Dienstag, 30. Juni 2015

Mein singendes klingendes Mädchen

Die Kleine ist eine wandelnde Jukebox. Drückt man ein Knöpfchen in Form des Beginns einer Melodie bei ihr, so erklingen sofort ganze Lieder mit mehreren Strophen und Wiederholungen. Ständig hat sie ein Lied auf den Lippen, möchte tanzen und Bewegungen machen. Sie hat Melodie- und Rhythmusgefühl, Textgedächtnis und Ausdrucksstärke. Man spürt den Spaß, den sie an Musik und Bewegung hat und es ist eine Freude, ihr zuzuhören und zuzuschauen. Durch ihre faszinierende Auffassungsgabe und ihre Merkfähigkeit hat sie mittlerweile ein Repertoire von bestimmt 100 Liedern. Vorhin beim Einschlafen hat sie sich wieder durch diverse Lieder gesungen, bevor ihr die Augen zufielen. Ich habe wirklich das Gefühl, da schlummert ein Talent in ihr, das ich gerne fördern möchte.

Nun ist es ja leider so, dass die zweiten Kinder aus Zeit- und Organisationsgründen nicht mehr in dem Maße gefördert werden wie die ersten, zumindest, wenn man keine Großeltern in unmittelbarer Nähe hat, die als Babysitter fungieren können. Mit dem Großen waren wir ab dem Alter von 1,5 Jahren sowohl beim Eltern-Kind-Turnen als auch beim Musikgarten. Beide Kurse hat anfangs mein Mann mit ihm gemacht, später habe ich zwei andere Musikgarten-Kurse mit ihm weiter besucht, bis vor ca. einem Jahr. Seitdem besucht er die von der Kita angebotenen Musikgarten-Kurse. Der Große hat sich immer recht schwer getan, war ziemlich überfordert und klammerte viel. Er hat nie getanzt, sondern ich musste mit ihm auf dem Arm tanzen. Er hat auch selten Lieder, die er dort lernte, zuhause reproduziert. Das fand ich zwar schade, dachte aber trotzdem, dass es ihm gefiel und irgendwo in ihm die Freude an Musik wecken würde. Er war nie so ein singendes Kind wie die Kleine oder eine seiner gleichaltrigen Freundinnen, konnte sich zwar viele Texte merken, aber er beobachtete eher viel und saugte auf, ohne das wieder nach außen zu tragen.

Mit der Kleinen wollte ich schon länger einen Musikgarten-Kurs besuchen, aber da ist eben immer das Betreuungsproblem mit dem Großen. Altersmäßig können sie schlecht in den gleichen Kurs gehen und finanziell ist das für zwei Kinder auch happig. Also muss der Große währenddessen betreut werden, was zwar ab und zu für meinen Mann und eine befreundete Familie möglich ist, aber nicht kontinuierlich über einen längeren Zeitraum hinweg. Vielleicht wäre es sogar auch möglich und ich habe einfach nur Skrupel, das anzufragen. Jedenfalls habe ich vor einiger Zeit einen Musikgarten-Sommerkurs entdeckt, der nur über 4 Wochen geht (von denen wir noch eine Woche im Urlaub sein werden), was also betreuungsmäßig gut abzudecken ist, und die Kleine und mich angemeldet. Nächste Woche Montag geht es los und ich freue mich schon wahnsinnig, meine musikalische Kleine in diesem Kontext zu erleben. Die Musikgarten-Lehrerin kenne ich schon, weil ich mit dem Großen damals auch schon zwei Kurse bei ihr besucht habe. Ich weiß, welche Lieder, Tänze und Kniereiter sie singt, welche Instrumente sie einsetzt und wie ihre Stunde abläuft. Und bin ganz gespannt, wie sich meine Kleine dort verhalten und was sie mit nach Hause nehmen wird. Der Große wird an den drei Montag-Nachmittagen abwechselnd von meinem Mann und den Freunden betreut.

Und wenn es ihr gefällt, werde ich vielleicht auch versuchen, im Winterhalbjahr einen Kurs mit ihr zu machen. Wo ich den Großen dann lasse, weiß ich allerdings nicht. Eine dreiviertel Stunde still daneben zu sitzen und zuzuschauen, ist für ihn utopisch. Über 10 Wochen (durchschnittliche Kursdauer) eine Betreuung zu organisieren ebenso. Echt schwierig und schade, dass die zweiten Kinder deshalb nicht so viele Möglichkeiten wahrnehmen können wie die ersten. Ich möchte gern sehen, wie die Kleine in der fremden Umgebung, mit den fremden Kindern reagiert, ob sie allein tanzen wird und dem Papa zuhause erzählen und vorsingen wird, was sie "gelernt" hat. Das hat der Große nie gemacht, sondern immer alles in sich verschlossen. Ich freue mich unglaublich auf die exklusive Musik-Zeit mit meiner Kleinen.

Kurze Anekdote zum Schluss: in der Kita wird in den vergangenen Wochen die "Vogelhochzeit" als Musical einstudiert, das alle Kinder zum Sommerfest Mitte Juli aufführen werden. Die Kleine trällert dieses Lied seit Wochen mit Inbrunst. Der Große wusste anfangs auch auf Nachfrage nichts davon. Mittlerweile weiß er es zwar, hat es aber noch kein einziges Mal zuhause gesungen. Er stimmt auch nicht in den Gesang der Kleinen ein, obwohl er das Lied ja nun mittlerweile in- und auswendig kennen müsste. So unterschiedlich sind Geschwister.

Ab Montag also dreimal Musikgarten für mich und meine singende klingende Kleine. Ich freue mich!

Kommentare:

  1. Ganz ehrlich: ich als "französische" Mutter würde im Winterhalbjahr den Kurs mit der Kleinen mitmachen und den Grossen daneben setzen und zuschauen lassen. Auch wenn es vielleicht nicht einfach für ihn sein wird. Wenn er mein "Grosser" wäre, würde ich ihm erklären, wie wichtig es für seine kleine Schwester ist und damit müsste er dann klar kommen. Ich vertrete auch die Meinung, dass man von seinen Kindern auch mal etwas fordern sollte, was sie dann letztendlich über sich hinauswachsen lässt. Die Frage ist aber u.a. auch die, ob Du es denn durchstehen wirst, mit einem halben Auge Deinen Sohn zu überwachen und trotzdem mitzumachen. Wenn Du ihm das Vertrauen schenkst, wird er sich dementsprechend verhalten. Gross genug dazu ist er ja. Aber wie gesagt: "französische" Ansage zum Thema. Man sieht hier sowas etwas gelassener.

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    1. Das würde im Moment nicht funktionieren, dafür kenne ich mein Kind zu gut;). Ein Vierjähriger kann meiner Erfahrung nach nicht 45 Min. still sitzen. Im Theater etc. zappelt er auch rum und braucht mich. Es kommt im Wesentlichen darauf an, wie die Kleine mitmacht. Wenn sie aktiv ist und ich sie nicht groß unterstützen muss, kann ich darüber nachdenken, es so zu machen, wie Du sagst. Wenn sie sich so verhält wie der Große damals, dann ist es utopisch, sich um zwei Kinder gleichzeitig zu kümmern. Ich werde einfach sehen. Zum Antesten ist es genau richtig so.
      Liebe Grüße!

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  2. Na, das ist doch eine Idee. Du solltest es auf jeden Fall versuchen. Und Deine Kleine scheint mir ja ohnehin ein offener Charakter zu sein, wahrscheinlich braucht sie Dich gar nicht soo sehr und Du kannst Dich im Zweifelsfall um den Grossen kümmern.

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  3. Das ist wirklich zuckersüß, wie viel Freude deine Kleine an Musik und am Singen hat :))

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    1. Ja, absolut! Und so anders als bei meinem Großen;)
      Liebe Grüße!

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