Dienstag, 4. Oktober 2016

Viele kleine Schritte beim (Ein-)Schlafen

Ich rieche förmlich die Freiheit, besonders was die Nächte angeht. Bis vor kurzem war die Kleine ja noch sehr abhängig von mir, was das Zubettbringen und meine nächtliche Anwesenheit betrifft. Das heißt, es war unabdingbar, dass ich abends und nachts zuhause war, da sie sich nicht mal von ihrem Papa abends beim Einschlafen und nachts begleiten ließ. Das heißt auch, dass ich seit ihrer Geburt weder abends noch über Nacht mal weg war. Nie! Ich weiß nicht, ob ihr euch das vorstellen könnt, wie es sich anfühlt, über so einen langen Zeitraum zwingend anwesend sein zu müssen. Dass mir das nach über 3 Jahren abendlicher und über 5 Jahren nächtlicher Anwesenheit (den Großen eingerechnet) zusetzte, wird verständlich sein. Ich habe verzichtet, für sie. Was die Abende angeht, so haben wir ab und zu versucht, es zu ändern, sind aber an ihrem eisernen Willen, das nicht zu akzeptieren, gescheitert. Das eine Mal, wo wir es gegen ihren Willen erzwungen haben, dass sie mit Papa einschläft, war ganz schrecklich für alle Beteiligten und wurde danach nie wiederholt. Das ging einfach nicht und ich habe mich gegen viele "guten" Ratschläge immer daran festgehalten, dass sie diesen Weg von allein und freiwillig gehen wird, wenn sie selbst dazu bereit ist.

Der Mittagsschlaf war seit ca. einem halben Jahr mit Papa möglich, wie hier beschrieben. Bis dahin musste mein Mann sie immer im Auto schlafen lassen, wenn er sie mittags betreute. Zuerst klappte es, als sie krank mit Papa zuhause und ich nicht da war, seit April 2016 (mit knapp 3 Jahren) dann auch in meiner Anwesenheit. Zwar zog sie mich meistens noch vor, aber zumindest akzeptierte sie eine andere Person.

In unserem Frühlingsurlaub im Mai ließ sie sich dann überraschenderweise zwei Mal abends freiwillig von Papa ins Bett bringen, auch in meiner Gegenwart. Sie hatte das selbst eingefordert und da sie tatsächlich einschlief, ohne nach mir als Auffangnetz zu verlangen, hofften wir, das zuhause fortsetzen zu können. Pustekuchen. Sie sträubte sich wieder genauso wie vorher. Wir versuchten es ein paar Mal, dass ich vor die Tür ging, damit ich nicht greifbar war, oder erst gegen 20 Uhr wiederkam. Es half nichts, sie wartete auf mich.

Was aber endlich funktionierte, war das Trösten und wieder Einschlafbegleiten durch den Papa, wenn sie abends aufwachte. Meist hatte sie sich nämlich in Rage geschrien, wenn er abends ganz selten mal zu ihr kam und sich danach kaum von mir beruhigen lassen. Deshalb ließen wir das meist bleiben, was mir viele unterbrochene und langwierige Abende bescherte, von den nicht durchgeschlafenen Nächten ganz zu schweigen. Sehr anstrengend! Erst in letzter Zeit klappte es mit dem Trösten durch den Papa, das war eine große Erleichterung und die Grundvoraussetzung dafür, nachts mit ihm allein, ohne mich zu sein.

Da im Spätsommer so schönes Wetter war und ich Lust hatte, zum ersten Mal im Garten zu übernachten, wollte ich damit gleichzeitig ausprobieren, ob ich mit dem Großen allein übernachten kann und die Kleine sich abends von mir trennt und mit Papa zuhause einschläft. Ende August fand diese Gartenübernachtung mit dem Großen statt und ich wusste wirklich nicht, ob es klappt. Ich hatte alles Nötige eingepackt, falls die Kleine sich nicht von mir trennen mag und hätte dann auch mit beiden Kindern übernachtet. Auch sollte sie der Papa jederzeit zu mir bringen, falls sie untröstlich weint. Aber - trotz Traurigkeit beim Abschied klappte es tatsächlich und sie ließ sich auf Papa ein. Wir verbrachten die erste Nacht getrennt voneinander! Sie war 3 Jahre und 4 Monate alt. Zu diesem Zeitpunkt begann der Große bereits, allein bei Oma und Opa Urlaub zu machen.

Vor 2 Wochen bin ich zum ersten Mal abends ausgegangen. Zum Elternabend der Kleinen. Mein Mann sollte erstmals beide Kinder ins Bett bringen und ich war sehr gespannt. Wenn sie es nicht zulassen würde, käme ich ja dann sowieso bald nach Hause und hätte sie ins Bett bringen können. Leider kam alles anders als geplant. Der Große übergab sich mehrfach, während ich beim Elternabend war, und ich eilte nach Hause. Als ich zurückkehrte, schlief er zwar bereits, aber die Kleine wollte nur mit mir ins Bett gehen. Nun denn, Versuch gescheitert. Die nächste Chance gab es eine Woche später, beim zweiten Elternabend. Diesmal klappte alles und der Papa konnte erstmals beide Kinder allein ins Bett bringen. Ein Meilenstein und die Voraussetzung dafür, dass ich über Nacht wegfahren kann.

Nun fehlte nur noch das allerletzte Level: die Kleine sollte sich von ihm ins Bett bringen lassen, während ich zuhause bin. Und dies auch entweder bereitwillig zulassen oder selbst einfordern. Am Wochenende war es endlich soweit. Der Papa hatte mit ihr Mittagsschlaf gemacht und abends sagte sie tatsächlich, dass er sie ins Bett bringen soll. Mir fiel die Kinnlade runter, aber natürlich blieb ich ganz cool und gelassen, als wäre das eine Selbstverständlichkeit. Und was soll ich sagen: es klappte. Während ich den Großen ins Bett brachte, wartete ich darauf, dass der Mann jeden Moment zu uns reinkommt und mich zur Kleinen schickt. Er kam nicht bzw. erst, als sie schlief. Unglaublich! Insofern waren alle 3 Aspekte meines oben zitierten Tweets erfüllt. Zuhause hatte es ja schon bei meiner Gartenübernachtung geklappt, selbst eingefordert UND in meiner Anwesenheit hatte es im Frühlingsurlaub funktioniert, aber alle drei Aspekte zusammen war tatsächlich Premiere. Ein riesiger Schritt für sie und eine große mentale Entlastung für mich. Zwar wollte sie am nächsten Abend wieder mit mir ins Bett gehen, aber das war okay, nach so einer Leistung. Ich bin wirklich glücklich und stolz, dass sie es nun erstmals geschafft hat, ohne Druck, ohne Zwang, ohne Tränen, aus freier und bewusster Entscheidung.

Hier habe ich im April 2016 über "erste Male", die Kleine betreffend, geschrieben. Bei ihr sieht man sehr schön die Entwicklungsschritte, die Kinder von allein machen, wenn man ihnen Zeit gibt. Die fast 3 1/2 Jahre Warten, was das abendliche Einschlafen mit Papa angeht, waren eine sehr lange Zeit und ich war oft ungeduldig und genervt. Aber letztendlich war es der richtige Weg und ich bin froh, dass ich ihr die Zeit gegeben habe (und auch geben konnte). Nun bin ich gespannt, wie es weitergeht, mache mir aber eigentlich, selbst wenn sie weiterhin am liebsten mit mir einschlafen möchte, keine großen Sorgen mehr, was das Abendprogramm angeht, wenn ich mal verreisen möchte.

Kommentare:

  1. Uih, ein sehr spannender und toller Schritt. Ich freue mich für dich und drück die Daumen, dass es weiterhin klappt! Wir sind noch nicht soweit, was das Schlafenbringen angeht während ich auch zuhause bin. Solange ich da bin, muss ich es auch machen. Immerhin lässt die Kleine sich von meinem Mann trösten, wenn sie aus dem Schlaf aufacht und schläft dann auch wieder ein. Und wir haben immer mal wieder Phasen, wo es es klappt, dass er sie ins Bett bringt, wenn ich nicht da bin. Momentan zwar leider nicht (da hier gefühlsmäßig durch die Kita-Eingewöhnung einiges abgeht) aber ich hoffe das legt sich bald wieder.
    Ganz liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich drücke euch die Daumen! Irgendwann wird es klappen, man braucht halt viel Geduld. Das abendliche/nächtliche Trösten hatte bei uns bis kurzem gar nicht funktioniert, das war echt blöd. Meine Kleine ist ja schon fast 3 1/2 und das ist eine lange Zeit...
      Liebe Grüße!

      Löschen
  2. Oh, das ist ja großartig! Freue mich für Dich und auch für den Papa und die Kleine. Wir stecken gerade auch wieder in einer Phase, in der sich das Böckchen besser von mir beruhigen lässt und das ist wirklich oft anstrengend.

    Ich drück die Daumen, dass es weiter so gut läuft.

    LG Lotti

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Dir! Bei uns war es leider keine Phase, sondern es ging überhaupt gar nicht, bis vor kurzem. Echt anstrengend!
      Ich wünsche euch, dass es bald wieder funktioniert.
      Liebe Grüße!

      Löschen
  3. Ahhh, wie schön so eine neu gewonnene Freiheit doch ist! :)
    Bei unseren 3 Jungs, hatte jeder andere Vorlieben fürs "Ins-Bett-gebracht-werden"...aber ich bin sehr froh, dass unser Kleinster nur zeitweise an mir hing - den Papa, nimmt er sehr gerne als Gute-Nacht-Begleiter!
    Liebe Grüße und viel Spaß beim ein oder anderen "kinderfreien" Ausgehabend,
    Verena

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh ja, das ist total schön! Und selbst wenn ich nur selten abends weg bin - schon das Wissen darum, dass es ohne Weinen klappt, macht mich total glücklich und erleichtert mich unheimlich.
      Mein Großer konnte aber ca. 13 Monate vom Papa ins Bett gebracht werden, als das Einschlafstillen nicht mehr klappte. Selbst diese Zeit kam mir total lang vor, bis ich wieder abends weg konnte. Erst recht jetzt die fast 3 1/2 Jahre...
      Liebe Grüße!

      Löschen