Freitag, 4. November 2016

Von der "Villa Schaukelpferd" zu "Pusteblumen für Mama": Interview mit Christine zu ihrem Blog-Neustart

Gerade ist einer der ersten Blogs, die ich gelesen habe und der zu meinen absoluten Lieblingsblogs gehörte, geschlossen worden: die "Villa Schaukelpferd". In der "Villa Schaukelpferd" wurden quasi selbsttherapeutisch viele Tabuthemen wie postpartale Depressionen, Regretting Motherhood bzw. überhaupt Unzufriedenheit mit der Mutterrolle angesprochen. Viele LeserInnen, die ähnlich empfinden, fühlten sich durch diese Beiträge verstanden und getröstet, die "Villa Schaukelpferd" hatte einen festen Kreis von StammleserInnen. Nun hat die Bloginhaberin Christine einen neuen Blog für hochsensible Mütter ins Leben gerufen, der "Pusteblumen für Mama" heißt. Ich habe Christine dazu einige Fragen gestellt und freue mich, dass sie so ausführlich geantwortet hat.



Christine, Du hast gerade Deinen beliebten Blog „Villa Schaukelpferd“ geschlossen und einen neuen Blog begonnen, der „Pusteblumen für Mama“ heißt. Was hat Dich dazu bewogen?

Ich glaube es war Anfang dieses Jahres, ein Zeitraum, der ja sowieso prädestiniert für Veränderungen aller Art ist. Ich merkte, dass die Villa Schaukelpferd ein Ort für alle möglichen Themen geworden war, in jedem „Zimmer“ gab es etwas anderes zu entdecken. Wie ein Jahrmarkt voll von unterschiedlichen Marktbuden. Am Anfang dachte ich, das wäre gerade gut, um eine Vielzahl an Lesern anzusprechen. Mit der Zeit merkte ich aber, dass „Masse statt Klasse“ nicht funktionierte und auch ich selbst immer unzufriedener mit der Vielzahl an Themen wurde. Zusätzlich stolperte ich noch über einen spannenden Blogartikel, in dem betont wurde, wie wichtig es ist, sich auch und gerade im Internetblog zu spezialisieren. „Sagen Sie mir in einem Satz, was Ihren Blog ausmacht!“ war sinngemäß die Aussage, die mich endgültig zum Umdenken brachte, denn ich konnte die Frage eben nicht in einem Satz beantworten. Also wagte ich den radikalen Schritt.

Fiel Dir der Abschied von der „Villa Schaukelpferd“ schwer? Immerhin hast Du dort sehr viele tabuisierte emotionale Themen, wie postpartale Depressionen, Regretting Motherhood u.ä. angesprochen und Deine eigenen Erfahrungen geschildert. Hast Du Angst, dass Du StammleserInnen verlierst?

Naja ich muss gestehen, ich hatte wirklich viel Zeit, mich innerlich wie äußerlich von meinem alten Blog zu verabschieden. Von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung des neuen Blogs dauerte es nämlich über acht Monate. Was aber hauptsächlich an privaten und beruflichen Angelegenheiten lag, die mich im realen Leben auf Trab hielten. Und da ich ja Bloggen „nur“ als Hobby betreibe, musste der neue Blog eben hinten anstehen. Als es dann aber auf die Zielgerade zuging und „Pusteblumen für Mama“ endlich online war, wurde mir auf einmal bewusst, dass ich mir zum Abschied meinen alten Blog noch nicht einmal ein letztes Mal angesehen hatte. In dem Moment wusste ich endgültig, dass mir der Abschied wirklich nicht schwer gefallen war.

Der Schwerpunkt hat sich jetzt eindeutig verschoben, vom allgemeinen Baby-, Kleinkind- und Mutterblog, auf dem jeder Alltagsschritt bequatscht wird hin zum reinen Mama-Blog für hochsensible Mütter. Dennoch sind es ja gerade die Tabuthemen, die jetzt im Vordergrund stehen. Wer an meiner Villa Schaukelpferd Beiträge zu Regretting Motherhood oder postpartalen Depressionen schätzte, der wird sie auf „Pusteblumen für Mama“ in erster Reihe finden. Dass ich jetzt Leser verlieren werde, davon gehe ich aus. Aber das ist ja nur normal, wenn man sein Profil schärft und sich spezialisiert. Und nur so kann sich (m)eine Zielgruppe wohlfühlen, wenn sie konkret angesprochen wird.

Wen genau möchtest Du mit dem neuen Blog „Pusteblumen für Mama“ ansprechen? Meinst Du, es gibt eine Zielgruppe dafür? Unterscheidet sich diese von der Zielgruppe der „Villa Schaukelpferd“?

Pusteblumen für Mama ist ein Blog für hochsensible Mütter, die auch noch eine freiheitsliebende Frau in sich spüren, welche an manchen Tagen mit ihrer Mutterrolle hadert. Vielleicht litt sie unter einer postnatalen Depression, so wie ich nach der Geburt meines ersten Sohnes, vielleicht bereut sie sogar ihre Mutterrolle, wie ich es lange Zeit auch tat. In jedem Fall benötigt meine Leserin viel Zeit neben dem Mamasein für sich zum Akkus-Aufladen, weil sie weiß, dass sie sonst im Zusammensein mit ihren Kindern sehr unentspannt und gestresst ist.

Ich will nicht sagen, dass die Villa Schaukelpferd diesen Schwerpunkt nicht auch schon hatte. Damals war er jedoch nicht bewusst gesetzt und neue Blogleser konnten nicht auf den ersten Blick erkennen, woran sie auf meinem Mama-Blog sind. Ich glaube, dass ich damals schon die „richtigen“ Leser erreichen konnte, war mehr ein glücklicher Zufall. Immerhin habe ich mich nebenbei auch noch mit Bastelkram, Krimipartys oder medizinischen Belangen beschäftigt. Das wird es auf dem neuen Blog nicht mehr geben; davon sollen bitte schön Andere schreiben ;-)

Hast Du im alten Blog Fehler gemacht, die Du im neuen Blog bewusst nicht wiederholen willst?

Sagen wir es so: Ich habe viel ausprobiert, einiges verworfen und wieder ein bisschen verfeinert. Die Villa Schaukelpferd war tatsächlich ein ständig wechselndes Probierfeld. Aber nur so lernt man. Manches muss eben erst in die Praxis umgesetzt werden, um später zu erkennen, dass es so nicht funktioniert. Von dem her hoffe ich, dass ich jetzt nicht alles von Grund auf vermassle *lach*.

Mit dem neuen Blog hast Du die Aktion #meinepusteblume gestartet. Was genau hat es damit auf sich?

Oh ja, genau, die Pusteblumenwiese! Ein eigener Menüpunkt auf meinem Blog, unter dem ich all die kleinen Augenblicke im Alltag sammle, die mir als Mama Kraft geben, weil sie nur „mein“ Moment sind. Meine Pusteblume eben. Ein Blick in den Wolkenhimmel, die Tasse Kaffee am Sonntagmorgen, wenn die Kinder wider Erwartens noch schlafen,… All diese Momente möchte ich mit meinen Leserinnen auf Twitter unter dem Hashtag #meinepusteblume sammeln, damit wir unseren Blick auch für die kleinen kraftspendenden Minuten in unserem sonst so kinderreichen Leben schärfen. Mitmachen ist also ausdrücklich erwünscht; auch ich freue mich über neuen Input!

Übrigens beschreibt diese Aktion auch sehr gut den Titel meines Blogs. Ich suchte etwas Zartes, Sensibles als Blognamen und irgendwann kam mir plötzlich „Pusteblumen für Mama“ durch den Kopf. Wie eine leichte Pusteblume, die einer Mutter ihre schweren Gedanken davonträgt, sobald diese ihren Wunsch formuliert hat und ihn mithilfe der Schirmchen davonpustet.

Du bietest jetzt auch einen Newsletter an. Was erwartet die LeserInnen, die ihn abonnieren?

Ja, der Newsletter ist in der Tat neu und ein zusätzliches, sehr persönliches „Gimmick“ für meine Leserinnen. Wer mutmaßt, der Newsletter würde eine reine Erinnerung oder Zusammenfassung für aktuelle Blogbeiträge sein, der irrt. Newsletterabonnentinnen erhalten zum Einen sofortigen Zugriff zu meinem Ratgeber „10 Tipps, wie du als hochsensible Mutter deinen Alltag entstresst“, ansonsten erwartet sie exquisite Lesetipps (z.B. aus dem Bereich Hochsensibilität, Regretting Motherhood oder postpartale Depressionen“, sei es von „fachmännischer Seite“ oder aus einem anderen Blog) und alles, was die (von Hochsensiblen eh schon strapazierten) Sinne im wertvollen Maße anspricht. Hochsensible Mütter sollen sich viel mit schönen Dingen verwöhnen, die ihrer Seele gut tun und genau da setzt mein Newsletter an.

Wie hast Du selbst Dich als Mama verändert, was hat Dir geholfen, schwierige Phasen zu überstehen und wie geht es Dir jetzt?

Oh Gott, ich hab hier schon so viel geschrieben, dass ich dachte „Langsam reicht’s aber mit deinen ausführlichen Antworten, Christine!“ und jetzt kommt so eine Frage, bei der ich stundenlang erzählen könnte *lach*. Okay, ich versuche mal die Kurzversion.

Als ich meinen ersten Sohn gebar, wurde ich von der einen auf die andere Sekunde mit der negativsten Seite, die man als Mutter nur fühlen kann, konfrontiert: Ich konnte mein Baby nicht lieben, verlor mich monatelang in Depressionen. Geholfen haben mir letztendlich viele Faktoren: Zum Einen waren da mein Mann und meine Mutter, die mich unterstützten und Rückhalt gaben, wo sie nur konnten. Dann hatte ich eine liebevolle Therapeutin, die mich einige Zeit begleitete. Etwa zu der Zeit erfuhr ich auch von meiner Hochsensibilität. Die Erkenntnis, dass ich viel ungefilterter auf Sinneseindrücke (ja, eben auch von meinen Kindern!) reagierte, half mir vor allem dabei, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Daraus entstand mit der Zeit echte Selbstliebe, die mir am Ende den entscheidenden Schritt zur Heilung brachte.

Heute bin ich frei von Depressionen und auch meinen ältesten Sohn liebe ich genauso wie seinen Bruder. Trotzdem bin ich immer noch eine hochsensible Frau, die viel Zeit für sich benötigt und oft mit der Konsequenz namens Mutterrolle hadert. Ich will nicht mehr sagen, dass ich meine Rolle als Mutter bereue, auch nicht, dass ich mich beim nächsten Mal gegen Kinder entscheiden würde, aber dennoch bedaure ich die Umstände, unter denen wir (deutschen) Mütter Frausein, Kinder, Familie und Job unter einen Hut kriegen müssen. Das System ist eindeutig noch verbesserungswürdig, vor allem für uns Hochsensitive!

Ich wünsche Dir alles Liebe für Deinen neuen Blog und weiterhin viele treue, offene und emotionale LeserInnen! Vielen Dank!

Lieben Dank für deine Wünsche, das Gleiche wünsche ich dir ebenfalls für deinen Blog!


Und jetzt schaut mal auf Pusteblumen für Mama vorbei. Danke, Christine, dass Du mir Rede und Antwort gestanden hast. Auf viele weitere, bereichernde Blogjahre! Ich werde Dir als Leserin erhalten bleiben und hoffe, Du gewinnst viele neue dazu.

Bildrechte: Christine von "Pusteblumen für Mama"

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