Mein letztes Wochenende in Bildern teilte ich im März von der Mutter-Kind-Kur. Es wird also wiedermal Zeit. Da unser Wochenende abwechslungsreich war, kommen hier ein paar Bilder und Gedanken davon.
Samstag:
Vormittags wollten wir zum Sommerfest der zukünftigen Grundschule des Großen gehen. Die Lehrerin hatte uns explizit beim Elternabend eingeladen. Wir gingen gleich zur Eröffnung hin, was auch gut war, denn da war es noch recht leer. Im Laufe der Zeit füllte sich der Schulhof immer mehr und am Ende fühlten wir uns komplett überreizt und überfordert von den Massen und den Eindrücken. Es gab tolle Aktivitäten und Stationen, die Atmosphäre wirkte angenehm und wir trafen einige Bekannte. Dennoch war es sehr anstrengend und drei von uns waren sehr erschöpft.
Glücklicherweise konnte ich dem Großen seine Lehrerin zeigen und lernte selbst seine Horterzieherin kennen, die beim 1. Elternabend nicht dabei gewesen war. Wir stellten uns kurz vor und ich erfragte das Prozerede beim Start im Ferienhort. Es gibt dort überhaupt keine Eingewöhnungszeit, man lässt das Kind am ersten Tag in der komplett fremden Umgebung allein dort und geht. Puh. Das finde ich heftig, aber es ist wohl üblich und ändern kann ich es nicht. Ich hoffe, dass alle seine Freunde an seinem Starttag im Ferienhort anwesend sein werden. Nach meinem jetzigen Stand wird das der Fall sein, und er wird es sicherlich brauchen.
Wir waren total kaputt nach dem Vormittag, gingen noch schnell etwas essen und ruhten uns dann zuhause aus. Der Nachmittag sollte geruhsam ablaufen, die Kinder malten und spielten nach der Mittagspause und natürlich gab es auch immer wieder Streit und Tränen.
Um 17 Uhr verschwand ich, um mit einer Freundin ins Kino zu gehen. Ich hatte bei den lieben Kolleginnen vom Blog Stadtlandmama zwei Freikarten für den Film "Begabt" gewonnen, in dem es um ein hochbegabtes Mädchen geht. Ein sehr interessantes Thema und ich freute mich sehr.
Der Film war sehr berührend und schnitt alle Aspekte an, mit denen sich die betroffene Person, in diesem Fall ein siebenjähriges Mädchen, und die Bezugspersonen konfrontiert sehen. Das Anders-Sein ist ja auch bei mir immer wieder ein Thema und ich konnte mich gut in die Handlung hineinversetzen. Ich war dann um 21 Uhr wieder zuhause und die Kinder, auch die Kleine, die mich erst nicht gehen lassen wollte, hatten sich relativ unproblematisch ins Bett bringen lassen.
Sonntag:
Ich hatte ein neues Ausflugsziel vorgeschlagen, von dem ich über Freunde gehört hatte: der Mini Monkey Kletterwald in Briese nördlich von Berlin, ein Kletterpark für kleinere Kinder. Da meine Kinder schon öfter mal geäußert hatten, klettern zu wollen, ein großer Kletterpark aber noch zu schwierig ist, erschien mir dieser Kinder-Kletterpark als genau der richtige Einstieg ins Klettern. Nach dem Frühstück fuhren wir los und wie erhofft war es noch total leer, als wir ankamen. Das war perfekt für meine Kinder, so konnten sie in Ruhe das Terrain erkunden und klettern, ohne durch nachfolgende Kinder gehetzt zu werden.
Der Kletterpark ist nach Spielplatz-TÜV-Regeln geprüft und deshalb müssen die Kinder dort nicht gesichert werden. Man kann also sofort losklettern. Es gibt leichtere und schwierigere Abschnitte und die Kinder können jederzeit abbrechen und herunterkommen.
Meine Kleine legte gleich los und brauste mit ihrem üblichen Wagemut voran. Bei ihr mussten wir ganz schön aufpassen, vor allem bei den höheren Abschnitten (max. 1,50 m Höhe) und als sie abgelenkt war und unkonzentriert wurde.
Der Große verhielt sich wie immer bedächtig und vorsichtig, bei ihm
brauchten wir uns keine Sorgen zu machen. Trotzdem musste schon immer
ein Elternteil bei einem Kind stehen; allein mit beiden Kindern würde
ich das nicht machen.
Für das Alter meiner Kinder (6 und 4) fand ich den Kletterwald genau richtig. Vor allem zum ersten Ausprobieren, Kennenlernen der Herausforderungen, Einschätzen der eigenen Fähigkeiten und als Konzentrationsübung. Schön, dass der Kletterpark mitten im Wald, im Briesetal, liegt. In der Nähe befindet sich eine Waldschule und ein toller Wanderweg. Man kann sich also theoretisch den ganzen Tag in der Gegend beschäftigen und später nochmal in den Kletterpark zurückkehren, denn das Ticket ist den ganzen Tag gültig. Da das Klettern recht anstrengend ist, halten kleinere Kinder noch nicht so lange durch.
Mittagessen waren wir in einem nahegelegenen Biergarten, und danach fuhren wir weiter in unseren Garten. Im Briesetal wimmelt es von Mücken, also unbedingt Mückenschutz mitnehmen, wer den Kletterwald mal ausprobieren will. Ich hatte ihn mir etwas größer vorgestellt, finde aber das Konzept toll. Wir werden sicherlich wiedermal hinfahren.
Leider nieselte es am Nachmittag immer wieder und wir konnten im Garten nicht viel machen. Ich beschnitt ein paar Sträucher und die Kinder bauten mit dem Mann daraus eine Asthöhle. Mit den üblichen Streiereien...
Irgendwie können wir unseren Garten in diesem Jahr nicht so richtig nutzen, da wir nur am Wochenende rausfahren, aber die Wochenenden entweder verregnet oder mit Terminen besetzt sind. Schade! Symbolbild für den bisherigen Sommer:
Zuhause ging es in die Badewanne und morgen geht der Alltag weiter. Am Freitag hat der Große Zuckertütenfest in der Kita und wir nähern uns langsam unserem Urlaub. Ich wünsche euch eine schöne Woche!
Mehr Wochenenden in Bildern (#wib) gibt es wie immer bei Geborgen Wachsen.
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Sonntag, 16. Juli 2017
Mittwoch, 8. März 2017
Ein Buch für besondere Kinder: "Enno Anders" (Rezension)
Es handelt sich um das Buch "Enno Anders. Löwenzahn im Asphalt"* von Astrid Frank. Die Autorin hat 2 Söhne und schreibt schon seit vielen Jahren Geschichten für Kinder und Jugendliche. Das Buch wird ab 9 Jahren empfohlen, besteht aus 12 Kapiteln und enthält einige farbig sparsame Illustrationen. Der Protagonist Enno heißt nicht nur Anders, er fühlt sich auch "anders": anders als seine Familie, anders als seine Schulkameraden, anders als die meisten Menschen. Während einer Klassenarbeit hört er zum Beispiel das Knacken der Heizung, das Schniefen der Mitschüler und denkt an Ameisenvölker und kann sich deshalb nicht ausreichend konzentrieren. Daraufhin wird er nicht rechtzeitig mit seinem Aufsatz fertig und fängt sich einen Brief der Lehrerin ein. Immerhin geht es um die Empfehlung für's Gymnasium!
Für seine Mutter ist Ennos Verträumtheit, Vergesslichkeit, Ungeschicktheit und Überforderung mit einfachsten Dingen nur schwer zu ertragen. Dass er um eine tote Maus trauert, seine Klamotten zu kratzig findet und die Scheinheiligkeit der Tante durchschaut, findet sie merkwürdig und unnormal. Und dass er nur einen einzigen Freund hat, den komischen, eigenbrötlerischen Olsen, bei dem eine Hochbegabung festgestellt wurde, versteht sie ganz und gar nicht. Der Vater dagegen versteht und verteidigt Enno oft gegen den Druck der Mutter und der Lehrerin.
Enno schreibt phantasievolle Geschichten und träumt sich in andere Welten, wo Wesen wie er selbst und sein verstorbener Opa, von dem er sich immer verstanden fühlte, existieren. Er überlegt, dass er sich unter den ihn umgebenden Menschen ähnlich unnormal wie eine schnell kriechende Schnecke unter normalerweise langsamen Schnecken fühlt: "Eine Schnecke, die 100 Meter in 20 Sekunden läuft, würde bestimmt von ihrer Schneckenlehrerin einen Brief mit nach Hause nehmen müssen, in dem stünde, dass die Schneckenmutter sich baldmöglichst mit der Schneckenschule in Verbindung setzen solle, weil das einfach nicht geht, dass eine Schnecke 100 Meter in 20 Sekunden läuft. Das ist ja vollkommen unnormal!" (S. 47) Er will eine Geschichte bei einem Schreibwettbewerb einreichen, glaubt aber nicht an sich und seine Mutter redet ihm das aus. Stattdessen schleift sie ihn zu einem Psychologen, wo Enno diversen Tests unterzogen wird. Der Einzige, der ihn bei seinem Vorhaben unterstützt, ist sein Freund Olsen.
Wie die Geschichte mit dem Schreibwettbewerb ausgeht, das lest ihr lieber selbst im Buch nach. Was der Psychologe herausfindet, könnt ihr euch denken: Enno ist eine Orchidee, ein hochsensibles Kind. Während die meisten Menschen so wie der Löwenzahn sind und auch mit nicht optimal passenden Bedingungen klarkommen, weil sie sich anpassen können, brauchen Orchideen ein optimales Umfeld, um gut zu funktionieren. Ist das nicht gegeben, gehen sie ein bzw. unter, können sich schlecht konzentrieren und Druck und Belastungen schwer aushalten. Für Enno und vor allem für seine Mutter ist diese Erkenntnis befreiend und erleichternd. Die Mutter wird danach zur Löwenmama und regelt die Sache mit der Lehrerin fulminant. Nun könnte man kritisch anmerken: schade, dass die Mutter die Aussage eines Psychologen braucht, um ihren Sohn so anzunehmen, wie er ist. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass es sehr heilsam sein kann, endlich einen Namen für etwas Unerklärliches zu haben, und dass man dann besser mit den Eigenheiten umgehen kann. Gerade, wenn man selbst kein hochsensibler Mensch ist wie Ennos Mutter, bedeutet diese Veranlagung doch wirklich eine große Herausforderung für die Eltern eines solchen Kindes.
"Enno Anders"* ist eine wunderbare Ergänzung der bisher spärlichen Bücher, die speziell für hochsensible Kinder und deren Eltern verfasst wurden. Es liest sich gut und man kann sich bestens in den Protagonisten Enno hineinversetzen. Auch die Konflikte zwischen Unverständnis und Unterstützung für ihren Sohn, die die Eltern austragen, lassen sich wunderbar nachvollziehen und kennt jeder, der ein hochsensibles Kind hat. Ein wenig missverständlich fand ich, dass im Untertitel des Buches von "Löwenzahn" die Rede ist. Denn das ist ja genau das Gegenteil eines hochsensiblen Kindes. Es wird aber ganz am Schluss aufgeklärt.
Ich empfehle euch als Eltern eines hochsensiblen Kindes oder euren hochsensiblen Schulkindern das Buch sehr gern zur Lektüre. Auch Lehrer und Erzieher sollten sich dringend mit diesem Thema befassen. Und ich freue mich schon, wenn mein Sohn alt genug ist und den Enno*, die Betty*, den Philipp* und den Henry* kennenlernen kann. Leseempfehlung!
Die Eckdaten:
Astrid Frank: "Enno Anders. Löwenzahn im Asphalt"*, Urachhaus Verlag, März 2017, 160 Seiten, ISBN 978-3825151225, € 14,90
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