Mittwoch, 10. Januar 2018

Die Kleine und ihre Malheure

Die Kleine ist ein sehr wacher, umtriebiger und wissbegieriger Geist, ein Kind, das viel ausprobiert, alles selber machen will, nicht viel nachdenkt, bevor sie handelt, entdeckungsfreudig ist und sehr viel Initiative zeigt. Grundsätzlich finde ich diese Eigenschaften sehr positiv und habe es sehr genossen, nach dem eher vorsichtigen, zurückhaltenden Großen, der noch nie ein Ausprobierer und Entdecker war und dies bis heute nicht ist, solch ein aktives und neugieriges Kind zu haben. Allerdings bringt ihr draufgängerischer, unvorsichtiger und ausprobierender Charakter so einiges mit sich, das ich vom Großen überhaupt nicht kenne und auf das ich lieber verzichten würde. Sie fegt oft mit einer sagenhaften Unbedarftheit über wertvolle Gegenstände hinweg, hat überall ihre Finger, verlegt und verstellt Dinge und ist ziemlich unberechenbar in ihren Handlungen.

Ich bin oft richtig sauer auf sie, wenn ihr wieder einmal ein Malheur passiert ist oder sie gedankenlos oder absichtlich Sachen beschädigt, besonders wenn es um Dinge geht, die mir etwas bedeuten, Geld kosten oder Mühe gemacht haben. Oder wenn ich durch Unachtsamkeit körperlich geschädigt werde. Ebenso, wenn ihr Missgeschicke wiederholt passieren, vor denen man schon hundertmal gewarnt hat. Sowas kenne ich vom Großen gar nicht. Er ist da vom Typ her wesentlich bedächtiger, überlegter und dadurch auch vorsichtiger. Missgeschicke passieren ihm selten, so typische Kindersachen hat er nie gemacht und wir hatten deutlich weniger Ärgernisse mit ihm, was das angeht. Ich muss auch sagen, dass es im Laufe der letzten Jahre immer mehr geworden ist, was sie auf dem Kerbholz hat. Über manches kann man schmunzeln und sich freuen, auf was für Ideen sie kommt, über anderes ärgert man sich kurz, ohne dass man es als dauerhaft dramatisch empfindet, und einiges macht so wütend, dass man sich lange nicht beruhigen kann.


Ich will mal einige ganz normale Beispiele beschreiben. Es sind Beispiele von Ungeschicktheit, von gedankenlosen Handlungen und von absichtlichem Beschädigen dabei. Ich muss dazu sagen, dass es keine seltenen Vorkommnisse sind, sondern täglich mindestens eines dieser Art unsere Nerven strapaziert. Dass mich das so sehr stresst, liegt einerseits in dem gehäuften Auftreten dieser "Missgeschicke", andererseits aber auch daran, dass ich grundsätzlich ein sehr gewissenhafter, ordnungsliebender und mit- bzw. vorausschauend denkender Mensch bin, für den z.B. Gegenstände einen materiellen UND ideellen Wert haben, der nicht gedankenlos handelt und nicht wie ein Orkan durch seine Umgebung fegt.

Nun aber einige Beispiele, mehr oder weniger dramatisch, mehr oder weniger ärgerlich, und gleichzeitig Geschichten aus unserem Alltag:

1. Der verstellte Wecker
In der Nacht von Sonntag zu Montag klingelte mein Wecker mitten in der Nacht (um 5 Uhr morgens). Unsere normale Weckzeit ist um 6:30 Uhr. Es musste ihn also jemand verstellt haben. Ich wusste auch gleich, wer das gewesen war. In dem Fall war es besonders ärgerlich, weil ich am Vorabend erst um 0:30 Uhr ins Bett gegangen war, weil die Kleine erst gegen 22 Uhr eingeschlafen war und mich vorher nicht aus dem Zimmer ließ, ich aber noch zu tun hatte. Ich hatte also gerade mal 4 Stunden geschlafen und, wenn ich einmal wach bin, dann schlafe ich nicht mehr ein. Sie weiß übrigens, was der Wecker macht und dass man da nichts verstellen soll. Sie hatte auch schon einmal mitbekommen, dass ich fast verschlafen hätte, weil die Batterie leer war und der Wecker nachging. Also es ist nicht so, dass sie die Konsequenzen ihres Tuns noch nicht einschätzen kann. Es war einfach Gedankenlosigkeit und Herumprobieren mit dem Ergebnis der Beeinträchtigung anderer.

2. Die vermisste Hose
Ich suchte zwei Tage lang eine ihrer gefütterten Winterhosen, die zu diesem Zeitpunkt ihre Lieblingshose war. Ich fragte sie, ob sie eine Idee habe, wo diese sein könnte, ich schaute die Fotos durch, wo sie sie zuletzt getragen hatte, ich suchte in der Kita und wollte schon fast den Kita-Mailverteiler bemühen. Ich recherchierte, ob man sie noch bestellen könne (nein) und schaute hinter und unter Sofas, Betten, Heizungen, in den Kleiderschrank des Großen und überall, wo ich sie eben vermutet hätte. Der Mann fand sie dann letzten Endes in der Verkleidungskiste! Ich war froh, dass sie wieder da war, ärgerte mich aber sehr über den Aufwand und vermutete, dass die Kleine das gewusst, aber nicht gesagt hatte.

3. Der verschüttete Kakao
Beim Essen passieren ihr immer irgendwelche Malheure. Sie ist 4 1/2 Jahre alt und sollte eigentlich schon halbwegs zivilisiert essen können. Konnte der Große in dem Alter auch. Sie ist oft so unbedacht und hört auch nicht auf unsere Warnungen. Letztens waren wir im Zoo. Ich sagte noch scherzhaft zum Mann, dass ich keine Wechselklamotten für die Kinder mitnehmen würde. Nach dem Mittagessen bestellten wir einen Kakao, den sich die Kinder teilten. Die Kleine war unruhig wie immer, ich warnte mehrfach vor dem Umfallen des Kakaos und hielt diesen zeitweise sogar fest. Doch dann: 3 Sekunden nicht hingeschaut und sie hatte ihn tatsächlich umgeschüttet. Über meine Hose, auf meinen Pullover. Zum Glück war er nicht mehr heiß, sonst hätte ich mich arg verbrannt. So durfte ich die zweite Hälfte unseres Zoobesuchs mit nassen, klebrigen, nach Kakao riechenden Klamotten absolvieren. Denn für mich hatte ich natürlich auch keine Wechselklamotten mit.

4. Die zerbrochene Spieldose
Weihnachten 2015 werde ich nie vergessen, denn da passierte ihr ein Missgeschick, was für mich wirklich schlimm war. Ich habe viele schöne erzgebirgische Weihnachtsgegenstände, die mir meine Eltern im Laufe der Jahre schenkten. Diese sind sehr teuer und haben neben dem materiellen auch einen ideellen Wert für mich. Am Heiligabend wusste sie nach der Bescherung trotz vieler Geschenke anscheinend nichts mit sich anzufangen und muss sich in einem kurzen unbeobachteten Moment meine erzgebirgische Spieldose gegriffen haben. Der Große hat das nie gemacht und beide Kinder wissen eigentlich, dass sie an die wertvollen Dinge (> 100 €) nicht rangehen sollen. Sie stand auch extra hinten auf dem Schrank. Ich sah noch aus den Augenwinkeln, wie die Spieldose aus der Hand der Kleinen fiel und dann auf dem Boden zerschellte. So sehr gebrüllt wie in diesem Moment habe ich, glaube ich, noch nie zuvor, und brauchte lange, bis ich mich wieder beruhigt hatte. Die Spieldose wurde repariert und funktioniert noch, der alte Zustand konnte jedoch nicht wieder hergestellt werden. Die Kleine war damals erst 2 1 /2 Jahre alt gewesen, aber diese Tat passt zu ihrer Unbedachtheit und ihrem fehlenden Bewusstsein für Werte. Für mich war das wirklich ein dramatisches Vorkommnis.

5. Das im Klo versenkte Handy
Abends dürfen die Kinder eine halbe Stunde mit dem Kinderhandy bzw. -Tablet spielen. Das Kinderhandy funktionierte nicht und keiner wusste warum. Am Vorabend hatte es noch funktioniert. Der Mann öffnete es und stellte fest, dass es innen ganz nass sei. Ich konnte mir das nicht erklären, denn keiner hatte tagsüber damit etwas gemacht. Nach und nach erfuhren wir dann die Wahrheit. Am Vorabend war ich mit den Kindern allein gewesen und hatte sie im Bad bettfertig gemacht. Höchstens 2 Minuten suchte ich die Schlafklamotten der Kinder zusammen und sie waren allein im Bad. Als ich zurückkam, war nichts Verdächtiges zu merken, sie waren ruhig gewesen und mir fiel absolut nichts auf. Normalerweise habe ich eine feine Spürnase für so etwas. Ich brachte sie normal ins Bett und danach kontrollierte das Handy keiner mehr. Als es am nächsten Abend tot war, zogen wir ihnen nach und nach die Details aus der Nase. Die Kleine muss das Handy mit ins Bad genommen haben, wo es ihr ins Klo fiel (ich frage mich, wie). Dann hatte sie es schnell rausgeholt und abgetrocknet. Der Große war dabei gewesen, hatte aber nichts gesagt. Nun war es kaputt. Wir waren echt sauer und schärften ihnen ein, uns unbedingt Bescheid zu sagen, wenn so etwas passiert. Ich konnte es nicht glauben, dass das in der kurzen Zeit meiner Abwesenheit passiert war. Dass die Kleine so etwas "schaffte" und danach keinen Mucks von sich gab. Ob das Angst vor meiner Reaktion oder mangelndes Fehlerbewusstsein war, wird man nicht herausfinden.

Dies waren einige Beispiele für die Missgeschicke der Kleinen. Von den vielen Nasenstübern, die ich von ihr schon bekommen habe (ich war sogar mal beim HNO-Arzt, weil ich befürchtete, sie habe mir die Nase gebrochen), den absichtlich beschmierten Büchern (meinen!) und den vielen vielen in den Dreck gefallenen Dingen ganz zu schweigen. Sie ist einfach ziemlich chaotisch, quirlig und hibbelig. Sie fasst alles an, guckt überall rein, zieht alles raus und will alles allein machen. Dabei passieren dann eben des Öfteren kleine oder größere Malheure.

Nun mag mancher sagen: es ist eben ein Kind und das ist doch normal für Kinder. Welches Kind hat schon Respekt vor den Wertsachen der Eltern oder macht sich Gedanken darüber, dass gewisse Aktionen jemanden anderen ärgerlich machen könnten? Welches Kind hat noch nie ein Getränk umgeschmissen, ein Buch bemalt oder etwas Wertvolles kaputtgemacht? Welches Kind hat noch nie den Eltern Kakao auf die Hose geschüttet, eine Kopfnuss verpasst oder Dinge absichtlich oder unabsichtlich beschädigt? Wohl keins. Aber es ist ein Unterschied, ob so etwas ein Mal pro Woche oder täglich mehrmals trotz Warnungen auftritt. Es ist auch ein Unterschied, ob man selbst eher gleichgültig oder sehr gewissenhaft ist. Und es macht auch was aus, ob man sieht, dass das Kind daraus lernt oder nicht. All das in der Summe trägt dazu bei, dass wir die Missgeschicke der Kleinen, die wir anfangs noch niedlich oder normal empfunden haben, mittlerweile echt fürchten. Nun ist es soweit gekommen, dass wir sie immer mehr einschränken und aufpassen, was sie in ihre Finger kriegt. Ich will das eigentlich nicht, denn sie soll sich ja frei entfalten. Und wie gesagt, generell finde ich ihren Entdeckerdrang ja positiv. Aber die Nebenwirkungen sind enorm und manchmal sehr schmerzhaft. Und wir haben das Gefühl, es nimmt immer mehr zu.

In der Kita als sie übrigens als sehr vor- und umsichtig bekannt. Auf die Schachtel eines neu gekauften Puzzles raufzutreten oder den Einband eines brandneu geschenkten Buches umzuknicken, würde ihr wohl dort nicht im Traum einfallen. Zuhause schon. Mir rollen sich da echt die Fußnägel hoch. Ich muss manchmal sehr an mich halten und oft genug gelingt mir das auch nicht. Ich ermahne sie öfter, als mir lieb ist, und sage Dinge, die ich nie sagen wollte und auch früher nicht musste, denn der Große war nie so. Dafür war er eben auch kein Ausprobierer und Entdecker und oft genug waren wir verzweifelt, weil er sich für nichts zu interessieren schien. Es hat eben alles zwei Seiten und nun lernen wir durch die Kleine geballt die andere Seite der Medaille kennen. Mit so einigen Kollateralschäden;-).

Im Endeffekt sollten wir vielleicht sogar froh sein, dass sie bisher nur ein Mal Wände bekritzelt hat, nie Gardinen zerschnitten und keine Geldscheine entsorgt hat. Wobei, Letzteres weiß man nicht so genau. Im Mülleimer haben wir jedenfalls schon öfter Dinge von uns oder ihr gefunden. Man muss also auf alles gefasst sein. Und das, nachdem wir vom vernünftigen, vorsichtigen Großen so verwöhnt waren! Er gibt uns seinen Müll vorher in die Hand und wir sollen ihn entsorgen. Auch nicht das Gelbe vom Ei. Das Gute dabei ist: hätten wir nur den Großen, würden wir sein Verhalten unserer "guten Erziehung", unserem Vorbild zuschreiben. Die Kleine lehrt uns, dass dem nicht so ist. Charaktere sind, wie sie sind. Das kann sie uns gern immer wieder zeigen, aber bitte ohne meine Erbstücke zu zerdeppern. Bitte!

Kommentare:

  1. da musst ich echt lache: Mir rollen da die Fußnägel hoch-herrlich geschrieben

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    1. Danke, ja, manches ist zum Lachen, manches eher zum Weinen...

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  2. Irgendwie hinterlassen deine Beschreibungen bei mir ein ganz komisches Gefühl. Wir haben eine Tochter im selben Alter, und Missgeschicke passieren Kindern nun mal. Auf unserer letzten Flugreise hat unsere Tochter z.b. den kompletten Saftbecher über sich ausgeschüttet, und wir hatten auch keine Wechselsachen dabei. Aber ich würde ihr doch niemals Absicht dabei unterstellen!! Als ob es ihr gefallen würde, in nassen Klamotten dazusitzen?
    Erwartest du nicht zu viel "erwachsenes" Verhalten von einem Kind in dem Alter? Auch die Aussage, dass sie eigentlich wissen müssen, dass Gegenstände über 100 Euro tabu sind. Das ist ja lachhaft!! Woher soll deine Tochter denn mit 4!! Jahren wissen, was wieviel gekostet hat? Das ist doch selbst für Grundschüler noch nicht zu überblicken!
    Wenn es so teure Sachen oder Erbstücke sind, ist es deine Verantwortung, sie so aufzubewahren, dass die Kinder sie nicht erreichen können.
    Ohne euch zu kennen, tut mir eure Kleine leid. Vielleicht ist sie tatsächlich ungeschickt und tollpatschig, aber du unterstellst ihr Absicht und System. Irgendwann wird sie es selber glauben, oder sie wird sich so sehr bemühen, alles richtig zu machen, dass ihr erst recht Missgeschicke passieren.
    Also, räum die Erbstücke und teuren Sachen weg (im übrigen lasse ich meine Tochter - wenn überhaupt - auch nicht im Badezimmer mit dem Handy spielen) und lass dein Kind Kind sein und lass sie vor allen Dingen vieles SELBER machen! Auch wenn sie dabei Fehler macht! Das gehört zum Leben und Großwerden dazu!

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    1. Danke für den anonymen Kommentar;-)
      Sie ist nicht nur tollpatschig, sondern macht tatsächlich oft so etwas mit Absicht. Ich lebe ja nun seit 4,5 Jahren jeden Tag mit ihr zusammen und kenne meine Pappenheimerin. Außerdem ist es, wie geschrieben, auch eine Frage der Häufigkeit: ein Mal am Tag ist völlig normal, 10 Mal am Tag ist schon sehr nervig, und 10 Mal nachdem man dies oder das gesagt hat, kommt einem schon bewusst provoziert vor. Ich weiß nicht, ob Du Deine Tochter auf jedem ihrer Schritte überwachst, aber meine Kinder bewegen sich hier frei und ich kriege nicht alles mit, wenn sie Gegenstände anfassen oder in einen anderen Raum mitnehmen. Auf einer Flugreise habe ich im Unterschied zu Dir immer Wechselsachen im Rucksack, da ich schon mit so einem Malheur wie dem verschütteten Saft rechne. War bei uns auch schon im Flugzeug der Fall. Natürlich weiß sie noch nicht, wieviel Gegenstände kosten. Sie weiß aber beispielsweise, dass mir Bücher (oder auch die Spieldose) unheimlich viel bedeuten. Ich schreie, wenn sie meine Bücher bekritzelt. Und sie macht es trotzdem immer wieder. Genauso, wie sie ihre eigenen Sachen (Geschenke etc.) beschädigt. Frisch gekauft - sie tritt rauf und ärgert sich noch nicht mal über sich selbst bzw. tritt nochmal nach. Ja, so ist das hier.
      Also ich denke, wenn man es nicht selbst tagtäglich erlebt, kann man es von außen nicht beurteilen. Und für die nächste Flugreise solltest Du besser Wechselsachen einpacken;-)

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  3. Liebe Frühlingskindermama,
    deine Tochter macht absichtlich etwas kaputt, was dir viel bedeutet? Warum ist sie so wütend auf dich?

    Vielleicht hilft dir eine ganz persönliche Geschichte von mir. Ich selbst bin ein impulsiver Mensch. Tollpatschig sagen die einen, leidenschaftlich sage ich! ;) Ein Mensch, der mir sehr viel bedeutet und der selbst sehr ordentlich, behutsam und genau ist, kritisierte oft meine Art, wie ich Dinge tat. Es war ein Augenrollen, wenn ich ein Glas Wasser umschubste oder ein „wie kann man nur so arbeiten“, wenn mir in der Küche beim Kochen etwas auf den Boden fiel. Erst machte es mir nichts aus und ich versuchte besser zu werden. Ich versuchte mich anzupassen, zu gefallen. Doch mit jeder Kritik wuchs meine Unsicherheit. Bald häuften sich meine Missgeschicke, ich wurde immer ungeschickter. Ich erfüllte, was er über mich dachte. Und gleichzeitig wuchs aber auch meine Wut. Wie konnte er so kleinlich sein? Warum konnte er mich nicht so akzeptieren wie ich bin? Aus Wut fing ich an, mich absichtlich gerade eben nicht mehr anzustrengen! Ihn zu provozieren! Am liebsten hätte ich seine Gegenstände zerstört. Ich tat es aber nicht, weil ich schon erwachsen war und eine gute Impulskontrolle gelernt hatte - im Gegensatz zu Kindern. Unter meiner Wut verbarg sich letztendlich aber nur eine grosse Traurigkeit. Ich war unendlich traurig, dass er mich nicht so sehen konnte, wie ich war. Dass er das, was mich ausmachte, als meinen „Fehler“ betrachtete, der unerwünscht war. Mich machte es traurig, dass ich mich verstellen musste und je mehr ich mich verstellte, desto schlimmer wurde es.

    Ich bin erwachsen, konnte die Situation reflektieren und mit dem Menschen darüber sprechen. Deine Tochter kann es nicht. Kinder wünschen sich nichts sehnlicher, als von ihren Eltern geliebt und angenommen zu werden, so wie sie sind, mit all der Unvollkommenheit, die sie mitbringen. Und noch etwas, das jetzt sehr hart klingen mag, das ich aber unbedingt sagen möchte: hätte meine Mutter mich unter Angabe ihres Namens und ihrer Adresse öffentlich auf ihrem Blog als tollpatschig bezeichnet und mein Verhalten mit fremden Menschen diskutiert, so wäre ich durch diese Respektlosigkeit zutiefst verletzt. Vielleicht Hilft dir das, damit du dich besser in die Gefühle deiner Tochter hineinversetzen kannst.
    Herzliche Grüße
    D.S.

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    1. Sie ist allgemein seit einem Jahr wütend, auf alles und jeden. Ich habe darüber schon mal geschrieben. Da hilft auch keine Küchentischpsychologie;-)

      Deine persönliche Geschichte hilft mir leider nicht, denn ich bin ganz anders gestrickt: wenn etwas an mir jemandem anderen missfällt und Probleme bereitet, dann versuche ich das zu ändern, anstatt in eine Trotzhaltung zu verfallen. Denn ich bin ja erwachsen;-)

      Und zu Deinem letzten Vorwurf möchte ich Dir einfach nur den Text eines anderen Blogs hier stehen lassen (Du musst den Link leider rauskopieren, denn das Verlinken klappt mit diesem Blogsystem in den Kommentaren nicht):

      https://www.2kindchaos.com/blog/bloggen/elternblogger-missbrauchen-ihre-kinder

      Ich habe sie weder als tollpatschig bezeichnet noch habe ich Peinlichkeiten erzählt. Elternblogger berichten nun mal über den Alltag mit ihren Kindern und wer das nicht mag, nicht aushält oder wen das provoziert, der sollte keine Blogs lesen. So einfach ist das.

      Ach und zu guter Letzt: ich würde mir wünschen, dass meine Eltern mehr Erinnerungen und Alltagsgeschichten von uns als Kindern erzählen könnten. Ich weiß fast nichts über meine Kindheit. Du siehst, auch darin ticke ich ganz anders als Du. Mach Dich bitte nicht zum Maßstab für andere. Mein Blog ist für mich ein Weg, das Leben mit meinen Kindern festzuhalten. Und wenn es ihnen nicht gefällt, kann ich ihn mit einem Klick löschen.

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    2. Liebe Frühlingskindermama,
      Du hattest bei der Beantwortung des Posts vor mir geschrieben, sie sei tollpatschig. Ob es eine Peinlichkeit für sie darstellt, das wird sie dir dann vielleicht in ein paar Jahren sagen. ;)

      Ich begrüße Elternblogs sehr, habe mir schon oft Rat und Hilfe gesucht. Aber es ist einfach eine Gradwanderung: wie weit kann ich gehen, wie sehr kann ich mich über das Verhalten von Kindern und Mann auslassen, ohne deren Würde anzutasten. Aber das muss jeder für sich selbst definieren!!! Ich schrieb ja nur, wie ICH mich gefühlt hätte.

      Dass du es anders handhabst, wenn jemand dein Verhalten kritisiert, und du dann versuchst, dich für den anderen zu verändern, ist ja auch deine persönliche Angelegenheit. Worauf ich hinauswollte: es KANN natürlich sein, dass es auch Kinder bzw. auch Erwachsene gibt, bei denen eben genau diese Gefühle entstehen, wenn sie sich kritisiert und (vielleicht auch zu Unrecht!) nicht angenommen fühlen. Und VIELLEICHT fühlt sich deine Tochter so. Auf jeden Fall stimmt ja etwas in der Beziehung zwischen ihr und dir/euch als Eltern nicht, sonst würde sie sich im Kindergarten nicht so anders verhalten.

      Ich weiß, es ist schwer, Mama zu sein...man will es doch nur gut machen und ist trotzdem oft so hilflos...

      Alles Gute für euch!
      D.S.

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    3. Also, erstens weiß jeder, dass Kinder sich in der Kita anders verhalten als zuhause. Da muss nicht unbedingt was an der Beziehung zu den Eltern nicht stimmen (kann sein, aber nicht "auf jeden Fall", wie Du schreibst). Zweitens habe ich das Wort "tollpatschig" nur aus Deinem Kommentar aufgegriffen und nirgends im eigentlichen Text verwendet. Ohne (veröffentlichten) Kommentar wäre das Wort nie gefallen, an dem Du Dich so hochziehst. Drittens: genau, es muss jeder, der schreibt, selbst entscheiden, wieviel man preisgibt. Ich persönlich finde es deutlich krasser, wenn ich z.B. schreibe, dass das erste Jahr mit Baby die Hölle und die schlimmste Zeit meines Lebens war, als wenn ich darüber erzähle, dass die Kleine Kakao verschüttet oder eine Hose versteckt. Aber gut, das empfindet sicherlich jeder individuell unterschiedlich. Und dafür gibt es ja auch verschiedene Blogs.

      Sachliche Kritik und Gedankenanstöße sind immer willkommen. Aber im Ursprungskommentar zu schreiben, dass Dir meine Kleine leid tut, weil sie uns als Eltern hat, ist keine sachliche Kritik, sondern beleidigend. Ich bin in meinem Text auch auf ihre tollen, positiven Fähigkeiten eingegangen, die ich sehr schätze. Jede Persönlichkeit hat weiße und schwarze Seiten, mal übertrieben gesagt. Und ich gehöre nicht zu den Elternbloggern, die die schwarzen Seiten verschweigen, weder bei mir noch bei anderen. Das ist jetzt sehr überspitzt. Schließlich ging es ja nur um Kakao, Wecker und Spieldose;-)

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    4. Um Himmels Willen, NEIN! Nie habe ich gedacht, dass mir „eure Kleine leid tut, weil sie euch als Eltern hat“! Das hast du zwischen den Zeilen da heraus interpretiert! Ich glaube, wir kommen da auch nicht wirklich weiter, weil es mir anscheinend nicht gelingt, zu verdeutlichen, was ich meine...
      Noch ein letzter Versuch: Hinter dem Gefühl Wut steckt oft (nicht immer) die Angst eines Menschen, nicht Wert geschätzt, nicht respektiert oder ungerecht behandelt zu werden. Es KÖNNTE sein, dass sich deine Tochter zu oft von dir zurecht gewiesen fühlt, wenn ihr was kaputt geht und sie irgendwann angefangen hat, mit Wut darauf zu reagieren, indem sie bewusst etwas von dir kaputt macht. Ob meine „Küchenpsychologie“ in diesem Fall stimmig ist und es tatsächlich daran liegt, kannst du herausfinden, indem DU dein Verhalten änderst: wenn ihr etwas versehentlich passiert, so könntest du mit Verständnis und Nachsicht reagieren („ist nicht so schlimm, kann jedem mal passieren). Wenn sie absichtlich etwas zerstört, so könntest du zB ruhig erklären, dass dich das wütend macht und verletzt. Oder aber du versuchst es zunächst komplett zu ignorieren. Mich würde interessieren, was passiert, wenn du das mal eine Zeit so handhabst. Wenn sie mit Absicht etwas macht, so will sie dir etwas sagen...ich bin wirklich davon überzeugt: niemand ist einfach grundlos so wütend und zerstört Dinge.
      Liebe Grüße
      D.S.

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  4. Liebe Frühlingskindermama, ich finde die persönliche Geschichte ehrlich gesagt berührend.
    Dein Kommentar "Deine persönliche Geschichte hilft mir leider nicht, denn ich bin ganz anders gestrickt: wenn etwas an mir jemandem anderen missfällt und Probleme bereitet, dann versuche ich das zu ändern, anstatt in eine Trotzhaltung zu verfallen. Denn ich bin ja erwachsen;-)" lässt mich allerdings daran zweifeln, ob du sie richtig interpretiert hast? Deine Tochter ist nämlich nicht erwachsen und verfällt vielleicht genau deshalb in eine Trotzhaltung, weil sie merkt, dass sie deinen Ansprüchen nicht gerecht werden kann und ihre Wut und Trauer über diese immer wieder erlebte Ablehnung nicht anders kompensieren kann. Ich bin keine Psychologin, auch keine Küchenpsychologin ;-), aber ich finde, die Geschichte könnte ein Ansatz sein, die Sicht deiner Tochter nachzuvollziehen.
    Viele Grüße!

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    1. Liebe Petra,
      nein nein, sie/er hatte ja von sich als Erwachsener/n geschrieben. Und darauf habe ich mich bezogen. Denn solch ein Verhalten als Erwachsener ist eine kindische Trotzreaktion auf Kritik und einfach Unreflektiertheit. Aber ich verstehe, was Du meinst. Das ist dann die Frage nach der Henne und dem Ei;-). Im Übrigen zerstört sie auch ihre eigenen Sachen...
      Viele Grüße!

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