Donnerstag, 5. Mai 2016

Das lange Warten auf die Geburt der Kleinen

In dieser Nacht vor 3 Jahren machte sich meine Kleine auf den Weg. Ich wartete seit 9 Tagen inständig täglich auf sie und konnte es kaum erwarten, die doch im Vergleich zur ersten diesmal anstrengendere Schwangerschaft hinter mich zu bringen. Vor allem die ständigen Übungs-/ Vor- oder Senkwehen setzten mir ziemlich zu. Errechnet war sie für den 27. April 2013. Dass sie noch weiter über Termin gehen könnte als der Große seinerzeit, hielt ich nicht für möglich. Über weite Teile der Schwangerschaft mit ihr hatte ich ein furchtbar offenes Gefühl, als ob sie jeden Moment herausrutschen könnte. Der Druck nach unten war sehr stark und wurde durch das Tragen meines Großen, der im März 2013 gerade mal 2 Jahre alt geworden war, nicht besser. Auch die frühen Vorwehen waren tageweise sehr unangenehm. Durch die Sorgen, was mit dem Großen zum Zeitpunkt ihrer Geburt geschehen würde, bekam die Aufregung nochmal eine zusätzliche Note. Dazwischen hatte ich bis zum Schluss immer wieder Tage, wo ich mich super fühlte und Bärenkräfte hatte. Der Frühling ließ allerdings in dem Jahr auch sehr lange auf sich warten.

Mein letzter Arbeitstag war der 1. März und der Mutterschutz begann am 16. März 2013. Der Kontrast zum Mutterschutz fühlte sich aber diesmal lange nicht so krass an wie beim ersten Mal, weil ich nur einen Tag pro Woche arbeitete. Das hatten wir bewusst entschieden, als ich nach endlich erfolgreicher Eingewöhnung des Großen in seiner zweiten Kita im Oktober 2012 schon wieder schwanger war und es mir nicht sehr gut ging. Eigentlich sollte ich im November 2012 wieder auf meine Teilzeitstelle zurückkehren, was eine Arbeitsphase von nur 4 Monaten bis zum erneuten Mutterschutz bedeutet hätte. Dies zusammen mit meinem angeschlagenen Zustand und der Unsicherheit, was den vor uns liegenden ersten Kitawinter des Großen betrifft, ließ uns die Entscheidung für die Fortführung des bisherigen Modells nicht schwer fallen. Das war eine gute Entscheidung und ich bin bis heute dankbar dafür, dass ich mich an 4 Tagen in der Woche mir selbst und dem Baby sowie nachmittags in Ruhe dem Großen widmen konnte.

Da mein Mann 13 Monate Elternzeit beantragt hatte, wollte er seinen kompletten Resturlaub vorher verbrauchen und war deshalb schon ab dem 24. April zuhause. Da fiel mir ein Stein vom Herzen, hatte ich doch immer die Angstvorstellung, dass irgendwas passiert, wenn ich am Nachmittag mit dem Großen allein (meist draußen unterwegs) bin. Nun konnte er ihn entweder allein oder mit mir zusammen abholen, das war unheimlich beruhigend. Am ET, dem 27. April, hatten der Große und ich eine supermiese Laune und fühlten uns körperlich nicht gut. Das Wetter war ekelhaft und der Tag zäh. Wir beschlossen, zum Funkturm zu fahren, um die Zeit totzuschlagen. Das war ein merkwürdiges Gefühl, am ET in einem Fahrstuhl auf einen Turm hochzurasen. Oben waren wir allerdings nur kurz, weil der Große so unruhig war. Er hatte eine schlechte Phase kurz vor der Geburt der Kleinen, war wütend, unleidlich, launisch. Außerdem litt er unter einem wochenlangen Schnupfen (wir vermuteten Heuschnupfen) und seine gesamte Nasenpartie war durch die ständige Ärmelabwischerei rot und wund. Beim Abholen aus der Kita hatte er weiterhin unglaubliche Wutanfälle und man brauchte lange, um ihn wieder einzufangen. Auch der Papa merkte das dann.

Ab ET ging ich alle 2 Tage zum CTG, das nichts Auffälliges anzeigte. Am 30. April hatte ich tatsächlich noch einen Friseurtermin. Ich freute mich, als der Mai anbrach und sie nun ein Maikäferchen wurde. Am 1. Mai war ein Fest in unserem Park, ich watschelte hochschwanger durch die Massen und informierte jeden, den wir trafen, darüber, dass ich schon 4 Tage über Termin ging. Wir waren ab und zu in unserem Garten, wo ich mehrfach schon regelmäßige Wehen hatte, so dass ich dachte, wir würden von dort aus zum Krankenhaus fahren. Aber sie hörten jedesmal wieder auf. Irgendwann in diesen Tagen holten wir uns auch wieder indisches Essen, das damals eventuell den Großen hervorgelockt hat. Erfolglos. Als der 3. Mai ruhig blieb, war ich erleichtert, weil dies der Geburtstag meiner Mutter ist und ich nicht gern wollte, dass die Geburtstage zusammenfallen. Am Sonntag, 5. Mai waren wir zum CTG im Krankenhaus und es wurde der Dienstag, 7. Mai als Einleitungstermin festgelegt, da das Fruchtwasser schon zurückging und Verkalkungen auftraten. Der Kleinen ging es gut. Den Nachmittag des 5. Mai verbrachten wir im Garten, die Nachbarn fragten, wann es denn soweit wäre. Ich erwiderte: "Eigentlich vor einer Woche!" Ich fühlte mich gut an diesem Sonntag und rechnete nun wirklich mit einer Einleitung. Ich hatte diesmal keinen Putzanfall wie vor der Geburt des Großen.

Quelle: Pixabay

Am Abend rieb ich mir den Bauch mit einem Wehenöl ein, das mir die Hebamme beim Krankenhaus-CTG gegeben hatte. Ich wollte nichts unversucht lassen, glaubte aber nicht an eine Wirkung. Ich war gerade anderthalb Stunden im Bett, als die Wehen um 0:30 Uhr begannen. Um 5:00 Uhr fuhr mein Mann mich in die nahegelegene Klinik. Der Große, der immer gegen 6 Uhr aufwachte, blieb schlafend allein zuhause. Der Mann war schnell wieder zuhause zurück, wollte ihn in die Kita bringen und nachkommen. Das sah die Kleine aber anders: um 6:35 Uhr am 6. Mai 2013, 9 Tage über Termin bei 41+2 brachte ich sie allein (mit Krankenhauspersonal natürlich) zur Welt. Es war eine wunderschöne Geburt und dann war ich zweifache Mama. Und morgen früh um diese Zeit wird sie sicherlich schon vor ihrem Geschenketisch stehen.

Dass sie sich noch mehr Zeit lassen würde als der Große seinerzeit, hätte ich niemals für möglich gehalten. Allerdings fühlte ich mich ab Urlaubsbeginn des Mannes ruhig und abgesichert, vor allem was unseren 2-Jährigen betraf. Ich weiß nicht, ob ich überlegt genug gehandelt hätte, wenn es zu einem Zeitpunkt losgegangen wäre, als ich allein mit dem Großen war. Insofern war es gut so. Ich hatte große Angst vor der Geburt, fühlte mich aber recht gewappnet für die unsichere Zeit danach, über die ich mir beim Großen vorher kaum Sorgen gemacht hatte, was ein Fehler gewesen war. Da ich mir sehr wünschte, dass diese deutlich mühsamere Schwangerschaft (wenn auch mit einem ruhigeren Bauchbaby) ein Ende fand, machte mir jeder ereignislose Tag umso mehr zu schaffen. Am 6. Mai konnte ich dann endlich die frohe Botschaft verkünden. Die Kleine war da! Und der Frühling endlich auch! Fast genauso wie in diesem Jahr :-)

Kommentare:

  1. Sehr spannend zu lesen!!! Als Einkind-Mama macht man sich ja gar keine Gedanken darüber wie es beim zweiten Mal sein könnte, wenn da noch ein Würmchen herumspringt. Das womöglich noch dabei ist wenn es losgeht. Freut mich zu lesen, dass deine zweite Geburt schön war :)
    Ganz liebe Grüße, Nätty

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    1. Ich glaube, das ist die größte Sorge bei der zweiten Geburt, das große Kind wohlbehütet zu wissen. Zumindest wenn man keine Familie in der Nähe hat. Und die Schwangerschaft ist wirklich wesentlich anstrengender mit einem Kleinkind, erst recht, wenn es noch sooo klein ist wie unser Großer war.
      Liebe Grüße!

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