Mittwoch, 24. Juni 2015

Über das sogenannte Bauchgefühl

Gestern habe ich eine Grafik auf der Facebook-Seite der Tollabea, die ich sehr schätze, gesehen, die mich samt der meisten zugehörigen Kommentare aufregte und mich gleich zu einem Kommentar sowie zu diesem Beitrag veranlasste:


Mein Kommentar lautete folgendermaßen:
"Das sehe ich völlig anders als oben in dem Bild. Nicht jede Mama hat automatisch ein Bauchgefühl. Bei einem Schreibaby denkt man, man macht alles falsch! Und wenn ich sehe, wie viele andere Eltern ihre Kinder erziehen, dann graut mir vor dem, was sie "Bauchgefühl" nennen. Vieles von dem, was unsere Vorgängergenerationen gemacht haben, war nicht in Ordnung. Gott sei Dank sind wir da heute weiter. Wer sich nicht für neue Erkenntnisse interessiert, ist meiner Meinung nach ignorant."

Dieses Thema bewegt mich immer wieder und ich hatte es schon einmal hier angesprochen, als ich etwas überrascht (um es neutral auszudrücken) war, dass so viele BloggerInnen angeblich keine "Erziehungsratgeber" lesen, sondern sich zum überwiegenden Teil auf ihr Bauchgefühl, vielleicht noch gepaart mit Ratschlägen anderer, verlassen. Ich habe in dem Text schon ausgeführt, dass dies bei mir nicht so ist, und beschrieben, wie ich mich orientiere, wenn es um den Umgang mit meinen Kindern geht, nämlich durch Literatur, Foren, Webseiten, Austausch (auch virtuell), Reflektieren, eigene Kurskorrekturen, wenn nötig und ein kontinuierliches Beobachten und Eingehen auf meine Kinder. Die Grafik und die Kommentare haben wieder einmal meinen Widerspruch geweckt gegen die weit verbreitete Annahme eines naturgegebenen Bauchgefühls bzw. die Überzeugung, die Eltern eines Kindes machen es schon richtig, wenn sie oft ohne eine Ahnung von neuen Erkenntnissen, nur beeinflusst durch die eigene Erziehung und geleitet von dem, was sie "Bauchgefühl" nennen, ihre Kinder erziehen.

Ich bestreite nicht, dass eine Mama oder ein Papa (aber selbst zwischen diesen beiden gibt es schon Unterschiede) ihr Kind gut kennen und die meisten Eltern erstmal das Beste für ihr Kind wollen. Zwischen Wollen und Verwirklichen ist aber schon mal ein riesiger Unterschied, genauso wie zwischen dem Verhalten des Kindes zuhause und dem in der äußeren Welt ein großer Kontrast herrschen kann. Eine Erzieherin im Kindergarten, die Großeltern oder befreundete Eltern schätzen mein Kind vielleicht ganz anders ein als ich, weil sie andere Erfahrungen mit ihm machen. Dafür sollten Eltern offen sein. Nun bin ich überhaupt keine Mama, die sich die Kompetenzen im Umgang mit ihren Kindern absprechen lassen würde oder sich gern belehren lässt. Aber ich gehöre auch zu denjenigen Mamas, die sich ziemlich umfangreich informieren, sich immer wieder hinterfragen und korrigieren und in vielfältigem Austausch stehen.

Ich tue mich schwer mit dem allseits postulierten "Bauchgefühl". Nicht nur bezogen auf mich selber, die ich als Mama eines Schreibabys keinerlei Intuition und Eingebung hatte, wie ich mit diesem Kind umgehen sollte. Sondern auch bezogen auf viele andere Eltern, die die verschiedensten Erziehungsstile praktizieren, obwohl vieles davon schon längst überholt ist, was man wissen könnte, wenn man "Erziehungsratgeber" lesen würde. Da gibt es diejenigen, die das Schreienlassen praktizieren, was die Erkenntnisse sämtlicher Bindungsforschung verhöhnt. Andere, die ein rigoroses Töpfchentraining durchführen, obwohl doch mittlerweile bekannt ist, dass das Trockenwerden eine Frage der Gehirnentwicklung ist. Da gibt es Eltern, die zurückhauen, wenn ihr Kind sie haut, damit es lernt, wie sich das anfühlt. Von größerer Gewaltanwendung will ich jetzt gar nicht reden. Da gibt es Eltern, die meine Kinder belehren, reglementieren und bevormunden, obwohl ich deutlich sichtbar einen anderen Erziehungsstil praktiziere. Die ihre Kinder nicht trösten, obwohl ein kompetentes Bauchgefühl eigentlich genau das auslösen sollte. Kinder werden gedemütigt, ausgelacht, nicht ernst genommen. Babys bekommen Honig auf Schnuller geschmiert, obwohl die Gefahr einer bakteriellen Infektion doch allseits bekannt sein sollte. Vierjährigen wird Cola vorgesetzt, in Anwesenheit von Kindern wird geraucht und Großeltern überschütten ihre Enkel mit Süßigkeiten. Und das soll alles "Bauchgefühl" sein?! Ganz ehrlich, da kriege ich Bauchschmerzen!

Ich als Schreibaby-Mama hatte lange Zeit überhaupt kein Bauchgefühl. Ich wusste absolut nicht, was ich machen kann, damit dieses Kind zufrieden wird. Hätte ich nicht angefangen, Bücher und Webseiten in meiner Verzweiflung zu durchforsten, ich wäre verrückt geworden. Tatsächlich habe ich nur durch Lektüre und Austausch mit anderen Betroffenen einen Weg gefunden, mit der Situation klarkommen. Und auch in der danach folgenden Zeit und bis heute stehe ich immer wieder vor Problemen, wo ich mich austauschen muss, sei es durch Literatur oder Kontakte, um mich zu positionieren und meinen Weg zu finden. Dass dieser Weg auch nur mein eigener ist und für andere Kontexte nicht passen würde, ist klar. Aber ich stelle mich nicht hin und behaupte, das sagt mir mein Bauchgefühl und fertig. Sondern ich bin immer im Fluss und finde meinen Weg in Abgrenzung zu oder Übernahme von diversen anderen Auffassungen. Ich muss aber immer wieder feststellen, dass Überzeugungen, die für mich selbstverständlich und wissenschaftlich längst belegt sind, bei anderen Eltern nicht in dem Maße verbreitet sind, wie man annehmen würde. Weil sie sich eben nicht belesen, sondern es so machen, wie es bei ihnen selbst gemacht wurde.

Damit wären wir beim nächsten Punkt, der mir in der Diskussion aufstößt, nämlich dem Bezug auf die Eltern-/Großelterngenerationen. Das "Bauchgefühl" einer Kommentatorin der Grafik sagte: "Unsere eigene Mütter, Grossmütter und das Mutterinstinkt in uns sind die beste Ratgeber!" (Originalzitat). Dazu sagt MEIN Bauchgefühl: "Um Gottes Willen!" Ich meine nicht, dass unsere Vorgängergenerationen alles falsch gemacht haben oder früher alles schlecht gewesen ist, nein. Aber es war doch eine ganz andere Zeit, mit anderen Idealen und Menschenbildern, ohne Forschung und ohne Vernetzung (lesenswert dazu ist der heutige Text von Kleine Böcke). Glücklicherweise sind wir heutzutage weiter und können diese Erkenntnisse nutzen. Und auf das Totschlagargument "Es hat uns/euch doch nicht geschadet" kann ich immer nur sagen: wer weiß das schon?!

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich sagen, dass Eltern umso konservativer, althergebrachter, unreflektierter erziehen, je weniger sie sich belesen und austauschen. Und dies wird dann als Bauchgefühl proklamiert. Auch wenn es im Gegensatz zu den Kinderrechten steht. In Wirklichkeit ist es aber oft nur die Übernahme der Erziehungskonzepte der eigenen Eltern bzw. Umgebung, nicht das wirkliche individuelle Eingehen auf das Kind. Womit ich konform gehe, ist das in der Grafik genannte Orientieren an dem, was man selbst als Kind schön fand oder vermisste. Das ist bei mir auch einer der vielen Bausteine meines Umgangs mit den Kindern. Aber da geht es eher um emotionale Belange.

Nur weil man Eltern geworden ist, wird man nicht automatisch eine gute Mama oder ein guter Papa. Das ist ein Prozess, der viel mit Reflektion und Austausch zu tun hat. Über Lektüre, über das Internet, über Gespräche, über das Beobachten der Kinder etc. Ein Bauchgefühl, was per se gut und richtig ist, gibt es meiner Meinung nach nicht. Dafür sind die Erziehungsansätze von Eltern doch zu verschieden. Das kann man schon beim unterschiedlichen Umgang der einzelnen Elternteile mit Kindern beobachten. Der eine ist vielleicht mehr von der eigenen Erziehung geprägt, der andere möchte vieles anders machen. Wer macht es "richtig"? Das kann keiner beantworten. Aber dann soll doch bitte niemand von einem unbeirrbaren, von Zweifeln freien und allein durch's Elternsein vorhanden seienden Bauchgefühl ausgehen und dieses als "Erziehungsmethode" postulieren. Diese Überzeugung widerspricht meinem Bauchgefühl auf das Deutlichste!

Welche Meinung habt ihr dazu?

Blogposts mit gleichlautender Aussage:
Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten: Reichen Intuition und Bauchgefühl bei der Erziehung?
 
Mama hat jetzt keine Zeit: Plädoyer für elterliche Weiterbildung und gegen das Bauchgefühl 

am Rande erwähnt bei Mama notes.

Nestkinder: Verstand und Bauchgefühl
 
Die Physik von Beziehungen: Der Erziehungsratgeber als größter Feind.

Gemeinsam wachsen lernen: Warum ich mich nicht auf mein Bauchgefühl verlasse, sondern lese

Der Apfelgarten: "Wie lange denn noch?"

Buntraum: Die Sache mit dem Bauchgefühl

P.S. Ich distanziere mich ausdrücklich und sehr deutlich von den letzten, ganz unten stehenden Kommentaren. Ich habe nicht weiter geantwortet, um solchen schlimmen Auffassungen nicht noch mehr Forum zu bieten. Eine Diskussion mit solchen Leuten ist sowieso sinnlos. Weitere dieser Kommentare mit zum Teil persönlichen Beleidigungen habe ich nicht freigeschaltet und werde dies auch nicht tun. Auf meinem Blog sind Kinder gleichwertige Wesen, und eine liebevolle Erziehung schließt einen versohlten Hintern kategorisch aus. Würde der betreffende Kommentator nicht im Ausland wohnen, würde ich Anzeige erstatten. Menschen mit solchen Überzeugungen mögen meinem Blog bitte fernbleiben!

Kommentare:

  1. Liebe Frühlingskindermama, ich stimme Dir 1:1 zu. Genau so gehe ich auch vor. Ich lese viel, ich halte meine Augen und Ohren offen, ich informiere mich, wenn ich vor einem Problem stehe, um dann eine Entscheidung zu treffen, die mit meinem Bauchgefühl in Übereinstimmung gebracht werden kann, aber nicht immer muss. Manchmal trügt das sogenannte Bauchgefühl auch, finde ich. Und ich sage das, obwohl ich jemand bin, der gut auf seine innere Stimme hört, seinen Körper sehr gut kennt (Yoga, Hausgeburt etc...) Ich finde auch, dass zu viel "Bauchgefühl" für mich nicht ausreichend ist. Aber für manche ist es das halt und da darf auch jede(r) seine eigene Meinung dazu haben.

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    1. Danke Dir! Klar, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Aber mich nervt es einfach, wenn Eltern überhaupt nicht nach rechts und links schauen und darauf noch stolz sind. Eine Kombination aus beidem finde ich genau richtig.
      Liebe Grüße!

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  2. Liebe Frühlingskindermama,
    es scheint mir, als lese ich meine eigenen Worte. Erst neulich war dies ein Thema in einer Gruppe- dieser Post wurde heiß diskutiert. Hätte wirklich jede Mama ein gutes Bauchgefühl, dann gäbe es sicherlich viel weniger Leid in diesem Land, auf dieserWelt.
    Sicherlich handeln viele Mütter nicht bösartig, aber unwissenheit schützt vor Schaden nicht!
    Einen sehr schönen Blog hast du!
    `Liebst Nina

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    1. Dankeschön und willkommen auf meinem Blog! Es ist schön, wenn andere das genauso sehen. Ich fühle mich manchmal schon wie ein Alien;).
      Gerade aus Unwissenheit passieren die schlimmsten Fehler. Und das nennen sie Bauchgefühl. Grrr!
      Liebe Grüße!

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    2. Dieses Gefühl habe ich auch allzu oft. "Du musst nicht immer alles hinterfragen- früher sind wir auch groß geworden. Chill mal!".
      Tja, doch früher ging auch wesentlich mehr schief!
      ... dabei bin ich so dermaßen chillig, dass ich schwabbeln könnte.
      `liebst Nina

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  3. Antworten
    1. Wow, dankeschön, was für ein Lob! Ärger scheint gute Texte zu machen;) Ich war irgendwie im Flow...
      Liebe Grüße!

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  4. Liebe Frühlingskindermama,
    wieder ein hochinteressanter Beitrag, der mich sehr zum Nachdenken angeregt hat und ich stimme dir 100%ig zu. Nur ein Bauchgefühl reicht nicht aus, wenn nicht auch ein gewisses Maß an Wissen da ist. Und ich denke, gerade bei einem Schreibaby muss man schon hellseherische Fähigkeiten haben, um da noch so etwas wie ein "Bauchgefühl" entwickeln zu können.
    Andererseits finde ich das intuitive Empfinden aber auch als eine wichtige Hilfestellung, weniger für akute Situationen wenn das Kind schreit und unberuhigbar ist, sondern eher allgemein für "größere" Themen, z.B. "Fühlt es sich für mich richtig an, wenn das Baby in meinem Bett schläft?"- "Ist es für mich in Ordnung, wenn ich die Flasche gebe?" o.ä. Hierbei denke ich nämlich, dass -wenn man etwas macht, nur weil es angeblich das einzig richtige ist und MAN das so machen MUSS- dies wenig erfolgsversprechend ist, wenn man selbst nicht davon überzeugt ist und im Inneren eine Abwehrhaltung dagegen hat.
    Das tangiert aber keinesfalls nachgewiesenermaßen für die Kindesentwicklung schädliche "Erziehungs"methoden- wer bspw. Weggehen und Schreienlassen als richtig erachtet, hat für mich schlicht und ergreifend kein Bauchgefühl.
    Im Übrigen finde ich es aber auch sehr erschreckend, wieviel einfach auf dem Nicht-Wissen basiert (siehe deine obigen Beispiele) und dass bei vielen aber dann scheinbar auch gar kein Drang da ist, sich zu informieren...
    LG!

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    1. Liebe Manati,
      das freut mich sehr. Ich gebe Dir völlig Recht in dem, was Du schreibst. Das ist für mich auch ein gutes Bauchgefühl, also Dinge anders zu machen als allgemein verbreitet, weil das Kind es so braucht. Das musste ich ja auch bei meinem Großen...
      Meist wird aber das "es so machen, wie es schon immer war" als Bauchgefühl propagiert, und das ist einfach nur dumm.
      Ich hoffe, bei euch läuft es halbwegs:)
      Liebe Grüße!

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  5. Jau. So isses. Ich erlebe viele Eltern die so ihre unreflektierte "Erziehungsmethoden" haben aber ihr "bauchgefühl" sagt ihnen dass es nicht das beste ist, es so zu machen wie sie automatisch handeln würden aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen. Also fangen sie an zu denken, zu recherchieren und zu fragen. Das ist dann kein bauchgefühl mehr... Dennoch wes öfter so genannt. Ich vermute oft ist gemeint das Kind mit Verständnis und Mitgefühl zu erziehen bzw begleiten. Aber der Begriff an sich ist eh blöd, schwammig, nichtssagend.

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    1. Also ich versuche beides zusammenzuführen, also meine Intuition mit Ratgebern, Fachwissen, Austausch zu kombinieren und einen Weg zu finden. Das nenne ich aber nicht Bauchgefühl. Über den Begriff kann man sicher streiten, aber er begegnet mir so oft, gerade im Netz, mit der beschriebenen Konnotation. Und im Alltag erlebe ich eben auch die angesprochenen Dinge. Deshalb musste ich mich mal "frei" schreiben...
      Liebe Grüße!

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  6. Hallo Frühlingskindermama,
    hier ein, wie ich finde, tolles Interview aus der nido: http://www.nido.de/artikel/interview-miriam-gebhardt/
    Besonders, was die Autorin über das Buch „Baby and Child Care“ sagt, in dem die elterliche Intuition über fremdes Fachwissen gestellt wird, die Aussage zur Expertenhörigkeit in Deutschland und die beiden letzten Antworten könnten, meiner Meinung nach, ein interessanter Blickwinkel für diese Diskussion sein. Was meinst du?

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    1. Dankeschön. Das Grundthema des Interviews kenne ich, aber es ist tatsächlich nochmal eine Ergänzung zu meinen Gedanken: ich würde sagen, während früher auf externe "Fachleute" wie Haarer & Co. in der Erziehung gehört wurde, wurde nach und nach die elterliche Intuition wichtiger, was ja auch tendenziell gut ist. Meine Überzeugung ist aber weiterhin, dass das, was heute als elterliche Intuition benannt wird, bei vielen nur eine verkappte Form dessen ist, was ihnen anerzogen wurde. Die Prägung von früher schimmert also immer noch durch. Und wer sich gänzlich von wissenschaftlichen Erkenntnissen unabhängig machen will, ist in meinen Augen tatsächlich ignorant. Ich denke auch, ein guter Mittelweg wäre angebracht, sehe ihn aber leider bei vielen nicht.
      Liebe Grüße und danke!

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  7. Dieser Text spricht mir sowas von aus der Seele! Ich denke, es gibt tatsächlich Menschen, die das Glück hatten, eine tolle Kindheit und Sozialisation gehabt zu haben. Die von Natur aus ruhig, emphatisch und reflektiert sind. Die brauchen vielleicht wirklich keine "Elternratgeber". Aber das sind die wenigsten Eltern.
    Ich mache es wie Du und lese/recherchiere viel, tausche mich aus. Klar, kann man sagen, dass letztendlich dann mein Bauchgefühl entscheidet, was ich davon annehme oder umsetze. Aber meine Beobachtung deckt sich mit Deiner. Viele die Bauchgefühl propagieren sind von einem würdevollen, respektvollen Umgang mit Kinder schmerzhaft weit entfernt. Und so viele "man muss Kinder abhärten"-Menschen, wie ich in den letzten Tagen wieder lesen musste, bestätigen das.
    Danke also für diesen Text!!
    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Ich stimme Dir zu, dass es solche Menschen, wie Du beschreibst, geben mag. Aber selbst diese würden z.B. mit einem Schreibaby am Ende ihres Gefühls und ihrer Ruhe ankommen. Letztendlich ist es ein Prozess und eine Kombination aus verschiedenen Faktoren, die die Wegfindung ausmacht. Das Bauchgefühl mag am Anfang stehen, aber dazu muss noch viel mehr kommen. Und das fehlt mir leider oft.
      Ich habe in den letzten Tagen auch sehr viel Schlimmes in der BJS-Debatte gelesen. Insofern passt der Text zufällig gerade gut dazu.
      Liebe Grüße und danke!

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  8. Schön geschrieben! Darüber, ob Bauchgefühl gut oder schlecht ist, hab ich eigentlich noch nicht wirklich nachgedacht. Es wird so oft suggeriert, dass Bauchgefühl das A und O vom Elternsein ist. Aber ich hab's nicht so mit dem Bauchgefühl. Bzw, ich habe selten eins! Ob das an meinem viel schreienden Baby lag (das verunsichert total und irgendwann weiß man gar nichts mehr instinktiv) oder daran, dass ich, bevor ich Mutter wurde, nicht viel mit Babys/Kindern zu tun hatte - keine Ahnung. Mittlerweile habe ich im Internet, in Zeitschriften und Büchern viel über Erziehungsthemen, die mich interessieren, gelesen und das hilft mir im Alltag meistens ganz gut. Allerdings muss man auch nicht zuviel lesen, denn die widersprüchlichen Tipps und angedrohten psychischen Folgen für das Kind können auch verunsichern, was denn nun "richtig" ist. Obwohl es "richtig" ja eigentlich gar nicht gibt, wie du auch schreibst. Jedes Kind, jede Familie ist schließlich anders!
    Viele Grüße aus Holland,
    Kristine

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    1. Dankeschön! Das stimmt schon, ein Zuviel an Information kann auch verwirrend sein. Aber ein Zuwenig ist gefährlich und fahrlässig. Dann lieber Verwirrung als Kindesgefährdung, mal krass ausgedrückt. Ich hatte vor meinen Kindern auch wenig mit Babys zu tun und keine Ahnung. Aber das geht heutzutage sicher vielen so. Trotzdem tun viele so, als hätten sie ein kompetentes Bauchgefühl. Das ärgert mich.
      Schön, dass ich Dich zum Nachdenken gebracht habe;)
      Liebe Grüße!

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  9. Interessantes Thema. Ich gehe danach, was sich für mich und mein Kind in unserer Situation richtig anfühlt. Weiß ich nicht mehr weiter, recherchiere ich oder frag jmd um Rat. Das funktioniert oft, manchmal muss man sich auch ein wenig durchprobieren bis es stimmig ist. Manche Mythen aus der früheren Generation sind für mich komplett unverständlich. Zum Beispiel der Rat, das Kind schreien zu lassen, damit die Lungen gekräftigt werden. Das widerstrebt jedem Muttergefühl und ist sicher ein Produkt der Ratlosigkeit unserer früheren Generation und wie man mit dem Kind umgehen soll. Unsere Eltern oder Großeltern wussten eben nicht alles besser! Schade, dass ich immer noch oft von Deutschen erlebe, wie die ältere Generation auf ihrem hohen Ross sitzt und auf uns herablächelt oder gar schimpft, wenn man sieht, was sie alles verzapft haben. Das erlebe ich hier in Schweden ganz anders. Viele ältere Menschen hören interessiert zu, sind offen für neues oder fragen sogar spezifisch nach. Das bezieht sich jetzt nicht unbedingt auf erzieherische Fragen sondern ganz allgemein auf verschiedene Lebenssituationen.

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    1. Das ist ja eine interessante Perspektive von außen, ist das in Schweden wirklich so viel anders? Finde ich ja toll! Ist doch eigentlich auch logisch, dass man nachfragen müsste, weil man früher noch gar nicht so viel wusste/wissen konnte. Das Schlimme ist ja, nicht nur die ältere Generation ist hier so, sondern auch viele junge Eltern tradieren die veralteten Erziehungsansichten weiter. Obwohl es im Netz so eine lebendige Austauschkultur gibt.
      Durchprobieren musste ich mich auch, vor allem bei meinem Großen. Das wird sicherlich immer so weiter gehen, auch wenn ich seine Grundlagen jetzt besser verstehe. Vielleicht bin ich auch besonders sensibilisiert für das Thema, weil eben bei uns von Anfang an nichts von dem funktionierte, wovon ich dachte, es wäre gut.
      Liebe Grüße!

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    2. Man muss den Umgang mit Kindern, mit seinem Kind, wirklich erst lernen. Man muss es kennen lernen und dafür braucht es Zeit. Nehmen wir uns diese Zeit?

      Ich hatte vor zwei Tagen ein kleines Erfolgserlebnis. Viele Probleme lösen sich wirklich, indem man sich Zeit nimmt, das Kind zu verstehen oder ihm Dinge zu erklären z.B. warum es schlafen muss oder ein zermanschtes Brot auf dem Teller nicht so toll ist. Aber nicht immer funktioniert das. Ich war neulich ratlos, weil die Kleine partout nicht mehr das machen wollte, was ich von ihr wollte. Tu dies nicht, tu das nicht hat noch nie geholfen. Im Gegenteil. Ich konnte sie noch so lieb bitten, unter Druck setzen oder mit Konsquenzen drohen... nichts half. Ich suchte nach Lösungsansätzen, beobachtete, wie sie im Umgang mit anderen ist, belas mich... und Schwupps! Problem gelöst. Verstehen, warum ein Kind reagiert, wie es reagiert. Das ist eine Kunst für uns Erwachsene, weil wir unsere Gewohnheiten nicht mehr als Kind wahrnehmen. Das, was für uns selbstverständlich ist, ist für ein Kind Neuland. Darum geht es. Dafür müssen wir uns Zeit nehmen. Ein Kind ist ein Kind. Sehen wir es aus den Augen eines Kindes, wird vieles leichter.
      Ich war wirklich verblüfft und natürlich habe ich mich gefreut! Ich habe gelernt: nichts forcieren. Der Kleinen ist es salopp gesagt egal, was ich warum von ihr möchte. Sie mag Zähne putzen nicht. Fertig. Warum sollte sie es mir zuliebe tun? Dass es auf lange Sicht ihr Zugute kommt, kann sie noch nicht erfassen. Was tun, damit es nicht in endloses Gezeter oder Geschrei ausartet, nach dem alle erschöpft und unzufrieden sind? Vor der Aufgabe drücken, ist keine Lösung für mich. Ich greife in die "Trickkiste" und zeige Verständnis, rede wie ein Wasserfall über alles mögliche, lenke sie ab von dem "Unangenehmen" und dann vergisst sie, dass sie sich eigentlich querstellen wollte, sie empfindet es auf einmal gar nicht mehr so schlimm und schon ist es vorbei - ganz einfach - ganz ohne Stress! Toll, oder? :o) Das wirklich Tolle daran ist, dass etwas Negatives zum Positiven umgewandelt wird und so nicht mehr negativ in Erinnerung bleibt.

      Aber genau das sind so Momente, wo ich mir denke. Ich lerne so viel mit meinem Kind und entdecke auch ganz neue Seiten an mir. Es ist die größte Herausforderung meines Lebens und gleichzeitig das größte Glück.

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  10. Interessante Sichtweise. Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Danke, für die Anregung! Ich selbst höre sehr viel auf mein Bauchgefühl, lese aber zusätzlich auch Erziehungsratgeber etc. Dabei stelle ich fest, dass sich meine Ansichten mit dem Empfehlungen decken (klingt jetzt überheblich, ist aber wirklich so). Daher hatte ich schon auf mein Bauchgefühl vertraut. Ich merke aber auch, dass andere Menschen "Erziehungsmethoden" anwenden, die jenseits von Gut und Böse sind. Und natürlich ist das ja auch deren Bauchgefühl...
    Ich werde zukünftig vorsichtiger/reflektierter damit umgehen, was ich dazu sage!
    LG Wiebke

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    1. Danke, liebe Wiebke! Dass sich meine Ansichten mit denen aus Erziehungsratgebern decken, dachte ich anfangs auch. Dann stellte ich fest, dass ich mir intuitiv nur diejenigen ausgesucht hatte, die mir entsprachen und mich bestätigten. Es gibt ja so viele gegensätzliche Auffassungen und Extreme, z.B. Michael Winterhoff mit seinen Tyrannen-Kindern. Also ich denke tatsächlich, dass man sich seinen Weg aus den verschiedenen Auffassungen plus der eigenen Intuition, die sich erst aus dem Umgang mit dem Kind entwickelt und eben nicht naturgegeben da ist, erarbeiten muss.
      Liebe Grüße!

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  11. Ich stimme dem gar nicht zu und ja, ich orientiere mich selbst sehr an der Erziehung, wie sie schon meine Großmutter z.T. und ganz sicher meine Eltern betrieben haben. Und daran ist nichts falsch, denn die Erziehung in meiner Familie war niemals von Naziidealen geprägt, sondern schon immer von liebevoller Zuwendung. Und ich finde es unverschämt, der älteren Generation zu unterstellen, etwas anderes habe sie in der Erziehung geleitet. Auch zu Nazizeiten haben die meisten Mütter ihre Kinder nicht einfach schreien lassen, sondern sie getröstet. Trost ist kein Konzept des 21. Jhd, sondern dieses Verhalten gibt es schon seit Millionen Jahren bei Säugern.

    Und noch etwas stört mich, diese latente Unterstellung, wer nicht Ratgeber lese verhalte sich automatisch falsch. Wie genau kommst du zu diesem Gedanken? Liegt das etwa in deiner persönlichen Biographie? Wenn ja, dann ist das leider eher dein Problem, nicht das aller anderer Eltern. Ja, andere gehen anders mit ihren Kindern um - so wie du aus rationalen Gründen nicht mit deinen Kindern umgehen würdest. Aber zum Einen steht es dir nicht an, das zu beurteilen und zu bewerten und zum anderen ist deine Folgerung, dass das automatisch schädliche Auswirkungen auf die Kinder hätte etwas forsch. Auch Eltern, die schlagen wissen, dass das falsch ist. Sie zu verurteilen ist kein konstruktiver Weg. Sie nicht zu verurteilen würde ihnen ermöglichen, sich aus ihrer Hilflosigkeit zu befreien und sich Rat zu holen. Denn absolut jeder reagiert mit Ablehnung, wenn man ihn angreift. Deine Empathie gilt jedenfalls weniger den Eltern, als den Kindern. Man sollte aber zuerst die Eltern im Blick haben, wenn man für Kinder etwas verändern will. Denn die Erziehung der Kinder obliegt den Eltern. Sie wären dein Ansprechpartner. Und wenn du eine Botschaft senden willst, so musst zu dir zuerst überlegen, wann was und wie bei der angesprochenen Person ankommt. Das vermisse ich bei diesen Diskussionen sehr. Im Grunde geht es dabei nämlich auch immer nur um Schuldzuweisungen - was du in deinem Text sehr deutlich formulierst - und nicht um konstruktive Kritik.
    Das ist dein Blog und du darfst das natürlich nutzen, um deine persönliche Meinung zu vertreten. Aber inspirierend ist das nicht. Für mich hört es sich eher an, als wolltest du dich schlicht in besonders gutem Licht darstellen und Lob einheimsen, weil du es so viel besser machst, als andere. Was wirklich 'besser' ist und was dieser Begriff überhaupt bedeutet, verschwindet dabei in den Hintergrund. Das finde ich schade, denn eine sachliche Diskussion ist so nicht zu führen.

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    1. Ich habe auch Deinen anderen, ähnlich lautenden Kommentar auf dem Blog "Mama hat jetzt keine Zeit" gelesen (http://mamahatjetztkeinezeit.ch/2015/08/14/pladoyer-fur-elterliche-weiterbildung-und-gegen-das-bauchgefuhl/) und teile Deine Auffassung gar nicht. Du schreibst hier, dass Du eine liebevolle Erziehung genossen hast, gleichzeitig aber in dem anderen Kommentar und auf Deinem Blog, dass Du den Hintern versohlt bekamst. Den Widerspruch erkennst Du leider nicht. Ich sage doch nicht, dass alle aus der älteren Generation ihre Kinder mit Nazi-Methoden erzogen haben. Aber es gibt viele Studien, die aufzeigen, wie die Nazi-Ideale von Johanna Haarer und anderen gerade in deutschen Mütterköpfen bis heute unreflektiert und verborgen weitertradiert werden. Wenn ein älterer Verwandter dir gegenüber sitzt und hämisch berichtet, wie er in der ersten Nacht mit dem neugeborenen Baby zuhause seiner Frau verboten hat, zu dem schreienden Kind zu gehen, so sind das Methoden, die eingetrichtert und übernommen wurden, gegen jeglichen Mutterinstinkt und jedes positive Bauchgefühl. Ich denke, die übergroße Mehrheit von uns ist persönlich schon mit Auffassungen wie Schreienlassen, Nicht-Verwöhnen, physischer Gewalt, Rhythmus und Disziplin aufzwingen etc. konfrontiert worden. Warum sonst sollten so viele BloggerInnen und andere im Netz Rat suchende sich immer wieder über die veralteten, kinderverachtenden Ratschläge und Auffassungen ihrer Eltern und Schwiegereltern beklagen?!
      Und ja, ich habe größere Empathie für die Kinder als für die Eltern. Definitiv!! Denn die Kinder haben keine Lobby, gegen Eltern, die meinen, sie machen alles richtig, gegen Abwertungen und Ungleichbehandlungen, gegen mittlerweile wissenschaftlich erwiesene Schädigungen (nicht "meine Folgerung", wie Du schreibst!"). Deshalb appelliere ich ja an die Eltern, sich zu belesen, zu reflektieren und auszutauschen. Wer dies nicht tut, ist meines Erachtens nach ignorant und selbstbezogen. Dazu passt, dass Du in dem anderen Kommentar schreibst, wenn Du etwas in Ratgebern gelesen hast, was Du ganz anders machst, fandest Du das eine beleidigende Unterstellung. Das zeigt doch, dass Kritikfähigkeit bei Dir nicht angesehen ist. Wenn ich etwas lese, was ich anders mache, dann kommt bei mir ein Denkprozess in Gang und ich beginne, mich zu hinterfragen. Entweder bleibe ich bei meinem Weg, schlage einen Mittelweg ein oder übernehme die andere Umgehensweise. Aber alles erst, nachdem ich darüber nachgedacht habe. Und zu dem von Dir unten erwähnten "Besser sein/machen" habe ich mich ja in meinem letzten Absatz deutlich geäußert: niemand weiß, was besser oder richtig ist. Das sieht man im Kleinen schon an den unterschiedlichen Ansichten der beiden Elternteile. Das wird bei Dir sicherlich nicht anders sein. Oder wie löst ihr das, wenn Dein Mann und Du unterschiedliche Überzeugungen oder Methoden haben?
      In dem anderen Kommentar schreibst Du, wenn Du ein Problemkind gehabt hättest, hättest Du Dich an Fachpersonal, nicht an Ratgeberliteratur gewandt. Glaube mir, das haben wir als erstes versucht, und zwar mehrfach (Hebamme, Kinderarzt, Osteopath, Schreibabyambulanz). Niemand von diesen "Fachleuten" hat geholfen! Geholfen hat nur die Beschäftigung und das Einlesen in das Thema sowie der Austausch mit Betroffenen. Dies nur dazu, damit Du siehst, dass man nicht so eindimensional denken kann.
      Und ob ich mich in "gutem Licht" darstelle, wenn ich eindeutig schreibe, dass ich keinerlei Bauchgefühl bei meinem ersten Kind hatte? Ich glaube nicht. Aber lieber kein Bauchgefühl als eines, was dem Kind schadet.
      Danke trotzdem für's Lesen!

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    2. Rosalie: Deinem Kommentar stimme ich zu. Ich habe mich beim Lesen des Artikels auch als "abgestempelt" gefuehlt - abgestempelt als inkompetent und uneinsichtig. Und das kann ich so nicht auf mir sitzen lassen, wenn ich meine tollen 7 Kids so anschaue.

      Fruehlingskindermama: ohne Dir zu nahe treten zu wollen: Du kritisierst bei Rosalie die Kritikfaehigkeit - ich sehe die allerdings eher bei Dir.

      Uebrigens: ich sehe keinerlei Widerspruch an einer liebevollen Erziehung und an einem versohlten Hintern. Ein versohlter Hintern ist in meinen Augen keine Gewalt an den Kindern sondern eine Erziehungsmassnahme, die in der Natur in anderer Form sehr haufig anzufinden ist und nur von sogenannten "mordernen" Erziehenden verteufelt wird.
      Und nein - richtige Gewalt lehne ich absolut ab!

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  12. Bin gerade durch "http://mamahatjetztkeinezeit.ch/" ueber Dich gestolpert. Interessante Sichtweise die ich etwas differenzierter betrachte.

    Ich wuerde es mal ganz kurz so zusammenfassen: wenn jemand Probleme in der Kindererziehung hat (so wie Du mit dem Schreibaby), sollte derjenige Bücher / Weiterbildung / professionelle Hilfe in Betracht ziehen. Ansonsten finde ich sie persoenlich nicht notwendig – wuerde sie im Gegenteil eher stoerend empfinden.
    Stellt sich natuerlich die Frage, wie man objektiv beurteilt, ob Probleme in der Erziehung exisitieren. Fuer mich beantworte ich das so: wenn ich mit 7 Kindern alleinerziehend immer noch relaxed bin (also was die Erziehung betrifft, ansonsten ist man alleinerziehend mit 7 Kids selten relaxed), ist alles in Ordnung.

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    1. Danke für Deinen Kommentar. Wie in der Antwort zu dem direkt darüber stehenden Kommentar geschrieben, haben wir ja professionelle Hilfe mit dem Schreibaby gesucht, leider ohne Ergebnis. Geholfen hat nur die Beschäftigung mit und der Austausch zu dem Problem.
      Ich bin ganz ausdrücklich davon überzeugt, dass ein Belesen, Reflektieren und Austauschen ALLEN Eltern nur nützen kann, auch denen ohne "Problemkinder". Denn keiner, der Mutter oder Vater wird, wird damit automatisch weise oder kompetent. Das verneine ich auf das Deutlichste, dafür sehe ich tagtäglich die unterschiedlichsten Ansätze. Keiner lebt für sich allein, keiner weiß, was richtig ist, deshalb finde ich Austausch, sei es virtuell, persönlich oder durch Bücher, unglaublich wichtig und im Sinne der Kinder. Und gerade als Alleinerziehende/r, ohne das Korrektiv durch den Partner, besteht die Gefahr, es einfach so zu machen, wie man es selbst für richtig hält, ohne nach rechts und links zu schauen. Weil man sich nicht rechtfertigen und keine Kompromisse finden muss. Das kann unter Umständen eine Einbahnstraße sein. In so einer Situation finde ich den Austausch noch wichtiger als ohnehin schon.
      Viele Grüße und danke für's Lesen!

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    2. Da muss ich doch nochmal drauf eingehen und ganz deutllich widersprechen. Das "Bauchgefuehl" - oder sagen wir doch besser "Instinkt" kombiniert mit "gesundem Menschenverstand" funktioniert beim Menschen in der Regel sehr gut. Ich bin sogar davon ueberzeugt, dass viele von diesen Ratgebern eher kontraproduktiv sind.
      Wenn ich mir einige Eltern aus dem Bekanntenkreis anschaue, die sich sehr belesen haben und teilweise sogar professionelle Hilfe gesucht hatten - und dann anschaue, wie die dann von ihren Kindern tyrannisiert werden, dann komme ich immer mehr zu dem Schluss, dass das "Bauchgefuehl" mit Sicherheit besser geholfen haette.
      Nein - ich denke ausser in besonderen Faellen, die es natuerlich immer gibt - ist man ohne Ratgeber oder professionelle Hilfe wesentlich besser dran.
      Eines noch: selbstverstaendlich bin ich wie wohl jeder normale Mensch gegen Gewalt in der Familie. Trotzdem: auch das Löwenweibchen haut mal nmach dem Kleinen, wenn es uebertreibt, auch im Wolfsrudel lernen die Kleinen manchmal am schnellsten, wenn mal nach ihnen geschnappt wird. Und so gibt es auch bei uns hin und wieder mal einen Klapps. Und der hilft dann in der konkreten Situation schneller und besser als alles diskutieren. Und weisst Du was? Das sehen die Kids uebrigens selber genauso!

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    3. Jetzt wird es deutlicher, warum Du so denkst und warum Du nichts auf Dein "Bauchgefühl" kommen lässt. Genau solche Eltern meine ich, wenn ich sage, dass das mit dem Bauchgefühl eben bei vielen nicht funktioniert. Wer meint, ein Klaps hilft schneller und besser und die Kinder würden das genauso sehen, stellt für mich das Gegenteil eines kompetenten Elternteils dar. Ein positives Bauchgefühl ist das mit Sicherheit nicht, im Gegenteil, es ist kinderrechteverletzend. Es tut mir leid für Deine Kinder und dass Du niemanden hast, der sagt "Stop, hör auf, mach das nicht!". Genau das ist nämlich einer der Gründe dafür, dass ich für Austausch plädiere: um nicht im eigenen (unguten) Saft zu schmoren.
      Da Du nichts lesen willst, wird der Link umsonst sein, aber trotzdem:
      http://www.kinderrechte.de/kinderrechte/un-kinderrechtskonvention-im-wortlaut/
      Ich denke, Du solltest meinen Blog nicht weiter lesen, denn ich halte überhaupt nichts von einem "unschädlichen Klaps", um nicht von Kindern "tyrannisiert" zu werden, wie Du schreibst. Kinder sind für mich gleichwertige Wesen und keiner gibt Dir das Recht, sie zu klapsen.

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    4. Das kann ich gerne machen, dass ich Deinen Blog nicht weiterlese, wenn Du das moechtest.

      Faehig fuer offene Diskussion bist Du aber offenbar nicht - dass hat auch Dein rueder Umgang mit anderen Kommentatoren schon gezeigt.

      Und auch wenn ich mich mit solchen Kommentaren sonst eher zurueckhalte, hier ist er angebracht, wie ich finde: Kompetent finde ich Dich absolut nicht!

      Du solltest weniger Ratschlaege verteilen, das steht Dir nicht zu, dazu hast Du selber zu wenig Erfahrung. Diskutiere lieber mit Deinen Lesern anstatt Sie zu belehren. Verteidige Deine Meinung aber sei nicht inquisitorisch. Dann wuerdest Du kompetenter wirken.

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  13. Frühlingskindermama, auf manche Kommentare sollte man wirklich nicht antworten. Ich hätte sie gar nicht veröffentlicht. Was "Dances with Wolfes" von sich gibt, geht gar nicht. Geschlagen zu werden ist erniedrigend. Ich finde, man nutzt seine Position als stärkerer Erwachsener damit aus. Und es damit zu rechtfertigen, dass es einem selber nicht geschadet hat... Doch, ich finde, anscheinend hat es geschadet, denn die Personen sind nun der Ansicht, dass es normal wäre und man es ruhig so weitergeben kann. Und wer soll dir hier glauben, dass es die Kinder genauso sehen, also dass das vollkommen in Ordnung ist, dass du sie schlägst?! Die Kinder können sich hierzu wohl kaum selbst äußern, auf dieser Plattform. Und wenn du deine Kinder "klapst", dann erweckt es nicht den Eindruck, als wenn du mit 7 Kindern vollkommen relaxed wärst, wie du so schön behauptest. Ich käme nie auf die Idee, im "relaxten" Zustand andere Personen zu schlagen. Das ist für mich ein absolut unrelaxtes Verhalten. Das zeigt eher Verzweiflung und eben Ratlosigkeit, da du ja anscheinend auch keinen Rat annimmst. Du weißt dir anders nicht mehr zu helfen. Aber hier redet man eh gegen Wände, denn bei solchen Leuten, die so von ihren eigenen "guten" Erziehungsmethoden überzeugt sind und keine Ratschläge annehmen brauchen, ist vermutlich alles zwecklos. Hier zeigt sich für mich absolut fehlende Selbstreflexion und fehlende Kritikfähigkeit, denn Kritik wird nicht angenommen, sondern einfach nur abgeschmettert und auf Gegenangriff gegangen. Und du vergleichst dich selbst mit dem Tierreich?! Löwen usw. haben viel weniger Verständigungsmöglichkeiten als der Mensch. Der Mensch hat (in der Regel) mehr Verstand, kann sprechen, sich ausdrücken, diskutieren, nachdenken, sein Verhalten reflektieren, verschiedene Lösungswege suchen... Das kann in diesem Maße kein anderes Lebewesen auf der Erde. Und wenn ein Tier mal schnappt, dann hat es halt keine andere Kommunikationsmöglichkeit. Aber du anscheinend auch nicht, da du dich mit Ihnen gleichstellst. Traurig! Natürlich hätte ich das jetzt alles sachlicher schreiben können und nicht so auf Angriff gehen müssen, wie du es in deinen Kommentaren getan hast, aber wer so unsachlich kommentiert, der kriegt halt auch nicht immer sachliche Antworten.

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    1. Ich danke Dir unbekannterweise für Deine Unterstützung! Ich sehe alles genauso wie Du und war auch sehr schockiert beim Lesen. Es kamen danach noch schlimmere Kommentare, die ich nicht mehr freigeschaltet habe. Mir tun die Kinder leid, und dass es überhaupt noch solche Leute gibt und sie Kinder erziehen dürfen, ist echt unglaublich.
      Liebe Grüße!

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