören.

Ich vermute, dass es sowas wie Panikattacken sind, allerdings geht es darin nicht um die Angst, irgendetwas im Leben nicht bewältigen zu können, sondern schon immer nur um die Endlichkeit meiner Existenz, die räumliche Unendlichkeit des Universums und gleichzeitig seine zeitliche Endlichkeit, verbunden mit den Fragen: was war davor, was kommt danach? Wobei ich die Vorstellung, dass es eine lange Geschichte vor mir gegeben hat, nicht ganz so unvorstellbar finde wie die Tatsache, dass es nach mir einfach so weitergehen wird. Das klingt vielleicht narzisstisch, aber ich empfinde das in diesen Momenten ganz existenziell. Die Erkenntnis der Vergänglichkeit schneidet wie ein Blitz durch meinen Körper.

Quelle: Pixabay

Die Kinder als Trost?

Man hat früher zu mir gesagt, dass es besser werden würde, wenn Kinder da sind, weil man dann die Gewissheit hat, sozusagen in den Kindern weiterzuleben und etwas von sich selbst auf der Erde zu hinterlassen. Besser geworden ist es nicht, seit ich Kinder habe, im Gegenteil, die eigene Endlichkeit ist mir noch stärker bewusst geworden und die Angst vor dem Ende noch intensiver. In den letzten Jahren haben wir meine Schwiegereltern beerdigt. Ich habe gesehen, wie schnell alles, was ein Leben ausgemacht hat, entsorgt und vergessen ist, und während es Menschen gibt, denen das nichts bedeutet, finde ich das ganz schrecklich. Ich sehe, wie die Jahreszeiten und Geburtstage vergehen, und all das führt näher ans Ende. Besonders der Herbst und Winter werden von Jahr zu Jahr immer schwerer für mich zu ertragen. Ich sehe, dass ich seit fast 7 Jahren und noch ca. 14 weitere Jahre nicht so oder nur eingeschränkt leben kann, wie ich eigentlich gern möchte. Ich sehe, wie meine Eltern und Verwandten älter werden, das Verhältnis immer schwieriger wird und die Familien auseinanderfallen, seit die Großelterngeneration nicht mehr da ist. Ich sehe, wie schnell alles in Vergessenheit gerät. Ich merke, wie schnell ich selbst vergesse.

All das macht mir ehrlich gesagt große Angst. Einerseits lebe ich zwar in den Kindern weiter, andererseits erinnern sie mich aber auch mehr als je zuvor an mein eigenes Ende. Das ist schmerzhaft und manchmal auch schon mit dem normalen Bewusstsein kaum auszuhalten. In den schwarzen Momenten ist das unmöglich. Die Existenz der Kinder hat darauf keinerlei Auswirkung, weder ist sie ein Trost noch kann sie solche Momente verhindern. Eher hat sie sie noch verstärkt. Das ist insofern merkwürdig, weil mein Empfinden sonst generell weniger tief geworden ist, seit ich die Kinder habe.

Im Sturm "Xavier", der Anfang Oktober über Norddeutschland tobte, ist eine Frau ums Leben gekommen, die ich persönlich kannte. Es ist schon viele Jahre her, seit sich unsere Wege beruflich kreuzten, und wir haben kaum mehr als ein paar Worte gewechselt. Trotzdem fühlte sich dieser Tod für mich anders an als sonstige unpersönliche Todesfälle, und die Irrationalität eines solch verfrühten Lebensendes trat besonders deutlich zum Vorschein. Das hat mich stark beschäftigt und lässt mich bis heute nicht los. Sie war nur ein Jahrzehnt älter als ich, als ein dummer Zufall, anders kann man es nicht nennen, während des Sturms ihr Leben auslöschte. Es ist unbegreiflich und führte mir die eigene Endlichkeit und besonders auch die potentielle Plötzlichkeit des Endes hart vor Augen. Ich ringe streckenweise stark mit dem Thema und nein, meine Kinder sind mir dabei kein Trost. Das eine hat mit dem anderen für mich überhaupt nichts zu tun.

Ungefähr die Hälfte meines Lebens ist vorbei. Die zweite Hälfte vergeht bekanntlich immer schneller. Und obwohl ich mir wünsche, dass die Kinder älter werden und ich dadurch wieder etwas freier leben kann, habe ich gleichzeitig Angst davor, denn mit dem Älterwerden der Kinder vergeht mein eigenes Leben. Diese Ambivalenz ist schwer auszuhalten. Ich möchte sie ja gern noch lange begleiten und sehen, wie sie ihr Leben gestalten. Andere, leichtere Gemüter als ich würden jetzt sagen: "Ach was, genieße einfach jeden Moment deines Alltags, damit du weißt, du hast dein Leben gut gelebt." So simpel ist das aber für mich nicht und wird es auch nie werden. Aber auch das gehört zu meiner Existenz dazu. Vielleicht kommt dieses Gefühl, wenn das Hamsterrad des Alltags etwas nachlässt. Was aber nichts an der Unausweichlichkeit des Endes ändert. Wir müssen alle mit dieser Perspektive leben. Der eine verdrängt, dem anderen gelingt das nicht. Ich gehöre zu Letzteren, schon immer. Daran hat die Mutterschaft nichts geändert. Und bei euch?

Freitag, 16. September 2016

Mein Leben war nicht sinnlos, bevor ich Kinder bekam !

Immer wieder höre und lese ich Aussagen darüber, dass Eltern (vor allem Mütter) sich nicht mehr erinnern oder vorstellen können, wie ihr Leben vor dem Kind/den Kindern ausgesehen hat, was sie ausgefüllt und ihrem Leben einen Sinn gegeben hat. Dass sie das Gefühl haben, das Kind wäre schon immer da gewesen oder sie seien nur mit dem Kind vollständig, dass sie nicht wüssten, womit sie sich früher beschäftigt haben oder nur durch das Kind glücklich seien. Ich muss ehrlich sagen, dass ich das nicht nachvollziehen kann und es auch irgendwie merkwürdig finde. Mir geht das nicht so, im Gegenteil.

Als mein Großer uns letztens einmal fragte, was wir früher gemacht hätten, als er und die Kleine noch nicht da waren, zählte ich auf Anhieb viele Dinge auf, die uns früher Spaß bereitet, unsere Wochenenden und Urlaube ausgefüllt und unserem Leben Freude und Sinnhaftigkeit gegeben hatten. Wir haben gearbeitet, sind viel gereist, haben die Welt und das eigene Land entdeckt, waren am Wochenende aktiv, viel in der Natur, hatten schon unseren Garten, trafen Freunde und besuchten Museen, Ausstellungen, Kinofilme etc. Aus mir kam es nur so herausgesprudelt und die Kinder hörten interessiert zu. Ich hatte das Gefühl, sie verstanden, dass wir jetzt, als Familie, nur noch einen kleinen Bruchteil dessen unternahmen, was wir Eltern früher zu zweit gemacht hatten. Ich glaube auch, sie merkten, dass in meinem Erzählen ein Bedauern mitschwang, aber so ist es nun mal. Vieles ist einfach mit kleinen Kindern nicht möglich.

Unser Leben vor den Kindern war definitiv nicht unausgefüllt oder sinnlos. Das wäre ja schlimm! Ich bin erst mit 36 Jahren Mama geworden und das hieße, 36 Jahre oder sagen wir, 18 erwachsene Jahre wären überflüssig, unglücklich oder sinnentleert gewesen. Nein, das empfinde ich überhaupt nicht so und verstehe auch Menschen nicht, die ihr eigenes bisheriges Leben als so oberflächlich und nebensächlich betrachten, bis sie Kinder und damit eine Aufgabe bekamen. Wir hatten sehr viele glückliche, intensive Momente, haben viel erlebt und unser Leben genossen. Sowohl jeder von uns für sich allein als auch wir beide zusammen. Wir hatten wunderbare Reiseerlebnisse, haben zusammen gelacht und geweint, Wohnungen eingerichtet, Wurzeln geschlagen, studiert, Feste gefeiert und das Leben ausgekostet. Wir waren auch vor den Kindern schon im Zoo und im Wald spazieren, haben Tischtennis gespielt, Plätzchen gebacken, Kastanien gesammelt, Gänseblümchen gepflückt, Pusteblumen ausgepustet und Drachen steigen lassen. Das war nicht bedeutungslos und auch nicht unausgefüllt. Es war bunt und aufregend und selbstbestimmt und frei und wunderbar.

Quelle: Pixabay

Ja, wir hatten das Gefühl, dass etwas fehlte und haben uns jahrelang ein Kind gewünscht, bis es endlich klappte. Ja, wir wären unendlich traurig gewesen, wenn wir zu zweit geblieben wären. Mit Sicherheit aber hätten wir kein sinnloses Leben ohne die Kinder. Vielleicht wären wir ausgewandert und hätten nochmal ganz von vorn angefangen. In unserem Haushalt gibt es diverse Bücher dazu. Vielleicht hätten wir auch so weitergelebt wie bisher. Vielleicht hätte ich promoviert und andere exotische Sprachen gelernt. Interessen und Leidenschaften gäbe es jedenfalls genug und ich fände es fatal, wenn ich mich nur über meine Kinder definieren würde. Ich bin doch ein eigener Mensch und ein großer Teil meines Lebens fand ohne meine Kinder statt.

Aus manchen Berichten anderer Eltern hört man heraus, dass sie früher ein ziemlich inaktives Leben geführt hatten, ein ganzes Wochenende auf der Couch verbrachten oder täglich bis spät abends arbeiteten. Vielleicht empfindet man die Erinnerung an ein solches Leben als fade, vielleicht nehmen diese Eltern die Natur, den Jahreskreislauf, die Feste und die Familie wirklich erst dann intensiv wahr, wenn sie selbst Eltern werden. Bei mir ist das nicht so. Ich hatte schon früher ein sehr starkes Erleben der Natur und der Jahreszeiten, empfand tiefe Gefühle an meinen "Kraftorten" und konnte in einem guten Buch oder Film regelrecht versinken und emotional eintauchen. Das kann ich mittlerweile nicht mehr, diese Fähigkeiten sind irgendwie verschüttet, seit ich Kinder habe, bzw. von all den Anstrengungen des Alltags aufgefressen. Da ich nun nahezu ständig unter Strom stehe, haben tiefe Gefühle kaum eine Chance, in mir Fuß zu fassen und mein Herz zu erreichen. Manchmal kommt ein leichter Anflug davon, wenn ich allein mit nur einem Kind unterwegs bin, wie zum Beispiel letztens, als ich mit dem Großen im Garten übernachtete und wir abends noch auf unseren Feldern herumtollten. Ich vermisse diese Gefühle und hoffe, dass sie wiederkehren, wenn der Alltag mit den Kindern nicht mehr ganz so kräftezehrend ist.

Viele Eltern sagen, dass sie erst jetzt Kleinigkeiten bewusst wahrnehmen und mit den Augen ihres Kindes sehen. Bei mir ist das umgekehrt, ich kann mich kaum noch auf kleine Dinge und die Schönheit der Natur einlassen und konzentrieren, weil sich mein Fokus so auf meine Kinder und die Organisation unseres Lebens richtet. Also die umgekehrte Entwicklung und irgendwie auch mental logisch, denn wenn der Kopf voll ist, wird das kleine Blümchen am Wegesrand bedeutungslos. Andere Eltern dagegen nehmen das kleine Blümchen erst wahr, seitdem ihr Kind es aufpflückt und spüren vielleicht, dass in ihrem früheren Leben all das fehlte. Bei mir ist das nicht so und deshalb empfinde ich mein Leben vor den Kindern auch nicht als sinnlos, oberflächlich und unausgefüllt. Dass das Leben vor den Kindern verblasst, je länger es zurückliegt, ist bestimmt normal. Mein Mann war sich letztens sicher, dass wir auf Kap Arkona schon mit dem Großen gewesen seien. Das war aber deutlich bevor wir Kinder bekamen. Verblassen ja, aber unwichtig und sinnlos? Nein! Das kann und möchte ich niemals so empfinden.

Wie ist das bei euch, wie erinnert ihr euch an euer Leben, bevor ihr Kinder hattet? Oder lebt ihr erst richtig intensiv, seit die Kinder da sind?

In diesem Text könnt ihr noch ein bisschen mehr über mich und früheres Leben erfahren:
Über mich, meine Reiselust und das Bloggen

Montag, 12. Oktober 2015

Herbstabneigung und Frühlingssehnsucht

Ich mag den Herbst nicht. Seit Anfang September fühle ich mich kränklich und hatte keine richtig fitte Woche am Stück. Meine Hände werden rau und rissig, meine Glieder schmerzen und ich habe weniger Energie. Nach und nach werden alle Familienmitglieder krank. Es wird abends früh dunkel und morgens ist es kalt in der Wohnung. Zumindest kann man sich mit den Kindern nach der Kita noch draußen aufhalten. Das wird auch bald vorüber sein. Die Gartensaison ist zuende und es heißt wieder, ein halbes Jahr durchhalten bis zum Aufblühen der Natur und der Seele. Das macht mich traurig.

Von Jahr zu Jahr scheint mir der Übergang zum Herbst schwerer zu fallen. Am liebsten würde ich die Monate Oktober bis März komplett in warmen Gefilden verbringen. Ich brauche keine Hitze und auch nicht nur Sonnenschein, aber ein mildes Klima ohne große Schwankungen, mit Pflanzen, die auch im Winter blühen, einem warmen Wind und einer längeren Tagesdauer. Wir sind ja früher, vor den Kindern, gern im Winter auf die Kanaren, die "Inseln des ewigen Frühlings", geflogen. Das war ein Traum, zumindest, wenn sich kein Regengebiet einnistete. Meine rauen Hände wurden sofort wieder geschmeidig, Krankheiten und Zipperlein verblassten und die Laune besserte sich. Die Sonne und Wärme wirkt sich sofort positiv auf das Allgemeinbefinden aus, das merkt man gerade im Winter durch den Kontrast sehr stark. Der Anblick blühender Pflanzen ist für das Auge ein Genuss und Winterjacke und Handschuhe können getrost im Koffer bleiben. Es entsteht wirklich ein ganz anderes Lebensgefühl, das haben wir oft genug am eigenen Leib erfahren.


Leider ist die Flugstrecke mit fast 5 h sehr lang und mit sehr unruhigen und nicht einfach so einschlafenden Kindern schwer zu bewältigen. Wir waren das letzte Mal im Januar 2013 mit dem Großen im Alter von 1 3/4 Jahren (schwanger mit der Kleinen) für 2 Wochen auf den Kanaren und abgesehen von der sehr anstrengenden An- und Abreise war es traumhaft. Der Große ist damals total aufgeblüht, hat einen Mega-Sprachschub gemacht und sich sehr wohlgefühlt. Das haben alle gemerkt. Ich habe große Sehnsucht nach unseren winterlichen Auszeiten im warmen Süden. Trotzdem trauen wir uns mit 2 Kindern nicht ran. Sie werden im Flugzeug nur mit Mühe oder gar nicht schlafen und sind wirklich sehr hibbelig. Die Flüge würden also der Horror sein. Die Mahlzeiten sind bei uns immer sehr kurz und unruhig, wir würden also im Urlaub viele Tage nicht gescheit essen können. Mit dem Großen allein war es so, dass sich einer beim Essen immer um ihn gekümmert hat und der andere essen konnte. Das geht mit zwei Kindern nicht mehr. Da kriegt man dann schon Muffensausen.

Eine weitere große Hürde ist die finanzielle Seite. Wenn ich überlege, was wir früher zu zweit für Flugurlaube ausgegeben haben und jetzt zu viert ausgeben müssten, dann liegen da Welten dazwischen. Das ist echt Wahnsinn, eine Sache, die ich völlig unterschätzt habe. Ich mag auch nicht einen großen Urlaub machen und dann 2 Jahre gar nichts mehr. Ich brauche lieber öfter kürzere Ortswechsel und kleine Etappen im Alltagsleben. Das ist auch finanziell ganz gut drin. Aber so ein Flugurlaub, der haut schon rein. Allerdings wird es noch teurer, wenn der Große in 2 Jahren in der Schule ist und wir nur noch in den Ferien verreisen können. Und was nützt das Geld, wenn man es auf der Bank bunkert und dafür unzufrieden und sehnsuchtsvoll ist. Also was tun?



Gerade jetzt, wo wir alle wieder zum Teil parallel mit Grippe, Magen-Darm und Fieber krank waren, steigt die Sehnsucht nach Sonne und Wärme. Sogar den Großen hatte es am Freitag mit Magen-Darm erwischt, nachdem er die Tage davor schon schwankend erhöhte Temperatur hatte. Laut Kinderärztin war er schon so dehydriert, dass sie ihn ins Krankenhaus überwiesen hat. Zum Glück konnte er abends wieder nach Hause und es geht ihm wieder besser. Gestern hatte es mich dann erwischt und jetzt mag ich nicht mehr. Ich will weg! Ich weiß, dass es auch schöne Herbst- und Wintertage hier gibt, mit strahlendem Sonnenschein und schimmerndem Schnee. Aber insgesamt fühlt sich die kalte Jahreszeit für mich viel zu lang an, und dabei hat sie erst begonnen. Meine Kinder sind leider keine Kandidaten, mit denen man sich zuhause "einkuscheln" und es sich gemütlich machen kann. Sie brauchen Bewegung und Abwechslung und vertragen sich draußen am besten. Auch ich selbst muss raus, sonst werde ich unleidlich. Am liebsten natürlich bei angenehmem Wetter. Im warmen Süden...:)

Wie ist es bei euch, seid ihr Herbst-/Winterfans? Wie bleibt ihr optimistisch, wenn ihr oder die Kinder ständig krank seid, vor allem, wenn ihr wie wir keinerlei familiäre Unterstützung vor Ort habt? Macht ihr als Familie Flugurlaube? Verzichtet ihr dafür auf andere Dinge oder wie sind eure Prioritäten verteilt?

Und bitte stimmt noch einmal kräftig für unseren Piraten-Spielturm ab! Bis Mittwoch 1x täglich hier voten und uns noch ein wenig voranbringen. Vielen Dank!