Ich möchte euch zukünftig gern auf interessante Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt aufmerksam machen, die Bücher kurz vorstellen und verlinken. Aktuell werden die Buchvorschauen der Verlage für das Frühjahr 2018 versandt und ich bin schon auf einige spannende Bücher gestoßen. Die Auswahl ist natürlich subjektiv und beruht auf meinen eigenen Interessen. Meine Schwerpunkte sind, wie ihr wisst, die Themen hochsensible Kinder, autonome Kinder, High-Need-Kinder, bindungsorientierte Erziehung und Hochsensibilität allgemein. Außerdem möchte ich auch sehr gern Bücher von lieben Blogger- und Twitterkolleginnen aufnehmen, die für mich interessant sind. Zur Transparenz: die Links führen meist zu Amazon und sind Affiliate Links, d.h. bei einem Kauf bekomme ich eine Mini-Provision. Für euch bleibt alles gleich.
1.) Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Gelassen durch die Jahre 5 bis 10
Der Nachfolger des Bestsellers "Der entspannte Weg durch Trotzphasen" wird die Lebensjahre 5-10 behandeln, also die Vorschul- und Grundschulzeit, eine Phase voller Umbrüche für Kinder und Eltern. Wir kennen alle den Begriff der "Wackelzahnpubertät" und durch den Schulstart kommen vielfältige Herausforderungen hinzu. Die Autorinnen des Blogs "Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten" werden es in ihrem neuen Buch sicherlich wieder schaffen, uns gelassen und kompetent durch diese Phase zu begleiten. Das Buch erscheint im März 2018 im Beltz Verlag.
2.) Jesper Juul: Dein selbstbestimmtes Kind. Unterstützung für Eltern, deren Kinder früh nach Autonomie streben
Auf dieses Buch freue ich mich besonders und bin sehr gespannt darauf, denn es wird Juuls in diversen Büchern verstreute Äußerungen zum Thema "Autonome Kinder", das ich auch auf meinem Blog in 4 Blogposts ausführlich behandelt habe, zusammenfassen und bündeln. Ich erhoffe mir neue Erkenntnisse und Ansätze und viele Hilfestellungen für Eltern solcher Kinder. Die Diskussionen unter meinen Texten zeigen, wie verbreitet und dennoch unbekannt das Thema ist und wie viele Kinder, die ein extrem starkes Autonomiestreben haben, es tatsächlich gibt. Das Buch erscheint im Januar 2018 im Kösel Verlag und ich werde es für euch rezensieren. (Nachtrag: Erscheinungstermin wurde auf Januar 2019 verschoben.)
3.) Susanne Mierau, Anja Constance Gaca: Mein Schreibaby verstehen und begleiten. Der geborgene Weg für High Need Babys
Das Thema High Need Babys ist im letzten Jahr, nicht zuletzt durch die Texte auf dem Blog 2Kindchaos, stark in den Focus der Öffentlichkeit gerückt und entsprechend kontrovers diskutiert worden. Da viele Eltern den Begriff "Schreibaby" unglücklich finden, da die Charakteristika dieser Babys weitaus vielfältiger sind als das exzessive Schreien, etabliert sich stattdessen immer mehr der von William Sears geprägte Begriff "High Need Babys" oder auch 24-Stunden-Babys, weil diese Kinder besonders starke Bedürfnisse haben und eine große Herausforderung für deren Eltern darstellen. Die beiden erfahrenen Autorinnen der Blogs Geborgen Wachsen und Von guten Eltern werden sicherlich behutsam und kompetent auf das Thema eingehen und viele praktische Hilfestellungen leisten. Das Buch erscheint im April 2018 im Gräfe und Unzer Verlag.
4.) Nora Imlau: So viel Freude, so viel Wut: Gefühlsstarke Kinder verstehen und begleiten - Mit Einschätzungsbogen
Dieses Buch habe ich im ersten Moment, als ich davon gelesen habe, gar nicht als besonders interessant wahrgenommen. Ich dachte erst, es ist ein weiterer allgemeiner Ratgeber dazu, wie man die Gefühle von Kindern am besten begleiten kann. Als ich dann aber die Tags zum Buch auf der Webseite des Kösel Verlags gelesen hatte, wusste ich, das passt wie die Faust auf's Auge zu den Themen meines Blogs. Auch hier wird es um Kinder mit starken Bedürfnissen gehen, was auf hochsensible, autonome, High Need Kinder gleichermaßen zutrifft. Der Begriff "gefühlsstarke Kinder" ist eine wunderbare Übersetzung des Terminus' "spirited children", der von Mary Sheedy Kurcinka geprägt wurde, deren außerordentliches Buch ich euch bald vorstellen werde. Ich bin also wahnsinnig gespannt darauf, wie Nora Imlau das Thema aufgreifen wird und freue mich, dass das Verständnis für diese Kinder immer mehr wächst. Das Buch erscheint im Mai 2018 im Kösel Verlag.
5.) Elaine N. Aron: Die Kraft der Bindung: Wie die Liebe unseren Selbstwert bestimmt
Elaine N. Aron ist die Pionierin der Forschung über Hochsensibilität und Autorin diverser Standardwerke über Hochsensibilität, z.B. "Das hochsensible Kind" und ich denke, auch in diesem Buch, in dem es über die Liebe zu sich selbst und das eigene Selbstwertgefühl geht, wird sie Bezug auf das Thema Hochsensibilität nehmen bzw. aus der hochsensiblen Perspektive schreiben. Das Buch erscheint im mvg Verlag im Mai 2018.
6.) Brigitte Schorr: Hochsensible im Beruf: Wie empfindsame Menschen leben und arbeiten
Die Autorin des Buches "Hochsensible Mütter" widmet sich in ihrem neuen Buch dem spannenden und wichtigen Thema, wie hochsensible Menschen im Berufsleben zurechtkommen, welchen möglicherweise problematischen Anforderungen sie ausgesetzt sind und wie sie trotzdem ihr Potential im Berufsleben entfalten können. Das Buch erscheint im März 2018 im SCM Hänssler Verlag.
7.) Jesper Juul: Das Kind in mir ist immer da: Mein Leben für die Gleichwürdigkeit
Juuls Autobiographie und das Resümèe seines Lebens, die Beschreibung seines ungewöhnlichen Weges bis hin zum Bestsellerautor, Familientherapeut und "Erziehungs-Guru". Das Buch erscheint im April 2018 im Beltz Verlag.
Ihr seht, 2018 wird ein spannendes Buch-Jahr. Vielleicht wurde euer Interesse für das eine oder andere Buch geweckt und ihr habt Lust bekommen, es schon vorzubestellen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und Stöbern!
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Samstag, 9. Dezember 2017
Donnerstag, 4. August 2016
Der Weg von einer ADHS-Diagnose zu einem hochsensiblen Leben (Rezension)
Die Autorin hat zwei erwachsene Kinder und reflektiert aufgrund der Geschichte ihrer von klein auf unangepassten Tochter, die "sich in unserer Welt schlecht zurechtgefunden hat" (S. 5) den Weg, den sie und die ganze Familie gegangen ist, von der frühen AD(H)S-Vermutung bis hin zu der Überzeugung, dass die Tochter hochsensibel ist. Schon von Anfang an fiel Britta Hildebrandt auf, dass bei ihrer Tochter vieles anders war als bei anderen Kindern. Als sie ca. 3 Jahre alt war, wurde der Leidensdruck für die Familie unerträglich und so stellte sie die Tochter einem Kinderpsychologen vor, der bei ihr ADS feststellte und für die Gabe von Medizin plädierte. Das war im Jahr 1998. Das Kind war 3 Jahre alt! Einerseits war die Autorin froh, endlich eine greifbare Diagnose zu haben, andererseits war es für sie undenkbar, ihre Tochter mit Medikamenten vollzupumpen. Stattdessen schlug sie einen eigenen Weg ein, der allen gut tat. Erst viel später stieß sie auf das Phänomen der Hochsensibilität und erkannte die Tochter darin.
Der Weg der Familie bestand aus Aspekten wie Reduktion der Reizquellen, Aufenthalte in der Natur, direkte Ansprache, Schaffung von Ruheoasen, Erlernen von Entspannungsmethoden, Ernährungsumstellung usw. und vor allem Selbsterkenntnis der Eltern: "Durch meine Tochter habe ich überhaupt erst erkennen können, welch hochsensibles Wesen ich bin." (S. 28) Mittels Rückschau in die eigene Kindheit bzw. Familiengeschichte, Selbsterkenntnis und Selbstveränderung gelingt es, Strukturen aufzubrechen und neue Weg einzuschlagen, die dem "schwierigen" Kind zugute kommen. "Ich habe mich also weg vom Symptomträger (meiner Tochter) bewegt und habe an und in mir etwas erkannt, dann verändert und das hatte maßgeblich und unmittelbar Auswirkungen auf die ganze Familie." (S. 62)
Britta Hildebrandt veränderte dann ihr eigenes Leben dahingehend, dass sie Reiki-Lehrerin wurde und 2004 ihre eigene Praxis für ganzheitliche Lebensart eröffnete. Sie entwickelte sich gemeinsam mit ihrer Tochter und konnte ihr dadurch einen Rahmen geben, um ein erfülltes hochsensibles Leben zu leben. Einige Aspekte des Buches sind mir persönlich zu "esoterisch" und ich halte es nicht unbedingt für hilfreich und angebracht, die Hochsensibilität mit Begriffen des New Age (hochsensible Kinder als "Kinder der neuen Zeit") zu vermischen, aber das ist mein persönlicher Geschmack. Die Autorin hat für sich diesen Weg gefunden.
Ich hätte mir auch noch ein ausführlicheres Eingehen auf das Phänomen ADHS gewünscht, da nicht jeder mit den Charakteristika und Unterschieden vertraut ist. Das fehlt wahrscheinlich, weil die Autorin ADHS für einen Mythos (S. 20) hält, hinter dem sich oft nur die Hochsensibilität verbirgt: "Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen gehe ich davon aus, dass die meisten Kinder mit AD(H)S einfach nur hochsensibel/hochbegabt sind und sich in unserer Welt entweder langweilen oder emotional überfordert sind oder beides." (S. 43) Ich denke zwar auch, dass vielen ADHS-Diagnosen tatsächlich eine Hochsensibilität zugrunde liegt und viele Kinder falsch diagnostiziert und therapiert werden. Allerdings existiert in meinen Augen ADHS als eigenes Phänomen, was zwar der Hochsensibilität in einigen Punkten oberflächlich ähnelt bzw. sich ähnlich äußern kann, aber auch deutliche Unterschiede aufweist. Im neuen Buch Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet von Sylvia Harke findet man auf S. 226 eine sehr gute Gegenüberstellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden von ADHS und Hochsensibilität, und auch der Großteil der übrigen Hochsensibilitäts-Literatur sieht ADHS und Hochsensibilität als zwei verschiedene Phänomene und nicht in jedem ADHS-Kind ein hochsensibles Kind. Ich denke, ADHS als Mythos hinzustellen wird dem Phänomen genauso wenig gerecht wie Hochsensibilität als Modediagnose zu bezeichnen, was ja aktuell gern gemacht wird.
Ich erinnere mich, dass ich selbst - ohne das Wissen über Hochsensibilität - anfangs der Überzeugung war, dass mein Großer ADHS habe. Bis zum Alter von ca. 1,5 - 2 Jahren deutete viel darauf hin, z.B. seine Zappeligkeit, sein Überaktionismus, seine Impulsivität, seine Wutausbrüche, seine Ablenkbarkeit, seine Unfähigkeit, sich länger als 30 Sek. mit etwas zu beschäftigen und sich zu konzentrieren etc. Auch bei mir selbst hielt ich diese Diagnose für möglich. Als ich allerdings auf die Hochsensibilität stieß, als mein Großer knapp über 2 Jahre alt war, passte alles viel besser auf ihn und auf mich und ich erkannte auch die Unterschiede. Inzwischen hat er sich so stark verändert, dass nichts mehr auf ADHS hindeutet. Gerade Kinder entwickeln sich ja noch sehr und sind im Fluss.
Sehr spannend finde ich den von der erwachsenen Tochter Antonia selbst verfassten Beitrag, in dem sie konkret beschreibt, was ihr in der Familie und in ihrem weiteren Leben geholfen hat. Sie hat im vorigen Jahr Abitur gemacht und möchte sich zur Hebamme ausbilden lassen. Interessanterweise hat sie sich selbst immer als "normal" wahrgenommen (S. 111), was beispielsweise bei mir nicht der Fall war. Interessant und hilfreich sind auch die Anklänge an das Thema der Schule, was bei uns im nächsten Jahr akut wird.
Nach vielen Sach- und Kinderbüchern über Hochsensibilität war es erfrischend, wieder einmal einen autobiographischen Bericht zu lesen. Bei der Lektüre wird deutlich, dass sich hochsensible Menschen und Lebenswege genauso voneinander unterscheiden wie normal sensible auch. Jeder muss seinen Weg finden, um ein zufriedenes und sich nicht "falsch" anfühlendes Leben zu führen. Eltern kommt dabei eine entscheidende Rolle bei der Begleitung ihrer hochsensiblen Kinder zu. Auch hier trat wieder der Fall auf, dass die Mutter erst durch das Kind auf die Hochsensibilität stieß, so wie es bei uns auch war. Man kann seinem Kind wirklich dankbar dafür sein und diesen Dank durch einfühlsame Begleitung zurückgeben. Das geht deutlich aus dem Buch hervor und beide Seiten, sowohl Mutter als auch Tochter, wirken mit ihrer Veranlagung sehr im Einklang.
Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar.
Bibliographische Angaben:
Britta Hildebrandt: Mama, Papa - ich habe kein ADS! Ich bin hochsensibel, CreateSpace Independent Publishing Platform, Juli 2016, 214 Seiten, ISBN 9781534633100, € 18,90
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