Mittwoch, 10. Juni 2015

Kleine Kinder, kleine Sorgen?

Wird es für Eltern schwieriger oder leichter, je älter die Kinder werden? Diese Frage treibt mich regelmäßig in und nach Diskussionen mit anderen Mamas, die schon ältere Kinder haben, um. Die meisten Menschen behaupten ja, dass es mit zunehmendem Alter der Kinder immer komplizierter, anstrengender und aufwändiger für die Eltern wird, man mit ganz anderen Themen, Fragestellungen und Problemen als im Baby-/Kleinkindalter konfrontiert ist und viel eher an seine Grenzen als Eltern stößt. Bekannt ist der Spruch: "Kleine Kinder - kleine Sorgen, große Kinder - große Sorgen". Diese Aussagen werden entweder mit den eigenen Erfahrungen untermauert oder theoretisch angenommen und weitergegeben. Vielen Eltern scheint es tatsächlich so zu gehen, dass die Probleme und Sorgen proportional mit dem Alter der Kinder ansteigen.

Ich bin gespannt, wie ich das im Laufe der nächsten Jahre empfinden werde. Nun habe ich ja bisher erst (oder schon, je nach Perspektive) 4 Jahre Elternsein hinter mir und muss aus meiner bisherigen Erfahrung sagen, dass der oben genannte Spruch für mich nicht stimmt. Im Gegenteil, die letzten 4 Jahre war es für mich eindeutig so, dass es immer einfacher wurde, je älter, selbstständiger und bewusster die Kinder wurden. Nun sind 4 Jahre keine lange Erfahrungszeit im Kontext von 18 Jahren, die ich für meine Kinder im Wesentlichen verantwortlich bin. Trotzdem ist in diesen 4 Jahren eine eindeutige, kontinuierliche Tendenz dahingehend zu verzeichnen, dass mir das Leben mit meinen Kindern immer leichter fällt, ich nicht mehr ständig an meine Grenzen stoße, sondern das Gefühl habe, die allermeisten Probleme gut und zufriedenstellend lösen zu können. Dies ist meine ganz persönliche Erfahrung.

Mir ist bewusst, dass im weiteren Verlauf der Zeit und des Begleitens meiner Kinder beim Älterwerden sicherlich eine Unmenge an Problemen auftauchen werden, die mich (und sie) vor enorme Herausforderungen stellen werden. In 2 Jahren kommt mein Großer in die Schule und schon jetzt mache ich mir, vor dem Hintergrund seiner besonderen charakterlichen Bedingungen, Gedanken über die richtige Schulwahl. Medienkonsum wird ein schwieriges Thema für mich, das weiß ich jetzt schon. "Falsche" Freunde, schlechter Einfluss, schulische Probleme, Unentschlossenheit und Wankelmütigkeit, extreme Hobbies, die ich vielleicht nicht nachvollziehen kann, Umgang mit Veränderungen, Verlust und Tod, körperliche Vernachlässigung, seelisches Unglück, vielleicht sogar Selbstmordgedanken sind Probleme, die möglicherweise auf mich zukommen und wo wir gemeinsam mit dem Kind einen Weg finden müssen. Ich kann nicht vorhersehen, wie schwierig, belastend und nervenaufreibend das sein wird. Mit Sicherheit enorm.

Was ich aber kenne, ist die Erfahrung, völlig rat- und hilflos im Umgang mit seinem Kind zu sein, nicht weiterzuwissen und eine individuelle Strategie für mich und das Kind entwickeln zu müssen. Dazu war nicht erst die Autonomiephase meines Großen nötig, sondern das begann mit dem Tag seiner Geburt und kennzeichnete das gesamte erste Babyjahr. Noch nie in meinem ganzen Leben und seitdem nie wieder habe ich mich so überfordert, hilflos und verzweifelt gefühlt. Noch nie bin ich so an und über meine Grenzen gekommen. Nie zuvor habe ich erleben müssen, dass nichts, was ich tat, einen positiven Einfluss auf die Probleme hatte (Ausnahme: meine Fehlgeburt). Und dass es von allein, langsam, stetig, in ganz kleinen Schritten immer besser wurde.

Eine Bekannte meinte, dass es am Anfang mit Kindern körperlich sehr anstrengend ist (durch Schlafmangel, Versorgung und 24/7-Bereitschaft) und später dann eher psychisch/mental. Für mich dagegen war das erste Jahr als Mama das nicht nur körperlich, sondern vor allem psychisch härteste meines ganzen Lebens. Wenn jemand zu mir sagte, "genieße die Babyzeit, sie werden so schnell groß", musste ich immer gequält lachen. Nicht nur in der Situation selbst habe ich die Babyzeit nicht genießen können, auch rückwirkend treibt mir die Erinnerung daran noch einen Schauer des Grauens über den Rücken. Selbst bei der Kleinen, die anfangs ein Traumbaby war, habe ich mir oft gewünscht, dass sie schnell größer werden möge und ich mehr mit ihr anfangen kann.

Jetzt sind beide in einem Alter, wo man mit ihnen kommunizieren kann. Sie werden immer selbstständiger und sind nicht mehr ganz so ausschließlich auf uns Eltern angewiesen. Sie entdecken die Welt und wir begleiten sie dabei. Das ist schöner, befriedigender und anspruchsvoller als die Versorgung eines Babys, finde ich. Von einem Schreibaby ganz zu schweigen. Ich kann also für mich bisher resümieren, dass es im Laufe der Jahre immer einfacher mit den Kindern geworden ist. Das heißt nicht, dass es leicht ist; ich empfinde das Kinderhaben weiß Gott nicht als leicht, im Gegenteil. Aber nicht mehr ganz so jenseits aller Kräfte und Nerven wie am Anfang. Ich bin seitdem nie mehr so am Abgrund gewesen wie im ersten Babyjahr, nie mehr so verzweifelt und ohnmächtig. Und ich hoffe, dass alle Sorgen und Probleme, die zukünftig durch meine älter werdenden Kinder auf mich zukommen, mich nie vergessen lassen, wie haltlos es am Anfang war. Und dass ich sie deshalb vielleicht als besser zu bewältigen empfinde. Wir werden sehen. Bisher habe ich mir die Babyzeit jedenfalls noch nie zurück gewünscht;)

Nun bin ich auf eure Erfahrungen gespannt! Wie empfindet ihr das, ist es für euch mit zunehmendem Alter der Kinder leichter oder schwieriger geworden? Welche Probleme machen euch besonders Angst? Mich würden auch Erfahrungen von Mamas älterer Kinder interessieren, die vielleicht eine ähnlich schwierige Baby-/Kleinkindzeit durchhaben wie ich. Wie erlebt ihr das jetzt, wo eure Kinder größer sind? Welche Themen bereiten euch Probleme?

Kommentare:

  1. Hallo Frühlingskindermama,
    ich mag diesen Spruch nicht. Auch nicht den über die schöne Babyzeit, die man genießen sollte. Habe mich dabei nie ernst genommen gefühlt in meinen Problemen. So als ob man das Problem ein Schreibaby zu haben kleinredet...
    Aufgrund des ersten Jahres empfinde ich den Umgang mit meiner Maus auch als einfacher, jetzt wo sie größer ist. Ich denke es liegt daran, dass mich vieles einfach nicht mehr schockiert.
    Grundsätzlich glaube ich aber, dass die Probleme weder kleiner noch größer werden. Sie werden lediglich anders. Jedes Alter wird einige Herrausforderungen für uns parat haben... mit einigen kommen wir dann gut und mit anderen weniger gut klar.
    In diesem Sinne... Auf die Zukunft ;-)

    LG
    Daniela

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    1. Liebe Daniela,
      ich mag die Sprüche auch nicht, weil sie eben so pauschalisieren und meiner Erfahrung widersprechen. Vielleicht liegt das einerseits an den schwierigen Erfahrungen, die wir machen mussten. Andererseits empfinde ich das ja auch im Umgang mit meiner pflegeleichteren Kleinen so, also scheint es mir wohl generell so zu gehen, dass ich der Babyzeit nichts abgewinnen kann.
      Ich denke auch, dass die Probleme anders werden, sicher sehr emotional herausfordernd, und wie man damit umgehen kann, wird man dann sehen. Ich bin ganz gespannt darauf, wie ich damit klarkomme und kann es gar nicht einschätzen. Bis zum heutigen Tag stimmt der Spruch für mich jedenfalls nicht;)
      Liebe Grüße!

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  2. Als Mama von großen und kleinen Kindern, möchte ich dir dazu auch gerne was schreiben. Ich finde auch, dass es nach der anstrengenden Babyzeit erst einmal entspannter und einfacher wird. Kindergarten und Grundschule: easy going. Wenn hier eine gute Basis gelegt wurde und das Umfeld stimmt, kann man aber auch der Teenager-Zeit einigermaßen gelassen entgegen sehen.
    LG, Micha

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    1. Oh danke, ich freue mich über Deine Erfahrungen! Hast Du zufällig selbst einen Text über dieses Thema geschrieben? Interessiert mich wirklich sehr! Hast Du die Babyzeit auch bei allen Kindern als anstrengend empfunden? Auf die Teenager-Zeit bin ich jetzt schon gespannt, da hängt ja viel vom individuellen Charakter und Rebellionsgrad des Kindes ab (ich habe zum Beispiel in ganz anderen Aspekten "rebelliert" als mein Bruder). Mal sehen, wie belastend ich das empfinden werde und ob ich mich genauso ohnmächtig fühlen werde wie in der Babyzeit.
      Liebe Grüße!

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  3. Die Babyjahre fand ich auch am anstrengendsten. Körperlich und mental. Gerade bei drei Kindern. Den kleinen kann man ja noch nicht sagen: Warte 5 Minuten, dann bin ich bei dir. Die Schreien was das Zeug hält. Ich hatte nicht selten psychosomatisches Nassjucken und Niesanfälle oder Schluckauf. Eines von beidem bekam ich immer dann, wenn alle gleichzeitig was forderten und ich es einfach nicht in Ruhe bedienen konnte.
    Eine Hürde war für mich gemacht, wenn sie alleine stehen und laufen konnten. Ab einem Jahr wird es besser. Und ab 2 Jahren wird es noch besser, weil sie verstehen und sich mitteilen können. Das ist für mich immer so ein erleichtertes Gefühl! Auf das erste Babyjahr könnte ich ganz getrost verzichten.

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    1. Geht mir genauso. Ich war damit ziemlich allein in meinem Umfeld. Mit jedem Geburtstag fiel mir ein großer Stein vom Herzen, mit jedem Jahr kamen neue erleichternde Fähigkeiten dazu. Mit 3 kleinen Kindern stelle ich mir das unglaublich anstrengend vor. Irgendwie funktioniert man ja nur noch, oder?
      Es ist so schön, dass man jetzt mit ihnen kommunizieren kann, gemeinsam Wege findet und jeder auch ein bisschen unabhängiger vom anderen ist. Ich bin gerade krank und denke, bloß gut, dass ich kein Stillbaby mehr habe :-)
      Liebe Grüße!

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