Dienstag, 29. September 2015

Zweifel am richtigen Weg

Manchmal denke ich, ich bin nicht die richtige, passende Mama für meinen Großen. Zwar insofern passend, als dass ich ihn in vielem gut verstehe, sicherlich besser als die meisten anderen Menschen. Passend auch insofern, als dass ich sehr viel Wert auf die Gleichwürdigkeit, Integrität und Selbstbestimmtheit meiner Kinder lege, was gerade für ihn so wichtig ist. Passend insofern, alte Muster nicht wiederholen zu wollen und sich ständig zu hinterfragen und zu reflektieren. Passend auch darin, viel Geduld für ihn aufzubringen (zumindest wenn es mir selbst gut geht), ihn vor dem zu schützen, was ihm nicht gut tut, ihn immer wieder emotional abzuholen und aufzufangen. Ständig über ihn nachzudenken, zu sprechen, zu schreiben, ihn nie aufzugeben.

Aber ich schaffe es einfach nicht, seine guten Seiten aus ihm hervorzulocken. Er ist bei uns zuhause, also im familiären Rahmen, oft so widerspenstig, launisch, motzig, nölig, unsozial und für nichts zu begeistern. Er hat (viele) Tage, da meckert er nur herum, man kann ihm nichts recht machen. Wie beispielsweise in unserem letzten Kurzurlaub. Ob man auf ihn eingeht oder nicht, es ändert nichts an seiner schlechten Laune. Man bekommt einen Fußtritt nach dem anderen. Er ist jetzt phasenweise sehr frech und respektlos uns gegenüber, ärgert seine kleine Schwester sinnlos am laufenden Band und führt sich auf wie ein kleiner pubertierender Jüngling. Ich versuche dann auf alle erdenkliche Art und Weise, ihn wieder ins Familienleben zurückzuholen, aber es prallt alles an ihm ab. Dann denke ich oft, vielleicht bin ich nicht die richtige Person dazu, weil er seine Probleme bei mir eben nicht hinter sich lassen kann. Weil ich ihn kenne und versuche, auf seine Eigenarten und Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen.

Noch nie haben wir solche Berichte aus der Kita oder von den Eltern seiner Freunde gehört, von den selten präsenten Großeltern auch nur marginale Anklänge. Keiner außerhalb unserer Kernfamilie kann sich vorstellen, dass er manchmal wirklich so ist wie beschrieben. Weil es keiner außer uns je in dem Ausmaß erlebt hat. Der Kontrast ist einfach so extrem. Ich weiß, dass er sich in der äußeren Welt (und dazu gehören auch die Großeltern) enorm anpasst, vieles unterdrückt und später kompensiert. Von den Auswirkungen können wir ein Lied singen. Nach der Kita war er lange Zeit nachmittags ungenießbar und ließ seinen Frust und seinen Anpassungsdruck an mir aus. Nach seinen Besuchen bei den Großeltern verhielt er sich auch immer sehr aufmüpfig, launisch und wirkte wie umgepolt. Das kann ich alles theoretisch und emotional verstehen und nachvollziehen, weiß auch, dass es wichtig ist, zuhause einen sicheren Hafen zu haben, wo er sich fallenlassen kann. Aber immer auf Kosten der anderen Familienmitglieder? Immer so, dass alle leiden, schlecht gelaunt sind und sauer auf ihn werden? Ich weiß nicht, ob ich das als positiv ansehen soll.

Vielleicht wäre eine Mama, die weniger auf ihn eingeht, ihn mehr ignoriert, ihn nicht so versteht, besser für ihn, weil ihn das nicht so unter Druck setzen würde. Eine, die wie die Erzieherinnen in der Kita ihn einfach wie ein unbeschriebenes Blatt annehmen würde, so dass er viel mehr seine positiven Seiten zeigen könnte. Oder eine, die es einen feuchten Dreck schert, wenn er mit sich und uns kämpft. Doch wie soll das gehen? Wir haben eine gemeinsame Geschichte, die unsere Beziehung prägt, und diese ist schwierig. Die Hilflosigkeit aus der Babyzeit fühle ich genauso immer wieder in diesen Phasen. Warum ist das so, warum nur mit diesem Kind? Warum fühle ich mich mit der Kleinen nie grundsätzlich hilflos, auch wenn ich natürlich manchmal genervt oder überfordert bin? Warum wird das, was wir an Liebe und Verständnis in ihn "investieren", so oft mit Füßen getreten? Wieso schafft er es, in der äußeren Welt, wo er häufigeren und strengeren Reglementierungen und Vorgaben ausgesetzt ist als zuhause, so gut zu funktionieren? Vielleicht braucht er das? Vielleicht braucht er ein Gegenüber, das sich nicht darum kümmert, wie es ihm mit bestimmten Aussagen geht? Vielleicht braucht er Eltern, die ihre Aufgabe darin sehen, ihn durch Maßregeln und Bevormunden zu erziehen? Bei solchen Menschen verhält er sich komischerweise viel angepasster und freundlicher als bei uns. Das ist ernüchternd und lässt mich oft zweifeln.

Ich bin sehr empathisch und voller Verständnis für seine physischen und emotionalen Wunden. Ich bin sehr freiheitsliebend und reglementiere wenig. Ich selbst brauche viel Struktur, aber ich hasse sinnentleerte Regeln und Vorschriften. Vor allem wenn sie nicht reflektiert sind, sondern als leere Hülsen oder aus einer Tradition heraus benutzt werden. Ich habe mich immer nach einer Gleichwürdigkeit von Kind und Eltern gesehnt, mein ganzes Leben lang. Das will ich eigentlich zuhause praktizieren. Was aber, wenn das gar nicht der richtige Weg ist, um dem Großen gerecht zu werden? Wenn das zwar meine Sehnsucht ist, aber er etwas ganz anderes braucht. Er weiß, dass er sich jederzeit bei mir fallenlassen kann und ich sein Netz bin, auch auf Kosten meiner eigenen Kräfte. Aber ist das gut? Braucht er vielleicht vielmehr eine deutliche Grenzsetzung meinerseits? Braucht er jemanden, der es "Zirkus" nennt, wenn er weint und ihm sagt, er soll damit aufhören? Braucht er jemanden, der seine Haut- und Geruchsempfindlichkeit nicht so ernst nimmt wie ich, der sagt, er solle sich nicht so anstellen? Komischerweise zuckt er bei solchen Aussagen von Außenstehenden nicht mal mit dem Mundwinkel. Manchmal sehe ich ihm an, wie es in ihm arbeitet, aber er schluckt das alles. Er schluckt von anderen Vorschriften und Verbote, er schluckt ständige Reglementierungen und Unverständnis, er macht mit, er passt sich an und ist ein absolutes Vorzeigekind. Wie schafft er das? Und warum profitieren wir zuhause nicht ein bisschen davon?

Ist es ein Zeichen guter Bindung, wenn ein Kind sich mit all seinen Launen und Emotionen zuhause fallenlässt oder doch eher Ausdruck einer schlechten Beziehung, weil ihm die emotionale Integrität und die Grenzen der anderen Familienmitglieder schlichtweg egal zu sein scheinen? Zeugt es von einer guten "Erziehung", dass er in fremder Umgebung ein Kind ist, über das alle voll des Lobes sind, oder sollte er nicht doch besser zuhause freundlich zu seinen nächsten Angehörigen sein? Warum ist er so motzig und aufmüpfig, wenn er aus einer fremden Umgebung (Großeltern, früher auch Kita) zu uns zurückkehrt? Weil er sich bei uns nicht wohlfühlt, nicht gut aufgehoben fühlt, oder weil er viele unterdrückte Stimmungen kompensieren muss?

Ich versuche ihn so zu behandeln, wie ich gern als Kind behandelt worden wäre. Aber vielleicht ist das gar nicht passend für ihn? Schließlich ist er ja ein ganz anderer Mensch, mit einer anderen charakterlichen Zusammensetzung und anderen Bedürfnissen. Er äußert ja auch nicht wirklich, was ihm fehlt, was er vermisst. Er schreit, dass er sich über etwas ärgert, und das sehr vehement. Genau die gleichen Anlässe sind ihm aber im äußeren Leben nicht einmal eine kleine Meckerei wert. Welche Mechanismen aktiviert er, dass er darüber hinwegsehen kann? Warum funktioniert das nicht bei uns?

Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine. Ich will gerne weiterhin sein Auffangnetz, sein sicherer Hafen sein, wenn es denn so ist, dass er sich bei uns so extrem anders zeigt. Aber wie kann ich wissen, ob er nicht vielleicht einfach eine andere, striktere Umgehensweise braucht? Andererseits, wenn ich ihn nicht auffange, wer soll es dann tun? Wenn ich bedenke, wie oft ich ihn schon geschützt habe, weil ich seine Besonderheiten kenne und teile. Ich weiß, wie es ist, wenn ein Kind niemanden hat, der es wirklich versteht. Aber vielleicht ist das bei ihm anders? Ich habe ja schon einmal darüber geschrieben, dass das mit dem Bauchgefühl eine schwierige Sache ist. Das gilt hier auch. Woher soll ich wissen, ob mein Ansatz passend für meinen Großen ist? Vor allem, wenn ich - wie schon zu Babyzeiten - soviel unschönes Feedback von ihm bekomme. Ich zweifle, mal stärker, mal weniger.

Andererseits kann ich auch gar nicht aus meiner Haut heraus. Ich werde nie eine Mama werden, die ihre Aufgabe darin sieht, ihre Kinder zu bevormunden und zu reglementieren. Ich hasse sowas. Ich bin weich, ich bin biegsam, ich bin entgegenkommend, ich versuche, verständnisvoll zu sein, ich tröste, ich halte, ich fange auf. Was die Kleine betrifft, zweifle ich nicht eine Sekunde an meinem, unserem Weg. Das Verhalten des Großen aber macht meine Überzeugungen mürbe und mich selbst ehrlich gesagt auch oft traurig. Ich möchte so gerne, dass er zuhause nicht nur seinen sicheren Hafen hat, sondern sich auch wohlfühlt und dies zeigt. Wie kann ich das bei diesem Kind nur schaffen?

Kommentare:

  1. Mein Sohn ist woanders (bei den Großeltern, in der Kita, bei Freunden) auch das liebste Kind der Welt. Zu Hause wird gegen alles rebelliert: gegen jede Regel, gegen jedes Verbot - mit Treten, Hauen, Spucken... Gegenüber der Mama noch mehr/anders als gegenüber dem Papa. Klar verzweifeln wir, stoßen an unsere Grenzen, werden zu Eltern, die wir nie sein wollten.
    Aber ist es nicht ein gutes Zeichen, dass das Kind bei uns die Geborgenheit und Sicherheit spürt geliebt zu werden; dass er uns vertraut, dass wir ihn immer lieben, so sehr er uns auch testet und prüft?
    Ich sehe es als positiv. Wir setzen ihm Grenzen, vermitteln ihm Regeln, von denen sein Umfeld profitiert. Und es macht mich sehr stolz zu wissen, dass wir doch etwas richtig machen müssen, wenn andere ihn (seine Erziehung?) loben.

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    1. Danke für Deinen Kommentar. Ich weiß, dass so ein Verhalten öfter vorkommt, aber so extrem wie bei unserem Großen hab ich das noch nie gehört. Oder es redet halt niemand ehrlich darüber. Bei uns ist gegenüber dem Papa mehr Rebellion, weil dieser mehr reglementiert. Mich macht es eher nicht stolz, wenn andere ihn und uns loben, sondern vielmehr traurig, dass wir selbst davon so gar nicht profitieren. Das mag selbstbezogen klingen, aber der Leidensdruck ist eben einfach manchmal so hoch. Für mich ist das ganz ganz schwierig.
      Liebe Grüße!

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  2. "Ist es ein Zeichen guter Bindung, wenn ein Kind sich mit all seinen Launen und Emotionen zuhause fallenlässt oder doch eher Ausdruck einer schlechten Beziehung, weil ihm die emotionale Integrität und die Grenzen der anderen Familienmitglieder schlichtweg egal zu sein scheinen?" Ich kann mir nicht vorstellen, dass seine Familie ihm egal ist, aber seine Bedürfnisse sind in dem Moment eben andere und die setzt er eben durch.

    "Zeugt es von einer guten "Erziehung", dass er in fremder Umgebung ein Kind ist, über das alle voll des Lobes sind, oder sollte er nicht doch besser zuhause freundlich zu seinen nächsten Angehörigen sein? Warum ist er so motzig und aufmüpfig, wenn er aus einer fremden Umgebung (Großeltern, früher auch Kita) zu uns zurückkehrt? Weil er sich bei uns nicht wohlfühlt, nicht gut aufgehoben fühlt, oder weil er viele unterdrückte Stimmungen kompensieren muss?" Vielleicht sind das seine Verarbeitungsmethoden...

    "Ich versuche ihn so zu behandeln, wie ich gern als Kind behandelt worden wäre. Aber vielleicht ist das gar nicht passend für ihn?" Wahrscheinlich nicht! Du schreibst zwar immer, dass Dein Großer schon so "weit" wäre, aber entschuldige mal: Er ist 4 Jahre alt! Hör auf ihn wie einen Erwachsenen zu behandeln und Erwachsenenverhalten (Denken und Handeln, wie z.B. Rücksichtnahme, reflektiertes Verhalten) von ihm zu verlangen. Ich bezweifle, dass er seine Familie mit Absicht mit schlechter Laune, Motzigkeit o.ä. verärgert. Er kennt einfach noch keine anderen Methoden mit Frust, Trauer, Wut, Freude, Überreiztheit, Müdigkeit etc. umzugehen. Gib ihm die Zeit es in seinem Tempo zu lernen und seine Erfahrungen zu machen. Ihr müsst doch auch nicht zu allem "ja und amen" sagen: Motzt zurück. Drückt Euer Missfallen aus. Oder zeigt Traurigkeit.

    "Schließlich ist er ja ein ganz anderer Mensch, mit einer anderen charakterlichen Zusammensetzung und anderen Bedürfnissen. Er äußert ja auch nicht wirklich, was ihm fehlt, was er vermisst." Weil er es wahrscheinlich nicht benennen kann.

    "Er schreit, dass er sich über etwas ärgert, und das sehr vehement. Genau die gleichen Anlässe sind ihm aber im äußeren Leben nicht einmal eine kleine Meckerei wert. Welche Mechanismen aktiviert er, dass er darüber hinwegsehen kann? Warum funktioniert das nicht bei uns?" Vielleicht hat er gelernt, dass er Euch so "kriegt", dass Ihr "anspringt". Er testet Euch. Wie weit kann er gehen. Wann kommt die Reaktion? Wie sieht sie aus? Werden Konsequenzen auch eingehalten?

    Für mich klingt das alles normal und nach Kindsein dürfen.

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    1. Bevor ich selbst Kinder hatte, habe ich genauso gedacht wie Du. Nun ist alles - komplett alles - anders geworden. Ich werde meine Kinder weiterhin als gleichwertige Menschen behandeln, die zwar keine Erwachsenen sind, aber deshalb nicht weniger wert sind, respektvoll und gleichberechtigt behandelt zu werden. Zurückmotzen mache ich zwangsläufig nur, wenn ich völlig am Ende mit meiner Kraft bin, und bereue es jedesmal sehr. Das kann keine sinnvolle Methode sein, mit diesen Problemen umzugehen. Ich sehe Eltern, die das machen, und die Kinder tun mir einfach nur leid. Dass er noch keine anderen Verarbeitungsmethoden gefunden hat, sehe ich auch so. Dabei helfe ich ihm, so lange ich denken kann, aber es fruchtet irgendwie (bis jetzt?) nicht so richtig. Dass er uns testet und wir anspringen, statt mit Grenzen und Konsequenzen zu kommen, ist eine Auffassung von Erziehung, die ich überhaupt nicht mehr mag. Bei mir kriegt er weniger Grenzen als bei meinem Mann und gegen mich rebelliert er weniger. Miesepetrig und motzig ist er aber bei mir auch. Die sogenannten Konsequenzen sind ihm alle egal, das hat man in der Autonomiephase schon gesehen. Deshalb ist er ja ein autonomes Kind im Juulschen Sinne. Damit kommt man bei ihm überhaupt nicht weiter, auch wenn das immer die wenigsten glauben wollen. Bleibt nur noch Liebesentzug als Konsequenz. Mache ich nicht und kann keine Lösung sein. Andere Möglichkeiten gibt es nicht. Das ist sehr schwierig. Danke für Deine Gedanken!

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  3. Für mich sind das keine Widersprüche: Auffangen, Sicherheit geben, Verständnis zeigen und gleichzeitig klare Regeln und Grenzen setzen. Das hat ja nichts mit Reglementierung und Bevormundung zu tun, sondern damit, dass das Kind einen sicheren Rahmen hat, innerhalb dessen es sich bewegen kann und der sich im Laufe der Zeit und des Heranwachsens immer mehr ausdehnt.
    Ich stelle mir das im übertragenen Sinne vor wie bei einem Baby, das ja auch lieber im Stubenwagen oder der Wiege liegt als in einem riesengroßen Bett ohne Begrenzungen.
    Liebe Grüße und alles Gute von Ilsa

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    1. Danke für Deinen Kommentar, dessen Gedanken ich grundsätzlich zustimme. Aber wieso ist es dann mit seiner Aufmüpfigkeit besonders schlimm, wenn er z.B. von Großelternbesuchen zurückkommt, oder früher nachmittags nach der Kita. Das spricht für mich sehr für Rauslassen unterdrückter Emotionen. Interessante Assoziation: er mochte schon als Baby Begrenzungen nicht, hat sich immer dagegen gewehrt...
      Liebe Grüße!

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  4. Sei sein Auffangnetz und sein sicherer Hafen aber sei nicht immer nur der Reibebaum. Ich finde, du hast auch ein Recht auf ein friedliches Miteinander! Du würdest dich doch auch von einem anderen Menschen nicht ständig schlecht behandeln lassen, oder? Also wieso dann vom eigenen Kind? Ich finde es nur ehrlich (und menschlich!) wenn man auch seine Kinder spüren lässt, dass es persönliche Grenzen gibt, die gewahrt werden müssen. Du bist seine Mama und als Erwachsene kann man natürlich von dir erwarten, dass du für vieles Verständnis aufbringst, aber du bist nicht sein Prügelknabe. Wenn er sich außerhalb der Familie zu benehmen weiß, dann hat er ja grundsätzlich verstanden, dass es Grenzen gibt - vielleicht spürt er sie zuhause einfach nicht deutlich genug?
    Hach, ich weiß auch nicht, man tut sich als Außenstehender natürlich leicht mit solchen Aussagen. Schwieriges Thema ...
    Fühl die jedenfalls gedrückt und respektier auch deine persönlichen Grenzen!

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    1. Ich wünschte mir auch, ich wäre nicht immer der Reibebaum und stelle mir die Frage oft, die Du schreibst: Warum muss man sich vom eigenen Kind so behandeln lassen? Ich denke auch, dass es menschlich ist, auch mal das Ende der Fahnenstange zu zeigen. Es ändert nur nichts, sondern der Große wird dadurch nur noch verbohrter.
      Ich setze tatsächlich wenige Grenzen, mein Mann ist da schon strikter. Trotzdem "funktioniert" der Große bei ihm auch nicht, eher noch weniger. Das scheint also nicht das Mittel der Wahl zu sein.
      Danke Dir und ich bemühe mich in kleinen Schritten.
      Liebe Grüße!

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  5. Ich bin mir sicher du weißt unglaublich viel über ihn, über Erziehung, Theorien, bist total reflektiert... und dann kommt der Punkt wo man denkt, man kann nicht mehr. Ich würd jetzt gern sagen, kenn ich auch - aber ehrlich gesagt tu ich das in diesem Ausmaß nicht. Ich kenn dieses Phänomen dass Kinder bei allen anderen Zuckerengel sind und bei Mama die Arschgeige. Aber trotzdem gibt es doch starke Schwankungen und auch ich kriege mal was zurück. Ich denke du hast es echt schwer... hab aber so das Gefühl dass er das vielleicht wirklich nicht ausdrücken kann und du trotzdem alles richtig machst. Es ist nur verdammt schwer erst recht wenn so gar nichts zurückkommt :( Du bist ja schon lang auf Spurensuche was da bei ihm sein könnte, ich hoffe du findest den richtigen Weg für euch alle :) Therapeuten kann man ja auch nur bedingt empfehlen, das ist ja meist wahnsinniges Glück wenn man mal einen guten findet und der Rest, forget it - stempelt ab und dann stimmt es noch nicht mal.

    Der Punkt von bprinz indes find ich ganz gut - auch wenn dein Sohn irgendwie anders ist so bist du doch ein Mensch mit Grenzen, Bedürfnissen usw. Nach Juul ist es ja sogar schädlich wenn man dem Kind vorlebt, dass man selbst keine Grenzen hat und unendlich geben muss. Versuch einfach weiter du zu sein, authentisch, nicht verbiegen und vielleicht auch mal deutlicher sagen ich kann nicht mehr. Weiß ich nicht in wie weit du das machst aber ich drücke dir die Daumen :) (Übrigens auch ein Punkt an Deich arbeiten muss..)

    Ganz liebe Grüße, Frida

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    1. Danke liebe Frida! Also bei uns gibt es auch starke Schwankungen, das ist wohl normal. Wenn ich was zurück kriege, dann ist das meistens von meiner Kleinen, wie ich ja auch in dem Text "Liebe fühlt sich sehr verschieden an" schrieb. Aus ihrer Zuneigung ziehe ich die Kraft für den Großen, irgendwie ein verqueres System.
      Ich kenne die Juulschen Aussagen, dass man Kindern weniger ihre, sondern vielmehr eigene Grenzen zeigen muss, und er hat ja auch recht damit. Sehr sehr schwer für mich. Der Große zieht sich dann sofort zurück und ich erreiche gar nichts mehr. Er kommt dann eben nicht wieder von allein, sondern macht total dicht (Stichwort: autonomes Kind). Deswegen ist das ganz schwierig bis unmöglich. Er sieht dann nur, Mama ist nicht mehr für mich da (also wer dann?), ist aber weder einsichtig noch liebesbedürftig. Ich denke, das wird auch so bleiben.
      Ich würde mich gern mit einem Profi darüber austauschen, aber nicht, wenn ich nur zu hören kriege: "Zeigt ihm, wo der Hammer hängt!". Das ist nicht mein Weg. Ich werde weiter berichten ;)
      Liebe Grüße!

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  6. Ich muss gerade schlucken. Es hört sich fast so an als schreibst Du über meinen Sohn - nur in einer Zukunftsvision. Genau so könnte es bei uns in zwei Jahren aussehen, es zeichnet sich schon jetzt ein wenig ab. Ich verstehe genau, was Du meinst. Ich drücke Euch die Daumen, dass sich bald an der Situation etwas ändert. Es ist zermürbend für alle. Alles Liebe, Nadine

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    1. Oje, leider kenne ich Deinen Blog noch zu wenig, um das einschätzen zu können. Aber ich glaube Dir gern, dass man so etwas schon spürt. War bei mir ja auch so. Es ist zermürbend, das stimmt. Es schwankt zwar phasenweise, aber das Grundproblem ist irgendwie immer da. Aber warte mal ab, vielleicht ändert sich alles nochmal.
      Ich werde nochmal bisschen bei Dir reinlesen :)
      Liebe Grüße!

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  7. Hast du mein Kind bei dir zu Hause? Gleiche in grün hier.
    Ich glaub wir könnten uns gut austauschen. Wenn du magst können wir gerne mal intensiver schreiben, per E-Mail oder so?

    Liebe Grüße

    Anja

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    1. Der Große oder der Kleine? Ich finde es ja bei euch immer spannend, dass der Kleine das Schreibaby war und jetzt wohl das unkompliziertere Kind ist, oder? Bei uns ist der Weg ja geradliniger...:(
      Hab ja auch schon ab und zu bei euch kommentiert, wenn mir was bekannt vorkam. Nur ist bei euch der Leidensdruck nicht so spürbar, also scheint ihr besser damit umgehen zu können. Dafür hätte ich gern mal eure Rezepte;)
      Liebe Grüße!

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  8. Hallo. Ich lese schon eine Weile immer mal wieder deinen Blog, seitdem ich vor 6 Monaten Mutter geworden bin. Ohne euch zu kennen: Ich habe den Eindruck, in fremden Umgebungen "benimmt" sich dein Sohn, verhält sich so, wie es von ihm erwartet wird. Zuhause kann er ganz er selbst sein und vielleicht auch vom Tag aufgestautes rauslassen? Ich glaube fest daran, dass die Kinder sich die Eltern aussuchen und bei euch kommt das mit der Hochsensibilität dazu, dass er wohl von dir hat. So hast du überhaupt erst rausgefunden, dass du so bist. Ich denke, ihr seid genau richtig füreinander, die Aufgabe, die ihr zu meistern habt, ist die, wie 2 hochsensible Menschen ihre Freiräume wahren können und sich trotzdem nah sein können. Zweifel nie daran ob du die richtige Mutter für dein Kind bist, jemand anderes könnte ihn nie so verstehen wie du es tust. Sieh es als Kompliment, dass er bei dir er selbst sein kann und nicht "funktioniert". Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut!!
    Liebe Grüße,
    Johanna

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    1. Liebe (Jo)Hanna,
      danke für Deinen lieben Kommentar, der mich sehr gerührt hat. Weißt Du, in guten Phasen denke und fühle ich genauso, wie Du schreibst und weiß, dass wir es zwar nicht leicht miteinander haben, aber ich die richtige Mama für ihn bin. Aber wir haben eben auch viele "schlechte", schwierige Phasen und dann fragt man sich schon, ob man ihn angemessen behandelt. Ich gehe ja immer von mir aus, aber ob das so richtig ist? Andererseits glaube ich auch, dass es gut ist, wenn ich mich hinterfrage, weil es zeigt, dass ich nicht statisch bin.
      Danke für Deine Worte und liebe Grüße!

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  9. Schau mal was ich grad gelesen hab: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/05/warum-lehnt-mein-kind-mich-ab-was-kann-man-tun-wenn-das-baby-den-papa-ablehnt.html?m=1
    musste ich grad an euch denken (etwas weiter unten im Artikel)

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    1. Vielen lieben Dank! Ja, ich kenne den Text und lese den Wunschkind-Blog sehr gern. Du meinst sicher die Passage mit dem emotionalen Hafen, oder? Es ist halt sehr extrem bei ihm, das lässt mich manchmal zweifeln. Grundsätzlich ist das natürlich völlig in Ordnung und dazu bin ich ja als Mama auch da. Aber nicht nur...
      Liebe Grüße und danke nochmal!

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