Samstag, 16. Mai 2015

Wieder zu viert

Die Zeit als Ein-Kind-Eltern ist schon wieder vorbei. Heute nachmittag hat mein Mann den Großen auf halber Strecke von den Großeltern übernommen. Seit 17 Uhr sind wir wieder zu viert. Meine Eltern hatten ihn ja an unserem vorletzten Urlaubstag, am Mittwoch nachmittag, mit zu sich genommen. Drei Nächte war er also bei ihnen, wie meistens. Laut meinen Eltern ging wohl alles problemlos vonstatten. Wie zuhause forderte er allerdings eine permanente Bespaßung und Beschäftigung ein, was auch für sie jedesmal sehr anstrengend ist.

Die Kleine und ich waren heute ab Mittag allein zuhause und verbrachten einen total entspannten Nachmittag. Ich bepflanzte unsere Blumenkästen, machte einen kleinen Kuchen, sie beschäftigte sich ganz lange mit Tüchern und Kegelspiel, kam ab und an zu mir, wenn sie etwas wollte, ließ mich aber ansonsten mein Ding machen. Das war so schön. Ehrlich gesagt, so habe ich mir das Leben mit Kindern vorgestellt, und so kann ich es auch nicht nur ertragen, sondern sogar genießen. Man liest wahrscheinlich schon heraus, dass das sonst bei uns nicht der Fall ist. Nein, so gut wie nie. Die Kinder beschäftigen sich selten allein und wenn, dann dauert es nicht lange, bis es Streit oder Geheul gibt. Ist wahrscheinlich normal, aber trotzdem nicht weniger nervenaufreibend. Jedenfalls war es eine schöne Krönung der ruhigen 3 Tage ohne den Großen, wobei ja nicht er der Auslöser der Unruhe ist, sondern die ganze Konstellation. Beide sind sehr vehement und unnachgiebig, zumindest zuhause, und so knallt es andauernd. Der Große hat dazu noch eine sehr niedrige Frustrationstoleranz. Sie lieben sich auch inniglich und haben ganz süße Momente, aber meist ist es sehr laut und turbulent bei uns und man muss oft eingreifen. Durch ihren Altersunterschied von 26 Monaten können sie einerseits schon viel miteinander anfangen (die Kleine spricht ja auch schon sehr gut), andererseits machen sie sich oft die gleichen Ressourcen streitig, was bei einem größeren Altersunterschied nicht so problematisch ist. Erst gestern habe ich auf dem Blog Rosas Welt einen schönen, zutreffenden Beitrag zu dem Thema, wie schwierig es ist, Bedürfnisse von Geschwisterkindern unter einen Hut zu bringen, gelesen und uns in vielem wiedererkannt.

Als die beiden Männer wiederkamen, freute sich die Kleine unglaublich, den Großen zu sehen. Er war unkuschelig wie immer, wirkte aber ziemlich ausgeglichen und zufrieden. Man hofft ja immer, so eine Stimmung hält mal ein paar Stunden an. Aber keine 10 Minuten nach dem Eintreffen ging schon wieder das übliche Theater los. Er wollte sein neues Spiel Auf Schatzjagd präsentieren und die Kleine funkte ihm immer dazwischen. Er ärgerte sich, dass sie es auseinandernahm und die Spielregeln nicht verstand. Sie ist erst 2, aber das versteht er wiederum nicht. Er meckerte und fing an zu weinen. Das frustrierte die Kleine, und so waren wieder alle im üblichen Kreislauf drin. Obwohl es bis zum Abendritual keine größeren Dramen gab, war sofort wieder eine Anspannung vorhanden, mehrere kleine Scharmützel wurden ausgetragen, der Große ärgerte sich öfter, und am Ende kam es dann wieder so, dass sich je ein Erwachsener um ein Kind kümmerte, wie so oft, und wie es auch Rosas Welt beschreibt. So ist das eben mit 2 Kindern (wie es bei mehr Kindern sein mag, will ich mir gar nicht vorstellen).

Die letzten Tage nur mit der Kleinen waren dagegen sehr ruhig und von Auszeiten geprägt. Mein Mann hat sie mehrmals allein übernommen und ich konnte mich ein bisschen regenerieren. Auch in der Zeit zu dritt konnten wir gut entspannen, weil nicht ständig Konflikte zu schlichten, Kinder zu trösten und Trubel und Streit zu ertragen waren. Es ist wirklich ein enormer Unterschied, nur für die Bedürfnisse eines Kindes zuständig zu sein und sich abwechseln zu können. Es wäre interessant, mal zu testen, ob es mit dem Großen allein auch so entspannt wäre oder ob es an der Kleinen liegt, die doch ein zufriedeneres Wesen hat. Als ich mit dem Großen im Februar zuhause blieb, weil er kränklich war, hatten wir ebenfalls ruhige Tage. Ich denke, es liegt tatsächlich daran, dass 90% des Konfliktpotentials wegfallen. Und das betrifft nicht nur die direkten Auseinandersetzungen zwischen den Geschwistern, sondern die unterschiedlichen Bedürfnisse, die so schwer allgemein zufriedenstellend zu erfüllen sind. Irgendeiner ist immer sauer, enttäuscht oder unzufrieden, und da stecken wir Eltern schon weitestgehend zurück. Das hatte ich mir nicht so schwierig vorgestellt. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu sehr auf Harmonie bedacht und dass keiner zu kurz kommt. Ich kann es schlecht ertragen, wenn meine Kinder frustriert sind.

Damals, mit nur einem Kind, haben wir die Ruhe nicht so empfunden. Der Große war jünger und noch wesentlich schwerer zu händeln als jetzt. Er war sehr unzufrieden und man musste sich schon rein kräftemäßig mit seiner Betreuung abwechseln. Jetzt aber ist es viel leichter mit ihm und man könnte sich adäquat und exklusiv auf ihn einlassen, wäre er allein. Und auf die Kleine ebenso. Aber dann würde man wahrscheinlich mehr Leben in der Bude vermissen;). Ich will damit nur sagen, dass es, obwohl man es als Ein-Kind-Eltern nicht so empfindet, doch einen riesigen Unterschied gibt. Nun sind wir wieder zu viert und alle müssen sich wieder aneinander anpassen. Bis zum nächsten Mal, was dann die Kitareise des Großen im Juni sein wird.

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