Samstag, 18. März 2017

Der erste Kinobesuch des Großen

Heute habe ich es gewagt und war zum ersten Mal mit dem Großen im Kino. Bis vor kurzem hielt ich das noch für zu früh und sah nicht, dass er diese Erfahrung problemlos verkraften würde. Vor ziemlich genau einem Jahr, er war gerade 5 geworden, sollte er mit seiner Kita ins Kino gehen und ich entschied nach vielen Überlegungen und Austausch, ihn davon auszunehmen. Das Für und Wider habe ich hier beschrieben. Das war damals auf jeden Fall die richtige Entscheidung und ich bin immer noch froh, sie getroffen zu haben.

Nun ist er ein Jahr älter und reifer geworden, kann unbekannte Situationen besser verarbeiten und wir waren in diesem Winter ein paarmal im Planetarium, wo es 45-minütige Kindervorstellungen gibt, die mit einem Kinobesuch vergleichbar sind. Das hat er gut mitgemacht. Zuhause schauen wir übrigens immer noch kein TV. Ich hatte schon im Hinterkopf, mich nun mit ihm mal ins Kino zu wagen, wollte aber einen absolut harmlosen Film schauen und freute mich deshalb sehr, als ich zwei Freikarten für "Die Häschenschule" gewann. Diesen Film hielt ich für total gut geeignet für seinen ersten Kinobesuch und der Trailer gefiel ihm. Ich suchte ein kleines Programmkino aus, denn keinesfalls wollte ich ihm einen großen Kinosaal in einem Multiplexkino zumuten, wo ich es selbst immer als viel zu laut und überfordernd empfinde.


Heute Nachmittag war es nun soweit. Wir beide fuhren mit dem Bus zu dem kleinen Kino, suchten uns Plätze in der vorletzten Reihe und am Rand, damit wir schnell raus konnten, falls es nötig sein sollte. Ich sagte ihm, dass er mir sofort Bescheid geben sollte, wenn für ihn irgendetwas komisch oder unangenehm wäre, und wir dann sofort rausgehen könnten. Zum Glück war die Leinwand klein, wir saßen weit hinten und der Sound war angenehm normal, nicht so ohrenbetäubend wie in großen Kinos. Als es losging, war ich sofort sicher, dass alles gutgehen würde. Er hatte keine Scheu vor der Dunkelheit und saß auch nicht stocksteif und mit weit aufgerissenen Augen da, wie sonst manchmal, wenn ihn etwas überfordert. Ich hatte das richtige Kino, den richtigen Film und die richtigen Plätze für den ersten Kinobesuch des Großen ausgesucht.


Der Film "Die Häschenschule" war wirklich süß und lustig, in der zweiten Hälfte lachten viele Kinder, darunter auch mein Großer, herzhaft, und er fieberte richtig mit. Ich fand ihn auch gar nicht zu kindlich für ihn. Die Bilder waren angenehm, der Schnitt nicht zu schnell und die Szenen nicht wild. Perfekt für ihn. Er hielt auch die 75 Minuten gut durch, fragte nicht einmal, wann der Film zuende sei und wirkte hinterher überhaupt nicht verwirrt oder irgendwie mitgenommen. Das war so schön für mich zu sehen. Er sagte, dass es ihm gefallen hätte und erzählte zuhause von den Abenteuern des Stadthasen Max. Als ich ihn fragte, ob er sich denn Kino so vorgestellt hatte, sagte er nur "größer". Darauf erwiderte ich, dass ich extra ein kleines Kino für sein erstes Mal ausgesucht hatte und es weitaus größere Kinos gibt. Er wirkte absolut ausgeglichen und zufrieden, was nicht oft der Fall ist, wenn er etwas zum ersten Mal macht. Bei neuen Erfahrungen braucht er wie ich meist 2-3 Anläufe bzw. Wiederholungen, bis er sich daran gewöhnt hat. Umso schöner, dass er dieses Erlebnis problemlos verdaute.

Für ihn war es genau richtig, bis jetzt mit einem Kinobesuch zu warten. Er ist nun 6 Jahre alt und reif genug für solche Erfahrungen, wenn man sie gut vorbereitet und sie in einem für ihn passenden Rahmen ablaufen. Sicherlich wäre das in einem großen Multiplexkino oder ohne vertraute Bezugsperson anders verlaufen. So aber war ich dabei, konnte seine Reaktionen beobachten und sofort reagieren, falls nötig. Ich war ziemlich schockiert, dass richtig kleine Kinder, vielleicht 2,5 Jahre alt, ebenfalls mit im Saal saßen, vermute aber, dass diese Kinder dann auch zuhause viel fernsehen und an diese Bilderflut "gewöhnt" sind. Ich habe auch von einem Kindergeburtstag von 3-Jährigen gehört, der in einem Kino stattfand. Das finde ich viel zu früh.

Zuletzt blieb noch sein Verhalten zuhause abzuwarten, denn wenn er überreizt ist, dann dreht er oft zuhause völlig durch, weint oder meckert viel und ist durch den Wind. All das war nicht der Fall, er verhielt sich völlig normal, lachte viel und war ganz ausgeglichen. Definitiv die beste Bestätigung für einen gelungenen Nachmittag. Ich bin sehr froh darüber, so lange gewartet zu haben, egal, was andere Leute sagen oder anders machen. Warum soll ich mein Kind mit etwas konfrontieren, was ich noch nicht als geeignet empfinde, nur weil andere Kinder das in einem jüngeren Alter schon mitmachen? Jedes Kind ist anders und ich habe die Verantwortung, dieses Kind so zu begleiten, dass es eben nicht überfordert wird, sondern entsprechend seiner Voraussetzungen möglichst optimal aufwachsen kann. Denn ich muss ja auch die Konsequenzen tragen, wenn ein Experiment scheitert, z.B. Alpträume, Ängste, Verweigerung aushalten und heilen.

Ich bin total im Reinen mit dieser ganzen Kino-Geschichte, sowohl was das lange Abwarten und die letztjährige Entscheidung gegen den Kinobesuch mit der Kita, als auch was das heutige Ausprobieren angeht. Und wenn er die Geschichte des Films noch einmal hören will, werde ich ihm das zugehörige Buch "Die Häschenschule"* kaufen. Es ist ja ein Klassiker und passt perfekt zur bevorstehenden Einschulung des Großen. Ich würde aber auch weiterhin kleine Kinos, harmlose Filme und Plätze weit hinten wählen, damit sein erstes Kinoerlebnis von weiteren positiven gefolgt wird. Abgesehen von dem gelungenen ersten Kinobesuch war es wieder eine schöne Exklusivzeit mit meinem Großen, von der es bald auf unserer Mutter-Kind-Kur viel mehr geben wird, und ein weiterer Test für den Mann und die Kleine, die dann viel Zeit zusammen verbringen werden.

Wann wart ihr das erste Mal mit euren Kindern im Kino? Sind eure Kinder unproblematisch, was solche Erfahrungen angeht, oder ähnlich sensibel wie mein Großer?

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Fotos: Frühlingskindermama

Kommentare:

  1. Hallo, ich bin überhaupt kein Kino-Fan, wenn es um meine Kinder geht. Die Große mag zu aufregende, schnelle Handlungen heute mit fast 9 Jahren noch nicht und der Mittlere war mit dem Papa einmal im Kino zum Raben Socke. Da war er 5. Zu Hause sehen wir gar kein TV. Ich selbst auch nicht. Mit den Kindern sehen wir selten mal eine DVD oder Kurzfilme aus der Sendung mit der Maus. Ansonsten hören wir sehr oft ein Hörbuch. Das genügt ihnen momentan auch noch an Spannung. �� Ich bin auch dafür, dass Kinonachmittage noch eine ganze Weile selten bleiben und wenn dann allenfalls in einem kleinen Studiokino. Viel lieber gehen wir aber ins Kindertheater. �� LG, Martamam

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    1. Da bin ich ganz bei Dir. Ich selbst bin zwiegespalten, was Kino angeht, ich finde es einerseits faszinierend, andererseits aber meist auch zu laut und zu hektisch. Vielleicht wäre es mit einem anderen Kind anders gelaufen, aber für meinen sensiblen Großen wäre das mit Sicherheit zu früh gewesen. Wir gehen auch gern ins Kindertheater, aber das wiederum ist ihm mittlerweile fast schon zu simpel. Eine schwierige Gratwanderung... Es wird aber sicherlich eher die Ausnahme bleiben.
      Liebe Grüße!

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  2. Der Butscher war mit 4,5 das erste Mal im Kino. In der Eiskönigin. Ebenfalls in keinem großen Kino, sondern in einem kleinen Dorfkino im nächsten Ort. Wir gehen da selbst auch gerne hin da es dort auch "Tische" gibt und man z. B. richtig frischen Kaffee in Tassen im Kino trinken kann. Es war genau das richtige Kino dafür. Keiner hat es einem Übel genommen wenn man aufgestanden ist weil das Kind mal aufs Klo muss oder ganz spontan noch Smarties haben will. Er wollte den Film damals unbedingt gucken. Ich hatte damit gerechnet dass wir nach der Hälfte gehen würden weil es ihm zu viel wird oder zu langweilig still zu sitzen. Aber er war begeistert. Heute frage ich mich ob er überhaupt viel gesehen hat, er hatte da noch keine Brille �� Die Sehschwäche wurde kurz danach festgestellt und er hat nie was gesagt für ihn war das ja bis dahin normal.

    Ich hätte mein Kind übrigens auch nicht mit der KITA ins Kino gehen lassen wenn vorher nie ein gemeinsamer Besuch stattgefunden hat. Ich finde das allgemein auch zu viel, so ne ganze Kita Gruppe oder womöglich gleich der ganze Kindergarten. Ich bin froh dass unser Kindergarten das gar nicht macht.

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    1. Danke Dir! Die Geschichte ist ja super mit der Sehschwäche;-). Bisher hatte mein Großer noch nie selbst gefragt, ob er ins Kino kann, aber das entspricht seinem Naturell. Mal sehen, ob er jetzt nach der positiven Erfahrung nochmal fragen wird. Ich werde in Zukunft schauen, was in unserem kleinen Kino in der Nähe so für Kinderfilme kommen, und wieder gezielt auswählen.
      Liebe Grüße!

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  3. Oh ja.. das leidige Thema...
    Wir waren vor wenigen Wochen das erste Mal im Kino, mit beiden Kindern (Große wird 7, Lütte bald 5) Es passte einfach. Er hatte es schon oft von Freunden gehört und wollte zum einen das auch gerne machen, aber war auch noch sehr skeptisch. Der Film lief bald aus (sing) und somit war es auch nicht mehr voll und auch im kleinen Kino.
    Wir gucken zu Hause TV , aber auch nur bestimmte Sachen. Dafür wurde und werde ich noch schräg angeguckt. Das rechtfertigen kotzt mich echt an.
    Vielleicht mag es übertrieben scheinen, aber das kann den außenstehenden doch völlig egal sein?!
    Wir hören auf unser Gefühl und unseren Verstand. Punkt.
    Ihr macht es genau richtig und toll, das es ihm so sehr gefallen hat!
    Liebste Grüße,
    Sandy

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    1. Ja, ich finde auch, es gibt so viele unterschiedliche Wege, da sollte sich doch kein Außenstehender ein Urteil erlauben. Und dennoch hat man immer dieses Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Und wenn man zuhause mit den Kindern kein TV schaut, wird man gefragt, warum denn nicht, anstatt andersherum;-)
      Ich glaube aber, die Eltern, die sowas wie einen sehr frühen Kinobesuch nicht als Problem betrachten, würden anders denken, wenn sie ein anderes Kind hätten. Und ich vielleicht auch, wenn ich meinerseits ein anderes Kind hätte.
      Liebe Grüße!

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  4. Mit ein bisschen über 2 ist Kino natürlich noch gar kein Thema, zumindest bei uns. Ich sehe es wie die und bin durch eigene Erfahrungen auch vorsichtig. Ich war früher, öfters mit meinen Eltern in kleinen Programmkinos und wir schauten die "Pippi" oder "Michel" Filme an, ich war vielleicht um die 5. Das war immer ein Highlight, ich erinnere mich gerne zurück. Kurz vor meiner Einschulung war ich mit meinem Vater in einem großen Kino und wir haben die Flinstones geschaut, das war mir einfach zu aufregend. (Hollywood Filme sind nun mal anders gestrickt als Astrid Lindgren Geschichten.) Es gab da eine Szene, wo die Familie entführt wird. Und wir sind raus gegangen. Deshalb ist meine "Hemmschwelle" Dinge mit eigenen Kind etwas abzubrechen sehr niedrig. Ich finde es ok Dinge auszutesten und dem Kind ganz klar die Möglichkeit abzubrechen. Und es es kommt halt echt total auf die Art der Filme.

    Schön, dass ihr eine gute Zeit hattet! :)

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    1. Ja, da hast Du völlig Recht, das wäre auch immer eine Option gewesen, abzubrechen. Diese Option hätte er zum Beispiel mit der Kita nicht gehabt, da kann er nicht einfach rausgehen. Ich bin froh, dass wir es so gemacht haben und denke, es wird die Ausnahme bleiben. Ich möchte auch, dass meine Kinder vieles kennenlernen, aber nicht um jeden Preis. Und wenn sie bereit dazu sind, nicht, wenn die Eltern denken, dass es Zeit wäre.
      Liebe Grüße!

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