Dienstag, 1. November 2016

Helfende Eltern - unselbstständige Kinder?

Neulich gab es eine kleine Diskussion mit dem Großen, in der es darum ging, dass die Kinder uns so wenig bei alltäglichen Tätigkeiten mithelfen. Es war überhaupt nicht als Vorwurf formuliert, sondern lediglich als Feststellung. Darauf sagte der Große: "Aber ihr fragt uns ja auch gar nicht, ob wir euch mal helfen könnten!" Da musste ich ihm Recht geben, und das ist eines der Dinge, die ich mir schon länger vorgenommen habe zu ändern und nicht so richtig schaffe. Also die Kinder in praktische Alltagsaufgaben einzubeziehen, ihnen Verantwortung zu übertragen und sie mithelfen zu lassen. Damit sie ein Gefühl dafür kriegen, was hier im Haushalt alles zu tun ist und nicht alles für selbstverständlich nehmen. Damit sie sehen, wieviel Zeit und Mühe manche Tätigkeiten kosten. Damit sie merken, dass sie einen kleinen, aber wertvollen Beitrag zum Familienleben leisten können und lernen, wie Abläufe funktionieren. Damit sie selbstständig und eigenverantwortlich werden.

Mein Mann und ich, wir sind Menschen, die Dinge am liebsten selbst und allein machen, anstatt im Team zusammenzuarbeiten. Wir bitten nicht gern um Hilfe, sondern sind froh, wenn wir in Ruhe etwas abarbeiten können. Ich kann es z.B. nicht haben, wenn jemand in der Küche herumwuselt, wenn ich koche. Ich räume den Geschirrspüler lieber selbst aus, anstatt jemandem zu erklären, wo das Geschirr hinkommt. Ich habe gern selbst die Kontrolle, anstatt hinterher kontrollieren zu müssen, ob eine Tätigkeit korrekt und vollständig erledigt wurde. Ich arbeite gern Aufgaben schnell, effektiv und hintereinander ab, möglichst störungsfrei. Ich bin kein Prokrastinator, nicht bei Haushaltstätigkeiten und sonst eigentlich auch kaum. Mein Motto ist: Mach es selbst, dann weißt du, dass alles in deinem Sinne geschieht. Das führte dazu, dass wir unsere Kinder immer in recht wenige Haushaltstätigkeiten eingebunden haben und sie wahrscheinlich fast das Gefühl haben, "das bisschen Haushalt macht sich von allein...";-)

Daneben bin ich auch eine Mama, die tendenziell gern bemuttert, die Kinder umsorgt und lieber ein Mal mehr hilft, als sie zu überfordern. Ich nehme ihnen viele Kleinigkeiten und manchmal auch Herausforderungen ab, die sie schon selbst schaffen könnten. Ich mag sie gern noch ein wenig in ihrer unbeschwerten Kindheitsblase lassen und die Anforderungen der Umwelt von ihnen fern halten. Ich helfe ihnen beim Anziehen, ich räume lieber selbst schnell auf, ich schmiere ihre Brote und schneide ihr Essen. Das hat sowohl den Grund, dass ich allein schneller, gründlicher und fehlerfreier bin, als auch, dass ich sie gern umsorge und ihnen u.a. dadurch meine Zuwendung und Nähe gebe. Manche Dinge sind auch schlicht nicht möglich oder sehr stressig. Staubsaugen geht zum Beispiel nicht, wenn die Kinder da sind, weil die Kleine Angst vor der Lautstärke hat und weint. Beim Wäsche aufhängen haben sie früher für jedes Kleidungsstück, das ich aufhängte, eins wieder runtergezogen. Beim Obst schneiden ist es mühsam, auf 20 Finger zu achten, wenn beide mit scharfen Messern hantieren. Vor allem, wenn man selbst auch vorankommen will. Und so weiter. Das ist alles effizienter, schneller und nervenschonender als mit den beiden zusammen. Vielleicht wäre es mit nur einem Kind anders, aber zwei Kinder bringen einfach soviel durcheinander, man kann sie nicht in jeder Sekunde im Auge behalten und sie stecken sich gegenseitig mit "Blödsinn" an. Das einzige, wo ich sie immer gern eingespannt habe, war und ist das Putzen ihres Spielzeugs. Wenn ich sie im Kinderzimmer still beschäftigen musste, weil beispielsweise mein Mann krank war, habe ich ihnen Putzlappen gegeben und wir haben zu dritt das Spielzeug gesäubert. Das haben sie meist gut und ausdauernd mitgemacht. Insgesamt aber haben wir ihnen viel abgenommen, viel geholfen und unsererseits viel selbst gemacht.

Irgendwann, als sie etwas älter waren, wollte ich nicht mehr alle Haushaltstätigkeiten in meiner Freizeit machen und habe angefangen, in der Anwesenheit der Kinder kleinere Dinge abzuarbeiten. Ich habe auch mehrfach den Papa dazu angehalten, vor oder nach dem Spielen mit den Kindern Aufgaben zu erledigen, um ihnen zu zeigen, was es alles zu tun gibt. Es fiel und fällt ihm schwer, und auch ich erledige bis heute meine Aufgaben am liebsten in Ruhe, ohne Unterbrechungen, ohne Anliegen und Fragen der Kinder. Das mag gut für uns sein, aber die Kinder lehrt es nichts. Wir haben uns jetzt also vorgenommen, einerseits die Kinder mehr in leichtere Tätigkeiten mit einzubeziehen als auch unsere Arbeiten in ihrer Anwesenheit zu erledigen. Dann müssen sie warten oder sich selbst beschäftigen.

Die Kleine hilft sehr gern, z.B. beim Tischdecken und -abräumen, Geschirrspüler ausräumen, Einkäufe verstauen etc. Statt dass ich mich ärgere, wenn sie mir in der Küche zwischen den Beinen herumwuselt, frage ich sie lieber, ob sie mir helfen will. Das ist zwar manchmal nervenaufreibend, aber irgendwie auch befriedigend und es macht Spaß, gemeinsam abzuarbeiten. Der Große ist da unwilliger, er hilft nur, wenn er selbst bereit dazu ist, nicht aus Gemeinschaftssinn oder weil er uns eine Freude machen will. Das tangiert ihn nicht. Er war nie ein Kind, was gern im Hauhalt geholfen oder sich für Haushaltsdinge interessiert hat. Ihn muss man also ganz freilassend anfragen und es, wenn er nicht will (wie meist), akzeptieren. Vielleicht ist die Erfahrung seiner Unwilligkeit auch einer der Gründe dafür, dass wir die Kinder tendenziell kaum in Alltagsarbeiten einbeziehen? Die Kleine ist jedenfalls ein anderer Charakter und wir müssen nun erst wieder lernen, dass ein Kind auch gern und bereitwillig hilft. Das ist ein Prozess, den wir erst begonnen haben. Und jedesmal muss ich mich selbst ermahnen und erinnern, es anders zu machen als bisher.

Manchmal hat man keine Nerven dafür. Wir haben im Sommer den Zaun unserer Gartenterrasse gestrichen und beide Kinder wollten helfen. Immer und immer wieder haben sie sich trotz mehrfacher Erinnerung an den frischgestrichenen Zaun gelehnt, haben sich mit Farbe bekleckst und Farbpaletten umgeworfen. Normal für Kinder, aber da sagt man sich dann schon, mach es lieber allein, warum tust du dir den Stress an. Ähnlich ist es beim Plätzchen backen und anderen Dingen. Kommt dann noch der eine oder andere Wutanfall dazu, ist es schnell vorbei mit dem Spaß. Trotzdem sollten wir es immer wieder versuchen, gerade bei dem bereitwilligen unserer Kinder. Ich selbst war als Kind und Jugendliche ziemlich unselbstständig und hilflos, wahrscheinlich, weil meine Eltern mir auch vieles abgenommen und mich wenig einbezogen haben. Ich sehe einige Aspekte davon schon jetzt beim Großen. Das kann nicht gut sein und ich möchte das bewusst anders machen.

Der andere Punkt ist das elterliche Helfen. Ich helfe meinen Kindern gern und viel, einige würden sagen, zu viel. Manchmal bemuttere ich sie. Klar können sie sich schon allein die Schuhe anziehen und die Jacke zumachen, aber ich übernehme das trotzdem oft für sie. Besonders wenn sie das Bedürfnis nach Zuwendung und Anlehnen haben, wie z.B. nach der Kita oder morgens, wenn sie mit dem Papa das Haus verlassen. Dann helfe ich ihnen, weil ich weiß, dass ihnen diese Situationen eh' schon schwer genug fallen. Es ist aber manchmal schwierig, zu entscheiden, ob ein Bedürfnis nach Zuwendung dahinter steckt oder schlicht Bequemlichkeit. Letzteres möchte ich nicht fördern, ein Bedürfnis aber gern erfüllen. Ich will aber auch nicht, wie manche Eltern das gern tun, sie auf Teufel komm raus dazu anhalten, Dinge selbst zu machen, von denen ich weiß, dass sie sie schon allein können. Ich sehe das oft, dass Eltern dann einfach ihr Ding durchziehen wollen. Ich habe das auch schon versucht, aber es widerspricht mir und fühlt sich für mich und die Kinder natürlich nicht gut an. Es ist aber tatsächlich eine Gratwanderung, zu entscheiden, wann dieser oder jener Beweggrund für Verweigerung vorhanden ist.

Der Große ist z.B. ein Kind, das sich gern helfen lässt und darüber seinen Aufmerksamkeitstank füllt (siehe dieser Text "Warum Kinder ständig unsere Aufmerksamkeit verlangen"). Dem bin ich meist nachgekommen, als ich verstanden hatte, warum er das braucht. Manchmal ist er aber auch bequem und ruht sich auf meiner Hilfe aus. Was ist wann der Fall? Einmal hat er auf dem Heimweg von der Kita alles verweigert und boykottiert, ich wusste nicht warum, und bin laut und ungeduldig geworden. Zuhause merkte ich dann, dass er Fieber hat und es ihm nicht gut geht. Das hat mich sehr betroffen gemacht und ich habe mich geschämt. Also lieber doch ein Mal zuviel helfen und die Gefahr der Unselbstständigkeit oder Bequemlichkeit des Kindes in Kauf nehmen, wie ich es meist mache? Sehr schwierig! Ich glaube, es gibt dafür keine Lösung und auch meine beiden Kinder werden sich sehr unterschiedlich entwickeln, bei gleichen häuslichen Bedingungen. Das ist ja jetzt schon der Fall. Die Kleine zieht sich viel bereitwilliger allein an und entwickelt tendenziell mehr Ehrgeiz darin, Dinge allein und selbstständig zu schaffen, als der Große. Was das Mithelfen unserer Kinder betrifft, können wir bewusst etwas mehr Hilfe von ihnen bei alltäglichen Aufgaben anfragen, aber völlig freilassend, und dabei auch die unterschiedliche Bereitschaft der Kinder berücksichtigen. Was unser Umsorgen angeht, ist das nicht so eindeutig, weil sie sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben und es schwierig ist, ihre "Hilfsbedürftigkeit" einzuschätzen. Brauchen Sie Unterstützung, weil sie etwas noch nicht können, zu bequem sind oder weil sie Zuwendung und Nähe benötigen? Oder sollten wir mehr ihre Selbstständigkeit fördern? Ich lerne noch...

Wie handhabt ihr das, seid ihr auch so, dass ihr Dinge am liebsten allein macht? Bemuttert ihr eure Kinder gern? Helfen sie bereitwillig oder haben sie kein Interesse an alltäglichen Aufgaben? Oder wollt ihr eure Kinder um jeden Preis zur Selbstständigkeit und Unabhängigkeit anhalten? Müssen eure Kinder schon bestimmte Aufgaben übernehmen? Schildert mal eure Erfahrungen mit dem Thema.

Bildquelle: Pixabay

Kommentare:

  1. Interessanter post.
    Also ich habe meine Kinder automatisch von Klein an überall mit eingebunden, aber wenn sie keine Lust hatten auch nicht gezwungen. Noch heute erledigen sie spontan im Haushalt kleine Aufgaben. Einzig feste Aufgaben sind ihre Zimmer aufräumen & die Versorgung der Tiere. Beim kleinen helfe ich natürlich noch, aber das läuft alles ohne Probleme.
    Aber ich Bemutter auch total gerne meine Kinder, in dem ich z.b. noch immer die Schulbrote mache oder früh auch den Kleinen schnell anziehe u.ä.
    Ich denke wir haben für uns die richtige Balance zwischen Helfen & Selbständigkeit gefunden, so das es Harmonisch in der Familie ist & sich jeder wohlfühlt.

    Lg Nicky

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    1. Naja, mein erstes Kind war ja high need und da war Einbinden nicht möglich, ebensowenig wie etwas nebenbei zu machen. Er brauchte die permanente Aufmerksamkeit und da passt man sein Verhalten irgendwann an. Bei der Kleinen haben wir in diesem Muster weitergemacht, obwohl sie anders ist. Wir werden auf jeden Fall jetzt bewusster darauf achten.
      Schön, dass ihr einen guten Weg für euch gefunden habt.
      Liebe Grüße!

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  2. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel!

    Hier ist das differenziert (auch wenn mein Mann ohne mit der Wimper zu zucken behaupten würde, dass ich das Kind zu sehr bemuttere):

    Unsere Kleine ist knapp zwei Jahre alt. Wenn sie etwas selber machen oder helfen will, dann gebe ich ihr die Möglichkeit. Selbst dann, wenn die Zeit eigentlich knapp ist - im Gegensatz zu meinem Mann, der dann lieber selber macht, damit sein Zeitplan nicht durcheinander kommt.
    Manchmal ist es auch andersherum: Ich mag es überhaupt nicht, wenn sie mir beim Kochen helfen will. Weniger, weil mich das langsamer macht, als vielmehr, dass es mich stresst, wenn sie auf einem Stuhl neben mir an der Arbeitsfläche steht und ich das Essen vorbereiten und gleichzeitig aufpassen soll, dass sie weder vom Stuhl kegelt noch ins Messer fasst noch sich sonst irgendwie verletzt (unsere Küche ist recht klein und es ist unmöglich, alles aus dem Weg zu räumen).
    Dafür habe ich kein Problem damit, wenn sie beim Ausräumen des Geschirrspülers helfen will, auch wenn das dazu führt, dass das Tage dauert ;)

    So zieht sich das durch die verschiedenen Bereiche, sowohl beim Helfen als auch beim Selbermachen. Insofern bin ich guter Dinge, dass unsere Tochter sich nicht eingeschränkt fühlt und auch ein Gefühl dafür bekommt, wie viel Arbeit manch kleine Dinge doch sind.

    Interessant finde ich den Gedanken, den Kindern Aufgaben abzunehmen, um ihnen die unbeschwerte Kindheitsblase zu lassen. Vielleicht ist unsere noch zu klein, aber ich finde es so schön, ihre Motivation zum Selbermachen zu sehen, dass ich sie dann machen lasse. Auch wenn ich weiß, dass sie das (noch) nicht kann. Aber möglicherweise ist das auch der Unterschied: Sie will so unbedingt, dass ich eher das Gefühl habe, sie unnötig zu enttäuschen und frustrieren, wenn ich es ihr verbiete.
    Dennoch halte ich sie nicht auf Teufel komm raus dazu an, Dinge selber zu machen. Wenn sie müde oder nicht gut drauf ist, sagt sie oft "gehtnich" und bittet um Hilfe. Dann mache ich das. Ich denke nicht, dass sie das zur Bequemlichkeit erzieht, selbst wenn es sicherlich vorkommt, dass es eher um Bequemlichkeit geht. Vermutlich würde ich mir erst Gedanken machen, wenn ich den Eindruck bekäme, dass sie es gar nie mehr selbst machen will.

    Aufgaben übernehmen muss sie nicht, aber sie darf regelmäßig das machen, was ihr Spaß macht und sie kann, also zum Beispiel beim Tischdecken oder putzen helfen.
    Und was das am liebsten Selbermachen angeht: Ja, im Prinzip mache ich am liebsten selbst. Aber bereits mit meinem Mann habe ich gelernt, die Dinge entspannter zu betrachten. Am Anfang unserer Ehe habe ich mich z.B. grundsätzlich um das Geschirr gekümmert, weil er es "falsch" in die Schränke einsortiert hat. Inzwischen kann ich gut damit leben, dass die Dinge nicht zwangsläufig an dem Platz sind, an dem ich sie erwarte und auch nicht in der Reihenfolge (da bin ich schrecklich, wir haben ein Sammelsurium an Tellern, die für mich auf eine bestimmte Art sortiert sein sollten), die ich erwarte. Nach einer kurzen, aber schwer aushaltbaren Übergangsphase lebe ich damit inzwischen ganz gut. So bin ich denn gewappnet für die Zeit, in der das Kind anfängt, die Dinge in die Schränke zu legen ;)

    Liebe Grüße
    lafrancophile

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    1. Hihi, bei uns bemuttert mein Mann die Kinder fast noch mehr als ich, ich muss ihn regelmäßig daran erinnern, die Kinder auch mal selbst machen zu lassen oder einzubeziehen. Ich finde es übrigens auch schön, die Motivation zum Selbermachen zu sehen, aber die war z.B. bei unserem Großen kaum vorhanden. Irgendwann lässt man es dann bleiben. Ist natürlich auch nicht gut. Die Kleine ist da wirklich anders und wir müssen unseren Kurs etwas korrigieren bzw. anpassen.
      Ich bin auch schon viel entspannter geworden, was das Chaos angeht, aber das heißt nicht, dass es mich nicht stresst. Ich explodiere nicht mehr (so schnell), aber es nervt mich trotzdem. Ich bin leider auch sehr ungeduldig, das stört mich selbst, läasst sich aber kaum abstellen.
      Danke für Deine Erfahrungen und liebe Grüße!

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  3. Also ich hab es früher geliebt, mit den Kindern so alltägliche Dinge zusammen zu machen. Auf dem Boden herumkriechen und mit irgendwelchen Tieren/Figuren spielen, überhaupt spielen (abgesehen von Gesellschaftsspielen) war dagegen nicht mein Ding. Aber zusammen kochen, backen, putzen, das hat immer wunderbar funktioniert. Dabei sind auch immer die schönsten Gespräche entstanden. Dass dabei natürlich auch Unordnung enstand und alles länger dauerte, hat mich nicht gestört, mit kleinen Kindern hatten wir eh immer Unordnung. Und diese Stunden waren einfach normale Gemeinsamkeit. So etwas schnell in Abwesenheit der Kinder zu machen, um mir dann anschließend ein spezielles Kinderprogramm vorzunehmen, wäre mir irgendwie künstlich vorgekommen.
    Was die Selbstständgket angeht, hatte unser Großer schon früh einen Drang alles selber zu machen. Beim Kleinen war das ganz anders. Damit manches schneller geht, habe ich ihm dann bei vielem länger geholfen, auch bei dem, was er eigentlich schon konnte, z.B. saß er lange im Buggy statt selbst zu laufen oder ließ sich immer von mir anziehen. Rückblickend würde ich sagen, dass ich es da uns beiden zu bequem gemacht habe und sich diese Nichtselbständigkeit teilweise auch in anderen Bereichen nicht gut ausgewirkt hat. Bei Müdigkeit und Zuwendungsbedürfnis finde ich Hilfe völlig in Ordnung, aber ich glaube, man muss wirklich aufpassen, dass man mit Dauerhilfe dem Kind nicht die Fähigkeit zur Selbständigkeit nimmt.
    Liebe Grüße von Ilsa

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    1. Danke für Deine Erfahrungen und interessant, dass es bei Deinen Kindern auch sehr unterschiedlich ist. Bei uns war es umgekehrt und deshalb waren wir irgendwie in den Mustern eingefahren, die zum Großen passten.
      Übrigens mache ich ehrlich gesagt auch tausendmal lieber Haushaltsdinge mit den Kindern, als auf dem Boden herumzukriechen. Deshalb war es eigentlich schade, dass besonders der Große sich nie für's Helfen begeistern konnte. Ich werde das jetzt an der Kleinen trainieren;-)
      Liebe Grüße!

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  4. Ich reflektiere dieses Thema auch oft-obwohl meine Kinder schon erwachsen sind. Natürlich sieht manches im Nachhinein viel einfacher aus, und ich denke manchmal, ich hätte die Kinder mehr einbeziehen sollen. Aber ich weiß noch ganz genau, wie es wirklich war:oft war ich auch froh, wenn sie sich alleine beschäftigten und ich den Haushalt ungestört erledigen könnte.Wenn drei kleine Kinder mithelfen wollen einen Teig zu rühren und man rasch noch viele andere Dinge erledigen soll, geht das einfach nicht. Auch das mit der Selbstständigkeit ist eine Sache für sich.Was bei einem Kind vollkommen rasch und problemlos sich entwickelt, klappt bei einem anderen nicht einmal mit viel Hilfe und Unterstützung reibungslos.Und da unser viertes Kind behindert ist, ist heute für mich das Thema immer noch aktuell....Ich denke, es ist gut, wenn man es schafft, sich auf die einzelnen Kinder und Situationen flexibel einzustellen und einfach auszuprobieren,was geht.Und wenn es heute nicht geht, klappt es eben an einem anderen Tag.

    Weiterhin viel Erfolg

    Cornelia

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    1. Hach danke, Du hast mir mit Deinem Kommentar gleichzeitig geholfen und mich auch in dem, was ich selbst fühle, bestätigt. Ich denke auch oft, hätte ich das damals anders machen sollen (und damals ist ja noch nicht so lange her bei uns), aber weiß gleichzeitig, dass es eben nicht ging, mit meinem aufmerksamkeitsbedürftigen Großen nicht und mit zwei kleinen Kindern mit 26 Monaten Abstand auch nicht. Ich war und bin auch froh, wenn sie sich mal kurz beschäftigen und ich schnell was machen kann. Und wieviel mir angebrannt ist, weil ich mich eben nicht auf mehrere Dinge und Kinder gleichzeitig konzentrieren kann. Und was ich ja selbst schon an meinen Kindern sehe, ist die Tatsache, wie wenig beeinflussbar die Selbstständigkeit eigentlich ist: das eine Kind braucht oder fordert viel Hilfe ein, das andere will alles selbst machen. Obwohl man beiden gleich begegnet. Ich gebe Dir alles total recht und danke Dir für Deine aufbauenden und unterstützenden Worte!
      Liebe Grüße!

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    2. Das freut mich, dass ich ein bisschen was beitragen konnte. Ich lese fast täglich in deinem Blog und ein paar anderen, weil es mir im Alltag hilft, Abstand zu der Behinderung meiner Tochter zu bekommen. In mancher Hinsicht ist sie wie ein kleines Kind.Da tut es dann einfach gut, vom "ganz normalen" Alltag mit kleinen Kindern zu lesen,der ja eben so normal oft gar nicht ist.Das mit dem Abgebrannten kenne ich übrigens von meiner Mutter, deshalb habe ich den Herd immer ganz besonders überwacht(fast wie die Kinder).Bei mir ist dafür seeeehr viel Arbeit oft liegen geblieben , ich denke manchmal, das kann ich nie mehr aufarbeiten.Und ich bewundere bei euch jungen Frauen, wie ihr das dazu noch mit der Berufstätigkeit hinkriegt. Daran war bei mir nicht mehr zu denken.

      Liebe Grüße

      Cornelia

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