Donnerstag, 4. Februar 2016

Sind alle Kinder tiervernarrt?

Irgendwie dachte ich früher immer, alle Kinder interessieren sich für Tiere. Haustiere, Wildtiere, im Zoo, im Wald, auf dem Bauernhof. Ein Ausflug in den Tierpark würde bei Kindern höchste Begeisterungsstürme und größte Dankbarkeit auslösen. Tierbücher werden exzessiv angeschaut, Tierstimmen nachgeahmt, auf der Weltkarte nachgesehen, wo die Tiere leben etc. Es wird mit Tierfiguren gespielt, Kuscheltiere werden gesammelt, Tierverkleidungen werden geliebt. Nur wenig davon ist bei uns der Fall.

Der Große hat sich eigentlich nie für Tiere interessiert. Schon als Baby schaute ich mit ihm niedliche Tierbücher wie Mein erstes großes Fühlbuch an, machte Tiergeräusche nach und wartete darauf, dass er nachahmen würde. Das erfolgte nie. Er bekam eine Arche Noah ähnlich der von PLAYMOBIL 123 und spielte kaum damit (erst die Kleine nutzte sie später). An seinem 1. Geburtstag besuchten wir mit ihm den Zoo und meinten, ihm ein unvergessliches Erlebnis zu bescheren. Er hat sich nicht nur NULL für die Tiere interessiert, er hat sogar die ganze Zeit gemeckert und gequengelt. Es war ein wenig enttäuschend. Auch die wenigen darauffolgenden Male wurden nicht besser. Ich dachte, er müsste sich vielleicht erst dran gewöhnen und vertrauter mit den Wildtieren werden, aber dem war nicht so. Nach der Geburt der Kleinen hatten wir eine vergünstigte Babycard für den Zoo gekauft (die es jetzt wohl nicht mehr gibt). Wir nutzten sie aber nicht sehr oft, da der Große sich weiterhin mehr oder weniger nur für den Spielplatz im Zoo interessierte. Und die Kleine war ja sowieso noch ein Baby.

Der Große an seinem 1. Geburtstag im Zoo. Sein Gesichtsausdruck sagt alles.

Es war nicht so, dass wir ihn nicht an Tiere herangeführt hätten. Oft besuchten wir in unserem Park die Ziegen und die Vogelvoliere, aber auch das konnte ihn nicht hervorlocken. In unserer Nähe gibt es einen Kinderbauernhof mit Schafen, Ziegen, Eseln, Hasen, Gänsen und vielen Spielgeräten. Nach ca. 3 Versuchen ließ ich es bleiben und ging kaum noch mit ihm hin. Es war einfach zu frustrierend, er wusste nicht, was er dort machen sollte, er ging weder von selbst noch mit mir von Gehege zu Gehege, wollte immer auf den Arm. Er hat sich nicht gemerkt, wo welche Tiere untergebracht waren, fragte nie danach und bat nie darum, wieder zum Kinderbauernhof gehen zu können. Wir hatten ihm viele Tierfiguren gekauft, weil wir davon ausgingen, dass alle Kinder gern damit spielen. Nicht ein Mal hat er sie selbstständig angerührt, und auch, wenn wir ihm was vorgespielt haben, kam kein Interesse auf. Wir fanden das sehr ungewöhnlich. Fragt man ihn nach seinem Lieblingstier (wir müssen jetzt oft Freundebücher ausfüllen), kommt lange gar nichts und dann zögerlich sein Kuscheltiger und der T-Rex (von Kitafreund aufgeschnappt). Also nichts, was man sich unter einem Lieblingstier vorstellt. In unserem Garten hat er nie Ameisen gejagt oder Regenwürmer gesammelt. Schneckenhäuser sammelt er ganz gern :). Im Kurzurlaub mit dem Papa hatte dieser ihm sogar eine exklusive Kinderführung durch den örtlichen Zoo organisiert, inklusive hautnaher Fütterungen. Auch dies stieß nicht auf große Begeisterung.

Die Kleine war anders, sie schaute gern Tierbücher an, ahmte auch Tierstimmen nach und hörte fasziniert zu, wenn wir Tiergeräusche machten. Sie interessierte sich schon früh für die Tiere im Kinderbauernhof und mit ihr machte es Spaß, diesen zu besuchen, da sie eigenständig von Stall zu Stall lief. Sie kennt die Namen der Tiere und weiß, wo sie sich aufhalten. Sie liebt Pferde, allerdings hat sie Angst, wenn sie zu nahe kommen. Anfangs ist sie gern auf Ponys geritten, im letzten halben Jahr wollte sie dies aber auch kaum noch. Der Große sowieso nicht. Ihr Lieblingsbuch war lange Zeit Die Eule mit der Beule. Wenn wir im Garten sind, drängt sie immer darauf, die Heckrinder zu besuchen, die in einem Freigehege in dem Naturschutzgebiet hinter unserem Garten leben. Vor Ort überwiegt dann wieder die Angst. Ähnlich wie der Große hat sie auch nie oder selten mit unseren Tierfiguren gespielt. Insgesamt war/ist sie aber Tieren gegenüber deutlich aufgeschlossener und interessierter als der Große.

Am letzten Sonntag gab es die Aktion "Berlin sagt danke", in deren Rahmen man viele Attraktionen Berlins kostenlos besuchen konnte. Im Zoo Berlin wurden kostenlose Early Bird-Tickets an die ersten 1500 Besucher vergeben und ich versuchte, die Kinder für ein schnelles Anziehen nach dem Frühstück zu motivieren. Die Kleine war Feuer und Flamme, der Große stöhnte und meinte: "Och nö, ich will nicht in den Zoo, da muss man immer bei den Tieren stehenbleiben und weitergehen und wieder stehenbleiben." Stimmt ja irgendwie, aber wir wollten es halt wiedermal probieren und die kostenlose Gelegenheit nutzen. Wir waren um 9:30 Uhr da und ergatterten Early-Bird-Tickets. Ich freute mich sehr, ist doch der normale Eintrittspreis heftig, vor allem, wenn man nicht so tierbegeisterte Kinder hat und eh' nur bis zum Mittagsschlaf bleiben möchte. Beim Großen war alles wie immer, er interessierte sich kaum und fragte die ganze Zeit nach dem Spielplatz. Am ehesten faszinierten ihn die ungewöhnlichen Tiere wie der Ameisenbär, und die Fütterungen. Die Kleine, die sich so auf den Zoo gefreut hatte, skandierte die ganze Zeit "Weiter, weitergehn!", wenn wir irgendwo stehenblieben. Auch ihr schienen die Wildtiere eher fremd zu sein. Auf dem Spielplatz blühten beide Kinder dann auf und stellten ihr Gemecker ein. Naja, aber für den ohne Frage tollen Spielplatz werden wir mit Sicherheit zukünftig nicht die teuren Eintrittspreise bezahlen.

Insgesamt hält sich die Tierliebe und -Begeisterung meiner Kinder also in Grenzen. Sie füttern gern Enten und sammeln gern Feuerkäfer. Sie beobachten gern Katzen, die sich unter Autos verstecken. Sie fanden es spannend, mal die Hasen der Nachbarn in den Ferien zu hüten. Dann hört es schon fast auf. Ein Urlaub auf dem Bauernhof wäre also wohl im Moment nicht das Richtige für uns. Oder vielleicht doch? Vielleicht entwickeln sie dann ein Gefühl und Interesse für Tiere? Ich kann mich leider nicht zurück erinnern, wie ich selbst in dieser Hinsicht als Kleinkind war. Sehe aber viele andere, tierbegeisterte Kinder, die auch schon viel mehr über Tiere wissen als meine Kinder. Wir haben Tierbücher, Tierpuzzles, Tierfiguren, eine tolle Weltkarte mit Tieren, Tierbuchstaben etc. Aber irgendwie springt der Funke nicht über. Ist ja nicht dramatisch, wir finden es eben nur ungewöhnlich. Weil es nicht unserer Erwartungshaltung grundsätzlich tierlieber Kinder entspricht. Wahrscheinlich werden wir dereinst noch froh darüber sein: wenn es nämlich um den Wunsch nach Haustieren geht. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Kinder diesen äußern werden. Mein Bruder und ich waren auch nicht sehr haustierbegeistert. Wir besaßen erst Fische und dann einen wegen eines Umzugs geschenkten Wellensittich. Den meisten Spaß damit hatte mein Vater. Und spätestens, seit mir ein Hamster in einem Haus, das ich im Urlaub hüten sollte, durch die morschen Bodendielen entwischt ist und erst am nächsten Tag wieder auftauchte, bin ich gegenüber Tieren im Haushalt voller Vorbehalte. Insofern wäre es mir nur recht, wenn meine Kinder keine Haustiere einfordern würden.

Wie ist das bei euch, lieben eure Kinder Tiere oder sind sie auch eher desinteressiert oder skeptisch? Wie hat sich der Bezug eurer Kinder zu Tieren entwickelt/ verändert? Haben sie Angst? Habt ihr schon einmal Urlaub auf dem Bauernhof gemacht? Wie war das? Möchten eure Kinder Haustiere haben?

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Kommentare:

  1. Wenn ich das lese, kann es sein das du den Bürgerpark meinst?
    Denn besuchen wir nämlich auch sehr gerne wegen der Ziegen, Vögel & Bauernhof (obwohl ich den ja nicht so schön finde).
    Echte Tiere werden bei uns auch sehr gerne angesehen & bewundert. Wir haben auch einige Haustiere um die sich wirklich toll gekümmert werden. Doch Spielsachen oder Bücher über Tiere werden hier auch nicht beachtet.

    Lg Nicky

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    1. Auch lustig, oder, dass nur echte Tiere bei euch interessant sind! Schon komisch, wie unterschiedlich das ist :-)
      Liebe Grüße!

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  2. Du hast Recht, generell verbindet man Kleinkinder und Tierliebe recht schnell miteinander =) Dennoch würde ich mir da keine großen Gedanken machen. Der eine mag Tiere, der andere Autos, Prinzessinnen, Dinosaurier... Was auch immer :) Es gibt ja nicht DAS Kleinkind schlechthin, finde es überraschend wie früh sich schon der Charakter und Vorlieben abzeichnen. Falls es dich tröstet: Ich kann mich noch recht gut erinnern, dass ich als kleines Kind auch keine Tiere mochte. Haben mich einfach nicht so "magnetisch" angezogen wie man das bei anderen Kindern beobachtet. Mich haben eben andere Dinge interessiert. Ich denke man sollte als Eltern seinen Kindern nur "Respekt" vor Tieren beibringen. Ich persönlich finde es schrecklich zu sehen, wenn Kinder im Streichelzoo Tiere treten, schubsen oder anders ärgern. Aber Tierliebe kann man wohl nicht antrainieren, das hat man glaub ich "in sich" oder nicht und da ist ja nichts Schlimmes dabei =)

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    1. Ich glaube, dass sie mich als kleines Kind auch nicht wirklich interessiert haben, aber ich weiß es leider nicht mehr. Ja, solche Vorlieben zeichnen sich schon früh ab. Bei meinen beiden Kindern ist im Moment noch eine natürliche Ängstlichkeit vor Tieren da (bzw. bei der Kleinen war sie anfangs nicht da, ist aber gekommen), so dass mit Treten, Schubsen etc. zum Glück nicht zu rechnen ist. Selbst füttern geht nur schwer :-)
      Liebe Grüße!

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  3. Das kenne ich von meinem Sohn :-) Er war immer total desinteressiert, nur Dinos fand er dann irgendwann toll. Die Kleine mag immerhin Pferde und kann auch so nem flauschigem Kaninchen-Baby was abgewinnen. Aber auch bei ihr hält sich die Begeisterung in Grenzen. Mit Tierbüchern oder so brauch ich beiden nicht kommen - gähn. Ich sag mal so: Es sind halt unsere Kinder und die kommen selten nach anderen ;-)

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    1. Also ich fand und finde es schon ungewöhnlich, dieses Desinteresse, aber es beruhigt mich, dass es anscheinend viele solcher Kinder gibt. Selbst Dinos findet mein Großer auch nur mäßig interessiert, im Prinzip nur das, was er aus der Kita aufschnappt. Naja :-)
      Liebe Grüße!

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  4. Haha, Kinder sind sooo unterschiedlich. Der Sohn ist sehr theoretisch. In der Theorie in Form von Büchern, Bildern und Filmen findet er Tiere total spannend. Konnte sie schon früh benennen und die Laute nachahmen. Er hat auch immer ganz sachliche Fragen zu den Tieren. Wir haben zwei Katzen. Die waren und sind für ihn in der Theorie auch ganz spannend. Was machen die so? kann man denen eine Puppe zum Reiten auf den Rücken setzen und so. Ansonsten war da von Anfang an kein übersteigertes Interesse. Auf Bauernhöfen und Zoos ist er gern, erkundet dort aber einfach nur das Terrain. Ich ging gerne in den Zoo mit ihm, denn da konnte er laufen und hinfallen ohne in Hundekacke zu treten, ganz im Gegensatz zu den Parks der Stadt. :-)
    Unser Sirenchen findet Tiere ganz interessant, als Versuchskaninchen und zum Kuscheln. Was passiert, wenn ich ganz laut quietsche? Was passiert wenn ich hinterher renne? Sie ist sehr ungestüm und beherzt. Unser Kater nimmt es mit Fassung. Sie hat das Temeperament um mit 3 schon einen Kaltblüter zu kontrollieren.. :-D Unsere Jüngste hat das nötige Feingefühl und Interesse für Tiere. Sie ist behutsam, vorsichtig, fürsorglich und geduldig. Sie könnte stundenlang Tier füttern. Allerdings interessiert sie sich nicht für Tiere in Büchern.
    Also Fazit, wenn sich ein Zoo bequem anreisen lässt, lohnt sich eine Jahreskarte mit Lauflernanfängern. Weil eben kein Autoverkehr im Zoo herrscht. Die Kinder viel erkunden und sehen können und in der Regel nicht in ekligen Deck tapsen und fallen. Außerdem können sie theoretisch nicht abhanden kommen. Ist ja ein Zaun drum.

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    1. Herrlich, wie Du Deine Kinder beschreibst! Und so schön unterschiedlich sind sie. Da ihr Katzen habt, wachsen sie alle drei von Anfang an mit Tieren auf und reagieren trotzdem so verschieden. Spannend!
      Jahreskarte lohnt sich im Moment für uns nicht, hihi...
      Liebe Grüße!

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  5. Mein Sohn ist total verrückt nach Tieren. Aber er kann sich für fast alles begeistern. So freue ich mich schon auf unseren nächsten Zoobesuch und hoffe, dass die Kleine auch Spaß dran hat. Übrigens wünscht er sich neuerdings eine Katze. "Och, büüüüüüüüüüte Mama!" 😁 Nix da...

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    1. Endlich mal ein Kind, dass meine Erwartungshaltung erfüllt :-). Das ist doch toll und da lässt man sich gerne anstecken. Ach nee, Du willst ja keine Katze! Hach, ich glaube, ich bin froh, dass zumindest mein Großer solche Wünsche nie haben wird. Mal sehen, wie es mit der Kleinen weitergeht.
      Liebe Grüße!

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