Montag, 29. August 2016

Gartenübernachtung mit dem Großen oder auch: Die erste Nacht ohne meine Kleine

Noch nie waren die Kleine und ich eine Nacht getrennt voneinander gewesen. Wir schlafen zusammen, sie braucht mich zum Einschlafen, sie braucht mich nachts. Sie ist sehr kuschelbedürftig und mag nicht allein schlafen. Vom Papa wollte sie nie ins Bett gebracht werden und hat das auch nur ein paar Mal überhaupt zugelassen. Ich musste immer da sein. Natürlich hatten wir schon häufige Versuche gestartet, aber gegen ihren vehementen Protest ließ sich nichts ausrichten. Ich habe eigentlich ein großes Interesse daran, dass es mit ihr und Papa klappt, will ich doch auch irgendwann mal wieder eine Nacht oder mehrere ohne die Kinder verbringen. Ich glaube, nach 5 1/2 Jahren kann ich mir das mal leisten ;-). Allerdings wollte ich es nicht erzwingen und vor allem nicht ohne Notfallnetz versuchen. Mir war es sehr wichtig, dass ich in der Nähe bin, falls es nicht funktioniert und sie nach mir weint.

Ursprünglich unabhängig davon wollte ich schon länger mal in unserem Garten übernachten. Wir fahren ja immer abends nach Hause und haben noch nie einen Abend und einen Morgen dort erlebt. Als wir den Garten 2010 (kinderlos) übernahmen, hatten wir noch nicht die nötige Einrichtung zum Übernachten. Und die letzten Jahre mit zwei sehr ritualbedürftigen Kindern, die auch nicht zusammen schlafen können, hätte das nicht funktioniert. Nun wollte ich es endlich mal ausprobieren und mit dem Großen ein kleines Abenteuer erleben. Ich liebe es, in der Natur, im Garten zu sein und kann da unheimlich auftanken. Fehlte in diesem Sommer nur noch das richtige Wetter...

Am letzten Wochenende war es nun endlich soweit. Es war Superwetter angesagt, tagsüber warm, nachts kühl, das ist wichtig, denn im Gartenhaus wird es schnell sehr stickig. Eine tropische, feuchte Nacht möchte ich dort nicht verbringen. Ich packte am Samstagmorgen alles Nötige ein, ging jeden Schritt in Gedanken durch und da ich nicht wusste, ob die Kleine mit dem Papa nach Hause fahren würde, packte ich natürlich sicherheitshalber auch ihre Utensilien (Zahnbürste, Schlafanzug, Bettzeug und Klamotten) ein. Im Laufe des Tages im Garten hatte ich den Kindern immer wieder den Plan erzählt und die Kleine hatte jedesmal protestiert. Ich stellte mich also darauf ein, mit beiden Kindern zu übernachten.

Eigentlich wollten wir vorher noch zum See fahren. Da der Große aber am Samstag kurz vor der Abfahrt die Treppe hinunterfallen musste und sich die Schienbeine schmerzhaft und blutig aufschürfte, konnten wir das knicken. Also verbrachten wir den ganzen Tag im Garten, badeten im Pool (der Große nicht), schlemmten und genossen das tolle Wetter. Nach dem Abendbrot sollte der Papa mit der Kleinen nach Hause fahren. Weil ich dem Großen in Aussicht gestellt hatte, in der Dämmerung noch mit Laternen durch den Garten zu ziehen, lockte der Papa die Kleine mit dem gleichen Versprechen nach Hause (und löste es zuhause auch ein). Und sie durfte im Auto vorn sitzen! Es gelang uns, uns voneinander zu verabschieden, die Kleine saß etwas stolz und etwas traurig im Auto und winkte mir zu. Als das Auto um die Ecke bog, sah ich noch, dass sie weinte, und rechnete jeden Augenblick damit, dass mein Mann umkehrt. Ich hatte ihm gesagt, dass er die Kleine jederzeit (auch nachts) zu uns bringen sollte, wenn sie untröstlich weint. Dann sah und hörte ich nichts mehr von ihnen.

Der Große und ich spielten noch ein paar Runden Wickie. Schatz ahoi! und als es dämmerte, wollte ich unbedingt nochmal hinaus auf unsere Felder gehen. Es war so herrlich, wir tollten auf den Heuballen herum, lachten, beobachteten den Himmel und sogen die Natur in uns auf. Ich fühlte mich richtig frei und ausgelassen, das habe ich nur noch sehr sehr selten, seit ich die Kinder habe.


Obwohl ich ein sehr rhythmus- und strukturbedürftiger Mensch bin, brauche ich es doch auch, mal auszubrechen aus dem Alltag. Der Große war ganz gelöst, er liebt es ja immer, wenn er einen von uns Eltern für sich allein hat. Als es dunkel wurde, gingen wir zurück, machten im Garten die Laternen an und wässerten noch den Rasen. Der Große entdeckte die ersten Sterne und erinnerte sich an unseren Besuch im Planetarium am letzten Wochenende. Wir waren noch lange draußen, es war ein tolles Erlebnis, so mitten in der Natur zu sein. Ich brachte den Großen ins Bett, er schlief gegen 22 Uhr und ich legte mich kurz danach auch schlafen, da ich nicht wusste, wie die Nacht werden würde. Ich rechnete mit allerlei Geräuschen und entweder einem kurzschlafenden Großen oder einem sehr frühen Vogelkonzert.


Mein Mann hatte noch Bilder von der Kleinen mit Laterne geschickt und geschrieben, dass sie gut eingeschlafen ist, zwar nicht geweint hat, aber mehrmals sagte, dass sie traurig ist. So süß! Und dann waren wir die erste Nacht getrennt! Unfassbar! Meist meldet sie sich zwischen 23 und 24 Uhr nochmal (ich gehe dann zu ihr ins Bett). Das war auch an dem Abend der Fall und da mein Mann unsicher war, wie die Nacht weitergeht, hat er sich dann eben auch zu ihr gelegt. Geschlafen hat er allerdings nicht viel, sie ist noch öfter nachts kurz wach und bewegt sich viel. Der Große und ich dagegen haben sehr gut geschlafen, waren gegen 6:20 Uhr kurz wach und haben dann bis 8 Uhr weitergeschlafen. Sonst steht der Große zwischen 5:30 und 6:30 Uhr auf. Aber er ist ja auch später ins Bett als sonst.

Es empfing uns ein wunderbarer, sonniger, warmer, ruhiger Sonntagmorgen im Garten. Ich lief beseelt erstmal eine Runde und genoss den Duft, die Feuchtigkeit der Nacht und die klare Luft. Es war wirklich herrlich!


 


Wir machten ganz gemächlich Frühstück, füllten unseren Pool neu und warteten auf den Rest der Familie, der gegen 10 Uhr eintrudelte. Die Kleine freute sich wahnsinnig, uns wiederzusehen; ihre Sehnsucht, ihr Vermissen ist so niedlich und berührend. Das ist so ein krasser Unterschied zum Großen, der in den beiden Tagen, die er mit meinem Mann verreist war, wohl nicht ein einziges Mal nach uns gefragt hatte und auch nie Wiedersehensfreude zeigt. Ich hatte die Kleine tatsächlich auch vermisst, war aber total begeistert, dass sie diese Herausforderung, ohne mich zu schlafen, so toll geschafft hatte. Da der Große etwas schlechte Laune hatte (wahrscheinlich setzte ihm der ungewohnte Ablauf doch zu), spielte der Papa erstmal mit ihm eine Runde Tischfußball. Danach ging es und wir verbrachten einen ebenso ruhigen (weil unser Besuch absagte) Tag im Garten wie am Samstag, bis am späten Nachmittag ein Gewitter aufzog und wir nach Hause fuhren.

Und wer musste die Kleine am Abend ins Bett bringen? Ich natürlich. Wahrscheinlich werde ich noch lange Zeit ihre erste Wahl bleiben, wenn es darum geht. Das ist auch okay. Mir ist nur wichtig, dass es mit Papa zumindest funktioniert, und zwar ohne Tränen. Denn für nächstes Jahr habe ich mir tatsächlich fest vorgenommen, zum ersten Mal ohne die Kinder zu verreisen. Das wären dann 6 Jahre und dies war der erste Schritt dafür. Natürlich habe ich der Kleinen versprochen, dass ich auch mit ihr mal im Garten übernachte. Sofern das Wetter nochmal mitspielt. (Das habe ich dann 2 Wochen später tatsächlich noch gemacht.) Ich kann es mir jedenfalls häufiger vorstellen und freue mich drauf. Es hat sich wie ein kleiner Urlaub angefühlt und ich tanke unheimlich auf, wenn ich in der Natur bin. Und gleichzeitig konnte die Kleine eine Herausforderung bestehen und sich weiterentwickeln. Ein voller Erfolg also!

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