Donnerstag, 19. Mai 2016

Sind Geschwister wirklich immer ein Geschenk?

Immer und immer wieder hört und liest man die Aussage, dass Geschwisterkinder das beste und wertvollste Geschenk sind, das Eltern ihren Kindern machen können. Bei solchen pauschalen Behauptungen, die weder empirisch belegbar sind noch individuelle Voraussetzungen berücksichtigen, zucke ich tendenziell immer zusammen und möchte automatisch Gegenargumente vorbringen. Nun kennt naturgemäß jeder nur diejenige Seite aus eigener Erfahrung, von der man selbst betroffen ist, d.h. ich kenne die Einzelkinderfahrung nicht (außer in meinen ersten beiden Lebensjahren), da ich einen Bruder habe, und ich habe auch selbst zwei Kinder, weiß also nicht, wie es für sie und uns wäre, wenn sie Einzelkinder wären. Es ist reine Spekulation, darüber nachzudenken, ob ein Dasein als Einzel- oder als Geschwisterkind einfacher ist oder ob es einem Kind vielleicht sogar besser gehen würde, wenn es allein geblieben wäre. Dennoch möchte ich dazu mal einige Gedanken niederschreiben.

Es gibt fraglos sehr innige Geschwisterbeziehungen, was ich unglaublich toll und sehr bereichernd finde. Immerhin ist ein Geschwisterkind jemand, der einen mit am längsten und noch einmal ganz anders als die eigenen Eltern kennt. Es gibt aber genauso gut auch viele Menschen, für die der Bruder oder die Schwester eine Person ist wie jeder andere auch, nämlich fremd. Nur durch die Herkunft und das gemeinsame Aufwachsen ist man sich noch lange nicht seelisch nahe oder schwimmt auf einer Wellenlänge. Auch versteht man sich deshalb nicht automatisch blind, kann nicht über die gleichen Dinge lachen und hat nicht unbedingt das Bedürfnis, den Kontakt eng zu halten. Für solch eine Konstellation stimmt aber die oben genannte Aussage keineswegs. Vielleicht wäre sogar in so einem Fall jedes Kind glücklicher gewesen, wenn es allein aufgewachsen wäre. Möglicherweise erinnert man sich überwiegend an Streitereien, Eifersüchteleien, Petzereien, Missgunst, Provokationen, Ungerechtigkeiten, Machtspielchen, wenn man an die gemeinsame Kindheit zurückdenkt, als an verschworene Bande, Loyalität und wortloses Verständnis. Ein Geschwisterkind soll ja im Idealfall ein Komplize, ein Seelenverwandter, ein Lebensbegleiter sein. Der Idealfall bleibt aber in vielen Fällen unerreicht, würde ich vermuten.

Mein Bruder und ich sind sehr verschieden. Wir haben wenige Gemeinsamkeiten, das war schon früher so und hat sich noch mehr manifestiert. Ich glaube, dass wir schon als Kinder in unterschiedlichen Welten lebten und auch später waren uns völlig verschiedene Dinge wichtig. In meiner Erinnerung konnten wir nie viel miteinander anfangen, sondern behinderten uns sogar oft durch unsere Gegensätzlichkeit. Er trieb mich oft genug zur Weißglut und ihn nervten bestimmt genauso viele Aspekte an mir. Ich könnte nicht sagen, dass wir irgendetwas Elementares voneinander gelernt haben. Nicht nur unser Spielverhalten war unterschiedlich, sondern auch unsere ganze Art, die Welt zu entdecken, völlig konträr. Die Pubertät durchlebten wir völlig verschieden und auch später orientierten wir uns in den von uns eingeschlagenen Wegen überhaupt nicht aneinander. Einen besonders engen Geschwisterzusammenhalt hat es nie gegeben, und durch die Entfernung ist der Kontakt mittlerweile auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Seit vielen Jahren spielt mein Bruder in meinem Leben kaum eine Rolle, so wie ich in seinem nicht. Hätte mich jemand als Kind gefragt, ob ich meinen Bruder unbedingt brauche, hätte ich vermutlich mit "Nein" geantwortet, er umgekehrt natürlich auch. Er hat mich oft gestört und ich ihn sicherlich auch. Das sind rein sachliche Feststellungen, keiner ist schuld daran, es gab auch keine besonderen Vorkommnisse oder so, sondern es ist eben keine Seelenverwandtschaft da. Für meinen persönlichen Fall würde die Ausgangsbehauptung also schon mal nicht zutreffen.

Nun zu meinen Kindern: auch sie sind sehr verschieden, vielleicht noch extremer als mein Bruder und ich. Ich sehe ihre Charakterzüge und Wesenseigenheiten sehr deutlich. Ich sehe, wie sie zusammen funktionieren, worin sie sich behindern, wie sie sich ergänzen (könnten). Ich sehe, wie die Kleine den Großen anhimmelt, gleichzeitig gegen ihn opponiert und seine Aufmerksamkeit und Zuneigung förmlich erbettelt. Sie möchte von ihm angeleitet werden, sie möchte mit ihm spielen, sie möchte mit ihm zusammenarbeiten und -halten. Sie kennt kein Leben ohne ihn und würde alles für ihn tun. Sie vermisst ihn, wenn er weg ist und begegnet ihm am unvoreingenommsten von uns allen. Sie fühlt mit, wenn er leidet und weint, versucht ihn zu trösten und vermittelt zwischen uns. Sie kann schallend über ihn lachen, wie wir noch nie über ihn gelacht haben. Umgekehrt fühlt sie sich oft von ihm nicht genügend beachtet und einbezogen sowie häufig provoziert und gereizt, und wehrt sich durch lautes Gekreische, was den Großen zwar stört, ihn aber deshalb noch lange nicht dazu bringt, mit den Sticheleien aufzuhören. Ich glaube, dass sie sich oft über ihn ärgert, eifersüchtig ist, seine Reaktionen nicht versteht und unglücklich ist, dass er sie nicht oder nur selten als gleichberechtigte Spielpartnerin wahrnimmt. Und trotzdem hängt sie unglaublich an ihm und braucht ihren Bruder essentiell. (Ich bin wirklich gespannt, wie sich das entwickeln wird, je mehr sie merkt, dass er sie nicht im gleichen Ausmaß benötigt wie sie ihn.)


Umgekehrt sieht es etwas anders aus. Der Große war zwei Jahre lang mit uns allein und schon immer ein sehr aufmerksamkeitsbedürftiges Kind. Er hat sich meist an Erwachsenen oder älteren Kindern orientiert. Mit Babys und kleineren Kindern konnte er nie etwas anfangen, das hat man nicht zuletzt deutlich in der Babyzeit der Kleinen gesehen. Er interessiert sich auch so gut wie gar nicht für alle diese typischen Kinderspiele, die z.B. die Kleine manchmal anstößt. Er spielt eindeutig lieber mit einem von uns Eltern als mit der Kleinen. Ich glaube, dass er sie als Spielpartnerin nicht bräuchte (obwohl sie eine tolle Spielpartnerin, sehr aufnahmefähig und dankbar ist). Was die emotionale Komponente betrifft, ist das schwieriger einzuschätzen. In einer Zeit, als wir noch sehr viel mit ihm haderten und zweifelten, ist sie ihm unvoreingenommen begegnet und hat völlig neue Aspekte aus ihm herausgekitzelt. Beispielsweise wirft er manchmal mit Albernheiten um sich, weil er merkt, dass die Kleine das belustigt. Ihr größter Verdienst ist mit Sicherheit die Tatsache, dass sie ihn Zärtlichkeiten lehrte. Insofern hat ihre Existenz durchaus einen Einfluss auf sein Wesen. Trotzdem denke ich, dass er problemlos ohne sie leben könnte, also als Einzelkind mit uns, und so vielleicht sogar noch zufriedener wäre als jetzt mit den ständigen Scharmützeln und Reibereien. Er benötigt viel Ruhe und direkte, intensive Zuwendung. Das ist oft nicht möglich, wenn die Kleine dabei ist (also fast immer). Ihm fehlt nichts, wenn die Kleine nicht da ist, er vermisst sie nicht. Er hasst es, in Wettstreit zu treten. Genau das fordert die Kleine aber oft ein bzw. es entsteht in einer Geschwisterbeziehung automatisch. Er kann mit jüngeren Kindern nicht viel anfangen. Er ist kein Teamplayer. Es scheint ihn oft nicht zu tangieren, wenn die Kleine weint, und er übernimmt so gut wie nie aktiv die Rolle des tröstenden, unterstützenden großen Bruders. Nach meiner jetzigen Einschätzung würde ich vermuten, dass er sich allein wohler und zufriedener fühlen würde.

Als wichtigstes Argument für den Wert von Geschwisterbeziehungen wird oft genannt, dass Kinder dadurch das Teilen und Frustrationstoleranz lernen. Nun, ich hatte einen Bruder und habe keine Frustrationstoleranz gelernt. Und wenn es um meine Lieblingsspeisen geht, hasse ich es zu teilen:-). Sicherlich spielen da auch andere Aspekte mit hinein, z.B. dass Gefühle in der Kindheit nicht benannt und anerkannt oder die Beweggründe anderer Menschen nicht vermittelt wurden, aber ich will damit nur zeigen, dass die Existenz von Geschwistern keine Garantie für das Erlernen irgendwelcher sozialen oder emotionalen Fähigkeiten ist. Das ist immer noch sehr charakterabhängig. Sonst müssten Geschwister ja identische Kompetenzen vorweisen können. Außerdem ist das alles immer eine Frage der Balance: wenn eine (Geschwister-)Beziehung so schwierig ist, dass sie überwiegend aus Frustration besteht und sich die Kinder mehr in ihrer Entwicklung behindern als fördern, dann wäre es vielleicht sogar besser gewesen, es gäbe keinen Bruder/ keine Schwester. Aber wie gesagt, das ist alles Spekulation.

Für uns als Eltern ist das Geschwisterdasein unserer Kinder nur in den seltensten Fällen eine Entlastung oder Erleichterung. Weder spielen sie lange und intensiv miteinander noch fangen sie sich emotional gegenseitig auf. Vielleicht ändert sich das noch, aber bisher war die Beziehung zwischen den beiden ziemlich konfliktreich und aufreibend. Das wiegen die schönen, inniglichen, rührenden Momente auch nicht auf. Das mag sicherlich in anderen Familien ganz anders sein. Auf manchen gemeinsamen Bildern sehen sie so zuckersüß und einträchtig aus und man kann sich nicht vorstellen, dass sie sich permanent in der Wolle haben, übertrumpfen und provozieren. Man kann auch gar nicht sagen, dass es eher an dem einen oder eher an der anderen liegt. Beide sind extreme Sturköpfe, wenig kompromissbereit, sehr vehement und fordernd. Die Kleine ist nicht nachtragend, schnell beruhigbar und sehr liebesbedürftig. Der Große ist in vielem das Gegenteil, hat jedoch die größere Entwicklung gemacht, wenn man seine Voraussetzungen kennt. Sie könnten sich meiner Meinung nach wunderbar ergänzen, indem beispielsweise die Kleine ihn mit ihrem Draufgängertum etwas ansteckt und er sie mit seiner bedachten Art zurückpfeift. Wenn er sie mehr teilhaben ließe, müsste sie nicht so oft fordern und quengeln. Wenn sie ihn wiederum mehr in Ruhe lassen würde, wäre er weniger gereizt. Von ihren Wesenszügen her könnten sie relativ gut miteinander funktionieren, indem sie einander ausgleichen. Ich versuche das auch immer wieder zu vermitteln. Aber es ist oft schwierig. Und schade, dass der eine Teil der Konstellation (der Große) den anderen Teil (die Kleine) weniger zu brauchen scheint als umgekehrt. Sie im Gegenteil oft als Störfaktor zu empfinden scheint. Er ist einfach ein sehr unabhängiger Charakter, der generell nur wenige andere Menschen braucht. Ich kenne übrigens noch ein Beispiel von schon etwas älteren Kindern, wo ein ähnliches Phänomen vorherrscht.

Mir ist bewusst, dass dieser Text viel Gegenwind hervorrufen wird und vielleicht als Affront von Menschen empfunden wird, die ein Geschwisterkind verloren haben und darunter immer noch leiden. Letzteres tut mir sehr leid und ich verstehe, dass man sich verloren und unvollständig ohne sein Geschwister fühlen kann. Das wäre dann für mich der Prototyp des oben geschilderten Idealfalles einer Geschwisterbeziehung, nämlich die seelenverwandten Geschwister. Ich denke aber, das gibt es sehr selten. Meistens wächst man miteinander auf, lebt zusammen und arrangiert sich. Man sollte aber auch darüber sprechen können, dass ein Geschwisterkind für bestimmte Charaktere nicht nur nicht notwendig, sondern vielleicht sogar störend ist. So empfinde ich es manchmal, wenn ich meinen Großen betrachte. Vielleicht auch, weil ich es selbst ähnlich erlebte. Ich werde das weiter beobachten.

Wie ist das bei euch, habt ihr eine tolle Beziehung zu euren Geschwistern oder spielen sie keine Rolle in eurem Leben? Mich interessiert besonders, ob es gleichgeschlechtliche Geschwisterbeziehungen sind oder nicht. Liegt es an der Junge-Mädchen-Konstellation, wenn es eher konfliktreich ist? Wie schätzt ihr eure Kinder ein, brauchen sie ihr Geschwisterkind oder eher nicht?

Kommentare:

  1. Hallo Frühlingskindermama,
    ich habe einen großen Bruder und habe heute eine sehr gute Beziehung zu ihm. Als wir Kinder waren, war das aber nicht immer so - oder gar nicht so. Als Kinder waren wir ein 4er-Gespann: Mein Onkel, ein Nachzügler, der nur 6 Jahre älter ist, mein Bruder, der 2,5 Jahre älter ist, ich und mein Cousin, der 1,5 Jahre jünger ist als ich. Wir haben alle nah beieinander gewohnt (Laufweite) und sehr, sehr viel Zeit miteinander verbracht. Das ist vermutlich auch der Punkt, warum ich mich manchmal so fühle, als wäre ich wie ein Junge aufgewachsen und als würde ich besser mit ihnen klarkommen ;-) Durch die drei Jungs kam ich z.B. viel intensiver mit dem Thema Videospiele und Computer in Verbindung, was mich heute schließlich in die Richtung IT geschupst hat.

    Mein Bruder und ich haben uns immer zu gerauft, und ich habe mich oft auch über ihn geärgert. Er wirkte auf mich oft rücksichtslos, aber ich habe auch viel von ihm gelernt. Mein Bruder wäre vermutlich auch sehr gut ohne mich klargekommen. Es war nicht so, dass er sich "um mich gekümmert" hätte oder so. Heute will ich ihn trotzdem nicht missen. Das alles hat sich nämlich gewendet, als wir im Teenageralter waren. Als ich 14, vielleicht 15 Jahre alt war und meinen ersten Freund hatte, da haben mein Bruder und ich eine normale, geschwisterliche Beziehung aufgebaut, in der wir uns alles erzählen konnten. Und von einigen schlechten Episoden seither abgesehen, hat sich diese gute Beziehung gehalten. Was mein Bruder aber vor allem geschafft hat: Mein Neid auf ihn hat dazu geführt, dass ich z.B. Abitur gemacht habe anstatt auf der Realschule zu bleiben. Er war viel besser als ich in der Schule, was mich angestrebt hat, sodass ich letztendlich noch viel bessere Noten als er nach Hause gebracht habe. Dank des Abiturs konnte ich dann studieren und mache heute genau das, was mir Spaß macht. Ich gehe jetzt jeden Tag voller Motivation und Freude in mein Büro.

    Warum ich jedoch das 4er-Gespann erwähnt habe: Ich hatte stets einen kleineren Cousin. Für mich gab es nicht nur Zankerei mit meinem Bruder, die Erfahrungen mit ihm, manchmal seine Gleichgültigkeit usw., sondern immer auch eine Person, die jünger war als ich. Ich fand es zum Beispiel toll, dass er zu mir aufgesehen hat... Ich weiß nicht, wie es gewesen wäre, wenn er nicht da gewesen wäre. Er war wie ein kleiner Bruder. Mit der Ausnahme: Zu ihm habe ich heute keinen Kontakt mehr. In der Teenagerzeit ist der Kontakt weggebrochen, spätestens mit meinem Wegzug zum Studium.

    Ob mein Kleiner ein Geschwisterkind braucht oder nicht, weiß ich nicht. Ich kann mir vorstellen, dass es ein Kind sehr stark prägt, positiv und negativ. Es wird aber ähnlich, nur anders, prägend sein, wenn er ein Einzelkind bleibt. Die Beschreibung deiner Kinder jedoch klingt für mich recht normal.

    Eine letzte Anmerkung zum Thema: Als Kind habe ich oft gesagt, dass ich mich benachteiligt fühle. Meine Eltern haben mir das nie geglaubt. Aber mein Bruder z.B. hat als Kind sehr oft mit meiner Mutter gekuschelt, auch im höheren Alter gab es viel mehr Umarmungen. Ich hatte immer das Gefühl, dass er eine viel intensivere emotionale Bindung zu meiner Mutter hat als ich. Bei meinem Vater hatte ich dieses Gefühl der Ungleichheit uns gegenüber nie. Das wäre eine Sache, auf die ich, hätten wir zwei Kinder, dadurch vermutlich Acht geben würde.

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    1. Dankeschön für Deinen spannenden Gedanken und Erinnerungen! Interessant, dass Du zu dem Cousin keinen Kontakt mehr hast, obwohl er so wichtig war. Deine Beziehung zu Deinem Bruder klingt so ähnlich wie bei meinen Kindern: Du hast an ihm gehangen, zu ihm aufgesehen, Dir ein Beispiel an ihm genommen. Bei mir und meinem Bruder war das anders, wie eine Schere, so weit wie möglich auseinander. Hast Du denn mittlerweile das Gefühl, Dein Bruder hängt auch an Dir?
      Zu Deinem letzten Punkt:
      Ich glaube, dass man als Eltern eine "intuitivere" Beziehung zu einem seiner Kinder haben kann, was sich in mehr Kuscheln niederschlägt. Hast Du meinen Beitrag darüber gelesen?
      https://fruehlingskindermama.blogspot.de/2016/03/gedanken-uber-die-intuitive-verbindung.html

      Vielleicht hilft Dir das ein wenig, um die Ungleichbehandlung eurer Eltern einzuordnen. Das könnte (muss nicht) der Grund sein.
      Danke und liebe Grüße!

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  2. Interessanter beitrag.
    Ich denke einwenig das ältere Geschwister gut ohne ihre jüngeren Geschwister zurecht kommen würden. Sie kennen es auch allein mit den Eltern zu sein und genießen es schlichtweg keine rücksicht auf jemanden zu nehmen. Im gegensatz zu jüngere Geschwister die immer neben den Eltern noch jemanden haben auf die sie sich verlassen können und oft mehr bewundern weil es im ähnlichen alter ist.
    Ältere Geschwister fühlen sich oft benachteilig und ungerecht behandelt, was evtl daran liegt weil sie plötzlich ihre eltern teilen müssen. Auch haben sie schon vergessen das sie im Babyalter genauso umworben wurden. Natürlich müssen sie wirklich auch etwas zurückstecken und werden dadurch viel schneller unabhängiger von den Eltern. Das jüngere Geschwisterkind muß aber auch zurückstecken, ist halb von Situation und Eltern abhängig, aber natürlich nie so wie das ältere Kind (z.B. K1 will kuscheln, geht aber nicht weil K2 gestillt wird usw.) Auch genießt das jüngere Kind auch die längere Kindliche fasse, den durch das schnelle unabhängikeit des ältere Kind klammern sich oft Eltern an das jüngere Kind.

    Ich bin übernigs eine kleine Schwester, ich liebe und bewundere meine große Schwester weswegen ich mich auch für zwei Kinder entschieden habe.
    Meine Tochter könnte gut ohne ihren Bruder sein, er ebenfalls. Trotzdem lieben und vermissen sie sich, auch spielen sie total gut miteinander.

    Lg Nicky

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    1. Hallo Nicky,

      als ich gerade Deinen Kommentar gelesen habe, hat sich in mir alles gesträubt!!! Ich bin das älteste Kind meiner Eltern, habe drei jüngere Brüder im Abstand von drei, sechs und 15 Jahren. Ja, ich bin heute 29, kann mich gut daran erinnern, wie es war, meine Eltern für mich zu haben. Ich musste mit Sicherheit zwischendurch zurückstecken, gerade als mein jüngster Bruder mitten in der Pubertät dazu kam, musste für meine Rechte und Privilegien sicher härter kämpfen als meine Brüder und hätte mir tatsächlich oft mehr Aufmerksamkeit gewünscht. Aber niemals, niemals ist mir der Gedanke gekommen, ich wäre gut ohne meine jüngeren Geschwister zurecht gekommen! Selbst bei unseren heftigsten Streitereien, die teilweise sowohl verbal als auch physisch verletzend waren, wäre es mir nicht in den Sinn gekommen, mir zu wünschen, Einzelkind geblieben zu sein. Ich habe das Glück, drei tolle Brüder zu haben, zu denen ich, teils auch bei Entfernung über Kontinente, einen sehr innigen und intensiven Kontakt habe und ich möchte keine Minute unseres Lebens missen, auch nicht die unschönen, denn die haben uns und mich zu dem gemacht, was wir heute sind!

      Liebe Grüße, Meike!

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  3. Interessanter Beitrag, den ich in vielen Punkten teile! Ich schreibe vieleicht noch einen ausführlicheren Kommentar, wenn ich über das Thema nachgedacht habe. Finde nämlich Deinen Standpunkt sehr interessant und gar nicht mal so weit hergeholt. Du hattest meinen Beitrag über meine Beziehung zu meinem Bruder gelesen, oder?

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    1. Danke und ja gern, ich freue mich darauf. Ja, ich habe Deinen Text gelesen und mich oft wiedergefunden. Nur dass mein Bruder bei meinen Kindern nicht der tolle "zio" ist, sondern meine Kleine bei unserem letzten Wiedersehen mit einer einzigen Bemerkung so kränkte, dass sie noch heute sauer auf ihn ist.
      Liebe Grüße!

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  4. unsere zwei Grossen waren sehr aufeinander angewiesen weil wir sehr isoliert wohnten über 5 Jahre hinweg. Heute verstehen sie sich meistens gut, auch wenn beide ihren eigenen Freundeskreis aufgebaut haben. Die Kleinen, Zwillinge, bewundern ihre grossen Schwestern, sind aber sehr gut in der Lage sie zu ärgern. Wir trauen unsern Kindern zu, Spannungen untereinander auszuhalten, zu streiten, und Zeit miteinander zu verbringen. Ich hoffe sie nutzen die Chance gesunde Beziehungen zu einander zu formen. Und dass jede sich versöhnt mit ihrer Stellung in der Familie. Selber erlebe ich gerade, wie meine Schwester aus Neid und Eifersucht alles zerstört was an Beziehung da war zwischen uns - das tut sehr weh! Übrigens sind unsere Töchter fast 17, 14 und zweimal 6 Jahre alt

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    1. Oh, spannend, mit 4 Kindern ist das ja nochmal ganz was anderes. Und es tut mir leid, was Deine Schwester macht. Das ist leider häufiger der Fall, als man denkt. Ich hoffe auch, dass meine Kinder irgendwie ihren Platz noch finden bzw. der Große erkennt, was er an der Kleinen hat.
      Liebe Grüße und alles Gute!

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  5. Meine Schwester und ich haben keinen Kontakt mehr. Selbst auf meiner Hochzeit war sie nur, weil sie meine Schwester ist, nicht, weil ich sie da haben wollte.
    Wir hatten zuhause sehr schwierige Verhältnisse, haben verschiedene Väter. Ihrer hat sie immer vorgezogen und mich das spüren lassen, meiner ist mir unbekannt. Zudem genoss sie Freiheiten, die ich mir hart erkämpfen musste. Wir konnten als kleinere Kinder sicher auch gut zusammen spielen, aber die Konkurrenz zwischen uns wurde immer geschürt ("schneid dir ne Scheibe von ihr ab" oder "XY kann das, weshalb du nicht?!", das hörten wir beide ständig).
    Letztendlich gipfelte es in körperlichen Auseinandersetzungen in unserer Pubertät (wir sind drei Jahre auseinander). Nach dem Auszug haben wir uns nur an Feiertagen gesehen und seit ich den Kontakt zu meiner Mutter gänzlich unterbinde, nicht mal mehr dazu.

    Sie fehlt mir nicht, aber ich sorge mich dennoch, ob es ihr gut geht. Nur habe ich beschlossen, mich um mein Leben zu kümmern und mir nicht die Sorgen anderer Leute aufzuhalsen und mehr als eine Fremde ist meine Schwester für mich schon lange nicht mehr. Sollte sie sich hilfesuchend an mich wenden, bin ich für sie da. Das ist aber auch alles, was ich bereit bin zu geben.

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    1. Oje, das klingt ja heftig, was Du aus der Pubertät berichtest. So kann es auch kommen... Stimmt, wenn die Konkurrenz noch geschürt wird, gießt man noch Öl ins Feuer. Insofern müssen Eltern da auch echt aufpassen, was sie sagen. Manchmal rutscht einem sowas doch mal raus.
      Ich glaube auch, dass es manchmal besser ist, gar keinen Kontakt mehr zu haben, als sich immer wieder zu ärgern. So schade es ist.
      Liebe Grüße und alles Gute!

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  6. Also ich habe eine Schwester und zwei Brüder und wir haben alle vier ein recht inniges Verhältnis zueinander. Wir leben alle im Umkreis von ca. 80 km beisammen und verbringen letztlich sehr viel Zeit miteinander - teils geschäftlich, teils privat. Ich möchte keinen meiner Geschwister missen und ich bin sehr sicher, dass ich als Einzelkind nicht einmal halb so glücklich wäre. Einer meiner Brüder hat mich immer geärgert, als wir noch kleiner waren und es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir uns richtig gut verstehen konnten. Aber ich denke bei kleineren Kindern ist es völlig normal, dass es eine Art Konkurrenzkampf gibt, insbesondere um die Aufmerksamkeit der Eltern. Wenn das mal besser wird, sind Geschwister aber meiner Auffassung nach ein tolles Geschenk. Es geht für mich dann nicht nur um die Geschwister selbst, sondern auch die Familie, die sich außen herum bilden kann. Wenn ich Geburtstag feiere, sind da meine Eltern, drei Geschwister, davon zwei mit Partnern und alle drei Geschwister haben jeweils zwei Kinder, wobei ein Kind schon wieder selbst Papa ist. Zusätzlich natürlich noch die Familie meines Mannes. Da ist immer FullHouse, auch wenn mal drei-vier nicht können und das genieße ich sehr. Die Vorstellung, dass man als Einzelkind ja dann nicht nur keine Geschwister hat, sondern eben auch keine Schwägerinnen/Schwager und keine Nichten und Neffen ist für mich persönlich unvorstellbar.

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    1. Das klingt wunderbar und manchmal wünsche ich mir so ein Familienumfeld auch. Das hängt aber auch davon ab, in welcher Entfernung man lebt, wenn ihr alle 800 km auseinander wärt, würdet ihr sicherlich auch nicht jeden Geburtstag zusammen feiern. Ich habe einen Neffen, den ich so gut wie nie sehe, und da mein Mann Einzelkind ist, ist auf dieser Seite gar keine weitere Familie vorhanden. Das ist wirklich schade, aber nicht zu ändern. Mal sehen, wie der Zusammenhalt zwischen meinen Kindern später mal sein wird. Erzwingen kann man nichts.
      Liebe Grüße!

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  7. Der Text ist ganz wunderbar geschrieben und ich sehen in deinen Kindern ein bisschen meine Kindheit. Mein Bruder (15 Monate älter) hatte mich nicht gebraucht, tut er heute noch nicht. Ich hingegen habe immer zu ihm aufgesehen und um seine Aufmerksamkeit fast schon gebettelt. Das ging so bis ich ca. 25 Jahre alt war. Irgendwann habe ich aufgegeben.
    Im Nachhinein würde ich sagen, auch ich wäre besser ohne ihn dran gewesen, es hat viel Schmerz und Leid gekostet und hat mir schlussendlich wenig Positives beschert.
    Mein Mann hat einen 6 Jahre älteren Bruder. Auch da ist die Beziehung nicht sehr innig. Man hilft sich bei diversen Arbeiten wie Auto reparieren oder Haus renovieren. Emotional spielt sich jedoch nicht viel ab, es werden keine wirklich wichtigen Probleme besprochen oder Rat ausgetauscht. Man weiß nicht viel voneinander, lebt zwar Tür an Tür, aber alles sehr emotionslos.
    Hauptsächlich deshalb haben wir uns für ein Einzelkind entschieden, weil wir beide keine positiven Erfahrungen mit Geschwistern gemacht haben.
    Manchmal frage ich mich, ob es für unser Kind das Richtige ist und habe auch ein schlechtes Gewissen, weil ich egoistisch bin. Aber ja, es ist das Richtige. Ein Geschwisterl würde ganz schlimm für ihn sein. Das sagt er auch immer wieder, er will niemanden haben. Er liebt die Gesellschaft, die Familie und seine Freunde, braucht aber auch viel Zeit und Raum für sich.
    Für uns Drei ist es also auf jeden Fall die richtige Entscheidung, kein zweites Kind bekommen zu haben.

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    1. Sehr interessant, was Du von Deinem Bruder und Dir berichtest! Ja, das klingt wie bei meinen Kindern, und mich schmerzt die Vorstellung, dass die Kleine vielleicht so lange wie Du erfolglos um die Aufmerksamkeit des Großen betteln wird. Wir werden sehen.
      Eure Entscheidung ist sicherlich die Richtige für euch. Und spannend, dass euer Kind schon sagt, dass er niemanden haben will. Man hört immer nur, dass das große Kind um ein Baby bettelt. Mein Großer hätte das mit Sicherheit nie gemacht.
      Alles Gute und liebe Grüße!

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  8. Ich bin eine von den Idealfällen, so scheint es. Ich bin die älteste von vier Kindern, heute 29, habe drei jüngere Brüder im Abstand von drei, sechs und 15 Jahren. Mir stößt es etwas übel auf, dass vermutet wird, ältere Geschwister könnten gut auf die jüngeren verzichten. Ich kann mich gut an die Zeit erinnern, in der ich meine Eltern alleine hatte. Ich habe mich ständig, sowohl verbal als auch physisch mit meinen Brüdern, teils heftigst gestritten. Ich musste mit Sicherheit oft zurückstecken, schnell vernünftig und "erwachsen" werden, oft auf meine Brüder aufpassen. Gerade die Pubertät war alles andere als einfach. Freiheiten und Privilegien musste ich mir teils hart erkämpfen. Aber nie, niemals in all der Zeit wäre mir auch nur der Gedanke gekommen, mir würde es ohne meine Brüder besser gehen oder ich könnte auf sie verzichten! Wir haben auch heute noch ein sehr inniges und intensives Verhältnis, teils auch über Kontinente hinweg. Ich würde nicht eine Minute mit keinem von ihnen missen wollen, auch die unschönen nicht! Dafür sind sie mir alle drei viel zu wichtig!

    Das nur mal als Rückmeldung, dass der Idealfall tatsächlich vielleicht doch nicht so selten ist!

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    1. Das ist total toll und ich beneide Dich darum. Bei mir war es nicht so und es ist eine Vermutung meinerseits (wie ich ja auch schrieb), dass mein Großer es ähnlich empfindet. Allerdings muss man sehen, wie sich das entwickelt. Meine Kinder sind ja mit 5 und 3 noch klein und können noch zusammenwachsen. Wenn man die Konflikte als Maßstab dafür nimmt, wie sehr sie aneinander hängen, dann lieben sie sich wohl sehr;-)
      Liebe Grüße und danke für Dein Beispiel!

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  9. Einzelkinder bekommen mehr Aufmerksamkeit. Von Papa und Mama. Sie müssen nicht um die Aufmerksamkeit mit den Geschwistern kämpfen. Die Kleinen profitieren von den Großen, sie lernen von ihnen. Allerdings fallen die Großen, falls sie keine gleichaltrigen Freunde haben, in das "Kleinkindschema" zurück, benehmen sich nicht ihrem Alter entsprechend, um die Aufmerksamkeit zu bekommen, die das Kleinere nun mal ganz automatisch bekommt, weil ihm die Windeln gewechselt werden und es noch mehr Pflege bedarf. Für den Größeren sind jüngere Geschwister meiner Meinung nach nicht förderlich. Sie wachsen aber nach, werden immer mehr zu Spielpartnern, wenn der Altersabstand nicht zu groß ist. Es ist aber eine Entwicklung und nicht von Anfang an so. Meine Große hatte mit ihren 2 Jahren, als der Bruder geboren wurde, überhaupt kein Interesse an Babys. Was sie gespürt hat und bis heute spürt ist, dass sie ihre Mama teilen muss. Erst jetzt, mit fast 5, entdeckt sie ihre fürsorgliche Seite, möchte kleine Babys wickeln. Aber auch nicht nur. Lautstärke stört sie sehr. Und wo gibt es ein Baby, was nur friedlich schläft? ;)

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    1. Danke für Deinen Kommentar! Spannend, dass Deine Große kein Interesse an dem kleinen Bruder hatte. Ich höre immer nur, dass große Schwestern da anders sind und habe das Desinteresse meines Großen immer auch ein wenig auf sein Geschlecht geschoben. Er hat bis heute (er ist auch 5) noch nicht seine fürsorgliche Seite entdeckt (oder nur ganz ganz selten). Er ist sich irgendwie selbst genug bzw. braucht die Eltern mehr als seine Schwester. Und für beide Kinder ist es schwer, unsere Aufmerksamkeit aufteilen zu müssen.
      Liebe Grüße!

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  10. Liebe Frühlingskindermama,
    ich verstehe Deine Gedanken und kann sie in gewisser Weise sogar bestätigen. Ich habe eine Schwester und einen Bruder und besonders im Kleinkind- und Schulalter gab es viel Streit, gegenseitige Hänseleien und überhaupt keinen Zusammenhalt.
    Inzwischen akzeptieren wir uns zumindest und können - wenn es hart auf hart kommt, miteinander reden. Meine (Halb)-Schwester und ich verstehen uns heute sehr gut. Wir sind 6 Jahre auseinander, deshalb war glaube ich die Entthronung zwischen uns nie ein Thema. Mein Bruder ist 2,5 Jahre jünger als ich und er war sehr krank, sodass er viel Aufmerksamkeit bekommen musste nach der GEburt und er meiner Mutter viele Sorgen gemacht hat. Das fand ich wahrscheinlich nicht so toll und wahrscheinlich hat das einen gewissen Einfluss auf unser Verhältnis (gehabt). Wir sind sehr unterschiedlich und haben auch ganz andere Interessen, sodass wir wenig Gesprächsthemen haben.
    Meine Schwester und ich werden uns immer ähnlicher. Ich würde sogar sagen, dass wenn jemand mich vor 6 Jahren schon kannte und heute sie kennenlernt, dass viele Gemeinsamkeiten entdeckt werden - vom Charakter, nicht äußerlich.
    Was meine Kinder betrifft, so profitieren beide voneinander, die Große ist eine tolle liebevolle große Schwester und die Kleine schaut sich viel von ihr ab und ist zufrieden, wenn sie spürt, dass die Große neben ihr liegt (wenn ich abends aufgestanden bin). Ich hoffe, dass diese Geschwisterliebe bleibt, auch wenn es sicherlich mal zwischendurch auch Phasen geben wird, in denen sie sich nicht so gut verstehen. Das gehört dazu.
    Aber auch wenn es in der Kindheit so scheint, dass sie nicht viel miteinander anfangen können und vielleicht sogar ohne das Geschwisterkind zufriedener wären, finde ich es für später wertvoll, wenn wir Eltern vielleicht nicht mehr da sind. Oft wird dann das Geschwister-Band wieder stärker und sie wissen es zu schätzen, dass sie nicht allein sind. Oft kommt die Erkenntnis erst, wenn man selbst Kinder hat oder wenn man ein gewisses Alter erreicht hat.
    Danke schön für Deine Sichtweise und Erfahrung. Sehr interessanter Denkanstoß.
    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Dankeschön, liebe Reni, dass Du Dich auch an der Diskussion beteiligt hast! Ich hatte ja mit mehr Kritik gerechnet:-). Vielleicht ist es nochmal anders, wenn man mehrere Geschwister "zur Auswahl" hat. Dann sucht man sich vielleicht den, der am besten zu einem selbst passt. Aber bei einem Geschwisterkind klappt es entweder oder eben nicht. Bei meinen Kinder ist es ja besonders schwierig, weil die Kleine so unglaublich am Großen hängt, er aber nicht so sehr an ihr. Aber klar, er war ja auch 2 Jahre allein. Ja, vielleicht wird es später noch anders. Bei meinem Bruder und mir trifft das allerdings nicht zu. Allerdings ist es tatsächlich komisch, dass mein Mann jetzt keinerlei Familie mehr hat, seit seine Eltern verstorben sind. Er ist nämlich Einzelkind.
      Liebe Grüße!

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  11. Vielen Dank liebe Frühlingskindermama! Ich liebe deinen Blog und deine Texte, bitte bleib so wie du bist, schonungslos offen und mutig, auch Tabus anzusprechen.

    Dein Text ist Balsam für meine Seele, da meine Tochter ziemlich sicher (gewollt) Einzelkind bleiben wird. Ich habe eine Schwester, die fast 3 Jahre jünger ist und wir stehen uns sehr nahe. Man könnte fast schon sagen, seelenverwandt, entsprechen also dem Idealbild von einer Geschwisterbeziehung. Das dies nicht die Regel ist, sehe ich an vielen Beispielen aus meinem Umfeld. Ach, als Kinder waren wir aber kein Herz und eine Seele, sondern haben viel gestritten. Meine Schwester musste vor allem viel einstecken, da ich sie auch oft gehauen habe.

    Trotz meiner innigen Beziehung zu meiner Schwester (heute) und dahingehend sehr positiver Erfahrung, möchte ich kein weiteres Kind mehr. Einfach aus dem Grund, weil der Wunsch schlichtweg nicht da ist. Soll ich jetzt also trotzdem ein weiteres Kind auf die Welt stellen nur damit ich meiner Tochter das viel beschworene und ach so wertvolle Geschenk, ein Geschwister, mache? Das wäre doch völlig blödsinnig und vor allem unverantwortlich dem 2. Kind gegenüber. Das 2. Kind wäre somit auch 2. Wahl und nur auf der Welt, damit das erste Kind nicht „alleine“ ist und einen Spielpartner (im Idealfall) hat. Nur, wenn der Idealfall dann nicht eintritt und die beiden überhaupt nicht miteinander klar kommen…..tja, dann ist das einfach nur scheisse oder? Die ganze Wunschvorstellung und der Plan bricht in sich zusammen und am Ende bleibt das schlechte Gewissen, das 2. Kind nur halb gewollt zu haben. Deshalb, aus meiner Sicht, die einzig legitime Art weitere Kinder zu haben, ist, weil man es sich von ganzem Herzen wünscht, und nicht, weil man dem 1. Kind ein Geschwister „schenken“ will!! Finde das ansonsten ganz, ganz schrecklich für das 2. Kind.

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    1. Ganz lieben Dank Dir für das Feedback! Interessant, dass Du trotz der guten Beziehung zu Deiner Schwester kein weiteres Kind möchtest. Es gibt echt so viele verschiedene Erfahrungswege, wirklich spannend! Und nein, wenn der Wunsch nicht da ist (und auch der Zufall nicht dazwischenkommt, wie bei uns), sollte man es wirklich bei einem Kind belassen. Genießt die exklusive Aufmerksamkeit für eure Tochter, genießt auch, dass es mit einem Kind viel einfacher ist, sich Freiräume zu schaffen, und genießt, dass ihr nicht nochmal "von vorn" anfangen müsst ;-). Meine Kleine ist vor allem für mich selbst ein Geschenk, da sie so lustig und so anders ist als der Große und mich von vielen Mama-Zweifeln befreit hat.
      Liebe Grüße!

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  12. Ich kann hier meine Erfahrung als Einzelkind beitragen ;-) als Kind war ich mir meiner Privilegien als einziges Kind in einer großen Familie sehr wohl bewusst und hab das auch durchaus genossen. Beneidet hab ich andere um ihre Geschwister, wenn es darum ging, der Mama was zum Muttertag zu schenken oder ähnliches. Das hab ich immer ganz alleine machen müssen und jetzt macht es mir schon manchmal Angst, Entscheidungen, die meine Eltern vielleicht einmal mit fortschreitendem Alter betreffen werden, alleine treffen zu müssen.
    Ich selber hab übrigens zwei Mädels - die Entscheidung für das zweite Kind ist aber abseits der Ideen "dem ersten etwas schenken" zu wollen oder dem Kind eine wichtige Lernerfahrung mitzugeben, von uns Eltern getroffen worden.

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    1. Stimmt, das ist ein wichtiger Punkt, dass man als Einzelkind später Entscheidungen für die Eltern allein treffen muss. Aber auch dies kann einfacher sein als die Auseinandersetzung mit nicht kompatiblen Geschwisterauffassungen... Man weiß es eben nicht.
      Die Entscheidung für euer zweites Kind und die Beweggründe dafür (bzw. die es nicht waren) klingt super.
      Danke und liebe Grüße!

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  13. Ich habe gerade diese Seite entdeckt und als ich Ihren Bericht geleSen habe, war es so als hätten Sie von meinem Sohn geschrieben. Er ist jetzt 3 Jahre alt und seine Schwester wird bald 1. Mich macht das Verhalten meines Sohnes auch sehr traurig, die ersten Monate waren furchtbar und auch jetzt ist es nicht einfach.
    nicht nur dieses Desinteresse, schon in der ss, nein, auch ständig dieses gestreite, er möchte nichts teilen, haut und kratzt sie ständig. Ich kann sie nicht 5 Minuten alleine lassen.
    Er will sich auch nie bei ihr verabschieden oder ihr ein gute nacht Kuss geben. Beim wickeln, füttern usw. wollte er nie helfen.
    Ehrlich gesagt dachte ich, dass sich das irgendwann ändert, aber jetzt wo ich Ihren Bericht gelesen habe, gebe ich die Hoffnung wohl lieber auf :(

    LG, Anna

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    1. Hallo Anna,
      danke für Deinen Kommentar! Es tut mir leid, wenn ich Dich desillusioniert habe. Manchmal ist es sinnvoller, den Tatsachen ins Auge zu schauen. Ich glaube tatsächlich, dass es Kinder gibt, die keine Geschwister brauchen und sich wirklich nicht dafür interessieren. Leider merkt man das eben erst "hinterher".
      Am besten ist es wohl, die Tatsache zu akzeptieren und nichts mehr zu erwarten. Aber ich weiß, wie schwer das ist. Bei uns ist die Situation noch genauso wie vor einem Jahr, als ich den text schrieb, und ich glaube, das wird sich auch nicht mehr grundlegend ändern.
      Liebe Grüße und alles Gute für euch!

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  14. Geschwister sind (wenn auch manchmal nicht offensichtlich) ein Geschenk aus Fleisch und Blut. Es sind Kameraden, die Dir Deine Eltern zur Seite stellen. Sie erinnern Dich an das Lächeln Deiner Mutter, an die Augen Deines Vaters und an Momente aus der Kindheit. Ihre Mischung ist dieselbe wie Deine, nur anders proportioniert. Und auch wenn Ihr Euch mal verliert, Euer Heimweg wird doch immer derselbe sein.

    Hallo Frühlingskindermama,
    ich bin derzeit mit meinem zweiten Kind schwanger und mich überkommen immer wieder Ängste, was wir uns und meinem großen Kind mit einem zweiten Kind "antun". Es ist alles perfekt, warum also ändern wir das? Ich selbst habe eine Schwester, als Kinder überwogen in unserer Beziehung Neid und Missgunst. Heute ist Sie ein so wichtiger Teil für mich, dass es ohne Sie undenkbar wäre. Sicher sind mir meine Freundinnen emotional näher, mit meinen Freundinnen habe und hatte ich mehr Spaß, unternehme mehr und lache mehr - aber meine Schwester ist ein Fels, der immer da ist, der bleibt und ein Teil von mir ist, ein Geschenk aus Fleisch und Blut, dessen ich mir sicher sein kann. Auch heute noch fliegen viele Fetzen, kämpfen wir mit alten Rollenbildern aus der Kindheit - aber sie gehört zu mir, wie meine Körperteile. Und zwar für immer. Und das ist schön, auch wenn es mal nicht schön ist. Sie gehört zu meinem "Zuhause".

    Es wäre sicherlich sehr schön, wenn meine Kinder irgendwann einmal (beste) Freunde werden, aber was ich viel wichtiger finde, ist, dass sie eine Familie werden! Denn wer eine Familie hat, der ist nicht allein!

    Alles Liebe für Euch.
    Kathi

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    1. Liebe Kathi,
      das klingt toll, was Du über die Beziehung zu Deiner Schwester schreibst, dass sie zu Dir gehört. So wünscht sich das doch jeder! Die Realität ist aber leider manchmal anders. Ich habe so eine Geschwisterbeziehung nicht, im Gegenteil, und ich vermute, dass es auch bei meinen Kindern nicht so sein wird. Sie werden irgendwann eigene Familien gründen und die Ursprungsfamilie wird unwichtiger, so wie es schon immer war. Und wenn man sehr verschieden ist als Geschwister, schläft der Kontakt ein.
      Mein Text ist jetzt länger als ein Jahr her und alles ist noch genauso wie damals, bzw. fast noch schwieriger geworden.
      Ich wünsche Dir alles Gute für die Schwangerschaft und eine tolle Geschwisterbeziehung für Deine beiden Kinder!
      Liebe Grüße!

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