Montag, 20. Juni 2016

Die zweite Kitareise des Großen im Juni 2016

Letzte Woche war der Große auf seiner zweiten Kitareise, wieder von Montag bis Freitag, wieder in dem gleichen Feriencamp am See wie letztes Jahr. Hier könnt ihr nachlesen, wie die erste Kitareise verlaufen ist und welche Gedanken und Gefühle ich in der Woche hegte. Nun war er ein Jahr älter, viel bewusster und wusste wenigstens zum Teil, was ihn erwartet. Ich habe in den Wochen vorher immer wieder versucht, ihm leichte Strategien mitzugeben, wie er sich aus zuviel Trubel zurückziehen kann, ihn gebrieft, sich an die Erzieher zu wenden, wenn ihn irgendwas bedrückt, schmerzt oder ärgert, und auch mit seiner Bezugserzieherin kurz die heiklen Punkte besprochen (z.B. dass er sich dort mittags unbedingt ausruhen soll). Zwar war er im Vergleich zu vielen seiner Kitafreunde sehr verhalten in der Vorfreude auf die Reise, aber wenigstens hat er nicht gesagt, dass er nicht mitfahren will.

Am Montag brachte mein Mann die Kinder wie üblich zu 8:15 Uhr in die Kita, die Koffer wurden abgestellt, die Kinder verabschiedet, und gegen 9 Uhr sollte dann schon der Bus mit den großen Kindern losfahren. Informationen und Fotos bekamen wir wie letztes Jahr von der Bezugserzieherin über die WhatsApp-Gruppe. Das Camp befindet sich ca. 1h von uns entfernt, die Kinder konnten also schon dort mittagessen. Am Nachmittag wurde sich ausgetobt und eingelebt.

Am Dienstag stand das Pferd im Mittelpunkt, eine Kutschfahrt war organisiert worden, bei der der Große auf Fotos vorn neben dem Kutscher saß, weil er der Größte in seiner Gruppe ist, und die Kinder durften auf Ponys reiten. Außerdem wanderten sie um den See und fielen erledigt in die Betten. Am Mittwoch regnete es leider und die Gruppe hielt sich drinnen auf, bastelte, spielte und studierte spielerisch ein Tanzstück ein. Die heimlich mitgegebenen Postkarten der Eltern an die Kinder wurden vorgelesen und sie waren ganz stolz. Die geplante Nachtwanderung musste leider ausfallen, aber es gab eine Kinderdisco. Am Donnerstag bekamen wir keine Informationen, das Wetter war aber warm und trocken und die Kinder waren vormittags im Wald und konnten nachmittags am See spielen.

Unsere Postkarte für den Großen

Am Freitag regnete es in Strömen und die Kinder kamen gegen 11:30 Uhr mit dem Bus wieder an der Kita an. Mein Mann holte den Großen ab und schickte mir Fotos und Kurzberichte von einem zufrieden und ausgeglichen wirkenden Jungen auf die Arbeit. Das beruhigte mich ungemein, war er doch letztes Jahr direkt nach der Rückkehr und die folgenden Tage ziemlich nörgelig, angriffslustig und unausgeglichen gewesen. Er baute freudestrahlend sein Lego-Rückkehr-Geschenk zusammen und begrüßte mich dann mit sanften Augen, aber wie immer überhaupt nicht anschmiegsam, als ich von der Arbeit kam. Auch die Kleine wurde, als sie aus der Kita kam, zwar wahrgenommen, aber keiner inniglichen Begrüßung unterzogen. Naja, so ist er halt. Wenigstens gab es an dem Nachmittag und Abend keinen Geschwisterzoff, sondern es war relativ ruhig, zwar lebhafter als mit einem Kind, aber entspannt im Vergleich zu sonst.

Auch am Wochenende war der Große trotz Halsschmerzen extrem fröhlich, zufrieden, gut gelaunt und sehr verträglich. Am Samstag Vormittag spielten die Kinder allein bzw. zusammen sehr lange und vor allem - sehr ungewöhnlich - fast konfliktfrei. Das fühlte sich so an, wie es eigentlich immer sein sollte. Ich konnte viel im Haushalt machen und mein Mann war im Garten. Der Große half der Kleinen, sie kommunizierten viel und es gab nicht ein einziges Mal Geschrei. Das kennen wir sonst gar nicht! Am Samstag Abend gab es dann eine interessante und berührende Situation. Der Große weinte mehrfach ganz intensiv wegen einiger kleinerer Vorkommnisse und ließ sich von jedem Elternteil lange und ausführlich und sogar mit Körperkontakt trösten. Ich spürte sofort, dass das ein "Ersatzweinen" für die Anspannung auf der Kitafahrt war und raunte das meinem Mann zu, damit er wie ich einfach nur für ihn da ist. Ich glaube, das war seine Art, zu uns zurückzukommen, und war sehr erleichtert darüber, dass es diesmal nicht wie letztes Jahr in ein Motz- und Nörgelwochenende mündete.

Seit Samstagabend war die Kleine leider krank und hatte Fieber, so dass wir den Sonntag ruhig verbrachten. Ich selbst war auch etwas schlapp. Am Nachmittag fuhren der Große und ich mit den Rädern durch den Wald zu einem See, das war ein wunderbarer Ausflug mit einem großen, bewussten und ausgeglichenen Jungen. Heute ging es für ihn nun wieder in die Kita, die Kleine blieb krank mit mir zuhause, und am Nachmittag befragte ich beim Abholen seine Erzieherin. Sie meinte, es wäre alles super verlaufen, sie hat den Großen bewusst bei sich im Zimmer untergebracht, damit ich "mir keine Sorgen mache". Er hat alles wunderbar mitgemacht, war höflich, hilfsbereit, zuvorkommend, kooperativ und verantwortungsbewusst. Das kennen wir ja von ihm, da gab es noch nie Probleme, aber besonders schön ist eben, dass er danach - bei uns zuhause - auch verträglich und fröhlich war.

Die Woche der Kitafahrt verlief natürlich bei uns strukturell ähnlich wie sonst, wir arbeiteten und die Kleine wurde zu ihren üblichen Zeiten in die Kita gebracht und abgeholt. Wir tauschten zweimal das Bringen und Abholen, wobei ihr die Trennung in der Kita von mir sehr schwerfiel (sonst bringt mein Mann die Kinder). Ich hatte dadurch am Dienstag einen freien Nachmittag, wo ich mich mit Gliederschmerzen zuhause ausruhte, und am Donnerstag zwei freie Stunden bis zu meinem MRT-Termin. Am Mittwoch nahm ich ein anderes Kind aus der Gruppe der Kleinen mit auf den Spielplatz, was gut klappte. Insgesamt verlief die Woche also etwas anders als sonst, wenn auch der Ablauf der Gleiche blieb. So ist das eben, wenn nur eines der Kinder weg ist. Die Entlastung besteht dann nicht darin, dass man "frei" hat, sondern darin, dass es wesentlich ruhiger ist und man nicht ständig schlichten, vermitteln, eingreifen muss.

Tatsächlich ist der größte Unterschied zwischen einem und zwei Kindern für uns der nervliche Aspekt. Es ist nicht doppelt so anstrengend und nervenaufreibend mit zwei Kindern, sondern mindestens drei- oder vierfach. Die ständigen Geschwisterkämpfe sind einfach so zermürbend und der Lärm- und Frustpegel enorm hoch. Die Kleine hat in den 4 Tagen der Abwesenheit des Großen so selten geweint, dass es fast unwirklich war, wenn man ihr übliches, meist durch Verhalten des Großen ausgelöstes Frustrationsweinen kennt. Der Unterschied zu sonst ist wirklich krass und diese Tatsache bedrückt uns sehr. Wir sind ziemlich ratlos, was wir tun können, damit die beiden mal relativ konfliktfrei miteinander existieren und das Familienleben nicht so extrem belastet wird.

Mein Mann versuchte übrigens täglich, die Kleine abends ins Bett zu bringen, aber sie weigerte sich standhaft und so blieb es leider bei den zwei Erfolgen in unserem Frühlingsurlaub. Einmal war ich sogar wirklich außer Haus und er hatte sie den ganzen Nachmittag und Abend allein betreut. Trotzdem blieb sie lieber wach. Das ist sehr schade und verhagelte mir die erhoffte Chance, doch mal über Nacht wegzufahren. Nun sind wieder beide Kinder da und es ist sehr viel schwieriger.

Für uns war es sehr erleichternd, dass der Große sich auf der Kitafahrt scheinbar wohlgefühlt hat und so zufrieden zurückkam. Durch die Krankheit der Kleinen gab es bisher noch nicht die üblichen Geschwisterkämpfe. In einem Jahr werden voraussichtlich beide Kinder gleichzeitig auf Kitareise fahren. Ich bin gespannt!

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