Dienstag, 13. Januar 2015

Meine Vorbereitung auf das zweite Kind

Da es auf Twitter einige liebe Frauen gibt, die gerade mit dem zweiten Kind schwanger sind und möglicherweise etwas zu optimistisch an die unberechenbare Situation der Hochschwangerschaft, Geburt und Wochenbettzeit mit einem schon vorhandenen ersten Kind herangehen, möchte ich heute einmal aufschreiben, was ich alles vorbereitet hatte, falls es bei mir zu Komplikationen vor oder nach der Geburt gekommen wäre. Zum Glück war das ja nicht nötig, aber ich wollte trotzdem vorbereitet sein. Ich bin kein Mensch, der etwas gern dem Zufall überlässt oder zu optimistisch an unvorhersehbare Dinge herangeht. Meines Erachtens nach ist das auch nicht angebracht, gerade, wenn man schon ein Kind zu versorgen hat. Oder wenn man eine Vorgeschichte hat (Komplikationen bei der ersten Schwangerschaft/ Geburt oder Schwierigkeiten in der Wochenbettzeit wie bei uns). Ich finde, gute Vorbereitung ist alles und macht den Kopf frei für die letzten Wochen und die Geburt. Der Große war übrigens 26 Monate alt, als die Kleine geboren wurde.

Vor der Geburt:

- Ich habe mit meinem Mann mehrere Notfallpläne entworfen, für den Fall, dass ich vor der Geburt liegen müsste und er unser Leben allein organisieren müsste. Zum Glück war unser Sohn in der Kita in Betreuung, so dass wir uns um die Kernstunden des Tages wenigstens keine Sorgen machen mussten. Mein Mann hätte in dem Fall abwechselnd mit Freunden den Großen zur Kita gebracht oder abgeholt. Auch die Großeltern wurden vorbereitet, sich im Fall der Fälle schnell ins Auto setzen zu müssen (sie wohnen 300 km entfernt).

- Ich habe die am nächsten wohnenden Freunde darauf vorbereitet, dass ich im Notfall mal morgens oder nachmittags spontan anrufe, damit sie den Großen in die Kita bringen bzw. abholen können, wenn ich mich so gar nicht in der Lage fühle. Gerade der vorletzte Monat der Schwangerschaft mit der Kleinen fiel mir extrem schwer und ich konnte manchmal kaum noch laufen, weil sie mir gefühlt so tief hing. Außerdem hatte ich schon oft fiese Vorwehen, was für die Betreuung eines aktiven Zweijährigen nicht gerade optimal war.

- Das Zu-Bett-Bringen hatte mein Mann schon ab dem 13. Monat des Großen übernommen, als er nicht mehr durch das abendliche Stillen einschlief. Das war natürlich sehr gut. Wenn nur ich den Großen hätte ins Bett bringen können, hätte mich das in Hinblick auf das Baby sehr gestresst. Wäre es nötig gewesen, hätten wir die Einschlafsituation in jedem Fall schon vorher mit dem Papa geübt. Ich stelle es mir für ein Kind schlimm vor, wenn die Mama, vielleicht noch mit Wehen, ins Krankenhaus verschwindet, sie ein paar Tage gar nicht da ist und dann noch erstmals der Papa das Schlafen-Bringen übernimmt. Das muss ein Kind doch ziemlich verstören. Ich bin überhaupt kein Freund der Haltung "Ach, das wird schon irgendwie." Optimismus in allen Ehren, aber Realismus ist oft gesünder. Die Situation ist für alle Beteiligten, vor allem für das erste Kind, verstörend genug. Da sollte man Sicherheit schaffen und nicht noch mehr neue, unbekannte Situationen heraufbeschwören.

- Da ich wirklich Angst hatte, dass ich meinen Mann nicht erreiche, wenn es losgeht, habe ich ihn immer wieder erinnert, das Handy nicht stumm zu schalten. Außerdem habe ich mir mehrere  Durchwahlnummern seiner Kollegen geben lassen, um ihn zu erreichen, falls er auf Arbeit nicht am Platz ist.

- Ich habe alles soweit vorbereitet, was vorzubereiten ging. Putzen, einkaufen, Wäsche etc. musste immer "auf Stand" sein, sonst hätte ich mich verrückt gemacht. Da die Kleine entgegen meiner Voraussagen ganze 9 Tage überfällig war, zog sich der Endspurt noch einmal zäh.

- Mein Mann hatte ein paar Tage vor dem Geburtstermin schon Urlaub und dann ab Geburt Elternzeit, so dass die nervenaufreibende Angst wegfiel, nicht rechtzeitig da zu sein oder nach einem langen Arbeitstag eine noch längere Geburt mitmachen zu müssen.

Für die Geburt:

- Wir haben mehrere Szenarien durchgespielt für die Organisation der Geburtssituation. Es war für uns keine Option, meine Eltern schon vor dem Termin bei uns zu beherbergen, damit sie gleich vor Ort sind, wenn es losgeht. Das hätte nur Stress gebracht und wäre im Nachhinein bei 9 übertragenen Tagen auch für alle viel zuviel gewesen. Im Idealfall hätte die Geburt während der Kitazeit des Großen stattgefunden. Nun, der Idealfall klappt selten, und sich darauf zu verlassen ist naiv. Beim Start zur Wachzeit des Großen hätten die beiden Männer mich in die Klinik gefahren und je nach Tageszeit/ Situation hätte mein Mann dann entweder versucht, den Großen direkt bei Freunden unterzubringen, oder er hätte sich eben weiter um ihn gekümmert, bis er wieder in Betreuung ist. Bei einem nächtlichen Beginn sollte mein Mann mich ins Krankenhaus fahren und dann wieder nach Hause zurückkehren.

So ist es dann auch gekommen. Die Wehen begannen nachts, frühmorgens um 4:30 Uhr weckte ich ihn und wir fuhren um 5:00 Uhr los. Um 5:30 Uhr war mein Mann wieder zuhause. Der Große wachte ziemlich zuverlässig gegen 6 Uhr auf. Er wollte ihn dann ganz normal und ruhig fertigmachen, in die Kita bringen und dann nachkommen. Da die Kleine schon um 6:35 Uhr geboren war, hat das nicht geklappt;). Das war aber überhaupt nicht schlimm; im Gegenteil, es war perfekt, weil ruhig und unaufgeregt für alle Beteiligten, und weil wir nicht erst in der Situation überlegen mussten, wie wir es denn nun machen, sondern einfach Plan X aktivierten. Dazu muss man sich selbst aber auch darauf vorbereiten, dass die Geburtssituation anders als beim ersten Kind und eventuell eben allein vonstatten geht. Es war für alle die schonendste und entspannteste Variante und ich bin super glücklich, dass es so gelaufen ist.

Für die Zeit nach der Geburt:

- Ich habe eine dreiseitige (!) Liste mit Wünschen und Anweisungen für meinen Mann und meine Eltern geschrieben, weil ich mich noch gut erinnerte, was ich nach der ersten Geburt alles vermisst hatte. Darin enthalten waren Wünsche nach regelmäßigen warmen Mahlzeiten, weil ich ab dem Milcheinschuss immer einen so existenziellen Hunger hatte. Getränke zum Stillen hinstellen. Frisches Obst. Dazu kamen nun noch Aspekte wie Organisatorisches für die Kita und Wichtiges zum Tagesablauf des Großen (vor allem für die Großeltern). Da ich nach der ersten Geburt wochenlang total geschwächt und kaum einsatzfähig war, hätte es ja auch wieder so kommen können. Es hat mich enorm entlastet, das alles niedergeschrieben zu haben. Das Meiste hat dann auch gut geklappt.

- Ich habe mehrere Essenslieferdienste, Reinigungsservices, Mütterpflegerinnen und Lebensmittellieferanten herausgesucht und zusammengestellt. Für den Fall, dass es ähnlich chaotisch wird wie nach der ersten Geburt, wo wir nichts gebacken bekamen. Nur hatten wir jetzt 2 Kinder zu versorgen. Die monatelange Babysittersuche war ja leider erfolglos verlaufen, wie hier beschrieben.

- Ich hatte sämtlichen Formularkram bis auf den Namen und das Geburtsdatum schon ausgefüllt, kopiert, Umschläge für die Geburtsanzeige vorgeschrieben und frankiert. Das war bei beiden Geburten segensreich, weil ich eigentlich nie danach den Nerv hatte, mich um diese Dinge zu kümmern. So aber ging alles total schnell und wir erhielten auch schnell die entsprechenden Zahlungen (Kindergeld, Elterngeld).

- Ich hatte mir auch Rückbildungskurse schon herausgesucht, so dass ich mich gleich nach der Geburt dafür anmelden konnte und nicht noch wertvolle Zeit mit dem Recherchieren verbringen musste.

- Ich habe immer wieder gesagt, dass ich mich mit der Kleinen wirklich ins Bett legen will (und habe das auch viel gemacht). Etwas, was nach der ersten Geburt völlig zu kurz kam. Da eine Mutter sich ja normalerweise nicht mal ins Bett legt, wenn sie krank ist, ist das auch ein wichtiges Signal an den Partner, jetzt Verantwortung zu übernehmen. Das müssen die meisten Männer auch erstmal lernen.

- Sollte das erste Kind noch zuhause betreut werden, ist die Situation ungleich schwerer. Hier kommt es vor allem darauf an, regelmäßig Unterstützung zu finden, um als Mama nicht auszubrennen. Je nach Charakter der Kinder kann es verdammt schwierig sein, die verschiedenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Und wie ich vor kurzem in diesem Beitrag schon schrieb: "Erwartet nicht, dass das zweite Kind genauso wie das erste wird. (...) Wenn man ein Kind hat, das nur herumgetragen werden will, wochenlang Clusterfeeding betreibt und nur im fahrenden Kinderwagen schläft, kann man sich nicht adäquat um ein größeres Geschwisterkind kümmern. Macht einen Notfallplan für diesen Fall."

Ich kann die Zweitschwangeren nur ermutigen, sich gut vorzubereiten. Vor allem für diejenigen, die stark zur Grübelei und zum Perfektionismus neigen (wie ich), kann eine solche Vorbereitung sehr entlastend sein. Ich will nicht dramatisieren oder vom Schlimmsten ausgehen oder Optimismus rauben, aber es gibt doch immer wieder so viele Fälle, wo eben nicht alles gut gegangen ist und die Betroffenen dann völlig überstürzt ihr Leben neu organisieren mussten. Sei es vor oder nach der Geburt.

Ich wünsche den lieben Zweitschwangeren alles erdenklich Gute! Vielleicht habt ihr den einen oder anderen Tipp mitnehmen können.

Wie war es bei euch Mehrfachmamas, wie habt ihr euch auf die Geburt des zweiten (oder dritten) Kindes vorbereitet? Gibt es noch wichtige Tipps, die ihr teilen könnt und wollt?

Und so lief die Geburt und die Wochenbettzeit der Kleinen dann ab.

Kommentare:

  1. Liebe Frühlingskindermama,
    danke schön für die ausführliche Zusammenstellung. Den Formular-Kram werde ich auf jeden Fall auch schon vorher erledigen, denn das hat uns bei der ersten Tochter auch sehr viel Zeit und Aufwand erspart und wir hatten mehr Gelegenheit, dass wir uns ganz auf sie und uns als Familie konzentrieren können.
    Ich werde vorher viel Essen einfrieren, damit wir bei Zeitnot schnell was auftauen können, z. B. Eintöpfe, Suppen, usw. Trotzdem bleibe ich optimistisch, dass wir das hinbekommen - glücklicherweise sind wir ja den ersten Monat Tag und Nacht zu zweit, da mein Mann Elternzeit hat.
    Was ich allerdings anders machen werde als Du bzw. als Tipp nicht annehmen, ist, dass ich die Situation vorher abends zum Einschlafen nicht üben werde mit unserer Tochter. Sie braucht mich zum Einschlafen und das werde ich ihr ermöglichen, so lange ich kann. Wie bei vielen anderen Situationen auch, bin ich davon überzeugt, dass es klappen wird, wenn es muss.
    Wenn ich nicht da bin, schläft sie sicherlich auch ohne mich ein. Wir haben hier schon drüber nachgedacht und einen fertigen Plan in der Tasche. Sollte die Geburt sich tagsüber ankündigen, geht sie für die Zeit der Geburt zur Tagesmutter, die uns das freundlicherweise angeboten hat.
    Wenn es nachts losgeht, bleibt entweder mein Mann bei ihr (oder wenn er mich zum Krankenhaus bringen muss und unsere Tochter weiterschlafen sollte) kommt die Tagesmutter zu uns. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass wir diesen Luxus von der Tagesmutter angeboten bekommen haben, gerade weil wir keine Großeltern in der Nähe haben.
    Es kommt oft sowieso ganz anders, als man es geplant hat und ich denke, wir sind auf alle Tages- und Nachtzeiten ganz gut vorbereitet. Die Klinik ist nur 1 km entfernt, sodass es keine lange Fahrt dorthin ist. Die Tagesmutter wohnt dort ganz in der Nähe, sodass es ein Weg ist, falls unsere Tochter dann zu ihr geht. Bei ihr ist sowohl Mittagsschlaf als auch das Einschlafen abends kein Problem, das haben wir bereits erfahren.
    Ich werde einige Zeit vor dem Termin beginnen, mit ihr darüber zu sprechen und ihr zu erklären, dass Mama dann ins Krankenhaus geht für die Geburt und wir danach wieder zusammen sind und sie dem Baby dann "Hallo" sagen kann.
    Sie versteht schon viel und bisher hat das mit dem Erklären immer gut geklappt.
    Alles Andere für die Zeit danach lasse ich auf mich zukommen und ich bin sicher, dass wir das hinbekommen, beiden Kindern gerecht zu werden.
    Ich war immer und bin bereit, mich nach den Kindern auszurichten und sie den Tagesablauf bestimmen zu lassen. Dass es stressiger wird als vorher mit einem Kind, ist mir bewusst. Ich denke aber auch, dass sich die Erleichterung schnell einstellt, wenn sich die Kinder miteinander beschäftigen können. Optimismus und daran glauben, dass alles gut wird, steht ganz oben auf meiner To-Do-Liste. Natürlich kann es anders sein, aber dann werden wir auch einen Weg finden, da bin ich mir sicher.
    Vielen Dank für Deinen hilfreichen Artikel mit tollen Tipps.
    Liebe Grüße
    Renate

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    1. Liebe Renate,
      danke für Deinen Kommentar. Dass sich die Tagesmutter so flexibel auf euch einstellt, ist ja echt toll. Das ist alles andere als selbstverständlich. Aber was ist, wenn sie krank oder im Urlaub ist? Es ist schwierig, wenn man keine Familie vor Ort hat, das ist ja bei uns nicht anders.
      Ihr kennt eure Tochter am besten und wisst oder vermutet, was funktionieren wird und was nicht. Mir geht es vor allem darum, nicht enttäuscht zu sein, wenn alles anders kommt als geplant. Bei uns war die Klinik auch ganz nah, was für die nächtliche Anreise natürlich optimal war und auch für die Nachmittags-Besuche des Großen mit dem Papa. Dass sich die Kinder miteinander beschäftigen, hat bei uns erst vor kurzem angefangen. Die Kleine ist jetzt 20 Monate alt. Interessant wurde sie für den Großen, als sie mobil wurde, aber so richtig miteinander spielen beginnt gerade erst. Also es ist eine lange Durststrecke, bis es soweit ist.
      Ihr schafft das! Wünsche Dir alles Gute, eine schöne Restschwangerschaft und Geburt!
      Liebe Grüße!

      P.S. Mit Suppen/Eintöpfen wäre ich in den ersten Wochen nicht weit gekommen;) Ich habe ungefähr doppelt soviel wie sonst gegessen, vor allem Fleisch/warme Mahlzeiten. Das Stillen hat mich so hungrig wie noch nie zuvor in meinem ganzen Leben gemacht:)

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